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Full text of "Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft"

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Zeitschrift 


der 


Deutschen  geologischen  Gesellschaft. 


XXII.  Band. 

1870. 


Mit  yi^erundswanzig  Tafeln. 


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BerliB.  1870. 

Bei   Wilhelm  Hertz  (Bessersche  Buchhandlung). 

B«bren-8trMS«  No.  7. 


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Zeitschrift 


der 


eutschen  geologischen  Gesellschaft 


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XXII.  Band. 

1870. 


Mit  vierundswanzig  Tafeln. 


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Berlin,  1870. 

^^i  Wilhelm  Hertz  (Bessorsche  Buchhandlung). 

B«hren-8trMS«  No.  7. 


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Inhalt. 


Seite 
A.    Anfsätse. 

Tb.    Kjf.rplf.     Ueber  die  Terrassen   in  Norwegen   und   deren 

Bedeutung  fUr  eine  Zeitberechnnng  bis  zor  Eiszelt  zurück         1 

Delbssp.     Lithologie  der  Meere  der  alten  Welt 15 

A.  KuNTH.      Beiträge  znr  Kenntniss  fossiler  Korallen.     (Hierzu 

Tafel   I) 24 

RoKGF.     Anstehende  Juragesteine  im  Regierungsbezirk  Bromberg. 

(Mit  einer  Kane  auf  Tafel  II.) 44 

AstCB.      Der    Ararat,    in     genetischer    Beziehung     betrachtet. 

(Hienu  Tafel  III.) 69 

WiBSKT.    Ueber  die  chemische  Constitution  des  Uranophans  92 

FsRD.  RoettBR.     Nekrolog  von  Fribdricr   Adolph  Roeiibr    .     .      96 

EiASuaL  KüTi^ER.    Ueber  die  Contactmetamorphose  der  körnigen 

Diabase  im  Harz 103 

6.  DstENDT.  Geologie  des  Kurischen  Haffes  und  seiner  Umge- 
bung     173 

•      J.  Roth.     Mab.  Gbassi,  Ueber   die   Ausbrüche   des    Aetna   im 

Norember  und  December  1868 189 

Hebhann  CaBDifEB.  Die  Kreide  von  New  Jersey.  (Hierzu  Ta- 
fel IV.) 191 

J.  Roth.  Ueber  die  Gleichzeitigkeit  der  Vulkane  Ton  Latium 
nnd  des  Menschen  und  über  die  paläoethnologischen  Funde 
in  der  römischen  Campagna  überhaupt 252 

Zbcscbner.  Beschreibung  neuer  Arten  oder  eigenthtimlich  aus- 
gebildeter Versteinerungen.     (Hierzu  Tafel  V.,  VI.,  VII.) 

Beb  K.  Bmbrsom.  Die  Liasmnlde  von  Markoldendorf  bei  Ein- 
beck.   (Hierzu  Tafel  VIII.,  IX.,  X.) 271 

J.  LmBBRG.     Ueber   einige  Umwandlungen    finländischer  Feld- 

tpathe 335 

Zbcscbner.     Einige  Bemerkungen  über  die  geognostische  Karte 

Ton  Oberschlesien,  bearbeitet  von  Herrn  Ferdinand  Bobmrr     373 

Pacil  Qbotr.  Ueber  den  Topas  einiger  Zinnerzlagarsfatten,  be- 
sonders von  Altenberg  und  Schlaggenwalde,  sein  Vor- 
kommen und  seine- Krystallformen.     (Hierzu  Tafel  XI.)         381 

Daubbce.     Synthetische  Versuche  bezüglich  der  Meteoriten,  Ver- 


Es  liegt  raEe  anzanehmen ,  dass  eine  ehemals  mit  der 
Terrasse  gleicli  hochstehende  Wasserfläche  die  Bildung  der 
Terrassep  .bewirkt  hahe.  Will  man  ann  das  Meer  als  Ursache 
aller.  Terrassen  von  der  obersten  bis  zur  untersten  annehmen, 
so  mas^'  man  in  allen  Terrassen  Seewasserfossilien  nach- 
weisen and  zugleich  eine  gleichmäseige  Bildung  an  allon  diesen 
Stufen  zeigen.  —  Indessen  kennt  man  fossile  Seethiere  nur  bis 
500  600'  Meereshohe,  und  auch  die  Bildung  des  Thalbodens 
wird  an  diesem  Punkte  deutlich  eine  andere,  wie  man  das  auf 
einer  geologischen  Karte  sehen  kann.  So  oft  man  „Muschel- 
mergel^  aus  höherem  Niveau  gebracht  hat,  so  oft  erwiesen 
sich  die  Muscheln  als  Susswasserbewohner,  und  für  hoher  ge- 
legene Seethiere  ist  niemals  ein  Gewährsmann  aufgetreten. 
Auch  die  ganze  Natur  des  Thalbodens  ändert  sich  in  vielen 
Thälern  in  dieser  Hohe  sehr  deutlich.  Uebec  dieser  Grenze 
werden  thonige  Schichten  selten  und  der  Boden  ist  nur  mit 
Sand  (Flomsand),  Gerollen  und  Steinen  bedeckt;  unterhalb 
derselben  findet  man  oft  grosse  thonige  Ebenen,  über  welche 
der  vom  Inland  hergeführte  Sand  noch  oft  ein  Stuck  weit 
ausgebreitet  ist ,  so  dass  man  in  einem  Einschnitt  unten  Thon, 
oben  Sand  sieht.  Es  ist  also  bei  500—600'  die  höchste  alte 
M  e  e  r  e  8  terrasso ,  die  oberste  Marke  eines  früher  bis  hierher 
stehenden  Meeres.  Die  Terrassen  unterhalb  derselben  können 
Marken  eines  späteren  niedrigeren  Wasserstandes,  sein ,  for  die 
Bildung  höher  gelegener  Terrassen  muss  man  aber  andere  Ur- 
sachen nachweisen. 

Es  ist  ziemlich  einfach,  die  Terrassen  nach  ihrer  Lage  in 
zwei  grosse  Gruppen  einzutheilen : 

1)  Terrassen  in  freier  Lage  (aaben  Situation). 

2)  Terrassen  in  geschlossener  oder  begrenzter  Lage  (lukket 
Situation). 

Die  letzteren  sind  solche,  welche  sich  an  irgend  eine  das 
Thal  durchzißhende  Barriere  anlehnen,  während  die  ersteren 
nie  mit  einer  solchen  in  Verbindung  stehen.  Die  eigentlich 
marinen  Terrassen  liegen  sämmtlich  frei,  die  InlaodsteiTassen 
sind  fast  alle  deutlich  begrenzt. 

Schon  1858  hat  Herr  Kjsrulp  nachgewiesen,  dass  dreierlei 
Umstände  die  Bildung  einer  Terrasse  veranlassen  können: 

1)  der  alte  Seestand,  etwa  600'  über  dem  heutigen; 

2)  alte  Grundmoränen,   welche  das  Thal  während   einer 


beatimmten  Periode   nach  der  Eisseit  sperrten,   so   dass   sich 
hinter  ihnen  ein  Bassin  bilden  konnte; 

3)  Sperrang  darch  anstehendes  Oesteiu  mit  derselben  Wir- 
kang  wie  bei  2. 

In  allen  Fallen  ist  die  Endursache  der  Terassenbildang 
dieselbe;  ea  masste  nämlich  eine  Wasserfläche  vorhanden  sein, 
welche  bewirkte,  dass  das  Material,  welches  die  Gewässer  mit 
ucb  schleppten,  lu  einer  Stelle  bis  £Q  der  bestimmten  Höhe 
ufgebäoft  werden  konnte. 

Wo  nämlich  das  Meer  die  Gewässer  aufnahm,  da  konnte 
ds8  herabgeschwemmte  Material  sich  ablagern  bis  unter  die 
Meeresoberfläche,  so  wie  wir  es  heute  noch  an  dem  „Seestock^ 
oder  dem  ,Öre*^  sehen ,  welche  an  den  Mundungen  so  vieler 
Tbaler  li^en.  Wo  aber  eine  Grnndmoräne  im  Wege  lag,  bil- 
dete sieh  ein  Bassin,  was  in  gleicher  Weise  eine  Aufhäufung 
des  Materials  bis  snr  Höhe  des  Walles  suliess,  und  dasselbe 
fand  bei  Sperrung  durch  anstehendes  Gebirge  statt. 

Stellt  man  sich  nun  vor,  dass  der  Meeresspiegel  sinkt, 
oder  dass  die  Moräne  oder  Gebirgssperrung  durcbgewaschen 
wird,  so  wird  in  jedem  Falle  ein  Theil  des  abgelagerten  Ma- 
terials liegen  bleiben,  während  sich  die  Wasser  eine  Rinne 
grsben,  d.  fa.  es  wird  eine  Terrasse  zum  Vorschein  kommen, 
deren  Oberfläche  dem  alten  Wasserstande  entspricht. 

im  südlichen  und  ostlichen  Norwegen  sind  die  Haupt- 
üuÜer  lang  und  munden  zum  Theil  in  grosse  Ebenen,  in  denen 
eise  Uebersieht  nicht  leicht  zu  erlangen  ist.  Aber  doch  kann 
msQ  die  höchste  alte  Seeterrasse  an  verschiedenen  Verhält- 
oissen  erkennen,  und  zwar  mitunter  recht  sicher. 

Im  nördlichen  und  westlichen  Theile  des  Landes,  wo  die 
Tbäler  kurzer  sind  und  schnell  emporsteigen,  sind  die  Terrassen 
viel  leichter  zu  erkennen;  sie  folgen  hier  rasch  hinter  einander 
bis  zQ  gewisser  Höhe  und  verschwinden  dann  oft  völlig. 

Wie  nun  die  höchste  Terrasse^  welche  wir  rund  bei  600' 
aber  dem  jetzigen  Meeresspiegel  setzen  können,  nicht  als  Ter- 
rasse vor  nns  liegen  wurde,  wenn  nicht  die  Veränderungen 
zwischen  dem  gegenseitigen  Stande  des  Meeres  und  trockenen 
Landes  vor  sich  gegangen  wären,  die  man  bis  jetzt  am  besten 
ond  konesten  mit  dem  Worte  „Hebung  des  Bodens^  erklä- 
ren so  können  glaubte,  so  ist  es  klar,  dass  auch  die  unteren 

1* 


TerrasBen   in   einem  gev^issen  Verhältaisse   eu  dieser  Hebung 
des  Bodens  stehen. 

Man  bat  den  Satz  ausgesprochen:  Skandinavien  steigt, 
oder  der  feste  Felsgrund  der  Halbinsel  hebt  sich  aas  dem 
Meere  empor.  Dass  das  Land  gestiegen  ist,  erhellt  aus 
den  Seethierresten ,  welche  in  den  Thon-  und  Sandscbichten 
oder  als  ganze  Muschelbänke  gefunden  werden.  Aber  man 
beruft  sich  auch  auf  Thatsachcn,  welche  beweisen  sollen,  dass 
eine  solche  Steigung  auch  heut  sEuTago  noch  vor  sich 
geht.  Die  Sunde,  heisst  es,  werden  seichter;  die  Häfen  bat 
man  weiter  hinaus  rucken  müssen ;  die  Inseln  werden  allmälig 
höber;  Schären  kommen  £um  Vorschein  an  Stellen,  wo  man 
früher  die  See  nur  selten  schäumen  sab;  Marken,  die  in  alter 
Zeit  an  der  Seekante  eingehauen  wurden,  scheinen  jetst  hoher 
über  der  See  zu  stehen  als  früher.  Schon  lange  haben  schwe- 
dische Forscher  zu  beweisen  versucht,  dass  die  schwedische 
Rüste  längs  des  botuisohen  Busens  sich  hebt,  und  dass  die 
Hebung  je  weiter  nördlich  in  der  Bucht  um  so  stärker  sein 
sollte,  während  sie  südlich  von  Stockholm  schwach  oder  nicht 
vorhanden  wäre. 

Ueber  die  norwegische  Küste  sind  so  bestimmte  Behaup- 
tungen nicht  aufgestellt  worden.  Immerhin  ist  durch  die  Be- 
hauptungen über  die  Ostküste  Skandinaviens  das  Missverständ» 
niss  hervorgegangen,  als  ob  es  bewiesen  sei,  .dass  die 
Hebung  am  stärksten  am  Nordkap  sei,  und  dies  wandert  in 
ausländischen  Werken  von  einem  Verfasser  eum  andern.  Am 
Nordkap,  heisst  es,  macht  die  Hebung  5'  aus  pro  Jahrhun- 
dert. Die  Hebung  am  Nordkap  legt  man  zu  Grunde,  wenn 
man  sagt:  5^  am  Nordkap  und  0  weiter  südlich,  also  im  Mittel 
2y  im  Jahrhundert,  ist  das  Maass  für  die  Hebung  Skandina- 
viens. Nun  hat  aber  Professor  Keilhau  weder  am  Nordkap, 
noch  an  irgend  einem  Punkte  der  nördlichen  norwegischen 
Küste  irgend  einen  Beweis  gefunden ,  dass  eine  Hebung  noch 
jetzt  vor  sich  gehe,  und  nebenbei  sei  bemerkt,  dass  es  für 
uns  Nordländer  nicht  gerade  sehr  gut  klingt,  wenn  man  das 
Nordkap  als  Stützpunkt  für  eine  Zahl  anführt,  mit  der  man 
den  Gruud  zu  einer  ungeheueren  Zeitrechnung  gelegt  hat. 

An  die  Hebung  des  Landes  hat  man  Fragen  über  die 
Eisseit  geknüpft.  Da  man  glaubte  wahrgenommen  zu  haben, 
dass  die  im  Eismeere  treibenden  Eisberge,  bevor  sie  stranden, 


&af  dem  Grande  scheaem  and  pressen«  und  da  man  sie  Blocke 
3i2f  ihrem  Rücken  tragen  sah,  so  hat  Sir  Charles  Ltbll  vor 
Zeiten  die  Ansicht  aufgestellt,  dass  die  Scheaermarkon  auf 
'iosereo  Fjelden  von  Eisbergen  herrührten  und  die  erratischen 
Blöcke  von  ihnen  ausgestreut  worden  wären.  Diese  Theorie  ge- 
wAon  eine  Zeit  lang  allgemeine  Zustimmung,  wird  aber  nun  mehr 
and  mehr  verlassen,  aber  die  Zeitrechnung  prangt  noch  heute 
mit  der  angewohnlich  grossen  Zahl. 

Ich  habe  schon  vor  mehreren  Jahren ,  gestutzt  auf  Beob- 
a^htuQg  der  Scheuermarken   und  Wanderblocke,    auf  Betrach* 
toog  der  alten  Moränen  und  der  Verbreitung  des  marinen  und 
lolaadtbones ,   tu   beweisen   versucht   (indem    ich    die  Theorie 
einer  lolandsvergletschemng  adoptirte,  hauptsächlich  mit  Herrn 
Dr.  Ruk's  Beschreibung   von  Grönland  vor  Augen),  dass  nur 
eio  verbältnissniässig  kleiner  Theil   von  Norwegen   unter  der 
kftlten  Meeresbedeckung  während  der  Biszeit  lag.     Marine  Ab- 
lagerungen verschwinden  gänzlich   bei  500 — 600'  Hohe,   d.  b. 
geoaa  da,    wo    wir  die   deutlichste  Terrasse  getroffen   haben. 
Diese  Behauptung  stand  in  bestimmtem  Gegensätze  au  der  von 
Herrn  Ltbll  entwickelten  Theorie,  welche  bei  weitem  grossere 
vd"  und  niedergebende  Bewegungen    voraussetzte,    und  auch 
Herr  Lyell  hat    später  in  Folge  von    dieser  Behauptung  an- 
erkaoot,  dass  wahrscheinlich  der  grossere  Theil   des  Landes 
aber  Wasser  lag.     Hierbei   komme   ich   auf  die  Zeitrechnung. 
Sobald  mit  Bestimmtheit  gesagt  werden  kann,  dass  ganz  Skan- 
öinzrieo  oder  ein  Theil  des  Landes  laugsam    aus  dem  Meere 
sieb  bebt,   ist   ee  ganz  in  der  Ordnung,  dass  man   die  Zahl 
oder  das  Zeitmaass ,   welches   man  heutzutage  für  die  Hebung 
oichweisen  kann ,    auch  anwende ,   um  die  frühere  Hebung  zu 
messeo.    Diese  Hebung  fuhrt  uns  bis  zur  Eiszeit  zurück,  und 
<ia  es  mehr  und  mehr  wahrscheinlich   wird,   dass  Spuren  von 
<ier  Existenz   des  Menschen   bis.  zur   Biszeit  verfolgt   werden 
kooDeu,  80   wird  diese  Zeitrechnung  auch   fiir  Nichtgeologen 
voQ  besonderem  Interesse. 

LrsLL  hat,  gestützt  auf  die  angenommene  Hebung  am 
Nordkap,  angenommen,  dass  im  Mittel  2|'  (eigentlich  englisch) 
HeboDg  einer  Zeit  von  hundert  Jahren  entsprechep.  Mit  dieser 
Zahl  wurde  man  für  den  oft  erwähnten  nachweisbaren  See- 
tCand  von  600'  (eigentlich  norwegisch)  über  dem  Jetzigen 
'U.OOO  Jahre  erbalten,    und    man   sollte   glauben,    dass   dies 


:j^OvKt    tft^.i'   reo!if  «Bsebo/icbe  Zahl    fSr  die  moderne  Geologie 
^v:    4.:<fiit    sie    reicht    bei   weitem    nicht   aus  I      Denn    indeni 
LwiL  die  sichere  Hebung  Skandinaviens  an  die  Spitze   sei> 
3tfr  Beir^jichtung  auch  anderer  Länder  stellt,    gelangt  er   dazu, 
«che>e  Aahl   auch   auf  England   and   Wales    anzuwenden.      Und 
vie  die  Theorie  der  schwimmenden  Eisberge  es  fordert ,     ver- 
doppelt er  hierbei  die  Bewegung,  indem  er  ein  totales  Unter- 
sinken und  Auftauchen  annimmt;  er  erhält  so   244,000  Jahre, 
weiche   der    Höhe    entsprechen    wurden,    bis    wohin   in   jenen! 
Ländern  Terrassen  (stratified  drift)  gefunden  werden.  —  Aberi 
•s  giebt  einen  Punkt  im  Anfange  dieser  Schlussweise,  auf  denl 
man  sich   als  korrekt  und   fest  verlässt,    aber  welcher  in  der 
ganzen  Berechnung   der  schwächste  und  wenigst  gestutzte  ist. 
Das  ist  die  Voraussetzung,  dass  die  Bewegung  gleichförmig 
gewesen  sei.    Alle  Thäler  und  Küsten  an  Thalmundungen   lie- 
gen voll  von  Zeugnissen,  dass  die  Bewegung  nicht  gleichförmig 
gewesen    ist,   unM  diese  Zeugnisse  sind  gerade  die  Terrassen. 

Es  ist  offenbar,  dass,  sobald  wir  in  einer  grossen  Anzahl 
Wasserläufe,  sowohl  im  Süden,  Norden  als  Westen,  und  auch 
sowohl  in  längeren  als  kürzeren  Thälern  mit  schwacher  oder 
auch  mit  starker  Neigung,  nachweisen  können  eine  bestimmte 
Terrasse,  eine  Staffel,  welche  sich  etwa  überall  gleichbleibt, 
und  sobald  wir  ans  verschiedenen  Gründen  nachweisen  können, 
dass  diese  Terrasse  die  alte  höchste  Seestandsmarke  ist  oder 
die  marine  Grenze,  wie  sich  der  Geologe 'ausdrucken  wird,  so 
ist  es  zugleich  bewiesen ,  dass  die  Bildung  dieser  Terrasse 
abhängt  von  der  Oberfläche  des  alten  Wasserstandes. 

Eine  solche  Terrasse  aber  ist  wirklich  in  einer  grossen 
Menge  unserer  Thäler  nachgewiesen.  Wir  haben  also  hier 
einen  sicheren  Ausgangspunkt  und  können  uns  nun  umsehen 
nach  einer  Erklärung  für  alle  Terrassen,  welche  über  und  un- 
ter dieser  Terrasse  liegen. 

Es  muss  Jedem  klar  sein,  dass  wir  nicht  einen  Meeres- 
spiegel brauchen,  um  alle  Terrassen  zu  erklären.  Wir  haben 
nicht  einmal  das  mindeste  Recht  oder  irgend  eine  Veranlassung, 
an  einen  Seespiegel  zu  denken,  als  Erklärung  für  die  obersten 
Terrassen,  so  lange  wir  andere  Ursachen  nachweisen  können. 
Ich  habe  schon  angeführt,  dass  für  die  Terrassen,  welche 
über  der  deutlichsten  liegen ,  eine  Erklärung '  sich  sehr  oft 
gerades  Weges  darbietet  in  einer  Dämmung  und  Sperrung  im 


Wege  des  Wasserlaafes.  Eine  andere  Sache  ist  es  mit  den 
Terrassen  unterhalb  der  bemerk enswerthesten.  Hier  können 
wir  meistens  keine  andere  Ursache  beibringen  als  den  sinken- 
deo  Meeresspiegel  selbst;  denn  diese  Terrassen  liegen  immer 
offen  hinaus  gegen  die  Mundung  des  Thaies  und  stützen  sich 
oicbl  an  irgend  eine  Dämmung  oder  Sperrung. 

Bine  breite  Terrasse  scheint  wirklich  selbst  fSr  die  Be- 
trachtung jedes  einzelnen  Falles  den  Stand  für  einen  ehemali- 
gen Meeresspiegel  anzugeben.  Auf  andere  Weise  als  in  einem 
B&ssin ,  welches  ein  Inlandssee  oder  eine  Meeresbucht  wäre, 
kann  Material  nicht  in  einer  breiten  Ebene  abgelagert  werden. 
Man  hat  zeitig  die  Aufmerksamkeit  auf  verschiedene  Terrassen 
in  Finmarken  gerichtet,  und  man  hat  sie  mit  gewissen  Ero- 
sionsmarken  an  den  Klippen  verbunden  und  behandelte  diese 
losammen  als  alte  Strandlinien  oder  als  Terrassen,  „parallel 
laufend  mit  dem  Strande**  u.  s.  w;  Hierzu  ist  die  unrichtige 
Vorstellung  gekommen,  dass  die  Terrassen  dem  Meere  ihre 
ganze  Entstehung  verdanken  sollten,  und,  indem  man  die  Ar- 
beit des  Flusses  ausser  Acht  Hess,  hat  man  auch  die  verschie- 
denen, an  der  Euste  sichtbaren  Terrassen  mit  einer  gedachten 
Verbindungslinie  verbunden.  Die  wesentlichste  Arbeit  des  Mee- 
res am  Strande  ist  die  Zerstörung.  Das  Meer  allein  wurde 
keineswegs  Terrassen  bilden,  was  deutlich  genug  von  dem  ge- 
sehen werden  kann,  welcher  um  Norwegens  Küste  segelt, 
denn  der  sieht  nicht  Terrassen  unsere  ganze  Küste  umgürten, 
er  sieht  sie  nur  an  einzelnen  Stellen  —  nämlich  da,  wo  ein 
Wasserlauf  ausmundet.  Des  Wasserlaufes  wesentlichste  Arbeit 
ist:  Steine  und  Grus,  Sand  und  Lehmschlamm  —  kurz  gesagt 
Material  —  zum  nächsten  Wasserbehälter  herabzuschleppen. 
Die  Terrasse  ist  eine  Bildung  der  vereinigten  Arbeit  des 
Merres  und  Wasserlaufcs  (Bach,  Fluss,  Strom). 

Wenn  eine  solche  Fläche,  wie  die  neugebildete  Terrasse, 
trocken  gelegt  wird,  schneidet  das  rinnende  Wasser  tiefer  ein. 
Der  Bach  wandert  mit  der  Zeit  vor-  und  rückwärts  in  Schlin- 
gen, die  er  verändert,  sobald  nicht  Menschenhand  eine  Schutz- 
wehr in  den  Weg  legt.  Er  gräbt  sich  eine  breite  Rinne  durch 
die  Terrasse,  ebenet  sein  Bett  zu  einer  schiefen  Ebene  und 
^on  der  Terrasse  bleibt  vielleicht  nur  eine  Spur  zurück  längs 
der  Seiten  des  Thaies  oder  da,  wo  ein  Seitenthal  hinzustösst, 
welches  neues  Material  zu  dem  des  Hauptthaies  brachte. 


8 

Sobald  nun  der  Meeresstaud  gleichförmig  und  langsam 
abnimmt,  ist  ia  keiner  Weise  eine  Ursache  vorhanden,  in 
Folge  deren  mehrere  hohe  und  deutliche,  regelmässige,  in 
offener  Situation  liegende.  Terrassen  sich  bilden  sollten ,  die 
eine  unter  der  anderen.  Denn  zur  Bildung  mehrerer  Terrassen 
ist  es  erforderlich,  dass  der  Meeresstand  eine  Zeit  lang  con- 
stant  bleibe  und  darauf  schnell  verändert  werde:  —  also  nicht 
eine  gleichförmige,  sondern  eine  ungleichförmige  Bewegang. 


Sinkt  der  Wasserstand  V  D  schnell  mit  einem  Male  nach 
f)d  und  tritt  darauf  ein  Zustand  der  Ruhe  ein,  so  wird  die 
Terrasse  T  trocken  gelegt  und  die  Terrasse  t  beginnt  in  dem 
tieferen  Wasserstande  sich  au  bilden. 


Sinkt  dagegen  der  Wasserstand  VD  gleichmässig  and 
langsam  nach  vd  und  darauf  weiter  herunter,  so  wird  das 
Material  des  Wasserlaufes  in  dieser  ganzen  Zeit  unter  dem 
Wasserstande  jedes  Jahres  abgelagert  und  es  wird  sich  eine 
schiefe  Ebene  bilden  von  VD  —  ^d^  aber  nicht  zwei  Terrassen. 

Da  wir  nun  nicht  finden,  dass  der  Boden  unserer  Thäler 
eine  schiefe  Ebene  darbietet  von  der  höchsten  marinen  Ter- 
rasse  bis  zu  dem  jetzigen  Seespiegel  oder  bis  zu  den  ,Oren^, 
sondern  da  er  mehrere  Terrassen  zwischen  diesen  beiden  Gren- 
zen zeigt,  so  können  wir  wohl  auch  mit  einiger  Sicherheit 
schliessen,  dass  die  Hebung  des  Bodens,  welche  die  Verän- 
derung des  Wasserstandes  verursachte,  nicht  gleichförmig  war, 
sondern  dass  sie  im  Gegentheil  ungleichförmig  war  und  in 
mehreren  Absätzen  vor  sich  ging. 

Die  Thatsache ,  dass  sich  mehrere  offene  Terrassen  in 
unseren  Thälern  unter  jener  höchsten  alten  Seeterasse  finden, 


jcbeiiit  somit  ans  za  zeigen  ^  dass  die  Bewegung  in  mehreren 
Stossen,  mit  dazwischen  eintretender,  verhaltnissmässig  lang- 
^mer  Bewegung,  wenn  nicht  Ruhe,  vor  sich  ging.  Da  die 
ßewegang  bei  jedem  Rucke  höchst  wahrscheinlich  verhältniss- 
mässig  rasch  war,  so  folgt  daraus,  dass  man  hier  zur  Zeit 
noch  keine  Zeitrechnung  ausfuhren  kann,  welche  irgend  welches 
Vertrauen  verdiente« 

Wenn  man  die  gewöhnliche  Natur  und  Beschaffenheit  des 
Seestockes  im  Verhältnisse  zu  den  Terrassen  in  unseren  mit 
^aud  und  Lehm  erfüllten  Thälern  betrachtet,  drangt  sich 
sehDell  die  Ueberzeugung  auf,  dass  die  marinen  Terrassen  die 
Seestocke  des  Baches  sind.  Der  'Bach  schleppt  das  Material 
herab,  das  Meer  breitet  es  aus.  Die  Oberfläche  der  Terrasse 
entspricht  der  Oberfläche  oder  dem  Rucken  des  Seestockes, 
aod  diese  letzte  richtet  sich  nach  dem  Stande  des  Meeres« 
Die  schiefe  Seite  der  Terrasse  (mit  30°  Neigung)  entspricht 
dem  schiefen  Abfall  des  Seestockes,  dem  ^^Maalbakken.*^ 

Bei  Laerdalsoren ,  Snndalsören ,  Lurendalsören ,  Orke- 
dalsoren,  Stordalsoren ,  Vaerdalsoren  u.  s.  w.  haben  wir  den 
Seestock  draossen  im  Wasser,  weiter  innen  im  Thale  erhebt 
sich  die  erste  Terrasse.  Wenn  der  Meerespiegel  plötzlich 
50--100'  tiefer  sänke,  so  würde  auch  bei  diesen  Oren  eine 
neue  Terrasse  zum  Vorschein  kommen,  nämlich  der  jetzige 
Seestock.  Der  Bach  wurde  demnächst  Sand  undThon  herbei- 
schleppen  und  dieses  neue  Material  aufs  Neue  dO — 100'  tiefer 
m  einem  neuen  Seestock  aufhäufen.  Ferner  wurde  der  Bach 
vfgen  der  durch  diese  angenommene  Veränderung  vermehrten 
Fallhöhe  anfangen ,  seine  Windungen  tiefer  in  die  neue,  ent-" 
bioBste  Terrasse  zu  graben  —  kurz,  das  ganze  Verhalten  wSrde 
hier  dasselbe  werden ,  wie  wir  es  nun  in  den  verschiedenen 
marinen  Terrassen  aufwärts  im  Thale  vor  uns  liegen  sehen. 

Hier  konnte  man  auch  anfuhren ,  dass  mit  einem  ruhige- 
ren Strome  vorzugsweise  Sand  und  Schlamm  gebracht  wird, 
mit  dem  stärkeren  dagegen  werden  auch  RoUsteine  in  Menge 
berabgefihrt ,  sobald  der  Bach  Gelegenheit  hat,  solche  zum 
Eollen  geeignete  Materialien  längs  seines  Laufes  ~zu  finden. 
Eine  Lage  Rollateine  ist  also  ein  Beweis  für  die  Arbeit  eiqes 
reissenden  Stromes. 

Aber  jedesmal ,  wenn  der  Seespiegel  unter  der  angenom* 
nenea  Veränderung  sinkt,  vermehrt  sich  die  ausgrabende  Kraft 


10 


des  Baches,  indem  der  Bach  einen  gleich  grossen  Zuwachs  in 
seiner  Fallhohe  erßhrt,  als  die  senkrechte  Hohe  der  Verände- 
rung beträgt.     Als  Folge  hiervon  sollten    wir  also  eine  Lage 
Rollsteine  zuoberst   auf  solchen  kleinen 
Terrassen  su   finden   erwarten,    welche 
die  Windungen  des  Baches  in  die  grosse- 
ren,  breiteren  Meerterrassen  eingraben. 
Nichts    ist   aber  gewohnlicher,    als    auf 
der  Spitze  und  an  der  Kante  dieser  klei- 
neren Terrassen  oft  schwere  Lagen  von 
Rollsteinen  anzutreffen. 

Ich  habe  versucht,  in  einer  Zeich- 
nung die  allgemeinen  Verhältnisse  wie- 
derzugeben. Ganz  links  liegt  der  See- 
stock, ganz  rechts  die  oberste  Terrasse 
des  alten  Seestandes  oder,  wie  wir  sag- 
ten, die  marine  Grenze,  Dazwischen  lie- 
gen mehrere  Terrassen.  An  einer  Stelle 
ist  die  Gebirgsliuie  unterbrochen;  hier 
mündet  ein  Seitenthal  in^s  Hauptthal,  und 
hier  findet  man  wieder  eine  hohe  Ter- 
rasse, welche  eine  Folge  der  aus  dem 
Seiten thale  herabgefuhrten  Materialien, 
während  eines  früheren  höheren  See- 
standes, ist.  Die  schiefe  Linie  vom  See- 
stock bis  zur  marinen  Grenze  bedeutet 
das  Bachbett,  welches  immer  eine  schiefe 
f^bene  zu  bilden  anstrebt. 

Um  Raum  zu  gewinnen,  sind  die 
Terrassen  dicht  an  einander  gezeichnet, 
und  der  Deutlichkeit  wegen  ist  ihre  Hohe 
im  Verhältniss  zur  Länge  rergrossert. 
Die  Oberfläche  der  Terrassen  ist  ausser- 
dem in  Wirklichkeit  nicht  völlig  horizon- 
tal, wie  es  in  der  Zeichnung  den  An- 
schein haf,  sondern  sie  neigt  sich  sehr 
schwach  von  innen  nach  aussen,  eben 
so  wie  die  letzte    aller  Terrassen    (der 

Seestock)  eine   sehr   wenig  geneigte  Ebene   bildet,    bevor  sie 
ganz    drausseu    zum    Maalbakken    hinabstürzt.     Als  der  Bach 


I 


11 

fein  Material  berabfSbrte  zu  dem  Seespiegel  1 ,   mosste  dieses 
MUeiial    bereiter  und  weiter    geführt  werden  zu  einer  schwach 
'ich  senkenden  schiefen  E^ene  (Oberflache  der  Terrasse).   Wenn 
der  Bach  lange  Zeit  nnd  mit  viel  Material  wahrend  eines  con- 
.^tanten    oder    sehr    langsam    sich    ändernden    Seestandes    ar- 
Uiiele,    so    wurde    eine    lange    schiefe   Ebene    hier   gebildet. 
Die    Oberflache    konnte    in    Folge    ihrer   Bildnngsweise    nicht 
völlig    horisontal    sein.     Die    oberen    Placbeu    der  Terrassen, 
welche  eigentlich  schiefe  Ebenen  sind,   geben   daher  nicht  ab- 
solut das    alte  Niveau  des  Meeresspiegels   an;   die  eigentliche 
Maxinsumsgrenze   wird   an    der  obersten   Kante   der  Terrasse 
angegeben. 

Nach  dieser  Auseinandersetzung  bezeichnet  also  das  steile 
Ende  jeder  einzelnen  Terrasse  eine  schnelle  Hebung;  die 
schiefe  obere  Fläche  dagegen  konnte  sich  während  einer 
laogsameo  Hebung,  wie  man  sie  etwa  für  Skandinavien  an- 
nimint,  bilden.  Bei  der  Berechnung  der  Zeitdauer  müssen  diese 
steilen  Terrassen  von  der  Gesammthobe  abgesogen  werden, 
und  wir  können  nur  so  viel  von  der  Hohe  in  Rechnung  zie- 
hen, als  die  schwach  geneigten  Oberflächen  angeben.  Wie 
viel  muss  da  nicht  von  24,000  Jahren  abgezogen  werden! 
Worde  man  jetzt  eine  Zeitrechnung  versuchen  wollen ,  welche 
ein  etwas  grosseres  Zutrauen  verdiente,  so  mSssten  zuerst  alle 
Maasae  ganz  aussen  nnd  innen  am  Fusse  jeder  Terrasse  be- 
stimmt werden.  Aber  in  der  Natur  widersetzen  sich  so  ge- 
oauen  Messungen  eine  Reihe  von  Verhältnissen  und  die  Be- 
rechnung lässt  sich  nicht  ausfuhren.  So  viel  lässt  sich  mit 
einem  Blicke  sehen,  dass  die  ongeheaere  Zeit  sich  verkürzt 
zu  einer  begreiflichen  Zahl  von  einigen  tausend  Jahren,  wenn 
überhaupt  in  unserer  Auffassung,  wie  sie  im  Vorhergehenden 
entwickelt  wurde,  einige  Wahrheit  ist. 

In  unserem  Bilde  vom  Unterlaufe  des  Thaies  liegen  diese 
Terrassen  alle  oflfen,  sie  stutzen  sich  nicht  an  hervorragende 
Felsen  oder  an  quer  Gber  das  Thal  gehende  Dämme.  Man 
konnte  zu  diesem  Bilde  ein  anderes  hinzufugen,  welches  den 
Oberlauf  des  Thaies  anschaulich  machen  wurde.  Wir  mussten 
da  auch  in  einem  solchen  Bilde  einige  Terrassen  zeichnen, 
aber  zugleich  vor  jeder  Terrasse  eine  besondere  Ursache  an- 
bringen, wie  einen  aus  Steinen  und  Geroll  zusammengesetzten 
Wall,  eine  Morane,  oder  die  in  einem  Edgpass  emporragenden 


12 

Klippen  u.  8.  vr.  Ab«r  eine  Wandening  in  der  NatQr  wird  die 
Sache  anactiaalichcr  maclieD  als  jedes  Bild. 

Die  Terrasfiea  siad  nicht  die  einzigen  Marken  von  Still- 
ständen in  der  Hebung  des  Landes,  welclie  Fremde  bisher 
meist  für  gleichförmig  hielten,-  Ich  habe  vor  mehreren  Jahren 
(1860)  bei  einer  anderen  Veranlassung  auf  iwci  andere  Puakte, 
welche  dasselbe  beieagen,  anfaierksam  gemacht.  Die  Uebereia- 
etiromung  swischeo  diesen  gann  verschiedenen  und  aas  Ter- 
scbiedenen  Beobachtungsreihen  entliehenen  Thatsachen  in  Be- 
lüg auf  die  Frage  einer  gleichförmigen  oder  ungleich  form  igen 
Hebung  ist  so  bemerkenswerth,  dass  ich  hier  kurz  auch  diese 
anderen  Punkte  besprechen  mues. 

Die  Seethiere,  welche  man  bei  uns  in  Lehm-  und  Sand- 
sohichten  fand,  kommen  von  sehr  verschiedenen  Fundstellen,  nnd 
es  war  mehreren  Forschern,  namentlich  Herrn  Loven,  auffallend, 
daaa  viele  von  diesen  Schnecken  und  Muscheln  Arten  an- 
gehören ,  welche  in  einem  nördlichen  Meere  und  unter  weit 
kälteren  Verhältnissen,  als  den  onsrigen,  wohnen;  aber  da- 
neben war  es  bekannt,  dass  andere  Muscheln  nicht  abwichen 
in  Form  und  Grösse  von  solchen,  welche  die  nabeliegenden 
Küsten  noch  heute  aufweisen. 

Die  Regel  für  dieses  scheinbar  ungeordnete  Vorkommen, 
bald  hoch ,  bald  tief,  bald  von  diesen ,  bald  von  jenen  See- 
thieren,  wurde  mir  klar,  als  ich  die  Hauptglieder  der  lusen 
Bedeckung  kennen  gelernt  hatte.    Denn  hier  ist  Alles  in  Ord- 


EDO'  böber  atsjeUt  reicht«.  Ba  ist  klar,  so  war  meiDe  Soblpss- 
'ulgcniag,  dass  Seethiere  während  dieses  WaeBerstandes  theils 
ai>|eseUt  «erden    raosalen   an    b«qaeineu   Stellen   (vtie  S)  lu 


MtschelbaDken  aa  den  Kästen,  also  in  einer  bestiinmtea 
Tiefe  DDter  dem  Spiegel,  tlieiU  tBDSStea  sie  hier  und  da  be- 
gnben  werden  nait  Lebm  nnd  Sand,  welcher  sich  gleichseitig 
thseute,  also  in  ganz  ve  r schiede  nen  Tiefen  in  Schichten  1, 
ibtr  doch  immer  nater  H — B. 


E»  möge  nun  der  Wasserstand  nach  h—h  sinken.  Alle 
gUcialeo  Muscfaelbänke  nnd  ein  Theil  der  Lehm-  und  Sand- 
btoke  des  froheren  Zostandes  liegen  nun  im  Trockenen.  Die 
Se«thiere  masaten  onn  abgesetit  werden  theils  in  einer  Hohe, 
iit  in  besümmlem  Verfaältnisa  atebt  zu  dem  neoen  Seeapiegel, 
aimlicb  als  Mnscheltränke  (bei  >),  theila  in  Lehm  nnd  Sand 
l^grabeu  werden  in  Schichten  2,  welche  über  den  vorigen 
Schiebten  ibgeaetit  werden,  aber  immer  unter  h—h. 

Du  ist  das  Oeaeti  in  dem  scheinbar  regellosen  Yorkom- 
meo,  bdd  hoch,  bald  tief,  bald  von  diesen,  bald  von  Jenon 
ResteD. 

(In  norwegischen  Text  folgen  hier  sahireiche  Höhen- 
»gibeo  für  das  Vorkommen  glacialer  nnd  postglacialer  Con- 
^J'li«»,  sowie  der  höchsten  marinen  Terrasse.) 

All  Resaltate  des  Gaozen  werden  schliesaliob   angeführt: 

1)  Die  offenliegendea  Terrassen,  durch  die  vereinte  Ar- 
^f'n  des  Qacliea  nnd  Meeres  gebildet,  sind  in  allen  unseren 
''■ilera  rorhanden,  nnd  sie  sengen  von  Pansen  in  der  Hebung 
^Landes. 

^  Die  Niveaaverändernng  begann   ia  der  Biaxeit  bei  der 


14 

höchsten    Terrasse,  welche   etwas    hoher  als  600'  aber    de 
heutigen  Meeresspiegel  liegt. 

3)  Der  glaciale  Zustand,  .  welcher  bei  dem  Niveau  vo 
600'  herrschte,  war  noch  vorhanden  bis  zu  dem  von  400 
Während  dieser  Zeit  bildeten  sich  die  glacialen  K&sienmusche) 
bänlce  und  alle  die  alteren  Schichten. 

4)  Hierauf  folgte  unter  dem  letzterwähnten  Nive&u  de 
mildere  Zustand,  innerhalb  dessen  der  Muschellehm  ab^eselz 
zu  werden  anfing.  Kustenmuschelbänke  von  gemischtem  Cha 
rakter  werden  wohl  diesem  Niveau  angehören. 

5)  Die  Abschmelznng  des  Inlandseises  begann  schon  zu] 
Zeit  des  Niveaus  von  600'. 

6)  Bei  dem  Niveau  von  150—120'  und  vielleicht  wieder 
bei  50'  trat  Stillstand  oder  sehr  langsame  Veränderung  eiii^ 
da  wir  in  den  entsprechenden  Hohen  wieder  Kustenmuscliel- 
bänke  finden. 

7)  Die  hier  gesammelten  Beobachtungen,  verbunden  mit 
denen  von  Keilhaü  und  Bravais,  enthalten  einen  Protest  gegen 
die  unendliche  Zeitrechnung,  welche  man  auf  die  „gleichför- 
mige Hebung*'  gebaut  hat. 


15 


t.    Udi^Ugie  der  Hmk  der  altn  Weh. 

Von  Herrn  Delrssb  in  Paris. 

(Uabeneut  toh  Herrn  Hadcbhcob«!  in  Berlin.) 

Das  Studiain  der  AUagerangen ,  welche  sich  auf  dem 
Hniode  der  hentigen  Meere  bilden,  ist  für  die  Geologie  von 
grossem  Interesse;  denn  es  gestattet,  die  Meere  froherer  Pe- 
riodeo  in  Gedanken  wieder  hersustellen,  und  läset  ans  der  Ge- 
geovart  die  Vergangenheit  unseres  Erdkorpers  erkennen. 

Die  Mehrxahl  der  Meere  der  alten  Welt  ist  durch  zahl« 
reiche  Sondirnngen  untersucht  worden,  welche  die  Meerestiefe 
uod  die  Bescha£fenheit  des  Meeresbodens  angeben.  Es  war 
deshalb  möglich,  bezüglich  dieser  Meere  die  lithologischen 
Fortchangen  fortzufahren ,  welche  ich  anfangs  in  Betreff  der 
die  Kosten  Frankreichs  bespulenden  Meere  unternommen  hatte *)^ 
I)ie  angewendete  Methode  ist  die  frühere,  und  die  erlangten 
B^sultate  sind  io  einer  Karte  dargestellt,  welche  ich  der 
Deutschen  geologischen  Gesellschaft  hiermit  vorlege**). 

Aof  Grund  der  durch  die  Ingenieur-Hydrographen  gelie- 
ferten  Ergebnisse  der  Sondirnngen  ist  zunächst  die  unter- 
teeische  Bodengestalt  durch  Horizontalkurven  nach  der  Me- 
thode von  BuACHS  dargestellt  worden.  Sodann  ist  versucht 
worden,  die  Gesteine  der  gegenwärtigen  Periode  von  denjeni- 
gen der  vorhergehenden  so  viel  als  möglich  zu  trennen«  .  Die 
ersteren  bestehen  fast  ausschliesslich  aus  beweglichen  Absätzen, 
wahrend  die  schon  fest  gewordenen  Gesteine,  auf  welche  keine 
Niederschlage  sich  absetzen,  der  zweiten  Kategorie  angehören. 
Ohne  Rocksicht  .auf  das  Alter  der  Terschiedenen  Gesteine  ha- 
i^en  alle  diejenigen ,  welche  einen  gleichen  lithologischen  Cha- 
nkter  besitzen,  in  der  Karte  eine  und  dieselbe  Farbe  erhalten. 


*)  Comptee  rendni:  Mers  de  France,  1867. 

••)  Biete  Karte   ist  einem  Werke   entlehnt,    welehea    bei  BogIns 
Lacioii  in  Paris  erKbeint. 


16 

Dadurch  läsBt  sich  ihre  Verbreitung  ober  die  weiten  Flächen 
welche  sie  auf  den^  Meeresgrunde  einnehmen,  leicht  über- 
blicken und  das  Gesetz  ihrer  Vertheilung  erkennen.  Man  ge- 
langt sogar  zur  Erkenntniss  der  geologischen  Beziehungen  dei 
gegenwärtigen  Abisätze  und  submarinen  Oebteine  zu  den  Ge- 
steinsschichten, welche  in  ihrer  Nähe  über  dem  Meere  zu  Tage 
treten. 

Der  Aral-See  bietet   ein   besonderes  Interesse,   weil   er 
durch   die  rnssiache  Marine  sorgfältig^  untersucht  ist  und    ein 
Beispiel    eines  grossen    geschlossenen  Salzwasserbeckens    der 
Gegenwart  darstellt.     Seine  Tiefe  ist  gering;  denn  seine  Ufer 
sind    die  Fortsetzung   der  ebenen    Stej^pen,   welche  ihn    um- 
geben.    Sie  bleibt  namentlich  erheblich  zurück  hinter  derjeni- 
gen der  kleinen  Seen,  welche  von  Gebirgen  umschlossen  sind, 
wie  beispielsweise  der  Alpensecn.     Der  Sand  bildet  eine  Ein- 
fassung längs   der   ganzen  Küste,    welche    auf  der  niedrigen 
und  die  Hauptzuflnsse  empfangenden  Ostseite   besonders  breit 
wird.     Zwei  Drittel  der  Fläche  des  Aral-Sees  jedoch  werden 
Yon  Schlick  (Vase)  eingenommen ;  er  erfüllt  die  tiefsten  Stell eo, 
wo    die    Bewegung    des    Wassers    natürlich    geringer  werden 
muss.  —   Mollusken   haben   sich   nur  in  dem  ostlichen  TbeiJe 
und    auf  weniger    als  25  Meter   tief  unter  Wasser  liegenden 
Sandgründen  einigermaassen   reichlich    entwickelt.     Der   AraJ* 
See  zeigt  sehr  deutlich,   wie   unregelmässig  sie  vertheilt  sein 
können. 

Das  Kaspische  Meer  stellt  einen  wenig  salzigen  Binnen- 
see dar.  Wie  der  Aral-See,  ist  es  durch  die  russische  Marine 
sehr  sorgfältig  untersucht  worden.  Seine  Tiefe  steht  im  Ver- 
hältniss  zu  der  Oberflächengestakung  seiner  Küsten.  So  ist 
si^  auf  der  Nordseite  auffallend  gering  wegen  der  umliegeuden 
Steppen  und  der  mächtigen  Ströme,  wie  die  Wolga,  welche 
den  Meeresgrund  fortwährend  zu  erhohen  streben.  Diese  Ströme 
fliessen  über  vorwiegend  sandige  Gesteine,  wie  die  der  permi- 
schen Formation  und  der  Trias,  so  dass  sie  diese  ganze  nörd- 
liche Seite  versanden ;  ja,  man  kann  annehmen,  dass  etwa  die 
Hälfte  des  Grundes  des  Kaspischen  Meeres  von  Sand  bedeckt 
ist.  Was  den  Schlick  (Vase)  betrifft,  so  schlägt  er  sich  im. 
südlichen  Theile  nieder,  welcher  der  tiefste  ist  Die  Mollusken 
des  Kaspischen  Meeres  entwickeln  sich  in  Zonen,  welche  sich 
vor  den  Flussmündungen  zurückziehen  oder  bei  denselben  unter- 


17 

jrocbeD  sind.     Sie   gedeihen   vorzüglich   auf  den  Sandgrnnden 
^sd  gehen  kaom  tiefer  als  bis  en  50  Meter  Wasseriiefe  nieder. 

Das  Schwarze  Meer  ist  noch  wenig  bekannt.  Hiu- 
^ichtlicb  seiner  Bodengestalt  kann  man  sagen,  dass  es  die 
Gestalt  eines  Trichters  besitzt  und  dass  seine  Sudseite  die 
5(eiiste  ond  tiefste  ist.  Der  Sand  bedeckt  hier  nur  einen  klei- 
uen  Theil  des  Grandes;  auf  der  Nordwestseite  jedoch,  bei 
*kn  Müudangen  der  Donau  und  anderer  grosser  Flüsse,  ist  der 
Saod  längs  der  Küste  in  einem  Gürtel  angehäuft,  weicher  bis 
ZQ  60  Kilometer  Breite  erlangt.  Conchylienreiche  Ablagerun- 
:ea  sind  uar  in  anbedeuteuder  Ausdehnung  vorhanden;  man 
mas8  dies  dem  Umstände  zuschreiben,  dass  das  Wasser  wenig 
salzig  ist  und  die  Küsten  im  Allgemeinen  steil  sind.  Diese 
AblageruDgen  bleiben  übrigens  den  Flussmündungen  fern  nnd 
nriden  sieb  vorzugsweise  auf  sandigem  Grunde. 

Das  Mittel meer  stellt  zwei  grosse  Regionen  dar,  welche 
darch  Italien,  Sicilien  und  die  letzteres  mit  Tunis  verbinden- 
den Cotiefen  getrennt  sind.  Die  ostliche  Region  ist  die  aus- 
gedehnteste ond  tiefste.  Wie  bei  den  vorerwähnten  Meeren 
lit  ftDch  hier  die  Tiefe  gegen  Süden  die  bedeutendste,  während 
^ie  im  Adriatischea  Meere  im  Gegentheil  sehr  gering  ist.  Der 
""chlick  (Vase)  erlangt  im  Mittelmeere  eine  besonders  grosse 
Aasdehnoog,  was  sich  dadurch  leicht  erklärt,  dass  dieses  Meer 
frei  von  Ebbe  und  Fluth  und  von  bedeutender  Beckentiefe  ist. 
^T  Sand  bildet  im  Allgemeinen  einen  Saum  längs  den  Küsten, 
verschwindet  aber  oder  findet  sich  nur  noch  stellenweise  am 
("Q^seder  gebirgigen  Küsten.  An  der  Mündung  des  Ebro,  der 
Rhone,  des  Po  nnd  des  Nils  dagegen  bedecken  die  Sand- 
H^^Ugeningen  ziemlich  ausgedehnte  Flächen.  Sie  umgeben  die 
loseln,  besonders  Gorsica,  Sardinien,  Cypern,  die  Balearen. 
Eine  aosnabms weise  grosse  Entwickelung  erlangen  sie  an  den 
Kälten  von  Tunis  und  Tripolis,  welche  sich  in  Gestalt  einer 
:«^nr  uasgedehnten,  mit  Sand  bedeckten  Terrasse  langsam  unter 
^19  Meer  einsenken.  In  dem  Golf  von  Gabes  namentlich  er- 
'tnckt  sich  der  Sand  bis  auf  mehr  als  200  Kilometer  Abstand 
'on  der  Kaste. 

IiB  Mittelmeere  finden  sich  unter  dem  Meere  feste  Ge- 
steine 10  der  Nähe  der  Küsten,  besonders  da,  wo  diese  ge- 
'  'fgig  sind.  Was  den  Thon  betrifft,  so  verbreitet  derselbe  sich 
2^er  grosse  Flächen  im    Archipel,   in   dem  Golf  der   grossen 


18 

Syrte,  im  Süden  and  Westen  von  Malta,  im  Adriatiscfaen 
Meere,  itn  Umkreise  von  Italien,  den  Balearen  und  östlicb  von 
Spanien. 

Obgleich  das  Miltclmeer  von  sahireichen  Mollusken  be- 
wohnt ist,  nehmen  doch  die  an  Muschelresten  reichen  Absätze 
keine  grosse»  Räume  in  demselben  ein,  was  wahrscheinlich 
daran  Hegt,  dass  die  Küsten  im  Allgemeinen  steil  sind. 

Das  Baltische  Meer  ist  ein  im  Vergleich  zu  den  Mee- 
ren im  Soden  von  Europa  sehr  wenig  tiefes  Binnenmeer.  Feste 
Gesteine  bilden  einen  ansehnlichen  Theil  des  Meeresgrundes, 
besonders  längs  Schweden  uod  Finnland,  sowie  in  dem  Riga'- 
schen  Meerbaseii.  In  der  Umgebung  der  Alandsinseln  deuten 
dieselben  sogar  den  Zusammenhang  der  primitiven  Gesteine 
der  Halbinseln  von  Stockholm  nnd  Finnland  an.  —  Thon  findet 
sich  fast  in  dem  ganzen  westlichen  Theile  des  Baltischen  Mee- 
res ,  wo  er  selbst  grosse  Flächenräume  bedeckt.  Seine  ßil- 
dnng  ist  unzweifelhaft  atif  die  unter  dem  Meere  ausstreichen- 
den thonigen  nnd  schteferigeD  Schiebten  der  silurischen  For- 
mation zurückzuführen,  welche  an  den  benachbarten  Küsten, 
besonders  In  Schweden  und  Russland,  sehr  entwickelt  ist. 
Gerölle-Ablagerungen  bilden  ebenfalls  vereinzelte  Zonen,  welche 
annähernd  parallel  der  Küste  von  Schweden  angeordnet  sind. 
Ihre  mittlere  Tiefe  beträgt  etwa  50  Meter  und  gegen  Norden 
wird  sie  sogar  weit  bedeutender,  so  dass  das  Heer  sie  gegen- 
wärtig nicht  mehr  zu  verlegen  im  Stande  sein  wird.     Sie  den- 


19 

reiche,  rasch  fliessende  Gewässer  aafnimmt,  welche  häufig 
hrch  Schneescbmelzen  anschwellen  und  ans  Finnland  oder  den 
skandinavischen  Alpen  herabkommen;  nachdem  sie  über  gra- 
t.itisehe  Gesteine  geströmt  sind;  es  erklärt  sich  vor  Allem 
dädarch,  dass  die  dem  Baltischen  Meere  zugehenden  Flusse 
Sl^andinaviens ,  Russlands  und  Norddeutschlands  Stromgebiete 
durchfliesseD ,  welche  durch  das  vorherrschend  sandige  nord- 
turopäisehe  Diluvium  bedeckt  sind.  —  Mollusken  sind  in  dem 
Baltischen  Meere,  des  sehr  geringen  Salzgehalts  desselben  we- 
gea,  seilen. 

Gehen  wir  jetzt  zum  grossen  Ocean  Sber,  die  bereits 
froher  nntersachten  franzosischen  Meere  bei  Seite  lassend. 

Der  Ocean  besitzt  eine  bedeutende  Tiefe  längs  der  Rüste 
der  iberischen  Halbinsel  und  in  geringer  Entfernung  von  der- 
selben. Feste  Gesteine  bilden  auf  dem  Meeresgründe  die  Fort- 
seUang  der  die  Küste  zusammensetzenden  Gesteine.  Die  Halb- 
lüsel  ist  im  Uebrtgen'  umgeben  von  einem  Sandküstensaume 
ron  geringer  Breite,  auf  welcher  Schlick  (Vase)  folgt,  der  bei 
den  bedeutenden  Tiefen  sehr  kalkreich  wird.  Der  Boden  der 
britischen  Meere  zeigt  vorherrschend  Sand,  Schlick,  welcher 
mit  Sand  mehr  oder  weniger  gemischt  sein  kann ,  und  feste 
<iesteine. 

Wir  wollen  zunächst  diese  letzteren  Gesteine  betrachten. 
.Sie  nehmen  grosse  Räume  ein  nordwestlich  von  Schottland, 
<iea  Orkaden  und  den  Hebriden,  ebenso  an  der  Mündung  des 
bbannon  und  nordwestlich  von  Irland.  Südlich  dieser  Insel 
Ofld  im  Irländischen  Meere  findet  man  sie  wieder.  Im  Canal 
deuten  sie  den  Znsammenhang  zwischen  Cornwall  und  der 
Bretagne  an.  Sie  verbinden  auch  die  Inseln  Portland  und 
Wtght  mit  dem  Festlande.  Oestlich  von  England  zeigen  sich 
feste  Gesteine  erst  wieder  bei  der  Mündung  des  Tees  und  in 
der  Fortsetzung  des  Kaps  Flamborough.  An  den  Ostküsten 
der  britischen  Inseln  sind  sie  weit  weniger  verbreitet  als  an 
den  Westküsten,  ohne  Zweifel,  weil  letztere  der  Wirkung  von 
Ebbe  ond  Fluth  directer  ausgesetzt  sind. 

Man  sieht,  dass  die  festen  Gesteine  gewohnlich  einen 
Saum  am  die  britischen  Inseln  bilden,  deren  Küsten  und  be- 
sonders deren  Vorgebirge  sie  fortsetzen.  Es  ist  natürlich,  dass 
sie  sich  vorzugsweise  da  finden,  wo  die  Gewässer  des  Meeres 
am  meisten  bewegt  sind   und   ununterbrochen   ihre  Umgebung 

2* 


cerstören,  AndercrseiU  bilden  sie  auch  den  Graad  der  Meer- 
engen und  der  Mecresarme,  welche  von  hefiigea  StrÖmangen 
geregt  werden.  Mun  beobachtet  dies  in  der  That  in  dem  Irlän- 
discben  Meere,  in  dem  St.  Georgs -Kanal  und  in  dem  Kanal 
Ja  Manche. 

Unter  den  beweglichen  Absätzen  der  britischen  Meere  ist 
an  erster  Stelle  der  Sand  tu  nennen;  denn  er  ist  bei  Weitem 
vorherrschend  und  bedeckt  ungemein  grosse  Flächen  im  Atlan- 
tiei^hen  Oceun,  im  Kanal,  in  der  Nordsee.  Abgesehen  davon, 
dass  er  die  Küsten  einfasBt,  erstreckt  er  sich  auch  weit  hinaus 
bis  tu  Tieren  von  mehr  als  200  Meter. 

Der  Kies  tritt  in  einicinen,  liemlicb  regelios  vertheiiten 
Flacbküsteupartien  von  geringer  Ausdehnung  auf.  Er  zeigt  sich 
westlich  der  britischen  Inseln,  südlich  von  Cork,  im  Bristol- 
Kanal  ,  iwischen  der  Spitze  von  Cornwall  und  den  Sciily- 
Inseln,  sowie  im  Kanal  la  Manche;  einige  Kiesstreifen  finden 
eich  auch  im  Westen  voq  England.  Dieser  Kies  ist  gewöhn- 
lich mit  feineren  Niederschlägen  gemischt.  Uebrigens  giebt 
die  beträchtliche  Tiefe,  bis  lu  welcher  er  niedergeht,  in  der 
Vermuthnng  Anlass,  dass  derselbe  in  den  meisten  Fällen  nicht 
der  gegenwärtigen  Periode  angehört.  Nach  der  geologischen 
Karte  von  Grossbritannien  scheint  im  Bristol-Kanal  der  Kies 
von  einer  unter  dem  Meere  ausstreiche n den  Schiebt  des  alten 
rothen  Sandsteins  herzustammen,  welche  an  beiden  Ufern  ent- 
wickelt ist.  Auf  der  Südseite  von  Irland  hat  er  sichtlich  den- 
selben Ursprung.     Im   östlichen  Tbeile  des  Kanals  la  Manche 


21 

^  Beziehaog  stehende  Formen.  Qfl  ateigt  er  bis  zur  Koste 
::iao  and  ist  in  diesem  Falle  das  Produkt  der  Zerstörung 
sDier  dem  Meere  aasstrei  eben  der  tboniger  Schichten.  Man  kann 
niege  Schichten  sogar  mit  einiger  Wahrscheinlichkeit  ermitteln, 
4 -nn  man  die  geologische  Karte  von  England  zu.  Rathe  zieht. 
S  steht  beispielsweise  der  Schlick  an  den  Mündungen  der 
Tbtmse  ond  des  Flnsses  Sontbhampton  mit  dem  Londonthon 
iu  YerbiodoDg.  In  der  Bucht  von  Ter  und  nördlich  derselben 
'j^iren  die  dort  lagernden  Schlickpartien  ohne  Zweifel  von  der 
Zerätöruiig  der  Keopermergel  her,  welche  sich  an  der  benach- 
nnen  Koste  zu  Sidmouth  finden. 

Der  Schlick,  welcher  sich  im  Irländischen  Meere  und  in 
wem  St  Georgs -Kanal  verbreitet  findet,  scheint  als  von  den 
^:ian8chen  Schiefern  abstammend  angesehen  werden  zu  müssen, 
ve)cbe  ao  den  gegenüberliegenden  Küsten  des  zwischen  Wales, 
>cUttiaad  ond  Irland  eingeschlossenen  Meeresbeckens  so  ent- 
•nckeit  sind.  Es  ist  sogar  wahrscheinlich,  dass  die  grossen 
Flachküsten -Ablagerungen  von  Schlick,  welche  sich  südlich 
'  jo  Irlsod  finden,  von  der  Fortsetzung  der  paläozoischen 
>cbiefer  herrühren,    welche  südöstlich   dieser   Insel  in  Wales 

id  Cornwall  über  dem  Meere  zu  Tage  treten. 

Nordwestlich  von  Orossbritanoien  treten  die  Faroer  und 
i^(^  Klippe  von  Rockall  ans  dem  Ocean  hervor ,  und  der  diese 
iQ&eln  tragende  Meeresgrund  ist  von  einer  grossen  Menge  voii 
Mollusken  bewohnt,   welche   ihn    mit  ihren  Kalkschalenresten 

cdeckeo.  Im  Grossen  und  Ganzen  schlagen  sich  auf  dem 
i'itermeerischen  Plateau,  welches  die  britischen  Inseln  trägt, 
r-ichiiche  Absätze  nieder,  welche  durch  seine  Zerstörung ,  so- 
'ie  darcb.die  Einwirkung  des  Meeres  und  der  Atmosphäre 
'jf  die  Küsten  erzeugt  werden.  Der  Sand  ist  bei  Weitem 
>  jriierrgchend    und   bedeckt  die   grossten   Flächen.     Die   briti- 

Un  Meere  zeigen  aber  auch  weite  Strecken,  welche  von 
Absätien  frei  bleiben,  und   der  Meeresgrund  wird    dann  durch 

tfgteiae  gebildet,  welche  älter  sind  als  unsere  Periode.  Diese 
' ^Meine  sind  bald  anstehend,  bald  beweglich.  Unter  den 
•'iiereo  sind  die  Gerolle  und  Kiese  zu  erwähnen,  welche 
•-'b  in  zo  grossen  Tiefen  befinden ,  als  dass  sie  durch  die 
■'^^ügen  Meere  dorthin  gefuhrt  sein  könnten.  Ebenso  sind  die 
^ihlickküsten  zu  erwähnen,  welche  sich  im  Gegensatz  dazu 
'V  &ebr  bewegten  Gewässern   finden.     Diese   beweglichen  Ab- 


BÄtze  zeigen  übrigens  Formen,  welche  von  der  Gewalt  and 
Richtung  der  Stromongen  ,  sowie  von  der  Oben  Bache  ngestalt 
des  Meeresbodens  ganz  unnbhängig  sind.  Aeker  als  die  gegen- 
wärtige Periode,  sind  sie  von  dem  Meere  nur  abgetragen  und 
an  Ort  und  Steile  umgelagert  worden,  und  man  bann  oft 
ihren  Ursprungsort  auffinden,  wenn  man  die  Geologie  der  bri- 
tischen Inseln  studirt. 

In  der  Nordsee  wie  in  dem  nördlichen  Eismeer 
umsäumen  submarine  Gesteine  die  Fjorde  und  Archipele  Nor- 
wegens und  Lapplands.  Sehr  ausgedehnte  Thonzonen  er- 
strecken sich  Inngs  eines  Tbeiles  von  Norwegen  und  müssen 
ohne  Zweifel  von  dem  Ausgehenden  der  paläozoischen  Schiufer 
hergeleitet  werden.  CJebrigens  zeigt  der  Theil  des  Oce&ns, 
welcher  die  skandinavische  Halbinsel  bespült,  wie  gewöhnlioh 
vorherrscbend  Sand.  Schlick  findet  sich  vorzugsweise  in  der 
Nähe  anstehender  ihoniger  Gesteine  und  kann  dann  von  deren 
Zerstörung  herrühren. 

Das  Weisse  Meer  bietet  uns  noch  ein  Binnenmeer, 
welches  durch  eine  breite  Meerenge  mit  dem  nördlichen  Eis- 
meer in  Verbindung  steht.  Die  am  meisten  hcrrorlretenda 
Eigenthumlichkeit  seiner  Bodengestalt  ist  eine  bedeutend  grössere 
Tiefe  in  dem  nordwestlichen  Theile  und  in  dem  Busen  von 
Kandalakscha  als  in  der  Mitte  und  in  dem  nacb  dem  Ocean 
hin  liegenden  Theile.  Die  langgestreckten  Meerbusen  der 
Dwina  und  von  Kandalakscha  liegen  übrigens  einer  in  der  Ver- 


23 

: ehälters  far  die  traben  Gewässer  spielt,  welche  es  io  grosser 
:'Alt  aofnimmt,  besonders  zur  Zeit  der  Schneeschmelzen;  sie 
.'icgt  weiter  damit  zusammen,  dass  das  Eis,  welches  das 
Weisse  Meer  während  eines  Theiles  des  Jahres  bedeckt,  dazu 
'«eiträgt,  den  Niederschlag  des  Schlicks  zu  befordern.  Die 
u)uscbelfahrenden  Ablagerungen  sind  im  Weissen  Meere  sehr 
.eschräakt,  wahrscheinlich  wegen  der  süssen  und  schlammigen 
Gewässer,  welche  sich  in  dasselbe  ergiessen;  sie  werden  je- 
J  <ch  sehr  reichlich  auf  dem  Sandgrunde  beim  Ausgang  in  das 
Eismeer.  Man  sieht  daraus,  dass  die  Mollusken  noch  in  sehr 
'i'irdiicben  Breiten  und  selbst  bis  jenseits  des  Polarkreises  le- 
jea  und  sieh  in  Masse  entwickeln  können. 

Das  Studium  der  Binnenmeere*  der  alten  Welt  offenbart 
allgemeine  und  sehr  hervortretende  Charaktere  sowohl  hinsicht- 
lich der  Bodengestalt  als  der  Lithologie  derselben.  Zunächst 
Ut  ihre  Tiefe  gegen  Norden  schwach  und  nimmt  gegen  Süden 
zu;  ausserdem  kommen  die  Hauptflüsse,  welche  sich  in  diesel- 
ben ergiessen,  vorwiegend  von  Norden.  Diese  Charaktere 
finden  sich  sehr  deutlich  im  Kaspischen  Meere,  im  Persischen 
Meerbusen,  im  Asowschen,  im  Schwarzen,  im  Baltischen,  im 
Adriatischen  und  im  Mittelländischen  Meere. 

Das  Baltische,  Kaspische  und  Adriatische  Meer  nun  zei- 
gen überraschende  Analogien.  Denn  alle  drei  haben  einen 
geringeren  Salzgehalt  als  der  Ocean;  sie  empfangen  zahlreiche 
Flusse  und  Ströme,  welche  massenhafte  Trümmer  fortbewegen 
und  die  Meeresbecken  auszufüllen  streben;  sie  sind  namentlich 
bemerkenswerth  durch  die  grosse  Masse  des  in  ihnen  abgela- 
gerten Sandes.  Das  Schwarze,  das  Mittelländische  und  das 
Weisse  Meer  dagegen  zeigen  ganz  andere  lithologische  Cha- 
raktere; in  ihnen  herrscht  der  Schlick  (Vase)  bei  Weitem  vor 
üud  die  sandigen  Absätze  beschränken  sich  auf  kleine  Aus- 
dehoongen. 


24 


3.    Beiträge  nur  Keutniss  fossiler  Koralles« 

Von  Herrn  A.  Kunth  in  Berlin. 

Hiereu  Tafel  I. 

3.    lieber  Aiialtga  des  Beekels  4er  loaBtharia  nigMa  bei  lebeidfa 

.  Karallen. 

Taf.  I.    Fig.  1. 

In  der  letzten  Nummer  meiner  Beitrage  hatte  ich  in  lieber- 
einstimmung  mit  Herrn  LindstrOm  darauf  aufmerksam  gemacht, 
dass  einige  Zoantharia  rugosa  eine  deckelartige  Vorrichtang  be- 
sitzen. Schon  Herr  Lindstrom  hat  in  seiner  Arbeit  (Stockhol- 
mer Academie  1868)  versucht,  Analoga  dieses  Deckels  bei 
lebenden  Korallen  zu  entdecken;  allein  das,  was  er  anfuhrt, 
ist  nach  seinem  eigenen  Urtheile  weit  entfernt  von  anseren 
Gebilden,  und  ich  erwähne  es  daher  nicht  näher. 

Herrn  Prof.  Lsitkart,  dem  ich  von  meinen  Beobachtungen 
erzählte,  verdanke  ich  nun  die  Notiz,  dass  bereits  Herr  Edwards 
eine  dem  Deckel  analoge  Bildung  an  lebenden  Korallen  beob- 
achtet zu  haben  scheine,  und  dass  Herr  Edwards  die  be- 
treffende Koralle  mit  dem  Namen  pudica  bezeichnet  habe.  Die 
Art,  um  die  es  sich  handelt,  ist  Crypthelia  pudica  (Annales 
des  Sciences  naturelles,  Serie  UI,  tome  13,  1850,  p.  93,  t.  3, 
f.  1.  Die  hier  citirte  Beschreibung  findet  sich  auch  in  der 
Hist.  nat.  des  corall.). 

Die  von  Herrn  Edwards  gegebene  Beschreibung  lässt 
allerdings  kaum  errathen ,  dass  das  Organ  eine  Art  Deckel 
vorstelle.  Dagegen  sprechen  die  Abbildungen  um  so  deutlicher 
für  die  Sache.  Die  Koralle,  aus  der  Gruppe  der  Oculiniden, 
stellt  einen  baumförmigen  Stock  dar.  Alle  Polypenmundungen 
stehen  nach  einer  Richtung.  Der  Kelch  trägt  an  der  einen 
Seite  einen  Hautlappen,  welcher  sich  über  die  Mundung  legt. 
Im  Inneren   des  Kelches    finden    sich    16   bis  18  Sternleisten: 


25 

«Ces  rajOD8  s^arr^tent  k  une  petite  distance  du  bord  exterieor, 
.1  Tod  n'eo  distingue  pas  en  dedans  de  la  partie  repliee  (des 
Dakels),  laqoelle  est  ^galement  lisse  en  dehors.*'  —  Lebend 
^ei  den  Philippinen. 

Dass  dieser  Deckel  bei  Crypthelia  keine  Ralkabsonderun- 
gen  enthält,  ist  natürlich  für  die  Analogie  ganz  gleichgültig. 
Derselbe  zeigt  sich  hier  durchaus  in  der  Weise  gebildet,  wie 
ich  68  mir  für  Calceola  und  die  anderen  deckeltragenden  Ru- 
goäeo  denke,  und  wie  ich  das  Band  XXI.  p.  679  ausgesprochen 
Labe.  Da  die  Annales  des  sciences  naturelles  vielleicht  vie- 
•eo  Paliontologen  schwer  zugänglich  sind,  so  habe  ich  die 
Figuren  von  Herrn  Edwabds  kopiren  lassen. 


4.    Heie  pala^Mische  Ztaatharia  perferata. 

1.     Prisciturben  denBüextum  u.  sp. 

Taf.  I.  Fig.  % 

Auf  einem  Stack  silurischen  Kalksteins  von  Oeland*),  in 
weichem  man  die  Reste  einer  baumformigen ,  engzelligeu  Ca- 
lamopore  noch  erkennen  kann ,  sitzt  ein  Korallenstock  von 
^twa  50  Mm.  Länge  und  25  Mm.  Breite.  Derselbe  ist  ganz 
ond  gar  auf  seiner  Unterlage  festgewachsen;  er  besteht  aus 
einem  reichlichen  Coenenchym  und  9  grösseren,  sowie  6  klei- 
nen Zellen,  welche  sämmtlich  sich  mit  ungefähr  kreisförmiger 
Moodung  aus  dem  Coenenchym  erheben,  aber  gegen  die  Unter- 
^e  derartig  geneigt  stehen,  dass  die  Mündungen  nach  einer 
Richtung  sehen. 

Das  Coenenchym  ist  sehr  dicht  und  man  erkennt  es  mit 
lier  Lnpe  nur  schwer  als  ein  sehr  feinporiges ,  schwammiges 
Oewebe,  welches  an  manchen  Stellen  sammetartig  schimmert. 
An  einem  mikroskopischen  Dünnschliff  wird  die  Structur  deut- 
lich; man  sieht  unter  der  Lupe  und  bei  schwacher  Vergrösse- 
ruQg  uDter  dem  Mikroskop  viele  feine,  haarförmige  Kanäle  das 


*)  Da»  Stack  ist  vor  Zeiten  mit  einer  Saite  von  gotländer  und 
'^^der  SUariachen  dnrch  den  Mineralienhändler  Sciiumanj«  in  die  Samm- 
^^H  der  hiesigen  Universität  gelangt. 


26 

Ganze  unregelmässig  durchziehen  and  dazwischen  eine  fein- 
kornige Grundmasse.  —  Die  Kanäle  haben  einen  Durchmesse! 
von  ~  Mm.  im  Mittel.  Die  Kelche  sind  seicht  becherförmig; 
der  Durchmesser  der  grössten  ist  4  Mm.,  der  der  kleiosteu 
etwa  einen;  die  Tiefe  schwankt  zwischen  2,5  Mm.  bei  den 
grössten  und  kaumr  0,5  bei  den  kleinsten.  Man  erkennt  in 
den  grösseren  36  Septen,  welche  zwar  schmal,  aber  doch  sehi: 
deutlich  sind;  stärkere  alterniren  mit  schwächeren.  In  der 
Mitte  des  besterhaltenen  Kelches  erbebt  sich  ein  flacher  Buckel  — 
Golumella  —  welcher  eine  feine  poröse  Beschaffenheit  hat ;  an 
ihn  reichen  die  Septeti  heran.  —  Wenn  das  Coenenchym  etwas 
verwittert,  so  kann  man  den  Verlauf  der  Septen  an  der  Aassen- 
seite  der  Becher  ziemlich  weit  verfolgen  (an  einer  Stelle  7  Mm  J. 

Behufs  genauerer  Untersuchung  wurde  ein  Kelch  abgeschuit* 
ten  und  in  der  Nahe  des  Kelchbodens  durchsichtig  geschliffen; 
der  Schnitt  ging  ein  wenig  schief  gegen  die  Axe  und  es  kommen 
in  Folge  dessen  an  der  einen  Seite  die  Septen  in  VerbinduDg 
mit  der  Golumella  zum  Vorschein,  an  der  anderen  Seite  endi- 
gen sie  frei.     (Taf.  1,  Fig.  2  b.) 

Man  kann  auf  dem  Querschnitt  deutlich  drei  Regionen 
unterscheiden:  die  Kelchwand,  Region  der  Septa  und  die  Re- 
gion der  Golumella. 

Die  Kelchwand  bildet  einen  Ring,  dessen  äusserer  Durch- 
messer 4,5  Mm.  ist,  und  welcher  eine  Dicke  von  •}  Mm.  besitzt. 
Sie   ist   von    dem  Coenenchym-Gewebe    scharf  abgegrenzt   and 
unterscheidet   sich    durch  ihre  ganz  dichte,    nicht  schwammige 
Beschaffenheit  von  diesem.    In  der  äusseren  Zone  des  Ringes 
bemerkt  man  die  Lumina  von  Kanälen;  diese  variiren  in  Be- 
zug auf  die  Grösse  ihres  Durchmessers   sehr  und   scheinen   in 
ganz   seltenen    Fällen  auch   zu  fehlen;    wo    sie   indessen    sich 
zeigen,  stehen  sie  stets  in  den  Interseptalräumen  —  alterniren 
mit  den  Septen  —  und  sind   also   der  Anlage  nach   mit  den 
Septen  in  gleicher  Anzahl  vorhanden.     Bis   zu  diesen  Lumina 
reichen  gewöhnlich  von  der  Innenseite  der  Kelchwand  dunkele 
Linien ,   welche   dadurch  entstehen ,   dass  sich  hier  die  Basen 
zweier  benachbarten  Septen  begrenzen;  an  zwei  oder  drei  Stel- 
len sieht  man  indessen  auch  dies  Lumen  durch  einen  sehr  fei- 
nen Kanal  mit  dem  Kelchinneren  in  Verbindung.     Die  Septen 
werden  als  sehr  dünne  Fäden  an  der  Kelchwand  frei;  sie  ha- 
ben eine  Dicke  von  ~  Mm.  und  lassen  etwas  mehr  M  doppelt 


27 

«0  breite  Raozne  zwischen  sich.  Die  Seitenwände  der  Septen 
Mad  nicht  glatt ,  sondern  von  kleinen  Erhabenheiten  rauh. 
Da«s  die  Sepien  abwechselnd  grösser  and  kleiner  sind,  ist  hier 
Dicht  deutlich  zu  sehen ,  da  auch  die ,  welche  weiter  oben  im 
Kelche  kleiner  sind ,  bis  an  die  Columella  heranreichen.  Die 
Colomella  nimmt  einen  Kreis  von  ungefähr  1^5  Mm.  Durch« 
messer  ein  ond  zeigt  genau  dieselbe  Structur,  wie  das  Coe- 
(leocbjm. 

Einen  Längsschnitt  anzufertigen    erlaubte  das  wenige  Ma- 
ttri&l  nicht. 

Aos  dem  Vorhergesagten  geht  zunächst  hervor,    dass    wir 
eä  mit  einer  Koralle  aus  der  Abtheilung  der  Zoantharia  perfo" 
rata  zo  thun  haben.     Das  feinporige  Coenenchym  und  die  Be- 
schaffenheit der  Kelchwände  machen  dies  gewiss.     Sacht  man 
aach  der  näheren  Verwandtschaft,   so  weist  uns  der  ausgebil- 
<iete  Sternleistenapparat    in  die  Familie  der  Madreporiden  und 
ichliesst  die    Poritiden  aus.     In  dieser  Familie  kommen    nan 
die  Eopsamminae ,    welchen    ein    Coenenchym    fehlt,    und    die 
Madreporinae ,    bei    denen   zwei  Primärsepten   den   Kelch    hal- 
bireo,  nicht  in  Betracht,  and  es  handelt  sich  nur  um  die  Un- 
terfamilie  der  Tarbinarinae.   In  dieser  wiederum  gehört  Priscitnr- 
len  wegen  seiner  schwammigen  Colamella  in  die  Verwandtschaft 
roQ  Turbinarina  selbst,  und  diese  Verwandtschaft  erweist  sich 
in  erstaunlich    hohem   Grade   nahe.      Denn    wenn    man  z.  B. 
Turbinaria  eupula  mit  unseren  Stacken  vergleicht,  so  wird  man 
<«icb  aber  die  grosse  Aehnlichkeit   wundern.     Sucht  man   nach 
Coterachieden     zwischen  beiden  Gattungen,  so  bleibt  schliess- 
lich nichts  Anderes  übrig   als  die  von  Turbinaria  abweichende 
Wachsibamsweise  nnd  die  Feinheit  des  Coenenchyms,  welches 
bei  Tarbinaria  stets   grossere  Maschen  hat  als  hier.     Obwohl 
QOD  diese  beiden  Merkmale  unbedeutend  sein  mögen,  so  wage 
ich  es  doch  üicht,  anser  Stuck  mit  Turbinaria  in  eine  Gattung 
20  stellen,  da  der  Unterschied   in   der  Zeit   zwischen  dieser 
siiarischen   und  den  echten  Turbinarinen ,   welche,  nicht   älter 
alä  miocan ,  wesentlich  der  Jetztwelt  angehören ,   zn  bedeutend 
<Q  sein  scheint.     Vielleicht  finden  sich  noch  andere,    von  mir 
nicht  erkannte  Merkmale;  jedenfalls  aber   ist  unser  Stuck  da- 
durch besonders  bemerkenswerth ,    dass   es   zeigt,  wie  gering 
oiitooter   die   Variationen    sein    können ,    denen    ein  Formen- 


28 

typos   im  Laufe  der  Zeit  unterworfen   wird.  —  Demnach    et 
richte  ich  bei  Turbinaria  die  Untergattung: 

Prisciturben. 

Korallenstock  mit  der  ganzen  Unterfläche  festgewacheen 
Coenenchjm  reichlich,  steinartig  dicht.  Septen  abwechselnd 
dick  und  dnnn.  Kelche  vorragend.  Columella  von  gleichen 
Gefnge  wie  das  Coenenchjm. 

Einzige  Art.    P,  densitextum.     Obige  Beschreibung. 

2.    Protaraea  microcalyx  n.  sp. 
Taf.  I.  Fig.  3. 

Herr  Lossbn  theilte  mir  zwei  Stucke  dieser  Koralle  ausl 
unterdevonischen  Eisensteinen  der  Grube  Braut  bei  Walderbach 
zwischen  Bingen  und  Stromberg  mit,  welche  von  ihm  Herrn  Sakd- 
BEBOER  in  Würzburg  zugeschickt  worden  waren  und  die  derselbe  an 
Herrn  Lossbn  unter  obigem  Namen  zurückgesandt  hat.  Beide  bil- 
den krustenförmige  Ueberzüge,  das  eine  auf  einer  Bivalvenschale, 
das  andere  auf  einem  nicht  näher  erkennbaren  Korper.  Die 
Stucke  sind  in  einer  eigenthumlichen  Weise  versteinert;  es 
bildet  nämlich  eine  grünliche  thonige  Masse  das  Verstcioe- 
rungsmaterial ,  welches  zu  Schliffen  wegen  seiner  geringen 
Härte  ungeeignet  ist. 

Es  sind  dicht  gedrängte,  polygonale  Kelche,  welche  im 
Maximum  einen  Durchmesser  von  1  Mm.  erreichen,  meist 
aber  viel  kleiner  bleiben  und  um  \  Mm.  schwanken.  Die 
Grosse  ist  also  sehr  wechselnd.  Jeder  Kelch  bildet  einen 
Trichter,  dessen  Tiefe  dem  Durchmesser  gleichkommt.  Von 
einer  Columella  keine  Spur.  Die  Septen,  in  der  Anzahl  von 
6  oder  12  (oder  24  in  den  gross ten),  ragen  nur  wenig  in  den 
Kelch  hinein ;  sie  sind  ein  wenig  gekornelt  am  inneren  Rande 
(so  wie  es  die  Figur  bei  Edwabds  und  Haiicb,  Pol.  pal.,  t.  14, 
f.  6a,  sehr  deutlich  zeigt).  Sie  schieben  sich  nach  dem  Gesetze 
von  Edwabds  und  Haimb  ein.  Die  Kelche  sind  durch  höchstens 
halb  so  breite  Mauern  von  einander  getrennt;  diese  sind  auf 
der  Oberfläche  gekornelt;  mitunter  ist  aber  auch  nur  ein  schar- 
fer Grat  zwischen  zwei  Kelchen.  Von  Zacken  in  den  Kelch- 
ecken ist  an  unserem  Stucke  nichts  zu  sehen. 

Was  die  Gattungsbestimmung  anlangt,  so  findet  man  zwar, 


29 

diss  Ed'WASDS  and  Haimb  bei  Protaraea  sogenannte  Prolonge- 
aeots    colamniformea  in  den   Kelchecken    als   wesentlich    an- 
^eSen ;  allein  bei  P.  vetusta  sagen  sie  nur,  dass  sie  häufig  vorkom- 
ctöo,  QDd  die  Abbildung  v.  Sbebach's Zeitsehr.  d.  geol.  Oes.  1866, 
t  4,  f.  1  zeigt  nichts  davon.     Da  unser  Exemplar  nun  in  allen 
ü'jrigen    Eigenschaften    mit    der    erwähnten    Gattung    überein- 
stimmt,   ao  halte   ich    es  nicht  für  rathsam,  des  Fehlens  der 
Zacken  wegen  unser  Stuck  aus  dieser  Gattung  auszuschliessen 
und   für    dasselbe    eine    neue   C>attnng   zu    errichten.      Hieran 
knöpft    sich   aber   eine  weitere   Betrachtung.     Lässt    man    die 
Prolongements   columniformes  aus   der  Gattungsdiagnose  weg, 
sh  fällt  damit  die  Unterscheidung  der  paläozoischen  Gattungen 
Protaraea    und  der  lebenden  Litharaea;   und  in   der  That,   es 
besteht  zwischen  diesen  beiden  Gattungen  perforater  Korallen 
eine  ebenso  grosse  Analogie,   wie  ich  sie   so   eben  für  Turbi- 
aaria  und  Prisciturben  nachgewiesen  habe.    Jedenfalls  ist  dies 
eine  sehr  beachtenswerthe  Thatsache:    während    die   anderen 
paläozoischen    Korallen    mit    den   lebenden    nähere    Verwandt- 
schaftsbeziebnngen  nicht  haben,  ist  die  Verwandtschaft  einiger 
Perforaten  mit  lebenden  so  gross,  dass  es  der  Zukunft  über- 
lasseo  bleiben  muss,   scharfe  Gattuugsgrenzen  zwischen  ihnen 
aofiofinden. 

Ich  habe  geglaubt,  diese  beiden  neuen  Perforaten  publi- 
ciren  zu  sollen ,  da  ich  dadurch  die  Anzahl  der  bekannten  pa- 
laxoischen  Arten  ?on  7  auf  9  bringe,  sie  also  immerhin  um 
ein  Yitttel  vermehre  und  gleichzeitig  die  erste  devonische  Art 
hiiizQfoge.     Die  bekannten  Arten  sind: 

1)  Protaraea  i>etu$ta  Hall  sp.  1847.   Edwards  u.  Haime, 

Pol.  pal.  p.  208.     Silur. 

2)  „  VemeuiU  Edwabds  a.  Haimb  1851.    Edwabds 

n.  Haime  p.  209.     Silur. 

3)  „  microoalyx  KuirrH  1870.     Devon. 

4}  Stfflaraea  Boetneri  v.  Sbbb.    1866.     Zeitschr.   d.  geol. 

Ges.  p.  306.     Silur. 
5)  PalaeacU  cunei/ormU  Edwabds  u.  Haihb  (euneata)  1860. 

Hist  nat.  des  cor.  III.   p.  171.     Koblenkalk. 
^)       9«         eyfhha   Mbbk  u.  Worthbn    (umhonata^  ohtuna^ 

9Mrm$y   c(mpre$8a)  1861.     Zeitschr.  d.  geol. 

Ges.  1866.  p.  807.     Kohlenkalk. 


30 

7)  Pcdaeaeis  iaxa  Ludwig  sp.  1866.   Palaeontogr.   p.  23] 

Eohlenkalk. 

8)  CaloityliicribrarialiVXD&tZ.  1868.  Stockh.  Acad.  p.  41«J 

Obersilar. 

9)  PrUciturhen  densitextum  Kunth  1870.     Silur. 

6.  lefMiscke  bnllM  tm  KbendJ^rf  («nfrchaft  flbii)  fai  ScUeslei 
mi  iber  die  tettogea  PhilUpsastrsea  (SMitUa)  wU  Pelnia. 

Das  Material  zu  den  vorliegeuden  Beobachtungen  ündel 
sich  theils  in  dem  mineralogischen  Museum,  theils  in  der  Samm^ 
lung  der  Bergakademie  zu  Berlin;  einige  Stucke  wurden  mii 
auch  von  Herrn  Tibtzb  geliehen. 

Phillip süBtraea  Henna ki  Lonsd.  sp. 

Taf.  I.   Fig.  4. 

Die  Koralle  bildet  mächtige  Masaen;  es  liegen  mir  Hand- 
stücke von  15  Cm.  Länge,   10  Cm.  Breite  und  10  Cm.  Dicke  vor, 
welche  nur  Bruchstucke  von  grosseren  Stucken  sind.  Die  O  ber- 
fläche  des  ganzen  Stockes  ist  im  Allgemeinen  eben;  aaf  ihr 
erheben  sich  die  einzelnen  Kelche,  welche  niedrige,  abgestumpfte 
Kegel   bilden.      Die    Centra    der  einzelnen    Kelche    sind    etwa 
8  Mm.  von   einander  entfernt;   zuweilen  ist  diese  Entfernung 
etwas  geringer,  sehr  selten  aber  bedeutender.    Die  Kelche  sind 
unregelmässig  angeordnet,   mitunter   kann   man  sich  dieselben 
in    etwas    rege! massigere  .Reihen    gruppirt   denken.     Der    ab* 
gestumpfte   Kegel,   den  jeder  Kelch   darstellt,   bat  eine  Basis 
von  etwa  6  Mm.  Durchmesser,  eine  Höhe  von  2  Mm.  und  der 
Durchmesser  des  oberen  Kreises  beträgt  etwa  4  Mm.    In  die- 
sem oberen  Kreise  findet  sich  eine   seh uss eiförmige  Vertiefung 
von  etwa  0,6  Mm.  Tiefe ;  sie  wird  von  einem  4 — '  Mm.  dicken 
Walle   umgeben    und   trägt  in   der  Mitte   eine   kleine  Hervor- 
ragung (columellarian  tubercle),  welche  in  der  Richtung  eines 
Durchmessers  etwas  verlängert  zu  sein    scheint.     Der  Durch- 
messer der  Vertiefung  ist  also  am  /)bereii  Rande  etwa  3  Mm. 
An   dem   centralen  Tuberkel   zeigen  sich  11 — 13  Sternleisten; 
sie  durchlaufen  die  Vertiefung   und    steigen   auf  die  Höhe  des 
Walles.    Hier  schiebt  sich  zwischen  je  zweien  fast  immer  eine 
neue  ein,  und  nun  laufen  sie,  zu  sogenannten  Rippen  gewor- 
den ,    in   der  Anzahl   von  22  bis  26   an    der   Aussenseite  des 


31 

AegeJs  herab,  am  sieb  entweder  in  gerader  Linie  oder  in 
-iner  koieformigen  Biegung  mit  denen  der  benachbarten  Kelche 
711  vereinigen.  Nor  sehr  selten  siebt  man  in  den  flachen  Zwi- 
Kbeniiamenf  welche  die  Kelche  übrig  lassen,  die  Spur  einer 
B^-grenzQDg  der  Zelle;  gewöhnlich  fliessen  die  Rippen  ganz 
und  gar  in  einander  aber.  Von  einer  Kelchwand  ist  bei  gut 
erba]teoeo  Kelchen  nichts  zul  sehen,  sie  wird  von  Sternleisten 
tnd  Rippen  versteckt.  Die  Rippen  scheinen  an  manchen  Stel- 
)fn  etwas  gekornelt  zu  sein;  sobald  sie  beim  Herablaufen  auf 
der  äosseren  Kegelseite  sich  etwas  ausbreiten  können,  finden 
;ich  flache  Tbäler  zwischen  ihnen  ein,  welche  etwa  0,5  Mm. 
breit  sind.  In  diesen  Thälern  werden  die  Rippen  verbunden 
dirrcb  nnregelmässige ,  undeutliche  Erhebungen,  welche  quer 
durch  die  Thäler  laufen  und  denselben  ein  etwas  grubiges 
Ausehen  verleihen. 

Qaerschnitt.  Zur  Untersuchung  der  Structur  sind  an 
mehreren  Stacken  Querschliffe  gemacht;  ausserdem  ist  ein 
Qoerscbnitt,  welcher  acht  Kelche  umfasst,  durchsichtig  dünn 
geschliffen.  Die  Querschnitte  der  Zellen  erscheinen  als  Kreise 
mit  2|— 3  Mm.  Darchmesser.  Die  Kelch  wand  ist  als  scharfe 
Linie  erkennbar;  von  ihr  strahlen  11 — 13  Sternlamellen  aus, 
velcbe  nach  dem  Centrum  zu  sich  etwas  unregeimässig  mit 
eioaoder  vereinigen.  Sie  stossen  nämlich  nicht  sämmtlich  am 
Ceotram  zusammen,  sondern  schliessen  sich  in  der  Regel  nahe 
dem  Centrom  an  einen'  durch  zwei  gegenüberstehende  Septen 
angedeuteten  Durchmesser  .an,  der  schon  in  der  Oberfläche  des 
Kelches  sich  zeigte.  Von  einer  eigentlichen  Columella  ist 
aicbts  bemerkbar.  Zwischen  den  grossen  Sternleisten  stehen 
^  Rande  gleich  viel  sehr  kleine,  nur  als  kurze  Spitzen  er- 
teonbare;  in  manchen  Kelchen  fehlt  hin  und  wieder  ein 
solches  kleines  Septum.  Ausserdem  sieht  man  im  Kelche 
coDceotrisch  angeordnet  Querschnitte  von  Blasen;  0 — 3  stehen 
äof  einem  Radius;  am  Rande  sind  sie  häufiger  als  in  der 
jlitte.  Alle  Septen  durchbrechen  die  Kelchwand  und  nehmen 
äc«8erba]b  des  Kelches  denselben  Verlauf,  der  sich  schon  auf 
der  Oberfläche  zeigte.  Die  Rippen  sind  verbunden  durch  gebogene 
Qoerstabcben,  welche  etwa  ^  Mm.  von  einander  entfernt  stehen. 
'Q  der  anmittelbaren  Nähe  der  Kelche  stehen  zwei  oder  drei 
^was  dichter,  dann  eine  Strecke  ßtwas  weiter,  und  dann  tritt 
<u«  normale  Verhalten    ein.     Diese  Querstäbchen   stehen  aber 


32 

nicht  immer  regellos,  sondera  indem  sich  die  der  benachbartea 
Thüler  an  der  Rippe  fereioigen,  bilden  sie  oft  aaf  weite 
Strecken  gebogene  Linien,  welche  die  Rippen  durcliscL neiden. 
LäugBschirilt.  Die  Längssctinitte  der  Zellen  sind  wi« 
immer  sehr  verscbieden,  je  nacbdem  man  den  Scbuilt  ceninl 
oder  nicht  central  legt.  Uelit  die  Scbnittebeno  nicht  durch  den 
Mittelpunkt,  so  sieht  man  zanächst  die  Kelchwände  als  twei 
deutlich  parallele  Linien;  zwischen  ihnen,  und  ihnen  ebeuTalls 
parallel ,  liegen  die  haarfeinen  Linien  der  Septen.  Diese  sind 
durch  ebenfalls  sehr  feine  (^nerfäden  mit  einnnder  verbunden, 
welche  meist  so  regelmässig  über  einander  stehen ,  dass  iwei 
Sepien  mit  den  dazwischen  liegenden  Querilden  einer  Leiter 
gleichen.  In  den  Räumen,  welche  von  den  Kelchwänden  und 
den  nächstliegenden  Septen  begrenzt  werden,  stehen  die  Quer- 
faden  unrogel  massig.  Ist  der  Schnitt  dagegen  central  und 
trifft  zwei  gegenüberliegende  Intersepten,  so  ist  im  Allgemei- 
nen von  Septen  nichts  £u  sehen.  Am  Rande  der  Eelchwaod 
liegen  einige  un regelmässige  Blasen,  von  welchen  ein  Faden 
ausgeht,  welcher  sich  etwas  nach  oben  biegt  und  nahe  der 
Mitte  der  Zelle  gewölinlich  plötzlich  aufhört,  ohne  sich  mit 
einem  von  der'  gegenüberliegenden  Seite  zu  verbinden;  das 
letztere  kommt,  wiewohl  selten,  doch  vor.  An  der  Stelle, 
wo  die  Fäden  aufhören,  sieht  man  meist  die  Andeutung  eines 
Septums.  Duss  nämlich  diese  Qnerfäden ,  welche  natürlich 
Querschnitte   von    iaterseptalen    Blasen    sind,     nicht    bis   an's 


33 

mEm  als  dünne  Linien  nnd  swischen  ihnen  horiionUle  Qoer- 
.äOM,  gatix  ähnliche  Leitera  bildend,  wie  oben  die  endothe' 
iilta  Gebilde.  Häufig  bemerkt  man  dann  anch,  dass  die 
QotrfadeD  in  den  benarbbarten  iotercostalen  Räamen  aof  glei- 
rher  Höhe  stehen.  £s  bUdft  daon  das  Ganze  ein  Haster  von 
Ueinen  Kechtecken.  Mitunter  aber  ändert  sich  dicht  daneben 
du  Bild ,  indem  sich  statt  des  rechteckigen  ein  ans  kleinen 
KnKa  febildelcs  aeigt;  die  Rauten  sind  in  der  Horizontal- 
rit'htsDg  sehr  lang  gezogen  nnd  werden  von  den  Rippen  in 
i«nic»let  Richlung  an  den  verschiedensten  Stellen  durcbschnit- 
lea,  Daoo  sieht  man  an  manchen  Stellen  die  Rauten,  aber 
gir  keine  Rippen  mehr.  In  allen  Fällen  sind  die  Begreninngs- 
liciu  der  Rsnten  nnd  Rechtecke,  soweit  sie  intercostalen  Bla- 
ues ingebören,  keine  geraden,  sondern  gebogene  Linien. 

Die  Erklärung  für  die  Verschiedenartigkeit  dieser  Bilder 
iig  Mwu  versteckt,  nnd  obwohl  ich  die  Dinge  jetzt  vollstän- 
%  Tcrst^e,  ist  eine  Beschreibung  doch  ziemlich  schwierig.  — 
Zar  bkläning  mnse  ich  mii  einem  Vei^leich  ziemlich  weit  ans- 
hiAea.  In  uaDchen  Gegenden  baut  man  aas  hohlen  halbcjr''»- 
iiri»cbeD  Ziegeln  durchsichtige  Mauern  in  der  Art,  wie  es 
;    Jn  beigefügte  Holzschnitt  zeigt.     Man  denke   sich   nnn  eine 


iiubl  solcher  Mauern  so  blDter  einander  gesetzt,  dass  die 
Ziegeto  der  folgenden  genau  die  Fortsetzung  von  denen  der  ersten 
leu.d.D.[«l.U»  XXn.  1.  3 


34 

seieo,  und  awisohen  je  zwei  durchsichtigen  Mauern  eine  senk- 
rechte solide.  (Im  Hokschnitt  duzch  schwarze  Linien  b^eiehnct.) 

Legt  man  nun 

Istens  einen  yerticalen  Schnitt  senkrecht  gegen  die  soli- 
den Mauern  durch  das  Ganze ,  so  werden  die  soliden  Maoern 
auf  der  Schnittfläche  als  parallele  senkrechte  Linien  erschein en<, 
welche  durch  wagerechte  Linien  mit  einander  verbunden  sind  ; 
die  wagerechten  Linien  stehen  in  allen  Räumen  zwischen  je 
2  soUdeo  Mauern  gleich  hoch. 

2tens,  macht  man  einen  beliebigen  verticalen  Schnitt  durch 
das  Ganze,  so  werden  die  soliden  Mauern  wieder  als  parallele 
Linien  auf  der  Schnittflächen  erscheinen,  die  Querschnitte  der 
halbcjlindrischen  Hohlziegeln  gestalten  sich  aber  anders*  Den- 
ken wir  uns  einen  Augenblick  die  soliden  Mauern  weg,  so 
sieht  man  leicht,  dass  die  Schnittflgur  der  Vorderansicht  der 
Mauer  ähnlich  ist,  nur  dass  die  Kreisbogen  flachere  Ellipaen- 
bogen  sind;  denken  wir  uns  nun  die  soliden  Mauern  wieder 
dazu,  so  schneiden  dieselben  dieses  Bild  so,  dass  im  Allgemei- 
nen die  Stucke  eines  Ellipsenbogens  zu  zwei  durchsichtigen 
Mauern  geboren. 

3tens,  legt  man  den  Schnitt  einer  soliden  Mauer  parallel, 
so  erhält  man  im  Bilde  keinen  Schnitt  mit  einer  solchen  und 
die  Schnittfigur  weicht  von  der  Vorderansicht  nicht  ab. 

Man  wird  bereits  gesehen  haben,  dass  die  3  unterschiede- 
nen Fälle  den  oben  erwähnten  dreien  homolog  sind.  In  der 
That,  die  soliden  Mauern  sind  die  Rippen,  die  Hohlziegeln  das 
Blasengewebe.  Ich  brauche  kaum  zu  erwähnen,  dass  von 
einer  solchen  mathematischen  Regelmässigkeit,  wie  sie  das 
Beispiel  zeigt,  in  der  Natur  absolut  nicht  die  Rede  ist.  Wer 
aber  das  Beispiel  verstanden  hat,  wird  sich  jeden  einzelnen 
Fall  erklären  können.  In  allen  von  der  Natur  durch  Biegung 
der  Rippen  etc.  hervorgebrachten  Variationen  ist  aber  das 
Constante,  dass  die  Blasen  eines  Intercostalraumes  die  Fort- 
setzung derer  des  benachbarten  sind;  in  dem  rautenförmigen 
Muster  gehört  eine  Raute  zwei  intercostalen  Räumen  an, 
und  das  ist  nur  möglich ,  wenn  die  Blasen  des  einen  Inter- 
costalraumes in  den  benachbarten  fortsetzen. 

Um  eine  Ansicht  über  die  Gattungsverschiedenheit  von 
Smithia  und  Phillipsastraea  zu  gewinnen ,  ist  es  zunächst  von 
Interesse,  die  Entstehung   dieser  Gattungen   historisch  zu  ver* 


35 

folgen.  In  der  Einleitang  zu  den  Brit.  fo8.  cor.  1850  ist  erst 
die  G&Uong  Pbillipsastraea  aufgestellt,  die  Gattung  Smithia 
existirt  noch  nicht.  Bei  der  Diagnose  von  PhiHipsastraea  heisst 
•^s:  The  centre  of  the  tdbulae  presenting  a  columeUarian  tu- 
trde  and,  worauf  ich  besonders  aufmerksam  mache,  als  T7- 
['U4  der  Gattung  ist  Astrea  Hennaki  Lonsd.,  Geol.  trans.,  2.  se- 
ri^,  Tol,  V,  tab.  58,  fig.  3  genannt,  —  dieselbe  Species,  die 
m  Jahr  spater  Typus  der  Gattung  Smithia  wird.  Im 
.Uhre  1851  findet  sich  in  der  Einleitung  zu  den  Pol.  pal. 
p.  171  die  Gattung  Smithia  aufgestellt  und  pag.  173  ist  Phil- 
lipsastraea  mit  den  Worten  charakterisirt:  Polypier  Präsen- 
tant la  m^me  structure  que  les  Smithia,  mais  ayant  nne  colu- 
melle  stjliforme.  —  Als  Typus  wird  nun  erwähnt :  Pkiüipsastraea 
radiata. 

Liest  man  nun  die  Beschreibung  von  Ph,  radiata,  die  also 
Trpiis  colnmell entragender  Formen  sein  soll,  so  wird  man 
iherrascht  durch  die  Worte:  Colnmella  mince  et  comprim^e, 
'Yi  ghind  peu  distincte,  und  betrachtet  man  die  Abbildung  Brit. 
f^s.  cor.  t.  37,  f.  2  u.  2a  und  M'CoT,  Brit.  pal.  fos.  t.  HIB. 
f.  9  wird  man  noch  mehr  Sberrascht,  da  man  von  einer  Co- 
lomefla  gar  nichts  sieht. 

Betrachtet  man  nun  die  Abbildung  von  Ph.  tuberosa  bei 
M'CoT  tab.  HIB.  fig.  8,  so  zeigt  sich  auch  hier  ireder  im 
^jcenchnitt  noch  auf  der  Oberfläche  eine  Spur  einer  Colnmella, 
>^id  sowohl  Edwards'  als  auch  M'Cot's  Beschreibung  erwäh- 
^^Q  nichts  von  einer  Säule. 

Nor  bei  der  einzigen  übrigbleibenden  Art  Ph,  Vemeuüi 
*^t  die  Beschreibung  kurz:  Columelle  saillante,  und  die  Ab- 
'ildoDg  Pol.  pal.  t.  X.  f.  5  zeigt  dieselbe  deutlich,  —  aber 
jur  auf  der  Oberfläche;  ein  Querschnitt  findet  sich  nicht. 

Bedenkt  man  nun ,  dass  bei  unserem  Stucke  die  Kelche 
•ioe  falsche  Colnmella  zeigen,  wie  sie  bei  den  Cyathophyllideu 
>  90  oft  dadurch  entsteht,  dass  die  Septen  bis  an's  Centrum 
jt  etwas  in  die  Höhe  gebogenen  Böden  reichen  und  sich  hier 
^was  zusammendrehen,  und  dass  unsere  Querschnitte  keine 
Colamella  zeigen ,  so  wird  man ,  wie  ich  glaube ,  mit  Recht 
Zweifel  daran  hegen  dürfen,  ob  die  Gattungen  Pbillipsastraea 
cnd  Smithia  sich  durch  die  Colnmella  unterscheiden ;  denn  auch 
Smithia  hat  nach  Edwards  und  Haocs  auf  den  Boden  einen 
(^olomeUarian  tnbercle,  und  bei  zweien  der  4  Arten  dieser  Gat- 

8* 


36 

toDg  ist  von  lobes  paliformes  die  Rede,  welche  im  Kelche  sehr 
leicht  ganz  ähnliche  Gebilde  hervorrnfen  können,  wie  die  Ab- 
bildnng  von  Ph.  Vemeuüi  sie  zeigt. 

Da  nun  die  Saale  als  Gattungsonterschied  fallt,  da  sie 
im  günstigsten  Falle  nur  bei  Ph.  Vemeuüi  vorkommen  konnte, 
hier  aber  erst  durch  einen  Querschnitt  nachgewiesen  werden 
musste,  so  muss  der  Name  Phillipsastraea  den  4  Arten,  welche 
Edwabds  als  Smithia  abtrennt,  verbleiben;  der  Name  Smithia 
wird  gegenstandslos. 

Ja  zu  dieser  Gattung  Phillipsastraea  scheinen  sogar  noch 
2  Arten  zu  gehören,  welche  bisher  unter  dem  Namen  Syrin- 
gophjllum  versteckt  waren. 

F.  RoBMEB  (Fossile  Fauna  von  Sadewitz,  p.  20)  weist 
bereits  darauf  hin,  dass  Syringophyüum  ?  Cantabricum  und  Tor- 
reanum  „nach  Beschreibung  und  Abbildung  sicher  nicht  au  Sj- 
ringophyllum  gehören,  sondern  in  die  nahe  Verwandtschaft! 
von  Phillipsastraea,^  wohin  sie  ja  auch  die  ersten  Bescfareiber 
DB  Ybrnbüil  und  Julbs  Haimb  gleich  anfangs  richtig  gestellt 
haben. 

Mithin  besteht  die  Gattung  Phillipsastraea  (welche  ich  in 
demselben  Sinne  nehme,  wie  Edwards  und  üaimb  die  Gattung 
Smithia  (Pol.  fos.  d.  ter.  pal.  p.  421),  nur  dass  ich  am  Ende 
noch  hinzufugen  wurde:  Eine  eigentliche  Säule  fehlt,  doch  fin- 
det sich  häufig  eine  scheinbare)  aus  folgenden  Arten: 

1.  Ph,  HennaM  Lonsd.  sp.    Devon. 

2.  Ph.  Pengülyi  Edwards  u.  Haimb  sp.     Devon. 

3.  Ph,  Boloniensis  Edwards  u.  Haimb  sp.     Devon. 

4.  Ph.  Bowerbanki  Edwards  u.  Haimb  sp.     Devon. 

5.  Ph.  Cantabrica  DB  Vbrn.  u.  J.  Haimb.     Devon. 

6.  Ph.  Torreana  db  Vbrn.  u.  J.  Haimb.     Devon. 

7.  Ph,  Vemeuili  Edwards  u.  Haimb.     Devon. 

8.  Ph.  radiata  8.  Woodw.  sp.     Kohlenkalk. 

9.  Ph,  tuberosa  M'CoT  sp.     Kohlenkalk. 

(Unter  anderem  zeigen  meine  Abbildungen  das  Zusam- 
menstossen  der  Septa  gegen  die  Mitte  hin;  ich  mache  darauf 
besonders  aufmerksam,  weil  sämmtliche  Bilder  anderer  Auto- 
ren ein  solches  Zusammenstossen  nicht  zeigen.  Auch  meine 
gewohnlichen  Schliffe  zeigen  dies  Zusammenstossen  nicht  deut- 
lich, dagegen  treten  in  den  Dünnschliffen  die  feinen  Septa 


37 

auf  das  Dendichste  hervor  and  anaatomosiren  in  der  gezeich- 
oeteD  Weise.) 

Zu  einer  Kritik  der  Arten,  deren  Zahl  sich  noch  yerein- 
fichen  dirfle,  reicht  das  vorliegende  Material  nicht  aais. 

In  dem  oben  erwähnten  Umfange  scheint  nun  diese  leicht 
erkennbare  Gattung  nnd  speciell  die  Art  PA.  Hennahi  eine  geo- 
iogiscfa  nicht  unbedeutende  Rolle  zu  spielen. 

Ohne  alle  nähere  Verwandte  im  Silur  und  Unterdevon, 
wird  die  Gattnng  sogar  in  den  typisch  entwickelten ,  korallen- 
reichen Schichten  des  eifeler  Mitteldevons  noch  durchaus  ver- 
misst  Sasdbbbger  erwähnt  sie  nnn  zwar  aus  seinem  ^^Strin- 
gocepbalenkalke**,  aber  nicht  aus  den  eigentlichen  Kalken,  son- 
dern ans  den  Schalsteinconglomeraten,  welche  etwas  hoher  als 
die  Kalke  zn  liegen  scheinen. 

Am  Harze  kommt  die  Gattung  im  Iberger  Kalke  vor,  von 
welchem  Herr  Bbtoich  (Zeitscbr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  XX., 
S.  659)  nachgewiesen  hat,  dass  er  den  Stringocephaleukalk  über- 
lagert. In  Schlesien  bei  Ebersdorf  findet  sie  sich  in  Herrn 
TiETZB*s  Hauptkalk  (Ueber  die  devonischen  Schichten  von 
Ebertdorf.  Breslau,  1869),  welcher  als  das  unmittelbare  Lie- 
gende des  Clymenienkalkes  und  ohne  typische  mitteldevonische 
Venteinernngen  dem  Niveau  des  Iberger  Kalkes  gewiss  sehr 
othe  stehen  wird.  Es  tritt  mithin  die  Gattung  Phillipsastraea 
in  ganz  Deutschland  von  Schlesien  bis  an  den  Rhein  an  der 
Grenze  von  Mittel-  und  Ober-Devon  auf  mit  der  Art  Hennahi^ 
ond  die  Präcision,  mit  der  dies  an  drei  Hanptlocalitäten  de- 
Tooiscber  Entwickelung  geschieht,  verleiht  der  Gattung  eine 
nicht  geringe  geologische  Bedeutung. 

In  England  treten  nach  ^Herrn  Ethbridge  (Quart.  Journ. 
of  Geol.  soc.  London.  1867.  Bd.  23)  Arachnopkyllum  Hennahi, 
Smitkia  mit  drei  Arten  und  SyringophyUum  cantabricum  im 
Mittel  devon  auf;  leider  aber  ist  «ine  geaauere  Bestimmung 
des  Niveaus  nicht  versucht.  Es  wird  für  jene  Gegenden  einer 
spateren  Zeit  die  Untersuchung  vorbehalten  sein,  ob  die  Gat- 
toDg  Phillipsastraea  auch  hier  so  genau  an  der  oberen  Grenze 
^^i  Mitteldevons  erscheint,  wie  dies  in  Deutschland  der  Fall  ist. 

Petraia.    Taf.  I.   Fig.  5. 

Graf  MtmsTBB  hat  in  seinen  Beiträgen  zur  Petrefacten- 
kande  I.  p.  42  ff.  eine  Anzahl  Fossilien  aus  oberdevonischon 


36 

Schichten   der  Gegend   des  Fichtelgebirgfis  unter  obigem  Gat 
tongsnamen  beschrieben  und  abgebildet,  welche  er  zu  den    Ga 
stropodeu    (in  die  Nähe  von  Capulus  und  Patella)    stellte  ^     io 
dem   er  indessen  gleichzeitig  darauf  aufmerksam  machte »    das^ 
jene  Fossilien  möglicherweise  Verwandte,  der  Gattung  Cjatbo 
phjllum   sein  konnten.     Dass  dies   der  Fall  sei,   wurde    bal 
allseitig  bekannt;  da  aber  die  Beschreibungen  und  Abbildonger 
MONSTEa's   viel  zu  wünschen  übrig  Hessen,    so  kam  es,   das 
der  Name  Petraia,  welcher  von  Philufs,  M'Cot,  Kihg,  tioss 
DALB,  RosMBR  u.  A.   angenommen   wurde,  sehr  verschiedeneb 
Dingen  ertheilt  wurde,  welche  in  der  Regel  schlecht  erhaltene 
Steinkerne  von   einzelligen    rugosen  Korallen   aus  der  engeren 
oder  weiteren  Verwandtschaft  von  Cyathophyllnm  waren.     Da- 
durch  kam   dieser  Name  Petraia   so  sehr  in  Misskredit,    dass 
Edwards  und  Haimb  ihn  einfach  aufhoben,  indem  sie  die  Mü:^- 
6TER*schen  Arten   als  zu  ungenau   beschrieben  in  den  Anhang 
der  Gattung  Cyathophyllura  stellten.    Die  beiden  Autoren  müs- 
sen zufälliger  Weise  nie  eine  grossere  Menge  guter  Stucke  vor 
Augen  gehabt  haben ;  denn  sonst  wurde  ihnen  der  eigenthüm- 
liehe  Charakter  dieser  Korallen   nicht  entgangen  sein.    Nach 
einer  guten  Abbildung  sucht  man  bei  ausserdentschen  Schrift- 
stellern vergebens,   und   man   konnte  fast  auf  die  Vermnthung 
kommen 9    dass   Petraia   in  England    nicht    vorkäme,    obwohl 
selbst   die  neuesten  englischen  Schriften    nach  Phillips'  Vor- 
gänge den  Namen  haben.    In  Deutschland  sind  sie  neuerdings 
von  Herrn  Ludwig  (Palaeontogr.  14.  t.  48)   unter  verschiede- 
nen Namen  abgebildet  und  auch  die  Species  beschrieben  wor- 
den;  dass   die   fraglichen  Korallen   zu.  den   Rugosen  geboren, 
davon  kann  man  sich  zunächst  überzeugen,  wenn  man  an  einer 
derselben,  wie  sie  am  Enkeberge  bei  Brilon  in  Unmassen  vor- 
kommen, die  Oberfläche  reinigt.     Man  erkennt  dann  sehr  bald 
die  charakteristische  Rugosenstreifung  und  sieht,  dass  die  Re- 
gel  trotz  ihres  auffallig  regulären  Aussehens  bilateral  symme- 
trisch gebaut  sind. 

Unter  den  Rugosen  nehmen  nun  diese  Korallen  einen  aas- 
gezeichneten Platz  ein  durch  die  minimale  Entwickelung 
aller  endothekalen  Gebilde,  wie  sie  in  ähnlicher  Weise 
bei  keiner  anderen  Gattung  der  Rugosen  bekannt  ist.  Denn 
die  Septen  sind  am  oberen  Rande  der  Zelle  nicht  breiter,  als 
die  der  Hauptquadranten  bei  Calceola,  und  obwohl  sie  nach  un- 


39 

len  AD  Brate    etwas  xuoebmeo,  so  laufen  sie  doch  imraerhin 
lar  als  iasserst  carte  Leisten  bis  in  die  Spitze. 

Da  mir  von  Ebersdorf  nur  3  Exemplare  und  aus  dem 
Fichtelgebirge  nor  einige  Originale  von  MOffSTXR  vorliegen,  so 
siod  die  genaueren  Untersuchungen  an  Stucken  yom  Enkeberge 
gemacht  —  Aaaser  zahlreichen  gewöhnlichen  Querschnitten 
iiegeo  2  dnnngeschliffene  Quer-  und  6  ebensolche  Längsschnitte 
der  Uatersuchung  zu  Grunde. 

Die  äussere  Gestalt  ist  sehr  regelmässig  kegelförmig,  in 
der  Regel  massig  hoch;  zuweilen  aber  auch  sehr  flach,  mehr 
fcboMelfDrmig;  das  untere  Ende  ist  an  irgend  einen  fremden 
Körper  befestigt,  am  Eukeberge  fast  immer  an  einige  Crinoi- 
deoglieder.  —  Die  Oberfläche  lässt  mehr  oder  minder  deutlich 
die  Septa  durch  die  dünne  Epithek  erkennen;  die  letztere  bil* 
det  dem  Waehsthum  entsprechende  feine  Runzeln  und  Ringe. 

Das  Innere  des  Kelches,  welches  ich  nur  aus  Steinkemen 
kenne,  ist  bis  tief  hinab  in  die  Spitse  hohl;  die  Septen  treten 
Qor  als  ganz  schmale  Leistchen  auf.  Bei  guten  Steinkemen 
der  Art  sieht  man  im  Interseptum  die  andetweitig  (s.  diese 
Z^lscbr.  XXI.  S.  665)  beschriebene  Art  der  Punktirung  sehr 
deatlieh. 

Die  Stucke  vom  Enkeberge  haben  in  der  Regel  eine  Hohe 
TOD  25 — 30  Mm.  bei  20 — 25  Mm.  oberem  Kelchdurchmesser. 
Ab  einem  Längsschnitt  sieht  man,  dass  diese  Kelche  bis  etwa 
3  Mm.  von  der  Spitze  völlig  leer  sind.  Hat  man  den  Schnitt 
central  gelegt,  so  bemerkt  man  am  festgewachsenen  Ende  in 
der  Kegel  den  kreisförmigen  Querschnitt  des  Crinoidengliedes. 
Aa  dieses  hat  das  Thier  dann  eine  etwa  1  Mm.  dicke  Schicht 
abgelagert,  welche  das  Glied  meist  halb  umfasst  und  nach  oben 
IQ  die  Epithek  der  Zelle  bildet.  Diese  Epithek  wird  dann 
immer  dünner,  so  dass  sie  am  Kelchrande  zwischen  ^  und 
73  Mm.  schwankt.  Von  Septen  oder  anderen  endotbecalen 
Gebilden  ist  nichts  zu  sehen;  nur  in  seltenen  Fällen  zeigen 
sieb  Id  der  Nähe  der  Anwachsstelle  einige  blasenanige  Hohl- 
nome.  Legt  man  den  Yerticalschnitt  etwas  ezcentrisch ,  so 
bleibt  das  Bild  dem  geschilderten  ähnlich,  nur  dass  sich  sehr 
nahe  der  Epithek  einige  Schnitte  der  Septen  zeigen,  welche 
gegeo  das  untere  Ende  etwas  mehr  an's  Centrum  heranreichen. 
Querschnitt.  Macht  man  an  der  Spitze  einen  Quer- 
Kbaitt,    dessen  Durchmesser  4  Mm.  nicht  übersteigt,  so  sieht 


40 

man  von  der  donnen  Bpithek  etwa  16  Septa  ausgehen,  ^nreicL 
gegen  das  Centrnm  noch  einen  Raum  von  mehr  als  einea  Mii] 
meter  Durchmesser  freilassen  und  also  selbst  nur  wenig  meL 
als  einen  Millimeter  in  das  Innere  des  Kelches  hineinraget 
Diese  Septa  zeigen  eine  sehr  deutlich  bilateral  symmetrisch 
Anordnung.  Die  sehr  dünnen  Septa  schwellen  nämlich  gege 
die  Spitse  zu  etwas  keulenförmig  an  und  die  dicken  Spitze^ 
der  einem  und  demselben  Quadranten  angehorigcn  Septa  legej 
sich  an  einander.  Nur  das  Haupt-  und  Gegenseptum  bleibet 
frei,  und  das  erstere  überwiegt  bedeutend  an  Grosse.  —  Keii 
Blasengewebe  oder -derartige  endothekale  Gebilde. 

Legt  man  den  Schnitt  etwas  hoher,  so  verschwindet  so 
fort  das  bilaterale  Bild,  da  die  Septen  nun  nicht  mehr  in  je 
dem  Quadranten  ihre  Spitze  aneinanderlegen,  sondern  freiblei 
ben;  sie  nehmen  auch  nicht  an  Breite  zu,  sondern  horeo  eioei^ 
reichlichen  Millimeter  von  der  Bpithek  auf.  Bei  6  Millimetcx 
Durchmesser  zähle  ich  24  Septa,  bei  19  •  Millimeter  Durch- 
messer 55  Septa. 

Die  angegebenen  Merkmale  werden  bewiesen  haben,  dass 
die  Gattung  Petraia  eine  sehr   eigonthumliche  Entwickelungs- 
form   der  rugosen  Korallen  darstellt,   und   dass  unter  den  be- 
kannten   Gattungen    eine    nahe  Verwandte    sich    nicht    findet« 
Will  man  die  Gattung  in  das  Edwards  und  HADiB'sche  System 
einordnen,  so  muss  sie  in  die  Familie  der  Cjatbaxonidae  kom- 
men ,   deren    wesentliches  Merkmal  der  Mangel  von  Blasenge- 
webe  oder  Boden   ist.     Von  der   einzigen   dieser  Familie    an- 
gehorigen    Gattung   unterscheidet    sich    aber  Petraia    noch   so 
entschieden,  dass  man  sich  versucht  fühlen  konnte,  diese  Gat- 
tung  zum  Tjpus  einer  eigenen  Familie  zu  machen.    Vorläufig 
will  ich  die  Merkmale  zu  einer  Diagnose   der  Gattung  noch 
einmal  zusammenfassen. 

Petraia. 

Eorallenstock  einfach,  festgewachsen..  Regelmässig,  krei- 
sel-  oder  trichterförmig,  zuweilen  auch  schusselformig.  Kelch 
bis  fast  in  die  Spitze  ohne  alle  endothekalen  Gebilde.  £pi- 
thek  meist  dünn,  Septa  sehr  feine  schmale  Leisten  bildend, 
welche  gegen  das  Embryonalende  etwas  breiter  werden  und 
sich  hier  quadrantenweise  mit  einander  verbinden.  Keine  Bo- 
den, kein  Blasengewebe, 


41 

Was  die  Arten   anlangt,  welche  die   in  dieser  Weise  ge* 
:'iS8te  Gattung  enthält,  so  gehören  zunächst  dahin: 

F'/jata  radiata  MtmsT.  Beitr.  I.  1839.  p.  42.  t  3.  f.  4  a.  b. 

—  decussata     ,,                   „  p.  43.     „     f.  1  a.  b,  c. 

—  iivdsinutG   ^,                   i,  „         „     f.  2. 

—  tenuieoitata  „                   „  p.  44.     „      f.  3. 

—  Koehii          „                  „  ,,         „     f .  5  a«  b. 

Ausserdem  scheinen  dahin  zu  gehören: 

Fateüa  düei/ormU  MovST.    Beitr.  II.  1840.  p.  81.  t.  14.  f.  23. 
~     9ulyradiata        ,,  ,,  „  „     f.  24. 

VoD  letzterer  mochte  ich  die  Zugehörigkeit  zu  Petraia  fast 
niit  Sieberbeit  behaupten. 
Ferner: 

Lhofatkut  tenuis  (?)  Lttdw.  Palaeont.  XIV.  p.  192.  t.  48.  f.  2. 

Ortboceren  fl  chief er. 
Taeniocyathus  trochiformü  LuDW.         ,,  p.  199.      „      f.  3. 

Von  diesen  wurde  ich  P.  radiata^  decussata^  KoehU  und 
TaemcyatJau  trochi/ormis  zu  einer  Species  vereinen.  Ebenso 
P'  tnnstnata  und  tenuicoatata.  Schliesslich  PateUa  disci/ormU 
imd  subradiata,    so   dass  ich   folgende  Species   unterscheiden 

vöide: 

1)  Petraia  radiata  Mükbt. 

2)  P.  tenuicostata  Mühst. 

3)  P.  disci/armis  Mühst,  sp. 

4)  P.  tenuis  (?)  Lttdw.  sp« 

Man  hat  in  Deutschland  die  in  dem  rheinischen  Unter- 
^700  binfig  Torkommenden  Steinkerne  einzelliger  Rugosen  zu 
Petraia  gestellt  Diese  Steinkerne  haben  allerdings  (Ludwig 
^'  c.  t  40.  fl  1  n.  2)  mit  Petraia  gemein  die  geringe  Entwicke- 
'<^g  ^  Septa  und  die  Tiefe  des  Bechers ;  allein  sie  haben, 
>reoo  man  den  LuDWio^schen  Zeichnungen  glauben  darf,  keine 
regelmässig  kreiseiförmige,  sondern  eine  etwas  hornformige 
^lestalt  and  man  kennt  die  Bildungsweise  der  Spitze  nicht. 
£Q<ilich  niQss  man  bedenken,  dass  diese  unterdevonischen 
Macke  durch  Yerdrückung  ihre  ursprungliche  Form  meist  ein- 
gebässt  haben.  Wollte  man  diese  Steinkeme  in  die  Gattung 
^i^  anfsehmen,  so  musste  man  bei  der    Gestaltbeschreibung 


40 

m»Q  von  der  dnaueii  Epithek  etw«  16  Sy  ,  wSrde 

gegeo  daaCentrom  noch  «inen  Raum    yp    /fi  ,»ion  ' 

metor  Darcfamesser  freUasaen  und  alr  icbeiden. 

ftls   einen  Millimeter    in  das  Inner'   ' 
DieBB  Septa  leigen    eine   sehr   (•/,' 
Anordnung.     Die  sehr  dönnep 


dien  weaeQ 
iden.    Vu 


der  einem  und  demseibeo 
eiefa   an  einander.    Nd' 


r  OatluDg  anbelrifl 
ürdevon.  Milteldevc 
>en   fraglich  angefübn 


"*  lücke,  von    Heirn  Tietz 

,<:r  Gattnng  Petraia  xurechne.   Da 

,„  echleo    Cl^meuienkalk    wnrde  ich  unk 

r^bnlicben  Pnnn   vom  Bnkeberge  an  die  Seil 

)ile    ist    sehr   schlecht   erhalten,    g^Örl  abe: 

Das  dritte  Stück  indesaea  dürfte  einer  eige- 
va  sein.    Es  besitzt  das  Stack  die  Form  tiwi 

Wände  nach  innen  gebogen  sind;  gleicbzeiii^; 
tärker  entwickelt  als  bei  der  Art  Tom  Enlie 
m  etwas  höher  in  den  Kelch  hinaa&Qreichen 
fehlt  übrigens.  | 

ijfringopora  reticulata  Ooldf. 
ne  Reibe  ansehnlicher  Stücke  einer  Syringo- 
irf  vor,  bei  deren  Speciesbestimmaag  *"  ^^ 
\  erwäbnten  erschwerenden  Umatänden  biet 
tt,  dasa  die  Zellen  von  weissem  Kslbsp«''' 
sher  die  Denllichkeit  der  inneren  Theile  sehr 
nter  den  ans  Earopa  beschriebenen  echt  ä^- 
der  Oattang  Syringopora  (caetpitota  von 
Ita  von  Nebou)  findet  sich  keine  nabe  V^r- 
1  ist  die  >S.  reticulata  ans  dem  Kohlenkilk 
ibnrgischen  nnd  von  Trogenan  im  Fifblelg^' 
icken  so  ähnlich,  daas  ich  dieselbea  mit  je* 
;eD  möchte.  Auf  die  Aebnlichkeit  mit  Blöden 
;  übrigens  L.  v.  BooB  schon  aufmerksani  p' 
aer  äosseren  Aehnticbkeit  würde  ich  aber  M 
mnng  der  betreffenden  Schiebten  die  totUc- 
lange  ausser  Acht  lassen,  bis  man  gensBfre 
Speciesbe  stimm  an  g  der  STringoporen  be>il>'- 
ke  TOD  Ebersdorf, 


4S 


"^  der  AUMngei  «rf  Tafel  I. 

Edw.     Copie  nach  EowASDä. 

^er  Vorderseite. 
Seite. 
Oeland. 

Natürliche  Orösse. 
-'S.    VergrÖsfert. 
aerbaeh  bei  Bingen. 
.Lockee      Naturliche  Grösse. 
— lere  Kelche  rergrössert; 
^  «*    nUlipuHrMM  Hemml^    Ebendorf. 
«.  Obtrülebe.    Natfirliehe  Grösse, 
i.  JBfo  Keich  TsrgrÖssert. 
e.  QoerKhnitt  {. 

d.  LsogMchnitt  {.    Links  ein  Kelch  central,  rechts  excentrisch 
getroiFen. 
Fig.  5    Pwiraüi  raduta,     Enkeberg  bei  Brilon. 

«.  Ansicht  einer  Zelle  Tom  Seitenseptam  her» 

b.  Ansicht  einer  Zelle  ron  der  Spitse. 
e.  LangHchnitt  yergrössert. 

d.  Querschnitt  Yergrdssert,  nahe  der  Spitze. 

c,  Qaersehnitt  Tergrösiert,  weiter  oben. 


I 

) 
I 

■ 

i 


42 

wohl  das  Wort  |,boriiforinig^  hinznfogen,  und  es  wurde  sieb 
dann  diese  Orappe  anterdevoni  scher  Petraien  wesent« 
lieh  von  den  echten  oberd  evou  ischen  unterscheiden.  Vor- 
läufig mochte  es  sich  empfehlen,  diese  Kerne  nur  anhangsweise 
zu  der  Gattung  zu  bringen. 

Was  die  geologische  Verbreitung  dieser  Gattung  anbetrifft^ 
so  ist  das  Hauptlager  jedenfalls  im  Oberdevon.  Mitteldevo- 
nisch kennt  man  keine  Art,  und  die  oben  fraglich  angeführte 
Species  wäre  die  einzige  des  Uoterdevon. 

Von  Ebersdorf  liegen  mir  drei  Stucke,  von  Herrn  Tibtze 
gesammelt,  vor,  welche  ich  der  Gattung  Petraia  zurechne.  Das 
eine  davon  aus  dem  echten  Clymenienkalk  wurde  ich  unbe- 
denklieb  der  gewöhnlichen  Form  vom  Enkeberge  an  die  Seite 
stellen;  das  zweite  ist  sehr  schlecht  erhalten,  gehört:  aber 
wohl  auch  dahin.  Das  dritte  Stuck  indessen  durfte  einer  eige- 
nen  Art  zuzuzählen  sein.  Es  besitzt  das  Stack  die  Form  eines 
Trichters,  dessen  Wände  nach  innen  gebogen  sind;  gleichzeitig 
sind  die  Septen  stärker  entwickelt  als  bei  der  Art  vom  Enke- 
berge und  scheinen  etwas  hoher  in  den  Kelch  hinaufzureichen. 
Das  untere  Ende  fehlt  übrigens. 

! 

Syringopora  reticulata  Goldf. 

Es  liegen  eine  Reihe  ansehnlicher  Stucke  einer  Syringo- 
pora  von  Ebersdorf  vor,  bei  deren  Speciesbestimmung  zu  den 
au  anderer  Stelle  erwähnten  erschwerenden  Umständen  hier 
noch  der  hinzutritt,  dass  die  Zellen  von  weissem  Kalkspath 
erfallt  sind,  welcher  die  Deutlichkeit  der  inneren  Theile  sehr 
beeinträchtigt.  '  Unter  den  aus  Europa  beschriebenen  echt  de- 
vonischen Arten  der  Gattung  Sjringopora  (caespito$a  von 
Paffrath  und  abdita  von  Nehou)  findet  sich  keine  nahe  Ver- 
wandte. Dagegen  ist  die  S.  reticulata  aus  dem  Kohlenkalk 
von  eine  im  Limbnrgischen  und  von  Trogenan  im  Fichteige- 
birge  unseren  Stücken  so  ähnlich,  dass  ich  dieselben  mit  je- 
nem Namen  belegen  mochte.  Auf  die  Aehnlichkeit  mit  Stucken 
von  Trogenau  hat  übrigens  L.  v.  Büoh  schon  aufmerksam  ge- 
macht. Trotz  dieser  äusseren  Aehnlichkeit  würde  ich  aber  bei 
einer  Altersbestimmung  der  betreffenden  Schichten  die  vorlie- 
genden Stücke  so  lange  ausser  Acht  lassen,  bis  man  genauere 
Merkmale  für  die  Speciesbestimmung  der  Syringoporen  besitzt. 

Im  Hauptkalke  von  Ebersdorf. 


43 


ErUimg  itt  AbbOthngeD  aif  Tafel  I. 

r«;.  t.    CtypikeHa  pudiea  Eow.     Copie  nach  Edwaids. 

a.  Matörliche  QrösBe. 

&.  Vergr58a«rt  Yon  der  Vordeneite. 

e.  Ein  Kelch  tod  der  Seite. 
F:^.  1.    PriMciivrhea  denntezium,     Oeland. 

c.  Aoticbt  des  Stockes.    Natürliche  Grösse. 

k.  Querschnitt  eines  Kelches.    Vergrössert. 
Fig.  3.    Protarata  nAerocalyx.     Walderbach  bei  Bingen. 

a.  Ansiebt  des  Stockes     KatUrlicbe  Grosse. 

b.  Mehrere  Kelche  rergrössert/ 

Fi|t.  4.    PfttU^asfrce«  HenntUii.    Ebersdorf. 

«.  Oberfl&che.    Hatttrliehe  Grösse. 

h.  Ein  Kelch  vergrössert. 

e.  Qaerscbnitt  }. 

<f.  Längsschnitt  {.    Links  ein  Kelch  central,  rechts  excentrisch 
getroffen. 
F>f-  'i     Ptirmia  rmdutia.     Enkeberg  b^  Brilon. 

a.  Ansiebt  einer  Zelle  Tom  Seitenseptnm  her« 

6.  Ansicht  einer  Zelle  Ton  der  Spitse. 

c.  Längsschnitt  vergrössert. 

d.  Querschnitt  vergrösseTt,  nahe  der  Spitze. 

e.  Qaerschnitt  vergrössert,  weiter  oben. 


44 


Autelieiitle  Jnragesteme  im  Regierugsbeiirk  Bramberg. 

VoD  Herrn  Rcngb  in  Breslau. 

Mit  einer  Karte  anf  Taf.  II. 

Schon  seit  dem  Jahre  1847  ist  das  Vorkommen  des  obe- 
ren Joras  in  dem  Bohrloch  von  Giechocinek,  drei  Meilen  öetlicfa 
von  Thorn,  bekannt  (cf.  ZnüSCHinsR,  Neues  Jahrbuch  f.  Min.> 
Bd.  1847,  S.  156,  und  Girard,  Norddeutsche  Ebene,  Berlin, 
1855,  S.  50).  Herr  Girard  betrachtete  diese  Gesteine,  welche 
nach  den  sahireich  eingeschlossenen  Petrefakten  uuzweifelbaft 
dem  Niveau  des  Koralrag  von  Franken  uod  Württemberg  an- 
gehören ,  als  eine  Insel  oder  einen  vorgestreckten  Arm  der 
sudlich  verbreiteten  polnischen  Jurabilduogeo,  welche  mit  dem 
oolithischen  Jurakalk  in  Pommern  nicht  zu  vereinigen 
seien.  Von  dem  ostlichsten  Beobachtungspunkte  in  Pommern, 
dem  im  Jahre  1853  als  solchen  durch  Herrn  Ribbehtbop  be- 
kannt gewordenen  Dorfe  Bart'n,  27  Stunden  südöstlich  von 
Colberg  (cf.  Zeitschrift  d.  Deutsch,  geol.  Gesellschaft,  Bd.  V, 
S.  618  u.  666),  lag  dieser  Punkt  circa  35  Meilen  entfernt. 
Nach  Herrn  Zeüschnbr  waren  die  in  Ciechocinek  von  93'  an 
bis  zu  1409'  Tiefe  durchbohrten  Jnraschichten  cum  Theil 
oolithisch,  zum  Theil  auch  dolomitisch.  Von  Petrefakten 
waren  durch  Herrn  Zbuschnbr  bestimmt  Ceriopora  dacata 
GoLDF. ,  Cnemidium  rimulosum,  Pentacrinus  angvlatus^  Cidatis 
communis^  C.  BlutnenbacM,  Terebratuld  pectunculus ,  pectuneu- 
laides,  suhstriata^  loricata,  amithocephala. 

Dagegen  aind  nach  Herrn  Wbssel  (Zeitschr.  d.  Deutsch, 
geol.  Gesellsch.,  Bd.  VI,  1854)  im  oberen  Jura  Pommerns 
eine  nordliche  und  sudliche  Gruppe  von  Gesteinen  zu  unter- 
scheiden. Die  nordliche  umfasst  die  hellgefarbten  Kalke  und 
Mergel,  die  an  beiden  Seiten  des  von  der  Karpine  durch- 
flossenen  Moores  in  den  Feldmarken  der  Dörfer  Fritzow, 
Tribsow,  Schwerz,  Friedensfelde  und  Schwirsen  auftreten. 
Zuoberst   liegt   hier,    nur  1'  machtig,    ein  lichter,  bläulicher 


45 

dar  braonücher,  sehr  harter,  feinkorniger  Kalkstein  mit  splitte« 

rigem  Brach    und   vielen    grosseren    and  kleineren ,    von  ver« 

9.hwQQdeaeo  Maschel schalen   herrührenden  Höhlungen;  daran- 

*er  folgen    5'  hellgefarbte  Mergel,  dann   wieder   1'  Kalk  and 

lAon  wieder  15'  Mergel,  abergehend  in  einen  gelblichen  KaUc« 

»tfio.     Die  Schichten  fallen  nach  Herrn  Wbsbel  im  Allgemein 

viieü  unter   10  bis  15^   gegen  Nordwesten  ein,   and  an  Petre- 

ixkten  sind  bestimmt  Neriia  jurensis  und  hemüphaerica,  Naiiea 

:*^bota  oad  macrostoma^  Bulla  tupru^reMia,  Pholadawya  wbi* 

ulata^  camplanata,  paudcoitUy   lAma  proboseidea^   Triff oma  co- 

rata,  dacMata,  Avicula  modioUms,  Terebratuia  biplicata,  He- 

mleidaris,  Cljpeaster,  jene  länglichen,  ei-,  aber  auch  kngel'*  und 

biraförmigen  Körper,  deren  Oberfläche  ganz  mit  regelmässigen 

ikletneo  Sechsecken  bedeckt  ist  (Chama  geometrica  A.  RoBicBa), 

aod  Ichthyosaoras-Zäbne. 

Bei  Klemmen,  ^  Stande  von  Gülzow  entfernt,  stehen  lichte 
{Kalksteine  von  oolithischer  Structnr  an,  *and  ebenso  sind  die 
Kslksleine  von  Bartiu  oolithisch. 

Die  im  vergangenen  Frühjahre  in  der  Gegend  von  Inow«- 
raclaw  aar  Aafsuchang  von  Steinsalz  ausgefahrten  Bohrversache 
gaben  mir  Gelegenheit,  in  der  Gegend  von  Inowraclaw  zwei 
neue  Beobachlangspaukte  festzustellen,  an  welchen  unzweifel- 
Laft  versteinerongsfohrende  Kalksteine  des  oberen  Juras  an- 
stehen. Die  Entfernung  derselben  von  den  pommerschen  Beob-' 
uhtongspunkten  wird  hierdurch  auf  ca.  25  Meilen  vermindert. 
Diese  Geateinspunktc  dürften  deshalb  ein  besonderes  Interesse 
babeo,  weil  die  Beobacbtungspunkte  für  anstehende  ältere 
Schiebten  in  der  norddeutschen  Ebene- so  ausserordentlich  spar- 
sam sind;  und  wir  werden  sogleich  sehen,  welche  wichtige 
Schlösse  sich  aus  dem  Auftreten  des  oberen  Juras  im  Regie- 
raogsbeairk  Bromberg  ziehen  lassen. 

Schon  wiederholt  waren  mir  Notizen  über  in  der  Gegend 
\oQ  Bromberg  anstehende,  zusammenhängende  Kalklager  zu- 
gegangen; alle  Punkte,  die  ich  besuchte,  und  alle  Gesteins- 
proben, die  ich  sah,  zeigten  indess  entweder  den  alluvialen 
Kalktaff  oder  silurische  Geschiebekalke;  letztere  zuweilen 
in  so  grosser  Anhäufung  und  so  grossen  Blöcken ,  dass  man 
Marmorbrache  darauf  eröffnen  wollte.  Bei  Inowraclaw  aber 
wurde  ich  za  einem  Punkte  geführt,  an  welchem  aus  10-*- 12' 
Tiefe  einige  Klafter  eines  Kalksteins  gebrochen   waren,  den 


46 

ich  sofort  für  anstehend  halten    masste.     Das  Qeslein   seigte 
tbeils  einen  weissen,  gelben  und  grauen,  von  feinen  Kalkspath- 
adern  durchzogenen,   aber  sehr  festen  und  dichten  Ralkateio, 
welcher  im  Aeusseren   anderweit  bekannten  Jnrakalken  glich ; 
theils    einen    eisenschüssigen,     sehr    dnrchlpcherten    und     mit 
Drasenräumen  erfällten  Dolomit,  dessen  Magnesiagebalt  schon 
in  den  Jahren  1861  und  1862   daroh  Herrn   Sohnkksohtoi    be- 
stimmt   worden    war.      Die  Versuche,   diesen    Kalkstein     zur 
Herstellung  eines   branchbaren  Mörtels  an   vorwenden,   waren 
missgluckt,   weil  man  es  oaterlassen    hatte,   den  reinen  Kalk- 
stein von  den  dolomitischen,  eisenschüssigen  Gesteinen  aa  son« 
dern.   Nach  Angabe  des  Herrn  Kaufmann  Lbwt  in  Pnowraclaw 
waren  in   diesem  Kalkstein  anch  Masoheln  vorgekommen ;  es 
war  aber  keine  derselben   anf bewahrt,   und  ieh  konnte    trotas 
wiederholten,    stundenlangen  Klopfens  nichts  entdecken,    was 
eiuem  Petrefact  ähnlich  sah,  bis  ich  ein  tief  geripptes  Sohaalen- 
brnchstuck  fand,  welchea  ich  sogleich  Herrn  J^raiOH  einsandte. 
Derselbe  glaubte,  „dass  es  von.  einer  Lima  oder  einem  Pecten 
herrühren  könne;  dass  es    schon   für  sieh  den    Gedanken    an 
eiiien  alten  Kalkstein  ausschliesse,  der  oberjurassischen  Natur 
desselben  aber  nicht  widerspräche.^^   Ausserdem  ging  mir  noch 
ein  einzelnes  Stuck  desselben   weissen  dichten  Kalksteins   mit 
einer  deutlichen  Muschel  zu,  die  Herr  FaaD.  Robmbr  hierselbst 
sofort  als  TerebrcUeUa  lorioata  bestimmen  konnte.     Das  Stuck 
sollte  aus  der  Gegend  von  Wojcin   und  Jadownik  bei  Baroin, 
ca.  drei  Meilen  nordwestlich  von  luowraclaw,  herstammen ;   es 
blieb  aber  zweifelhaft,   ob  das  Gestein  dort  wirklich  anstehe, 
oder  ob  das  Stuck  nur  als  Geschiebe  gefunden  sei. 

Davon  nun,  dass  der  obere  Jnra.  bei  Inowraclaw  wirklich 
anstehe  und  in  geringer  Tiefe  unter  dem  Dihivium  verbreitet 
sei,  überzeugte  ich  mich  durch  folgende  Beobachtungen: 

1.  Bei  der  auf  Inowraolawer  Stadtterrain,  ungefähr  ~  Meile 
sadostlich  von  der  Stadt,  belegenen  Ziegelei  waren,  wie  schon 
erwähnt,  aus  10 — 12'  Tiefe  einige  Klafter  Kalkstein  gewonnen 
worden;  ich  fand  zwar  noch  die  einige  Quadratruthen  grosse 
Grube,  welcher  dieses  Gestein  entnommen  war,  konnte  in  der- 
selbeiv  aber  nichts  mehr  beobachten.  Der  Punkt  ist  auf  dem 
die  Umgegend  von  Inowraclaw  darstellenden  Kärtchen  mit  d 
bezeichnet;  in  dem  dicht  neben  jener  Gmbe  stehenden  12 
tiefen  Brannen  war  derselbe  Kalkstein  ebenfalls  erreicht  wor- 


47 

Jen;  einige  Steiobaufen  lagen  noch  da  und  zeigten  ein  Ocetein, 
«elchea  in  aeinem  äusseren  Ansehen  durchaus  von  den  leicht 
senntlicheD  Geschiebekalken  des  Diluviums  abwich. 

2.  Demnächst  erfuhr  ich,  dass  dieser  Kalkstein  auch  in 
dem  Brunnen  des  Chaussee-Aufsehers  Fdchs  an  der  sogenann- 
tca  polnischen  Chaussee,  auf  der  Karte  mit/  bezeichnet,  an- 
stehe, leb  Hess  diesen  Brunnen  ausschöpfen  und  hieb  aus 
12'  Tiefe  denselben  Kalkstein  heraus.  Dieser  Punkt  liegt 
t^iwa  ^  Meile   nördlich  von  der 'Ziegelei. 

3.  Ebenso  sollte  dieser  Kalkstein  in  dem  Brunnen  und 
Keller  des  dem  Guts-  und  Ziegeleibesitzer  GÖrnibwicz  geho« 
rigeo  Grandstäcks  (e  der  Karte)  angetroffen  sein.  Die  Stucke, 
welche  mir  als  jenem  Brunnen  in  11'  Tiefe  entnommen  be- 
2«icb[iet  wnrden,  zeigten  genau  dasselbe  Gestein ;  in  der  Keller- 
sohte  Hess  ich  aber  aufgraben  und  fand  dasselbe  bei  ca.  4' 
liefe. 

4.  Ferner  ist  nach  der  Mittheilnng  des  Bürgermeisters 
Nkcbsit  an  Inowraelair  an  der  Thorner  Chaussee  S — 400  Schritt 
voD  der  Stadt  entfernt  (Punkt  h  der  Karte)  derselbe  Kalkstein 
:o  20'  Tiefe  erbohrt  und 

5.  endlich  nach  anderweit  mir  zugegangenen  Mittheilun- 
g«u  bei  Punkt  g  in  einem  Brunnen  bei  40'  Tiefe  erreicht 
v(  Gfdeo. 

Da  bei  Inowraolaw  nur  zweierlei  einheimische  feste  Ge* 
steise  unter  der  Dilnvialdecke  vorkommen,  welche  von  jedem 
Laiea  sowohl  unter  sich,  als  von  den,  übrigens  bei  Inowraclaw 
«elbst  sehr  sparsamen  und  nicht  grossen  nordischen  Geschie- 
ben leicht  unterschieden  werden,  nämlich  Gyps  und  dieser 
harte  Kalkstein,  so  halte  ich  auch  die  Pnnkte  4  und  5 
[g  nnd  h  der  Karte)  für  ganz  sicher  und  habe  hiernach  das 
Vorkommen  des  Jurakalkes  bei  Inowraclaw  auf  dem  Kärtchen 
Torliofig  abgegrenzt.  Ich  bemerke  nur  noch,  dass  Herr  DoR- 
DOBVF,  welcher  in  den  letzten  Jahren  die  polnischen  Jura* 
^eateine  behufs  Herstellung  einer  geognostischen  Karte  von 
Oberschlesien  näher  untersucht  hat,  den  Inowraclawer  Kalk- 
stein in  petrographischer  Beziehung  für  identisch  hält  mit  den 
bei  Pili ea  (siehe  Section  Konigshntte  der  RoBiiBR^schen  Karte 
io  der  nordostiichen  Ecke)  anstehenden  Gesteinen,  welche  zwar 
sehr  arm  an  Petrefakten  sind ,  aber  unzweifelhaft  dem  oberen 
Jan  angehören. 


48 

Das  mir  sub  der  Gegend  von  Barcia  ingekommeDe,  die 
Tarebratella  loricata  eioBchlieaeende  Kalkstüok  «rweckle  iodess 
in  mir  deo  Wunsch,  «uch  die  Umgegend  tod  Barcin  näher  tu 
DDterBQcben  nnd  wo.  möglich  eino  westliche  Fortsetsang  des 
InowracUwer  Kalklagers  bis  in  dieselbe  su  constnüren.  Als 
PoDkte,  an  denen  ansgedehntere  Kalklager  anstehen  sollton. 
waren  mir  beceichaet  die  Dörfer  Br6uiewice,  Dobieaze- 
wice,  Jaokowo  nnd  Krotoac^n.  Die  ersteren  drei  Dör- 
fer liegen  an  dem  westlichen  Ufer  des  2~  Meilen  langen 
Trionger  Sees,  welcher  durch  eine  Erweiterung  des  Netze- 
thales  gebildet  wird.  Den  Br6niewicer  Kalk  hatte  ich  bereits 
vor  mehreren  Jahren  an  Ort  nnd  Stelle  kennen  gelernt;  es 
war  Kalktnff,  wie  er  sich  heute  noch  bildet.  Ebenso  seigteo 
die  mir  von  Dobiessewice  vorgelegten  Gesteinsproben  deat- 
licben  Ealktuff;  und  endlich  fand  ich  auch  bei  Jsnkowo,  ca. 
j  Meile  endlich  von  dem  Städtchen  Pak  ose  nnr  sehr  deat- 
lieben,  theils  weissen  und  gelben,  tfaeils  brannen  eisenschüssi- 
gen, celligeo  Kalktnff,  welcher  dort  in  mehrere  Fass  micbtjgen 
festen  Banken  ansteht  und  seitweise  gewonnen  wird;  die  bis 
30'  Tiefe  niedergebenden  Brunnen  bähen  bei  Jankowo  eini 
anderes  festes  Gestein  nicht  aufgeschlossen. 

In  dem  Dorfe  Krolostjn  dagegen,  j  Meile  südösllieb    von 
Barcin,  fand  ich  ca.  2000  Schritt  östlich  von  dem  einladenden 
und   sanberea   Herrnhanse    des  Herrn  v.  Bbzbski    im  Kiefern- 
walde mehrere  Klafter    schönen,    dichten,    weissen  Jurakalks 
aufgestellt.    Der  Punkt  liegt   liemlich    in   der  Mitte  swischen 
den  beiden    ron  Barcin  nach  Inowraclaw  und  Mogiino  fubren- 
den  Cbansseen,   von  jeder  derselben    ca.  2000  Schritt  entfernt 
in  einer  flachen  Ein  Senkung,  welche  gegen  Nordwest,  d.h.  nwch 
arcin  und  der  Netze  su,  ubfälll.    Hier  ist  der  erwähnte  Knlk- 
;ein,  nach  der  Mittbeiinng  des  Besitzers,  auf  einer  Flache  von 
%.  7  Morgen  Ausdehnung  10—12'  unter  Tage  eu  finden  ;   seil 
ihn   Jahren    sind  von    ihm    selbst   mehrere    hundert  Schacht- 
ithen    dieses    Kalksteins    gewonnen,    in    einem  kleinen  Kalk- 
Ten    gebrannt    and    lur    Hersteilung   eines   guten    MörteikBiks 
arwendct  worden.     In  der  Sohle  einer  dieser  Gruben  konnte 
h  mich  von  dem  Vorhandensein   des  Kalksteins  überaeugen, 
od  fand  nur  die  dichte,  reine  nnd  weisse  Varietät  des  Inow- 
tclawer  Vorkommens,   frei  von  Eisenfärbung,  ohne  dolomiti- 
ihes   Aussehen  nnd   keine  Spuren   oolitbischer  Absonde- 


49 

rsfig;  dftgegeo  war  Stjlolithenbildang  sehr  deutlich  sa  erkennen. 
H«^  Kleutebt  in  Bromberg  hat  diesen  Kalkstein  zu  unter- 
sachea  die  Gute  gehabt  und  denselben  ansserordentlich  rein 
gefQoden;  er  enthält  ausser  der  Kohlensäure  und  Kalkerde 
HOT  DQch  etwas  Thonerde  und  Eisenoxjd  und  eine  verschwin- 
dend kleine  Spar  Magnesia ;  die  Reactionen  auf  Kali ,  Natron 
uod  Chlor  hatten  ein  negatives  Resultat;  —  ebenso  ist  in  der 
ME5ZEL*schen  Apotheke  zu  Bromberg  dieser  Kalk  auf  Magnesia 
{.Dtersueht  und  davon  frei  gefunden  worden. 

In  diesem  Krotoszyner  oder,  wie  ich  ihn  zur  Vermei- 
düDg   von   Verwechselungen    lieber    nennen    will,    Barciner 
Kalkstein   fanden  nun  Herr  Kaufmann  Lbwy  aus  Inowraclaw, 
der  mich   sehr   frenndlich   auf  meinen  Ezcursionen   mit  seiner 
LökalkenntnisB  unterstützte,  und  ich  in  kurzer  Zeit  an  Ort  und 
Stelle  einige  deutliche  Petrefakten,  welche  ich  sogleich  Herrn 
BtiBicn  einsandte.     Derselbe  schrieb  mir  bald,  dass  die  ober- 
jonssische  Natnr   dieses  Kalksteins  einem  Zweifel  nicht  mehr 
BDterliegen   könne.     Einer   späteren  Mittheilung  entnehme  ich, 
dass  ausser   glatten   Terebrateln ,    Pecten    und    anderen    ihrer 
(m?ollständigen  Erhaltung  wegen  nicht  genauer  zu  bestimmen- 
den Formen    ein  deutliches  Exemplar   der    Terebratula    trigo^ 
nfäa  zu  diesem  Schluss  berechtige.     Offenbar  ist  dieser  Kalk- 
äteiii,  der,   nach  dem  petrographischen  Ansehen  zu  urtheilen, 
mit  dem    Kalkstein   von  Inowraclaw   zusammenhängen    muss, 
nel  weiter  verbreitet,    als  man  in  der  Gegend  annimmt.     Die 
Aonahme,    dass  er    auf  jene   flache   Thaleinsenkung    von   ca. 
T  Morgen  Ausdehnung  beschränkt  sei,  in  welcher  man  ihn  bei 
10—12'  Tiefe   findet,  ist  in   keiner   Weise  zu  begründen;    es 
^st  rielmehr   zu   vermuthen,   dass    er  sich  weiter  gegen  Nord- 
west und  gegen  Südost  ausdehne,   nur  ist  er  ausserhalb  jener 
Mederong  von  mächtigeren  Diluvialscbichten  bedeckt,  zu  deren 
Oarcbsinknng  man  bis  jetzt  eine  Veranlassung  nicht  hatte.    In 
der  That  ist  denn  auch    derselbe  Kalkstein   eine   halbe  Meile 
äödöstlich    in   dem   Brunnen    des   Dominiums    Bielawke   bei 
^'  Tiefe  erreicht  worden.     Hierauf  gründen  sich  die  Angaben 
<ier  Karte,    lieber  Streichen,  Fallen  und  Mächtigkeit  des  Kalk- 
steins konnte  ich  gar  keine  Beobachtungen  machen,  hoffe  aber, 
<^8  die  Wichtigkeit  anstehenden,  festen,  reinen  Jurakalkes  in 
einer  Gegend,  in  welcher  die  Tonne  Kalk  gegenwärtig  3  Thlr. 
lutstet,  nnd  welche  jedes  Stückchen  Kalk  entweder  von  Rnders- 

l<fb.^0.gMl.«et.  XXII,  1.  4 


50 

dorf  oder  Oogolin  in  Oberschlesien,  also  aas  Entfernangen 
von  mehr  als  50  Meilen  beziehen  muss,  —  ich  hoffe,  dass  die 
Wichtigkeit  dieses  Ealk?orkoaimens  erkannt  werden  and  zu 
einer  rationellen  Ausbeutung  desselben  fähren  wird.  Aller- 
dings erfordert  letztere,  mit  Rücksicht  auf  die  Wasserhaltung, 
unbedingt  die  Aufstellung  einer  Dampfmaschine;  das  geringe 
Anlagekapital  muss  sich  aber  sehr  gut  verzinsen ,  and  dann 
werden  wir  hoffentlich  auch  vollständige  Petrefaktensaiteo  and 
nähere  Aufschlüsse  über  die  Mächtigkeit,  das  Streichen  und 
Fallen  und  die  Schichtenfolge  erhalten*  Bis  dahin  ist  nur  con- 
statirt,  dass  in  der  Richtung  von  Inowraclaw  gegen  Nordwest, 
also  nach  Colberg  zu,  die  Mächtigkeit  des  Diluviums  verhalt- 
nissmässig  sehr  gering  ist  und  dass  die  Schichten  der  Jura- 
formation hier  bis  nahe  an  die  Tagesoberfläche  treten. 

Es  blieb  mir  nun  nur  noch  übrig,  die  Punkte  Wojciu^ 
j  Meilen  südwestlich,  und  Jadownik,  1  Meile  westlich  von 
Barcin,  zu  besuchen,  von  welchen  das  Kalkstuck  mit  der  Te^ 
rebratella  ioricata  herrühren  sollte.  Ich  fand  in  Woycin  am 
rechten  Ufer  des  Ftureker  Sees  nur  Kalktuff  and  constatirte, 
dass  bis  zur  Tiefe  von  38^  bis  zu  welcher  der  tiefste  Brannen 
niedergegangen  war,  auf  Woyciner  Terrain  kein  festes  Gestein 
bekannt  geworden  sei;  ebenso  war  das  Resultat  der  Ezcarsion 
nach  Jadownik  ein  negatives ;  es  war  dort  bis  zu  65'  Tiefe 
nur  unzweifelhaftes  Diluvium  angetroffen. 

Diesen  thatsäc blichen  MittheÜungen  erlaube  ich  mir  nun! 
noch  einige  allgemeine  Bemerkungen  über  die  geognostischen  j 
Verhältnisse  dieser  noch  sehr  wenig  bekannten  Gegenden  an-' 
zuschliessen.  ! 

Zunächst  dürfte  aus  dem  Auftreten  des  oberen  Jurakalkes  | 
bei  Barcin  und  Inowraclaw  folgen,  dass  die  bei  Ciechocioekl 
in  93'  Tiefe  erbohrtea  und  bei  1409'  Tiefe  noch  nicht  durch- 1 
bohrten  Kalk-  und  Dolomitschichten  des  oberen  Jura  nicht  als ! 
eine  Insel  und  ein  vorgestreckter  Arm  des  polnischen  Juras  au! 
betrachten  seien,  wie  Girard  im  Jahre  1855  annahm,  als  erl 
mit  Recht  auf  die  grosse  Wichtigkeit  des  interessanten  Ciecho- 1 
cineker  Aufschlusses  aufmerksam  machte;  der  vorgestreckte; 
Arm  würde  wenigstens  eine  Breite  von  neun  Meilen  besitzen  ;| 
—  es  muss  vielmehr  gefolgert  werden ,  dass  die  polnischen  | 
Jnrabildungen ,  deren  nordlichste  Ausläufer  bei  Kaiisch  nud  j 
Kolo   in  Polen    an   der  Prosna  und  Warthe  la  Tage  treten,  \ 


51 

uüxweifelhaft  bis  in  die  Gegend  von  Inowradaw  und  Ciecho- 
cioek  sich  ausdehoen,  and  dass  sie  in  dieser  Gegend  —  ab- 
gesehen Ton  den  Braonkohlenbildnngen  —  in  grosserer  Ver- 
'treitoog  die  nnmittelbare  Unterlage  des  Diluviums  bilden.  — 
Es  ist  daher  gar  nicht  unwahrscheinlich ,  dass  in  dem  ganzen 
«estiichen  and  nordlichen  Theile  der  Provinz  Posen  der  obere 
•Iura  anter  dem  Diluvium  zu  finden  sei,-  und  wenn  Jemand 
geaaue  Erkundigangen  über  die  Brunnen  dieser  Gegend  ein- 
ziehen konnte,  so  wurde  er  gewiss  auch  hier  Punkte  consta- 
tireD  können,  an  welchen  die  Dilnvialablagernngen  weniger 
nächtig  sind  und  resp.  die  Jnrabildungen  bis  nahe  an  die  Ta- 
geftoberflache  treten.  In  einem  Erlasse  des  Herrn  Handels- 
Enioisters  vom  19.  Mai  1864,  in  welchem  die  Königlichen  Re- 
§ieraogeo  auf  das  wahrscheinliche  Auftreten  des  oberen  Juras 
in  den  westlichen  Theilen  der  Provinz  Posen  aufmerksam  ge- 
macht und  ZQ  weitereu  Nachforschungen  angeregt  werden,  ist 
(knn  auch  schon  die  Notiz  enthalten ,  dass  weisser  Kalk  bei 
Ortnescewo,  unweit  Grabow  im  Schildberger  Kreise,  anstehe, 
an  anderen  Punkten  eben  dieses  Kreises  aber  erbohrt  sei. 
Man  wird  ihn  jetzt  mit  Aussicht  aaf  Erfolg  auch  suchen  kön- 
beo  io  den  Kreisen  Adelnau ,  Pleschen ,  Inowraclaw,  Mogilno, 
Schabin  und  Wirsitz. 

Im  Brückenkopf  von  Thorn  dagegen  sind  durchbohrt  63' 
Dilanom,  \1'  Tertiärformation;  dann  von  80 — 137'  zweifel- 
hafte, aber  wahrscheinlich  schon  der  Kreideformation  angehö- 
nge  Schichten;  endlich  von  137—442}'  weisse  Kreide,  Kreide- 
mergei  und  Grnnsand  (cf.  Schuhana,  geologische  Wandernn* 
gcD  in  Altpreussen,  Königsberg,  1869,  S.  140).  Bis  nach 
Thorn  reichte  also  das  nördliche  Kreidemeer,  dessen  Absätze 
wir  bei  Grodno  und  Kowno  in  Kurland ,  auf  Bornholm ,  See- 
l&od,  im  südlichen  Schweden,  im  westlichen  Theil  von  Pom- 
mern, in  Mecklenburg  und  in  den  Elbherzogthiimern  kennen, 
gegen  Soden ,  während  in  der  ganzen  Provinz  Posen,  sowie  im 
üürdlichen  Theile  von  Schlesien  und  endlich  auch  im  östlichen 
Theile  der  Provinz  Pommern  bis  jetzt  Kreidebildungen  nicht 
bekannt  geworden  sind,  vielmehr  bei  Inowraclaw,  Ciechocinek, 
fiucin  und  Bartin  bei  Colberg  das  Diluvium  oder  die  Tertiär- 
Mhichten  unmittelbar  auf  den  Schichten  des  oberen  Juras  ruhen. 
Die  Ablagerungen   des  Kreidemeeres   sind  also  entweder  hier 

4* 


52 

sp&ter  zerstört  und  entfernt,  oder  .es  Bind  solche  Absitie  io 
diesen  Gegenden  überhaupt  nicht  gebildet  worden. 

Wenn  ich  nun  auch  die  pommerschen  Jarageateine  voo 
Colberg,  Fritzow  u.  s.  w.  ebensowenig  kenne  als  die  poloi- 
sehen  und  die  dem  Bohrloche  von  Ciechocinek  entoommeDen 
Bohrprobeo ,  so  scheint  mir  doch  eine  nahe  Besiebung  der 
polnischen  und  pommerschen  Jurabildungen  zu  einander  noth- 
wendig.  Die  oolithische  Natur  des  Bartiner  Kalkes  kann  wob) 
allein  die  Trennung  und  die  Annahme  zweier  ganz  verschie- 
dener Bildungen  nicht  rechtfertigen  und  begründen;  es  können 
ja  dieselben  Schichten  lokal  oolithisch  abgesondert  und  an  an- 
deren Stellen  dicht  erscheinen;  es  können  ferner  in  Inowraclaw 
und  Barcin  sehr  wohl  noch  oolithische  Schichten  in  der  Tiefe 
vorhanden  sein,  und  es  können  endlich  unbeschadet  des  Zu- 
sammenhauges  der  ganzen  Schichtenbildung  die  oolithischen 
Schichten  sich  stellenweise  anskeilen  und  ganz  fehlen.  Herr 
Zeuschnbr  erwähnt  von  Ciechocinek  bestimmt  der  oolithischen 
Bildungen,  und  die  Punkte  Barcin  und  Inowraclaw  liegen  zwi- 
schen Ciechocinek  und-  Colberg.  Entscheidend  wird  die  ge- 
naue Vergleichung  der  beiderseitigen  Petrefaktensuiten  sein, 
und  dass  diese  einst  möglich  sein  werde,  lässt  mich  die  Aus- 
beute  eines  kaum  einhalbstundigen  Klopfens  in  Barcin  hoffen; 
ich  moss  allerdings  zageben,  dass  zur  Zeit  die  von  Herrn 
Wbsskl  für  den  oberen  Jura  Pommerns  und  die  von  Herrn 
Zbusohnbr  aus  den  Bohrproben  von  Ciechocinek  aufgeführten 
Petrefaktenreihen  eine  Identificirung  der  beiderseitig  bekannt 
gewordenen  einzelnen  Schichten  nicht  erlauben. 

Immerhin  scheint  mir  aber  bis  jetzt  doch  mehr  für  den 
Zusammenhang  der  pommerschen  und  polnischen  Jurabildun- 
gen im  grossen  Ganzen  zu  sprechen,  als  dagegen;  denn  es 
sind  in  dem  Zwischenraum  irgend  welche  andere  altere  Schich- 
ten, welche  die  Ablagerungen  der  Juraperiode  lokal  unter- 
brochen haben  könnten,  nicht  bekannt,  und  die  Schichten- 
folge ist,  wovon  man  sich  durch  einen  Blick  auf  die  neue 
V.  DsCHEH^sche  Karte  von  Mitteleuropa  überzeugen  kann,  im 
Osten  (Oberschlesien  und  Polen)  und  im  Westen  genau  die- 
selbe, nämlich  Trias,  brauner  Jura,  weisser  Jura,  Kreide.  Ich 
ziehe  naturlich  das  westliche  Profil  bis  in  die  Gegend  von 
Rudersdorf,  Kalbe  und  Lüneburg,  an  welchen  Punkten  die 
Triasformation ,   ebenso   wie   in  Oberschlesien   und  Polen ,  in 


ihrer  ToUfitandigen  Entwickelong  mitBoDtem  SandBteio,  Moschel- 
bik  and  Keaperscfaichten  bekaoot  geworden  ist.  Aach  bei 
Segeberg  ond  an  der  unteren  Elbe  (Stade,  Elmshorn)  sollen 
Mo^cfaelkalk  und  Kenper,  ja  nach  einer  mir  kürzlich  zugegan- 
geoeo  Mittheilnng  sogar  Zechsteinscbichten  nachgewiesen  sein ; 
ich  wdss  aber  nicht,  worauf  sich  diese  Bestimmungen  grün- 
den and  ob  das  Niveau  der  dort  bekannt  gewordenen  und  bis- 
her der  Trias  zugerechneten  Mergel  und  Dolomite  wirklich 
conmehr  zweifellos  feststeht. 

Ein  anderes  sehr  wichtiges  Moment  spricht  aber  meiner 
Ansicht  nach  noch  bestimmter  für  die  Identität  und  den  Zu- 
sunmenhang  der  beiderseitigen  Schichtensysteme  im  Osten  und 
im  Westen,  ich  meine  den  Gyps  und  den  Salzgehalt  der- 
selben. Es  sei  mir  gestattet,  hierauf  noch  etwas  näher  einzu- 
gebeo. 

Es  ist  seit  Janger  Zeit  bekannt  das  Vorkommen  des  Gypses 
in  der  norddeutschen  Ebene  bei  Segeberg,  Lüneburg,  Lubtheen, 
Rnderftdorf,  Sperenberg,  und,  wie  ich  kurzlich  erst  erfuhr, 
findet  sich  massiger  Gyps  auch  an  der  unteren  Elbe  in  der 
Gegend  ^on  Stade.  Ganz  ähnlicher  Gyps  von  entschieden  kor- 
nigem Qod  feinschnppigem  Gefnge  findet  sich  nun  auch  im 
0«Ud  bei  Wapno  und  Inowraclaw. 

Bei  Wapno  tritt  der  Gjps  unmittelbar  zu  Tage  und  wird 
''D  »nsgedehntea  Brüchen  gewonnen,  welche  jährlich  gegen 
100,000  Centner  Dnngergyps  lieferh.  Ich  besuchte  im  ver- 
fiossenen  Frühjahre  die  Wapnoer  Gypsbruche,  und  zwar  gerade 
ZQ  einer  Zeit,  als  eben  einige  20  Morgen  des  von  Diluvium 
Qod  alten  Abraumsmassen  bedeckten  Gypses  abgeräumt  waren. 
Die  Fläche,  auf  welcher  der  Gyps  bei  Wapno  nahe  unter  Tage 
^kannt  geworden  ist,  beträgt  augenblicklich  60  Morgen,  und 
ei  scheint  der  Gyps  in  der  Richtung  von  Nord  nach  Sud  (h.  1) 
iicb  aoszubreiten ,  in  welcher  Richtung  sich  auch  eine 
fl&che  Terraiuerhebnng  bemerklich  macht.  Die  unverritzte 
Oberilicbe  des  neu  aufgedeckten  Gypses  zeigte  sehr  schon 
iQsgeprägt  eine  Menge  geschlossener  kesselartiger  Vertiefun- 
S^Q|  deren  Durchmesser  von  wenigen  Füssen  bis  zu  12' 
^f^bselte,  und  welche  sich  mit  steilen,  glatten  Rändern  voll- 
ständig geschlossen  bis  zu  6'  Tiefe  in  die  Oberfläche  des 
%8e8  einsenkten.  Offenbar  sind  diese  Vertiefungen  durch 
°ie  Meereawogen  ausgespult ,   und  zwar  scheinen  die  letzteren 


I 


54 

sich  grosserer  nordischer  Geschiebe  von  hartem  Gestein  zur 
Aosbohlang  des  weichen  Oypses  bedient  sa  haben ;  denn  es 
wurden  in  einigen  dieser  Kessel  noch  nordische  Oeschiebe 
gefanden,  deren  Durchmesser  naturlich  stets  etwas  kleiner 
war  als  der  des  Kessels,  die  ich  mir  also  von  den  Wogen  io 
dem  Kessel  wie  eine  Reibkeule  umhergeworfen  denke,  zu  einer 
Zeit,  wo  die  Wogen  des  Diluvialmeeres  noch  hoch  aber  diese 
Gjpsklippe  fortschlagen. 

Der  Ojps  von  Wapno  ist  zwar  entschieden  geschichtet, 
und  es  ist  auch  eine  Wechsellagerung  von  Gyps  und  Letten 
stellenweise  sehr  deutlich,  so  dass  über  die  neptunische  Bil- 
dung desselben  ein  Zweifel  nicht  obwalten  kann,  aber  die 
Schichtung  ist  so  unregelmässig,  dass  Streichen  und  Fallen  an 
jedem  Punkte  verschieden  sind.  Das  Hauptstreichen  scheint 
mir  in  hora  1,  das  grösstentheils  steile  Fallen  von  70 — 90' 
im  Ganzen  mehr  nach  Nordwesten  als  nach  Südosten  gerichtet 
zu  sein. 

Bedeckt  ist  der  Gyps  in  Wapno  von  10 — 20'  Sand  und 
Lehm;  an  einigen  neu  aufgedeckten  Stellen  fand  ich  indess 
auch  reinen  weissen  Quarzsand  und  dunkelschwarzen  Letten, 
Bildungen,  welche  gewiss  nicht  dem  Diluvium  angehören.  Pe- 
trefakten  konnte  ich  bis  jetzt  in  beiden  Schichten  leider  nicht 
entdecken;  die  Grenze  gegen  den  Gyps  setzte  zuweilen  senk- 
recht  in  die  Tiefe*  Unwillkürlich  musste  ich  mich  daran  er- 
innern, dass  auch  bei  Lüneburg  und  Segeberg  schwarze  Letten 
aber  dem  Gyps  vorkommen,  die  an  ersterem  Punkte  nach  den 
eingeschlossenen  Petrefakten  als  oberoligocan  bestimmt  wur- 
den. Den  weissen  Quarzsand  hat  Herr  Webskt  hierselbst  na- 
her zu  untersuchen  die  Gute  gehabt.  £r  schreibt  mir,  ,,daS8 
der  Sand  keinen  Feldspath,  Granat  oder  Hyacinth  enthalt, 
dass  derselbe  nur  aus  klarem  und  halbklaren,  zuweilen  rötb- 
lich gefärbten  Quarz,  vielleicht  mit  etwas  Kieselschiefer  und 
Hornstein  gemengt,  besteht;  und  auch  die  dem  sehr  gleich- 
massigen  Korn  beigemengten  6  bis  8  pCt.  feinen  Mehls  be- 
stehen nach  Webskt  nur  aus  feinen  Quarzsplittern  mit  sehr 
wenig  Thon.^  Ebenso  fand  Herr  Kleiubbt  in  Bromberg  bei 
einer  chemischen*  Untersuchung  dieses  Sandes  nichts  als  Riesel- 
erde mit  etwas  Thonerde  und  Eisenoxyd.  In  diesem  Sande 
fand  ich  endlich  ein  Stück  verkieselten  Holzes  mit  gewandenen 
Jahresringen,   welches    nach    Herrn  Goppebt   einer  Conifere, 


55 

aber  keiner  Amocarie  angehört  und  den  verkieeeUen  Holcern 
gleicht,  welche  in  der  norddeatechen  Ebene  so  hanfig  ale  Di- 
lorialgeschiebe,  cnweilen  aber  doch  aach  in  Brannkohlenlagem 
vorkorameo;  es  wurde  also  dieses  eiosige  Petrefakt,  welches 
.rb  hier  sammeln  konnte ,  dem  tertiären  Alter  dieser  Sande 
ucd  Letten  nicht  geradesu  widersprochen.  Ich  erwähne  endlich 
K«h  eioes,  dem  äusseren  Ansehen  nach  cn  nrtheilen,  stein- 
3&rkartigen  Minerals^  welches  den  Wapnoer  Gype  in  Kluften 
tiarchsetKt;  dasselbe  ist  aber  nach  Wbbskt  ebenfalls  reiner, 
crdi^r  Gjps,  offenbar  also  ein  Reibnngsprodokt. 

In  der  Bromberger  Zeitung  vom  15.  April  1869  hat  Herr 
KisuBBf  eine  sehr  interessante  Beschreibung  der  Wapnoer 
i^rpibräche  veröffentlicht,  welcher  ich  noch  folgende  Notizen 
eotnehme.  Der  Betrieb  der  Bruche  ist  mehrere  Jahrhunderte 
All;  BcboD  beim  Bau  des  Posener  Rathhauses  und  derMarien- 
drche  daselbst  hat  der  Wapnoer  Gyps  Verwendung  gefunden. 
Herr  EjiSi5ERT  beobachtete  über  jenem  reinen,  weissen  Qnara- 
sand  8—10''  Humus  und  dann  6—10'  Kalkmergel  mit  Kalk 
Lfld  Graoitgeschieben ;  ich  habe  selbst  hier  nordische  Geschiebe 
ond  BÜurische  Versteinerungen  früher  gefunden.  Die  Mergel- 
schiebt  schneidet  nach  Herrn  KLBunBRT  in  sanft  gebogenen  Li* 
nien  tehr  entschieden  gegen  jenen  scharfen  Qaarzsand  ab,  der 
aar  io  seinen  oberen  Theilen,  da,  wo  er  an  den  Mergel  grenzt, 
einig«  liemlich  parallel  verlaufende  eisenschüssige  Bänder  zeigt, 
IQ  Uebrigen  aber  von  schöner  weisser  Farbe  ist.  Obgleich 
kein  Bindemittel  die  Sandkorner  zu  einer  Art  Sandstein  ver- 
bittet, so  bildet  dieser  Sand  doch  bis  20'  hohe,  senkrechte 
^de;  er  läset  sich  nur  mit  der  Spitzhacke  vortheilhaft  bear- 
beiteo,  ood  man  kann  an  Ort  und  Stelle  grosse  Stufen  von 
ihm  ichlagen,  die  allerdings  auf  dem  Transport  zerfallen.  Unter 
der  Saodschicht  breitet  sich  der  compacte  Gyps  mit  unebener 
Oberfliehe  aus,-  von  welcher  sich  an  mehreren  Stellen  zucker- 
botäboliehe  Gypskegel  bis  zur  Höhe  der  Mergelschicht  erheben, 
^er  grobschuppige,  marmorartige,  weisse  und  graue  Gyps  er- 
nh  bei  der  chemischen  Untersuchung  stellenweise  die  normale 
GjpsiQsammensetznng;  Herr  Kliinebt  fand  20,5  Wasser, 
^J3  Schwefelsäure  und  32,34  Kalkerde  (theoretisch  soll  der 
^jps  enthalten :  20,93  Wasser,  46,51  Schwefelsäure  und  32,55 
K«lkerde);  an  anderen  Stellen  aber  zeigte  er  eine  dem  An- 
bjdrit  gsnz  nahestehende  Zusammensetzung  mit  57,00  Schwefel- 


* 


»-  ■  ■ 


5« 

BÄure  und  38,64  Ettikerde  (theoretisch  entbält  der  Anhydrit 
58,S2  Schwefelsäure  und  41,17  K&lkerde).  Nach  Herrn  Klbi- 
bbrt's  Aneicht  ist  auch  der  Wapnoer  Oyps  durch  Aufnahme 
TOD  Wasser  aus  Anhydrit  hervorgegangen.  Ausserdem  fand 
Herr  Kleihbrt  in  dem  Wapnoer  Gjpa  stellenweise  bis  xn 
2,4  pCt.  Kochsalz,  und  auch  eine  in  Breslau  auf  meine  Veran* 
lassung  ausgeführte  Untersncbung  ergab  1,9  pCt.  Kocbsala- 
gehalt;  da  indess  andere  Stucke  des  Oypses  nur  Spuren  von 
Eochsale  zeigten,  atelleuweise  gar  kein  Koch saligeh alt  nach- 
gewiesen werden  konnte,  so  scheint  letzterer  in  dem  Wapnoer 
Oyps  gans  nnregelmiasig  vertbeilt  cn  sein.  Ein  zur  Auf- 
BuchuDg  Ton  Steinsalz  von  dem  Besitzer  in  dem  Gypsbructae 
angesetztes  Bohrloch  steht  bei  226'  Tiefe  noch  im  Gype  mit 
geringem  Kochsalzgehalt;  die  B  ohrl  och  swass  er  reichern  sich  nach 
Stillständen  bis  zq  3  pCt.  Salzgehalt  an. 

Bei  loowraclaw  war  bisher  der  Gyps  nur  in  grösserer 
Tiefe  bekannt  geworden,  und  zwar  in  einem  schon  im  Jahre 
1838  auf  dem  MarktplaUe  bis  zu  371'  Tiefe  niedergestossenen 
Bohrloch  (Punkt  a  der  Karte),  in  einem  Brunnen  des  Ka- 
seraenhofes  (b)  bei  40'  Tiefe,  und  in  einem  Brunnen  eines 
Nachbargmndstückes  bei  52'  Tiefe.  Die  Tiefe,  in  welcher  der 
Oyps  auf  dem  Marktplatze  erbohrt  ist,  tässt  eich  nicht  genau 
ermitteln,  da  das  aufbewahrte  Bohrregister  nicht  genau  und  in 
dieser  Beziehung  nicht  ganz  verständlich  ist.  Dasselbe  lautet; 
5|'  Dammerde, 


67 

307 — 4'  grüner  and  bunter  Gjps, 
371- — 6Arj'  milder  Gyps  mit  einer  Salzquelle  von  4  bis 

5  pCt.  Kochsalzgehalt. 
Es  scheint  hiernach  der  feste  Oyps  in   oberen  Teufen  mit 
Gjpsletten  zu  wechseln.     Die  Yermuthung   von  Obtkhaüsbn's, 
dass  sich   im  Südwesten  der  Stadt  der  Gyps    sehr  nahe  unter 
C€r  Adcerkrume  finden  werde,  weil  der  Acker  nach  ihm  viele 
Gyp&stocke  zeigte,  hat  sich  nicht  bestätigt;  denn  ein  bei  dem 
Punkte  /  der  Karte  in  der  Nähe  des  jüdischen  Kirchhofes  an- 
gesetztes Bohrloch  hat  bis  zu  40'  Tiefe    den  Gyps  nicht  er- 
reicht,  stand  hier  vielmehr  in  grauen  Diluvialletten  mit  Kalk- 
geschieben.    Ich    selbst  habe  übrigens  auf  diesem  Acker  trotz 
aofmerksamen  Suchens    keinen   Gjps   gefunden;    alle   Stucke, 
die  ich  sammelte,  brausten  stark  bei  der  Behandlung  mit  Salz- 
säure.    Dagegen    Hess    ich   in  Folge    einer    mir  zugegangenen 
Nachricht  den  im  ostlichen  Theile  der  Stadt  belegenen  Maria- 
Brunnen  (Punkt  c  der  Karte)   ausschöpfen   und  fand   bei  28' 
Tiefe  desselben  schonen,  festen  Gjps,    der  eine  mehr  faserige 
als  körnige  und  schuppige  Zusammensetzung  zeigte,  im  Uebri- 
geo   aber   dem    Wapnoer   Gyps  sehr   ähnlich    war.     Die   Be- 
deckung des  Inowraclawer  Gypses    bildet   im  Osten   und  Süd- 
osten der  Stadt  Jurakalk,   im  Norden   und  Westen  Sand  und 
Lehm  des  Diluviums.    Während,  wie  schon  erwähnt,  die  Mäch- 
tigkeit des  Diluviums  im  Osten   der  Stadt  über  dem  Jurakalk 
ODT  10-— 40'  beträgt,   steigt  dieselbe  im  Westen  bis  auf  131'; 
deoQ  ein  beim  PuLkte  m  der  Karte  an  der  Pakoscer  Chaussee 
oiedeigestossenes  Bohrloch  stand  bei  131 '  noch  in  einem  fei- 
nen, schwimmenden  Diiuvialsande ,  welcher,    von  grauem  und 
gelben  Lehm    bedeckt,   bei   27'  erreicht  war,    in   den  oberen 
^S^D  gröbere  nordische   Geschiebe  zeigte ,    in    der  Tiefe   in 
seiner    feinkörnigen    Beschaffenheit    jedoch    immer    noch    den 
rothen  PeJdspath  sehr  deutlich  erkennen  liess.    Auf  dem  Bahn- 
bofsterrain  endlich  wurden  bei  t  und  k  schon  bei  25  und  resp. 
28'  blaograue    und    darunter  bunte  und  lebhaft  roth   gefärbte 
Tbone   erreicht,    welche   bis  zu    40  und  resp.  44'  anhielten. 
Diese  letzteren  Thonc  gleichen  nicht  mehr  den  mir  bekannten 
Dilorialthonen,  sondern  durften,-  wenn  sie  nicht  älter  sind,  der 
Brannkohlenbildung  angehören. 

Alle    Brunnen    in    der    Stadt    Inowraclaw    zeigen     einen 
sehwaeheii  Kochsalzgehalt,    der  bis   zu    1  pCt.   steigt;    einige 


68 

aber,  und  besonders  der  Brunnen  bei  der  nordlich  von  der 
Stadt  in  der  Nabe  der  Wiiidmablen  belegenen  Abdeckerei,  ver- 
rathen  anf  der  Zunge  einen  sehr  merklichen  Gehalt  von  Bitter- 
salz, welcher  auch  in  anderen  Brunnen  der  Stadt  bemerkt  wor- 
den ist  und  die  Wasser  derselben  ungeniessbar  macht.  Un- 
gefähr eine  Meile  östlich  von  der  Stadt  befindet  sich  endlich 
das  ausgedehnte  Parchanie  -  Bruch ,  welches  ebenso  wie  das 
Bruch  von  Slonawy,  unweit  Schubin,  von  Salspflancen  (Sali- 
comia  herbaceä)  bedeckt  ist.  In  den  Jahren  1847  und  1848 
wurde. bei  Baranow  (unweit  Slonawj)  von  v.  Obtshausbh  ein 
Bohrloch  cur  Aufsuchung  von  Steinsais  oder  siedewürdiger 
Salssoole  angesetzt;  die  damaligen  politischen  Zeitverhältnisse 
veranlassten  seine  Einstellung  bei  557 '  Tiefe.  Bei  dieser  Tiefe 
stand  das  Bohrloch  in  Mergel  schichten,  welche  Thoneisenstein 
führten  und  damals  für  Kreide-  oder  Juraschichten  gebalten 
wurden.  Herr  ZjIDDACH  in  Königsberg,  weicher  die  Bohr- 
proben kurzlich  von  Neuem  untersucht  hat,  erklärt  indees  auch 
die  tiefsten  Schichten  dieses  Bohrlochs  für  oligocän.  Die  Ter- 
tiärformation war  bei  95'  erreicht;  bei  102' Tiefe  waren  6",  bei 
178  Fuss  8'  8",  bei  201  Fuss  1|',  bei  321  Fuss  6Zoll  2'  Braun- 
kohle durchbohrt  worden,  so  dass  die  Brau n kohl enbildung  an  die 
sem  Punkte  mindestens  462'  Mächtigkeit  besitzen  mnss.  Die 
Bobrlöchswasser  hielten  bis  zu  1^  pCt.  Kochsalz. 

Dies  sind,  abgesehen  von  den  Braunkohlenbildungen  ^  die 
noch  an  vielen  anderen ,  auf  der  Karte  angegebenen  Punkten 
auftreten,  abgesehen  von  den  Diluvialablagerungen  mit  den 
interessanten  Eisensandsteinen  (bei  Fordon,  Thorn,  Polnisch 
Crone)  und  abgesehen  von  den  ausgedehnten  Raseneisenerz-, 
Torf-  und  Kalktufflagern  des  Alluviums,  die  ich  hier  ausser 
Acht  lasse ,  die  wenigen  mir  bekannt  gewordenen  geognosti- 
schen  Aufschlüsse  in  dieser  Gegend,  und  es  sei  mir,  bevor  ich 
zu  meinen  Schlissen  übergehe,  noch  gestattet,  kurz  einige 
Niveauverhältnisse  des  Terrains  zu  bezeichnen. 

Wenn  man  die  Strasse  von  Bromberg  nach  Inowraclaw 
verfolgt,  so  tritt  etwa  drei  Meilen  südlich  von  Bromberg  unter 
der  Decke  losen  Dunensandes  der  fruchtbare  schwarze  cuja- 
wische  Weizenboden  hervor.  Die  Unterlage  desselben  bildet 
ein  gelber  Lehm,  welche  nur  in  den  oberen  Lagen  kalkfrei 
ist,  tiefer  herab  jedoch  wegen  seines  Kalkgehaltes  zum  Mer- 
geln  der  Felder   gewonnen  und  benutzt   wird.     Seine  Frucht- 


59 

* 

barkeit  verleiht  dem  cigawigcben  Boden  eine  9  bis  15^  sUrke, 
lockere,  schwarze,  humusreiche  Decke,  welche  weit  nach  Polen 
Lioein  sich  findet,  im  Allgemeinen  aber  auf  eine  Hochebene 
b^sebrinkt  zu  sein  scheint  und  mit  dem  fruchtbaren  schwar- 
ten Boden  der  Magdeburger  Borde  auffallende  Aehnlichkeit  hat. 

Auf  einem  sanft  ansteigenden  Hügel,  dem  höchsten  und 
etwa  auch  dem  Mittelpunkte  dieses  fruchtbaren  Ackerbau- 
distriktes  liegt  die  Stadt  Inowradaw.  Zwei  Meilen  sudlich 
von  Inowraclaw  liegt  der  in  der  Richtung  Nordsüd  über  vier 
Meilen  lange  und  in  seiner  grössten  Ausdehnung  |  Meilen 
breite  Goplosee.  An  seinen  Ufern  in  der  ehemals  berühmten 
Sudt  Kruswic  war  die  Residenz  der  alten  polnischen  Plasten. 
Ihm  ähnlich  an  Gestalt  und  Grosse  ist  der  noch  südlicher  be- 
legene, Ij-  Meilen  lange  Powidzer  See,  an  dessen  westlichem 
Ufer  der  Schlossberg,  bei  der  Stadt  Powidz,  eine  erfreuende 
Aossicbt  fernhin  über  die  ostlichen,  schon  zum  Königreich 
Polen  gehörenden  Ufer  darbietet.  Viele  ahnliche  Seen  finden 
bich  weiter  westlich  im  südlichen  Theil  des  Regierungsbezirks 
Bromberg,  und  es  ist  bei  den  meisten  derselben  eine  Langs- 
eratreekung  in  der  Richtung  Nordsüd  nicht  zu  verkennen. 

In  dem  Goplosee  entspringt  aus  verborgenen  Quellen  die 
Netze  (polnisch :  Netec^  Notec).  Sie  tritt  am  nördlichen  Rande 
des  Sees  hervor ,  fiiesst  zuerst  in  nordlicher  Richtung  durch 
den  Scharleyer  See,  dann  nordwestlich  in  vielen  Krümmungen 
Dach  dem  See  von  Pietrkowice  und  von  diesem  ganz  südlich 
Gorch  den  Ludziskoer  See  nach  dem  schon  oben  erwähnten 
über  zwei  Meilen  langen  Trlonger  See.  Bis  hierher  führt  sie 
iocb  den  Namen  Montwey.  Den  Trlonger  See  dnrchfliesst  die 
Netse  auf  etwa  1  j  Meilen  Lange  und  verlässt  ihn  in  der  Nähe 
(ier  Stadt  Pakosc,  läuft  westlich  nach  kurzen  Zwischenräumen 
durch  den  Lonsker,  Sadlagoscer  und  Ptureker  See  und  wendet 
sieh  dann  noch  einmal  auf  eine  kurze  Strecke  nördlich  und 
aordwestlicb.  Von  Nakel  ab  aber  fiiesst  sie  ca.  25  Meilen 
weit  langsamen  Stromes  zwischen  ausgedehnten  Torfwiesen, 
in  einem  stellenweise  meilenbreiten,  deutlich  erkennbaren  alten 
Fiosathale,  an  dessen  Nordrande  die  Ostbahn  entlang  geführt 
ist«  gegen  Westen,  bis  sie  in  der  Nähe  von  Landsberg  in  die 
^srthe  fallt.  Bis  Nakel  ist  die  Netze  nur  flössbar,  und  es 
iit  sehr  zu  bedauern ,  dass  die  vor  einigen  Jahren  angeregte 
Schiifbarmachong   des  oberen  Netzelaufes  unausgeführt  geblie- 


60 

beo,  das  fruchtbare  Cojawien  wSrde  dadarch  eiae  wichtige 
Wasserstrasee  erhalten  haben.  Von  Nakel  gegen  Westen  nimmt 
sie  dagegen  mehrere  kleine  Flosschen  anf;  die  bedeutendsten 
treten  von  Norden  her  am  rechten  Ufer  ein  und  sind  ca.  zwei 
Meilen  westlich  von  Nakel  die  Rakitka  und  die  wildstromende 
Lobsonka,  ca.  fünf  Meilen  weiter  nach  Westen  bei  dem  Stadtchen 
Uszcz  die  Koddow,  und  gegen  acht  Meilen  weiter  westlich  an 
der  Grenze  der  Mark  Brandenburg  die  Drage.  Noch  im  13. 
und  14.  Säculum  scheint  die  Netze  bis  zum  Ooplosee  hinauf 
einen  so  hohen  Wasserstand  gehabt  zu  haben,  dass  sie  ent> 
weder  immer  oder  doch  im  Frühjahr  das  ganze  Bett,  welches 
jetzt  innerhalb  der  zu  beiden  Seiten  befindlichen  Hohen  liegt 
und  das  Netzbruch  genannt  wird,  mit  schiffbarem  Wasser  ge- 
füllt hat;  es  finden  sich  wenigstens  im  Netzebruch  hin  und 
wieder  Ueberbleibsel  grosserer  Fahrzeuge,  welche  ans  jener 
Zeit  herzurühren  scheinen.  Früher  führten  auch  die  bei  Lands- 
berg zusammentretenden  beiden  FlufiTse  von  der  Vereinigung  an 
bis  zum  Eingang  in  die  Oder  den  Namen  der  Netze ,  als  des 
Hauptflosses.  Nach  und  nach  musste  indessen  die  Netze  der 
Warthe  nicht  allein  den  Vorrang,  sondern  auch  im  vereinigten 
Lauf  den  Namen  abtreten,  weil  sie  einen  grossen  Theil  ihres 
Wasserreichthums  verlor  und  immer  mehr  in  ihr  jetziges  enges, 
nur  bei  hohem  Wasserstande  überschrittenes  Bett  zurücktrat. 
Das  Flussbett  der  Netze  kennzeichnet  sich  in  dieser  Gegend 
als  ein  Haupt-  und  Querthal ;  es  setzt  sich  weiter  gegen  Osten 
bis  zur  Weichsel  und  in  dieser  bis  über  Thorn  hinaus  fort 
Auf  die  Strecke  von  Bromberg  bis  Nakel  ist  dasselbe  unter 
der  Regie/ung  Friedrich's  des  Grossen  und  auf  dessen  person- 
lichen, sehr  energischen  Antrieb  zur  Anlegung  des  Bromberger 
Kanals*)  benutzt,  welcher  die  Brahe  und  Netze  und  somit 
das  Flussgebiet  der  Weichsel  mit  denen  der  Oder  und  Elbe 
verbindet.  Von  Bromberg  gegen  Osten  bis  nach  Czesk  hat 
dasselbe  endlich  die  von  Norden  aus  den  hinterpommerschen 
Seen  herzntretende  Brahe  aufgenommen,  um  deren  Wasser  der 
Weichsel  zuzuführen.    Der  Scheitelpunkt  dieses  grossen  Netze- 


*)  Unmittelbar  nach  der  Besitznahme  des  Netsedistriktes  am  1.  Märe 
1773  begann  der  Bau  und  im  Monat  September  1774  schon  fahren  ö\t 
8ehiffe  ans  der  damals  an  mehreren  Punkten  schiffbar  gemachten  Netse 
in  die  Weichsel. 


61 

QoertbAles,  welches  sich  aof  ca.  43  Meilen  toq  Thoro  bis 
nach  Cöstrio  Terfolgen  lässt,  liegt  bei  Schleuse  No.  8,  eine 
starke  Meile  westlich  von  Bromberg,  and  zwar  179'  ober  dem 
mittleren  Stand  der  Ostsee  bei  Neufahrwasser,  99'  ober  dem 
EiofloBS  der  Brahe  in  die  Weichsel  und  15'  über  dem  Spiegel 
der  Netze  bei  Kakel.     Es  liegen  also : 

Weichselspiegel  beim  Einfloss  der  Brahe  aof    -\-     80' 

Netsespiegel  bei  Nakel 4~  164' 

aber  dem  mittleren  Spiegel  der  Ostsee  bei  Neufahrwasser. 

Das  Niveau  des  Goplosees  liegt  nach  der  in  den  letzten 
Jabreo  aosgefnhrten  Senkung  des  Wasserspiegels  noch  240' 
aber  dem  mittleren  Stande  der  Ostsee;  der  Marktplatz  von 
loowraclaw  aber  erhebt  sich  88'  aber  den  Ooplosee  und  so- 
mit 328'  über  den  Ostseespiegel. 

Der  Wasserspiegel  der  Brahe  endlich  liegt  bei  Polnisch 
OoDe,  drei  Meilen  nordlich  von  Bromberg,  219'  und  der  der 
Kttddow  bei  Scbneideainhl  I927'  ober  der  Ostsee.  Die  Gyps- 
bräcbe  von  Wapno  liegen  348'  und  die  Chaussee  in  Exin 
ÜT  über  dem  Meere. 

Unter  dem  Ansatzpunkte  a  des  Bohrloches  auf  dem  Inow* 
raeliwer  Marktplatz  liegen  nun  ferner: 


Pankt  t 

60'     7" 

»     * 

54'    7" 

0      »» 

—  31'    6" 

»     / 

-    1'  10" 

1.       c 

-  21'  — 

1.     e 

-  29'    1* 

,     / 

-  34'    8" 

.     n 

34'    1". 

Diese  Zahlen  werden  genügen,  um  ein  angefahres  Bild 
TOQ  dem  Relief  der  Gegend  zu  geben.  Sie  lassen  wenigstens 
erkesoen,  dass  wir  es  mit  einer  auf  ca.  200'  Seehöhe  liegen- 
den Hochebene  zu  thun  haben,  in  welche  das  von  Westen  nach 
Osten  sich  erstreckende  Netze -Brahe -Weichsel -Thal  ca.  100' 
tief  eiDgescbnitten  ist,  und  welche  sich  sehr  flach  gegen  Westen 
eloienkt;  die  beiden  Gypsberge  von  Wapno  und  Inowraclaw 
erheben  sich  ca.  100'  über  diese  Ebene* 

Aas  dem  25  Meilen  langen,  v-on  Südost  nach  Nordwest 
»ch  fortziehenden  polnisch-norddeutschen  Soolquellenzuge,  so- 


62 

wie  aas  dem  Auftreten  des  Ojpses  bei  Wapno  and  loowr&claw 
schlössen  nun  der  berühmte  Bohringenieur  Rost,  der  schon  im 
Jahre  1843  bei  Thorn  eine  Saline  anlegen  wollte,  ebenso  wie 
V.  Obtnhaübbn  aaf  die  Anwesenheit  einer  weit  und  lager- 
artig verbreiteten  Salzformation;  letsterer  meinte  jedoch  schon 
damals,  dass  diese  Salzformation  nichts  mit  den  salzfahrenden 
tertiären  Schichten  am  Nordrande  der  Karpathen  zu  than  haben 
könne,  dass  die  geognostischen  Verhältnisse  vielmehr  auf  die 
schwäbischen  and  lothringischen  Salzvorkommen  hinweisen.  Die 
einzelnen  Punkte,  an  welchen  in  Polen  Soolquellen  zu  Tage 
treten,  giebt  Püboh  in  seiner  geognostischeu  Beschreibung  von 
Polen,  Th.  II,  S.  263,  an;  er  theilt  dort  auch  die  Analysen 
mehrerer  der  durchgängig  schwachen  (bis  3,8  pCt.)  Soolen 
mit  und  erwähnt,  dass  die  Punkte  über  Tage  sich  durch  das 
Auftreten  verschiedener  Salzpflanzen  (SaLicorma  hefbaceoy  Pian- 
tago  dentata  und  maritma  und  Poa  Boiina)^  sowie  durch  den 
nach  schwachem  Regen  und  darauf  folgendem  Sonnenscheiu 
sich  bildenden  schwachen  Salzbeschlag  kenntlich  machten.  Diese 
Soolquellen  scheinen  ungefähr  dem  Laufe  der  Weichsel  Ton 
Südost  nach  Nordwest  zu  folgen,  liegen  jedoch  keinesweges  in 
einer  geraden  Linie,  sondern  finden  sich  vielmehr  auf  einem 
Terrain  von  beträchtlicher  Ausdehnung  zwischen  Weichsel  und 
Warthe,  von  den  Ufern  des  Ner  und  der  Brzura  bei  L^czjce 
an  bis  in  die  Gegend  von  Nakel.  Die  Soolquelle  bei  Sliwnik 
wurde  früher  unter  der  Regierung  des  Königs  Stanislaus  August, 
die  Quelle  von  Slonsk  oder  Ciechocinek,  drei  Meilen  östlich 
von  Thorn ,  wird  noch  heute  zur  Darstellung  von  Kochsalz 
benutzt. 

Die  V.  OsYNHAüSBN^sche  Annahme  einer  in  der  Tiefe  vor- 
handenen weitverbreiteten  Salzformation  ist  daher  vollkommen 
begründet  und  hat  heute  umsomehr  Wahrscheinlichkeit  für  sich, 
als  inzwischen  an  mehreren  Punkten,  namentlich  Stassfurt, 
Schönebeck,  Segeberg  und  Sperenberg  das  Steinsalz  erbohrt 
worden  ist  auf  Grund  von  Anzeichen,  welche  sich  sämmtlicb 
und  ganz  in  derselben  Weise  auch  bei  Wapno  und  Inowraclaw 
wiederfinden,  nämlich  das  Vorkommen  von  C^yps,  Anhydrit, 
Salzpflanzen  und  Soolquellen.  Allerdings  lässt  sich  gegen- 
wärtig noch  nicht  bestimmen,  welcher  Formation  der  Gyps 
von  Wapno  und  Inowraclaw  und  diejenigen  salzfahrenden  Oe- 
birgsschichten  angeUören,  die  den  polnischen  Soolqnellenzog 


Speisen.  An  eine  iltere  Formation  als  der  Zeebsteiu  ist 
nicht  fu  denken ;  Herr  v.  DBcasN  hat  den  Ojps  von  Wapno  and 
Inowraclaw  auf  der  neuen  Ausgabe  seiner  geognostischen 
Kaxte  ?on  Mitteleoropa  ebenso  wie  den  Oyps  von  Segeberg, 
Sperenberg  and  Lubtbeen  zum  Zeebstein  gerechnet,  wahrend 
er  Uin  auf  der  früheren  Ausgabe  mit  Stbpfbns  und  Pu80H  als 
va  Kreid^onnation  gehörig  betrachtete.  Heute  wissen  wir 
000,  dass  der  Wapnoer  Oyps  älter  als  die  Schichten  des  obe- 
reo  Juras  bei  Ciecbocinek,  luowraclaw  und  Colberg  sein  muss ; 
denn  er  wird  bei  Inowraclaw  angenscheinÜch  von  diesen  Jura- 
s€htehten  bedeckt,  und  in  Ciechocinek  ist  1316'  im  oberen 
Jura  gebohrt  worden ,  ohne  den  Oyps  zu  erreichen,  und  ohne 
du6  der  Saisgehalt  der  Bohrlochs wasser  zugenommen  hätte. 
Dids  aber  endlich  der  Salzgebalt  des  polnischen  Soolquellen* 
zöget  nicht  mit  dem  oberen  Jura,  wie  Pusch  annahm,  sondern 
rielmehr  mit  älteren,  tieferen  Schichten  und  namentlich  mit 
dem  Ojps  in  Verbindung  steht,  folgt  aus  den  l^eiden  Bohr- 
iöcbem  zu  Wapno  und  auf  dem  Marktplätze  zu  Inowraclaw, 
«eiche  mehrprocentige  Salzsoole  an  Punkten  erschlossen  ha- 
ben, au  welchen  die  Juraformation  überhaupt  nicht  vorhanden 
ist;  es  folgt  dies  ferner  aus  dem  Salzgebalt,  welchen  Herr 
Kliihirt  im  Wapnoer  Gjps  selbst  gefunden,  und  es  folgt  dies 
eodlich  aus  dem  ungewöhnlich  hohen  Gjpsgehalt  des  aus  der 
Banaower  Salasoole  dargestellten  Rohsalzes,  welchen  Herr 
Kissnv  im  Jahre  1848  zu  6,68  pCt.  ermittelte  und  aus  wel- 
chem er  schon  damals  schloss,  dass  diese  Soole  nothwendig 
ibren  Ursprung  unter  dem  Gyps  haben  müsse.  —  Es  sind 
ferner  durch  das  Auftreten  des.  Juras  bei  Inowraclaw  widerlegt 
die  Annahme  Gumprbcht^s,  dass  der  Gyps  jener  Gegenden  ter- 
uir  sein  könnte,  und  die  Annahme  des  Herrn  ZeüSCHHBB, 
daai  der  Salzgehalt  des  Soolquellenzuges  der  Tertiärformation 
efltdtsmme ;  es  bleibt  nur  zweifelhaft,  ob  Gyps  und  Salzschich- 
^  dem  Zechstein  oder  der  Triasformation  angehören.  Wahr- 
Kheiolich  ist  der  Uyps  von  Wapno  und  Inowraclaw  doch 
gleichen  Alters  mit  dem  Gyps  von  Sperenberg,  Lüneburg, 
Segeberg  und  Lübtheen;  gehören  diese  Gypse  wirklich  zur 
Zeebsteinformation,  dann  wird  auch  der  Gyps  von  Wapno  und 
loowradaw  zur  Zechsteinformation  zu  rechnen  sein ,  und  dem 
worde  das  äossere  Ansehen  dieses  Gypses,  dessen  auffallende 


64 

Aeholichkeit  mit  dem  ManBfelder  Zechsteingyps  schon  v.  Obts- 
HAUSKN  auffiel,  durchaus  nicht  widersprechen ;  es  ist  mir  jedoch 
anbekannt,  welche  Grande  Herrn  v.  Dbchbn  veranlasst  haben,  den 
Oyps  von  Sperenberg,  Segeberg  und  Lubtfaeen  als  Zechstein 
sa  bezeichnen,  da  meines  Wissens  an  diesen  drei  Punkten  bis 
jetzt  entscheidende  Zechsteinpetrefakten  nicht  aufgefunden  sind. 
Gehort  ferner  der  Gjps  von  Inowraclaw  und  Wapno  dem 
Zechstein  an,  so  wurde  hier  zwischen  Jura  und  Zechstein  die 
Triasformation  vollständig  fehlen ,  deren  Schichten  den  Gyps 
bei  Segeberg  und  Lüneburg  ond  auch  bei  Rudersdorf  be- 
decken. Ich  kann  nicht  leugnen ,  dass  mir  die  auf  dem 
Inowraclawer  Bahnhofsterrain  erbohrten  bunten  Thone  sehr 
verdächtig  vorkommen,  zumal  die  Braunkohlenformation,  der 
sie  angeboren  konnten ,  in  der  ganzen  Umgegend  von  Inow- 
raclaw, sowie  auf  der  cujawiscben  Hochebene  bis  jetzt  nicht 
bekannt  ist ;  sollten  dies  vielleicht  doch  Keuperthone  sein  ? 

Es  bleibt  nun  aber  ferner  zweifelhaft,  ob  der  Salzgehalt 
der  Tage-  und  Bohrlochswasser  einem  Steinsalzlager  oder  nur 
salzhaltigen  Gebirgsschichteii  entstammt.  Für.  die  Anwesen- 
heit eines  Steinsalzlagers  scheinen  mir  folgende  Momente  za 
sprechen : 

1)  Ueberall,  wo  der  Gjps  der  norddeutschen  Ebene  ener- 
gisch durchbohrt  wurde,  also  bei  Stassfurt,  Schönebeck,  Spe- 
renberg, Segeberg,  ist  das  Steinsalz  gefunden  worden. 

2)  Der  Gyps  von  Wapno  geht,  ebenso  wie  in  Segeberg 
und  Sperenberg,  nach  der  Tiefe  zu  in  Anhydrit  über  und  zeigt 
selbst  einen  Salzgehalt. 

3)  Die  grosse  Ausdehnung  des  polnisch*  norddeutschen 
Soolquellenzuges  ist  eine  so  auffallende  Erscheinung,  dass  sich 
dieselbe  schwer  durch  einen  schwachen  Salzgehalt  gewisser 
Gebirgsschichten  erklären  lässt. 

4)  Es  sind  bis  jetzt  dem  alpinen  Haselgebirge  oder  der 
württembergischen  Hallerde  ähnliche  Gebirgsschichten  in  jener 
Gegend  nicht  bekannt. 

Gegen  das  Vorhandensein  eines  Steinsalzlagers  sprechen 
nur  die  beiden  Momente: 

1}  Das  Fehlen  reicher  Salzquellen  ( cf.  Hutssbn  geol. 
Zeitschr.  Bd.  YII,  S.  643). 

2)  Das  Nichtvorhandensein  des  Steinsalzes  in  dem  west- 
phälischen  Soolquellenzuge. 


65 

Die  in  der  Gegend  von  Sperenberg  aod  Segeberg  au  Tage 
tretenden  SalxqaelleD  waren  indess  auch  sehr  arm  and  dorcb 
vilde  Wasser  geschwächt,  und  in  dem  westphälischen  Sool- 
'^uellenzQge  fehlten  doch  die  betrachtlichen  und  mächtigen  Gyps- 
Eidsseo,  welche  in  Norddeutschland  überall  als  Begleiter  von 
Steinsalz  erscheinen.  Der  Gyps  findet  sich  dort  nur  knollen- 
ionnig  in  einigen  bestimmten  Bänken  der  bunten  Keuper- 
mergel  von  geringer  Mächtigkeit  bei  Neuenbeerse,  wo  übrigens 
salzige  QoeUen  nicht  bekannt  sind  (cf.  HuTSSBR,  geol.  Zeitschr. 
Ed.  VU.  S.  601). 

Es  scheint  nach  allem  Dem  die  grossere  Wahrscheinlichkeit 
tu  das  Vorhandensein  eines  Steinsalzlagers  zu  sprechen ,  und 
eleoao  wie  ÜAfis  Goldbnzopf's  (zwischen  1572  und  77)  und 
Klödbs's  (1828)  Propbezeihung  des  Sperenberger  Steinsalz- 
'igers  (ef.  KlOdsh  ,  Programm  der  Berliner  Gewerbeschule, 
Stack  I,  1828,  S.  70)  im  Jahre  1868  sich  erfüllt  hat,  so  wird 
>icb  boffeotüch  das  Steinsalz  auch  bei  Wapno  und  Inowraclaw 
Andeo,  sobald  es  nur  energisch  gesucht  wird.  —  Welcher  For- 
i^Atioo  dies  Steinsak  angehören  könnte,  ist  zur  Zeit  eine 
süssige  Frage;  vermuthlich  nicht  dem  Muschelkalk,  weil  der- 
selbe nur  in  Mittel-  und  Sud  deutsch  land  Stein  salzlager  ein- 
stbliesst,  in  Oberschlesien  aber  ebensowohl  wie  am  Nord- 
i>baiige  des  Riesengebirges  und  in  Rndersdorf  kein  Steinsalz 
:uürt.  Wir  werden  also  mit  unseren  Gedanken  au  die  untere 
Ke^oo  des  Kenpers,  den  Bunten  Sandstein  und  den  Zechstein 
verwiesen.  Keine  dieser  drei  Formationen  ist  bis  jetzt  in  der 
«ifcgend  von  Wapno  nnd  Inowraclaw  nachgewiesen;  der  Gyps 
eehört  indess  jedenfaUs  einer  derselben  an. 

Femer  ergiebt  sich  nun  aber  aus  den  angeführten  Auf- 
Hiilätsen  eine  ausgedehnte  Erhebung  der  Juraformation  nnd 
•^ler  etwa  unterhalb  derselben  vorhandenen  Formationen  auf 
ier  ca.  40  Meilen  langen  Linie  Inowraclaw-Cammin ,  d.  i.  in 
^^rTselbeo  Richtung  ron  Sudost  nach  Nordwest,  welche  nach 
*<Q  klassischen  Ausfuhrungen  Frusdbigh  Hoffmaivik's  eine 
'0  wichtige  Rolle  in  den  Gebirgs-  und  Oberflächen  verhält* 
oiisen  der  norddeutschen  Ebene  spielt.  Die  Linie  Inowraclaw- 
Cammin  weist  in  ihrer  nordwestlichen  Fortsetzung  auf  die 
Uervorragungen  der  Kreidebildungen  auf  Rügen  und  MoSn  hin; 
i&ögitcb  daher,  wenn  auch  zur  Zeit  noch  nicht  nachgewiesen, 
^  diese  Erhebung  die  Kreideformation  noch    mit   betroffen 


66 

hat.  Dass  eine  aasgedehote  Oebirgserhebung  hier  wirklich 
vorliegt,  folgt  daraus,  dass  die  durchschnittliche  Mächtigkeiil 
des  DilaviuiDS  io  der  Provinz  Preussen  200  bis  250'  beträgt 
(cf.  ScHUMAKS,  Geologische  Wanderungen  darcb  AltpreusseoJ 
1869,  S.  129),  in  der  Mark  Brandenburg  aber,  abgesehen 
von  den  wenigen  Punkten,  wo  die  Tcrtiärformation  unmittel- 
bar zu  Tage  tritt,  wenn  auch  etwas  geringer,  doch  mindestens 
auf  159'  angenommen  werden  mnss.  Auf  unserer  firhebungs- 
linie  finden  wir  im  Sadosten  der  Stadt  luowraclaw  nor  12  j 
bei  Bielawke  nur  30',  bei  Krotoszyn  nur  12')  bei  Wapno  und 
Bartin,  unweit  Colberg,  stellenweise  gar  kein  Diluvium. 

Herr  v,  Obykhaüsen  schloss  schon  im  Jahre  1843,  d.  h 
zu  einer  Zeit,  wo  er  von  dem  Juragesteine  bei  Inowraclaw 
Barcin  und  Bartin  noch  nichts  wusste,  aus  dem  Auftreten  de« 
Juras  im  Bohrloch  von  Ciechocinek,  des  Gypses  bei  Inow- 
raclaw  und  Wapno  und  des  Juras  bei  Fritzow  unweit  Cammii 
auf  eine  ausgedehnte  Heraushebung  der  älteren  Schiften  au 
der  Linie  Inowraclaw-Cammin  und  sah  in  den  Gjpsberger 
von  Inowraclaw  und  Wapno  wieder  zwei  lokale  EU>hebung8 
punkte  auf  dieser  grossen  Gebirgsfalte.  Er  nahm  aber  an 
dass  der  Jura  bei  Inowraclaw  fehle  und  hielt  deshalb  damal 
schon  Inowraclaw  in  Betracht  der  geognostischen  Verhältniss 
für  eine  zur  Aufsuchung  von  Steinsalz  besonders  geeignet 
Lokalitat,  wenn  ihn  auch  die  damalige  Entwickelung  des  Ver 
kehrsstrassennetzes  und  die  hohen  Holzpreise  in  der  Gegen 
von  Inowraclaw  bestimmten,  das  Bohrloch  in  die  Gegend  vo 
Schubin  und  Nakel  zu  rucken.  Jetzt  haben  wir  auf  diese 
ÜBiTNHAUSEN'schen  Gebirgsfalte  die  sechs  Beobachtung8punkt< 
Inowraclaw,  Bielawke,  Krotoszyn,  Wapno,  Bärtin  und  Fritzow 
und  ich  wünschte,  dass  in  der  Gegend  von  Krojanke  um 
Flatow,  wo  die  neue  Eiseubahnstreoke  Schneidern uhl-Dirscha^ 
diese  Gebirgsfalte  durchschneidet  und  gewiss  unmittelbar  un^ 
mittelbar  eine  Menge  Bauten  veranlassen  wird,  —  dass  hie1 
bei  Fundament-  und  Brunnengrabuugen  sorgfältig  auf  di^ 
geognostischen  Aufschlüsse,  auf  Geschmack,  chemische  Be 
schaifenheit  und  Temperatur  der  Brunnenwasser  u.  s«  w.  ge 
achtet  würde.  Vielleicht  lässt  sich  auch  dort  der  Jurakalij 
oder  Gjps  oder  überhaupt  älteres  Gestein  nahe  unter  Tag^ 
nachweisen,  vielleicht  zeigt  auch  dort  die  eine  oder  die  ander 
Quelle  Gyps-  oder  Salzgehalt  oder  dergleichen.     Für  die  Her 


67 

«tellang  eines  obereicbtlichen  Bildes  von  den  Reltefverhält- 
uäsen  dieser  Gegenden  wäre  es  aber  endlich  sehr  wichtig, 
wenn  das  reiche  Material ,  welches  in  den  Nivellements  der 
Ubaosseen  und  Eisenbahnen  enthalten  ist,  zasamroengestellt 
vörde.  Meines  Wissens  ist  dies  bisher  nur  für  den  Regie- 
niDgsbetirk  Frankfurt  a.  O.  geschehen,  far  welchen  vor  meh- 
reren Jahren  nach  den  Chausseelinien  eine  hjpsometrisphe 
Karte  entworfen  wurde;  für  die  nbrigen  Regierangsbesirke  steht 
tikse  Arbeit  meines  Wissens  noch  zornck;  sie  wurde  aber  die 
wichtigsten  Fingerzeige  für  die  so  schwierige  geognostische 
L'iitersochong  der  norddeutschen  Ebene  geben,  welcher  wir 
uns  nicht  mehr  lange  werden  entziehen  können. 

Ihr  polnisch -norddeutsche  Soolquellenzug  ii^t  endlich 
auf  der  Nordostseite  dieser  Gebirgsfahe ;  mir  ist  wenigstens 
Keioe  einzige  Soolquelle,  kein  durch  Salzpflanzen  ausgezeich- 
r.eter  Punkt  sudwestlich  von  der  Linie  Inowraclaw-Cammin 
•Aanot.  Wollen  wir  also  Steinsalz  oder  Salzgebirge  suchen, 
'0  sprechen  wenigstens  zur  Zeit  die  geognostischen  Verhält- 
Qi^e  dafür,  dass  man  dasselbe  auf  der  Nordostseite  sucht 
Tiefbobrnngen  in  rein  wissenschaftlichem  Interesse  würden  auf 
tler  Brbebungslinie  selbst  anzusetzen  sein,  weil  man  auf  dieser 
LoiTen  kann,  ältere  Gesteine  am  schnellsten  zu  erreichen. 

Die  Bildung  der  erwähnten  Gebirgsfahe  scheint  in  die  Zeit 
^or  der  Ablagerung  der  Tertiär-  resp.  Braunkohlenscbichten 
zu  fallen.  Bei  der  geringen  Anzahl  der  Beobachtungspunkte 
scheiat  es  mir  zulässig  und  gerechtfertigt,  alle  Verhältnisse  in 
Betracht  zu  ziehen,  welche  geeignet  sind,  Combinationen  und 
^cbiosse  zu  begründen,  wenn  man  sich  nur  der  hypothetischen 
Natar  dieser  Combinationen  bewusst  bleibt.  In  dieser  Be- 
ziehaog  fällt  es  mir  auf,  dass  die  so  weit  verbreitete  Braun- 
^uhleoformation  auf  dieser  Erhebungslinie  bis  jetzt  nicht  be- 
^not  geworden  zu  sein  scheint.  Da  dieselbe  in  Baranowo, 
<ldo  onr  zwei  Meilen  nordöstlich  von  Wapno,  wie  wir  gesehen 
'^beo,  462'  mächtig  ist,  so  ist  es  unwahrscheinlich,  dass  sie 
in  Wapno  spater  fortgewaschen  sein  sollte. 

In  welchem  Zusammenhange  oder  Verhältnisse  die  Gypse 
^OQ  Sperenberg,  Rudersdorf,  Lubtheen,  Lüneburg  und  Sege- 
•«rg  einerseits  und  die  Gypse  von  Wapno  und  Inowraclaw 
äüdererseits  stehen,  ist  noch  ganz  dunkel.  Die  Punkte  Speren- 
'«Tg,  Endersdorf,  Kalbe »  Lüneburg,  Lubtheen  und  Segeberg 

5* 


68 

acheinen,  wie  schon  Fbihdbioh  Hoffmakh  anoahm,  eine 
äholicbe,  von  Südost  nach  Nordwest  gerichtete,  also  der  Inou  - 
raclaw-Camminer  Linie  parallel  laufende  Gebirgsfalte  oder  Er- 
hebungslinie zu  bezeichnen.  Möglich,  dass  diese  beiden  Falten 
gegen  Nordwesten  sich  einander  nähern  oder  gar  vereinigen 
und  so  ein  Becken  abschliessen.  Die  Lage  von  Segeberg  und 
die  nordöstlich  von  dort  bei  Stipsdorf  beobachteten  älteren 
Gesteine  deuten  vielleicht  hierauf  hin. 

Gehören  endlich  alle  diese  Ojpsmässen,  wie  Herr  v.  Dechex 
annimmt,  dem  Zechstein  an,  dann  wäre  die  Ho£fnuug  nicht  auf- 
zugeben, in  der  norddeutschen  Ebene  noch  einst  die  alttf 
Steinkohlenformation  in  einer  für  den  Bergbau  erreich- 
baren Tiefe  aufzuschliessen.  Bekanntlich  fehlt  dieselbe,  so 
▼iel  bis  jetzt  bekannt,  auf  der  skandinavischen  Halbinsel  und 
in  Nordrussland,  wo  der  Zechstein  und  die  permische  Forma- 
tion unmittelbar  auf  devonischen  Schichten  ruhen.  Die  Auf- 
findung alter  Steinkohlen  mit  den  charakteristischen  Sigilla- 
rien,  Stigmarien,  Lepidodendren  und  Galamiten  auf  Spitzbergen 
hat  indess  diese  Hoffnung  in  sehr  beachten swerther  Weise  auf  0 
Neue  belebt;  es  ist  nur  bisher  in  der  ganzen  norddeutschen 
Ebene  noch  kein  einziger  energischer  Bohrversuch  ausgeführt 
worden.  Gerade  Inowraclaw ,  wo  weder  Muschelkalk  noch 
Jura  zu  durchbohren  sind,  wo  wegen  der  grossen  Entfernung 
von  den  schlesischen  Steinkohlenrevieren  die  englische  Stein- 
kohle mit  der  schlesischen  concurrirt,  eignet  sich  wegen  seiner 
Lage  an  drei  Schienenwegen,  die  zu  den  wichtigen  Wasser- 
strassen der  Weichsel  und  des  Bromberger  Kanals  führen, 
mehr  wie  jeder  andere  Punkt  zu  einer  solchen  energischen 
Tiefbohrnng.  Ich  schliesse  daher  diesen  Aufsatz  mit  dem  in- 
nigen Wunsche,  dass  diese  Tiefbohrung  bald  zur  Ausführung 
gelangen  möchte.  Man  wird  sich  allerdings  von  vornherein 
auf  eine  Tiefe  von  3000'  einrichten  müssen,  und  es  kann  ein 
solches  Bohrloch  leicht  60^-80,000  Thaler  kosten.  Die 
Chancen  sind  aber  ausserordentlich  günstig;  es  siud  von 
nutzbaren  Mineralien  bereits  nachgewiesen:  Kalk  und  Gjps; 
es  sind  zu  erwarten:  Steinsalz,  die  Kalisalze  und  viel- 
leicht auch  Steinkohlen.  Solche  Funde  würden  in  einer 
Gegend,  die  von  den  Centralpunkten  der  Mineralindustrie  weit 
entfernt  ist,  an  der  Ostgrenze  Deutschlands,  in  der  Nähe 
Polens,  welches  sein  immenses  Absatzgebiet  dem  deutschen 
Gewerbfleiss  über  lang  oder  kurz  doch  einmal  wird  öffnen 
müssen,  doppelten  Werth  haben. 


»9 


^  9»  Anurat,  in  geietiseher  Beiiehug  betraelitet. 

VoD  Herrn  Abich  in  Tiflis. 

Hierzu  Taf.  III. 

Dae  Doppelay stein  des  Ararat  ist  als  das  ostliche  Bndglied 
fioer  von  Ost    nach  West  sieh   erstreckenden  Reibe  von  dicht 
Vi  einander  geschlossenen  traehytischen  Bergsystemen  zu  defi- 
siren,    deren     geiaeinsame  Basis   der   breiten   Abdachang  an- 
bdimialh,  durch  welche  der  Uebergang  von  der  4500  par.  Fass 
ober  dem  Meere    liegenden  Piateaostofe  cwischen  Bajazid  und 
<^m  Alpeosee  BaluggoU  in  6886  par.  Fntfs  Meereshohe  zn  der 
CO  nahe  2000  Fuss   tiefer  liegenden  Araxes-Ebene  vermittelt 
»«in  würde.     Diese  Reibe  beginnt  westlich  mit  dem  am  Rande 
des  Sinah-Plateau    aufragenden  Parlj-dag.     An  die  domformig 
•bgerundelen     Flogel     dieses    gewaltigen    Emptivsjstems     von 
?910  par.  Foss  Meereshohe   schliessen  sich    gegen  Osten  der 
Reihe    nach     die   amfangreichen   Oebirgsgrnppen   des   Aslanly- 
cag,    des    Sordag  und    des  Pambuk,   der   mit  seiner  unteren 
Bergregion    bereits  in   diejenige   des    grossen  Ararat  übergeht. 
Die  genannten,  als  integrirende  Theile  der  südlichen  Gebirgs- 
umwaliong  der  Araxes-Ebene  aufzufassenden  Bergsysteme  sind 
^o    zu    sagen   nach   ein   und   demselben   geotektonischen  Plane 
&asgebildet.    Allen  gemeinsam  ist  eine  gewisse  Abgeschlossen- 
heit des  Baues,  der  sich  durch  den  Mangel  nach  dem  Inneren 
fahrender  Tbäler  gegen  Süden   kundgiebt,  nach  welcher  Seite 
>m  Allgemeinen   eine  steilere,  kaum  halb  so  breite  Abdachung 
stattfindet    wie  auf  dem  Nordabhange.     In   ein  jedes  der  ge- 
Dsonteo  Systeme    dringen   von    dieser  Seite   tiefe  Thaler.     Ist 
cor   ein  Thal  vorhanden,  so    endigt  es  in  einen  centralen  cir- 
cQsartigen  Raum ,   dessen  Mitte  von  mitunter,   wie  im  Sordag, 
ptcformig  aufsteigenden  pyramidalen  Felsmassen  eingenommen 
mird,  die  mit  den,  stell  nach  innen  zn  absinkenden  Tbalwän- 
den   dorch  einen  schmalen  Orat  in  Verbindung  stehen.     Diese 
Felsmaasen  bestehen  theils  ans  dunkelfarbigem  Andesit,  theils 


70 

ans  hellen  Trachyten.  Sie  treten  mit  klastiscbeu  Trachjtpo 
pbyren  in  Verbindung,  die  gewissermaassen  den  innersten  Ke 
des  ganzen  Bergsystems  darstellen.  Durch  gelbliche  oder  lick 
bräunliche  Farbe  der  Oberliäcbe  ausgezeichnet,  sind  die 
Massen  auf  frischem  Bruche  weiss  oder  weissgrau  and  meiste 
von  Eisenoxydadern  und  Punkten  bunt  gezeichnet.  Die  die 
ten,  mitunter  aber  auch  feinporigen  Glieder  dieser  Gesteiiij 
grnppen  zeigen  in  der  Regel  verstecktes  Brecciengefuge ;  st 
aber  sind  sie  reich  an  Quarz,  der  auf  Spalten  und  Druse 
räumen,  von  Eisenozyd  oft  geröthet,  auskrystallisirt  erschei 
auch  wird  in  ihnen  häufig  fein  eingesprengter  Schwefeiki 
wahrgenommen.  Solche  Oesteiasmodificationen  erinoern  se 
an  die  hellen  Trachytporphyre  oder  lithoidischen  Rhyolithe  v 
Ponza  und  Zanone,  auch  sind  sie  wie  diese  durch  Uebergän 
in  Felsroassen,  dia  dem  Kaolin  oder  der  Porzellanerde  ual| 
stehen,  gekennzeichnet.  Solche  pseudoklastischen,  oft  a 
Felsblocken  von  enormer  Grosse  zusammengesetzten  Gebild 
wo  sie  an  den  höchsten  Rucken  und  Thalkanten,  auf  de 
Grunde  des  Hauptthaies  oder  im  Inneren  des  Circus  mit  d^ 
Andesiten  zusammentreten,  sind  sie  von  diesen  Gesteinen  scha 
getrennt  oder  ihnen  unbestimmt  an-  und  aufgelagert.  Stet 
waren  es  jüngeren  Bntwickelungsphasen  jener  grossen  Ber^ 
Systeme  angehörige  Phäjiomene,  wenn  Lavaausstromungei 
an  ihnen  stattfanden.  Mit  wenigen  Ausnahmen  erfolgten  di^ 
selben  immer  auf  der  Nordseite«  Alle  Laven ,  welche  in  tei 
rassenformigen  Abstufungen  über  einander,  gleich  vorgeschobe 
neu  Wällen ,  zur  Araxes-Ebene  hinabdrangeu ,  sind  Dolerite 
sie  nahmen  ihren  Ursprung  nur  aus  sekundären  Eruptions 
kegeln ,  die  dem  Inneren  des  Systems  fremd  bleiben.  Ma 
beurtbeilt  diese  Laven  in  ihrer  Gesammtheit  am  besten  an  de 
Wänden  der  Erosionsschlachten ,  wo  sie  in  massigen ,  unbe 
stimmt  gefügten  colossalen  Lagern ,  mit  allen  Kennzeichei 
wirklicher  Strombildang,  porös  Jiach  oben,  compact  und  noii 
mal  kry stall inisch  in  der  Mitte,  durch  schlackenforroige  Zwi 
schenlager  häufig  getrennt  vorkommen. 

So  breiteten  sieh  Dolerite  auf  der  Nordseite  des  trachytii 
sehen  Parly-dag  über  die  flachen  Abhänge  des  von  tertiäre^ 
Grünsteinen  durchbrochenen  Takjaltu  -  Gebirges  gleich  basaltii 
sehen  Strömen  aus  und  drangen  weit  in  die  Araxes-Ebene  vor| 
wo   sie    unterhalb    des  tafelförmig  hervorragenden   Salzbergei 


71 

TOD  Kulpi  Tom  Araxes  in  tiefer  TbalBohlocbt  darchschnitten 
«erden.  WeoD  sich  aaeh  in  der  Iditte  des  vier  Werst  langen, 
las  abgerandeten  Gewolbräcken  zusamntengesetzten  Parlj-dag, 
\oD  2war  äholicbem ,  aber  docb  specifisch  bedeutend  modifi- 
«irtem  Gruodbaae,  wie  der  Sordag,  ein  neutraler  Eruptions- 
krgeJ  erbebt,  der  die  beiden  Haupctbäler  (Barancos)  des  Systems 
vuD  einander  acheidel,  so  waren  die  Ausbruche  der  eigent- 
.:tfaen  traebydoleritiscben  und  doleritiscben  Laven  docb  immer 
iiQr  eioxeloe  Spaltcnergnsse ,  die  radienartig  vom  Mittelpunkte 
ifs  Systems  ausgehend,  sersprengte  Gebirgsmassen  älterer 
Hrdoongen  durchsetzten,  vorgefundene  Vertiefungen  ausfüllten 
.ad  rasch  erstarrende  Gesteinsmassen  zu  Hügeln  und  Wallebe- 
jeo  gestalteten.  Auf  den  oberen  Stufen  des  Gebirgsabhanges 
^Diblössen  vier-  bis  fünfhundert  Fuss  tiefe  Thäler  nur  die 
^chicbteo  dunkler  Laven  und  verschlackter  Gesteine,  die  für 
nele  Werst  laoge  wiesenreiche  Grunde  den  beinahe  söhligen 
CQtergrand  darbieten.  Aber  in  den  Thalern  der  unteren,  der 
Lheoe  schon  mehr  genäherten  Stufen  kommen  jdie  umfang« 
reichen  sedimentären  Ablagerungen  der  älteren  trachytischen 
BildoDgea  übergreifend  auf  steil  geneigten  Schichten  turoni« 
>cber  and  nummulitenführender  eocäner  Bildungen  zum  Vor- 
»<:beia,  die  ein  mittleres  Streichen  von  O  30°  S  zeigen. 

Iq  dem  östlich  vom  Sordag  eintretenden  Pambnk  kommt 
^>  Bildnngsstadium  der  geschlossenen  domartigen  Bergform 
n^ii  kraterartiger  Einsenkung  zum  vorherrschenden  Ausdruck. 
^€itliche  Spaltenausbrüche,  mit  bedeutender  parasitischer  Kegel- 
tildttiig  aaf  dem  Nord-  und  Südabhange,  traten  hinzu.  Auch 
tier  siod  die  älteren  Sordag« Gesteine  das  trachytporphyrische 
t^raadeleoeat,  aus  dem  in  dem  ersten  Stadium  die  Kegelform 
b^rTorgiog,  auf  welche  später  wiederholt  eintretende  Laven- 
<^orcbbräche  keinen  wesentlich  nipgestaltenden  Einflnss  weiter 
«lasobtea. 

Nach  diesen  Vorbemerkungen  zu  dem  östlichsten  Glieds 
<ier  Reihe,  dem  Ararat,  übergehend,  halte  ich  eine  etwas  ein- 
gehende Betrachtung  der  morphologischen  Verhältnisse  zu- 
nächst für  nöthig,  um  der  Entwickelung  meiner  Ansicht  über 
<i'«  Nztar  und  Entstehung  dieses  merkwürdigen  Doppelberges 
^^  Gewicht  der  Inductionen  zuzuführen ,  die  auf  dem  tiefen 
Zusammenhange  beruhen,  in  dem  sich  jede  selbstständige  oro- 


72 

graphiache  Orandform  mit  einem  dnrcb  Valcanität  bedingten, 
aoB  dem  tcrrestri sehen  Inneren  emporvirk enden  Dynunisoina 
befindet. 

Für  diesen  Zweck  habe  ich  anf  die  beigegebene  Tafel  ca 
verweisen,  welche  die  Copieen  einiger  Aufnahmen  entbäld 
welche  als  Terroiletändigende  landschaftliche  Profil -Da  ratellnn- 
gen  der  geologiscben  Karte  des  armenischen  Hochlandes  bei- 
■ageben  sind ,  deren  Abschluss  mich  beschäftigt.  Die  Figur  1 
■eigt  nor  den  auf  den  Ärarst  beiügUchen  Theil  einer  RuDdan- 
sieht,  die,  anf  Grundlage  horiiontaler  und  vertikaler  auf  den 
Horiiont  bezogener  Winkelmessungen  vermittelst  des  Septanten 
Gonstruirt,  Ton  dem  Hochrücken  des  Ds^rnserly dag ')  in  7643 
par.  Fqsb  Meereshöhe  (49  Werst  vom  grossen  Ararat  entfernt 
und  0*  35'  östlich  vom  Meridian  desselben)  nafgenominen  wurde. 
Die  Figur  2  stellt  den  Ararat  dar,  wie  er  in  0°  6'  westlicher 
Abweichung  vom  Meridian  seines  Gipfels  vom  Alagei,  ans  ab- 
soluter Oipfelböhs  van  2150  Toisen,  in  gerader  Entfernung 
von  85  Werst,  gesehen  wird.  Beide,  in  allen  Theilen  ihrer 
Protection  mit  gleicher  Sorgfaltbehandelten  Ansichlen  dürfen 
deshalb  einen  nicht  gewöhnlichen  Grad  von  Genauigkeit  be- 
an sprachen. 

Die  Dentlichkeit  und  seltene  Klarheit,  womit  von  den 
beiden  Standpunkten  ans  Hauptgrundzüge  in  dem  Baue  des 
Ararat  -  Systems  zu  erkennen  sind,  in  welchen  das  Bildungs- 
gcseta  desselben,  den  Folgerungen  entsprechend,  zum  plasti- 
schen Ausdruck  gelangt,    wie  sie  sich  aus  den  Gesammtbeob- 


73 

r3iinhei]e  bedingte    Aebnlichkeit  beider  Berge.    Vemioge  der 
^?iQen  ood  dnrcbdichtigen  Laft  erseheinen  von  hier  aus   die 
Linien  in   FoDer  Schärfe,    die  das  Formendetail  beider  Berge 
rirrvortreten  lassen.     Eine   bedeutende,   in  der   Mitte   klaffend 
•Tnehcioeode  Längenforche   tritt  am    kleinen*  Ararat  sehr  mar- 
kirt  ond  bezeichnend   dem  Beschauer   entgegen.     Sie    beginnt 
nit  spitsem  Winkel  bald  unterhalb  des  Gipfels  und  mit  diver* 
gireDdeu  Randern    in   der  Mitte   des  Abhangs   klaffend  ausein- 
-ndertretend    schliesst    sie   sich  nach    unten   wieder.     Deutlich 
^errätb  sich    hier  die  auf  der  Figur  1  mit  7  bezeichnete  Aus- 
.uchsstelle    der    grossen   Lavamassen,    die    auf   der   rechten 
Ar&ses-Seite   bis  in  die  Mitte  des  flachen  Bassins  von  Nachit- 
'  berao  vorgedrungen    sind.      Ein  ganz   ähnliches    Verhältniss 
wiederholt  sich  an  dem  hinterwärts  hervorragenden  Oipfel  des 
Crossen  Ararat.    -Eine   gleiche,   aber   viel  breitere  Einsenkung 
lieht  mit  stärkerer  Divergenz  ihrer  Ränder  in  derselben  Rieh- 
wQgsJioie  an  demselben    herunter.     Es   ist  die  mit  6  bezeich- 
:iet6  Stelle  auf  der  Fig.  1.    Die  grossten  Spaltenansbruche  am 
grossen  Ararat    nach    der  südöstlichen   Seite    hin   haben  hier 
M&ttgefunden ;    sie    sind    nach    einer  Darstellung   des   grossen 
Anrät,  wie   er   vom  Gipfel   des  kleineu  Ararat  gesehen  wird, 
atn  besten  zu  beurtheilen ,   die  ich  im  Bullet,  de  la  Soc.  göol. 
de  Frzncc,  2  *«•  ser.,  Tome  VIII.   PI.  V.    gegeben  habe.     Die 
>palteaergüsse  der  am  südöstlichen  Abbange  des  grossen  Ke- 
gels hervorgebrochenen  Laven   treten    weit   ans   einander  und 
tmsehUessen ,  v^ie  Fig.  1  zeigt,   den  kleinen  Ararat  zu  beiden 
Sriten.     Die    Bedeutsamkeit  dieser    Frojectton    des    Ararat- 
>Tstems  liegt  in  dem  geographisch-geologischen  Verhalten  der 
Tbeile  desselben,  insofern   eine  die  Gipfel  beider  Berge  mit 
einander  verbindende  Linie   der  Richtung  Ausdruck   giebt,   in 
Welcher  die  Bodenbewegungen  und  Disl')kationen  stattgefunden 
rabeo,  durch  welche  die  orographisch- physikalische  Gestaltung 
^es  armeoischen  Hochlandes  in    ihren  wichtigsten  Orundzugen 
'^estimmt    worden   ist.     Das   nordliche   Randgebirge  des   Gor- 
t§chai- Seebeckeos,  der  Läugendorcbmesser  des  letzteren,  mit 
'^ioer  als  Axenlinie  des  vulkanischen  Centralplateau  von  Ka- 
'äbag  ausgeprägten  südöstlichen  Verlängerung,  sind  unter  an- 
'^^ren  die  sehr  genäherten  Parallelen  dieser  beide  Ararat-Gipfel 
V'^rbindenden  Linie,  mit  dem  geodätischen  Ausdrucke  der  Rieh- 


74 

tBDg  voo  O.  35"  41'  S.*)  —  Die  Vorstellung,  so  welcher  di« 
Tbatsache  von  der  äbervinstimmenden  spitz  Icej;«!  form  igen  Ge- 
stalt beider  Ar«rate  vnn  jenem  Slandpankle  sus  gewährt,  ge- 
winnt ein  neues  pfiygiogiiomitiches  Moment,  wenn  sich  die  Be- 
tntcblnng  auf  jenen,  ilcm  grossen  Ararat  gerade  nördlicii  gegen- 
überliegenden Standpunkt  (Fig.  1)  begiebl.  Vun  der  Aebniicbkeil 
beider  Berge  ist  hier  schon  viel  verloren  gegangen ;  denn  der 
grosse  Ararat  zeigt  sich  nun  in  der  Gestalt  eines  Längenge- 
birges ,  die  sieb  durch  die  gedehnte ,  gegen  Nordwesten  abge- 
stufte Gipfelreibe  und  mehr  noch  duruh  die  coloseale,  dach 
kegelförmige  fiergmasse  kundgiebl,  die  sieh  dem  Centi&lkegel 
auf  dieser  Seite  anscbliesst  und  die  ganze  Berggestalt  langge- 
dehut  erscheinen  Jässt.  Auch  in  der  physikalischen  Natur  der 
Nordseite  beider  Berge  zeigen  sieb  gleich  starke  Abweichun- 
gen ;  der  gescbloasc neu  Gestalt  des  kleinen  Ararat ,  der  sich 
jetzt  mit  weniger  steilen  Neigungswinkeln  seiner  Abhänge,  seigt 
als  von  der  SüdoBtseite,  stebL  die  breite  geöffnete,  aus  einem 
stetigen  Zusammenhang  ihrer  Tbeilc  getretene,  kraterförmig 
modificirte  Form  des  grossen  Ararat  entgegen.  Eine  annabernde 
Vorstellung  von  dem  Tütaleindrncke  des  Ararat-SiisteiiiB ,  wie 
es  eich  auf  seiner  Axenlinie  von  Nordwesten  aus  gesehen 
Zttigen  würde,  vermittelt  die  Figur  2.*)  Die  Kegelform  des 
Berges  erscheint  in  ihrer  grössten  Regel m äs sigkeit  und  Voll- 
endung wieder,  gans  ähnlich  wie  sie  sich  in  der  FrojeciioD 
aus  Südosten,  von  Nachitschevan  ab,  ausprägt.  Der  von  dem 
Staudputikt  auf  der  Nordseite,    Fig    1,  wahrgenommene  Hoch- 


75 

dOS    der     kleine     Ararat     von     demselben     umschlossen    er- 
Kbeiot. 

Schon  die  Wahrnehmang  dieser  rein  pbysiognomiscbeA 
Verbältoisse  fahrt  zu  der  Vorstellung  einer  Zusammengehörig» 
keil  und  nothwendigen  Wechselbeziehung  zwischen  sämmtlichen 
Tbeilen  des  Ararat  als  Glieder  eines  systematischen  Ganzen, 
Qod  sie  deutet  auf  eine  Entstehnngsweise ,  die  von  deijenigen 
abweicht,  v?e)€he  für  analoge  Typen  erloschener  Vulkane  mit 
Vorliebe  angenommen  zu  werden  pflegt.  Diese  Voraussetzung 
findet  in  der  näheren  geologischen  Untersuchung  vollkommene 
Bestätigung. 

Der  Ararat,  als  ostliches  Endglied  in  der  zuvor  erwähnten 
üäcwestlichen  Reibe  erloschener  vulkanischer  Berge,  theilt  in 
stiner  Grundanlage  dieselben  lithologischen  Verhältnisse,  wie 
^ie  den  zuvor  besprochenen  Bau  des  Sordag  z.  B.  regeln,  aber 
^&  bedurfte  znr  Heranbildung  des  aus  eigenthümlich  modifichr* 
ten  Theilen  bestehenden  Ararat*Systems  noch  des  Hinzntritts 
eines  besonderen  Entwickelungsstadiums,  welches  den  übrigen 
Gliedern  der  Reihe  fremd  blieb.  Der  kloine  Ararat  erhielt  die 
Grundzüge  seiner  schlanken  Kegetgesbilt  allein  durch  die  Art 
Bod  Weise,  wie  die  Ränder  einer  Längenspaltung,  welche  eine 
6ach  kegelförmige,  aus  Andesit  von  tafel-  und  pfiulerformiger 
Stroctur  znsammeogesctzte  Bergform  durchsetzte,  emporge- 
<^ogt  wurden.  Die  von  der  Hand  eines  mich  begleitenden 
Topographen  gemachte  Aufnahme  des  kleinen  Ararat  stellte 
dieses  Verhaltniss  und  die  damit  in  Verbindung  getretene 
schwache  Windung  der  Spaltenränder  im  Gipfel  mit  voller 
Klarheit  dar,  noch  bevor  sich  dasselbe  als  Scblussfolge  aus 
mtinen  Beobachtungen  ergab. 

Die  physikalische  Natur  des  Gipfels,  die  auf  beiden  ent- 
gegengesetzten Abhangsseiten  hinabziefaenden  tiefen,  einer  dia- 
metralen Spaltung  entsprechenden  Furchen,  durch  welche  die 
LzTsergusse  in  mittlerer  Bergeshöhe  ihren  Ausgang  nahmen, 
sprechen  dafür,  dass  eine  wahrscheinlich  geschlossen  vorhan* 
deoe  Andesitwolbnng  durch  eruptive  Gewalt  in  der  Richtung 
voQ  Nordwesten  nach  Sudosten  geöffnet  wurde.  Unter  dem 
mitwirkenden  Drucke  einen  Ausgang  erzwingender  gewaltiger 
Lavaniassen  unterlagen  die  an  einander  emporgedrängten  Spal- 
tenränder partieller  Berstung.  Die  Hauptergusse  der  Dolerit- 
LiTen,  von  welchen  keine  Spur  dem  Gipfel  entfloss,  erfolgten 


76 

in  der  Richtang  dieser  den  Berg  darchsetienden  Spalten ;  klei 
nere  Ausbrache  an  intermediären,  aber  stete  der  Basis  inehi 
jils  dem  Gipfel  genäherten  Stellen  wirkten  mit  and  trüget 
wesentlich  dazu  bei,  dem  Kegel  die  breite  Basis  zu  ▼erleihen 
die  ihn  auszeichnet. 

Die  Verwitterung  und  das  Zerfallen  der  Andesit- Gesteine, 
die  dem  eigentlichen  Hauptkorper  des  Berges  angehören,  haben 
im  Laufe  der  Zeit  die  Wirkung  gehabt,  dass  die  Unebenheiten 
des  Abhangs  ausgeglichen  worden  sind  und  die  regelmässige 
Kegelgestah  herbeigefuffart  werden  konnte,  die  so  ganz  an  diq 
Tjpen  moderner  vulkanischer  Eruptionskegel  erinnert.  Einen 
solchen  stellt  der  parasitische  umfangreiche  Dawaboini  dar.*) 
Genau  auf  der  Hauptspaltungslinie  des  Systems  unterbricht 
dieser  parasitische  Schlacken kegel  in  6  Werst  Entfernung  vom 
Gipfel  des  kleinen  Ararat  die  Regelmässigkeit  der  Abhangs* 
linie  am  Fusse  des  Berges. 

In    dem   Vorstehenden    sind   nun   die   Grundzüge    far    die 
Entstehungsgeschichte    des   grossen    Ararat   mitgegeben;    denn 
an   die  zuvor  berücksichtigte  Aehnlichkeit  in  der  äusseren  Ge- 
staltung  beider  Berge   schliesst   sich,    wie  sogleich  zu  zeigen, 
auch  ein  entsprechendes  inneres  und  zwar  für  beide  gleichzeitig 
wirkendes  Entwickelungsgesetz.     Dass   auch  die  Fundamental- 
bildung  des  grossen  Ararat  mit  einer  obsidian*  und  bimsstein- 
bildungsßhigen  Formation  begonnen  hat,  ist  geognostisch  be* 
wiesene  Thatsache.     Unverkennbar  hat  die  eruptive  oder  exo- 
gene   BildungSthätigkeit  bei   der   allmäligen  Heranbildung   des 
grossen  Ararat  eine  der  Grosse,   der  absoluten  Hohe  und  den 
colossalen    Dimensionen     des   ganzen    Systems    entsprechende 
Mitwirkung  gehabt,  und  lässt  sich  aus  dem  lithologischen  Ver- 
halten der   den  Berg    zusammensetzenden  Massen   ein  stattge- 
fundenes allmäliges  petrographisches  Uebergeheu  älterer  Laven 
von   trachytischer  und  trachydoleritischer  Zusammensetzung  in 
die  jüngeren  normal   doleritischen  Laven   erkennen.     Dennoch 
aber    haben    die   letzteren   bei  allem  Umfang  ihrer  emittirten 
Massen    auf  die   Ausbildung   und   Gestaltung  des  eigentlichen 
neutralen  Bergkorpers  kaum  einen   grosseren  Einfluss   ausge- 
übt als  bei  dem  kleinen  Ararat.    Viel  bedeutender  ist  dagegen 


*)  Nach    meiner   baromotrischen  Bestimmung   ist  die  absolnte  Höhe 
des  Dawaboini-GHpfelfl  7017  par.  Fnis. 


77 

cer  Aotheil,  den  pechsteinartig  modificirte  rhyolitbische  Gesteine 
TOD  Ter&teckter  Breeciennatar  auf  YolamenTermehrnDg  des 
Btrges  gehabt  haben,  die  in  der  Gentralregion  desselben  stock- 
Q&d  pfeilerformig  bis  zu  der  Niveaulinie  des  perennirenden 
^ehclee8  anfragen.  Unregelmassig  geschichtete,  dnnkelgrave 
iid  schwefelkiesreiche  Andesite,  welche  in  vielfach  gestörter 
LagerDug  mit  trachjtischen  Conglomeraten  und  Taffen,  von 
michttgen  Trachjdolerit-Laven  bedeckt,  jenen  ungeschichteten 
Centralmaasen  an-  und  auflagern,  sieht  man  Haupttheile  der 
ii'^rdlichen  Abbangsseite  des  Bergkorpers  bilden,  von  denen  es 
err&icfatlich  ist,  dass  ihre  jetaige  Lage  und  Stellung  zum  Oan* 
zen  nicht  mebr  die  ursprünglichen  sind,  indem  sie  grossen 
Maa&enbewegnngen  and  Verschiebungen  unterlagen,  welchen 
du  Bergsystem  innerhalb  der  Richtung  der  grossen,  vorhin 
benrorgehobenen  Storungs-  und  Verwerfnngslinie  von  0  35^8 
la  äbalicher  Weise  unterworfen  war,  wie  das  benachbarte  nicht 
nilkaoische  Gebirge.  Der  colossalen  Ernptionsphänomene  anf 
^er  Sädostseite  des  grossen  Ararat  ist  in  ihrer  Besiehuag  .an 
<ier  Sp&ltenerhebnng  des  ganzen  Systems  bereits  nach  Anlei- 
tung der  Ansicht  Fig.  1  gedacht  worden.  Die  Art  und  Weise, 
vie  sich  das  Ararat- System  auf  seiner  nordwestlichen  Seite 
jtner  Vorstellong  entsprechend  in  seiner  jetzigen  Plastik  überi- 
i^iegend  eruptiv  ausgebildet  hat,  wird  am  vollständigsten  durch 
^«D  Ueberblick  erläutert,  den  der  Standpunkt  auf  dem  Alag^- 
(iipfeJ,  Fig.  2,  gewährt. 

Den  mit  seiner  nordwestlichen  Spaltungsfurche  daselbst 
deotlich  hervortretenden,  kleinen  Ararat  nicht  berücksichtigend, 
(^rblickt  man  den  grossen  Ararat  von  hier  aus  gewissermaassen 
i&  einer  dreifachen  Gliederung.  Der  mit  I.  bezeichnete 
Bergtheil  ist  der  eigentliche  Centralkorper;  er  kann  jedoch  nur 
^3  Bergruine  betrachtet  werden,  denn  der  Bergtheil  IL,  das 
i^otbwendige  Complement  des  früher  geschlossen  gewesenen 
Bergganzen  befindet  sich,  durch  das  Arguri-Thal  in  zweiHälf«- 
^«Q  urlegt,  von  dem  Hauptkörper  abgetrennt  in  einem  tieferen 
Niveau.  Für  diese  Auffassung,  wonach  der  längliche»  gegen 
Nordwesten  mehrfach  abgestufte  Gipfelrücken  des  grossen 
•^nrat  den  gehobenen  und  II.  den  halbgesnnkenen  oder  ganz 
mräckgebüebenen  Band  einer  einseitigen  Spaltenaufrichtung 
<^tellen,  haben  alle*  in  den  Höhen-  und  Tiefenregionen .  dar 
ftergtheile  I.  und  IL  angestellten  stratigraphischen  Untersucbun- 


7B 

geo  eoUcbieden.  Demiufolge  ist  die  nordwestliche  Hälfte  de« 
fom  grosaereo  Theile  aus  dem  klaBtisciien  Maleriale  emptiver 
Trachyttnaasen  gebildeten  und  vutt  Tracbydolerii  •Laven  lerru- 
seDfnrmig  überlagerten  Bergtheila  II.  auch  in  der  That  von 
dem  H«Dptkörper  durch  tiefe  Binschnilte  getrennt.  Auf  der 
Oatseite  ist  dieae  Trennung  durch  die  stufenfürmigen  Steilab- 
atürie  nach  dem  Argari-Thale,  gegen  Osten  durch  ein  minder 
Hcbmffea  Abainken  von  I).  nach  dem  DaJj'tacbai  -  Thale  nod 
gogen  Süden  durch  hochliegende  gewaltige  Sihluchten  vermit- 
telt, deren  acbarfe  Südränder  ateil  gegen  den  Centralbnrper  I. 
aufgerichtet  sind.  Die  correspondirenden  Bildungen  finden  aich 
in  der  Höhe  am  Westende  des  GipfuIrückenH  von  I.  unter  der 
Schneebedeckung  wieder;  sie  bilden  den  echarfen  Rand  der 
enormen  Sleilabstüne ,  welche  su  der  5  —  6000  Fusa  tief  un- 
ter der  tiipfelregion  des  Ararat  einsinkenden  Gletacberacbtacbt 
(Caldera)  dea  Arguri-  oder  St.  Jakob-Thals  hinabführen.  An 
diesen  Ab atürzen  erkennt  man  nnter  den  rathtraunen  veracblack- 
ten  Laven  bald  die  Fragmente  massiger,  unregel  massig  gela- 
gerter Etagen  von  Tuff-  und  Congtomeratschichten  in  hellen 
und  bunten  Farbenlünen,  deren  Aequivalente  der  tieferen  Berg- 
region eigen  sind.  Ihrerseits  werden  diese  einer  genaueren 
Erforschung  kaum  eugänglicheu,  klastischen  Bildungen  einer 
anderen  Ordnung  von  den  bereits  erwähnten  stock  förmigen, 
lausende  von  Füssen  emporragenden  (litngen  von  amorphen 
Pechstein-Trachyten  gestützt  und  getragen. 

Auf  Fig.  1  ist  lu  erkennen,  dass  die  Laven,  welche,  wie 


79 

•^  ist  Tbatsache,  dass  in  demselben  der  vollendete  Typii8 
einer  domformigen  Wölbung  vorliegt,  von  der  mit  dem  vollen 
Rechte  der  Wahrscheinlichkeit  zu  behaupten  ist,  dass  ihre 
rc^imässige  Form  das  alleinige  Resultat  successiver  Auf- 
5ibüttong  und  Ausbreitung  auf  eruptivem  Wege  an  die  Ober- 
tikhe  gedrungener  Massen  ist.  Ein  besonderes  Interesse 
kuQpft  sich  an  die  Felsarten  dieses  Berges ,  v^eil  die  für  das 
v'anie  Ararataystem  gültige  Reihenfolge  in  den  vulkanischen 
(^steinen,  von  den  Tracbyten  und  Andesiten  an ,  durch  inter- 
mediäre Typen  bis  zu  den  der  jüngsten  Entwickelungsperiode 
angehöngen  Dolerit-Laven  während  der  Ausbildung  des  Berges 
»Qccessive  zar  Darstellung  gekommen  zu  sein  scheint. 

Der  Kipgol,  auf  das  Engste  mit  der  Basis  des  grossen 
Ararat  verbanden,  bildet  für  denselben  eine  Vorstufe  von 
10,600  Fu88  abs.  H.,  von  der  man  in  stufenförmigen  Absätzen 
zu  dem  5  Werst  entfernten  Gipfel  gelangt,  ohne  sich  von  der 
geraden  Verlängerung  der  beide  Ararate  verbindenden  Linie  be- 
deateod  zu  entfernen.  Nordwestlich  fuhrt  diese  Linie  ober 
ZV  ei,  genau  auf  der  Mitte  der  Kipgol -Wölbung  befindliche, 
kraterfSrmige,  dicht  neben  einander  liegende  Einsenkungen  hin- 
weg. Der  Umfang  dieser  Vertiefungen  beträgt  2600  Fuss  und 
ibre  Tiefe  250  bis  300  Fuss.  An  den  senkrecht  abstürzenden 
Wänden  derselben  lassen  sieh  18  bis  20  Lavaschichten  mit 
ibren  iwtscfaenliegenden  schlaekenformigen  Lagern  zählen.  Auf 
dem  Boden  bort  man  das  schwache  Rauschen  in  der  Tiefe 
^ie$8eoder  Wasser,  ohne  dasselbe  irgendwo  wahrzunehmen. 
lo  weiterer  nordwestlicher  Richtung  trifft  man  am  Abhänge 
*ie$  Kipgol  noch  einmal  zwei  sehr  umfangreiche  halbtrichter- 
formige  Einsenkungen  im  lockeren,  zum  Theil  aufgeschütteten 
Terrain  des  Abhangs  an ,  die  sich ,  gleich  grossen  nnd  breiten 
Nischen  von  einigen  1000  Fuss  Spannung  bis  zur  Basis  des 
Kipgol  abwärts  senken.  Ganz  in  der  Nähe  dieser  vertieften 
Abbangsranme  entwickelt  sich  ein  kleines,  durch  polyedrische 
^rklöftnng  setner  Massen  sehr  zerstückeltes,  mit  dichtem 
Boschwerk  bewachsenes  Felsengebirge  von  600  Fnss  Höhe. 
^  besteht  ans  normalem  Trachyt  nnd  ist  durch  ansehnliche, 
io  dem  Abhänge  des  Kipgol  sich  verlierende  Analäofer  sehr 
(leatlich,  von  der  Abhangshohe  des  Letzteren  gesehen,  als  ein 
^teraler  Trachyt-Durchbmch  des  Kipgol  selbst  ta  erkennen. 
Eia  trachydoleritischer  Lavastrom,  der  mit  gigantischen  Dirnen'- 


80 

sionen  am  Dnrdlichen  Rande  der  flachen  Plaleanwölbung  aas- 
brach, blieb  ia  snckförmiger  Anscbwelinng  mit  der  Breite  von 
einigen  .tauaend  Fues  auf  der  Mitte  des  Abhangs  hängen,  «o 
ihn  das  unbewaffnete  Auge  bei  hellem  Welter  von  Erivan  aus 
leicbt  erkennt.  Auch  die  in  seiner  Nähe  auf  der  Mitte  des 
Plateaus  liegenden  beiden  kralerförmigen  Eingenkungen  werden 
tugleich  als  iwei  dunkele  Streifen  anf  dem  Letzteren  unter- 
schieden. In  ähnlicher  Weise  wie  an  den  südöstlichen  Abhän- 
gen der  beiden  Ararale  die  eruptive  Thüligkeit  ihre  grösate 
Buergie  In  dem  Aufbau  von  Eruption  skegelreihcn  und  Lara- 
ausströmungen  am  Fusse  des  grossen  Araratkegels  wie  des 
kleinen  Ararat  entfaltete,  war  dies  auch  auf  der  oord westlichen 
Seite  der  Kipg5l-WÖlbuiig  der  Fall. 

Der  Blick  vom  Alaget  herab,  Fig.  2,  lässt  die  Grösse 
des  quantitativen  Verhaltens  dieser  am  weitesten  gegen  Nord- 
westen vorgedrungenen  jüngsten  Dolerit-Laven  des  Ararat-87- 
Bteros  wohl  erkennen.  Von  der  Basis  der  Kipgül- Wölbung, 
nach  meinen  Messungen  in  7260  par.  Fuss  abs.  H.  am  Fusae 
des  Gorgan,  dehnt  sieb  die  Dolerit- Lava -Anschwellung  im 
Mitte)  18  Werst  bis  su  den  Dörfern  Argatscbl  und  Toschburon 
aus.  Die  absolute  Höhe  der  Araxes-Ebcue  fand  ich  hier  etwa 
2äOO  par.  Fusb;  es  ergiebt  sich  somit  für  den  vom  Kipgöl 
begiunenden,  allein  durch  jüngere  doleritische  Laven  gebildeten 
nordwesüichen  Fussgebirgstheil  des  Ararat- Systems  ein  Höbeu- 
maximum  am  Gorgan  von  4700  Fuss  über  das  Niveau  der 
Ebene  bei  einer  Breite  desscibeu   von  10  Werst  in  dieser  sei- 


81 

TGigeschriebeoen    AufiassaDgsweise    gemäss    kann    dem    nach 
F)g.  2  so  deotlicb  als  ein  dritter  Hanpttheil  des  grossen  Ara- 
rat  heraostreteoden  Kipgol   kaum    ein   anderer  Wertb  als   der 
eloes  seeandären  Bruptionskegels    beigelegt   werden,   der  nnr 
d&s  am   stärksten    hervorragende  Glied    einer  Reibe   analoger 
Bildangen  darstellt,  die  sich  diesseits  nnd  jenseits  des  Haupt* 
korpers  des  Systems  linear   fortsetzen.    Diese  Anffassang  be- 
stätigend ,   hat   die   geognostische  Untersuchung  gezeigt ,   dass, 
anmittelbar  vom   Kipgol  südöstlich   ausgehend,   noch  mehrere 
darcb    den    normalen  Habitus    rothbraun    verschlackter  Lava- 
massen  ausgezeichnete  über  einander   aufsteigende  Eruptions- 
kegel  an  der  Geotektonik   des  in  machtigen  Absatzenden  em- 
porfahrenden  Gipfeirnckens  des  grossen  Ararat  betheiligt  sind. 
Iq  dem    bereits  zuvor  erwähnten,  in  den  Abbildungen  Fig.  1 
Dod  2  mit  a  bezeichneten,  altanartigen  Vorsprunge  erhebt  sich 
der  nichste  Repräsentant  der  gegen  Südost  fortsetzenden  Reihe 
Die,  von  dankelem  vulkanischen«  Gestein  eingefasste,  den  frü- 
heren Abzugscanal  eines  Lavastroms  bezeichnende  Einsenkung 
am  Abhänge   des   grossen  Kegels  wird  jetzt  durch  einen  Glet- 
scher zweiter  Ordnung  eingenommen,  der  mit  breiter  Stirn  am 
Raode  des  Kipgol-Plateaus  aufragt.   Er  lässt  an  seinen  schrof- 
feo  Absätzen  die  Natur  seiner  zahlreich  gebänderten  Eismassen 
icböo  wahrnehmen.    Es  ist  mehr  als  wahrscheinlich,  dass  eine 
noch  höhere,  auf  der  Abbildung  Fig.  2  mit  ß  bezeichnete  Ab- 
Mafang  ebenso  durch   einen  hervorspringenden  Eruptionskegel 
tierrorgebracht  ist,   der  jetzt  gänzlich  unter  der  Eisbedeckung 
der  Gipfelregion   verborgen  liegt.     Ich   halte  an    dieser   zwar 
nicht  direct  bewiesenen,   aber  durch  physiognomische  Grunde 
aaf  das  Stärkste  unterstutzten  Vorstellung  um   so  mehr  fest, 
als  ich  Gelegenheit  hatte ,   in   gleicher  Hohe  auf  der  Sndost- 
seite  des  grossen  Ararat  vorkommende  Eruptionskegel-Bildun- 
geo  EU  nntersuchen.    Ein  besonderes  Interesse  nimmt  hier  der 
Tscbat   in   Anspruch    als    eine    scharf  markirte    kegelförmige 
Eroptionsstelle  in  nahe  13,000  Fuss  absoluter  Hohe,  von  der 
Scbne^enze  (auf  dieser  Bergseite  im  August)  wenig  entfernt. 
Ein  enormer  Lavastrom  ging  von  hier  aus;  er  zeigt  die  Form 
eioea  steil  abwärts  ziehenden,  hohen,  verhältnissmässig  schma- 
len Dammes  mit  canalartiger  Einsenkung.     Aus  der  Ferne  ge- 
sehen erscheint  er  als  einer  jener  colossalen  Strebepfeiler,  die, 
mit  breiter  Basis  von  der  flachen  Wölbung   des  Fussgebirges 

£<iu.  L  D.  ge#LGM.  XZII.  1 '  6 


dea  oberCD  Araratkegels  aufsteigBod,  den  LeUteren  tn  ■lätaea 
Bcheinen.  Eine  Versionlichung  dieser  VerhältDisae  gewährt 
eine  Ansicht  des  groBaeu  A rar at- Gipfele,  die  ich  im  Bullet,  de 
U  8oc.  gtol.,  2'™'  «er..  T.  VIII.,  PI.  V.  gegeben  habe.  Dar 
weiten  Entfernung  wegen,  aua  welcher  die  Ansicht  Fig.  2  «if- 
genommen,  können  diese  Züge  am  Araratkegel  daselliat  nicht 
deutlich  hervortreten.  Im  Uebrigen  kann  ea  keinem  Zweifel 
unterliegen,  dass  eruptive  Vorgänge,  wie  die  angegebenen,  aieh 
selbst  bis  in  die  hÜcbste  Gipfelregion  dea  Ararst  erstreckt  ha- 
ben; denn  ich  fand  bei  der  Besteigung  desselben,  in  geringer 
Entfernung  von  der  obersten  Flattforni,  aus  der  Schneebedackaug 
hervorragende,  susammen  hängen  de  Klippen  von  donkelhrftDoer, 
verschlackter,  tracbydoleri tischer  Lava,  der  tiefer  unten  am 
Kegel  vorkommenden  sehr  ähnlich.  Indessen  Hess  sich  ans 
der  Natur  durch  Zereetiung  nmgewandelter  anderweitiger  Gfl- 
steiuslrümmer,  die  an  einem  schneefrei  gefundenen  Theil  des 
höchsten  Kegelabbanges  xom  Vorschein  kamen,  erkennen,  doas 
Gesteine  von  trachytischcr  Zusammensetiung  dem  Inneren  des 
Gipfel  liörpers  nicht  fremd  sind.  Zu  gleichem  Schlüsse  berech- 
tigt auch  das  litbotogisclie  Verhalten  der  Gestein efragmeat«, 
die  in  den  nahe  unter  dum  Gipfel  beginnenden  Spalten  ei  n- 
senkungen  der  Südost-  wie  der  Südaeite  des  Berges  herab- 
rollen. 

Eine  systematische  Beschreibung  der  Susseren  und  inneren 
Natur  des  Ararat  an  dieser  Stelle  nicht  beabsichtigend,  war 
es  mein  Zweck,  auf  gewisse  charakteristische ,  mit  besonderer 


8S 

pLificheo  GeaUltong  des  ganzen  zwischen  dem  Mitte] ländiscben 
dem  Sc^arsen  und  Caspiscben  Meere,  wie  dem  Persischen 
UeerbDsen  gelegenen  Continents  zn  erkennen  sind. 

Ohne  die  Absicht,   etwa  theoretische   Vorstellungen    aos- 
•euteo  zo   wollen ,    die  mit  dem  Fortschritte  der  Wissenschaft 
«ehr  fiel  Ton  ihrer  ursprünglichen  Bedeutung  verloren  haben, 
vill  ich  nur  noch  einige  der  Thatsachen  hervorheben,  welche 
za  dem  in  Betrachtung  gezogenen  Gegenstande  in  nn verkenn« 
f'ir  wissenschaftlicher  Beziehung  stehen.     Auf  Grundlage  der 
orographischen  Positionen  des  grossen  Ararat   und   des  schon 
aehrfach  berührten  Sordag  (lat.  39^  43^  28'',  long.  61°  36'  53") 
äüdet  man ,  dass  die  erloschenen  vulkanischen  Systeme,  deren 
•iadichstes  Glied  der  Ararat  bildet,  durch  eine  Linie  von  4,80 
geogr.  Meilen    und  geodätischer  Orientirung  von   0  4°  34'  S 
Terboiideo   sind ,    mithin    eine  der  ostwestlichen  Directionslinie 
<ies  kleinasiatiscben  Tanrus  conform  laufende  Reihe  darstellen. 
Wie  bereits  gezeigt,  tritt  in  der  Verbindungslinie  zwischen 
Uideo  Ararat-Gipfeln  eine  Parallele  von  5234,9  Toisen  Lange 
<ier  zweiten  Directionslinie  in  orographisch  geologische  Wirk- 
iuskett,  welche  die  vorherrschenden  Gebirgszuge ,    Schieb ten- 
aorricbtoDgen   und  Dislocationen  zwischen  den  eben  genannten 
VIeersn  von  Nordwest  nach  Südost  beherrscht.   Der  dem  grossen 
Ararat  nordwestlich   angefugte,   oben  als  dritter  Bergtheil  be- 
trachtete Kipgol    entfernt  sich^  von  dieser   südöstlichen   Axen- 
ioie  bemerkenswerth   etwas   nach   Süden.    Es    durchschneiden 
«ich  somit  die  beiden  Hauptdirectionslinien ,   deren  Parallelen 
mit  den  angegebenen   von  O  4°  34'  S  sehr  genäherten  Werthen 
so  häofig   in    den   Streich  ungsrich  tun  gen   dislocirter    Gebirgs- 
schirhten  und   pintonischer  Ganggesteine  auf  dem  armenischen 
Hochlande  wie  überhaupt  im  Arazes  -  Flussgebiet  von  mir  be- 
'^bachtet  worden  sind,  am  Gipfel  des  Ararat  upter  einen  Win- 
«l  von  30"  3i'. 

Das  Empordringen  flussiger  Gesteinsmassen,  welches  alle 
Bildoupstadien  des  Araratsystems  so  augenscheinlich  charakte- 
nsirte,  hat  sich  nun  auf  den  soeben  näher  angedeuteten  Spal- 
^olinieD  ans  einer  vorvulkanischen  Zeit  hauptsächlich  an  drei, 
<^Qrcb  oQgleiche  Intervalle  von  einander  getrennten  Stellen 
<^*Qernd  centraliairt^  die  den  Mittelpunkten  des  grossen,  des  klei- 
Qeo  Anurat,  wie  des  von  dem  Gipfel  des  ersteren  etwa  17,000 
Fo9B  entfernten  Kipgol    entsprechen.     Ebensowenig  wie  diese 


84 

«rnptiveii  Procese«  auf  den  drei  Centralpunkten  immer  gleieb- 
seitig  eintraten,  wfiren  eie  io  qnalilativer  and  qaantitttiver  Be- 
liehung  gleicbwerthig ;  aach  waren  sie  tÖi  dieselben  keinea- 
weges  mit  gleicher  hebender  Wirkung  und  entsprechender 
Volumen  Vermehrung  der  betreffenden  Bergkörper  verbunden. 

Am  Kipgöl  wurde  eine  solche  Vermehrung  vorzagsweis« 
durch  vielfach  sich  wiederhulende  Aufschüttung  bewirkt,  ver- 
möge welcher  sieb  die  sehr  regelmässige,  fiacb  kegelförmige 
Berggestalt  su  der  absoluten  Hohe  von  10,600  Fnss  allmälig 
heranbildete.  Ein  anderer  Dynamlsmus  beherricbte  dagegen 
die  Bildungsstadien  der  benachbarten  Araralkegel.  Beide  ba- 
standen  in  der  frühesten  Periode  wahrscheinlich  als  gesonderte 
eelbstständige  Hervorragungen  von  ungleicher  Grösse  auf  ge- 
meinsamer flacher  TerrainwÖlbung  von  etwa  9000  Fuss  abso- 
luter Höhe.  Sehr  wahrscheinlich  sind  in  den  oben  berührten 
Gliedern  der  westlichen  Kegelrcibe  swiachen  dem  Parlijdag 
und  Pambuk  die  annähernden  Typen  für  jene  BeschaffeDheit 
der  beiden  Ararate  zu  finden.  Eh  ist  unverkennbar,  dass  ia 
der  geologischen  Periode,  wo  das  flüssige  Erdinnere  mit  nn- 
gewöhnlicber  Energie  im  ganien  armeniscben  Hochlande  im 
Tauras  wie  im  Kaukasus  gegen  die  Oberfläche  zu  reagirea 
begann,  und  mit  dem  Eintritte  der  eigentlichen  Lavenergüsse 
den  schon  vorhandenen  trachy  tischen  Central  Systemen  neue 
Vergrösserungs-Elemente  hinzugefügt  wurden,  beide  Ararate  ans- 
scbliesslicb  Spatteneruplionen  nnterlsgen,  die  sich  in  der  Rich- 
tung der  allgemelnea  südöstlichen  Streichangsliule  von  035' S 


85 

Naebdem  mit  der  Intensität  der  Periode  tracbydoleritiseber 
Aasbräche  and  deren  Uebergang  in  das  Stadium  der  mächtigen 
Doleritlaven  -  Ansströmungen   der  Widerstand  der  allmälig  em- 
porgednogten   und   vielfach  ans  ihrer  nrspranglicben  Lage  ge- 
brachten Theile  dea  älteren  Bergkörpers  immer  schwächer  ge- 
ffcrdeo  war,  wurde,   entweder  in  Folge  paroxismatischer  erup- 
tiver Kraftäussernng    oder    einer    langsam    wirkenden   Bmpor- 
ireiboDg  der  durch  Spaltung  aus  einander  getretenen  Gipfeltheile 
des  tncbytisohen  Berges,  die  südliche  Gipfelbälfte  des  grossen 
knni  in  ein  um  mehr  als  5000  Puss  höheres  Niveau  gefuhrt. 
Wie  sthon  früher  bemerkt,  scheint  die  andere  nördliche  Hälfte 
cor  weoig  mitgehoben  und  gleich  in  die  frühere  Lage  zuruck- 
geauDken  au   sein.     Dem  Verlaufe  dieses  letzten  Biidungssta- 
diiuD9   muss    die  Entstehung    der    zuvor    erwähnten    lateralen 
Eniptionskegel  zugeschrieben  werden,  die  sich  über  den  Mün- 
äaogen  der  Spaltenkanäle   ausbildeten,   in  welchen  die  Laven 
l'»  zar  Region    des  Oipfelrückens   empordrangen.    Auch  darf 
iQgeoommen  werden,  dass  die  Spaltung  des  älteren  Bergkör- 
pers des  kleinen  Ararat,  der  dem  tracbjtiscben  Bildnngsstadium 
iiogehört,  und  die  Aufrichtung  der  Spaltenränder  zur  Darstel- 
'3Qg  der  heutigen  Kegelform   im    engen   Zusammenhange   mit 
dem  Aufsteigen    der  Doleritlaven   standen ,    deren  Ergüsse   der 
BerstoDg  des  Berges  folgten  uqd  gleichzeitig  mit  den  analogen 
^^Qgea   am    grossen  Ararat  waren.     Nicht  minder  gewiss 
^eiot  es,  dass  eine  mit  dem  Einsinken  der  nördlichen  Hälfte 
<^s  grossen  Ararat  in  Verbindung   getretene  Querspaltung  die 
«r9te  Veranlassung   zu  der  Entstehung  des  Thaies  von  Arguri 
gegeben  hat,  an  dessen  oberen  Ende  sich  jetzt  ein  imposanter 
Gletscher  erster  Ordnung  aus  der  Gipfelregion  bis  zur  absolu- 
ten Höhe  von  9172  Fuss  herabsenkt.     Dass  dieses  Thal  seine 
jetzige  Weite   und    Ausbildung   späteren    Erosionen    verdankt, 
gebt  aas  dem  Volumen  des  Aufscbüttungs-Talus   hervor,   der 
6>cb  der  3000  Fuss  über  der  Araxes-Ebene  beginnenden  Mün- 
doog  des  Tbales  vorgelagert  hat  und  mit  seiner  breiten  Basis 
^is  iu  die  Mitte   der  Araxes-Ebene   gedrungen  ist.     Es  fehlen 
>Ue  Aoieicben    von    stattgehabter    Mitwirkung    noch    anderer 
^fte  an  diesem  Hergange  fAa  diejenigen,  welche  noch  gegen- 
wärtig fortfahren,  theils  langsam  zerstörend,  theils  durch  perio- 
<IiBcb  eintretende   paroxismatische  Einsturzphänomene,    an  der 


Erweiteraug    des    Tb  nies    ood   insbesondere   der   circusartigeii 
GleMcheraclilucLt  in  wirken. 


Wenn  ich  bei  deta  Versuche  einer  Interpretation  der  mor- 
phologischen Eigenlhiimlichkeit  des  Ar&rat  in  Beiug  auf  da« 
dem  Letzteren  zam  Grunde  liegende  Uildungsgesetz  zu  Schluaa- 
folgen  gelangt  bin,  die  nicht  mit  den  Ansichten  der  Anhänger 
einer  allgemein  anerkannten  Schule  übereinstimmen ,  welche 
den  Glauben  tin  die  Mitwirkung  vnn  Erhebungen  an  der  £dC- 
stehnng  erloschener  wie  tliätiger  Vulkane  als  einen  beseitigten 
Standpunkt  betrachtet,  so  kann  dieser  Umsttind  meine  Uebor- 
zeugnng  von  der  Nolhwendigkeit  nur  vermehren,  jedes  geolo- 
gische Phänomen  unbeeinBusst  von  irgend  welcher  herrschen- 
den  theoretischen  Ansicht ,  rein  als  vorhandene  Tbatsache  ts 
fixiren,  dasselbe  vorurthcilsfrei,  wie  es  eben  da  ist,  in  atudireo 
und  demselben  keinen  anderen  Ausdruck  zu  geben  als  den, 
welchen  die  Natur  der  Erscheinungen  categorisch  fordert. 

So  wenig  auch  von  einer  dirccten  Anwendung  der  Vor- 
stellung, welche  L.  v.  Buch  mit  dem  von  ihm  zuerst  gebrauch- 
ten, oft  missverBtandenen  Worte  Ethebungskruier  verband,  in 
Bezug  auf  den  grossen  Ararat  die  Rvdc  sein  kann,  so  hat  seit 
meinem  ersten  Besuche  am  Ararat  und  seil  der  vergleichenden 
Kennlnissnahme  der  zahlreichen  nnd  vielfach  modificirten  er- 
loschenen vulkanischen  Ber){formen  sich  bei  mir  dotb  immer  be- 
stimmter   der   Bindruck    befestigt ,    dass   die    Anffassnng ,    aas 


87 

Mit  Racksiebt    aof  die  geologische  Bedeotang,  welche  in 
den  Vorkergegaagenea   far  deu  Ararat  von  Seiten  Beiner  geo- 
gnpbiichen  Scellaag    im  Dorchkrensangspankte  der  iaurischen 
aod  kaakasischeo  Erbebangsparallelen  in  Ansprach  genommen 
ai,  rerdienl  es  noch  der  Erwähnung,   dass  der  grosse  Ararat 
«ich  in  Beeng    aaf  eine  dritte  DirectionsJinie  der  Sobicbtcn- 
störoogeo  eine    wichtige  Stellung   einnimmt,  welche   innerhalb 
der  Meridian  rieh  long    einen   bedeutenden  Binflnss   auf  die  oro- 
g*apbiscbe   Ansbildong  des   armenischen  Hochlandes   ausgeübt 
bat.    Wenn    der.  Ararat  sich   auch   in    keiner  directen  Verbin- 
daog   mit  einem    orographischen  Vertreter  dieser  yon  Norden 
otch  Soden    orientirten   Directionslinie  befindet,   so    ist   doch 
eipe  dergleichea  indirect  mit  dem  grossen  vulkanischen  Meri- 
diaogebiige  Torbanden,  welches   den  Ostrand   des  Hochlandes 
xvischen  Akalkalaki    und    Oämri    (das    heutige   Alexandropol) 
bildet  und   von    den  beiden    ostwestlichen    Gebirgssugen ,   den 
Ärdjewan-  und  Besobdal- Ketten,  in  Norden  und  Süden  begrenst 
«ird.     Die    achtzig   Werst    lange   Axe    dieser    Längengrappe 
groater   trachjtischer   Eruptiv  •  Systeme   berührt   in   ihrer  sud- 
iicben  Verlängerung  den  Alagiz  und  6,86  geogr.  Meilen  weiter 
dea  Gipfel   des    grossen    Ararat.      Der  geodätische    Ausdruck 
dieser  meridianen  Brhebungsrichtung  für  das  armenische  Hoch- 
^nd  wird  durch   die  geographischen  Positionen  des  Ararat  und 
eioet  der  höchsten    nördlichen,   TschOsch  Tapa  oder  Emlekli 
geoionten  Gipfel  jener  Mondianreihe   (lat.  41^   15'  5(X;    long. 
61"  35'  16^),  als   eine  N  10'   2(r  W   streichende  Linie  von 
167  Werst  Länge    bestimmbar.*)    Demzufolge   wurde   man   im 
Mittelpunkte   des    grossen  Ararat   eine  Durchkreuzung  der  Di* 
re^liooslinie  für  die  latitudinalen  (taurischen)  und  die  meridia- 
o«D  Spaltenerbebungen  in  einem  Winkel  von  75°  5'  erhalten. 
^  Gefahr  des  Vorwurfs,  mich  in  ein  Gebiet  rein  theoretischer 
luid  deshalb   mussiger  Speculationen  zu  vertiefen,   kann  mich 
siebt  abhalten,   hier    noch    der  Beziehungen   zu  gedenken,   in 
«elcheo  sich  das  Ararat-Sjstem  ungezwungen  zn  einer  vier- 
tes Directionslinie  für  Schichtenstörungen  und  Massendisloca- 


*)  üeber  die  physikftlisch-geographiscbe  Bedeutung  dieser  meridianen 
^bBngflmie  m  ihrer  füdlicfaen  Verlängerung  vom  Ararat  ab  all  Wasaer- 
'cbiide  iwiiehen  dem  eaapitchen  Meerbusen  und  dem  persischen  Meer- 
^  lishe  aaeiae  veigL  Omadstge  1.  c.  p«  387. 


88 

tionen  tod  Südwest  Dach  Nordost  bringen  lässt,  der«n  Paralla- 
len  iu  der  TeirsiogeBtsItuDg  des  armeoischcn  Hochlaades  vfir- 
atcckt  liegen  uDd  orographiscb  weniger  als  darcb  HesiDOg 
der  Streichungsrichtungeo  gewisser  Schiebten  erkennbar  her- 
Tortreteii.  Nur  einmal,  wie  ich  bereiis  aa  einem  anderen  Orte 
nachgewiesen  habe,  gewinnt  die  Direcliunslinie  von  Södweitcn 
nach  Nordosten  einen  physikalisch  -  geographisch  bedeutsam«!! 
plasliscben  Ausdruck  in  der  siebengliedrigen  Reihe  domförni- 
ger  vulkanischer  Berge  von  24  geogr.  Meilen  Länge,  deren 
willkürliche  Zusammenfassung  als  Reihen- Vulkane  dndurch  sb- 
gewiesen  wird,  dsss  durch  die  Aneinanderreihung  dieser  sämmt-' 
licb  la  absoluten  Hohen  von  8000  bis  10,000  Fuss  aufstei- 
genden Berge  die  Wasserscheide  zwischen  dem  oberen  Laufe 
des  Kut  und  Araxes  scharf  ausgeprägt  wird.  Das  geodätisch 
gesuchte  Streichen  dieser  WaBserscheide  ergnb  sich  zuN32''0, 
eine  Richtung,  bemerkenswerlh  wegen  ihres  PBrallelismus  mit 
dem  auf  kryslaliinischem  Fundament  von  hohem  geologischen 
Alter  entwickelten  meskischeu  Gebirgsiuge,  dem  einsigen  oro- 
graphischen  Verbiridungsgliede  zwischen  den  georgisch -armeni- 
schen Gebirgen  und  dem  Kaukasus. 

Insofern  diese  Stnrungs-  und  Streichungslinie  von  Süd- 
westen nach  Nordosten  eine  für  die  paläozoische  Formation 
ursprüngliche  und,  als  solche  von  mir  auch  in  Armenien  er- 
kannt, daselbst  die  älteste  war,  zeigt  sich  dieselbe  erwartungs- 
mässig  den  SlÖrungen  auf  das  Stärksle  unterworfen ,  welche 
später  nach   den    vorerwähuten    anderen   drei    Richtungen    ein- 


89 

^th  Sodwest  setzt  sich  dieses  paläosoiscbe  Randgebirge  in  den 
Uakoscben  vielgegHederten  Felscngen  von  ansscbliesslich  pa- 
ili^zoiseher  Natar  anter  beiden  Araraten  fort.  Der  nordwest- 
iiübe  Tbeil  desselben  Randgebirges,  welches  in  der  Gewolb- 
kQUe  des  Dsjnserlydag  seine  grossle  Hohe  erreicht,  zeigt  an 
:c"Deo  der  Araxes  -  Ebene  zagewendeten  Steilabstürzen  in  der 
U<''h«  eine  korallen reiche  BergkaJk-Etage  in  concordanter  La- 
.fniog  auf  deyonischem  Terrain,  im  Durchschnitt  ihrer  nach 
Norden  einfallenden  Schichten.  Der  abgebrochene  and  abge- 
Mjnkeoe  Finget  dieser  Gewolbkette  verschwindet  mit  seinen 
<)veiJ  lüT  Ebene  geneigten  Schichtenabstafungen  bald  unter  der 
üjoTialen  Bedeckung  derselben. 

Am  Dsynserljdag  und  überall,  wo  das  paläozoische  Oe- 
'»irge  überhaupt  auf  der  linken  Araratseite  in  weiterer  sndöst- 
iicber  Richtung  noch  zum  Vorschein  kommt,  findet  sich  das- 
selbe entweder  von  oberen  Gliedern  der  Kreideformation  mit 
ä^iflAgernden  Nommulitenkalken  oder  nur  von  einer  der  beiden 
Fonnatiooen  bedeckt.  Sehr  beachten swerth  ist  nun  der  Um- 
^'Uknd,  dass  weder  die  auf  der  Araxes -Ebene  hervorragenden 
fragmentarischen  Repräsentanten  der  paläozoischen  Formation, 
'ch  die  das  Ararat-Sjstem  südlich  und  südöstlich  umgeben- 
'-itQ  Gebirgszüge  der  devonischen  und  Bergkalkbildungen  — 
3tit  Aasoahme  stattfindender  Anlagerung  am  Fusse  der  Süd- 
bänge  der  letzteren  im  Flussgebiet  des  Makutschai  —  irgend 
ne  Spar  von  diesen  Auflagerungen  aus  mesozoischer  und 
caacizoischer  Zeit  wahrnehmen  lassen. 

Dieses  aoffiillende  Verhältniss  berechtigt  zu  dem  Schlnss, 
'}«SB  das  paläozoische  Grundterrain,  welches  an  der  Stelle  und 
»!n  weiteren  Umkreise  des  heutigen  Ararat- Systems  sich  ab- 
g^ia^rt  hatte,  mit  dem  Beginne  der  oberen  Bergkalkperiode 
iarch  Contin,ental-Hebung  in  die  Form  einer  von  Südwest  nach 
Nordost  sich  erstreckenden ,  einen  bedeutenden  Theil  von  Ar- 
meoieo  und  Aderbidjan  mit  umfassenden,  flachen  Wölbung  ge- 
tr&cht,  über  das  Meeresniveau  geführt  wurde,  bis  eine  Boden- 
seokoog  bei  Weitem  den  grösseren  Theil  dieses  paläozoischen 
CoDtineots  erst  im  Laufe  der  Kreideperiode  wieder  unter  den 
Hiofloss  der  Meeresbedeckung  stellte ,  wobei  ein  Theil  des 
iieutigea  Ararat  -  Landes  als  eine  nach  den  oben  angedeuteten 
L)ateQ  10  ihrer  beschränkten  Grösse  zu  beartheilende  paläo- 
soiscbe Insel   verblieb.     Dieses  Verhältniss    dauerte  bis  zom 


a; 


»> 


90 

ScblttiBfl  dor  oligocäneo  Zeit,  wo  dftnn  das  guammte  palä' 
soiicbe  Ornndterrain  io  Folge  einer  neaen  allgemeinen  Com 
oenialhebung  von  langer  Dauer  und  begleitet  von  (OftDaicbri 
tigen  partiellen  Continnitäts- Störungen  des  Terrains  übt 
haupt,  in  einer  sebr  bedeutenden  Höhe  über  den  Bereich  d 
tertiären  Meeresniederacbläge  gebraiht  worden  sein  muss.  D. 
Ende  dieser  Uebungsperiode  besei'hnete  ein  in  weileater  Au 
debnung  wirksani  gewesenes  Eingreifen  endogener  commotor 
Bcber  Kräfte  auf  daa  bestehende  Oberflächen- Verhältoiss  d< 
gehobenen  Coatinents,  welches,  nach  derHaoptstörongarichtDE 
twiscfaen  den  obengenannleD  Meeren  von  Südosten  nach  tfoti. 
Westen  erfolgend,  die  Veranlassung  au  partieltem  ZuaaoiiDei 
sinken  des  paläozoischen  Pnndamental -Terrains  vorherracben 
nach  Länge ndimeosionen  in  der  angegebenen  Ricbtong  wurdi 
Eine  solche  Senkung  betraf  nun  auch  einen  grossen  Tbeil  de 
seit  der  paläoioischen  Zeit  von  keinem  Meere  bedeckt  gewes« 
nen  Oewölblnsel  an  der  Stelle  der  heuligen  toittleren  Arajce« 
Eibene.  Alle  Erscheinungen,  von  denen  d|e  Rede  gewesen 
treten  in  dieser  Vorstellung  in  einen  befrit^dig^udeo  Zusammenl 
bang.  Das  Makasche  Gebirge,  das  unter  den  Dolerillaveo  bei 
der  Ararate  an  vielen  Stellen  unmittelbar  lu  Tage  gehend' 
devonische  und  üergkalk  -  Terrain  ,  das  Verhältniss  der  abge 
sunkenen  Lageroog  derselben  Formationsglieder  in  der  Scbeilel- 
region  und  am  Fussgebirge  des  Dsjnserlydag,  vorzüglich  abei 
das  so  ganz  abnorme  stratigrapbiscbe  Verbalten  der  nach  vei 
schiedenen  Richtungen  gefalteten,  geknickten  und  an  elnandei 
emporgedrängteu  paläoaoiscben  Schichten  der  sporadiacheu 
Felsinseln  der  Araxes-Ebeue  sind  Tbatsachen,  die  namontlicb 
in  Besug  auf  das  Fehlen  der  Niederschläge  aus  der  Kreide- 
nnd  Tertiär- Periode  keine  andere  Deutung  lulassen,  als  dass 
' '  r    die    fragmentarischen   Theile    ans   der  Scheitelregion   der 

gesankenen  Wölbung  mit  ihren  Brucbräodern  vorliegeii. 
Die  Oeotektenik  der  vom  Araxee  bespülten  devonischen 

sinsel    von  Corvirab*)   giebt  iu  dieser  Beciebang  einen  be- 

■)  In  berriedigeuder  Lötnog  der  biiher  immer  noch  bettandencii 
ilrovers»  in  Betreff  der  wtbren  Lage  toil  Artaxata  finde  ich ,  tb' 
shend  von  Duiuis  ■>■  Mohtprkedi,  die  Annabme  den  ZengnimB 
ilBS*  und  Strabo'i  gaoi  geroiti ,  da»  du  noch  bante  Spuren  einer 
'Opole  tragend«  kleine  FeUgebirg«  Ton  Corrirab  «nd  nicht  Ardaiehir, 
OarallMhal,  die  Lagt  der  alten  flannibal*>FMt«  basdehaM, 


91 

<iaders  klareii  Aafschlass.    In  der  350  Fu88  aber  das  Arazes- 

Nireaa   ftafsteigenden    Felsengrappe    seigt   sich    die    Wirkung 

«tratignpbischer  Umgestaltang   durch    Bodensenkung  in   lehrr 

reicher  Weise,   wie    sie   auch    im  hiesigen  Lande,    ich  mochte 

sageo  auf  jeder  Wanderung,  dem  Beobachter  in  grossen ,   den 

j-rdesmdigen  Gebtrgs Verhältnissen  entsprechenden  Dimensionen 

tc (gegen treten.     Es   ist  mir  sehr  wahrscheinlich,    dass  auf  die- 

«>e4  einem  allgemeinen  geologischen  Entwickelungsstadium  von 

uüiTerseller  Tragweite    angehörende    Senkungs-£reigniss,    wo- 

i'jrch  das  gesammtc  Oberflächen -Relief  des  armenischen  Hoch- 

t'.ades  eine  Umgestaltung  erlitt,  die  durch  ein  allgemeines  Auf- 

9'ugen  des  flüssigen  Erdinneren  gekennzeichnete  eruptive  9,Vul- 

käD-Periode^    unmittelbar    gefolgt   ist.     Für    den    Isthmus 

2«i8cben  dem  Caspischen  und  dem  Schwarzen  Meere,  wo  in- 

(rosive  Reactionen   der  Vulkanität  schon  seit  der  mesozoischen 

Ifiii  eine  bedeutende   und    eigenthümliche  Mitwirkung  an  der 

Gestaltung  und   Zusammensetzung    des   Bodens  gehabt  haben, 

<iärf  in  jener   eminent  eruptiven  Vulkan-Periode  auch  ein  be- 

•oodera    intensives    Zuströmen    des    Lavamaterials    nach    den 

a>tea  Verbindungskanälen,  wie  sie  in  den  vorhandenen,  an  die 

^'cbirgszage  geknüpften  Spaltungen  bestanden,  ganz  besonders 

iter  nach  den  Regionen  der  Senkungen  hin  angenommen  wer- 

<^eo.    Aach   scheint  es  wissenschaftlich  geboten,    durch  pluto- 

niiche  Bewegungen   von  universeller  Tragweite  eingeleitete,  so 

gTwallig  empordrängende,   eruptive   Reactionen '  des  Vulcanis- 

^Qs,   welche   Bergcolosse   wie   Ararat    und   Alagez   längs    der 

Oreoien  wie    im  Inneren  der  Senkungsfelder  aufzuführen  ver- 

Qocbten,  auch   mit  ausnahmsweise  gesteigerten  Localerhebun- 

l^n  verbanden  gewesen  zu  denken. 


f» 


€.  lieber  die  chewsche  Ctistitatira  de§  llnui^pluuis. 

Von  Herrn  Websky  in  Breslau. 

Der  DeoUchen  geologischen  OeselUcbaft  berichtete  icli 
1853  (Bd.  y.,  S.  427)  and  1859  (Bd.  XL,  S.  384)  ober  die 
von  Herrn  Grundmann  in  Tarne witc  und  mir  ausgeführten  Un- 
tersuchungen über  den  Uranophan,  welchen  ich  in  Knpferberg 
in  Niederschlesien  aufgefunden  hatte;  die  damals  aus  dea 
Analysen  Herrn  GacmDMANN^s  abgeleitete  Constitutionsformel 

3  B,  Si  +  5  R.  Si  +  36  B 

befriedigte  indessen  nicht  besonders. 

Es  schien  mir  der  Muhe  tu  lohnen ,  da  meine»  Wissens 
dieses  Mineral  das  einzige  analjsirte  wesentlich  Uran  hal- 
tende Silicat  ist,  zu  prüfen,  ob  die  von  Herrn  RAMHKLSBEfid 
vertretene  Auffassung  der  Silicate  zu  einem  besseren  Ergebnisa 
führe,  was  sich  auch  bestätigte. 

Nach  Maassgabe  der  hier  folgenden  Erörterung  ist  der 
Uranophan  ein  Thomsonit,  in  welchem  |  des  Aluminiums 
durch  Uran  vertreten  wird,  jedoch  so,  dass  diesem  substituirtea 
Uran  ein  gleiches  Aequivalent  Uran  als  Uranoxydhydrat  an- 
gelagert isty  ganz  so,  wie  wir  das  Uran  in  der  Verbiadang 

U,  R0„  H,  O 
gegenüber  der  analogen  Verbindung  der  Thonerde 

AI,  R0„  H,0 
begegnen. 

In  der  folgenden  Tabelle  enthält  die 

I.  Colonne:  die  Zahlen,  welche  Herr  Gbundmann  als  Re- 
Sttltat  der  an  Uranpecherz  freiem  Material  ausgeführten  Ana- 
lyse angegeben  hat;  die 

IL  Colonne :  die  Bestandtheile,  welche  als  Chalkolith,  den 
man   mikroskopisch  nachgewiesen,  in  Abzug  gebracht  werden 


93 


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1-1          »C                       1-t 

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I       I       ir^-^-^iftO^rHi-HCO 

'      '      '^i-iOOOOO»-i 

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^*c-^os»««-«f-i©iicococot-oa«-t' 

Q0CO00COCOt*i-ii-it^^<^&QO4C^< 
»0»00>^i-if-i^0«-ii-i0000' 

i)  11  li.  11  il  il  II '  II  II  II  II  II  II  it  II  II 

o'^^o'o  O  O  O  d" 

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94 

leD,  nnd  för  welche  die  Pboapborsäiire  tvm  Aaegaog 
t;  dia, 

III.  Colonoe;  die  Bestaadlbeila ,  welche,  nach  dea  Vor- 
ireuchoogeu  als  in  gescbwefelten  Enen  bestehend,   gleich- 

Abgerechnet  werden  mässvn;  die 

IV.  Colonne :  den  alsdann  verbleibenden  Rest  =  92,&6p  Cl. 
anKlysirten  Sobatani,  in  reinem  Uranophao  bestehend, 
in  der 

V.  Colonne:  diese  Bestandtbeile  aaf  100  pCt.  berechoeL 
;en  des  eigen tfaöm lieben  Verhaltens  des  Urans  ist  es  tweck- 
lig,   das   V«rbältniBi  dieser  Bestandtbeile  nach  Holeknlea: 

SiO,,  AI.O.,  U,  O,,  RO,  R,  O 
lerecfanen  and  sind  daher  in  der 

VI.  Colonne:    die  benütiten  Molekiilgewicfate ,   nnd  in  der 

VII.  Colonne:  die  Quotienten  der  letateren  io  die  in 
mne  V.  angegebenen  Beslandthe  Um  engen  angegeben,  nuä 
er 

VIII.  Colonne,  der  bequemeren  Uebersicht  halber,  diese 

II 
das  Verbältniss  R  =  1  redudrt.  ' 

Da  das  Verbältniss  der  Moleküle 

SiO,  :  (AI,  0„  U.  0.)  :  RO  :  H,0  I 

1,94    ;  1,04  :      1     :  5,75  ist,  wofür  wir 

2  ;  1  :      1     :  5,6  seUen  wollen, 

erner  die  Zahl  der  Moleküle  A),  0,  :  U,  O,  sich  nahe  wie 
verhält,  so  kann  man  den  Uranopban  anfTassea  als 

R,  AI.  Ü,,  Si,,  O,,  +  28H,0 
'  als  eine  Vereinigung  von 

f  R,  AI,  Si,   0,,  +  lOH.O  \ 


'  all 


».    8i,  O,.   +  I5H,0l! 
e,  O,     +    3H,  0|J 


95 


|f  (R  AI  Si,   O,  +  5H,0) 

UIr  e  8i,  O,  +  5H.01 
IM      C  O,  +      H,OI 


Die  erste  Zeile  dieses  Ausdrucks  ist  die  Constitutions- 
formel  des  Tbomsonits ,  die  zweite  Zeile  ihre  Analogie  unter 
Sobstitotion  des  Aluminiums  durch  Cran,  und  das  dritte  Glied 
iie  gleiche  Menge  Uran  wie  in  der  zweiten  Zeile,  als  Uran- 
Qijdhjdnit,  welche  als  dem  Uran  im  Silicat  angelagert  zu  be- 
tracbteo  ist. 

Diese  Constitutionsformel  erfordert: 


Holekfilgewieht. 

Gsfunden. 

lOSiO. 

(60) 

600,00  - 

18,05 

17,08 

2  AI,  0, 

(102,6) 

205,20  = 

6,17 

6,10 

«C.O, 

«1 

(288) 

1728,00  = 

51,99 

53,33 

11 

äR       = 

:  3,08  CaO    (56) 

172,48  = 

5,19 

5,07 

1,23  MgO    (40) 

49,20  = 

1,48 

1,46 

0,69  K,  0    (94) 

64,86  = 

1,95 

1,85 

28H,0 

(18) 

504,00  = 

15,17 

15,11 

3823,74 

100,00 

100,00 

Die  Uebereinstimmnng  der  berechneten  Znsammensetzung 
niit  der  gefundenen  durfte  mit  Rücksicht  auf  die  Schwierig- 
ktfiten  der  Analyse  hinreichen,  um  die  im  Vorstehenden  aus- 
geiprochene  Ansicht  über  die  chemische  Constitution  des  Ura- 
aophaos  annehmbar  erscheinen  zu  lassen. 


Die  einzige  krjstallographische  Beobachtung,  welche  ich 
am  Drsoophan  ermöglicht  habe,  war  die  Messung  des  Winkels 
x«i«eben  der  blätterigen  —  weil  perlmutterglänzenden  Läugs- 
Scbe  mit  der  anliegenden  Säulenfläche  =  107  °,  an  mikrosko- 
;  'scheu  Krjstallen  nach  dem  Lichtschimmer  gemesseYi ;  da  das 
Prisma  des  Tbomsonits  vorn  =  90^  40'  misst,  so  wurde  — 
l'somorpbie  vorausgesetzt  —  .die  am  Uranophan  beobachtete 
^h\e  das  Symbol  (daibiooc)  besitzen,  was,  auf  Thomsonit 
^«ogcD,  einen  Winkel  von  108  •  14'  erfordert. 


96 


7.    Nelmleg  ¥•■  Friedrieh  AJ«Iph  R«eiier. 

Von  Herrn  F.  Roehkr  in  Breslau. 

Am  25.  November  starb  mein  theurer  Bruder  Adolph,  und 
vorgeBtem  haben  wir  drei  überlebenden  Bröder  ihn  tioter  dem 
Geleite  lablreicber  Freunde  auf  dem  Kirchhofe  in  Claaslfasl 
bestattet.  Nachdem  schon  seit  einer  Reihe  von  Jahren  seina 
Oesnndbeit  durch  wiederholte  Gichtanfälle  erschättert  war,  bil- 
dete sich  Tor  etwa  drei  Wochen  ein  wassersüchtiger  Zustand 
ans,  der  ein  baldiges  Ende  voraussehen  liess.  Mit  Festigkeit 
und  Ergebung  sah  er  dem  Tode  entgegen,  der  glücklicherweise 
nach  nicht  su  langem  und  scbmerzlicboD  Kampfe  eintrat. 

Da  meinem  Bruder  durch  seine  Arbeiten  immerhin  eine 
gewisse  Stelle  in  der  Geschichte  der  Geognosie  gesichert  ist, 
so  werden  die  folgenden  wenigen  Notiien  über  sein  Leben 
und  seine  Schriften  bier  wohl  am  Orte  sein.  Wenn  dieselben 
von  dem  Bruder  und  nicht  von  einem  unparteiischen  Dritten 
gegeben  werden,  so  soll  dieser  Umstand  doch,  wie  ich  hoffe, 
die  Gerechtigkeit  des  Urtfaeils  nicht  sa  sehr  vermiesen  lassen. 

Am  14.  April  1809  in  Hitdesheim  geboren  und  anf  dem 
dortigen  Gymnasium  Andreannm  gebildet,  widmete  er  sich  dem 


.»7 

Batorfaiitoritcbe  Slodien  entwickelt.  Aof  der  Sehale  und  wäh- 
read  seiner  Stadienseit  aof  der  Universität  war  dieselbe  jedoch 
oocfa  Dieht  anf  das  Fach  gerichtet,  in  welchem  er  später  so 
erfolgreich  gearbeitet  hat,  sondern  damals  war  es  die  Botanik, 
welche  ihn  anzog.  Unter  der  Leitung  von  Professor  BAfiTLino 
m  Göttingen,  dem  er  seitdem  in  Dankbarkeit  und  in  gemein- 
»mem  feinen  Verstandniss  fnr  die  Schönheit  der  Pflanzenwelt 
tis  an  seinen  Tod  frenndschafüich  verbanden  blieb,  widmete 
<T  Bkb  mit  dem  Feoereifer  der  Jogend  botanischen  Studien 
Qfid  brachte  es  zu  einer  nicht  gewöhnlichen  Kenntniss  der 
denUchen  Flora  «nd  der  Pflanzenkande  überhaupt. 

Erst  nach=  seiner  Anstellung  in  Hildesheim  fing  er  an, 
»icfa  mit  Oeognosie  und  Paläontologie  zu  beschäftigen.  Wohl 
gibeo  die  bemerkenswerthen  geognostischen  Verhältnisse 
der  Umgebong  von  Hildesheim  hierzu  den  Anstoss.  Mit 
fidlerem  Bück  erkattnte  er,  dass  deren  Erforschung  eine 
rfiehe  visseoschaltliche  Ausbeute  versprach.  Namentlich  die 
iQTMsiseben  Ablagerungen,  welche  einen  dicht  bei  der  Stadt 
sich  erbebenden  Höhenzug  zusammensetzen  und  dann  auch  in 
<}er  weiteren  Umgebong  verbreitet  sind ,  zogen  ihn  durch  ihren 
Rncfaifaem  von  wohl  erhaltenen  Versteinerungen  an.  Seitdem 
der  Utldesheimer  Arzt  FnisiyRiOH  Laohmbvd  in  seiner  1669  in 
Hildeskeim  erschienenen  Orjctographia  Hildesheimensis  ein- 
zelse  derselben  besehrieben  und  kenotlich- abgebildet  hatte,  war 
^  deren  Kenntniss  nichts  mehr  geschehen.  Fbisdrich  Hoff- 
Mi£B  hatte  wohl  anf  seiner  1829  erschienenen ,  besonders  als 
Werk  eines  Binzelnen  bewandemswerthen  geognostischen  Karte 
^  nordwestlichen  Deutschlands  den  geognostischen  Bau  des 
aordwestdeutsehen  Hügellandes  schon  in  den  allgemeinen 
2öfeii  richtig  angegeben  und  hatte  auch  die  jurassischen  BU- 
Longen  schon  richtig  als  solche  erkannt  und  in  ihrer  Ver- 
^reitaog  aof  der  Katte  verzeichnet.  Allein  die  Kenntniss 
>brer  organischen  Einschlüsse  nnd  der  auf  dieselben  zu  grnn* 
Wes  specielleren  Oüedernng  der  Formation  wurde  durch 
^  Dicht  gefordert.  Diese  Aufgabe  stellte  sich  mein  Bruder 
^  ^öste  sie  in  einer  für  iseine  Zeit  und  seine  Hulfsmittel 
"woiliehsa  Weise;      Ohne   Jede    persönliche  Anleitung    durch 

• 

üft«Q  «rCahrenen  Forscher  und  ohne  literarische  Hulfsmittel 
I^^S^sa  er  seine  Stndien  des  norddeutschen  Jura.  Den  Mangel 
^  ersteren   wasste    er    bald    durch    eine  jeder   Anstrengung 

2*<«.4.D.|t«L6tt.XXn.l.  7 


»8. 


spottende  Hingabe  an  den  OegensUnd  und  doroh  aiigeboroaen 
Scburblick  lu  überwinden.  Die  uöthigea  paläootologiaeh«! 
Werke  wurden  aus  den  Bibliotheken  von  Göllingen  und  Han- 
nover lierbei geschafft  und  e^mmt  den  Abijilduugen  mit  eigener 
Hand  copirt.  So  uiacbte  er  sieb  namentlicli  die  Werke  Toa 
SowBHBr,  ZiBTSR  und  G0LDFÜS8  zugänglich.  Im  Jahre  1636 
gab  er  bereits  das  umfangreiche  Werk:  „Die  VersteineruDgeu 
des  norddeutschen  Oolilben  -  Gebirges"  heraus.  Diese  Schrift, 
welche  noch  heute  die  Haupiqnelle  für  die  Kenntniss  der  Jnra- 
bildungen  des  nordwestlichen  Deutschlands  bildet,  eröffnete  dnu 
ersten  Einblick  io  den  Fetrefakten-Reichtbum  und  In  die  Glie* 
derung  dieser  Ablagerungen  und  gewährte  cum  eratan  Male 
die  Möglichkeit,  durch  Vergleicbung  mit  dem  süddeutsoheu 
und  dem  englischen  Jura  ihre  Eigen thÜml ich k ei ten  festiu- 
stellHn.  Ale  «in  bemerken swerthes,  gana  neues  Glied  des  nord- 
deutschen Fiötcgebirges  wurde  der  Hilsthon  eingeführt,  der 
Ewar  erst  später  seine  richtige  Stellung  in  der  uotereu  Abtbei- 
luug  der  Kreide- Formation  erhielt,  aber  schon  jelst  üher  den 
Fortland-Kalk  gestellt  wurde.  Erwägt  man,  daas  für  die  Ab- 
fassung dieser  Schrift  nur  die  Musaeatuuden  benutst  werden 
kannten ,  welche  dem  Verfasser  sein  juristischer  Beruf  übrig 
lies«,  und  daaa  die  Herausgabe  derselben  nur  dadurch  ermög- 
licht wurde,  dass  er  sämmtliche  Zeichnungen  von  Verstniue- 
rungen  euf  den  dem  Werke  beigegebenen  Tafeln  selbst  mib- 
führte,  eo  tritt  die  Thatkraft  und  die  Begabung  des  Autors  um 
Bo  sichtlicher  hervor, 


99 

kIiod  jetft  alt  eine  mit  dem  HÜBthon  gleicbalterige  Ablageraug 
beieiebaei. 

la  der  Vonrede  sa  diesem  ^Nachtrage^  kandigle  der  Ver- 
fwer  liereita  die  Bearbeituog  des  norddeutscbea  Kreidegebir- 
ge« aad  seiner  Versteiaeroiigen  an.  Im  Jabre  1841  erscbien 
dieselbe  nater  dem  Titel:  ^Die  Versteineruogen  des  oorddeut- 
schea  Kreid^ebirges ;  mit  16  litbograpb.  Tafeln.  Hannover 
1841.*^  Nach  seinem  wissenscbafUicben  Wertbe  ist  dieses 
iwdie  üaoptwerk  dem  ersten  wohl  mindestens  gleichzustellen. 
M&Q  moss  sich  die  .Unken ntniss  und.  die  Verwirrung,  welche 
Tor  dem  Erscheineo  desselben  in  Betreff  der  betreffenden  Kreide- 
büdaogen  herrschte,  vergegenwärtigen,  um  die  Bedeutung  der 
LeUtang  richtig  su  würdigen«  Einer  unserer  einsicbts vollsten 
iesucben  Geognosten,  den  kein  Vorwurf  weniger  als  deijenige 
eioer  achwächlichen  Neigung  zu  ungerechtfertigtem  Lobe  trifft, 
bftt  tchoo  vor  Jahren  mit  nachstehenden  Worten  sein  Urtheil 
aber  das  Werk  abgegeben*): 

flNsch  HaFFMAH5  wurden  zuerst  durch  Adolph  Robmbb's 
«ichtige  and  eioAussreiche  Arbeiten  die  in  neuester  Zeit  so 
biafangreich  gewordenen  Untersuchungen  über  die  paläontolo* 
gUche  Gliederung  der  Kreideformatiou  in  Norddeutschland 
hnger^  Mit  bewundemswerthem  Tacte  lebrte  Eobmer  zu- 
ent,  oor  im  Einaelnen  ooch  irrend,  das  wesentlich  Geschiedene 
\ua  dem  Unwesentlichen  trennen;  er  zuerst  lebrte  den  nord- 
deatscheu  Hils,  eine  früher  ganz  unbekannt  gebliebene  oder 
gaui  verkannt  gewesene  Bildung,  als  ein  dem  Neocom  ent- 
ipr«eheades  unteres  Glied  der  Kreideformation  kennen,  er  den- 
(ete  taerst  die  verkiesten  Fetrefakten  Helgolands,  er  gab  zu- 
erst dem  Planer  seine  richtige  Stellung  und  verwarf  die  schon 
>uQ  üwpiuiar  aufgestellte  irrige  Meinung,  dass  der  Pläner 
^  eogUschen  Gault,  der  ihn. bedeckende  obere  Quadersand- 
&^  dem  oberen  Greensand,  der  unterliegende  dem  unteren 
Or^easaod  correspoadire ,  er  sprach  es  zuerst  aus ,  dass  viele 
iD  Deutschland  schlechtweg  Grunsaudsteiu  genannte  Saudstein- 
l>ildQQgen   der   Kreideformation   schon   ihrer  organischen  Bin- 


> 

*)  Bitkich:  Ueber  die  ZasammenMUnng  uad  Lagerung  der  Kreide- 
^nution  in  der  Gegend  swiechen  Halberstadt,  BUnkenbarg  und  Qued- 
l»borg.    Zeiucbr.  d.  Denteeb.  geol.  Ges.  Bd.  I.,  1849,  S.  293. 


100 

schlÖBSO  wegen  eine  viet  höhere  Stellang  im  Niveita  der  n 
Kreide  einnehmen  mÜHsea.*' 

InzniBchea  hatten  die  wichtigeu  Unlersuchungeu  ron  UoB- 
CH180H  und  Sedowick  iTber  die  Gliederung  der  älteren,  bn  da- 
hiD  von  den  dentschen  Geologen  unter  der  Beneunnng  da« 
Uebergangsgebirgee  begriffenen  Ablagerungen  die  Aufmerltaain- 
keit  meines  Bruders  erregt  nnd  ihn  reranlasst,  sieb  mit  dem 
Harae  ta  besehäftigen.  Die  in  einer  längeren  Heihe  von  Jah- 
ren nach  einander  cracfaeinenden  Arbeiten  über  dieees  durch 
die  Munnichfaltigkeit  der  geologischen  Verbältnisse  so  merk- 
würdige deutsche  Gebirge  bilden  die  dritte  Haupt -LeiBtnng 
seiner  wissenschaftlicben  Thätigkeit.  In  der  ersten  Schrift: 
„Die  Versteinerungen  des  Harzgebirges.  Hannover,  1848*  be- 
ging er  (war  noch  verschiedene  Fehlgriffe,  indem  er  ohne 
genügende  pal  Eon  tologi  erbe  Beweismittel  eincelne  Schichten- 
reiben  des  Haraee  mit  bestimmten  Glieder n  des  Silnrischen 
Systems  in  England  cd  parallelisiren  versnchte,  allein  in  den 
späteren,  in  den  Falaaontngraphioa  von  DoitKBR  und  H.  v.  Meibr 
erschienenen  Arbeiten  *)  bat  er  diese  Irrthümer  mit  Hälfe  ^ner 
grosseren  Anzahl  von  organischen  Bineohlüssen  berichtigt  nnd 
wenigstens  in  dem  nordwestlichen  Theile  des  Gebirges  eine 
Anzahl  von  einseinen  Gliedern  ihrem  Alter  nach  fest  bestimmt, 
eowie  in  ihrer  Verbreitung  begrenzt.  Die  AufBudung  der  sahl- 
reicben  neuen  fossilen  Organismen  ist  nicht  daa  geringste 
Verdienet  bei  diesen  Arbeilen,   denn  in  den  ans  älteren,  vor- 


>       •       • 


101 

•      m 

:nU  TOD  drei  oder  vier  Faodatellen  bekannt'  .WA^en  ood  darch 
IQ  gegen  500  Arten  von  sahlreicben  Funddteilen  und  ans 
Scäichieo  sehr  verschiedenen  Alters  beschrieben  vnrden ,  so 
.'scheut  9cbon  iu  dieser  Beziehung  der  Werth  dea'^far  die 
KeQBtoiu  des  Harzea  von  ihm  Geleisteten  sehr  bed^ute'nd. 

Ausser  den  vorstehend  aufgeführten  Schriften,  wdche  das 
'uäbeode  wissenschaftliche  Verdienst  meines  Bruders  vorzugs- 
weise begründen  ,    liegen    verschiedene    andere  Arbeiten  '  .vöji*^ 
um  ror.     In   Folge     einer  Aufforderung    seines    vieljährigea  .**. 
rr^sodes  and  Landsmannes  Leütiis    schrieb  er    1853   den  die/* 
Misenlogie    und    Geogoosie    umfassenden    dritten  Tbeil    von  *  '.-* 
(«9€Q  veit    verbreiteter  und  rühmlichst  bekannter    Synopsis         *.' 
kr  drei  Naturreiche.     Namentlich    die  geognostische   Abthei- 
bfi^  dieses  Bandes   hat   durch 'knappe  und  übersichtliche  Be- 
taodluiig  des  Gegenstandes    nicht  wenig  zur  Verbreitung  geo- 
^c<«tiuher  Kenntnisfie  in  weiteren  Kreisen  beigetragen. 

Zq  dieser  litermrischen   Thätigkeit  kommt  nun   noch    die 
nenindzwanzigjährige   Lehrthätigkeit    an     der    Bergschule    in 
Claosths].    Die  grosse  Frequenz  und  Blüthe,  deren  sich  diese 
AasUlt  wahrend    einer  Reihe    von  Jahren  erfreute ,  ist  jeden- 
falls xa  einem   grossen  Theile  auf  A.  Robmeb's  Thätigkeit  an 
lisrselben  zurückzuführen;    die  schone   und  wohlgeordnete  Mi- 
ceralieQ-Sammlung  der  Bergschule,   eine  der  werthvollsten  in 
DtQUcUand,   ist    sein  Werk.    Zahlreiche,   in  Deutschland  und 
IQ  Aoslsode    zerstreute    ehemalige   Schuler   erinnern    sich    in 
^^barkeit  der  von  ihm  empfangenen  Belehrung  und  Anregung. 
Als  endlich    in    den   letzten  Lebensjahren    die    Kraft   zu 
^>g«Qer  Thätigkeit  nicht  mehr  ausreichte,  da  wusste  er  seiner 
I^ftbe  fnr   die  Naturwissenschaften    noch    in    anderer   Weise 
Auümek  zu  geben.   Durch  mehrere  Schenkungen^  im  Gesammt- 
^^nge  ?on    zwanzigtausend   Thalern,    gründete    er  in   seiner 
Vturitadt  Hildesheim,  für  welche  er  bis  zu  seinem  Tode  die 
^^te  Anhänglichkeit    bewahrte,    eine    Stiftung,    welche   in 
^ttbkdang  mit  dem  dort  schon  bestehenden  und  vorzugsweise 
^Tth  die  letztwilligeu  Zuwendungen  seines  schon  früher  ver- 
^^^neo  Verwandten  Lüntzbl  fundirten   städtischen  Museum 
^  Verbreitung  naturwissenschaftlisher  Kenntnisse  zu  dienen 
WtiiQiat  ist.     Auch  seine  werthvollen  Sammlungen  von  Mine- 
^1^  ood  Petrefakten  schenkte  er  schon  einige  Jahre  vor  sei- 
^^  Tode  dem  Museum  seiner  Vaterstadt. 


102 

So  iBt  dsini' Verstorbenen  foi*  sein  Streben  in  der  Wisser 
Schaft  ein  «ffiren'des  Andenken  gesichert.  In  dem  Gedächtnis 
seiner  zaHlrojchen  Frennde  nnd  Bekannten  wird  sich  die  ESrinnc 
rang  art.Sie' geistvolle  Heiterkeit  seiner  Laune,  an  die  Biede^ 
keit  <eiiiß1r  Gesinnung  und  die  Hamanitat  seines  gansen  Wc 
seQS  noch  lange  erhalten. 

.'..     Breslaa,  den  2*  December  1869. 


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■ .    • 


•  • 


103 


Mabase  «  Han« 

* 

Von  BerrD  Emanvbl  Kaysbii  in  Berlin. 

Unter  der  grossen  Mannichfsltigkeit  von  Eraptivgesteinen, 
die  den  Harz  aaszeicbnet,  bietet  kaum  ein  anderes  so  viel  In- 
terewe,  als  die  sogenannten  Orinsteine  des  alten  Graawacken- 
Schiefergebirges ,    die  Diabase.      Spielen   dieselben    aach   nicbt 
die   gewichtige     Rolle ,    die    Hausmann    ibnen    zutheilte ,     der 
sie  als  hebendes  Element  des  ganzen  Gebirges  betrachtete,  so 
sind  sie  doch    schon   wegen  ihrer   aasserordentlicben  borizon* 
talen  and  verticalen  Verbreitang,  welche  letztere  vom  Vordevon 
bis  in  die  earboniscbe  Periode  hineinreicht,  fSr  den  Harz  von 
grosser  Bedeutung.    Nur  wenige  andere  Harzer  Gesteine  treten 
in  8o  grossen  Massen  auf,  keines  in  solcher  Mannichfaltigkeit 
der  petrographi sehen  Ausbild ougs weise.     Was   aber  diese  Ge- 
steine ganc  besonders  aaszeichnet,  das  sind  die  auffälligen  und 
«eitrerbreiteten  Veränderungen,    welche  sie  im  Nebengesteine 
henrorgebracht    haben.     Fast    überall,    wo    Diabase    im    alten 
Schiefergehirge  auftreten ,   da   zeigen  die  mit  ihnen  in  Beruh- 
nog  kommenden  Gesteine  einen   vom  gewohnlichen   durchaus 
abweichenden  Habitus    und   tragen   alle   Merkmale    einer    tief- 
gehenden Metamorphose  an  sich,  einer  Metamorphose,  die  — 
vie  das   enge  Gebundensein  solcher  Gesteine  an  die  Diabase 
zeigt  —  nur  von  diesen  letzteren  ausgegangen  sein  kann.   Die 
weite  Verbreitung  dieser  veränderten  Gesteine,  die  im  Folgen- 
den kora  als    Contactgesteine   bezeichnet  werden    sollen,    ihre 
geringe    Mächtigkeit    bei    sehr    ausgeprägter    petrographischer 
Eigenthumlichkeit,  die  zahlreich  zu  beobachtenden  Uebergänge 
in  anverändertes   Gestein    und  endlich   die   vielen   guten  Auf- 
schlösse in  tief  eingeschnittenen  Thälern  und  auf  Vegetation s- 
Annen  Plateaus,  das  Alles  lässt  wenig  andere  Beispiele  meta- 
morpber  Vorgänge  für  ein  eingehenderes  Studium  in  gleichem 
Onde  geeignet   und  lohnend  erscheinen,   als  die  in  Rede  ste- 


104 

hende  CootactmetamorphoBe.  Daia  kommt,  dftsa  die  merk- 
vördigen,  sich  als  das  Product  dieser  Metamorphose  daratal- 
leaden  Gesteine  bis  auf  die  allerneaeste  Zeit  so  gut  wie  völlig 
unbekaunt  geblieben  oder,  wo  ihrer  in  früherer  Zeit  Erwähnang 
geschehen,  fast  immer  missdeutet  worden  sind.  Von  den  frü- 
heren Antoren  ober  den  Hars  sind  ea  Lasids  (Beoblicht.  üb. 
d.  Harzgebirge,  1789),  Zwokhn  (Oest).  Harx,  1825,  nndi  Uebw 
die  Granilränder  der  Gruppe  d.  Rambergs  u.  d.  Bosstrappe, 
Karstbs'b  ü.  V.  Dbchba's  Arch.  V.  345,  1825,  p.  XIX.  583, 
1845)  und  Hadshaam  (Ueb.  d.  Bildnng  d.  Harzgebirges,  1842), 
die  allein  in  Betracht  kommen ,  wenn  es  eich  darum  bandelt, 
aatufübren,  was  aus  der  alleren  Literatur  über  die  Haraer 
Diabas- Co ntactge steine  bekannt  ist.  Doch  sind  die  Notiieo  der 
genannten  Autoren  über  jenen  Gegenattuid  überaus  spärlich 
und  zerstreut  und  überhaupt  nur  in  dem  Falle  brauchbar,  wann 
man  Charakter  und  Vorkommen  der  Gesteine  selbst  an  Ort 
und  Stelle  studirt  hat.  Denn  mit  alleiniger  Ausnahme  einea 
Gesteins ,  das  Zikckeh  zuerst  von  der  Heinrichsburg  be- 
schrieb und  später  in  ähnlicher  Ausbildung  auch  «d  ande- 
ren Punkten  des  östlichen  H&nes  wiederfand,  und  welches 
er  mit  richtigem  Blick  als  ein  durch  CoatactmetBrnorphoee  ver- 
ändertes Gestein  erkannte,  sind  die  fraglichen  Contactgesteia« 
bisher  sowohl  ihrer  Natur,  wie  ihrem  Ursprünge  nach  ver- 
kannt worden.  Jene  erstere  betreffend,  so  ist  ein  grosser 
Theil  der  Contactgebilde  apeciell  der  körnigen  Diabase  mit 
kieaetigen  Gesteinen  verwechselt  worden,  mit  denen  sie  hoch- 


l«5 

'irbScber  übergegangene  Irrtbumer.  So  die  Angaben  Haus- 
e's aber  die  Aaeciciation  von  Diabas;  und  Kieselscbiefer  im 
dan,  and  ein  Gleiches  gut  wahrscheinlich  in  grösserer  AU- 
gemeinbeit  in  Betreff  der  meisten  Angeben  über,  ein  ähnliches 
Zasammenvorkommen  von  eruptiven  Gesteijaen  mit  Jaspis« 
üoroiteio  nnd  anderen  Kieseigesteinen.  Auf  die  Aqgaben 
Zqceu's  und.  besonders  UA,yfij|Airn's  über  häufige  ^lieber- 
gäoge  und  Verschmelzungen  stratificirter  Gebirgsarten  in  Pj- 
roxeagesteine^  die  durch  eine  Verwechselung  anderer  Art  ver- 
aalasst  wurden ,  werden  wir  weiter  unten  zurückzukommen 
Veranlassung  haben.  Brst  in  allerneuester  Zeit  sind  die  Har«> 
KT  Diabascontaefcgesteine  im  Allgemeinen  durch  Herrn  Losssii, 
der  sie  in  seiner  schönen  Abhandlung  über  metamorphische 
Schichten  aus  der  paläozoischen  Schichten fplge  des  östlichen 
Harzes  (Zeitsehr.  d.  Deutsch.  geoL  Gesellsch.,  Bd.  XXL,  281  ff.) 
im  beschrieb,  zur  Kenntuiss  gebracht  und  ihrer  Bedeutung 
nach  gewürdigt  worden. 

Vorliegende  Arbeit  nun  hat  zum  Zwecke,  einmal,  den  aus- 
gezeichnetsten Tbeil   dieser   Gesteine,    die   Contactgebilde  der 
körnigen  Diabase  (über  virelohe  letztere  selbst  sogleich  weiter 
QQten  die  Rede    sein  wird),    genauer  kennen   zu  lehren,   und 
<^D,  die  metamorphischen  Processe,    die  bei  ihrer  Bildung 
Mi  den  ursprünglichen  Gesteinen  thätig  gewesen ,  namentlich 
ihrer  ehemischen  Seite   nach  zu    verfolgen.     Zu   dem  Zwecke 
*it  folgender  Gang  eingeschlagen:    Nach  einigen   allgemeinen 
Ben^'kaogen  über  die  Harzer  Diabase  und  ihre  Contaetgesteine 
Oberhaupt  ist  zuniLehst  eine   Uebersicht  über  die  Verbreitong 
äer  kömigen  Diabase  und  ihrer  Contactgebilde  gegeben,  dann 
^  Vorkommen  der  Oontactgesteine ,   ihre  Lagerungsverhält- 
Qiise  and  geognostischen  Beziehungen  zu  den  Diabasen  erläu- 
^-    Darauf  folgt  eine  Beschreibung  der  physikalischen  und 
<^hemiseken  Eigenschaften  der  Contaetgesteine,  die  den  grös^ten 
Tbeü  der  Arbeit  ausmacht.     Weiter  siohliesst  sich  eine  Unter- 
sochoag   der  stofflichen    bei    der   Contactmetamorphose   statt- 
S«l>»btca  Veränderungen  an  und,  darauf  basirend,  der  Versuch 
eioer  geoetischen    Deutung   der  Metamorphose.     Den  Schlnss 
bildet  eiae  kurze  Uebersicht  der  Contaeterscheinuugen  der  Dia» 
ba«e  00^  verwandter  Gesteine  ausserhalb  des  Harzes  und  eine 
Veigleiebung   der  Diabascontaetmetamorphose    mit   deijeaigea 
^'iderar  altemptiTer  Gesteine. 


104 

hende  Contactmetamorpbose.      Dara    komw 

wördigen.   sich    als  das  Product  dieser  ^f     ^  ^ 

lenden  Gesteine  bis  auf  die  allerneaeat-f  /     '  ^i,,  j, 

unbekaunt  geblieben  oder,  wo  ihrer  »> //  o  Zwec! 

gescheben,  fast  immer  missdeutet  <■  i  f  '  ■       < 

her«!  Aotoren  aber   den    Hirs  V/  >  ^    '  .^  jj^,, 

a.  Hantgebirge,  1789),  ZwOBBR     /    'f  r  geH    i 

die   GraDilränder  der  Grnnnr  w'/.«*  -.- 

KAR8TB5  g    U.    V.    DbCHBU's    '  ^  •■  /  ?   i"  ^  i!,  v, 

1845)  aod  Hacsmam«  (Up    i  <  f  '  ^  f  ,  ^, 

..„..„         ...         ;  «  #  im  verehrt« 

die  allein  m  Betracht  k       r ,'  ?  f*  -l     n 

aoiufohreo ,    was   aap      •  >  '  ■      -    j-j 


genannten    AntarF    '  "    8"*"-  - 

__,  ,.1    Herren    aprecbe    ich   fnr  ihr 


apr* 
n  Dank  ans. 


g^^  bue  nd  tkn  CmlaetgestdKe  ■■  kü^tmäKt. 

«"r      ,^utt»^  "^  TwkMUMB  der  li»nlgeH  MahM  ud  Anr 
^  'i'*^        CMtac^fitelic  !■  KcMiderei. 

^  ist  wohl  möglich,  dasi  eingehende  petrographiKli 
-jfbe  Unters  nchuii  gen  die  grosse  Mannichfaltigkeit  der  gC' 
'*-b(iJich  mit  dem  Collectivnamen  Grnnstein  be«eicbnBten  Gfr 
'"(„s  des  Hanes  in  verschiedene  Gesteine,  wie  Diabas,  Cabbrnj 
uyneiit,  Labradorporphyr  etc.  trennen  werden.  F5r  die  sp«"' 
jm  alte«**''  Harter  Granwackenechiefergebirge  weit  Terbreiiett" 
Grünsteine  jedoch  ist  es  die  allgemeine,  sehr  wahrscheinliche 
Annahme,  dass  diese  Gesteine  als  Glieder  der  Diabasfaniilie 
amoaehen  sind;  Gesteine,  deren  wesentliche  Beatandtheile  U' 
brador  und  Diallag  ausmachen.  Die  bis  jottt  vorbandmw 
Analysen  hierher  gehöriger  Gesteine,  eine  ältere  von  Hef" 
KsiBBL  nnd  eine  neuerdings  von  mir  aasgefährte  (cf.  S.  i^h 
lassen  wenigstens  die  körnige  Abändereng  der  betreff«»^«'» 
Gesteine  als  ächte  Diabase  erscheinen.  Unter  allen  Uro«""'- 
den  aber  bilden  diese  ältesten  eruptiven  Gesteine  des  Hsne>< 
als  einer  grossen  Bmptionsperiode  angehnrtg  und  ant^' *' 
sentlich  gleichen  Uroatänden  anftretend,  eitr  ge<^DOitiscbes 
Oanie   and    sollten    von  diesem  Gesiobtspunhte   aos  eine  n"' 


-s 


107 

-  erhalten,    aoch  in  dem  Pulle,   dam  man 
^^    Sollte,  die  vom  rein  petrographi- 
^    ^eti    äebten '  Diabasen  za  trennen 
'^*^    sei  es   enttchaidigt,   wenn    wir, 
'^    streng  erwiesen  ist,    die  frag^ 
'eitibnen.  •) 
''aom   irgendwo  in  deutlichen 
^."^^  formen    fehlen.     Wo   Herr 

"^  '^    "^  ber  die  Bildung  des  Har- 

;^r-     -!^>  '^  'insenfonnige  Aneehwel- 

•^  Grauwackenlagern  im 

.ii  pflegen,  die,  durch  Erosion 
•tilg  aus  den   umgebenden    Schichten 
*öChende  Lagerungsform  der  Harzer  Diabase 
^,  die  in  Lagern,  welche,  in  verschiedener  Mächtig* 
^  deo  Sedimentirgesteinen  eingebettet ,  alle  Windungen  und 
K  ckani?^  derselben  mitmachen  und,  von  lokalen  Anschwel- 
ron  Anskeiliingen  und  einem  oftmals  raschen  Wechsel 
""  jlj^liligkeit  abgesehen,  eine  den  Sedimentechichten  durch- 
aal coofonn«  LageroDg  zeigen.  ^     ^     ^  .  .         ,. 
Es  i«t  «n®  *^**'  bemerkenswerthe  Erscheinung,   dass  die 
.        innerbalb  der  in    neuester  Zeit  für  die  alten  Forma- 
^^  Harzes  festgestellton  Schichtenfolge  ihre  ganz  be- 
"?°*"^  Niveaus  innehalten,    ausserhalb   derer  sie   nur  ganz 
"^"hmsweise  angetroffen  werden.   Ebenso  beachtenswerth  ist 
r°nnjst«nd,  dass  bei  der  grossen  petrographischen  Mannich- 
f  k'ieit  in  <i«^  Ansbildungsweise  der  Diabase  im  Allgemeinen 
•cid  jeden   dieser  Niveaus  doch  immer  nur  eine  einzige 
Llang«weise,  und  zwar  entweder  die  dichte  oder  die  gra- 
Kkorniire,   wenn    auch  nipht  allein  vorkommt,    so   doch 
rbsas  vorherrscht.     In  Folge  davon   kann   man    eine  Reihe 
rHrnbasniveaus    Bber    einander    und    zwar    ihrer    Ausbil- 
r    .«ise    «emäes     entweder    als    kornige    oder  als    dichte 
beiden     Vor  allen  sind  es  nun  zwei  derartige  Niveaus, 
Jinoreh  die  grosse  Zahl    und  Mächtigkeit    der    ihnen    an- 

n  tf  di«  Gesteine  in  der  Tbat  Ächte  Diabase  sind,  hat  die  jüngst 
*^     .  r^rdienstliche  Arbeit  des  Herrn  0.  Schilling  (Ueber  die  Con- 
^rtchieo«ne     ^^^^^  genannten  Gesteine  des  Sttdbarzee,  Ööttingen  1869) 
^"^^  \Le  Zahl  körniger  und  dichter  Grilnstoine  bestMigt. 


IM 

Die  Gelegenheit,  die  in  Rede  stehende  Contactmetanior- 
phose  Itennen  za  lernen,  bot  sicli  mir  im  Sommer  vergangenen 
Jahres,  wo  ich,  Teranlssat  dnrcli  die  gütige  Ertaabniss  im 
Herrn  Prof.  Bbtbich,  denselben  anf  eine  längere,  zum  Zwecke 
geognoatischer  Kartenaufn ahmen  reranstaltete  Bxcnraion  in 
den  Harz  liegleitcn  zu  dürfen,  fast  ein  Vierteljahr  in  dieeem 
Gebirge  verweilte.  Für  daa  mir  sowohl  in  jener  Zeit,  ala 
anch  wahrend  Ansföhrong  dieser  Arbeit  bewiesene  gütige 
Wohlwollen  fohle  ich  mich  dem  Herrn  Prof.  Bbtrich  in  ho- 
hem Maasae  verpflichtet.  Ebensn  bin  ich  meinem  verehrten 
Preande  Herrn  Dr.  LossBn,  der  mich  im  Harz  überall  mit 
Rath  und  That  anterstützt,  und  dessen  Lokalkenntniss  in  die- 
sem Gebirge  mir  vielfach  in  Statten  gekommen  ist,  aussei^ 
ordentlich  erkenntlich.  Beiden  Herren  spreche  ich  für  ihre 
Güte  meinen  anfrichligslen  Dank  ans. 


Bie  laner  Mahaie  md  Ibre  Cnlactgeslelie  !■  AUgeaelMM. 

Terhreltwg  iid  VarknuieK  der  kftnlgei  Hahue  nd  Ihrer 
CMtac^Mtelie  !■  teMiderea. 

Es  ist  wohl  möglich,  das«  eingehende  petrograpbisch- 
chemische  Unters  uchungen  die  grosse  .Mann  ich  faltigkeit  der  ge- 
wöhnlich   mit   dem  Collectivnamen  firönstein  bezeichneten  G«- 


107 

heitliche  Beseichnong  erhalten,  auch  in  dem  Falle,  daee  man 
QQter  ihaen  Gesteine  finden  sollte ,  die  vom  rein  petrographi- 
^hen  Standpunkte  ans  von  den  äebten  Diabasen  zu  trennen 
sind.  Mit  Röeksieht  hierauf  sei  es'  entschaidigt,  wenn  wir, 
^hwobl  die  Sache  noch  nicht  streng  erwiesen  ist,  die  frag-' 
iicheo  Gesteine  als  Diabase  bezeichnen.*) 

Die  Harzer  Diabase  treten  kaum  irgendwo  in  deutlichen 
Tiäogen  auf.  Anch  kuppenartige  Formen  fehlen.  Wo  Herr 
Hiusmim  solche  in  seinem  Werke  ober  die  Bildung  des  Har- 
zes beschreibt,  da  sind  das  nur  lokale  linsenförmige  Anschwel- 
ioogen,  wie  solche  auch  bei. Kalk-  und  Orauwackenlagern  im 
*>ebiefergebirge  häufig  TOrzukoromen  pflegen,  die,  durch  Erosion 
Mogsgelegt,  sieh  kuppenartig  aus  den  umgebenden  Schichten 
^beben.  Die  herrsehende  Lagerungsform  der  Harzer  Diabase 
i^t  Tielmehr  die  in  Lagern,  welche,  in  -  verschiedener  Mächtig- 
keit den  Sedinentargesteinen  eingebettet ,  alle  Windungen  und 
Knickangea  derselben  mitmachen  und,  von  lokalen  Anschwel- 
langeo,  von  Auskeilungen  und  einem  oftmals  raschen  Wechsel 
der  Mächtigkeit  abgesehen,  eine  den  Sedimentschichten  dureh- 
&QS  oooforme  Lagerung  zeigen. 

Es  ist  eine  sehr  bemerkenswerthe  Erscheinung,  dass  die 
Diabase  innerhalb  der  in  neuester  Zeit  für  die  alten  Forma- 
tioDen  des  Harzes  festgestellten  Schiehtenfolge  ihre  ganz  be- 
stimmten Niveaus  innehalten,  ausserhalb  derer  sie  nur  ganz 
lasoshmsweise  angetroffen  werden.  Ebenso  beachtenswerth  ist 
c^  Umstand,  dass  bei  der  grossen  petrographischen  Mannich - 
Mattigkeit  in  der  Ansbildungsweise  der  Diabase  im  Allgemeinen 
n  einem  jeden  dieser  Niveaus  doch  immer  nur  eine  einzige 
Aosbildungsweise ,  und  zwar  entweder  die  dichte  oder  die  gra- 
nitiseb  körnige,  wenn  auch  nipht  allein  vorkommt,  so  doch 
Jurehaas  vorherrscht.  In  Folge  davon  kann  man  eine  Reihe 
^on  Diabasniveaus  aber  einander  und  zwar  ihrer  Ausbil- 
iangsweise  gemäss  entweder  als  kornige  oder  als  dichte 
"nterscbeiden.  Vor  allen  sind  es  nun  zwei  derartige  Niveaus, 
^ie  dorch    die   grosse   Zahl    und  Mächtigkeit    der    ihnen    an- 


r 

*)  Da«t  di«  OMteine  in  der  That  ächte  Diabase  sind,  hat  die  junget 
'-rKhieocDe  Terdienstliche  Arbeit  de«  Herrn  0.  Schilling  (Ueber  die  Con- 
'( tQtion  der  Orflnstein  genannten  Gesteine  des  Sfldharzes,  Oöttingen  1869) 
-}r  eise  grosse  Zahl  körniger  und  dichter  Orttnsteine  bestätigt. 


108 

gehor«Dden  DUbaslager  die  übrigen  weitaus  abertreffeiu  Beid 
geboren  der  mäcbtigen  ^Wieder  TbonschieferEone''  ao,  derc* 
geogooetiscbe  Stellaog  sogleiob  angegeben  werden  wird;  da 
eine,  dae  der  kornigen  Diabase,  dem  liegenden,  das  ander« 
das  der  diebten  Diabase,  dem  bangenden  Tbeile  derselbec 
Die  diebten  Diabase  kommen  meist  in  sehr  mächtigen ,  ans^c 
dehnten,  deokenartig  ausgebreiteten  Massen  vor;  die  kömige 
treten  in  viel  weniger  bedeutenden  Lagern  auf  und  stellen  sie 
meistens  als  ein  grosser,  aus  Mner  Unsahl  dicht  an  einande 
gedrängter  Lager  bestehender  Zog  dar.  Beide  Diabasgeatein 
haben  ihre  eigenthiimlichen ,  gana  verschiedenartigen  Contact 
gesteine.  Mit  den  dichten  Diabasen  innig  verbunden  und  ihr 
Lager  in  ansebnlieheu  Massen  uhigebend,  treten  Grüne  Schiefe 
auf,  mit  mannipbfachen  Ausscheidungen  von  Kalkspath,  Qoarz 
Bpidot,  etc.  Daneben  kommen  untergeordnet  auch  verschieden« 
kieselige,  meist  eisenreiche  Gebilde  vor.  Gans  aaderer  Art  8in< 
die  Contactgesteine  der  körnigen  Diabase.  Im  AUgemeinej 
wenig  mächtig,  umgeben  sie  die  Lager  der  letcteren  meist  nu] 
als  schmale  Bänder  und  stellen  theils  sehr  harte  und  dichte 
hälleflint-  und  felsitähn liebe ,  zur  massigen  Strnctur  neigendei 
theils  weichere,  mehr  oder  weniger  sehieferige,  gleichseitig  ein< 
Tendenz  su  ktystallinischer  Ausbildung  seigende  Gesteine  dar 
Diese  letzteren,  die  Contactgesteine  der  körnigen  Diabase,  spe* 
siell  der  liegenden  Schiefersone  sind  es,  die  nns  in  diese) 
Arbeit  beschäftigen  sollen.  (Jeher  die  Contactgebilde  der  kör 
nigen  Diabase  ans  höheren  Niveaus  —  die  übrigens,  wo  si^ 
entwickelt  sind,  mit  denen  der  ältesten  körnigen  Diabase  darch^ 
aus  übereinstimmen  —  wird  nur  anhangsweise  die  Rede  aeini 
Wir  beginnen  mit  einer  Uebersicht  über  die  VerbreituH| 
der  körnigen  Diabase  der  Wie^der  Schiefer  und  ihrer  Contactj 
gesteine  durch  den  Hars.  Die  in  den  letzten  Jahren  für  dl« 
Landesuntersnchung  ausgeführten  Detailuntersoohungen  habeä 
ergeben,  dass  mitten  durch  den  Ost- Harz  eine  Oranwackenzonc 
läuft,  die  das  älteste  Glied  der  fär  das  alte  Grau^acken*Schier 
fergebirge  aufgestellten  Scfaichtenfolga  ausmacht  (conf.  Zeit- 
schrift d.  deutsch,  geol.  Ges.  XX,  217.)  Ueber  dieser  ältesten, 
der  sogenannten  Tanner  oder  Axen-Grauwacke,  folgen  nun  die 
Jüngeren  Schichten  nnd  zwar  zunächst  die  Wieder  ThonschiefeH 
cone,  aber  in  der  Weise^  dass  die  Qranwacke  eine.  Contralaxi 
darstellt,    an   welche  die  jüngeren  Forroationsglioder  sich   ad| 


IM 

iwei  Seiten,  im  Norden  wie  im  Soden,  in  sjmmetritfcber  Reiben^ 
filge  anaehllesften.  Aof  diese  Weise  erscheinen  sämmtlteh« 
Schichten  ober  der  Taaner  Gkranwacke  zweimal,  im  Norden 
cad  im  Säden  der  Axe;  mi^in  auch  die  körnigen  Diabase  mit 
ibrea  Contactgesteinen  in  swei,  dorcbschnittlich  j  —  -f*  Meilen 
rnn  eioatoder  entfernten  Zngen.  Verfolgen  wir  non  den  Ver- 
lauf caförderst  des  nördlichen  Zages. 

Der  westlichste  Ponkt,  wo  ich  Diabase  dieses  Zuges  beob- 
achtet, ist  die  Gegend  von  Andreasberg.  Dieselben  sind  hier 
bedeutend  entwickelt  und  in  den  tiefen  Thälern  soWie  dorch 
Bergbao  rielfaeh  aafgeschlossen.  Allein  die  Contactgesteine 
Verden  so  gut  wie  gänzlich  Termisst.  Auch  Crbdnbb  in  seiner 
Arbeit  ober  den  Andreasberger  Bergwerksdistrict  (Zeitschr.  d. 
DentMb.  geol.  Oes.  XVII,  168  ff.)  thnt  ihrer  keine  Erwähnung. 
Im  wdteren  Portstreicben  des  Zoges  in  Östlicher  Richtung 
darch  das  Oderthal  bei  Oderhaus  und  weiter  in  der  Gegend 
Tr*n  Braonlage  and  Tanne  sind  Contactgesteine  swar  vorhanden, 
aber  lange  nicht  so  deutlich  aufgeschlossen,  als  in  der  weite- 
ren Fortsetsung  des  Zuges  nördlich  Voa  Tratitenstein  und 
Hisselfelde  an  der  Rapbode  und  awiscben  den  Chausseen 
^00  Hasselfelde  nach  Rnbeland  und  Wende^rt  am  Mittelkopf 
ond  Domkopf.  Weiter  ziehen  Diabase  tiud  Contactgesteibe  in 
trefiieher  Bntwickelnng  sudlich  Altenbrak  durch  das  grosse 
Mahleotbal  und  dann  dem  Laufe  der-  Hau-ptbode  entlang  bis 
nr  Lnpbode,  awischen  Allrode  ufi^  Treseburg.  Hier,  wo  die 
t  efen  Tbäler  der  Lnpbode,  des  Raben-  und  Tiefenbachs  den 
Di&baszag  mehrfach  durchbrechen,  kann  man  an  den  steilen 
Abhängen  Vorkommen  und  Natur  der  Contactgesteine  trefflich 
stodiren.  Weiter  nach  Osten  habe  ich  den  Diabaszug  in  seiner 
Portaetxuog  nach  Friedrichsbrunn,  wo  derselbe  in  die  HornfelS'^ 
toDe  des  Rambergs  eintritt,  nicht  verfolgt.  Nur  ein  Punkt 
dieser  östlieheD  Fortsetzung  ist  mir  bekannt,  die  Heinrichsburg 
^  Magdespmng,  wo  sich  die  Contactgesteine  in  ausgteeich* 
Q^ter  Waise  entwickelt  finden. 

Der  westlichste  Punkt,  von  dem  ich  Diabase  und  Contact- 
f^^oe  des  südlichen  Zuges  kenne  ^  ist  die  Gegend  westlich 
Traoteostein.  Bei  Hasselfekle  sind  die  Oontactgcsteine  aas«^ 
|«tdcboet  entwickelt;  nameotlidi  *  bietet  der  Rabenstein-  dich^ 
^^  Lesern  Orte  ein  ausgezeiobnetes  Beispiel  ihres  Vorkommens. 
^^^  naeh  Osten  zu  findet  man  in  der  Gegend  von  AHrode 


IIU 

■ablreiche,  sehr  scltöae,  aber  auf  dem  nur  aelten  uud  daoa 
von  flachen  EiaBclmitteu  durchforchten  Plateau  meist  wenigw 
gut  ftafgeschlosBene  Vorkoannuii.  Noch  weiter  nHcfa  Ostea 
lassen  sich  Diabase  und  Conlacigusteiue  auf  dum  mit  Wkld 
beBlamleneii  und  Acker-  und  Wiosentand  trageudeu  FIbIouU 
acbleubl  verfolgen.  Erst  vipl  weiter  östlich,  au  der  Selke  untar- 
halb  Mägdegprung,  sowie  in  der  Gegend  von  Neudorf,  Köiiige- 
rode  und  Tilkerode  sind  mir  wieder  Coniuctguateiue  in  Beglei- 
tung der  groBseu  durt  Auftretenden,  Behr  wahrscheinlich  dem 
BÜdlicbeii  Zuge  angehörigen  körnigen  Diabasmassen  bekannt. 

Wir  gehen  nun  zur  ErlUuleruug  des  Vorkommens  der  Con- 
tactgesteiue  und  ihrer  geiignosliBchen  Beiiebungen  tu.  den  Dia* 
basen  über.  Was  die  Cuntaclgesteiue  ganz  besonders  als  Bolche 
auBieichnet  und  den  Beweis  liefert,  dasB  wir  es  nichl  mit  ur- 
sprünglicheu,  sondern  durch  die  OiabaBe  veränderten  Gesteinen 
lu  tbuD  haben,  das  ist  das  enge  Gebundpnaeiu  der  Goniactgesteiu« 
an  dos  Eruptivgestein.  Das  gilt  voruebmiicb  vom  BÜdlicbeii 
Zuge,  wo  ich  unter  den  vielen  Dutzenden  untersucfaUr 
Vorkommnisse  von  Coutacigesleiiien  keine  Ausnabme  von 
diesem  Verbal teu  kennen  lernte.  Die  Contactgesteine  dct 
nördlicheD  Zuges  zeigen  nicht  in  allen  Fällen  eine  gleich  iiiDige 
VeriiHÜpfung  mit  den  Diabasen.  Es  kommt  iiämüch  auch  vor, 
daas  deutliub  verändert«  Gesteine  scheinbar  uuabhängig  vom 
Eruptivgestein  —  da  durch  unveränderte  oder  doch  kaum  ver- 
änderte Gesteine    von    diesem  getrennt  —  auftreten.     Da  aber 


111 

Wollte  maa  aacb  noch  so  weit  gehende  DifferejMirungea  dea 
tnrpröagiiohen  Gränaieiomagnias  aunebmeo,  Gesteine  von  so 
u&refaaos  verschiedenem  mineralogischem  and  chemischem  Cbar 
r^kter  hatten  sich  nie  bilden  konneu.  Aber  schon  mit  Bfick« 
siebt  aof  die  meist  überaus  bestimmt  ausgeprägte«  Grems^ 
X« beben  beiden  Gesteinen  scheint  eine  derartige  Annahme  un- 
rjoglidi.  Namentlich  im  Süden  der  Axe  pflegt  die  Gesteins» 
»i.beide  förmlich  schneidend  scharf  an  sein.  Im  Norden  ist  sie 
ziweileo  weniger  bestimmt.  Aber  der  Grand  liegt  allein  darin, 
ciS9  die  Contactgesteine  des  nördlichen  Zages  ihres  schiefrigen 
Gefoges  halber  leichter  verwittern  und  die  durch  Verwitterung 
gcbrionten  Gesteine  den  oft  ebenfalls  stark  verwitterten  Dia- 
-äsen  oftmals  ähnlich  werden  können;  besonders  in  den  selr 
'.enea  Fallen,  wo  die  Diabase  flasrig  entwickelt  sind  und  .in 
;^aaz  dännen  Lagern  awischen  schiefrig-krystallinischen  Cohtact- 
^t:äteioea  liegen.  Bei  einiger  Uebung  wird  man  jedoch  auch 
II  sulcheu  Fällen  Eruptiv-  und  Contaetges^n  auseinander* 
haiteo  können.  Von  eigentlichen  Uebergängen  beider  Ge- 
^ieioe  aber  kann  nicht  die  Rede  sein,  sie  existiren  nicht.  — 
Wäiirend  so  die  Contactgesteine  von  den  Diabasen  überall 
fchiti  getrennt  erscheinen,  sind  Debergange  in  unverändertes 
^lesteio  allenthalben  zu  finden.  Dieses  letztere  stellt  in  allen 
FiJlen  dnnkele  Thonschiefer  dar,  das  herrschende  Gestein 
üei  liegenden  Schi^ferzone,  die  gerade  in  dem  Theile,  wo  die 
M^rnigen  Diabase  auftreten,  besonders  rein  und  namentlich  von 
Kalkknanem  sowie  von  Quarzit-  und  Grauwackeneinlagerungen 
frei  zu  sein  pflegt. 

Wss  nun  die  Lagerungsform  der  Contactgesteine  angeht, 
>i>  bringt  der  Umstand,  dass  die  Diabase  ganz  überwiegend  in 
i'i^gern  zwischen  den  Schichten  auftreten,  es  mit  sieh,  dass  die 
Meumorphose  immer  nur  •  vom  Liegenden  zum  Hangenden  oder 
umgekehrt »  alao  nur  rechtwinklig  gegen  das  Streichen^  nicht 
^'jn  an  ein  und  derselben  Schicht  im  Fortstreiehen  b^baehtet 
^ird.  Nur  eine  einzige  Ausnahme  von  diesem  Verhalten  ist 
s^ir  dorch  die  Gute  des  ELerrn  Loa&BH  bekannt  gewordeki.  Sie 
^ttriffi  ein  deutlich  gangförmiges  Diabasvorkommen  vom  Kahle-: 
^-^g  bei  Hasselfelde.  Zu  beiden  Seiten  dieses  Ganges  treten 
Contactgesteine  auf;  ihr  Habitus  ist  jedoch  vom  gewöhnlichen 
ia  keiner  Hinsicht  verschieden^  Diesen  einzigen  Fall  ansgenom- 
m«Q  kommen  nach  meinen  Beobachtung^  die  Contaetgeateine 


112 

immer  nur  im  Liegenden  oder  im  H&ngeodeii  der  Diab«BlBg«r 
vor.  Znweilen  erscheinen  sie  gleicbceitig  im  Liegenden  wi« 
im  Hangenden;  in  anderen  Fällen  nur  im  Liegenden  oder  nur 
im  Hangenden.  Manchmal  feblen  sie  auch  gani,  d.  h.  die  den 
Diabns  begränienden  Gesteine  sind  kanm  oder  nicbt  verändert. 
In  dieser  Bexiebung  leigt  sieb  durcbana  keine  Oesetzmäsii^ 
keit.  Ebenso  wenig  ist  ein  Zusammenhang  iwigchen  der  Mäch- 
tigkeit nnd  dem  Grade  der  Ausbildung  der  Contactgesleioe 
einerseits  nnd  der  Mächtigkeit  der  Diabase  andererseits  au  er- 
kennen. Sehr  mächtige  Diabaslager  haben  manchmal  nur  nn- 
bedentende,  wenig  entwickeile  Gontactbänder,  oder  solche  feh- 
len  gänalich.  Und  umgekehrt  zeigen  ein  ander  Mal  gans 
schmale  Dtabaslager  ContacUonen  ,  welche  das  Braptivgeslein 
an  Mächtigkeit  weit  übertreffen. 

Die  Metamorphose  selbst  pSegt  nun  in  der  Weise  ent- 
wickelt cn  sein,  dass  die  gewöhnlichen  Schiefer  mit  Annähe- 
rong  an  den  Diabas  allmälig  an  Harte  ond  Consistenc  gewin- 
nen und  gleichzeitig  die  Deutlichkeit  der  Scbieferung  nnd 
Schichtung  einbüssen,  statt  deren  eine  dickplattige,  der  Schich- 
tung parallele  Absonderung  sich  entwickelt.  Daneben  beginnt, 
anfangs  andeutlich,  eine  parallelepipediichc  Absonderung  sieb 
einzustellen ,  die  zuweilen  die  sogenannten  Griffel  schiefer  er- 
aengt.  Mit  weiterer  Annährung  au  den  Diabas  nimmt  die  Här- 
tung mehr  nnd  mehr  zu,  und  die  plattige  Absonderung  macbt 
gleichzeitig  einer  mehr  in's  Massige  übergehenden  Structar  Plus, 


113 

Menge  daoner  Blätter  mit  aasgezeichneteo  Verwitternagserschei- 
^cogeo  zerfalleo,  zahlreiche  hellere  und  danklere  concentriscbe 
kivis*  oder  elüpsea förmige  Ringe,  einen  dunklen  Kern  um- 
zeneod,  zuweilen  aach  einen  hellen.  Namentlich  in  der  All- 
TAder  Gegend  sind  derartige  Schiefer  sehr  verbreitet,  und  wo 
.v*r  "lartreten,  da  kann  man  fast  jedes  Mal  die  Nahe  des  Dia- 
a^es  mit  Sicherheit  vorhersagen. 

Nach  diesen  Bemerkungen  gehen  wir  zur  Betrachtung  der 
physiknlischen  und  chemischen  Eigenschaften  der  Contactgesteine 
über,  die  uns  längere  Zeit  beschäftigen  werden.  Vorher  müssen 
«ir  aber  noch  ein  wichtiges  Verhalten  zur  Sprache  bringen, 
welches  bis  jetzt  ganz  unberScksichtigt  blieb.  Bei  der  Unter- 
fjchoDg  der  Contactgesteine  des  sudlichen  nnd  des  nordlichen 
Zuges  macht  sich  nämlieh  sogleich  eine  auffällige  Verschieden- 
Lrit  dieser  Gesteine  im  Süden  und  im  Norden  der  Grauwacken- 
aie  bemerkbar,  während  der  Charakter  der  Diabase  beider 
Züge  durchaus  derselbe  bleibt,  llerr  LosssN  hat  diese  Ver- 
s>?liedenheit  in  seiner  schon  erwähnten  Abhandlung  (S.  293) 
uacbdracklich  hervorgehoben.  Im  Süden  treten  fast  allein  dichte, 
-trhr  harte  Gesteine  mit  einer  dem  Massigen  sich  nähernden 
S'ructur  auf.  Im  Norden  fehlen  solche  nicht  ganz,  sie  treten 
3'  er  fast  g&nzHch  zurück  gegenüber  der  weiten  Verbreitung 
"^i^l  weniger  gehärteter,  mehr  oder  weniger  schiefriger  und  da- 
'■''i  pbanerokry stall! nisch  werdender  Gesteine.  Geringe  Ver- 
^:liiedenheiten  finden  sich  auch  im  Vorkommen  der  Contact- 
L.iräleioe  im  Süden  und  im  Norden  der  Axe.  Diese  werden 
weiter  unten  betreffenden  Orts  ausgeführt  werden.  Was  nun 
m  Allgemeinen  diese  unterschiede  zwischen  Süd  und  Nord 
>  (.'trifft,  so  wird  sich'  zwar  im  Verlaufe  der  Arbeit  herausstellen^ 
csL&s  sie  nur  quantitativer  Art  sind,  dass  qualitative,  d.  h.  che- 
cji^che  Differenzen  zwischen  den  Gesteinen  beider  Züge  nicht 
iii  der  Weise  bestehen ,  dass  man  vom  chemischen  Gesichts- 
jüüite  aus  die  Contactgesteine  in  solche  des  südlichen  und 
•olcbe  des  nördlichen  Zuges  trennen  konnte.  In  einer  geogno- 
<t:$chen  Arbeit  jedoch  ist  in  erster  Linie  das  geognostische 
Verhalten  zu  berücksichtigen,  und  da  dieses  die  räumlich  ge- 
^'«r^tbiedenen  Züge  als  etwas  in  vielen  Beziehungen  wesentlich 
Verschiedenes  erscheinen  lässt,  so  sollen  im  Folgenden  die 
^Testeine  des  südlichen  und  des  nordlichen  Zuges  getrennt  ab*» 
gebaodelt  werden. 


FbTaikaliaoli«  and  eliemiiche  Eigansohaften  d«r  Contatt- 
Geitein«. 

A.     CoDtactgesteine  des  südlicben  Zuges. 

Die  hier  aufireteoden  Gesteine  triift  man  in  der  alteren 
Literatur  unter  manuiclifiichen  Bezcichaungen.  Lasios  beschreibt 
einen  Theil  dieser  Gesteine  als  Jaspis,  ein  Name,  den  er  je- 
doch auch  von  achten  Kieselacliiefern ,  wie  s.  B.  des  Bruch- 
berges,  gebraucht.  Andere  führt  er  als  Quarzfels  oaf  (1.  c. 
S.  107,  124  etc.).  Ebenso  finden  wir  bei  Zirckeh  und  HauB- 
HAHH  in  ihren  genannten  Werken  die  hierher  gehörigen  Ge- 
steine als  QDHrzfels,  Jaspis,  Harnstein  und  namentlich  als 
Kiesel 8 chiefer  bezeichnet.  In  der  That  werden  manche  dnnkel 
gefärbte  Abänderungen  der  Co ntacige steine  zaweiien  kiesel- 
Bchieferähnlich,  und  eine  Verwechselung  beider  verschuldet  — 
wie  bereits  Eingangs  bemerkt  —  die  häufigen  Angnben  Haus- 
hanh'b  über  die  Association  von  Grünstein  und  Kiesel- 
schiefer.*) 

Auf  die  gerade  im  Süden  der  Axe  meist  überaus  scharfe 
Gesteinsscheide  zwischen  Diabas  und  Contacigestein  wurde  be- 
reits hingewiesen.  Bei  einer  meist  nur  geringen,  im  Durch- 
schnitt 8 — 12Fuas  betragenden,  '20  Puss  knum  übersteigenden 
Mächtigkeit  umgeben  die  Contactgesleina  wie  schmale,  scharfe 
Bänder  den  Diabas.  Dabei  pflegt  die  Umwandlung  meist  sehr 
rasch  sich  za  entwickeln  and  wenige  Schritte  zu  genügen,  nm 


115 

*jtttn.  Der  orsprao glichen  Scbichtflache  entspricbt  bei  diesen 
ietzten  nur  eine  undeutliche  Absonderung.  Dentlicher  sind  an- 
dere, Eum  Theil  rechtwinklig  zu  jener  stehenden  Absonderun- 
Z'cci,  welche  sich  im  Zerspringen  in  poljtomc  und  poljedrische 
Stücke  äossern,  jedoch  lange  nicht  so  entwickelt  sjnd,  wie  bei 
3^3  Eieaelschiefern. 

Die  Con  tactgesteine   des    südlichen  Zuges  sind 

•  orber  rschend  sehr  harte,  am  Stahle  funkengobende, 
eichte  und  spröde  Gesteine.  Von  allen  ihnen  zuweilen 
Jitfhr  oder  weniger  ähnlich  werdenden  Gesteinen,  wie  Kiesel- 
s^biefero,  Jaspis,  Hornstein  etc.,  unterscheiden  sie  sich  durch 
^üre  Schmelzbarkeit  vor  dem  Lothrohre.  In  dünnen  Split- 
^>m  und  bei  starker  Flamme  schmelzen  auch  die  härtesten  zu 
:icexn  weissen  oder  dunklen,  blasigen  Email. 

Ein  Theil  dieser  Gesteine  —  und  zwar  sind  das  die  aller- 
irtesleo  —  hat  ein  kryptokrystallinisch  -  dichtes  Gefüge,  in 
'r.«cbeiD  Znstande   hellgraue  bis   bläulichgraue  Farben  und  er- 

•  nert  im  Aussehen  an  gewisse  dichte  Quarzite  und  Hornsteine. 
I^tT  Bruch  ist  kleinsplitterig,  in's  Muschlige,  die  Bruchfläche 
-'^aU;  danne  Splitter  an  den  Kauten  schwach  durchscheinend. 
o-y,  der  Verwitterung  bleichen  die  Gesteine  aus  und  erscheinen 
^^IMich-  oder  granlichweiss.  Kleine  der  Einwirkung  der  At- 
J"9phäri]ien  lange  ausgesetzt  gewesene  Stücke  zeigen  oftmals 
j'-ne  eigenthümliche ,  wie  gcfirnisst  oder  moirirt  erscheinende 
tvberfläche,  die  man  bei  sehr  kieselsäurereichen  Gesteinen,  na- 
irieutlich  krjstalliuischen  Quarzsandsteinen  häufig  beobachtet, 
('i'd  die  wahrscheinlich  von  gelöster  und  oberflächlich  in  kry- 
^'ailinischer  Form  wieder  abgesetzter  Kieselsäure  herrührt. 
t-^jrigen»  widerstehen  diese  Gesteine  der  Verwitterung  in  ho- 
u6m  Grade,  weshalb  sie  zuweilen  an  Thalgehängen  allein  in 
üidit  unbedeutenden  Klippen  erhalten  geblieben  sind.    Analysen 

Icher  Gesteine  No.  I  und  IV. 
Ein  anderer  Theil  dieser  Gesteine  —  ebenfalls  sehr  hart 
-"«'J  schwer  zersprengbar  —  erscheint  durchaus  homogen ,  von 
'^okel  blanschwarzer  bis  schwarzer  Farbe,  fein  splittrigem  bis 
''bon  moscbligem  Bruch  nnd  kieselschiefer-  bis  jaspisähnlichem 
aussehen.  Splitter  sind  deutlich  durchscheinend  an  den  Kan- 
'tii,  Gebänderte  Abänderungen  entstehen  durch  Wechsel  heller 
'^ud  daokler  Lagen  und  sind  nicht  selten.  Manchmal  zeigen 
!'d)  in  der  dunklen  Gesteinsmasse  noch  dunklere  kleine  Knot- 

8* 


116 

cheo,  di«  Mit  der  verwitterten  Oberfläche  deatlich  als  läog- 
liche,  dunkle  Flecken  hervortreten.  Die  dunkle  Färbung  diener 
Oeatcine  rührt  theils  von  eiuer  sehr  geringen  Beimengung  or- 
ganischer Substanz,  theils  von  einer  kleinen  Quantität  Eisen- 
oxj'dol Silikat  her.  Durch  Glühen  werden  die  Gesteine  geröthet. 
Von  der  Verwitterung  werden  auch  sie  nur  in  geringem  Mnasse 
aagegriffen ;  sie  übersiehen  sich  dabei  äusserüch  mit  einer 
weissen,  nur  wenige  Linien  dicken  Rinde,  diu  das  weitere  Ein- 
dringen der  Verwitterung  abiuiialten  scheint.  Analysen  No.  II 
und  V. 

Sowohl  in  den  xoerst,  wie  in  den  zuletzt  genannten  Q«> 
steinea  sind  kleine  das  Gestein  nach  allen  Riclitungen  durch- 
ziehende, weisse  Quarzadern,  ganz  äbnlicb  wie  in  den  Kies«!- 
schiefern,  ausserordentlich  häufig.  Grössere  Quarzausscheidun- 
gen pflegen  auf  Spaltflächen  und  Klürten  vorzukommen.  Sonst 
ist  von  fremdartigen  Beimengungen  nur  Schwefelkies  zu  nen- 
nen,  der  in  kleinen  Körnern  fast  nirgends  fehlt  und  für  die 
harten  Gesteine  förmlich  cliarakteris tisch  ist.  Kalksputh  und 
Zeolithe  kommen  nicht  vor. 

Gegenüber  der  Verbreitung  und  Auffälligkeit 
der  harten  Gesteine  verschwinden  die  weniger  ge- 
härteten, halbschiefrigen  Gesteine,  die  sich  als  Mit- 
telglieder der  Umwandlung  zwischen  jenen  und  den  unveränder- 
ten Schiefern  darstellen,  fast  gänzlich.  Ihre  Farben  schwiinken 
'    zwischen  dunkcigraublau  einerseits  und  grnu  bis  gelblichgrün  an- 


»( 


117 

(on  Sinren  aar  sehr  wenig  angegriffen  werden,  losen  sich  von 
i-n  in  Rede  stehenden  meist  ansehnliche  Gewichtsmengen. 
Ucb  der  Verwitterung  widerstehen  diese  Gesteine  viel  weniger 
l^die  harten;  sie  werden  darch  dieselbe  gebleicht  und  uber- 
^eheo  sich  mit  Bisen -Oxyd  und  Hydroxyd.  Qnarzansscheidnn- 
m  und  Bisenkies-Beimengungen  kommen  auch  hier  vor,  haben 
cUt  nicht  die  Bedeutung  wie  bei  den  harten  Gesteinen.    Car- 

»nita  fehlen  auch  hier. 
Besondere  Beachtung  verdienen  die  mir  nur  von  einem 
tiazigen  Punkte  ^  dem  Rabenstein  bei  Hasselfelde^  bekannten 
aod  sQch  hier  ganz  local  entwickelten  Gesteine,  die  in  einer 
grcneo  Grundmaase  zahlreiche  linsen-  bis  fast  erbsgrosse 
keglige  Concretionen  enthalten ,  die  im  frischen  Gestein  als 
ccnkelgräne,  im  verwitterten  als  hellgrüne  Flecken  erscheinen. 
h'me  tiesteine  sind  insofern  interessant,  als  sie  Aequivalente 
ähnlicher  weit  verbreiteter  Gesteine  des  nordlichen  Zuges  dar- 
'L'ilen.  Analysen  der  halbharten  Gesteine  No.  VI.  VII.  VIII. 
Das  Material   zu    den    Analysen   der  Contactgesteine    des 

'-dJicbcn  Zuges  lieferten  die  Gegenden  von  Allrode  und  Hassel- 
\lde.   Die  Analysen  wurden  im  Herbst  und  Winter  1868  und 

arauf  folgenden  Frühjahr  im  Laboratorium  der  hiesigen  Berg- 
i&ademie  ausgcfiihrt.  Ich  benutze  diese  Gelegenheit,  dem  Di- 
rtctor  desselben,  Herrn  Prof.  FiUKBNBR  für  seine  vielfache  gu- 

-ge  Unterstützung  meinen  Dank  auszusprechen.*) 


*)  Dcber  die  AosfQhrung  der  Analysen  bemerke  ich  Folgendes:  Um 
'  0  AfT  DarchschDittssusamraensetzang  der  za  untersnehenden  Gesteine 
^■^liobtt  nahe  kommendes  Material  zu  erbalten,  wurde  jedesmal  snerst 
-  ^^  grösiere  Menge ,  Stücke  von  zosammen  c.  500  gr. ,  zwischen  Fliess- 
r  y-t:  zu  kleinen  Stfickchen  zerschlagen.  Ans  diesen  wurden  sodann 
>lie,  vdche  unter  der  Lupe  Sporen  von  Verwitterung  oder  fremde  Bei- 
r^ee^ngen  zeigten,  sorgfältig  ausgeschieden.  Von  den  dann  zurDckblei- 
<iitn  worden  darauf  c.  50  gr.  der  weiteren  Zerkleinerung  unterworfen. 
l>e&e  erfolgte  in  einem  Stahlmörser  und  wurde  so  lange  fortgesetzt,  bis 
'(  gtoze  Menge  des  Pulvers  durch  ein  sehr  feines  Leinwandsieb  bin- 
^arrhgetrieben  war.  Aus  dem  so  erhaltenen  Pulver  mussten  dann  noch 
i><  darch  das  Stossen  im  Mörser  hineingelangten  Eisentheilcben  mit  einem 
MigMten  aasgesogen  werden;  dann  konnte  dasselbe,  bei  100«  ge- 
'r<<kDet,  zur  Anaijse  verwandt  werden.  Für  die  Analyse  wurden  jedes- 
i>&i  >  Portionen  angewandt.  Eine  von  c.  1,0  gr.  wurde  zur  Bestimmung 
^r  Kieselsaure  und  sämmtlicher  Metalle,  die  Alkalien  ausgenommen,  mit 
KoblenMorem  Natronkali  aufgeschlossen.    Die   Kiesels&nre   wurde  jedes- 


«.    C<n 


.clgoi 


Allrodf 


Die  Localität,  der  das  Material  zu  nach  sieh  enden  Analyaen 
enttiommen  ist,  liegt  etwa  20  Minuten  südwestlich  von  Allrode 
in  einem  der  kleinen  Thaleinschnitte,  welche  die  Quellbäcb« 
der  Lupbode  im  Plateau  gebildet  haben.  Es  treten  hier  lahl- 
reiehe  Diaba&lager  und  mit  ihnen  ziemlich  mächtige,  snm  Theil 
in  Klippen  anfragende,  harte  Contactgeeteine  auf.  Halbharte 
Gesteine  sind  nicht  entwickelt.  An  die  harten  scbliessen  sich 
unmittelbar  unveränderie  fein  gefältelte  ThonBchiefer  an,  die  hier 
ausnahmsweise  frisch  erscheinen.  Beistehende  Skizze  soll  ein 
Bild  von  der  Art  des  Vorkommens  der  Diabase  und  Coutact- 
gesteine    dieser  Localität   geben.     Sie   zeigt   deutlich  '  das  Auf- 


mal  anf  ihre  Beinheit  c^prnrt,  indem  sie  mit  FlasEsäure  verADcbtigt  and 
der  rtwnige  meist  uns  cinns  Thonenle  und  Spuren  Einen  beiicliende  ROek- 
tlnnd  fOr  sich  snalysirt  nnrd«.  Eiieri  un<1  Thunerilc  wurden  ilarch  Am- 
moTiiak  gfrdllt  nnil  durch  Nntrun  getrennt  Mangan  wurde  als  Bul. 
phuret   gefüllt   und   als  Salpliür   gewogen,      linlk  und   Miignesia   nurdeD 


119 

n-etea  der  Contactgesteine  bald  im  Liegenden^  bald  im  Hangen- 
den, bald  zu  beiden  Seiten  der  Diabaslager.*) 

Die  Analysen  sind  hier,  und  eben  so  weiter  unten,  wo  es 
aieht  ausdrücklich  anders  bemerkt ,  immer  in  der  Reibenfolge 
aofgefahrt,  die  ihrem  Vorkommen  vom  Diabas  gegen  das  un- 
Terinderte  Gestein  hin  entspricht. 

I.  Sehr  hartes,  hellgraues,  hornsteinähnliches  Gestein  mit 
tialbfflQScbligem  Bruch.     Volumgewicht  2,653. 

IL  Hartes,  dunkelblaues  Gestein  mit  splittrigem  bis  klein- 
maschligem  Bruch.  Bothält  zahlreiche  schwarse  Knötchen  in 
der  Grundroasse«     Volumgewicht  2,658. 

III.  Weicher,  dunkelblauer,  feingefaltelter  Tbonschiefer; 
mit  äusserst  kleinen  weissen  Qlimmerblättchen  in  der  Grund- 
aisBe.    Volumgewicht  2,698. 


I. 

11. 

III. 

Si  0» 

75,25 

73,74 

69,27 

AI  0» 

11,80 

14,81 

13,12 

Fe  0*  , 

Spar 

0,02 

0,62 

Fe  0 

1,76 

1,31 

5,24 

MdO 

^^^^^ 

0,11 

0,09 

Cft  0 

0,32 

0,61 

0,12 

MgO 

1,57 

1,29 

1,36 

N.«    0 

7,54 

5,47 

2,25 

K'O 

0,61 

1,51 

4,31 

H»  0 

0,81 

0,70 

3,36 

C  0« 



- 

0,04 

Fe  8' 

0,49 

0,84 

0,62 

Org.  Sobst. 

— 

Spur 

vorh. 

100,15     100,41     100,40 

b.    Cootactgetteine  vom  Rabenstein  bei  HaBselfelde. 

Der  schon  mehrfach  erwähnte  Rabenstein  ist  einer  der 
am  leichtesten  zugänglichen  Punkte,  durch  Steinbruchsbetrieb 
gDt  aafgeschlossen     und  deshalb    zum    Studium  der  Contact- 

*;  Die  Diabase  sind  in  der  Skizze  darch  Punkte»  die  Contactgesteine 
•isTch  dunkle  Sc hraffirnng,  die  nnyer&nderten  Schiefer  durch  ein- 
^c  Striche  beseicbnet 


120 

geBteine  des  BÜdlich«n  Zuges  besonders  geeignet.  Er  liegt  ua 
Ostende  des  Ortes  and  bildet  eine  kleine  Anhöhe,  dio  im  Nor- 
den und  im  Süden  vnn  zwei  an  seinem  Westabfall  sich  rer- 
einigenden  Bächen  umgeben  ist.  Die  Lager ungsverhältni sie 
der  Schiebten  sind  ziemlich  complicirt.  Es  sei  darüber  nur  so 
Tiel  bemerkt,  dass  das  Gnnze  einen  grossen  Sattel  mit  nesl- 
östHcher  Axe  darstellt,  dessen  SüdSügcl  aber  zam  grössten 
Theil  durch  das  auf  dieser  Seite  verlauTende  Tliülchen  zerstört 
ist.  An  diesen  Sattel  schliesst  sich  im  Norden  eine  steile 
Mulde  und,  wie  es  scheint,  noch  ein  iweiter  kleinerer  Sattel 
an.  Im  liegendsten  Theil  des  grossen  Sattels  erscheint  ein 
ziemlich   grosskörniger  Diabas,   in  welchem  am  Westende  de« 


Hagels   ein  grosserer  Steinbruch   angelegt  ist.     Ueber  die 


121 

•r-i  and  ganz  lokal  innerhalb  derselben  die  concretionenfah- 
r^oden  Gesteine.  Die  ungehärteten  Schiefer  waren  nicht  frisch 
;;cnog,  om  far  die  AnaJjse  tauglich  zu  erscheinen : 

Aoaljsirt  ¥rarden  foJgcnde   Gesteine: 

IV.  Sehr  hartes  hell  blaugraues,  hornsteinähnliches  Ge- 
•tein.   Yoiunige wicht  2,672. 

Y.  Sehr  hartes,  dunkelblaues,  jaspisähnliches  Gestein  mit 
*  töo  moschligem  Bruch.     Yolumgewicht  2,650. 

VI.  Ziemlich  hartes,  halbschiefriges,  graublaues  Gestein 
Sit  UDvoUkommen  muschligem  Bruch.     Yolumgewicht  2,675. 

VIL  Weniger  hartes,  dickschiefriges,  olivengrnnes  Gestein 
clt  splitterigem  bis  unebenem  Bruch.    Yolumgewicht  2,682. 

Vin.  Halbgehärtetes,  grobschiefriges ,  dunkelgrünes  Ge- 
«leio  mit  zahlreichen,  linsengrossen ,  dunklen  Concretionen. 
Volomgewicht  2,703. 

lY,  Y.  YL        YII.  YIII. 


a. 

b. 

\0' 

73,34 

75,02 

63,24 

61,58 

59,23 

59,34 

AlO' 

13,61 

14,48 

13,72 

13,67 

14,20 

14,23 

FrO' 

0,07 



4,05 

1,83 

3,11 

3,111 

FeO 

2,27 

1,75 

5.20 

7,10 

6,72 

6,73j 

llnO 

Spur 

Spar 

Spur 

Spur 

Spur 

Spur 

Caü 

0,26 

0,31 

0,56 

1,07 

0,84 

0,84 

MgO 

0,98 

0,87 

3,84 

4,16 

3,80 

3,81 

NVO 

6,37 

4,66 

5,80 

4,41 

5,52 

5,53 

K'O 

1,18 

3,31 

1,71 

1,99 

1,94 

1,94 

H'O 

0,84 

0,81 

2,68 

2,88 

4,46 

4,47 

FeS' 

0,63 

0,48 

— 

0,39 

— 



"rg.8b.  — 

Spar 

Spur 

vorh. 

vorh. 

vorh. 

9,53  FeO 


99,55  100,69  100,80    99,08   99,82  100,00. 


Wie  man  aus  obigen  Analysen  ersieht,  variirt  die  Zusam- 
i&^nsetzQDg  der  Contactgesteine  des  südlichen  Zuges  ausser- 
'T<ientlieh.  Die  Verschiedenheiten  treten  am  deutlichsten  im 
Kieselsänregehalt  hervor,  welcher  von  59  bis  75  Proc  steigt. 
^^»er  aach  in  den  übrigen  Bestandtheilen  geben  sie  sich  zu  er- 
^^noeo.  So  zeigen  sich  im  Gehalt  an  Eiseuoxjd-  und  oxydul 
ctk^anktingen   von   Ij  bis   fast  10  Proc. ;  in  den  alkalischen 


122 

ErdeD  voa  1  bis  4J,  im  Wassergehalt  »on  '  bis  4}  ProceuL 
Ziemlich  constant  bleibt  dagegen  die  Thonerde;  die  hier  vor- 
Icommenden  Differenzen  sind  niclit  viel  grösser ,  als  sie  bei 
derurtigcn  Bauscliaiialysen  überhaupt  stattzufinden  pflegen. 
Ziemlich  gleich  bleibt  sich  ausserdem  novh  -  der  AlkiiltgehalL 
Sehr  bemerkenswcrth  ist  bei  allen  diesen  Oeateineii  der  hoha 
Natrongehalt,  neben  sehr  wenig  Kali.  Während  dies  letztere 
nur  1|  bis  2  Proc.  beträgt,  steigt  jener  bis  über  7  Procent, 
Dem  hohen  Atkaligehalt  verdanken  die  Gesteine  ihre  Scbmels- 
barkeit,  dem  Natongehalt  speziell  den  Umstand,  dass  Splitter 
der  sauersten  der  Lothrohrllamnie  eine  intensiv  gelbe  Färbung 
erlheilen.  Wir  können  die  oben  analysirten  Gesteine  in  cwei 
Reihen  trennen: 

1)  eine  saure,  deren  Kiesel  Säuregehalt  über  70  Proc. 
beträgt, 

2)  eine  mehr  basige,  deren  Kieselsäuregcbalt  weit  nie- 
driger ist,  in  ubigen  Analysen  um  60  Pruc.  henim  scbwankt. 

Die    saure  Reibe    ist  ausserdem    durch   die  geringe  Menge 

Oxyde  zweiwerthiger  Metalle  (RO)  and  Wasser,  die  basische 
durch  die  weit  grossere  Menge  derselben  Stoffe  au sgeie lehnet. 
Der  Alkatigehalt  ist  bei  den  sauren  Gesteinen  durchschnittlich 
fast  1   Proc.  höher  als  bei  den  basischen. 

Die  Zusammensetzung  der  sauren  Gesteine,  tn 
denen  Nr.  I,  IT,  IV  und  V  geboren,  kommt  der  Mischung  vie- 
ler Quarzporphyre  und  Traehyte  sehr  nahe.     Liesse  man    deo 


123 

Ur  Grandmasse  ansgeschiedene  Qaarzkoraer  dagegen  habe 
-;h  in  den  sanreo  Gesteinen  niemals  beobachtet.  Die  Zusam- 
nf^nsetzoDg  aiia  Albit  und  Quarz  wird  daher  wesentlich  nnr 
jcrch  die  chemische  Zusammensetzung  erwiesen.  Berechnet 
m^n  in  obigen  Gesteinen  die  Alkalien  und  Thonerde  auf  Al- 
tit,  so  bleibt  ein  ansehnlicher  Ueberschuss  von  Kieselsäure, 
Ü€r,  wie  das  Yolnmgewicht  der  sauren  Gesteine  zu  beweisen 
Kbetnt,  wohl  nur  als  Quarz  Yorhanden  sein  kann.  Berechnet 
nän  z.  B.  in  No.  IV.  die  Gesammtroenge  Alkali  nach  der 
Fonaei  Na^  AI  8i»  O"^  auf  Albit,  so  erhält  man: 

:>.303  Sa  +  6,295  AI  +  19,367  Si  -j-  29,512  O  =  60,477  Albit.*) 

Der  Real  besteht  aus  Kieselsäure  und  nicht  ganz  2  pCt.  Thon- 
erde und  gegen  4^  pCt.  zwelwerthiger  Afetall-Ozjde  und  Was- 
<?r.  welche  mit  einem  kleinen  Theile  der  Kieselsäure  zu  einem 
•^sonderen,  dem  Gestein  in  geringer  Quantität  beigemengten 
Nükate  verbunden  sind.  Kleine  Mengen  dieses  Silikats  sind 
ir,  allen  sauren  Contactgesteinen  vorhanden.  Da  es  in  Säuren 
i'">3lich  ist,  so  hängt  von  dem  Grade  seiner  Beimengung  der 
Grad  der  Loslichkeit  der  Gesteine  ab.  So  lösen  sich  von 
No.  V.  3,48,  von  No.  II.  5,07  pCt.,  wenn  man  das  Gesteins- 
^olver  4  Stunden  lang  mit  warmer  verdünnter  Salzsäure  be- 
Liodelt.  In  heisser  Salzsäure  zersetzt  sich  das  Silikat  in  we- 
cigen  Stunden ,  in  kalter  in  einigen  Tagen.  Ist  die  ganze 
Menge  desselben  zersetzt,  so  lassen  sich  selbst  durch  anhaltende 
Digestion  mit  Salzsäure  nur  noch  Spuren  von  Kieselsäure, 
Tboaerde  und  Alkalien  aus  dem  Gesteiuspulver  estrahiren. 
Die  Salzsäure  Lösung  des  Silikats  hat  eine  gelbe  Farbe  und 
tr-itbält  in  allen  Fällen  hauptsächlich  Eisenoxjdul  und  Thon- 
erde. etwas  Magnesia  und  Spuren  Kalkerde.  Es  ist  somit  ein 
inuDerdehaltiges  Eisenoxjdul  -  Magnesia  -  Silikat.  Die  That- 
fache,  dass  mit  Zunahme  der  Löslichkeit  der  Gesteine  der 
Kieselsäuregehalt  derselben  rasch  abnimmt,  dagegen  eine  Zu- 
iiahme  des  Eisenoxyduls,   der  Magnesia  und  des  chemisch  ge- 


Albitkryftall«    in  Höblnngen    in  einem  No.  IV.    ähnlichen  GeBteine    ge- 
'i^en. 

**)  Wenn  in  No.  I.  die  Menge  der  Thonerde  nicht  ausreicht,  um 
3i:t  der  Gesammtmenge  der  Alkalien  Feldspath  bilden  za  können,  so  ist 
iti  ein  gana  vereinzelter  Fall,  der  gewiss  nur  einem  Fehler  der  Analyse 
uzBiefardbeQ  ist. 


124 

bondenen  Wassers  erfolgt,  zeigt,  dass  das  lösliche  Silikat  ein 
basisches,  und  dass  es  ein  Hydro-Silikat  ist. 

Zu  den  Oestoinen  der  liasischen  Reibe  gehören 
No.  VI.,  VII.,  VIII.  Der  hohe  Nntrougebnlt  verleiht  auch 
diesen  Gesleinen  einen  eigenen  Typus.  Die  bedeutendeu  Mea- 
g,en  des  Eisens  in  beiden  Oxydatinnsslufen,  besonders  .als  Oxy- 
dul, der  Magnesia  und  des  Wassers  lassen  sogleich  auf  die 
wichtige  Holle  schliessen,  welelie  dasselbe  basische  Silikat,  das 
wir  eben  in  den  sauren  (.jesteincn  kennen  lernten,  in  den  (jestei- 
nen  dieser  Reihe  spielt.  Seine  starke  Beimengung  drückt  den 
Kiesel  säuregeh  alt  derselben  herab  nnd  bedingt  die  viel  grösser« 
Löslichkeil.  So  lösen  sich  von  No.  VI.  wiederum  bei  vier- 
stündiger Digestion  mit  verdünnter  Salzsäure  26,76,  von  Xo. 
VII.  27,02,  von  No.  Vlll.  31,77  pCt.  Die  Salzsäuren  Lö- 
sungen sind  tief  gelbroth  gefärbt  und  enthalten  dieselben  Stoffe, 
welche  im  gleichen  Falle  die  salzsauren  Auszüge  der  sauren 
Gesteine  enthielten.  Behandelt  man  ganze  Gesteinsstücke  mit 
Salisäare,  so  werden  dieselben  Bestandlseile  extrahirt,  nnd 
die  angewandten  Stücke  oberBädilich  ausgebleicht.  Das 
Gestein  erscheint  in  diesem  Zustande  durchaus  nicht  mehr  so 
homogen  wie  vorher ,  sondern  löst  sich  schon  bei  massiger 
Vergrösserung  in  ein  sebr  inniges,  filzarlig  aussehendes  Aggre- 
gat hellfarbigen  Feldspaths  auf,  in  welchem  man  hin  und  wie- 
der sehr   kleine    silberglänzende  Glimmerblätlchen  wabrnlmmt.. 

Bebandelt  man  Stücke  des  Gesteins  No  VIII.  mit  Salz- 
säure, 80  treten  in  der  gebleichten  Orundmusse  die  concretions- 


125 

VIII.  4  Stunden  lang  bei  100°  C.  mit  verdännter  Salzsäure 
.ebaodeh.  Nachdem  der  bei  dem  Ungelösten  zurückgebliebene 
gr<>d«te  Tbeil  der  Kieselsaure  des  zersetzten  Silikats  von  jenem 
•aiicelst  verdantiter  Natronlauge  getrennt  worden,  betrug  der 
.n^'elöste  Huckstand  68,23  pCt.  des  Gesammtgewichts.  Mit* 
biB  hatten  sich  gelöst  31,77  pCt.  No.  VIII.  1)  giebt  die  Zu- 
^Afflraensetznng  des  durch  Salzsäure  gelosten  Theils;  a.  die 
gefundene ,  b.  die  auf  100  berechnete.  No.  VIII.  2)  stellt 
..-i  nicht  mittelst  Analyse,  sondern  durch  Rechnung  (Sub- 
:raction  Ton  1)  von  der  auf  100,0  berechneten  Bauschanalyse, 
S.  122)  gefundene  Zusammensetzung  des  in  Salzsäure  unlös- 
lichen Theils,  auf  100,0  berechnet. 


No. 

VIII. 

1. 

""        ""^ 

1. 

ft. 

b. 

SiO' 

30,15 

30,91 

72,44 

AlO' 

15,48 

15,87 

13,55 

FeO' 



FeO 

29,74 

30,49 

0,12 

CaO 

2,01 

2,06 

0,29 

MgO 

6,10 

6,25 

2,72 

N»*  O 

— 

— 

8,05 

K'  0 

— 

2,83 

H'  0 

14,07 

14,42 

— 

97,55       100,00  100,00 

No.  VIII.  1)  Da  hier  in  Wirklichkeit  nur  83,48  pCt. 
gefonden  wurden,  so  wurde  die  gesammte  Wassermenge  der 
Bauscbanalyse  (4,47  pCt)  als  zu  1)  gehörig  angenommen.  Der 
trotzdem  noch  bleibende  Verlust  der  Analyse  rührt  jedenfalls 
b&uptsäcblich  daher,  dass  alles  Bisen  auf  Oxydul  berechnet 
warde,  während  doch  ein  ansehnlicher  Theil  desselben  als 
Oxjd  im  loslichen  Silikate  vorhanden  ist. 

Die  Zusammensetzung  der  Analyse  lässt  keinen  Zweifel, 
da«B  das  dnnkelgriine,  lösliche  Silikat  ein  chloritisches  Mineral 
sei.  Die  LösHchkeit  desselben  in  Salzsäure  kann  nicht  bin- 
dern, es  als  solches  zu  betrachten.  Chlorit  wird  zwar  für  sich 
TOD  Salzsäure    kaum    angegriffen    und    erst  durch    anhaltende 


126 

Digestion   mit  Scbwefelsäare  zersetzt.     Aber  in  so  feiaer  Ver- 

tbeiinug  wie  in  unseren  Co ntnctge steinen  nnd  in  vielen  Tbou 

schiefern*)    pflegt    er  in    Salzsäare   Jeicht    zersetibsr  zu   sein 

Sehen  wir  nnn ,    ob  die  Zuaammensetznng  des  grünen  Silikat* 

n  bestimmten  Minerale  der  Cblontgrnppe  entspricht.     Wii 

;hnen   zu    diesem  Zwecke  aaa  den  Daten  der  Analyse  dii 

i;en  der  Metalle  und  dividiren  durch  die  betreffenden  Atom 

chte.     Auf  diese  Weise  ergeben  sich : 

14,43  14,43  Si  0,5)5  Si 

&,504  8,504  AI         0,155  AI 

1,47  =  2,058  Fe    \  34,52  Fe  0,616  R  .     n 

3,75  =  8,75  Fe      f  [    1.419  K 

1,606  1,606  H         1,606  H  ' 

Dem  Pennin  kommen  nach  Ramhslbbbbg  folgende  Atomen- 

iltoisse  cn: 

AI;  Si:k(R  +  H)  =  1:3:9. 
man    diesem    Zahlenverbättnisse    als    Einheit    0,155     zl 
de,  so  erhält  man: 

AI  ;  Si  :  R  -^  0,155  :  0,465  :  1,395. 
öden  wurde  in  nnserem  Falle: 

0,155:0,515:1,419. 
Ueberein Stimmung  ist    eine    so  nahe,  als  man    bei    «iner 
alanalyse  nnr  erwarten  darf.     Wir  glanbeo  ans  daher  be- 
igt,    das    den  basischen  Gesteinen  beigemengte 
le  Mineral  als  ein  der  Chloritgruppe  angehe 
und  speciell  im  untersuchten  Falle  dem  Pennin    in 
EnssmmensetzDng  nahekommendes  anzusprechen.  I 

No.  VIII.  2)  zeigt  eine  aufTallende  Aehnlichkeit  mit  derl 
mroensetzung  der  sauren  Co ntactg esteine  and  muss  daher 
jene  ein  wesentlich  aus  Albit  und  Quarz  bestebeodes  Ge- 

)  Dau  die  den  Tbouacbicrern  hlnfig  beigemcDgte  Chlarilaubst«ni| 
Cl  löilich  iit,  beweiaen  die  Unterinchaagen  von  Fnicz  über  Schie'l 
in  Oo»Ut  nnd  Coblent,  sowie  von  Sjiiivagr  über  aolcbe  kdi  den! 
nen,  die  bi»  33  pCl.  Cblurit  entbielion  (Aon.  de«  inineB,   4.  S.  VII' i 


127 

Dieiige  darstellen.  Aasserdem  inass  aber  noch  ein  wenig  Glim- 
mer, wahracheinlich  Kali-Mfigoesia-Glimmer,  der  im  gebleichten 
Gestein  deutlich  hervortrat,  vorbanden  sein.  Berechnet  man 
CM  Natron  aof  Albit,  so  erhält  man  68  pCt.  Es  bleibt  dann 
Lnr  sehr  wenig  Thonerde  übrig ;  bei  Weitem  nicht  aosreicbend, 
im  sich  mit  dem  Kali  zu  Kalifeldspath,  geschweige  denn  Glim- 
ner  Terbinden  xo  können.  Ausserdem  sind  von  Metalloxyden 
loch  ca.  3  pCt.  Magnesia,  Kalkerde  und  Eisenoxydul  vor- 
Unden.  Ist  die  Analyse  No.  VIII.  1)  und  die  BauschanaJyse 
No.  YlII.  richtig,  so  müssen  in  dem  unlöslichen  Rückstande 
Süsser  Albit,  Quarz  und  Glimmer  noch  kleine  Mengen  ande- 
ifT  in  H  Cl  unlöslicher  Silikate  vorhanden  sein.  Die  Analogie 
!£it  weiter  unten  eo  besprechenden  Gesteinen  des  nördlichen 
Zdges  lässt  auf  augitische  (oder  Hornblende-)  Silikate  schliessen 
(vieiieiebt  auch  Grüncrdc?).  Doch  bietet  die  Analyse  für  be- 
rüfflotere  Yermothungen  keinen  Anhalt  Soviel  kann  man 
jedoch  als  erwiesen  betrachten,  dass  das  Gestein  No.  VIII. 
im  GanTzen  zusammengesetzt  ist  aus  ca.  32  pCt. 
CLIorit,  46  Albit,  22  Quarz  mit  geringen  Mengen  Glim- 
Qi«r  Qod  vielleicht  anderer  Silikate. 

Es  braucht  kaum  bemerkt  zu  werden,  dass  die  in  ihren 
Baoftchaoalysen  No.  VIII.  sehr  ähnlichen  Gesteine  No.  VI. 
Jud  VII.  jedenfalls  eine  aehr  ähnliche  mineralische  Zusam- 
cieDBetzuDg  besitzen,  nur  dass  der  Chlorit  bei  ihnen  etwas 
wrücktritt. 

B.    Contactgeste  ine  d  es  nördlichen  Zuges. 

Waren  schon  die  Contactgesteine  des  südlichen  Zuges 
«tnig  bekannt,  so  gilt  dies  in  noch  höherem  Grade  von  denen 
^'«  oordlicben  Zuges.  Lasius  (1.  c.  121)  scheint  einen  Theil 
^irser  Gesteine,  zugleich  aber  auch  Granit-  und  zwar  Grau- 
^ickeo-Hornfelse  als  Trapp  zu  bezeichnen.  Zinckbn  ,  wo  er 
rAQDe  and  graue  Hornfelse  im  Contact  mit  Diabas  erwähnt, 
<f'd  wabrschcinlieh  auch,  wo  er  von  fei  n  seh  üppigen ,  dunkel- 
gninen  Schiefergesteinen  und  deren  Uebergang  in  körnigen 
^'j^baa  spricht  (Karst.  Arch.  V.  353)  meint  gewiss  hierher 
etbörige,  krystallinisch  werdende  Gesteine. 

Die  an  der  Heinriehsbnrg  auftretenden  felsitischen  und 
^^Bcbieferartigen   Gesteine  in  Begleitung    des   dortigen  Dia- 


128 

bues  hatte,  wie  in  der  Einleitung  erwähnt,  ZmCKm  bereit! 
mit  Bestimmtbeit  als  Contactgebilde  des  letzteren  erkannt  and 
als  DeBmosite  und  Spiloaite  beschrieben  (ÖBtI.  Harz  61).  B« 
Hausuakh  linden  wir  keinen  wesentlichen  Forlacbritt,  wie  iu 
der  Kenntniss  der  D  iabaa  -  Co  ntnc  Ige  steine  aberhanpl,  so  zumal 
der'  hier  auftretenden.  Von  Veränderungen  der  Btratificirten 
Gesteine  durch  die  Orünsteine  ist  zwar  vielfach  die  Kede,  — 
Veränderungen,  die  bald  in  einer  Härtung  der  ersleren,  bald 
in  «iner  Verschmelzung  mit  dem  Eruptivgeslein  bestehen  sullea; 
aber  nirgends  finden  wir  eine  bestimmtere  Charaktarislik  der- 
selben, noch  weniger  den  Versuch  einer  Trennung  der  Ge> 
steine,  wie  wir  sie  in  den  späteren  Arbeiten  ZiircKBti's  bereiti 
erkennen,  wenn  dieser  einmal  von  kieselschieferartigen  und 
Felsit- Gesteinen,  ein  andermal  von  hurn  fei  sahn  liehen  Oesteineo 
und  FleckBL'hiefern  spricht.  Eine  solche  Trennung  ist  abei 
auch  nicht  tu  erwarten,  da  die  Vorbedingung  für  dieselbe,  ein« 
präcise  Fassung  des  Begriffs  Contactgesteine ,  nirgends  erfülll 
erscheint.  Daher  kommt  es  denn  auch,  dass  p.  71  der  „Bil- 
dnng  des  Harzes*'  die  mit  den  Diabasmandelsteinen  verbünde, 
nen  Schalsteinschiefer,  die  in  Begleitung  der  diiblen  Diabast 
auftretenden  grünen  Schiefer,  die  Fleckschiefer  der  Huinrichs- 
burg  und  noch  Anderes  mehr  als  in  eine  Kiitegorie  gehörig 
zusammengestellt  wird.  Dass  bei  einem  so  ausgedehnten  Ge- 
brauche des  Begriffs  der  „durch  das  Eindringen  der  Fyroxenge- 
steine  veränderten  stratificirlen  üebirgsarten''  ott  von  Verschmel- 


129 


\iiL  meist  gänzlich  aus  mehr  oder  minder  verändertem  Gestein 
•stehend,  UnYeranderte,  d.  b.  weiche,  scbiefrige,  dnnkelblaae 
Ihooscbiefer  sind  in  allen  Fallen  selten.  Mit  der  grosseren 
Mkhtigkeit  der  Coutactzone  hängt  eine  allmäligere  Entwicke- 
luug  der  Metamorphose  zusammen.  Während  im  Süden  sehr 
vräodertes  and  kaum  verändertes  Gestein  oftmals  wenig  ver- 
-Liitelt  erscheinen,  pflegen  sich  hier  zahlreiche  Uebergangsstafen 
2«i$cheB  beiden  zu  finden,  ja  die  Mittelglieder  der  Umwand- 
jug  spielen  weitaus    die    bedeutendste   Rolle.    Die   Metamor- 

b:>se  beginnt  hier  wie  im  Süden  sehr  oft  mit  dem  Auftreten 
erbleichter  und  fein  gefältelter  Schiefer.  Gegen  den  Diabas 
iiin  werden  dieselben  allmälig  härter  und  bekommen  einen 
jrJoen  Ton;  es  folgen  Gesteine  von  dickschieferiger  Structur 
iod  massiger  Härte,  zuweilen  eine  plattige  Absonderung  nach 
:tr  Schichtfläche  zeigend^  Solche  Gesteine  machen  die  Haupt- 
masse der  hier    auftretenden  Contactgebilde  aus.     Sie  nehmen 

^deutende  Räume  ein  und  pflegen  erst  in  nächster  Nähe  des 
Diabases  härteren  und  mehr  massigen  Gesteinen  Platz  zu 
jiacbeo.  Die  Anordnung  der  Contactgesteine  vom  Diabase  aus 
^geD  das  unveränderte  Gestein  ist  also  ganz  dieselbe  wie  im 
Viden  der  Axe.  Aber  während  dieselbe  dort  als  ein  ganz  be- 
vimmtes  Gesetz  ausgebildet  ist,  kann  man  hier  nur  von  einer 
ihniichea  allgemeinen  Regel  sprechen,  die  im  Einzelnen  manche 
\3soafame  erfährt.  Die  Fälle  sind  nicht  selten,  wo  innerhalb 
^enig  veränderter  Gesteine  plötzlich  wieder  sehr  veränderte 
''esteine  erscheinen.  Ja,  die  allerhärtesten  und  sauersten,  gleich 
'ti  cbarakterisirenden,  flintähnlichen  Gesteine  kenne  ich  über- 
iiaiipl  nor  als  ganz  schmale  Bänder  innerhalb  viel  weniger 
jebärteter  Schichten.     Mit  dieser  Thatsache    hängt  die   schon 

''^0  betoote  grössere  Selbstständigkeit  der  Contactgesteine  im 
Norden  zusammen,  die  sich  darin  zeigt,  dass  in  weiterer  £nt- 
^ernQDg   vom   Diabase    und   durch    unverändertes  Gestein  von 

i^rmselben  getrennt,  zuweilen  wieder  charakteristische  Con- 
:&ctgesteine  erscheinen.  Solche  Fälle  stellen  übrigens  nur 
'^^Qe  weitere  Potenzirung  des  oben  angeführten  Verhaltens  dar, 

i^iten  also  nichts  wesentlich  Neues. 

Die     petrographische     Man  nichfaltigkeit     der 
C'^'Otactgesteine   des  nördlichen  Zuges  ist  ausser- 

^dentlich  gross,   namentlich  bei  den  halbschieferigen  Ge- 

ZtiU.d.D.ge»I.G6s.  XXII.  1.  9 


134 

nen  Gesteine  durchaos  ähnliches  Oeföge.  Sie  pflegl  eine  bläu' 
lieh-  bis  grünlichivciBse  Farbe  eu  besitzen,  welche  jedoch  nicht 
dein  FeldspHtb,  sondern  der  talkigen,  denselben  übeMiehenden 
GlimmcrflABer  zukommt.  Die  Concretiuncn  stellen  sieb  als 
innig  mit  der  Grundmasse  Terwacbsenp,  aus  einer  grgnticfa- 
seliworzcn,  feinschuppigen,  matlschimmernden  Ghlorilsubstans 
bestehende  Kügelchen  dar.  Dasa  der  Chlorit  jedoch  nur  die 
uussere  Hülle  eines  aus  Peldspeih  heslebeiiden  Kernes  bildet, 
wurde  schon  erwähnt.  In  Fällen,  wo  die  Concretionen  beson- 
ders gross  und  deutlich  entwickelt  sind,  nimmt  man  zuweilen 
eine  conceniHsch-scfaalige ,  au  die  corsischen  Napolf'onite  er- 
erinnerndi!  Structur  wahr.  Ein  centraler  Feldapatbkern  wird 
von  mehreren  von  einander  scharf  getrennten  concentrischen 
Chlorit-  und  Feldspath schalen  umgeben.  Die  gegenseitige  Ent- 
fernung und  Grösse  der  Concretionen  ist  sehr  verschieden. 
Meist  sind  sie  hirsekorngross ,  ich  kenne  ete  aber  auch  bis 
fast  von  Erbsengrösse.  Je  grösser  die  Anzahl  der  Concretio- 
nen,  und  je  kleiner  diese  sind,  desto  dunkeler  erscheint  die 
Gestein afsrbe.  Abänderungen,  In  denen  Grandmasse  und  Con* 
cretionen  sich  ziemlich  das  Gleichgewicht  balten,  nannte  Zikckbn 
Spilosilo.  No.  XVIII.  XXI.  Als  Desmosilc  beschrieb  er  die 
bänlig  vorkommenden,  durch  den  Wechsel  hellerer  felsitiscber 
und  dunkeler  chloritischer  Lagen  (vielleicht  auch  durch  Horn- 
blende gefärbter)  entstehenden  Abiinderungen.  Analyse  XX.*) 
Hier    fügt    man   endlich    am    passendsten  die  Gesteine  an, 


135 

riemlich  rerbr^itet.  Sie  bilden  den  Uebergang  aas  den  scbie* 
ferigen  Contactgesteinen  in  die  gewohnlichen  Thonschiefer,  von 
jeaen  lie  sich  haoptsächlich  nur  durch  ihren  hohen  GehaJt  an 
Chluritsubstans  unterscheiden.  Die  Loslichkeit  dieser  Gesteine 
in  Sioreo  ist  die  grösste  unter  allen  Contactgesteinen;  ebenso 
<j.i.^  Volamgewicht.     Analyse  No.  XIV. 

Das  Material  za  nachstehenden  Analysen  lieferten  die  Ge- 
^joden  nordlich  Hasselfelde,  an  der  Lupbode  und  die  Hein- 
riohsburg  bei  Mägdesprung.  Wir  müssen  jedoch  bemerken, 
it^is  die  Reihenfolge,  in  der  die  Analysen  der  Gesteine  der 
verschiedenen  Localitäten  aufgeführt  sind^  hier  nicht  mehr  dem 
au  ein  und  demselben  Diabaslager  zu  beobachtenden  Fort- 
schreiten der  Metamorphose  vom  Diabas  nach  dem  unver- 
äüderteo  Gestein  hin  entspricht.  Die  Metamorphose  ist  — 
vie  oben  aasgeführt  —  im  Norden  der  Axe  in  den  seltensten 
Fällen  so  normal  entwickelt  und  die  Contactzone  zu  mächtig, 
als  dass  ea  möglich  erschienen  wäre,  mit  der  geringen  Zahl 
TOD  Analysen ,  die  jedesmal  nur  ausgeführt  werden  konnten, 
die  gesetzmässige  Entwickelung  der  Metamorphose  in  ihren 
eiozeloen  Phasen  zu  verfolgen.  Weit  wichtiger  schien  es,  die 
Haapttypen  in  der  grossen  Mannichfaltigkeit  der  hier  auftre- 
tenden Gesteine  kennen  zu  lernen.  Diese  mochten  aber  kaum 
:rgeQdwo  alle  zugleich  an  ein  und  demselben  Diabaslager 
auftreten.  Die  Gesteine  sind  vielmehr  im  Folgenden  nach  dem 
C'rade  ihrer  Härte  geordnet,  dem  die  Hohe  des  Kieselsäure- 
gfbaites  ungefähr  parallel  geht,  eine  Anordnung,  die  nach  dem 
obeo  über*  das  allgemeine  Vorkommen  der  Contactgesteine  Mit- 
getbeilten  als  die  durchaus  natürliche  erscheint. 

1.    Coiitactgefteine  vom  Mittelkopf,  Domkopf  und  Qitzhfigel  bei 

Hasselfelde. 

Der  Mittelkopf  und  Dornkopf  liegen  im  N  N  O  von  Has- 
setfelde,  in  einem  .südlichen  Nebenthaie  der  Rapbode.  In 
'iiesecD  Thale,  welches  den  grossen  Diabaszug  fast  unter  rech- 
tem Winkel  schneidet,  steigt  die  neue  Rübeländer  Chaussee  vom 
Hasselfelder  Plateau  zur  Rapbode  hinab  und  entblösst  am  rechten 
Tbalgehänge  an  den  genannten  Bergen  Diabase  und  Contact- 
gesteine in  guten  Profilen.  Der  Gitzhügcl  liegt  eine  kleine 
Stande  weiter  westlich,  an  der  Vereinigung  von  Hassel  und 
Kapbode.      Die    petrographische  Ausbildung   der  Diabase    ist 


136 

Überaas  mannicbfnltig.  Mittelkörnige  Gesteine  herrschen  iwar 
vor,  aber  auch  dichte,  porpbyrartige,  niai)deleleinälinlicbe  und 
flasrige  Abänderungen,  letztere  nanientlich  au  den  Rändern 
grösserer  Diabasiager,  kominen  daneben  vielTach  vnr.  Ebenso 
grosa  iet  die  Mannicbfalcigkcit  der  Contactgcsteine.  Wir  treffen 
sümiiitlichc  Ilauptlypen,  zum  Tbeil  in  IrcfFlicIier  Entwickelung. 
Das  gilt  namentlich  vnn  den  fliutartigen  Ciintactgesteineu,  die 
besonders  am  Gilzbügel  in  ausserordentlicher  Reinheit  nnf- 
treten.  Weniger  schön  sind  die  äecksibiercrarligen  GesteiDe 
ausgebildet,  die  dorcb  dick  schieferige,  nur  undeutliche  Conere- 
tionen  enthaltende  Gesteine  vertreten  werden.  Von  den  vier 
analfsirten  Gesteinen  vom  Mitlelkopf  gehören  die  drei  letzten 
einer  Contacttone  an.  XIl.  und  XIII.  liegen  nalie  neben  ein- 
ander, nur  wenige  Fuss  vom  Diabas  entfernt,  XIV.  dagegen 
etwa  60  Fuss  von  den  beiden  vorigen.  Der  anveränderte 
Schiefer  XI.  stammt  vom  Nurdwestabhange  des  Berges,  wo 
ich  ihn  leidlich  Triscb  und  von  der  Metamorphose  liemli'h  un- 
berührt fand.     Analyairt  wurden  folgende  Gesteine: 

IX.  Aeusserst  hartes,  dicbtea,  wcissliches,  flintähn liebes 
Gestein  mit  tiacbmuscbeligcm  Bru<  b.  Volumgewicht  2|()37. 
Gilzbügel. 

X.  Sehr  hartes,  dichtes,  aschgraues,  hüllefiintarti^'es  Ge- 
stein (Fetsitschiufer)  mit  unrcillkommeii  scbielcriger  Struclur. 
Volumgewicht  2,674.     Dornbnpf. 

XI.  Unveränderter,  dunkelblauer  TbonBchiofer;  feingefäl- 


137 


IX. 

X. 

XI. 

XIl. 

XIII. 

XIV. 

SiO' 

76,30 

74,33 

67,53 

61,82 

61,55 

63,70 

AlO' 

14,68 

13,20 

10,42 

16,46 

13,98 

15,43 

FeO' 

— 

2,79 

0,33 

4,55 

7,14 

FeO 

Spnr 

1,83 

4,55 

5,22 

4,33 

6,86 

MdO 

Spur 

Spur 

0,12 

Spur 

Spar 

C»0 

0,18 

0,39 

1,51 

1,82 

1,70 

1,72 

MgO 

0,02 

2,19 

3,30 

4,90 

3,63 

5,48 

NVO 

7,77 

5,70 

3,37 

4,81 

5,60 

2,00 

K'O 

0,53 

1,27 

3,64 

3,51 

1,04 

2,07 

H'O 

0,48 

1,16 

2,81 

1,90 

3,47 

5,06 

Org.  Subst. 

99,96 

100,07 

vorh. 
99,92 



vorh. 
99,85 

vorh. 

100,89 

99,46. 

b.     Contactgesteine  von  der  Lnpbode. 

Die  Localitat  liegt  zwischeo  Allrode  und  Treseburg,  einige 
Miaoteo  oberhalb  der  Einmündung  des  Rabentbals,  am  linken 
Tbalgebänge  der  Lopbode,  aber  der  Fabrstrasse.  Hier  sind 
oie  Fleckschiefer  besonders  schön  entwickelt.  XV.  und  XVI. 
gehureo  einem  Diabaslager  an,  ebenso  XVII.  und  XVIII. 


XY.  Ziemlich  hartes  dunkelblaues ,  jaspisähnliches  Ge- 
stein mit  halbmuscheligem  Bruch.     Yoinmgewicht  2,704. 

XYI.  Massig  hartes,  grünlichgraues,  sich  dnnnplattig  ab- 
inderodes  Gestein.  Auf  der  Schichtfläche  viele  kleine,  weisse 
^iiiiDmerblättchen.     Volumgewicbt  2,749^ 

XVII.  Halbhartes,  feinkorniges,  graues  Gestein  mit  un- 
vollkommener Schieferung.     Volumgewicht  2,728. 

XVIII.  Fleckschiefer  von  grünlichgrauer  Farbe,  mit 
deutiicb  schieferig  flasriger  Textur  und  vielen  hirsekorngrossen 
dankelen  G>ncretionen.     Volumgewicht  2,746. 


SlO' 

60,48 

56,16 

54,34 

55,56 

56,421 

AlO" 

17,04 

18,61 

18,56 

18,15 

18,106 

SoO' 

1,46 

2,58 

4,82 

5,08 

5,067 

FeO 

3,60 

7,01 

5,32 

7,04 

7,022 

HnO 

0,91 

Spar 

0,35 

0,51 

0,509 

C«0 

5,00 

0,31 

1,12 

1,40 

1,397 

MgO 

3,13 

4,47 

3,02 

8,17 

3,162 

N.>  0 

6,38 

7,64 

7,48 

4,20 

4,189 

K'  0 

1,09 

0,46 

1,78 

2,25 

2.244 

H'  0 

1,45 

8,60 

3,01 

2,79 

2,783 

Cü' 

— 

— 

— 

0,10 

0,100 

Org.  Subst.     Spur  Spur  Spar  Spur  Spar 

100,54      100,84        99,80      1ÖÖ,25      lÖO,ÖÖÖ 

c,  ContacIgaatciDC  der  Hcinrichibarg  bei  Migdespnmg, 
Die  Heinrichsburg  liegt  gleich  nördlich  von  Mägdesprung 
in  einem  Nebenihfilchen  der  Solke.  Die  die  Burgruinen  tra- 
genden Felaen  gehören  einem  ansehnlichen  slncicf firm  igen  Dia- 
baelager  an.  Besonders  an  der  Nord  Westseite,  d.  Ii.  im  Liegen- 
den  des  Lagers,  obwohl  sie  auch  im  Hangenden  vorkommen^ 
fichlieesen  sich  ausgezeichnet  entwickelte  Contactge steine  au 
dasselbe    an.      Der    CnnractAäche    zunächst    treten    graue    bis 


139 

XXI.  Fleckscbiefer,  von  weisslicber  Farbe,  mit  dentlioh 
•iniaseriger  Textur  der  Groodmasse  ood  fast  linsengrossen 
^'«•neretioneo.      Volamgewicht  2,778. 


XIX. 

XX. 

XXI. 

SiO' 

72,63 

55,06 

54,02 

▲lO' 

15,81 

19,75 

21,22 

FeO' 

— 

1,83 

2,51 

FeO 

0,74 

7,55 

6,48 

MnO 

— 

1,74 

CaO 

1,02 

3,59 

1,64 

MgO 

1,21 

2,21 

3,01 

Na'O 

8,33 

7,51 

3,36 

K'O 

0,75 

0,84 

3,71 

H'  0 

0,61 

1,83 

1,97 

Org.  Snbst. 



Spar 
100,17 

Torb. 

101,10 

99,46. 

Obige  Analysen  beweisen,  dass  die  Zusammensetzang 
i'-r  Contactgeeteine  des  nordlicben  Zages  innerbalb  noch  wei- 
'^rer  ««renzen  schwankt,  als  dies  schon  bei  den  Gesteine.n  des 
"lülichen  Zuges  der  Fall  war.  So  variirt  der  Kieselsäarege- 
>'t  von  53  bis  76  pCt. ,  der  an  Eisenoxyd  und  Oxydol  von 
'.^  t>is  14,  an  alkalischen  Erden  von  einigen  Zehntel  bis  8,  der 
Wrig^ergehalt  von  j  bis  5  pCt.  Auch  die  Tbonerde  zeigt  hier 
jri^sere  Scbwankangen ,  zwischen  13  und  21  pCt.  Im  Ver- 
^•dcb  mit  den  Contactgesteineil  des  sadlichen  Zuges  ergeben 
;ich  also  hier  fast  fSr  jeden  Bestandtheil  um  die  Hälfte  gros- 
3^e  Differenzen.  Diese  grosseren  Schwankungen  thun  jedoch 
•i-T  cbemischeD  Aehnlichkeit  der  Gesteine  beider  Zage  keinen 
i^iotrag. 

Auch  die  Gesteine  des  nördlichen  Zuges  zeichneu  sich 
hrzU  ihren  hohen  Natrongehalt  aus,  der  in  No.  XIX  sogar 
'^^  8  Proc.  steigt.  Dem  gegenüber  tritt  das  Kali  ganz  zu- 
^'^'^'  Nor  in  den  allerbasiscbsten  Gesteinen,  deren  Alkali- 
cebait  Oberhaupt  niedriger  ist,  übertrifft  das  Kali  das  Natron 
^ia  wenig.  Die  bei  den  Gesteinen  des  sadlichen  Zuges  durch- 
g-tübrte  Trennung  in  eine   saure  und  eine  basische 


140 

Reihe  erweist  sich  auch  hier  durch  f  üb  rbftr.  Zd 
der  saures  gehören  die  Gesteine  mit  über  70  pCt.  KieseUäore,  m 
deo  basischen  diejenigen  mit  viel  niedrigerem  KieselsöaregebtilL 
Bei  d<:ii  Gesteinen  des  südliuben  Zuges  schwankte  derselbe  am 
60  Froc.  herum,  hier  beträgt  er  durchschnittlich  noch  weniger, 
im  Minimum  53j-  pCt.  Und  zwar  sind  gerade  Gesteine  mit 
einem  Kieselsäuregehalt  vnn  ca.  56  pCt.  so  vorwaltend  zurAaa- 
bildung  gelangt,  dass  die  Bezeichnung  der  zweiten  Reihe  der 
ersten  gegenüber  als  basische  durchaus  gerechtfertigt  erscheint 
Zwischen  beiden  Gesteins  reihen  bleibt  eine  aulTallend  grnaaa 
Lücke,  die  dunh  Mittelglieder  bis  jetzt  nicht  ausgefüllt  ist. 
Denn  in  der  saurett  Reibe  betragt  dns  Minimum  des  Kieselsnare* 
gehalts  71^,  in  der  basischen  das  Maximum  tiesselben  63  pCt 
Die  Eigen thümlichkeiteu  beider  Reihen,  wie  wir  sie  oben  keo- 
neu  lernten,  kehren  auch  hier  und  zwar  in  noch  deutlicherer 
Ausprägung  wieder.  So  treten  besonders  die  tweiwerthigeo 
Metalloxyde  und  das  Wasser  in  der  saureu  Reihe  sehr  zurück, 
in  der  basischen  umgekehrt  sehr  vor.  Die  organische  Sub- 
stanz ist  in  den  sauren  Gesteinen  höchstens  in  Spuren  vorhan- 
den, in  den  basischen  in  merklicher  Menge. 

Der  sauren  Reibe  gehören  No.  IX,  X  und  XIX 
an.  Sie  schliessen  sich  aufs  Engste  an  die  sauren  Gesteine 
des  südlichen  Zuges  an  ;  ebenso  wie  diese  stellen  sie  krypio- 
krysUlliniscbe  Gemenge  wesentlich  von  Quarc  und  Atbit  dar, 
welchen    letzteren    Bestandtheil    ich,    wie    erwähnt,    einmal    in 


141 

TS  sieb  Ton  dem  saaerBten  Gesteine  No.  IX  (immer  bei  vier- 
^öodiger  Digestion  in  Chlorwasserstoffsaare)  2,14  Pro«,,  von 
Vo.  X  dagegen  8,53  Procent. 

Der  basischen  Reihe  geboren  No.  XII,  XIII, 
Xr\\  XV,  XVI,  XVII,  XVIII,  XX,  XXI  an.  Diese  Gesteine 
-biiessen  sich  gleichfalls  eng  an  die  basischen  des  südlichen 
Zoges  an.  Der  bedeutende  Gehalt  an  Eisen  in  beiden  Oxy- 
iinoDsstafen,  an  Magnesia  nnd  Wasser,  der  diesen  Gesteinen 
s  Allgemeinen  zukommt,  weist  auf  die  ansehnliche  Kolleg  welche 
Cüioritsabstanz  hier  wieder  spielt.  Damit  hängt  wesentlich  der 
3i<iinge  Kieselsäoregehalt  ond  die  starke  Angreifbarkeit  durch 
Salzsäure  zusammen.  Dass  diese  letztere  nur  vom  Chloritgehalt 
t^^rrährt,  geht  deutlich  aus  den  Löslichkeitsverhältnissen  einer- 
^iis  QDd  dem  Gehalt  an  Eisen,  Magnesia  und  Wasser  anderer- 
^its  beispielsweise  der  3  Gesteine  No.  XV,  XIII  und  XIV, 
t^rvor.  Es  sind  nämlich  in  XV:  (SiO*  =  60,48);  FeO  + 
f'O»  =r  5,06;  MgO  =  3,13;  H«0  =  1,45  und  Loslichkeit  25,86. 
1"  Xni:  (Sic«  ==  61,55);  FeO  +  FeO^  -  8,88;  MgO  =  3,63; 
H'O  rz  3,47  und  Loslichkeit  30,01.  In  XIV  endlich  (SiO* 
-53J);  PeO  +  ¥eO'  =  14,0;  MgO  -  5,48;  H»0  =  5,06  und 
I'Jsichkeit  46,66.  Eisen,  besonders  als  Oxydul,  Magnesia  und 
Itonerde  finden  sich  in  allen  salzsauren  Auszügen  der  Ge- 
*mt,  and  zwar  in  um  so  grösserer  Menge,  je  basischer  die 
'Steine  sind,  gerade  wie  bei  den  analogen  Gesteinen  des  süd«» 
-^«n  Zages.      Der   Nachweis    von    Quarz,    Albit,    Glimmer, 

.-■1  I        ,  »»  •  7  •  * 

^n.ont  und  vielleicht  Hornblende  als  constituirender  Gemeng- 
^•'e  gelang  bei  den  basischen  Gesteinen  des  südlichen  Zuges 
'•*r  »uf  dem  Wege  der  Partialanaljse,  Bei  den  Gesteinen  des 
' 'rdlicben  Zuges  lassen  sich  diese  Mineralien  als  Bestand- 
We  der  basischen  Gesteine,  Dank  ihrer  phanerokrystallini- 
•cbeo  Entwicklung,  schon  physikalisch  erkennen.  Um  Anhalts- 
^oRkte  far  die  Zusammensetzung  und  das  ungefähre  Mengen- 
^"Toältniss  jener  Mineralien,  zunächst  in  den  ausgezeichnetsten 
^'Wteinen,  die  hier  auftreten,  in  den  Fleckschiefern,  zu  erhal- 
'«3,  wurde  das  frischeste  derartige  Gestein,  der  Fleckschiefer  von 
'^f  Upbode,  No.  XVIII  zwei  Partialanalysen  unterworfen, 
olvin  1)  giebt  die  Zusammensetzung  des  durch  verdünnte 
^*^iare  nach  vierstündiger  Digestion  bei  100  °  erhaltenen 
^°«2Qgeg,  a.  die  gefundene,  b.  die  auf  100,0  berechnete.    Ge- 


142 

loet  hatteD  sich  in  Cblorwasserstoffsäore  aberlMiipt  30,52  p< 
des  Oesammtgewichts. 

No.  XVIII  2)  stellt  die  Zasammeasetzong  des  durch  z%% 
ständige  starke  Digestion  in  verdünnter  Schwefelsäore  gelöste 
in  CblorwasserstoffBäore  nngelöst  gebliebenen  Theiis,  a.  vietj 
die  gefundene,  b.  die  anf  100^0  berechnete  dar.  Gelost  bat 
sich  in  Schwefelsäure  überhaupt  18,1S  pCt.  No.  XVIII  3)  e 
spricht  der  Zusammensetzung  des  51,3  pCt  betragenden  in  Clil< 
wasserstoffsäure  und  Schwefelsäure  ungelösten  Buckstand 
wie  derselbe  durch  Rechnung  gefunden  wurde.  (Snbtracti 
▼on  1)  und  2)  von  der  auf  100,00  berechneten  Bauschanaij 
8.  138  anf  100,0  berechnet). 

No.  XVIII. 

-*-  ' — ■ 


1).                            2).  3). 

a.  b.  a.  b. 

SiO*        26,04  26,69  45,09  45,92  76,16 

AlO»        17,40  17,83  32,16  32,75  12,86 

FeO         84,31  35,17  5,02  5,11  1,54  FeO 

CaO           1,72  1,76  1,47  1,50  1,19 

MgO           8,98  9,21  2,30  2,34  — 

Na*0         0,04  —  7,68  7,82  5,45 

K'O          0,03  —  4,48  4,56  2,80 

H»0          9,12  9,34  —  —  — 
CaCO*       0,74 


98,38  100,00  98,20  100,00  100,00 
No.  XVIII  1).  Direct  gefunden  wurden,  mit  Zurechuarj 
der  auf  CaCO'  berechneten  kleinen  Menge  (0,10  Proc.)  CC 
der  Bauschanalysc ,  in  Wirklichkeit  nur  89,26  Proc.  Dab 
wurde  auch  diesmal  wieder  der  gesammte  Wassergehalt  d 
Bauschanalyse  (2,783  Proc.)  als  zu  1)  gehörig  angenomrae 
Der  noch  bleibende  ansehnliche  Verlust  rührt  jedenfalls  wi 
derum  daher,  duss  alles  Eisen  auf  Oxydul  berechnet  wurdj 
während  ein  bedeutender  Theil  desselben  sich  bereits  im  Z\ 
Stande  des  Oxyds  in  dem  chloritischen  Silikate  befindet.  B| 
der  Berechpung  auf  100,0  wurden  die  diesem  Silikate  fremd^ 
Mengen  CaCO*  und  Alkali  foiigelassen.  Aus  der  Analyse  ej 
giebt  sich  die  chloritische  Zusammenset»ung  des  durch  SaJ^ 
säure  zersetzbaren  Theils  der  Pleckschiefer   mit  Bestimmthei! 


Si 

12,45 

▲1 

9,48 

Fe 

27,35 

Ca 

1,25 

Mg 

5,53) 

H 

1,04 

143 

B^re<-i)Det  man  aas  b.  die  Metalle  uod  weiter  die  Atomverbält- 
sisie,  so  ei^eben  sich: 

0,4445 
0,1236 

[  41,0  Fe  0,7320 

1,0400 

n 
Die  VerhäUiiisse  AI   :  Si    aod   Si  :  R   sind  =  1    :   2,56 

^aJ  3  :  4,924  —  1  :  2,5  nod  3  :  5  und  stimmen  soweit  durcb- 
AQs  mit  den  von  Rammelsbero  far  den  Ripidolith  aufgestell- 
•ec.  Die  Wassermenge  aber  ist  viel  geringer  als  sie  der  Ripi- 
iiiith  verlangt.  Es  ist  bei  demselben  Si  :  H  —  3  :  1 1 ,  in 
inserem  Falle  nur  3  :  6,99  =s  3  :  7,  also  aucb  weniger  H,  als 
1  die  beiden  anderen  Mineralien  der  Cbloritgruppe,  Pennin 
•  i  Klinochlor,  erfordern.  Trotz  der  einfachen  Atomverhält- 
sisse  lässt  sieb  far  unser  Mineral  keine  Formel  aufstellen,  die 
iea  Stempel  der  Wahrscheinlichkeit  trüge.  Man  muss  sich  dar- 
^f  beschränken,  demselben  seinen  Plütz  in  der  grossen  Chlorit- 
gn;ppej  und  zwar  in  der  Nachbarschaft  des  Ripidoliths  anzu- 
weisen. —  Wir  ersehen  aus  der  Analyse  weiter  noch,  dass  die 
Zcsammensetzang  des  chloritischen  Silikats  durchaus  nicht  in 
^Uea  basischen  Gesteinen  die  gleiche  bleibt.  Während  sie  sich 
<  No.  VIII  des  südlichen  Zuges  der  des  Pennins  näherte,  ist 
ii'  im  letztuntersuchten  Falle  der  des  Ripidoliths  zu  verglei- 
^j^n.  Es  fragt  sich,  ob  die  Zusammensetzung  des  chloritischen 
Niikats  Oberhaupt  eine  solche  nach  festen  chemischen  Propor- 
-i>DeD,  ob  die  Aehnlichkeit  mit  einem  bestimmten  Minerale  in 
^^0  einzelnen  Fällen  nicht  eine  mehr  zufällige  ist.  Diese 
^rtge  wurde  nur  durch  zahlreiche  Analysen  auszumachen  sein. 
I)is  «Wiehtigste ,  durch  die  beiden  Partialanalysen  vollständig 
erwiesene  ist  jedoch  die  chloritähnliche  Zusammensetzung  des 
"■  Salzsäure  loslichen  Gemengtheils  der  basischen  Gesteine  im 
^'Igemcinen. 

No.  XVIII  2).     Berechnet  man   die   Metalle    und    deren 
^(omverbältDisse,  so  erhält  man: 


144 


Si 

21,43 

7,65 

▲1 

17,46 

3,20 

Fe 

3,97  ^ 

Ca 

1,07 

15,06 

6,55 

Mg 

1,40 

Na 

Na 

5,70 

K 

3,72/ 

Die    Analyse    ergiebt    eine    glimmerahnlicbe    Zosammen 

setzang.     Das   von  Rammblsbbro   für  die  Glimmer  aafgestellt 

I 
Atomverhältniss   R  :  R  :  Si   ist  gleich    2  :   1:2.     Das    ent 

sprechende  Verhältniss   in   unserem  Falle,   6,55  :  3,20  :  7,6 

stimmt  mit  dem  theoretischen  wenigstens  so  weit  uberein,  ur 

das    Mineral   als   Glimmer  ansprechen    zu  können.     AuflTallen 

ist  der  hohe  Natrongehalt,  der  dem  des  Paragouit,  Damouri 

und  Margarit  gleichkommt.     Der  Zusammensetzung   des   List' 

sehen  Sericit  (der  52  Proc.  SiO%  23  AlO*,  10^  K^  O    un. 

nur   wenig   Na*  O   erfordert)   ist   unser   Glimmer   wenig  ahn 

lieh.    Aber  wir  legen  zu  wenig  (lewicht  auf  die  Resultate   eine 

einzigen  Partialanalyse,  um  daraus  weitergehende  Schlüsse  aü 

die  Natur  des  Glimmers   in    den  Fleckschiefern  und  ähnliche] 

Gesteinen  zu  wagen. 

No.  XVIII  3)  zeigt  gerade  wie  No.  VIII  2)  (S.  125)  ein^ 

den    sauren  Contactgesteinen   sehr  ähnliche  Zusammensetzung 

Berechnet  man  die  Gesammto^enge  Alkali  auf  Albit,  so  erhä^ 

man  65,93  Albit.    Der  Rest  tresteht  aus  Kieselsäure  mit  etwi 

2-^  Proc.  Thonerde  und  ungefähr  ebensoviel  Eisenoxyd  und  Kall 

Man  konnte  diese  letzteren  unter  der  Annahme,  dass  das  Eisef 

zum  Theil  als  Fe  (=^  56)  dem  Aequivalente  von  Ca,  zum  The^ 

als  S'e  (=  112)  demjenigen   von  AI  gleich  sei,  auf  Kalkfcldl 

spath  berechnen ,  der  in  kleiner  Menge  dem  Albit  beigemeng 

sein  konnte.     Der  Analogie  mit   dem  gleich  zu   besprecbendei 

Fleckschiefer   von   der  Heinrichsburg  halber  mochte   es  jedod 

angemessener   erscheinen,    CaO,  FeO'    und  AlO*    mit   einei 

entsprechenden 'Theile  SiO*   auf  thonerdehaltigen  Amphibol 

berechnen   (nach    der  Formel   CaSiO',    AlO').     Nimmt   nn 

hierbei  das  Eisen  als  AI  äquivalent,  so  erhält  man  6,48,  fubi 

man  es   als  Ca  äquivalent  in  Rechnung,   7,14  Amphibol.     Ig 

ersten  Falle  bleiben  31,  im  zweiten  29  Proc.  Quarz.    Der  ni> 


145 

lösliche  Rock  stand  besteht  somit  ans  ca«  64  Pro«.  Albit,  30 
Qoarz,  6  Hornblende.  Das  ganse  Gestein  No.  XVIII 
^!>er  darf  man  als  zusammengesetat  betrachten  aus 
ca.  31  Ghlorit,  33  Albit,  18  Olimoier,  15  Qnarz  und 
3  Hornblende. 

Sehr  ähnlich  ist  im  Allgemeinen  die  Zasaromeoseteong 
]*"§  Fleckschiefers  von  der  Heinrichsburg  No.  XXI.  Der  Gehalt 
an  Kieselsaare,  an  alkalischen  Erden  and  Alkalien  differirt  nur 
wenig.  Dagegen  ist  der  Gebalt  an  Bisen  in  beiden  Oxydations- 
»tafeo  am  ca.  3,  der  an  Wasser  um  fast  1  Proc.  niedriger, 
wi9  von  vorn  herein  auf  eine  geringere  Menge  Ghlorit  schliessen 
liast,  womit  auch  die  geringere  Löslichkeit  (27,68  Proc.)  über- 
tlQstimmt.  Der  höhere  Thonerdegebalt  scheint  fär  etwas  mehr 
Glimmer  su  sprechen,  der  auch  änsserHch  im  Gesteine  mehr 
berTortriit.  Besonderen  Nachdruck  möchten  wir  aaf  den  höhe- 
reo  Kalkerdegehalt  dieser  Analyse  legen,  sumal  da  derselbe 
iQcb  in  den  beiden  anderen  Analysen  Hein  rieh  sb  arger  Gesteine, 
dem  Bandgestein  No.  XX  und  dem  hälleflintabnlicben  No. 
^X  noch  deutlicher  wiederkehrt.  Dieser  ungewöhnlich  hohe 
Kalkerdegehalt  scheint  meine  schon  froher  geäusserte  Ver- 
Esatbaog,  die  Knötchenbildung  und  die  Strahlsteinausscheidun- 
geo  an  der  Heinrichsburg  möchten  in  einem  nahen  Zusam* 
meahange  stehen,  zu  bestätigen.  Von  der  Contactfläche  zwi- 
s.ben  Diabas  und  Contactgesteinen  dringen  an  jener  Lokalitat 
uf  Schichtfugen  und  Kluftflächen  zahlreiche  Strahl steinausscheir- 
cuQgen  in  das  Contactgestein  ein,  sich  zuletzt  in  zahllose  feine 
Äderchen  zerschlagend.  Daneben  treten  nun  gleichzeitig  un- 
^wöhnlich  grosse  und  deutlich  ausgebildete  Goncretionen  anf, 
■iie  zaweilen  recht  krystallinisch  werden  und  dann  aus  der 
iidmlichen  oder  einer  ähnlichen  Substanz  zu  bestehen  scheinen 
wie  die  feinen  in^s  Gestein  verlaufenden  Strahlsteinäderchen. 
Obige  3  Analysen  scheinen  nun  in  der  That  dafür  zu  sprechen, 
^iss  in  den  Gesteinen  der  Heinrichsburg  Hornblende  eine  Rolle 
spielt  In  No.  XX  giebt  sich  dieselbe  —  wie  es  den  An- 
schein bat  —  schon  im  hohen  Volomgewicht^  dem  höchsten 
^üter  allen  Contactgesteinen,  zu  erkennen«  Hier,  wie  in  No.  XIX, 
QQss  man  die  Hornblende  in  der  Grundmasse  annehmen.  Im 
Fleckschiefer  No.  XXI  aber  durfte  sie  obigen  Beobachtungen 
nfolge  wahrscheinlich  besonders  in  den  Goncretionen  vorhan- 
^«Q   sein.    Vielleicht  kann  man    annehmen,  dass  sowohl  die 

^K  4.D.gc.l.Ge<.XXII.  1.  10 


148 


XXII. 

XXIII. 

XXIV. 

SiO* 

65,87 

71,60 

61,24 

AlO» 

21,42 

14,75 

18,75 

FeO* 

Spur 

PeO 

1,41 

1,41 

1,17 

MdO 

Spur 

Spur 



CaO 

Spur 

1,06 

0,05 

MgO 

0,84 

Spur 

4,91 

Nft'O 

8,79 

10,06 

2,59 

K»0 

1,16 

0,32 

1,22 

H'  0 

0,92 





Org.  Subst. 

•                                              * 



0,49 

100,41  99,20  100,95. 

Stofflich  bieten  yorstehende  Analysen  wenig  Neues.    A 
sie  sind  insofern  von  Interesse,  als  sie  beweisen,  dass  die  C 
tactgesteine    korniger  Diabase,   auch   wo  sie  an  gangförmii 
Diabasen  und  in  höheren  Niveaus  auftreten,   wie  pbysikali 
so    auch   chemisch   mit  den  unter  gewöhnlichen  Verbältoiji 
in    der  \yiedaer  Schiefersone   vorkommenden  Coniactgestei 
durchaus  übereinstimmen.     No.  XXII  nimmt  insofern  ein^ 
coptionellc    Stellung   ein,   als  es    dem   äusseren  Habitus, 
Hart«   und  dem  Volurogewicbt  nach    su  den    sauren  Gestei 
SU  gohören  scheint,  wahrend   seine  Zusammensetsung  den 
siitchon   nahe  kommt.     Berechnet  man   die  Alkalien    auf  AI 
so  «rhjtlt  man  84,9  Proc    Die  übrigen  15  Proc.  bestehen 
ca.   7  Proc,  SiO\   6  AIO\  etwas  FeO,  MgO  und  H*0, 
wabrsch«anHch     ein    ehloritisches   Silikat    mit  äberscbossig 
Quart  darslell«»« 

No.  XXUI,  welches  XIX  der  aaorai  Rohe  sehr  di 
kommt«  deutete  bereits  HArsMASS  als  ein  Gemenge  tod  A 
uud  Quart«  Der  NAtrong^balt  ist  ausserordentlich  hoch, 
dass  das  Gf^ste)n  fissi  aus  reinem  Albit  wa  bestehen  scbe 
vd«r  i^tt«»  Albit  «atKidt  6;jk0»  SiO'  and  11.82  Na'O).  Wfts 
ist  Hi<^t  aii|s^|S^bea«  aber  in  geringer  Menge  TorhaDden. 

N\v  XXI Y  t<':^.  Tv«  g<^nn^«rai  FeO  gebalt  abgeseh 
xi^)  A^^hnUchkeit  mit  XV  der  basi$chea  Bethe,  dem  es  nt 
4*r  B«$<^hTyibK):^[^  auc^  plirsakaHi^ch  ah::Iidi  s«n  mass.  ^**' 
ut  ««ob  f ^<^  a,c>ii  an^re^b^^i,  feilt  a^er  gewiss  nkht. 


149 

WerfeD  wir  einen  Rückblick  anf  das  bisher  Gesagte,  so 
ergiebt  sich,  dass  eine  wesentliche  Differenz  zwischen  den 
GnUctgesteinen  des  nördlichen  and  des  südlichen  Zages  nicht 
besteht  Hier  wie  dort  treten  Oesteine  der  sauren  and  der 
basisebeo  Reihe  auf;  hier  wie  dort  waltet  innerhalb  jeder  der 
beiden  Reihen  derselbe  Tjpas,  und  der  hohe  Natrongehait 
Dacht  eioe  bemerkenswerthe  Eigenthumliohkeit  der  Diabas- 
Contactgesteine  ganz  allgemein  aus.  Dieser  chemischen  Ueber- 
eiosCimfflQDg  entspricht  die  physikalische.  Im  Norden  wie  im 
Södeo  der  Centralaxe  gehören  die  harten,  durch  Neigung  zu 
oassiger  Structor  ausgezeichneten  Oesteine  der  sauren  Reihe 
an  Qod  stellen  kryptokrjstallinische  Gemenge  von  Feldspath, 
Qoarz  und  geringen  Mengen  chioritischer  Silikate  dar;  die  wei- 
cheren, durch  noehr  oder  minder  deutliche  Schieferang  und 
Schiebtang  ausgezeichneten  Gesteine  dagegen  geboren  der  ba- 
tischen  Reihe  an  und  bilden  phanerokrjstallinische  Gemenge 
Ton  Feldspath,  Quarz  und  basischen  Silikaten,  unter  denen  Chlo- 
rit  und  Glimmer  wesentlich  und  ausserdem  manchmal  noch 
Hornblende  vorbanden  ist.  Der  Feldspath  ist  in  allen  Fällen 
Albit, 

Trotz  dieser  qualitativen  Uebereinstimmung  bleibt  jedoch 
die  grosse  geognostische  DiiFerenz  zwischen  beiden  Contact- 
gesteinszugen  bestehen.  Das  Vorherrschen  saurer,  krjptokry- 
»tallinisch-dichter  Gesteine  im  Süden,  das  Vorwalten  basischer, 
phaoero-krystalli nischer  Gesteine  im  Norden  der  Aze-,  das  sind 
bedeutsame  Unterschiede. 

Fär  das  Vorkommen  gelten  im  Süden  wie  im  Norden  die 
limlicbeo  Gesetze.  Die  härtesten  und  sauersten  Gesteine  tre- 
^0  im  Allgemeinen  immer  dem  Diabas  zunächst  auf.  Mit 
vacbsender  Entfernung  von  der  ContactBäche  schliessen  sich 
io  dieselben  immer  weniger  harte ,  basischere  Gesteinsglieder. 
Der  Debergang  in  unveränderte  Schiefer  erfolgt  allemal  aus 
<^so  basischsten  Endgliedern.  Dabei  ist  jedoch  zu  bemerken, 
<^H  durchaus  nicht  bloss  Gesteine  vom  höchsten  Kieselsäure- 
febalt  den  Diabas  begränzen.  Vielmehr  ist  der  Kieselsäure- 
gehalt der  an  der  Contactfläche  auftretenden  Gesteine  ebenso- 
venig  ein  bestimmter  als  derjenige  der  basischsten  Endglieder 
^n  jedem  einzelnen  Falle. 

Es  sind  überhaupt  folgende  3  Fälle  für  das  Vorkommen 
^^  Contactgesteine  möglich  und  beobachtet : 


ISl 

Zwlscbeo  beiden  stehen  die  uhverÜDderten  Schiefer  und 
das  G&ugcontactge stein  No.  XXII.  Jeder  Analyse  ist  das 
VV>]umg:wicht  dca  Gesteios  und  die  Löslicbkeit  in  Procenlen 
litigefügt,  soweit  diese  letztere  bestimnit  wurde.  Man  ersieht 
.loj  der  Tahelle  deutlich,  dass  mit  Abnahme  des  Kieselsäure- 
;^balu  im  Allgemeinen  eine  stetige  Znnahme  des  Votumgewichts 
und  der  Löslli'hkeit  erfolgt,  eine  Tliatsache  die  damit  in  Ver- 
(induDg  steht,  dass  dem  Sinken  des  Kieselsäuregeh altes  ein 
Sleigen  der  zweiwertbigen  Metalle  und  des  chemisch  gebuude- 
nea  Ausers,  d.  i.  eine  Zunahme  an  Cfaloritsabstanz  parallel 
fth.  DerThouerdegehatt  nimmt  mit  Verminderang  des  Kiesel- 
läuregebailes  im  Altgemeinen  etwas  »q,  die  Alkalien  ein  we- 
nig ib. 


«  1 

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1 

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3 

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1 

1 

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VII. 

XIll 

SXIV. 

XV. 

VIII. 

1 

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xvu. 

""HSi\  3»^{  99^1  100^5  [100,541  99,eall00,84|  100,35  llOO.I?!  99,Bo{  99,66 


99,46 


152 


StoffUde^  bei  lier  CoBtactMetMüerph^se  stattgekabte  TeruidenuigeB. 

Vennch  einer  geftetbehen  Heating  lier  letanerpbMe. 

Nachdem  wir  im  Vorigen  Eigenschaften  und  Vorkommen 
der  Contactgeeteine  kennen  gelernt,  Hegt  uns  die  Beantwortung 
zweier  Fragen  ob:  einmal  nach  den  stofflichen  Veränderun- 
gen, welche  die  ursprunglichen  Gesteine  bei  der  Umwandlung 
in  Contactgesteine  erfahren;  dann  nach  der  Genesis  der  Meta- 
morphose. 

Die  Losung  der  ersten  Frage  kann  nicht  schwer  fallen, 
da  wir  bei  ihrer  Erörterung  den  Boden  der  Thatsachen  nicht 
zu  verlassen  brauchen.  Denn  da  die  Verbandverhältnisse  der 
Contactgesteine  mit  den  Thonschiefern  keinen  Zweifel  darüber 
lassen,  dass  in  allen  Fällen  diese  letzteren  das  ursprungliche 
Gestein  darstellen,  so  wird  eine  Vergleichung  ihrer  Zusammen- 
setzung mit  deijenigen  der  Contactgesteine  uns  über  die  Art 
der  Veränderungen,  die  das  ursprungliche  Gestein  betroffen, 
Aufschluss  geben.  Dabei  wollen  wir  noch  einmal  eine  bereits 
oben  angeführte  Thatsache  erwähnen,  um  einem  Einwände  zu 
begegnen,  der  hier  möglicher  Weise  erhoben  werden  konnte. 
Es  wurde  nämlich  bemerkt,  dass  derjenige  Theil  der  „liegenden 
Schieferzone,^  innerhalb  dessen  die  kornigen  Diabase  mit  ihren 
Contactgesteinen  auftreten,  ganz  besonders  rein  und  von  fremd- 
artigen Ausscheidungen  frei  ist.  Die  Schiefer  besitzen  überall 
denselben  Habitus  und  auch  eine  wesentlich  gleiche  Zusammen- 
setzung, wie  die  Analysen  zweier  Proben  (No.  III  und  XI), 
deren  eine  dem  sudlichen,  die  andere  dem  nordlichen ^uge  ent- 
nommen ist,  offenbar  zeigen. 

Dieser  Umstand  ist  von  grosser  Wichtigkeit  für  die  £r- 
moglichung  einer  richtigen  Beurtheilung  der  Contactmetamor- 
phose.  Denn  bei  dem  stets  allein  beobachtbaren  Fortachreiten 
der  Metamorphose  vom  Diabas  ans  in  einer  rechtwinklig  aar 
Contact«  und  Schichtfläche  stehenden  Richtung  konnte  man 
leicht  zu  der  Annahme  veranlasst  werden,  die  Verschiedenheit 
der  Contactgesteine  ein  und  desselben  Diabaslagers,  das  Auf- 
treten* saurer  und  basischer  Gesteine,  könne  vielleicht  durch 
eine  Verschiedenheit  nicht  sowohl  der  metamorphischen  Pro- 
cesse,  als  der  von  der  Metamorphose  ergriffenen  Sedimente  be- 


153 

dingt  sein.  Eiue  derartige  Annahme  erweist  sich  aber  als  an- 
biltbar,  wenn  die  unveränderten  Schiefer  überall  eine  wesent- 
.!ch  gleiche  Beschaffenheit  zeigen.  Sie  erscheint  aber  anch 
Kbon  deshalb  unsulässig,  weil  jene  Verschiedenheiten  in  der- 
«eiheo  Reibenfolge  zu  oft  wiederkehren,  als  das  man  darin 
liebt  etwas  Gesetzmässiges  erkennen  sollte.  Die  grossen 
IMereiuen  aber  der  Gesteine  des  nordlichen  nnd  des  sädlichen 
Zages  lassen  sich  ebensowenig  durch  Annahme  einer  ursprung- 
(ideo  Vcrschiedeuheit  der  von  der  Umwandlung  betroffenen 
Sedimente  erklären.  Denn  die  Gesteine  beider  Züge  liegen  in 
demselben  geognostischen  Niveau,  beide  stellen  Theile  dersel- 
Wn  Schichten  dar.  Nehme  man  selbst  an,  die  Zusammen- 
!etznDg  dieser  Schichten  sei  auf  die  geringe  Entfernung  beider 
Züge  hiolänglich  verschieden  gewesen,  um  daraus  die  Differenz 
zwischen  Nord  und  85d  ableiten  zu  können ,  so  musste  es 
i^'H^b  geradezu  nnbegreiflich  erscheinen,  warum  auf  den  beiden, 
<i^iD  Verlauf  der  zwei  Zuge  entsprechenden  Parallellinien  die 
^^t'orderte  Verscbiedenartigkeit  so  überaus  constant  sich  ent> 
wickelt  haben  sollte.  Man  wird  also  wohl  annehmen  müssen, 
^i  der  Grand  für  die  Verschiedenheit  der  Contactgesteine 
weseotiieb  in  der  Verschiedenheit  der  metamorphischen  Pro- 
zesse £0  suchen  ist. 

Vergleicht  man  nun  die  Zusammensetzung  der  unveränder- 
kQ  Schiefer  und  der  Contactgesteine,  so  ergiebt  sich  für  erstere 
c:[ie  Mittelstellung  zwischen  sauren  und  basischen  Gesteinen. 
D^r  Kieselsäuregebalt  der  unveränderten  Schiefer  ist  niedriger  als 
^^r  der  sauren,  hoher  als  der  der  basischen  Gesteine.  Ebenso 
^^k  der  Gehalt  an  Thouerde,  an  zweiwerthigen  Metallen, 
V,  Wwser  in  der  Mitte  zwischen  dem  Gehalte  der  Gesteine 
^cr  saaren  Reibe  einerseits,  der  basischen  andererseits  an  den- 
ä'^ibeo  Stoffen.  Aehnlich  verhält  es  sich  mit  der  Loslichkeit 
aiid  dem  Volumgewichte.  Der  Alkaligehalt  jedoch  ist  um  meh- 
rere Proceot  geringer  als  in  den  Contactgesteinen  überhaupt, 
i^nd  iwar  aberwiegt  das  Kali  über  das  Natron.*)    Dies  ist  der 

*)  Dies  ist  wenigstens  bei  dem  am  wenigsten  veränderten  Schie- 
''^  No.  in  Ton  Allrode,  der  Fall.  No.  XI  enthält  etwas  mehr  Natron 
*^Kali,  ist  aber  anch,  wie  der  höhere  Fe  O  und  Mg  0-6ehalt  zeigt, 
^ii  mehr  gttii&  unverändert,  was  übrigens  in  geringem  Grade  auch  von 


154 

eiazige,  aber  aach  sehr  wesontliehe  chemischo  Unterschied  der 
unveränderten  Schiefer  von  den  Contactgestoinen.  Im  Uebrigea 
könnte  man  erstere  iliren  Analysc-n  nach  für  Gesteine  ballen, 
welche  die  Lücke  zwischen  sauren  und  biisiscbcn  Contact- 
gesteinen  ausfüllen.  In  gewissem  Sinuu  darf  man  auch 
No.  XIV  zu  den  unveränderten  Schiefern  stellen,  welches  sich 
von  diesen  wesentlich  nur  durch  den  starken  Chlnrilgebalt  unter- 
scheidet, welcher  den  Gehalt  an  Kieselsäure  beträchtlich  herab- 
drückt,  dagegen  ein  bedeutendes  Steigen  des  Eisenoxyduts,  der 
Magnesia  und  des  Wassers  bedingt.  Die  geringe  Menge  Alkiili 
(4  pCt)  und  das  Ueberwiegen  des  Kalis  weist  nfTenbar  auf  die  im 
Allgemeinen  wenig  veränderte  Natur  des  fraglichen  Schiefers  hin. 
Aus  der  Zusammensetzung  der  Thonschiefer  ergiebt  sich, 
dass  bei  ibrer  Umbildung  in  Gesteine  der  sauren  Reibe  ein 
doppelter  Frocess  sich  vollziehen  musste.  Auf  der  einen  Seite 
nämlicb  musste  die  Menge  der  Kieselsäure  und  des  Natruus  zu- 
nehmen, auf  der  auderen  die  der  iweiwerthigen  Metalle,  des 
Kalis  und  des  chemisch  gebundenen  Wassers  bis  fast  zum  völ- 
ligen Verschwinden  abnehmen.  Bildeten  sich  dagegen  Gesteioe 
der  basischen  Reihe,  so  erfolgte  ganz  im  Gegeotheil  eine  Ab- 
nahme der  Kieselsäure  und  ein  Steigen  der  zweiwerlhigen  Me- 
talle. Das  Natron  hat  jedoch  auch  in  diesem  Falle  zugenom- 
men und  das  Kalt  zum  grossen  Tbcile  verdrängt.  Die  orga- 
nische Substanz  der  ursprünglichen  Schiefer  wurde  bei  Bildung 
der  sauren  Gesteine  zerstört,  bei  jener  der  basischen  blieb  sie 
erhalten.    Die  Tbonerdo  scheint  bei  diesen  Urobildungeprocesseu 


155 

sich  titets  gleich  und  von  der  Bildung  saurer  oder  basischer 
^ies(eine  onabhangig,  dass  die  Menge  des  Natrons  in  allen  Fällen 
2Dgeaommen  hat. 

ÜDtersuchen   wir    nun ,    wie   sich    der  Verlauf  dieser  Pro- 
re«se  in   den    verschiedenen  Fällen  gestalten  musste,    die  wir 
rjl>en  far  das  Vorkommen  der  Coniactgesteine  als  möglich  ken- 
nen gelernt.    Bildeten  sich,  wie  im  ersten  Falle,  bloss  Gesteine 
der  sauren  Reihe  ,  so  hüben  die  chemischen  Processe  wesent- 
lich in   einer  Zufuhr   von  Natronsilikat  und  Fortfuhrung  aller 
übrigen  Bestandtheile    mit  Ausnahme  der  Thonerde  bestanden. 
Je  niber   die  Gesteine   dem  Diabase  liegen,    desto  intensiver 
sind  die  Wirkungen    dieses    Processes   gewesen;    daher  findet 
maa   dem   Diabas    zunächst    wesentlich    nur    aus  Kieselsäure, 
Thonerde  und  Natron  bestehende,  von  zweiwerthigen  Metallen, 
Kiii,   Wasser    und    organischer  Sobstanz  fast  ganz  freien  Ge- 
steine, während  mit  zunehmender  Entfernung  von  der  Contact* 
dkbe  der  Kiesel  Säuregehalt  abnimmt  und  die  anderen  Bestand- 
theile in  demselben  Maasse  steigen.    Im  zweiten  Falle,  wo  sich 
ft&are  und  gleichzeitig  basische  Gesteine  bildeten ,   ist  in  erste- 
reo    der     eben    ausgeführte    Process     thätig    gewesen.      Was 
iher   die    basischen  Gesteine  betrifft,   so  liegt,    da  sie  gerade 
&n  den  Stoffen    reich,   an   welchen   die   sauren   arm  sind,  die 
Annahme    nahe,    sie    möchten    hauptsächlich  durch   Aufnahme 
der  aus  den   sauren  Gesteine  fortgeführten  Stoffe,  besonders  des 
Eisenoijduls,  der  Magnesia  und  des  Wassers  gebildet  sein.    Za- 
^lefahrt  mnsste  dann  weiter  nichts  werden  als  Natrousilikat,  fort- 
^efohrt  aber  ein  grosser  Theil  der  Kalkerde,  des  Kalis  und  etwas 
Kieselsäure,  die  sich  unter  Umständen  in  gewissen  Schichten  con- 
ct:Qtriren  und  so   härtere   und   saurere  Gesteinsbänder  inmitten 
reicherer  Schichten    bilden   konnte.     Der  Annahme,    dass  die 
^en  basischen    Gesteinen   zugefuhrten    Metalle    wesentlich   aus 
«ien  sauren  Gesteinen  stammen,  stellen  sich  in  den  vielen  Fäl- 
>^n,  wo  beiderlei  (jesteine  gleichzeitig  auftreten,  keine  Schwie* 
r-^keiten  entgegen.    Sie  genügt  aber  nicht  für  den  dritten  Fall, 
^0  allein  ^jesteine    der   basischen  Reihe   gebildet  sind.     Hier 
nässen  nothwendiger    Weise   ansehnliche   Mengen  der  Metalle 
logefahrt  worden    sein ,  damit  sich  aus  den  verhältnissmässig 
ft&tteren  Schiefern  oberwiegend  basische  C>esteine  bilden  konn« 
leo.    Vl^ie  bei  den  saueren,  so  nimmt  auch  bei  den  basischen 
Gesteinen    mit    wachsender     Entfernung     vom     Diabase     der 


156 

Kiesel  Säuregehalt  im  Allgemeinen  ab  und  der  MeUllgebftU  in  glei- 
chem Verhältnisse  sa.  Doch  entwickelt  sich  der  Process  nur 
zn  einem  gewissen  Punkte,  von  welchem  aus  mit  noch 
erer  Entfernung  vom  Diabase  die  Menge. der  Metalle  and 
Wassers  wieder  abnimmt;  gleichzeitig  tritt  aach  das  Na- 
zurück,  und  es  erfolgt  ein  Uebergaog  in  die  gewöhnlichen 

Nachdem  wir  so  die  Art  der  stofflichen  bei  der  Conlact- 
imorphose  stattgehabten  Veränderungen  kennen  gelernE. 
en  wir  nntersuchen,  welche  Ansicht  über  den  Ursprung 
Verlauf  der  bei  der  Metamorphose  thätigen  chemisch-pby- 
lischen  Processe  sich  den  beobachteten  Tbatsacfaen  am 
ichsten  fügt. 

Wir  gehen  dabei  von  der  Ansicht  als  erwiesen  aus,  dsss 
Contactgesteine  ursprünglich  sedimentäre-,  durch  eine  vom 
iBse  ausgegangene  Metamorphose  zu  ihrer  jeUigen  B«- 
ffenbeit  veränderte  Gesteine  sind,  und  kommen  auf  An- 
en  wie  die,  daes  die  Contactgesteine  UTSprünglicbe  Bil- 
;en  oder  Differenzirungen  des  eruptiven  DiabasmsgniM 
[eilen  konnten,  nicht  mehr  zurück. 

Es  ist  vielleicht  kaum  nöthig,  sich  hentigen  Tages  gegen 
\nsicht  auszusprechen,  die  Contactgesteine  seien  Scbmeli- 
ucte  der  Diabase.  Schon  die  nichts  weniger  als  glasartige 
ir  der  saueren  Uesteine,  die  oftmals  noch  geringe  Mengen 
nischer  Substanz  zurückbehalten  haben ,  widerspricht  der- 
in  aafs  Entschiedenste.  Deutlich  kaustische  Wirkungen 
Diabase  sind  bekanntlich  überhaupt  sehr  selten  ond 
;anz  uniweideoüger  Weise  vielleicht  niemals  beobachtet 
len.  Am  allerwenigsten  aber  können  die  Phänomene  der 
ler  Diabas -Contact- Metamorphose  als  solche  gedeutet 
len. 

Ebenenwenig  aber  ist  die  in  ähnlichen  Fällen  manchmal 
nohte  Erk I am ngs weise  hier  anwendbnr,  nach  der  das  msa- 
(iestein  —  in  unserem  Falle  also  der  Diabas  —  nichti 
jres  darstellen  soll,  als  das  zo  deutlich  kristallinischer 
lildung  gelangte  Endglied  einer  durch  allgemeiue  wässerige 
itien  bewirkten  Metamorphose  des  Sediment- Gesteins,  dis 
actgeslein  aber  ein  je  nneb  seiner  Natur  entweder  dem 
ligen  Gestein  oder  dem  ursprünglichen  Sedimente  näher- 
nendes   intermediäres  Prodnct  des  Umwandlnngsprocesses. 


157 

Aaf  solehe  Weise  erklarte  Focbs  io  seiner  Arbeit  aber  den 
Haner  Granit  ond  seine  Nebengesleine  (Neues  Jahrb.  1862, 
769  ff.)  die  Uornfelse  im  Verhältniss  snm  Granit.  Dort  er- 
$cbiea  eine  derartige  Deutung  wenigstens  in  chemischer  Bexie- 
boDg  denkbar,  da  die  den  Granit  unmittelbar  begransenden 
Uorofelse,  gant  ebenso  wie  die  Contactgesteine  des  Diabas  im 
gleichen  Falle,  die  sauersten  Glieder  des  Cm  Wandlungspro- 
cenes  darstellen  und  eine  dem  Granit  in  gewisser  Hinsicht 
ähnliche  Zusammensetsung  besitzen,  der  Hornfels  somit  ge* 
wis»ermaassen  eine  Bntwickeluiig  des  Sedimentes  zum  Granit 
bin  SD  bilden  scheint.  Eine  ähnliche  Erklämngsweise  für  un- 
$«e  Contactgesteine  wäre  aber  ein  Nonsens.  Denn  die  saueren 
Cootsdgesteine  mit  über  70  pCt.  Kieselsäure  können  unmöglich 
eioe  Eutwickelung  des  Sedimentes  zum  basischen  Diabas  dar- 
steilen, dessen  Kieselsäuregehalt  kaum  50  pCt  betragt.  Die 
FccHs'sche  Erklärungs weise  ist  aber  ebensowenig  wie  in  un- 
serem Falle  anf  die  Homfelsbildung  anwendbar.  Denn  für 
beide  Contactmetamorphosen ,  die  des  Diabases  wie  die  des 
firanites,  gelten  dieselben  Gesetze,  beide  erscheinen  durchaus 
al«  Panllelbildnngen*)  und  was  in  dem  einen  Falle  als  un- 
mÖgHcb  erwiesen  ist,  muss  es  auch  im  anderen  sein. 

In  gleicher  Weise  unzulässig  ist  im  vorliegenden  Falle 
<]ie  Annahme,  die  Contactgesteine  möchten  durch  Aufnahme 
der  den  Diabasen  durch  die  Verwitterung  entzogenen  Stoffe 
enutsndeo  sein.  Denn  ganz  abgesehen  davon ,  dass  suniAl 
^ie  8aaeren  Contactgesteine  nichts  weniger  als  an  denjenigen 
Stoffen  reich' sind,  welche  die  Diabase  bei  ihrer  Zersetzung 
verlieren,  so  zeigt  sich  niemals  ein  qualitatives  oder  quantita- 
^ves  Abbängigkeitsverhältniss  der  Contactgesteine  vom  Grade 


*)  Hier  wie  dort  erscheinen  die  sanersten  GeBteinn  im  AlIgenMinen 
ra  uuiittelbarem  Contact  mit  dem  Eruptivgestein  ond  die  basischen 
»cliiieaea  sich  an  jene  mit  zonehmender  Entfemnng  ron  der  Contactfläche 
*^-  Die  Abnahme  der  Kieselsäure  mit  Entfernung  vom  Eruptivgestein 
i't  in  beiden  Fällen  bedingt  durch  die  Abnahme  der  von  jenem  aus  zu- 
geinlirteii  Stoffe,  in  unserem  Falle  besonders  Natronsflikat,  bei  der  Hom- 
feltbndaog  Rieaelsäure.  Hier  wie  dort  steht  mit  der  durchaus  verschiedenen 
Niuir  des  krysuUinischen  Massen-  und  des  Contactgestcins  die  Thataache 
iiL  Zaiammenhang ,  dass  sich  zwischen  beiden  niemals  Ucbcrgänge,  viel- 
o«lir  itets  scharfe  Grenzen  finden.  Uebergänge  des  Contactgcsteins  in 
<i)e  DBveränderten  Gesteine  dagegen  sind  hier  wie  dort  stets  zu  beob- 
«hlen. 


158 

r   Verwitterung    der  angrinzendea  Di&bue.     Ob  diese  nocl 
DI   frisch    oder   darchMis  leraetit  sind,   ist  fnr  das  Vork< 
ta  der  Contitctgesteine  ganz  einerlei. 

Doch  könnte  man  mlleicht  an  ein  materielles  Abhängig 
itaverhältniss  der  Cnntactgesteine  von  dem  Diabas  dei 
der  Art,  dasa  den  letcleren,  ohne  daas  sie  dabei  senteiz 
irden  ,  die  für  die  Bildong  der  ersteren  uöthigen  Stoffe  ent 
Jen  wurden.  Vielleicht  könnte  dabei  ein  gegenseitiger  StofF 
stauacb  ziriichen  Ernptir-  nnd  Sedimentgestein  atattgefundfi 
ben  ,  wie  ihn  FouiinET  unter  der  ^  fasion  rMprsque "  \e 
hl  and  Dblessa  ihn  als  „ecfaange  muluell«*'  in  einer  gewii 
I)  Tiefe  der  Erde,  wo  die  'iesteiiie  aicfa  in  erweichtem  Zi 
nde  befinden,  für  wahrscheinlich  hält  (Bull,  de  la  soc.  geul 
n.  1859.  230). 

Prüfen  wir,  ob  derartige  Annahmen  für  die  Erkläruitg  an- 
■er  Contactmetamorphose  anwendbsr  erscheinen.  Wie  wii 
i  eriuoern ,  mnsstcn  besonders  zweierlei  Stoffe  den  Ointaci- 
iteinen  zugeführt  werden,  einmal  Natronailikat,  dann  Kisenox}'- 
I,  Magnesia  nnd  Wasser.  Stammten  ann  diese  Stoffe  wirklich  auf 
I  angräncenden  Diabasen,  so  hätten  kleinere  Diabaslager,  um 
en  Co ntnctge steinen  jene  Stoffe  zu  liefern,  gänzlich  zerBetil 
issere  üiabaamassen  wenigstens  an  ihren  Rändern  in  mark- 
ier Weise  alterirt  werden  müssen.  Aber  in  keinem  Kalle 
«prichl  die  Beobachtung  jenem  Fostulate.  Diabase,  die  von 
«btigea  CoDtactbändem  begleitet  werden,  und  solche,  wo 
Dtactbil düngen  gänzlich  fehlen,  zeigen  keinerlei  physikaliscbe 
lerenz.  Bedenkt  man  aber  weiter,  dass  Diabaalager  oft- 
Is  von  so  mächtigen  ContactgesteinmaaseB  begrenzt  werUen, 
iB  du  gesammte  Natronsilikat  der  ersteren  kaum  a«arcicbeiid 
vesen  wäre ,  den  Natrongebalt  der  letzteren  auch  nur  um 
pCl.  zu  erhöhen,  so  erscheint  die  Annahme,  dass  die  Di 
le  den  Contactge steinen  die  zu  ihrer  Bildung  erfonlerücben 
ifTe  geliefert,  g[anE  einerlei,  wie  man  sich  den  Vorgang  selbst 
ikt,  ein  Ding  der  Unmöglichkeit. 

Zu  demselben  Resultate  führt  die  chemische  Analyse.  Um 
entscheiden,  ob  der.  Diabas ,  wo  er  in  wenig  mächtigen  Ls-| 
n  zwischen  bedeutenden  Contactmassen  liegt,  eine  von  der 
malen  irgendwie  verschiedene  Zusammensetzung  besiUlJ 
rde  ein  unter  aolchen  Umständen  auftretender  Diabas  der, 
alyse  unterworfen.     Das  Gestein  stammt  von  der  Lupbode; 


IS» 

oßd  z\fsr  TOD  derselben  Locali^t,  der  der  Fleckscbiefer  No. 
XVIII.  and  das  felsitische  Gestein  No.  XVII.  entnommen 
^  nd,  welche  den  in  Rede  stehenden  Diabas  in  weit  mächtige- 
rrn  CoDtactbändem  begleiten.  Die  Mächtigkeit  des  Diabas- 
Iä2:ers  betragt  kaum  10  Fuss.  Das  recht  frische,  mit  Säuren 
iiar  schwacb  brausende  <>estein  ist  von  dankelblaugraner  Farbe 
!.nd  bildet  ein  mittelkomiges*  Gemenge  von  Peldspath  und 
Diallag.  Der  Peldspath  hat  eine  grünliche  Farbe,  lebhaften 
^^lanz  and  ist  manchmal  zu  langen,  donnen,  prismatischen  Na- 
Jelu  mit  feiner  Zwillingsstreifung  ausgebildet.  Der  augitische 
Bestaodtheil  hat  eine  dunkelbraune  Farbe,  erscheint  auf  der 
Bnicb6äehe  glanzlos,  auf  der  ziemlich  deutlichen  Spaltbarkeit 
cach  eiaer  Richtung  dagegen  lebhaft  glänzend.  Dünne  Blätt- 
cbeo  sind  ziemlich  durchsichtig.  Als  Diallag  hat  Herr  P.  Groth 
denselben  raittelfit  einer  optischen  Prüfung  zu  bestimmen  die 
^'jte  gehabt.  An  Masse  tritt  er  wesentlich  gegen  den  Feld- 
»pa(b  zuntck.     Volumgewicht  3,081.     Die  Analyse  ergab: 


8iO* 

47,86 

48,86 

TiO* 

0,51 

— 

AlO' 

16,79 

15,17 

¥eO' 

1,58 

3,32 

FeO 

7,93 

6,71 

MaO 

0,44 

0,35 

CaO      . 

10,08 

11,34 

MgO 

6,53 

7,56 

Na«  0 

2,85 

3,11 

K'  0 

0,84 

1,65 

U'O 

3,05 

2,46 

pi  o> 

0,26 

vorb. 

Cl 

Spur 

Torh. 

CO- 

0,48 

Fe  8* 

1,96 

Spur  (S) 

100,61  100,53. 

•  - 

Zur  Vergleicfaung  haben  wir  unserer  Analyse  die  von 
K^iBBL  (Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  IX.  571)  ausgeführte 
^^ä  TOD  ihm  als  Hypersthenit*)  bezeichneten^  demselben  geo- 

*)  DsM  ancfa  dies  Gestein  als  angitlBchen  Gemengtheil  Diallag  and 


160 

gnostischen  Nive&u  und  zwar  auch  dem  nördlichen  Zage  «d- 
gebörigen  Gesteins  von  der  Heinricfasbnrg  an  die  Seite  gi- 
stellt.  Das  von  Kbibbi.  analysirCe  Gestein  stammt  jedeofalU  . 
aas  dam  grossen,  jetat  nicht  melir  betriebenen  Brach«,  wel- 
cher inmitten  der  grossen  Diabasmaase  auf  der  Südseite  der 
Heinrichsburg  angelegt  ist.  Hatten  nun  wirklich  die  Diabaae 
die  für  die  Contactbildungen  erforderlichen  Stoffe  geliefert,  so 
müsBle  die  Analyse  des  vnn  einem  gani  unbedeutenden  Lager 
berröhrenden  Diabases  von  der  Lupbode  sicherlich  eine  merk- 
liche Differenz  im  Vergleich  mit  dem  einer  mächtigen  Diabu- 
utasse  entnommenen  Gesteine  von  der  Heinrichsburg  zeigen. 
Eine  derartige  Differenz  ist  aber  nicht  vorhanden,  am  wenig- 
sten in  den  Bestandtbeilen ,  an  denen  das  Gestein  von  der 
Lupbode  vorzugaweiso  ärmer  hätte  werden  müssen,  an  NatroD, 
Magnesia,  Eisenoxydul.  DieZusammenaetcung  entspricht  viel- 
mehr durchaus  derjenigen  der  normalen  Diabase.*) 

Wie  oben  bemerkt,  zeigen  die  Diabase  und  ihnen  ver- 
wandte Gesteine,  so  weit  bekannt,  kaum  Einwirkungen  un- 
zweifelhaft kaustischer  Art  auf  die  Nebengesteine.  (In  Betreff 
der  alten  Angabe  Zkdschkrr's  über  eine  derartige  Einwirkung 
conf.  Bischof,  Chom.-pbys.  Geol.  2.  Aufl.  HL  169).  Die  Ab- 
wesenheit solcher  Wirkungen  ist  übrigens  darchaus  kein 
Grund  gegen  die  eruptive  Natur  des  Gesteins,  da  selbst  un- 
zweifelhaft eruptive  und  vulkanische  Gesteine,  wie  Basalt  nnd 
Laven  ,  sie  nicht  in  allen  Fällen  zeigen.  Die  Utitersuchangen 
der    neueren  Zeit  über  die  Genesis  der  älteren  Eruptivgesteine 


161 

Schmelxflaase  weit  entfernten ,  stark  durehwäsaerten  Zustande 
'äfandeo.  Unter  solchen  Umstanden  ist  der  Mangel  plutoni- 
5cher  Hitnrirknogen  —  lediglich  ein  Postulat  der  älteren 
Geologie  —  nicht  auffallend. 

Die  Annahme  der  sogenannten  hydatopjrogenen  Bildangs- 
veise  der  Diabase   scheint  nun  aber  auch  ganz  geeignet,   die 
ia  Rede  stehende  Contactmetamorpfaose  in  befriedigender  Weise 
Z3  erklären.    Drangen  aus  dem  dnrchwässerten  Magma  heisse, 
mit  roannichfacben  Stoffen ,    in   unserem   Falle  besonders  mit 
dem   cbeousch    so    wirksamen   Natronsilikat  beladene  Wasser 
oQter  hohem   Druck    in    die  angrenzenden  Sedimente  ein,  so 
scheinen  alle  Bedingungen   selbst  zu  viel  tiefgreifenderen  Ver- 
äadeningen,  als  sie  in  unseren  Contactgesteinen  vorliegen,  ge- 
geben   zu   sein.      Denn   die   gewaltige    umbildende   Kraft    des 
«armen  und  überhitzten ,  mit  Alkali- Carbonat  oder  Silikat  im- 
prigoirten    Wassers     ist    aus    Hübt's     und     Daubr£b's    Ver- 
buchen hiolangHch  bekannt.     Quell thätigkeit  in  Begleitung  und 
^s  Nachspiel    der   Diabaaernption    hat   vielleicht  durch   lange 
Zeiiraome    hindurch   gewirkt.     Dabei   war    möglicherweise  die 
Temperatur  dieser  Quellen  gar  nicht  einmal  ungewöhnlich  hoch. 
I)eQQ  man  braucht,  wie  es  scheint,  um  so  weniger  ausserordent- 
'i'^he  Kräfte  zur  Erklärung  der  Contacterscheinungen  der  Dia- 
base in  Anspruch  zu  nehmen,  als  chemische  Neubildungen  sehr 
wahrscheinlich    durch    einen    noch    wesentlich   plastischen    Zu- 
suod  des  Sediments  erleichtert    wurden.     Die  der  Schichtung 
t^berall  conformen  Lagerungsverhältnisse  der  Diabase  nämlich^ 
velcbe    alle   Windungen    und    Knickungen    der  Schiefer    mit- 
machen,  lassen    darauf  sohliessen,  dass  die  Diabase  zu  einer 
Zeit  in  die  Sedimente  eindrangen,  als  diese  noch  plastisch  ge- 
aog  waren,  um  ihnen  kein  grosses  Hinderniss  entgegenzusetzen, 
somit  aach  keine   wesentliche  Störung  in   ihrem  Baue   zu  er- 
fahren.   Noch   wahrscheinlicher  aber  wird  die  Entstehung  der 
I^iabaae  bald  nach  oder  während  des  Absatzes  der  Sedimente, 
jedenfalls  aber  vor  der  Aufrichtung  derselben,  durch  die  bereits 
>o  Bingaoge  betonte  Thatsache,  dass  die  Diabase  nicht  regel- 
i09  im  iJtoQ  Gebirge  zerstreut  liegen,  sondern  ihre  ganz  festen 
Mreaos  mit  ebenso  bestimmten  petrographischen  Charakteren 
«inhalten.     Befanden    sich   nun   die  ursprunglichen   Sedimente 
r<och  im  Znstande  plastischer  Thone,   als  das  Eindringen  der 


162 

Diftbase    erfolgte ,    ao   konnten    unter   den    gemachten    Torknf- 
Setzungen  Umwandlungen  um  so  leichter  vor  sich  gehen. 

Wie  «ir  gesehen,  rousste  den  Co ntactge steinen  cur  BiJ- 
dung  des  NntronfeldspaUia,  des  Hauptbealandtheils  der  saarcD 
wie  der  basischen  Gesteine,  besonders  NalronsiJikat  zugeführt 
werden.  Es  ist  bekannt,  dass  Alkalien,  und  swar  besoodeia 
Natron,  zd  den  allgemeinslen  Bestandtheileti  aller  Gewäaser 
gehören.  Namentlich  reich  sind  daran  die  heissen  QaeDn 
(so  enthält  x.  B.  nach  Dahour  der  Geissir  0,34  Na=  O  auf 
0,01  K'  O,  der  Radstosa  0,25 :  0,01,  der  Hougardia  0,32  :  Oß 
etc.  Bischof,  Geol.  II.  231)-  Aber  auch  in  kalten  Uineral- 
qaellen  fehlt  dies  Alknli  nicht  leicht  and  pflegt  belräcbllich 
über  das  Kali  zu  nberwiegen.  Sein  verbreitetes  Vorkommen 
beraht  hier  auf  der  leichteren  Löslichkeit  seines  Silikats  im  Var- 
gleich  cu  demjenigen  des  Kalis,  eine  Thatsache,  die  sii-h  dent- 
lieh  darin  nussprirbt,  dass,  wo  in  einem  Gestein  gleichzeitig 
Kali-  und  Natronfeldspatli  Torknramen,  erstervr  häufig  noch 
frisch  ist,  während  letzlerer  bereits  in  Kaolin  umgewandelt  er- 
scheint. Nach  Bischof  ist  nun  sehr  wahrscheinlich  alles  Na- 
tron an  Kieselsäure  gebunden  (Geol.  I.  531,  II.  281)  und  nach 
Versuchen  von  Lddwig  ist  das  in  Gewässern  gelöste  Alkali 
überhaupt  nur  als  Überkiesel  sau  res  Sah  vorbanden  (Arch.  für 
Pharm.  LXXXIV.,  129  ff.).  Die  Thone  nun  stellen  wesent- 
lich wasserlialtiges  Thonerdesilikat  dar.  Aber  auch  die  reio- 
slen    unter   denselben  pflegen  immer  •noch  kleine  Mengen  Al- 


163 

SiHktle  vorbanden ,  so  Iconnen  ebeilsogut  auch  andere  sosam- 
mengesetste  Silikate  krjttallisiren.  Dean  es  gelang  Daubb^b 
aaeh,  Obsidian  and  kSnetliches  Glas  durch  Behandlung  mit 
ilkalidcben  Losangen  in  Feldspaih,  Quars  und  Augit  unizu- 
bildeo. 

Die  Möglichkeit  der  Bildung  sammtlicher  constituirender 
Mioertlien  unserer  Contactgesteine  durch  die  Wirkung  uber- 
bitxteo  Wassers  ist  somit  experimentell  dargethan.  Da  aber 
bei  allen  diesen  Experimenten  wesentlich  die  chemische  Ver- 
wandtschaft der  snsammengebrachten  Stoffe  als  Agens  thätig 
iit  and  die  hohe  Temperator  keine  andere  Bedeutung  hat,  als 
dass  sie  die  Wirkongen  der  Affinität  unterstutzt  und  beschleunigt, 
M  wirdeo,  wie  es  scheint,  auch  Gewässer  von  gewöhnlicher 
Temperatur  innerhalb  langer  Zeiträume  dieselben  Wirkungen 
MszQÖben  im  Stande  sein,  wie  sie  uberhitstes  Wasser  in  sehr 
viel  kiinerer  Zeit  ausübt  Wenn  wir  für  unser  Theil  uns  trotz- 
dem for  Yermittelung  der  Contactmetamorphose  wesentlich  durch 
beisse  Wasser  entscheiden  mochten ,  so  liegt  der  Grund  da- 
fir  Dicht  sowohl  darin,  dass  wir  den  DAUBRtB^schen  Ver- 
98cfaen  ein  allzu  grosses  Gewicht  beilegten,  als  dass  die  Vor- 
stellong,  die  wir  uns  vom  ursprünglichen  Zustande  des  erupti- 
Yen  Dtabasmagmas  machen,  heissen  Wassern  das  Wort  zu 
redeo  scheint. 

Sehen  wir  nunmehr,  wie  man  sich  etwa  den  Verlauf  der 
f bemischen  Processe  in  den  verschiedenen,  für  das  Vorkommen 
der  Diabase  möglichen  Fällen  denken  kann. 

Die  Analysen  der  unveränderten  Schiefer  ergeben  neben 
nicht  unansehnlichen  Af  engen  Alkali  noch  ziemlich  viel  Eisenoxy- 
dol,  Kalk  und  Magnesia.  Es  ist  wahrscheinlich,  dass  die  ursprung- 
icheo  Tbonsedimente  weit  weniger  van  diesen  Stoffen  ent- 
hielten als  die  jetzigen  Thonschiefer,  da  Thone  mit  so  viel 
fremden  Silikaten  nur  ganz-  ausnahmsweise  vorkommen.  Aber 
nehmen  wir  an,  die  Zusammensetzung  der  ursprunglichen  Se- 
dimente sei  deijenigen  der  heutigen  Thonschiefer  wesentlich 
iholich  gewesen.  Unter  dieser  Voraussetzung  muss  man ,  um 
^  Vorkommen  von  saueren  Gesteinen,  wie  in  Fall  1  und  2 
im  unmittelbaren  Coätact  mit  Diabas,  zu  erklären ,  annehmen, 
^>  die  wässerigen  Losirngen  ausser  Natronsilikat  noch  Koh- 
'eosäore  in  freiem  Zustande  enthielten.    In  diesem  Falle  muss- 


164 

tea  äie  im  Sedimente  wabracheinlich  als  Silikate  TorhaDdenm 
MeDgen  Eiaenoxjdul,  Magnesia,  Kalk  aU  Bicarbonate  fortgeführt, 
die  dabei  frei  gewordene  KiBgelsäure  aber,  soweit  sie  nicht  gelöst 
und  auch  mit  forlgefährt  wurde,  aasgii schieden  werden.  Wirkte 
der  chemische  Process  in  dieser  Weise,  so  ist  es  begreiSicli, 
dasB  man  an  seinem  Aasgangspankte,  der  Contactfläcbe  des 
Diabases,  Gesteine  antrifft,  die  fast  allein  aus  Natrnnfeldspalb 
mit  etwas  Quarz  bestehen  and  von  anderen  Stoffen,  namentlich 
Eisen,  Calcinm,  Magnesium  bis  fast  auf  Spuren  frei  sind.  Hit 
xunehmeoder  Entfernung  vom  Diabas«  sättigte  eich  die  Kohlensäure 
immer  mehr  mit  Metallbaseo,  und  es  trat,  wenn  die  vom  Wasser 
zugefährten  Mengen  jener  SÄureii  nicht  sehr  bedeutend  waren, 
bald  der  Punkt  ein,  wo  von  jenen  Metallen  nicbts  mehr  ge- 
löst werden  konnte.  Daher  die  Erscheinang,  dass  mit  wacbsea- 
der  Entfernung  von  der  Contactfläcbe  die  Menge  jener  Stoffe 
stetig  lunimmt. —  Wo,  wie  im  2tenFalIe,  an  die  saueren  sich 
basische  Gesteine  anscfaliessen,  da  kann  man  «nnebmen ,  daas 
bei  der  Bitdung  der  letzteren  von  den  präexisürenden  Eisen-, 
Kalk-  und  Magnesia- Silikaten  nicht  nur  nicbts  mehr  gelöst,  soodem 
im  Gegentheil  neue  Mengen  dieser  Verbiudougen  gebildet  wor- 
den; die  nunmehr  auf  das  Sediment  wirkenden  Lösungen  ent- 
hielten ausser  Natransilikat  noch  ansehnliche,  den  saueren 
Gesteinen  entzogene  Quantitäten  Eisen ,  Kalk ,  Magnesia  als 
Bicarbonate,  weshalb  sich  BoaserNatronfeldspath  besondersEisen- 
ozydul'  and  Magnesia- Silikate  bildeten,    welche  sich  mit  dem 


185 

Cootaciflicfae  Gesteine  der  basischen  Reihe  auftreten,  darf 
keiae  aberschassige  Kohlensäare  vorhanden  gewesen  sein,  son- 
dern nar  balbgebondene  in  Form  von  Bicarbonat,  besonders 
ih  Magnesiabicarbonat.  Dieses  ist  auch  dasjenige  nnter  den 
MagDesiasaixen,  welches  einen  ganz  gewohnlichen  Bestandtheil 
alier  Qoelleo  ausmacht.  Bin  wesentliches  Moment  bei  allen 
diesen  Proceesen  spielte  die  in  den  Thonschiefern  und  zum 
Tbeü  auch  in  den  basischen  Gesteinen  noch  erhalten  geblie» 
beoe  organische  Substanz  der  ursprünglichen  Sedimente,  die 
wir  bisher  unberücksichtigt  Hessen.  Durch  ihre  reducirende 
Wirkung  worde  das  iu  den  Sedimenten  vorhandene  Eisenoxyd  in 
£is«nozjdul  omgewandelt  und  damit  der  Chloritbildung  Vorschub 
geleistet.  Weiter  ist  ihr  auch  durch  Reduction  der  etwa  vor- 
handenen Bisensulphate  die  Bildung  des  namentlich  in  den 
»Deren  Gesteinen  so  verbreiteten  Bisenkieses  zuzuschreiben. 
Waren  solche  Sulphate  nicht  ursprünglich  vorhanden,  so  ge- 
sägte die  Gegenwart  von  Alkalisulphat  neben  Eisenoxjd  oder 
kohlensaurem  Bisenozjdul  zu  ihrer  Bildung. 

Noch  osachen  wir  auf  die  merkwürdige  Thatsache  auf- 
merksam, dass  überall  in  unseren  Contactgesteinen  das  Kali 
der  unveränderten  Schiefer  durch  das  Natron  verdrangt  er- 
scheint Nicht  als  Brklärung,  sondern  lediglich  als  auf  ein 
Aoalogon  mochten  wir  auf  die  durch  Volobb  bekannt  gewor- 
dene Pseodomorphosen  von  Albit  nach  Adular  hinweisen 
(Bischof,  Geol.  II.  411). 

Bei  der  Annahme  einer  Ausbildung  der  Cootactmetamor- 
phose  wesentlich  unter  Mitwirkung  des  Wassers  erscheint  es 
hegreiflicher,  warum  dieselbe  trotz  ihrer  allgemeinen  Yerbrei- 
tong  durch  den  Harz  Qicht  gl  eich  massig  an  jedem  Diabaslager 
Qod,  wo  sie  vorhanden,  oft  nur  im  Liegenden  oder  im  Han- 
geoden ZOT  Ausbildung  gelangt  ist.  Derartige  Ungleichheiten 
können  nicht  mehr  beiremden  als  ähnliche  in  der  Verwitterung 
der  Gesteine,  wie  sie  sich  oftmals  nicht  nur  in  ganz  nahe  lie- 
genden Gesteinspartien,  wie  desselben  Steinbruchs,  sondern 
an  ein  und  demselben  Uandstucke  äussern.  Die  Ursache  liegt 
io  beiden  FiUlen  in  der  verschiedenen,  durch  unmerkliche  phy- 
sikalische Differenzen  bedingten  Durchdringbarkeit  verschiede- 
oer  Gesteinspartien  für  das  Wasser,  welches  in  beiden  Fällen, 
bei  der  Umbildung  wie  bei  der  Zersetzung  Träger  der  den 
Geiteinen  zu-  und  fortgeführten  Stoffe  ist.    Nicht  überall  mögen 


166 

di«  Thonsedimente  zor  Zeit,  als  die  CooUctmeUmorpboae  er- 
folgte, gleich  unverändert  gewesen  sein.  An  manchen  Stellei 
mögen  innerhalb  derselben  durch  locale  chemische  Processc 
partielle  Umwandlungen  und  Verfestigungen  vor^sich  gegangei 
und  das  Gestein  dadurch  zu  einer  weiteren  Stoffaufnahme  we- 
niger geeignet  gewesen  sein«  In  gleicher  Weise  ist  unter  dei 
gemachten  Voraussetzungen  auch  die  Unabhängigkeit  des  Graden 
der  Ausbildung  der  Cootactgesteioe  von  der  Masse  des  angren- 
senden  Diabases  erklärlich. 

Dass  auch  mechanische  Kräfte  durch  das  Eindringen  dei 
Diabase  in  Thätigkeit  gesetzt  worden ,  lässt  sich  von  vom 
herein  annehmen.  Auf  ihre  Rechnung  sind,  wie  es  scheint 
die  oben  beschriebenen,  auf  grösseren  Umkreis  um  die  Diabaae 
au  beobachtenden,  feingefältelten  und  plattig  und  griffelartig 
abgesonderten  Schiefer  zu  setzen. 


Kurie  IJebersicht  der  CSratacterscheiaugei  der  Mahase  waä  fer- 
waiHlter  ttesteine  ausserhalb  des  lanes.  Ver^ekhug  der  Biabas- 
Ceiitaet  -  letaaerphese  Mit  deijeiigen  anderer  altentpÜTer  fiesteiae. 

ScUassbeMerkugen. 

Man  findet  in  der  Literatur  zahlreiche  Notizen  über  Ck>n- 
tactbildungen  sowohl  ächter  Diabase,  als  ihnen  nahe  stehender 
Gesteine,  wie  Gabbro,  Hyperit,  Euphotid  etc.  serstreat.  Sie 
zeigen ,  dass  die  Gontaotuietamorphose  dieser  Gesteine  auch 
ausserhalb  dos  Harzes  eine  weite  Verbreitung  besitat.  Was 
die  Charaktere  der  Contactproduote  betrifft,  ao  schliesaen  sich 
diese,  wie  es  scheint,  an  die  Harzer  Diabascontactgesteine 
durchaus  an.  Zum  Theil  sind  es  Jaspis-,  kieselscbiefer-  nndj 
hornsteinähnliche ,  dichte,  harte  oder  feinkörnig  felsitiache  Ge-I 
steine,  unseren  saueren  ContactgesteineA  aahestehend;  zumj 
Theil  weichere,  mehr  oder  weniger  schieferige,  unseren j 
Fleckschiefern  und  Bandgesteinen  sich  anschliessende  Ge- 1 
bilde.  Doch  werden  Gesteine  der  letzteren  Art  viel  seltener! 
genannt;  sie  scheinen  sich  nur  in  Fällen  einer  besonders  i 
intensiven  Metamorphose  entwickelt  zu  haben.  Ganz  nnzwei-  i 
felhaft  gehört  sowohl  der  Beschreibung  als  der  Analyse  1 
nach  das  Gestein ,  welches  im  Burdenbachthale  b^  Boppard  j 
am     Rhein     im     Contact     von     Thonschiefem     mit    Diabas  I 


167 

aaftrict   ond    das  HuQO  Blahok    (De  lapidibui  quibusd,    viridib, 
Dissertat.  Bonn,  1865}  beschrieben  und  analysirt,  zu  unseren 
Fleekscbiefera.    Auf  dem  Mineraliencabinette  der  hiesigen  Berg- 
akademie befindet   sich  eine  Suite   von  Diabasen  und  Contact- 
gesteiaeo  von  jener  Lokalität^  die  den  Harzern  so  ähnlich  sind. 
Um  man  sie  damit  verwechseln  konnte.   Auch  die  BLAKCK^sche 
Aoaljse  schlieast  si4*h  der  Zusammen setsnng  unserer  Fleckachiefer 
aa.   Aach  hier  ein  Präponderiren  des  Natrons  über  das  Kali,  der 
Magnesia  ober  die  KaJkerde.  (4,80  Na«  O,  0,34   K*  O,  3,14 
MgO,  0,40  CaO,  56,14  SiO*  etc.).     Sonst  sind  mir  unseren 
liaäisehen  Gesteinen  ibnlicbe  Gebilde  aus  der  Literatur  nur  von 
£iba  bekaoat,    woher  sie  Kbastis  im  Contact  mit  Gabbro  be- 
schreibt  and  mit  den   Fleekscbiefem    der  Heinrichsburg    ver- 
i^itKht  (Kabst.  n.  V.  Dboh.  Archiv«  XV.  1841.  395).    Viel  häu- 
Qger   werdet)  Gesteine,   die    unseren  sauren  ahnlich  sind,  ge- 
asoDL    Sie  scheinen  im  Contact  mit  diabasartigen   Gesteinen 
recht  hiLnfig  -zu  sein,   aber  nicht  immer  wesentlich  Feldspath- 
gesteioe  daradstellen,   wie  die  ähnlichen  Harzer  Gesteine,  son- 
ceni  oftmals  kieseiiger  Natur  su  sein.    Das  gilt  si.  B.  von  dem 
beksnntan    uraliscben  Bandjaspis,    der  im  Gontaet  mit  Hjperit 
loftiitt  and  nach  einer  Analyse  von  Avdbjevf  ein  achter,  kiesel* 
»iorereieher,  alkaliarmer  Jaspis  i^t.  Dasselbe  gilt  im  Allgemeinen 
;oD  den  im  Contact  mit  den  freilich  viel  jüngeren  Serpentinen 
and  Gabbros  Liguriens  und    des    toskanischen    Appennins   er- 
srbeinenden  jaspisähnlichen  Gesteinen,  die  als  diaspro  und  gab' 
'•ro  T0S90   bekennt  sind.     Dieselben    treten  in  Verbindung  mit 
üfo  beaeichoeten  Gebirgsarten  in   solcher  Constanz  auf,  dass 
Al.  BaoHOHiABT  {An.  d.  minea^   F/,  1821.  177  ff.)  sie  als  we- 
seotliches  Glied  seiner  Ophiolithformation  ansah.     Die  Zusam- 
meoseUaog   aber   entfernt   sich,  weit    von    derjenigen    unserer 
Contactgesteine,  wie  die  Analysen  von  Dblesse  (An,  d.  minss, 
1//,  1857.  507)  beweisen,  denen  zufolge  der  Alkaligebalt  die- 
ser Gesteine  ganz  unbeträchtlich  ist.     Ob  die   von  englischen 
aod  amerikanischen   Geologen .  im   Contact  mit  älteren  Grün- 
»teioen  beschriebenen  und  als  chert,  Jasper,  flintj  slate  etc.  auf-  * 
geführten  Gesteine  (so  z,   B.  von  ,Hitchcock  ,   Report  on   the 
fitoloffy  of  M(usa^kuset$   1841.  657 ,  im  Contact   mit  den  Dia- 
baaen  des  Conecticu^^hales)  mehr  dem  eigentlichen  Jaspis  oder 
uoaeren  Harzer  Contactgesteinen  sich   nähern,   erscheint  frag- 
'icb.   Andere  Grnnstein«Contaotgesteine  scheinen  dagegen  gleich 


168 

denen  des  HarzeB  wesentlich  felsitiecber  Natur  lu  sein.  Di«  in  itn 
nberen  Lahngegeoden  aaftreteadea  Diabase  werden  häufig  von 
harten  Co ntactge steinen  begleitet.  Ein  derartiges  Varicomnaea 
erwähnt  v.  Klipbteih  (Zeitsclir.  der  D.  geol.  G'es.  V.  530)  ana 
dieser  Gegend.  Hnndstücke  von  DinbascontHCtge steinen  tob 
Dillenburg  zeigen  vollkommen  den  Habitus  des  sogenannt«]! 
Adinolgesteins  von  Lerhach  (No.  XXIII)  iind  Gesteine ,  di« 
ich  jüngst  bei  Wejlbnrg  im  Nassau'scben  geschlagen,  wo  ditt- 
selben  dem  Scblossberge  vis-ä-vis  im  Conlact  mit  Diabas  auf- 
treten,  sind  dem  ha lleflintäbn liehen  Contactgestoine  vom  Giti- 
hügel  bei  HasselTelde  (No.  IX)  tum  Verwechseln  äbalicb. 
Fe  Isi  tischer  Natur  sind  auch  die  dichten  röthlichweiiaen 
und  oft  grün  punktirten  oder  gefleckten  <>eBteiae,  welche  Nad- 
HANR  im  Conlact  mit  Serpentin  im  (>ehiete  des  Siebenleha«r 
Grünsteins  aogiebt  (Erlauter.  x.  geogn.  Karte,  Heft  V.  71). 
Endlich  gehören  hierher  sehr  wahrscheinlich  auch  die  gescbicb- 
tetCD  dichten  p et ros  11  exartigen  Gesteine,  welche  Sc  HnHT  vod 
Orford  und  St.  Henri  beschreibt  (Sillih.  Am.  Journ.  XXVIl 
1859.  339),  wo  dieselben  zusammen  mit  grosakryatallini sehen,  aas 
Älbit  und  Augit  bestehenden  (lesteinen  (welche  letztere  HoNT  all 
Diorite  (7)  ansieht),  ansehnliche  Lager  zwischen  den  eilariaeh«n 
Opbiolithen  Canadas  bilden.  Huht  hält  zwar  die  dichten  Ge- 
steine für  nichts  Anderes  als  mikrokrystalliuische  Abändemngan 
der  grosskörnigen.  Altein  die  Analysen  beider  Gesteine  ergeben 
eine    so  verschiedenartige  Zusammensetzung,    dass   ibra  Ver- 


169 

Tohl  im  Contftct  mit  OraDit,  wie  mit  Porphyr  und  Melaphyr 
TorziikommeD,  namentlich  wo  diese  Gestetue  von  Thonschiefem 
(egrenxt  werden.  In  gleicher  Weise  sind  ücckschieferahnHche 
<ie$teiDe,  zu  denen  aoch  Garben-,  Knoten-  und  Frnchtschiefer  sa 
»tellea  sind,  im  Gebiete  des  Thonscbiefers ,  da  wo  dieser  an 
grouere  Granit-  und  Sjenitmasscn  angrenzt,  eine  häufige  £r- 
»eheiooDg.  Manchmal  treten  mit  ihnen  zugleich  auch  glimmer- 
lebiefer-  und  gneissartige  GebiMe  auf,  ein  deutlicher  Beweis, 
>iass  die  Stellung,  die  Naumann  und  Zirkel  diesen  Gesteinen 
D  oächster  Nachbarschaft  der  kristallinischen  Schiefer  anwei- 
*^n,  eine  dnrehaas  passende  ist.  In  physikalischer*  Hinsicht 
fiodet  sooiit  zwischen  den  Contactprodukten  sehr  verschieden- 
irtiger  allkrystallioischer  Gesteine  viel  Aehnlichkeit  Statt.  In 
vie  weit  dieselbe  auch  in  chemischer  Beziehung  besteht,  dar- 
obtr  lu  entscheiden  reicht  das  zur  Zeit  vorhandene  analytische 
Material  noch  nicht  aus.  Silicificationen  und  zuweilen  auch  Feld- 
»pathitationen  scheinen  vielfach  die  bei  der  Gontactmetaroor'> 
pbose  hauptsächlich  thätigen  chemischen  Processe  darzustellen. 
So  ist  erste  von  FuGHB  (loc.  cit.)  für  die  Hornfelsbildung  als 
ves«Dtlicb  erwiesen;  in  anderen  Fällen  ist  daneben  oder  auch 
giQi  allein  die  zweite  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  anzu- 
oebmeo.  So  nach  Dürocher  in  der  Nachbarschaft  der  grossen 
Hrophyrmassen  Norwegens,  z.  B.  von  Ringerige  (Sur  le  mdtam.^ 
Bullet  8oe.  giol.  III.  1846.  595),  so  vielleicht  bei  der  viel  be- 
«procbeoen  ^grauwof^e  nUtamorpkiqut^  der  Vogesen.  Doch  sind 
Oesteine  mit  so  hohem  Alkaligehalte  überhaupt  und  Natron- 
§efaAlte  insbesondere  wie  unsere  Harzer  Diabascontactgesteine 
Qoter  den  Contaetgebilden  von  Eruptivgesteinen  meines  Wissens 
^u  jetit  nicht  zur  Renntniss  gelangt.  Auch  unter  den  me- 
^UDorpbischen  Gesteinen  im  Allgemeinen  sind  sie  nur  selten. 
Inter  den  von  List  analysirten  Sericitschiefern  des  Taunus 
^eteo  mitunter  Gesteine  mit  ähnlich  hohem  Natrongehalte  auf 
Mntl  d.  Cbem.  u.  Pharm.  1852.  198).  Ebenso  können  in 
<iieBer  Hinsicht  vielleicht  manche  Gneisse  und  Glimmerschiefer, 
die  Albitgneisse  und  die  '  Paragonitscbiefer  ScHAFHiaTL^s  (mit 
^5Proc  Na»  O,  ohne  K«  O,  Annal.  d.  Chem.  u.  Pharm.  1843, 
335)  Dod  gewisse  natronreiche  und  kaliarme  Abänderungen  der 
^UDdiDavischen  Hälleflinta  —  soweit  alle  diese  Gesteine  me* 
^^oKnrphischen  Ursprungs  sind  —  verglichen  worden.  Doch  ist 
t^^mentlich  bei  den  letzteren  der  Alkaligehalt  im  Allgemeinen 


170 

viel  Diedriger,  das  gegenseitige  Verbältniss  beider  Alkalien 
Ausserordentlichen  Schwankungen  unterworfen,  und  das  Uebei^ 
wiegen  des  Natrons  immer  nur  etwas  mehr  Zufälliges,  wie  dia 
neuerdinge  in  den  Berichten  der  schwedischen  Landesuntar- 
sui-hung  mitgelheilten  Analysen  zeigen  (Ax&L  Erdm^bn,  Svtrigta 
Geologisca  UndtTtaknmg,  Heft  26,  „Sala",  S.  43).  Dem  gegaa- 
über  erscheint  die  grosse  Cunstaiiz  des  hohen  Na t ränge hal tat, 
welcher  die  Harxer  Diabascoiilaclgesteine  zu  förmlichen  Natron- 
gesteinen  stempelt,  sehr  bemerkenswerth.  Interessant  würda 
CS  sein,  zu  verfolgen,  ob  dieser  Natroiigehalt  aui;b  anderweitig 
wiederkehrt,  wo  Contactbildungeti  von  Diabasen  vorhanden  siad, 
wie  das  bei  der  einzigen  Analyse  eines  unaweifelbaften  Dift- 
bascontai'tgesteins  ausserhulh  des  Uanes,  von  Boppard,  dar 
Fall  ist. 

Es  ist  eines  der  vielen  Verdiensie  von  Delbsse,  die  spe- 
zielle oder  Co ntactmelamo rp hose  von  der  allgemeinen  oder  nor- 
malen getrennt  zu  haben.  (Ann.  d.  oiines,  XU.  1857.  89  ff.). 
Die  erstere  findet,  wie  8<'hon  der  Name  andeutet,  im  Cuotaet 
von  sedimentären  mit  Eruptivgesteinen  Statt.  Die  xweite  ao- 
fasst  alle  die  Veränderungen,  die  sich  unabhängig  von  Eruptiv- 
gesteinen durch  allgemeine  chemische  und  physikatiacbe  Pro- 
ccsse  innerhalb  der  Oesleine  voltziehen.  Sind  diese  durch  uns 
noch  unbekannte  Ursachen  irgendwo  mit  besonderer  lutenaitit 
erfolgt,  so  üuBSert  sich  dieselbe  in  so  grosaartiger  Weise,  wie 
in    der    in    vielen    Fällen    ausser  Zweifel   gestellten  Umbildung 


171 

üreD  Gesteine,  die  immer  mehr  Aahäager  gewinnt,  dass  näm* 
lieh  mit  steigendem  Alter  dieser  Gesteine  dem  Wasser  eine  im- 
sLtr  wesentlichere  genetische  Rolle  zufallt«  Denn  da  bei  der 
allgemeinen  Metamorphose  der  gewöhnlichen  Ansicht  gemäss 
baaptsacblich  aach  nur  Durchwässerungsprocesse ,  wahrschein- 
lich uoter  Mitwirkung  von  Druck  und  erhöhter  Tempera- 
mr,  thälig  waren,  so  erklärt  sich  die  oftmals  sehr  grosse 
Aeholicbkeit  der  Contactwirkungen  alteruptiver  Gesteine  mit 
Jen  Pbäoomeoen  der  allgemeinen  Metamorphose  auf  ungezwun- 
^eoe  Weise.  Su  sind  die  Contacterscheinungen  der  im  Allge- 
oeioeD  ältesten  Gesteine,  der  Granite,  —  ansser  wo  Hörn- 
felse  gebildet  sind,  die  mehr  ein  Product  eigentlicher  Contact- 
meUmorphose  darzustellen  scheinen  —  den  Wirkungen  der  all- 
gemeinen Metamorphose  am  meisten  ähnlich.  Sie  lassen  sich 
oftmals  aof  sehr  weite  Entfernungen  hin  verfolgen.  So  reichen 
oAcbKuLHAü  (NAUKAUHy  Geogn.,  1.  745)  die  verschiedenen  Ab- 
^lofaogen  der  Metamorphose  der  Thonschiefer  in  der  Gegend 
roQ  Cbristiania  bis  auf  eine  englische  Meile,  nach  B&bithaupt 
(?irigenesi8,  36)  in  den  Schneeberger  Gruben  bis  auf  800' 
•00  der  Granitgrenze  und  die  Contactzoneo  mancher  Granit-' 
partien  im  Erzgebirge,  Cornwall,  in  der  Bretagne  und  den  Pjre- 
'Ätü  haben  eine  noch  bedeutendere  Mächtigkeit.  Die  Producte 
der  Qranitmetamorpbose,  wo  diese  recht  ausgezeichnet  ent- 
wickelt ist,  zeigen  meist  eine  deutlich  krjstallinische  Besehaffen- 
i^«it,  ja  stellen  oft  wirkliche,  sehr  fei dspath reiche  Gneisse  dar, 
ile  o&ch  NaumaN5  ein  treffliches  Beispiel  derart  nördlich  von 
üscfaatz  zu  beobachten  ist  (Geogn.  Beschreib,  d.  Königr.  Sachs. 
IL  194).  Mit  Recht  sagt  daher  Dblessb  (Ann.  d.  mines,  XII, 
1857,772):  ,les  m^tamorphoses  qui  s^observent  dans  les  roches 
•oQiigaes  k  des  roches  granitiques  räsultent  beauconp  moins 
iaa  m^tamorphisme  de  contact  que  d^un  metamorphisme  nor- 
aal.  Et  qoant  on  tient  compte  de  la  superposition  habituelle 
de  ces  deiix  metamorphismes,  Ton  est  snrpris  du  peu  dMmpor- 
(uice  des  effets  produits  par  les  roches  granitiques.^  Etwas 
gaoz  Aehnliches  gilt  nun  auch,  wie  es  scheint,  von  der  Diabas^ 
coaUetmetamorphose.  Denn  anch  die  Wirkungen  dieser  sind, 
^eoo  aoch  nicht  in  dem  Grade  wie  bei  dem  Granit,  denjenigen 
'ler  allgemeinen  Metamorphose  zum  Theil  recht  ähnlich.  Na- 
meotlich  gilt  das  in  Betreff  der  Pleckschiefer  und  der  ihnen 
^^t  stehenden  Gesteine.  Die  schiefrig-flasrige  Ausbildungs- 
«eise,  die  bedeutsame  Rolle,  welche  in  ihnen  concretionäre 
BildoDgen  spielen  (die  gewissermaassen  den  Sphärolithen  der 
<^ttarzporphjre,  Trachyte  und  Obsidiane  zu  vergleichen  und  als 
Vorliafer  dentlicfaerer  Krystallausscbeidungen  zu  betrachten 
^iod),  die  Verbreitung  des  Chlorits,  eines  Minerals,  dessen 
Vorkommen  sich  wesentlich  auf  metamorphische  kristallinische 


172 

Scbiefer  beschränkt,  endlich  die  oftmftls  ansehnliche  Breite 
Contactsonen,  das  Alles  lässt  unsere  basischen  Gesteine  i 
Prodncten  der  allgemeinen  Metamorphose  wesentlich  ahn] 
erscheinen.  In  viel  geringerem  Maasse  gilt  das  von  den  san 
Diabascontactgesteinen,  die  vieiraehr,  den  Hornfelsen  anal 
weit  mehr  als  Froducte  eigentlicher  Contactmelamnrpbose 
scheinen. 

Es  ist  sehr  wahrscheinlich,  dass  die  fast  aosscbliesalii 
Beschränkung  der  fleckscbieferarligen  Gesleine  auf  den  t)ö 
liehen  Zng  in  Beiiehung  xa  bringen  ist  mit  der  grösseren  Int 
sität  der  metamorphischen  Phänomene  überbaapt  im  Nor< 
der  Qrauwackenaxe.  Die  weite  Verbreitung  feingefältelter  t 
in  Thonglimmerschiefer  umgewandelter  XhonBcfaiefer,  das  bl 
flge  Anftrelen  sericitischer  Gesteine  und  endlich  metara 
phischer  Porphyre  mit  deutlichen  Qnarz-  und  Feldspa 
kryslallen  in  einer  den  hälleSintahnlichen  Di  abäsen  ntactgesi 
neu  ähnlichen  Grundmasse  —  Gesteine,  die  Lossbk  (loc.  c 
als  PoTphyroide  beschriehon  hat  — ,  das  Alles  sind  Erscb 
nangen ,  die  den  äquivalenten  Schichten  im  Süden  der  A 
'fehlen  and  anf  die  bedeutsame  Rolle  hinweisen,  welche 
allgemeine  Metamorphose  im  Norden  der  Axe  gespielt. 
Lichte  dieser  Thatsachen  erscheint  die  Verschiedenarligkeit  in  < 
Ausbildung  der  Contactgesteine  des  nördlichen  und  des  si 
liehen  körnigen  Diabaszuges  weniger  befremdlich.  Denn 
die  Metamorphosirnng  der  Contactgesteine  nnserer  Anaah 
nach  vor  Aufrichtung  der  Schichten  erfolgte,  d.  h.  cn  eti 
Zeit,  wo  die  Trennung  derselben  in  eine  Nord-  nnd  eine  Si 
hälfte  nncb  nicht  stattgefunden  hatte,  so  wäre  die  grosse  Dil 
rens    beider  Gesteinsinge    unerklärlich ,    wenn    man    nicht    i 


173 


9.  6€#kgie  des  Kariscken  Haffes  ud  seiner  llngebaag. 

Voo  Herrn  G.  Bbhendt  in  Königsberg  i.  Pr. 

Die  vor  Kurzem  im  Verlage  der  Kouigl.  physik.  Ökonom. 
Gesellschaft  iii  Commissiou  bei  W.  Koch  in  Königsberg  er- 
schienene ^Geologie  des  kurischen  Haffes  und  sei- 
ner Umgebung"  giebt  in  ihrem  50  Seiten  Quart  umfassen- 
den ersten  Theile  nach  einem  oro-hydrographischen  Ueberblick 
der  Gegend  eine  geognostische  Beschreibung  dieses  in  sich  ab- 
geschlossenen grossen  Alluvial-Gebietes  und  dient  zugleich  als 
Erläoteroug  der  betreffenden  Sectionen  2,  3  und  4  der  geolo- 
^chsn  Karte  von  Preussen. 

Nach  den  Formations -Abtheilungen  geordnet,  beginnen  in 
der  geogoostischen  Beschreibung  die  Salzwasser-  und  die  Flug- 
Bildungen,  und  wird  gleichzeitig  die  14  Moilen  lange  aus  ihnen 
gebildete  Kurische  Nehrung  eingehend  besprochen.  Fig.  1  der 
io  den  Text  gedruckten  Holzschnitte  giebt  ein  chiirakteristisches 
Profi]  durch  die  ganze  Breite  der  Nehrung  und  zwei  chromo- 
lilhograpliirte  Tafeln  in  vier  nach  der  Natur  skizzirten  Ansichten 
ein  getreues  Bild  des  bisher  wenig  gekannten  grossartigen 
Charakters  dieser  schmalen  Landzunge.  Beobaclitungen  und 
Versuche,  den  gefahrlichen  Triebsand  der  holten  Dünen  be- 
treffend, schliessen  sich  an. 

Die  gleichfalls  durch  Profile  erläuterten  Süsswasserbildun- 

gen,    welche    in  der  kurzen  Petrographie  nun   folgen,  gehören 

der  Hauptmasse  nach  dem  grossen  weiten  Memeldelta  aus  der 

directen  Umränderung  des  Kurischen  Haft'es  an.    Es  schliessen 

sich    daran    die   Bildungen    eines    älteren    Alluviums,    die    als 

schmale  ganz  niedrige  Hügelzuge  die  meilen weite  ebene  Fläche 

des  Deltas  durchziehen.     Sie    steigen  aber  auch  bereits   hinauf 

auf  die  Höhe  der  Plateauumränderung,  welche  der  Hauptsache 

nach  nur  aus  Diluvialbildungen  besteht,  so  dass  sich  eine  kurze 

petrograpbische,    durch  Profile    unterstützte    Schilderung    auch 

dieser,  nach  oberem  und  unterem  Diluvium  gegliedert,  anschliesst. 


174 

Eine  kleine  geognoatische  Uebersicbtakarte  vollendet  and  nnter- 
stäUt  endlich  die  gegebene  geogn ostische  Beschreibung. 

Der  iweile  60  Quartseiten  umruBende  Theil  enthält  den 
Versuch  einer  Geogenie  oder  Entstehungs-  und 
FortbtldungBgcBchichte  des  Kurischen  Haffes,  soweit  di«- 
selbe  Mut  positive  Beobachlangen  geatntet  möglich. 

Die  ganze  Umgebung  des  HatTes  deutet  darauf  hin,  duB 
die  Grenien  der  Wasserbedeckung  noch  innerhalb  der  Periode 
der  Alluvialzeit  um  ein  Bedeutendes  weiter  Inndeinw&rts  ge- 
legen Ilaben ,  ja  der  deutliche ,  ziemlich  plötzlich  abfallende 
Rand  der  tiusserhalb  der  heutigen  Deltabildungeu  und  der  flscb 
abgespülten  Vorebene  anfsteigenden  Plnteans  lässt  noch  ziem- 
lich sicher  diese  allen  Grenzen  der  frühereu  Wasserbedeckung 
erkennen.  Andererseits  beweist  aber  auch  ein  noch  heute 
unter  dem  Wasserspiegel  nachweisbarer  alter  Uferraud  and 
mehrfacbe  andere  naher  besprochene  Umstände,  dass  der  Ba- 
den des  heutigen  Haffes  früher  bereits  zum  Theil  trocken  ge- 
legen ,  seit  der  hierzu  erforderlichen  Hebung  des  Landes  also 
schon  wieder  eine  Senkung  stattgefunden  bat. 

Es  ist  natürlich,  dass  Bodenschwnnkungen  der  Jetitiait, 
vornehmlich  die  äusserst  Isngsamen,  säcularen  Hebungen  nnd 
Senkungen,  mit  denen  wir  es  erwiesener  Maassen  in  unseren 
d.  fa.  den  Oslseegegendeo  überhaupt,  soweit  bis  jetzt  bekannt^ 
allein  zu  thun  haben,  am  ehesten  und  sichersten  in  unmittel- 
baren Küstengegenden  zu  beobachten  sind.  So  kommt  schon 
der    verstorbene    Prof.   Schciimask  in    einem    kleinen    Aufsatse 


175 

ersten  4  Kapitel  versuchen  in  Folge  dessen  neben 
deo  nöthigen  Beweisen  ein  nngefahres  Bild  des  Landes  resp. 
Haffes  innerhalb  jener  4  Zeitperioden  zu  geben,  das  durch 
Fig.  1 — 5  auf  einer  besonderen  Tafel  wesentlich  unterstützt 
wird.  Fig.  6  auf  selbiger  Tafel  zeigt  eine  Parallele  dieser  Bil- 
dung mit  der  der  Niederlande  resp.  des  Zuider-Sees. 

Das  5.  Kapitel  weisst  sodann  die  Existenz  des  Menschen 
während  der  Periode  der  zweiten  Senkung  nach ,  welche  letz- 
tere sich  bis  in  die  Neuzeit  verfolgen  lässt,  wie  mehrfache 
historische  Beweise  ausser  Zweifel  stellen. 

Das  6.  Kapitel  behandelt,  auf  die  Gegenwart  übergehend, 
die  Frage:  Senkt  oder  hebt  sich  das  Land  noch  jetzt? 

Es  folgt  nun  im  7.  Kapitel  die  Besprechung  eines  anderen 
in  seinen  Folgen    höchst    grossartigen  Phänomens  der   Gegen- 
wart, des  Wanderns    der  100  bis  fast  200  Fuss  hohen  Dünen 
von  See  zu  Haff.    Schon  ein  Blick  auf  die  alte  SoHROTTKR^sche 
Karte  gegenüber  den  heutigen  Generalstabsblättern,  lässt  Nie- 
mand iu  Zweifel,  dass  eine  merkliche  Dünenwatiderung  inner- 
halb  der  zwischen    beiden  Aufnahmen  liegenden   ca.  60  Jahre 
stattgefunden;  jedoch  die  Ungenauigkeit  der  zwar  für  damalige 
Zeit  unübertroffen    dastehenden  ScHRöTTEii'schen    Karte    macht 
jeden  eingehenderen  Vergleich  zwischen  beiden  Aufnalimcn  und 
darauf  gründenden  Schluss  über  Richtung  und  MaasB  der  Wan- 
derung zur  Unmöglichkeit.    Die  Zeit  zwischen  don   1841   publi- 
cirten  Küstenkarten    und  den    letzten   Aufnahmen    des  General- 
stabes schien  aber  zu  kurz,*^)    die  Uebereinstimmung    in   Form 
and  Zahl  der  Berge  sowie  in  deren   Stellung  zu  einander  dem 
angemessen  zu  auffallend  ,    als  dass  hiervon  ein   Erfolg  zu  er- 
warten   gewesen.     Um    so   überraschender    war   das    Ergebniss 
eines  mit    möglichster  Genauigkeit    dennoch    ausgeführten   Ver- 
gleiches,  wie   ihn    ein   besonderes    der  Abhandlung  beigefügtes 
Kärtchen    crgiebt,    wonach    allerdings   fast   jede    Hauptbiegung 
des  Dnnenkammcs,    fast  jeder    Berg    auch  in   annähernd  der- 

*}  Die  topographische  Aufnahme  zu  der  im  Jahre  1841  vom  Mini- 
iteriam  pablicirten  Küstenkarte  wurde  anf  Grund  der  1830  unter  Leitung 
des  damaligen  Oberbt  Babyek  stuttgefundencn  Gradmessung  in  den  Jahren 
1S37,  38  und  ."i9  von  Offizieren  des  Gencialstahes  ausgeführt.  Die  jetzi- 
gen Generalstabskarten  dieser  Gegend  wurden  im  Laufe  der  Jahre  18.'>9 
—1861  aafgenommcn,  so  dass  der  ausserste  Termin  der  Zwischenzeit  nur 
24  Jahre  beträgt. 


176 

Belbea  Form  in  beiden  Anfnafamen  zu  finden  ist  nnd  somit  ge- 
rade die  Genanigkeit  der  Aurnabme  beweist,  aber  in  merUicb 
grösserer  Entrernung  von  der  See,  in  sichtbar  geringerer  vom 
Haffufer.  Die  su  ganz  anderen  Zwecken  und  also  völlig  aa- 
befangen  susgeführten  beiden  topogr&phiaohen  Aufnahmen  er- 
geben somit  anbewusst  das  deutlichste  und  sagleich  sicherste 
Bild  dieser  Dünenwanderung  innerhalb  noch  nicht  25  Jahren 
nnd  sprechen  somit  von  Neuem  für  den  grossen  Nutsen  ge- 
nauer topographischer  Karten  einer  Gegend. 

Betrachten  wir  nun  die  Resultate  der  genannten  kritischen 
Kartensusammenstellung  genauer,  so  zeigt  die  damalige  und 
die  jetzige  Lage  des  Dünenkammes  1)  eine  messbare  bedeu- 
tende Wanderung  desselben;  2)  die  genauere  Richtung  dieser 
Wanderung;  3)  lokale  Abweichungen  von  der  aligemeinen  Rich- 
tung, (fleichieitig  ergiebt  auch  ein  Vergleich  der  Uferlinien 
4)  das  Wachsen  der  Nehrung  nach  dem  Haffe  zu.  Die  Ta- 
belle A  giebt  nun  die  Messung  dieses  Dünen vorrückeus  für  22 
Punkte  der  Nehrung  an  und  darnach  eine  durchschnittliche 
jährliche  Wanderung  um  17,94  also  fast  genau  18  Pubs  rheiol. 
Tabelle  B  berechnet  auf  ähnliche  Weise  das  Wachsthum  dar 
sogenannten  Haken  des  Uaffufers.  Drei  Profile  der  Gegend 
des  ehemaligen  Kunten  zeigen  den  Untergang  dieses  mit  sn- 
nen  Uausstellen  und  seinem  Kirchhof  zum  Theil  jetit  bereits 
wieder    hinter   der  Düne  zum  Vorschein  kommenden  DorfflSi 

Das    8.  Kapitel  giebt   endlich    einen    Ueberblick   über  di« 


177 

die  gesammte  abrige  Erstreckang  des  11  Meilen  langen  hohen 
Dioeokammee  der  Nehrongl 

Es  folgt  somit  aas  dem  Gesagten,  dass,  da  es  unaosfahr« 
'u  ist,  eine  aasreiebende  Dfinenbefestigang  mit  allen  ihren 
Vorarbeiten  aof  der  ganzen  Lange  des  100  bis  200  Fuss  bo- 
-ea  Dönenkammes  za  Stande  zu  bringen,  die  Wanderung 
der  Dänen  hier  als  unaufhaltsam  bezeichnet  werden 
moss.  Und  weil  dem  so  ist,  ist  man  zugleich  in  den  Stand 
gesetzt,  einige,  wenn  auch  wenige,  aber  bedeutsame  Schlüsse 
ftof  die  Zukunft  jener  Gegend  zu  machen,  wie  es  in  dem  neun- 
ten Qod  letzten  Kapitel  versucht  ist. 

Es  durfte  leicht  unbedingt  misslich  erscheinen,  bei  einer 
viesendchaftlicheo  Untersuchung  sogar  das*  Bereich  der  Zu- 
kauft zu  betreten.  Sind  wir  aber  berechtigt,  aus  den  unter 
acsern  Augen  stattfindenden  Vorgängen  der  Gegenwart,  aus 
^tr  Erkenntniss  gewisser  Naturgesetze,  wie  es  ja  die  Aufgabe 
«i«r  Naturwissenschaften  und  namentlich  der  Geologie  ist, 
Schlösse  auf  die  Yergaogenheit  zu  thun  ,  auf  eine  Vergangen- 
heit, die  zum  grossten  Theil  keines  Menschen  Auge  je  erblickt 
^^  80  durfte  es  nicht  minder  gerechtfertigt  erscheinen,  die- 
>«ib€o  Schlüsse  auch  auf  die  Zukunft  zu  machen. 

Oder  wäre  ein  solches  Thun  unbedingt  zwecklos  und 
3»Msige  Neugier?  —  Für  Erkenntniss  und  Verstandniss  der 
Nitargesetze  und  Vorgänge  scheint  vielmehr  mehr  Aussicht 
AQf  diesem  Wege  als  bei  Schlüssen  zurück  auf  die  Vergangen - 
'^i,  bei  denen  ein  Trugschluss  nicht  so  leicht  zu  erkennen  ist. 
rHfift  die  Vorausbestimmnng  ein,  so  ist  in  den  meisten  Fällen 
^^  Beweis  der  Richtigkeit  gewisser  Annahmen  dadurch  ge- 
tihrt.  Trifft  sie  nicht  zu,  so  ist  vielfach  inzwischen,  schon 
^ureh  mehrseitige  Beobachtung  der  Vorgänge,  auf  die  aller 
Blicke  hingeriebtet  wurden ,  nachgewiesen  ,  wo  der  Fehler  be- 
^Qgeo  ist,  oder  welcher  zur  Zeit  unberechenbare  Umstand  störend 
'Q  die  Eutwickelang  eingegriffen  hat  Manches  bisher  unlösbar  ge- 
'  Hebene  Räthsel  findet  so  vielfach  am  ersten  seine  Erklärung. 
Dorfen  wir  uns  durch  Vorausbestimmung  terrestrischer  Zu- 
stände niebt  mit  Recht  ebensoviel  und  —  weil  näher  und 
greifbar  —  noch  mehr  Erfolg  für  die  Geologie  versprechen, 
^s  sieb  durch  Vorausbestimm ung  tellurischer  Vorgänge  für 
die  Astronomie  bereits  erwiesen  ?  — 

Hierzu  kommt  ferner  der  praktische  Nutzen.    Wie  manche 

2«iU.tD.|MLGcf.XXII.l.  12 


178 

Varkebr  zar  VerbinderuDg  oder  auch  Nuliung  dieser  oder  jener 
küofligen  Zustände  kann  getroffen  werden,  falls  überhanpt 
Me o gebe u kraft  direct  durch  Lenkung  derselben  oder  mit  Hüire 
Verwerlhung  anderer  Naturkräße  dazu  im  Stande  istt  Wie 
manche  Maaseregel  ist  auafüfarbar  zur  Boderweitigeo  Sicherung 
oder  AuBgleiohuQg  der  Folgen,  wenn  letzteres  nicht  möglich, 
das  Naturereigniss  unabweisbar  iat! 

Von  diesem  Gesichtspunkte  aus  i§t  zum  Schluas  die  Zu- 
kunft der  Nehrungsdörfer  in  etwa  beleuchtet,  aber  auch  gekost 
nnch  ein  Schritt  weiter  gewagt,  bei  dem  man  nicht  zu  b«- 
fürchten  hat,  den  Boden  positiver  forschung  nnler  den  Füsaea 
zu  verlieren.  Die  Dünenberge,  welche  in  längstens  hundert 
Jahren  wieder  eine  Reihe  Dörfer  unter  sich  begraben  haben 
werden  and  mit  ihrem  nackten  Fusse  -  -  zwei  Stelleu  ihres 
noch  eine  Zeit  lang  schützenden  Waldea  halber  ausgenommen 
—  auf  der  ganzen  Länge  der  Nehrung  hart  auf  dem  heuligen 
Haffiifer  stehen  werden,  wie  es  zum  Theil  bereits  der  Fall  ist, 
sie  müssen  nothwendig  weiter  auf  ihrer  Wande- 
rung, sie  müssen   mit  allen  ihren  Sandmaasen  hinein  in's  Haff. 

Die  Bildung  weit  iu'a  Haff  hinein  reichender  Sanddächeu, 
aogenannter  Haken ,  wurde  bereits  erwähnt.  Sie  zeigen ,  in 
welcher  Art  die  Weitergestaltung  des  Landes  hier  stattfinden 
wird.  Aber  wird  das  eeiner  Flachheit  hatlier  bekannte  Haff, 
wenn  es  erst  alle  die  Saudmasaen,  die  augenblicklich  im  Wan- 
dern begriffen,  in  sieb  aufgenommen  hat,  wird  es  nur  grosse,  weit 
hineinragende  Haken  und  Hache  Sandbänke  aua  ihnen  bilden? 


179 

mUa  Blick  Niemand  anstehen  wird,  der  Behaaptang  beisn- 
pflicbten,  dase,  wenu  die  Sandmassen  der  heatigen  hohen  Wan- 
derddoeo  vom  Winde  erst  völlig  aber  die  Nehmng  hinaber  in*8 
Htf  gejagt  sein  werden,  der  ganze  nord liehe  Theil  des 
Baffes  festes  Land  geworden  sein  mass,  durch  wel- 
ches die  Memel  in  mannichfachen  Windungen  sich  dem  Meme- 
!«r  Tief  soscblangeln  wird ,  falls  es  ihr  bis  dahin  nicht  etwa 
irelaogen,  sich  einen  näheren  Abfloss  in  die  See  zu  erzwingen. 

Konnte  man  nun  aber  vielleicht  noch  glauben,  dass  die  in 
^obeo  umrissen  soeben  entworfene  Perspective  in  die  Zu- 
Kuoft  sich  in  weit  hinausliegende  Zeiträame  verliere,  vielleicht 
Jährtansende  ober  ihre  Verwirkiichang  hingehen  konnten ,  so 
folgt  io  Tabelle  D  auch  hierüber  noch  eine  ungefähre  Berech* 
oQog,  nach  welcher  die  Sandmassen  der  Dunen  in  dem  nord- 
Ücbeo  Theile  durchschnittlich  in  213  Jahren,  in  dem  südlichen 
Tbeile  dorchscbnittlich  in  217  Jahren  im  Haffe  liegen  miissen. 
Da  aber  dieser  Zeitpunkt  bei  der  eigenthumlichen  Art  des 
Vorräckens  der  sogenannten  Sturzdnnen  noch  keinesweges 
'überall  gleichbedeutend  ist  mit  der  Ausfüllung  des  flachen  Haff- 
Uckens,  die  hohe  Dune  das  Haff  vielmehr^  meist  wie  eine  im- 
mer niedriger  werdende  Welle  durchwandert  und  allmälig  aus- 
!^Ilt,  80  berechnet  von  diesem  Gesichtspunkte  aus  Tabelle  E 
(^Maximum  der  Zeitdauer,  binnen  welcher  der  nordliche  Theil 
äes  Haffes  ausgefüllt  sein  muss. 

Den  Schlnss  endlich  macht  ein  Hinweis  auf  die  für  die 
ganze  Zukunft  des  Haffes  nicht  minder  bedeutsamen  Uferab- 
i'rüche  der  See  bei  dem  von  Königsberg  aus  vielbesuchten 
Badeorte  Cranz. 

Ein  Dnrchbruch  ist  nämlich  die  noth wendige  einstige 
Folge.  Zum  Beweise  durfte  anzuführen  genügen,  dass  dem 
ibataachlichen«  nun  schon  seit  einem  halben  Jahrhundert  stetig 
beobachteten  Vorrücken  der  See  bei  Cranz  von  jährlich  6  bis 
7  Fqss,  also  ca.  |  Rnthe,  nur  gegenüber  steht  ein  Maximum 
<ier  Landbreite  von  300  Ruthen.  In  dieser  Entfernung  (west- 
'ich  nnd  südlich  von  Cranz  sogar  in  kaum  100  Ruthen  Eut- 
^rnnog)  wurde  die  See,  wenn  sie  erst  soweit  gelangt,  überall 
'^•e  alljährlich  vom  Haff  überstauten  Alluvialbildungen  erreicht 
^abeo.  Die  Bildung  eines  neuen  Haffausflusses,  eines  Tief, 
^ürde  dann  nicht  mehr  zu  hindern  sein,  wenn  man  bedenkt, 
d&s8  der  mittlere  Haffspiegel  hier  nach  den  bisherigen  Nivelle- 

12* 


ISO 

manti  ttark  2  Pnsi  höhet  als  der  der  See  liegt,  dui  «ber  >i 
den  bei  etarkem  Landwinde  noch  stets  eine  merkliche  E 
höbuDg  desselben  und  gleichseitiges  Zqrücktreten  der  S' 
sUttflndet, 

Will  m4u  «iaen  Darchbnicb  swiscben  Haff  and  See  tii 
*erbindflrn,  so  thot  es  Noth,  bei  Zeiten  durch  Messangi 
ümmtliche  Stellen  der  Küste  festtustallea,  wo  ein  Vordringi 
der  See  hier  wirklich  staltfindet ,  damit  auch  bei  Zeiten  a 
rechtes  Ort  und  in  der  rechten  Weise  der  Kampf  mit  der  N; 
tnr  brennen  werden  kann,  ein  Kampf,  bei  dem  man  sich  a 
schnellen  Erfolg  versprechen  kann. 


181 


Bt  VerhandlongeD  der  Gesellschaft 


1.     Protokoll  der  November- Sitzung. 

Verhandelt  Berlin,  den  3.  November  1869. 

Vorsitzender:  Herr  O.  Rose. 

Das  Protokoll  der  Aagast-Sitzang  wurde  verlesen  nnd  ge- 

oebmigt. 

Als  Mitglieder  traten  der  Gesellschaft  bei: 
Herr  Spiridon   vov  Simohowitsch    ans  Tiflis ,   sar  Zeit 
in  Bonn, 

vorgeschlagen  von  den  Herren  Bstrich,   Schlüter 

nnd  Eck. 
Herr  Dr.  phil.  E.  Weiss  in  Bonn, 

vorgeschlagen  von  den  Herren  Hauchecorne,  Bbtrich 

nnd  Eck. 

• 

Der  Vorsitxeode  gab  der  Gesellschaft  Kenntniss  von  einer 
seitens  der  natnrforschenden  Gesellschaft  Oraubündens  einge- 
seodeten  Anzeige  von  dem  am  15.  September  erfolgten  Ab- 
leben des  Professors  Gottfribd  Thbobald  in  Chnr  ond  von 
sioer  seitens  der  Academie  of  Science  in  St.  Louis  gemachten 
Mittheilaog  über  den  am  14.  April  erfolgten  Tod  des  Dr.  Bsnj. 
F&AJEus  Shüiiaeb  daselbst. 

Derselbe  erstattete  Bericht  aber  die  Verhandlungen  der 
Gesellschaft  bei   der  allgemeinen  Versammlang  in  Heidelberg. 

Derselbe  bemerkte  ferner,  dass  mit  der  heutigen  Sitzung 
eio  neues  Geschäftsjahr  beginne  und  forderte  unter  Abstattung 
^ea  Daokes  für  das  dem  Vorstande  von  der  Gesellschaft  ge- 
schenkte Vertrauen  zur  Neuwahl  desselben  auf.  Auf  Vorschlag 
eines  Mitgliedes  erwählte  die  Gesellschaft  durch  Acclamation 
den  früheren  Vorstand  wieder.  Derselbe  besteht  aus  den 
Henen: 


0.  Robb,  Vorsitcender, 

Ewald  und  Rammbi^BBHO,  Stellvertreter  desselben, 

Bbtrich,  Wbddiho,  Eck,  KunTH,  Scbriftführer, 

TamnaD.  Schatzmeister, 

IIauchbcorhb,  Archivar. 

Herr    RoTR    iegte    die    Carte    lithologiqne    des    mers    d« 

TBurope    von  Dblessh  zur  Ansicht  vor  und  besprnch  dieselbe. 

Der  Vorsitzende  giib  derOesetlschaft  Kenntniss  von  einem 

Briefe  des  Herrn  Zbdschnek  (vergl.  diese Zeitschr.  XXI.,  S.  817). 

Herr  Rahmelsbbro  sprach  über  die  chemische  Constitution 

des  Gadolinils,  Datoliths  und  Buklases  (s.  diese  Zeilachr.  XXI., 

S.  807). 

Herr  Hadchboorrk  legte  ein  von  Herrn  v.  Dockbb  eiage- 
sendetes  Stück  bituminösen  Schiefers  ans  dem  Rothliegeoden 
der  Gegend  von  Neurode  in  der  Grafschaft  GUtz  vor,  welcher 
eine  grosse  Menge  Partieeo  eines  schwarzen,  glänieoden, 
muschelig  brechenden  Stoffes  eingesprengt  enthält,  der  reinem 
Asphalt  am  ähnlichsten  siebt.  Beim  Erwärmen  entwickelt  der- 
selbe  jedoch  wenig  Gas  und  brennt  erst  bei  sehr  starker  Er- 
hitzung .unter  Bitdaug  von  vieler  Asche.  Der  Schiefer  findet 
sich  im  Hanf;endeii  eines  kalkigen  Lagers,  welches  Ij  Heile 
südwestlich  von  Neurode  am  Wege  von  Rathen  aacb  Alben- 
dorf  in  einem  jetzt  verlassenen  Kslksteinbrucb  iu  1,5  —  2  Me- 
ter Mächtigkeit  aufgeschlossen  wurde,  sanft  nach  Westen  ein- 
fallt and  im  Liegenden  in  thonige,  kieselige  und  bituminöse 
Schiefer    übergeht,    welche    einen   besonderen    Relchtbum    an 


183 

n  VI  II 

Beioe  Formel  des  CturysoberjUs  R&0\  worin  R  =  Be,   Fe^ 
n 
i  =  AI,    Cr.     Es    giebt    noch   drei    andere   rhombisch   kry- 

II  TI 

uJüsireode  Mioeralien  von  der  allgemeinen  Formel  RfiO^, 
imlicb  Gothit,  Manganit  nnd  Diaspor,  mit  den  speciellen  For* 
ftdo  U>  Fe  0',  H*  Mn  O'  and  H*  AI  O'.  Vergleicht  man 
üü  die  KTystallform  des  Chrysoberylls  mit  deijenigen  der  drei 
eUlgeoaDOten ,  wie  bekannt,  isomorphen  Mineralien,  so  zeigt 
ich,  daas  die  vier  Mineralien  wie  in  chemischer,  so' auch  in 
irysullographischer  Beziehung  eng  verbunden  sind.  Unter 
b  Fliehen  der  bei  allen  vier  Mineralien  sehr  entwickelten 
erücaieo  Prismenzone  herrscht  bei  dreien  ein  Prisma  von  ca. 
30'  vor,  dessen  scharfe  Kante  durch  einen  blätterigen  (der 
^leoebene  a/e  parallel  gehenden)  Bruch  abgestumpft  wird., 
I^r  eiiisigeo  deutlichen  Spaltbarkeit  dieser  Mineralien.  Das 
sr  die  Zwillingsbildung  wichtige  Längsprisma  {b  :  c:  ooä)  beim 
^bnsobeiyll  bildet  in  derAxe<;  119"  46',  ein  analoges  Prisma 
^*«^ioi  Gothit  117'  30'.  Geht  man  von  den  bezeichneten  ver- 
idltü  uod  LiLngs- Prismen  ans,  so  ergiebt  sich  als  Axenver- 
üitniss: 


a 


Chrysoberyll     0,810 
Gothit  0,757 


b    .  i  c 

1,709  :  1 
1,648  :  1 


Somit  wäre  also  der  isomorphen  Gruppe  des  Gothit,  Man- 
>;  (lit,  Diaspor  als  viertes  Glied  der  Chrysoberyll  zuzufügen, 
-iii  Uomorpbie,  die,  falls  es  dessen  noch  bedarf,  einen  neuen 
Beweis  fär  die  Zweiwerthigkeit  des  Berylliums  liefert,  da  das- 
'^<^^e,  wie  ans  den  obigen  Formeln  ersichtlich,  zwei  Atomen 
^Wasserstoff  der  drei  anderen  Mineralien  entspricht. 

SchlieBsHch  weist  der  Vortragende  auf  die  ausser  der  eben 
'^'prochenen  rhombischen  ezistirende  zweite,  aber  regulär 
^^^UlÜBirende  Gruppe  von  Mineralien  hin,  deren  Constitution 

-i^r  Äilgemeinen  Formel  R  R  O*  entspricht,  Ihr  gehören  Spi- 
'"''«  Magneteisen,  Chromeisen  und  andere  seltnere  Yerbindun- 
^^"  ^y  Mineralien  die,  wie  ihre  Zwillinge  hinlänglich  darthun, 
Slcicbfallg  eine  isomorphe    Gruppe  bilden.     Sonach  wäre  die 


AtomgrDppe  R  R  O*  dimorph,  einmml  rhombieoh  (Oöthitgruppe). 
(Ibdr  regulär  (Spiaellgruppe). 

Hierauf  wurde  die  Sitiang  geschlosseD. 
G.  Rose.     Bbtrioh.     Eck. 


2.     Prolokoll  der  December  -  Sitzung. 

Verhandelt  Berlin,  den  1.  Decemb«r    IMi9- 
Vorsitzender :    Herr  G.  Rose. 

Das  Frutokoll   der  November-SitiUDg  wurde  verlesen  aoA 
genebmigt. 

D«r  Oeaellacbkft  ist  sIb  Mitglied  beigetreten: 

Herr  Höltenmeister  Ulsich  iu  Ockerhütte  bei  l^ioalar, 

rOTgeacbUgen  vod  deu  Herren  Ramiulbbbko,  Gbotu 

und  Q.  Rose. 

Der  Vorailtende   widmete    dem  am  25.  Nnrember  geslor- 

b«Den  Mttgliede  der  Gesallachafl  Fkibduoh  Adolph  Rokmeb  in 

■^■■uatbal  eiueD  Nacbruf. 

Derselbe  gab  der  Gesellschaft  Keoatoiss  von  der  folgen- 
Autwort  des  Herrn  Naühahii  in  Leiptig  anf  das  ibm  voa 
GeaeliBchaft  bei  der  allgemeinen  Versammlung  in  Heidel-i 
l  zugesendete  Beglnckwnnschnngstelegramili  sa  seinem 
iährigen  Dnctorjubilaum : 

An  die  18.  allgemeine  Veraammluiig  der  Deatseheci 
geologischen  Gesellschaft  in  Heidelberg. 

Die  dieEyäbrige  Versammlung  dar  Deutschen  geolo^cbem 
ellschaft  hat  gerubet ,  mich  diu^h  Telegramm  vom  13-  Sep- 
ber,    welches  mich,    wegen  meiner  damaligen  Abwesenheit 

hier,  erst  einige  Tage  später  erreichte,  au  meinem  50jäh- 
n  Do ctnr- Jubiläum  mit  einer  höchst  ehrenvollen  Beglück- 
ischuDg  zu  erfreuen.  Je  weniger  ich  erwarten  konnte,  dul 
,  swar  mich  persönlich  interessirendes ,  an  und  fnr  siel 
r    ganc   nnbedentendes  Ereigniss    eine    so  vielseitige  Theil' 


185 

&&hffle  finden  wnrde,  desto  freadiger  hat  mich  auch  dieser, 
TOD  einer  so  hoch  verehrten  Corporation  vaterlandincher  Fach. 
genossen  mir  gewidmete  GlockwnnBch  äberracht,  für  welchen 
ich  hiermit  meinen  herzlichen  und  ehrerbietigen  Dank  ans» 
spreche, 

Leipzig,  den  19.  September  1869. 

Carl  Naumann. 

Herr  Wbdding  theilte  mit,  dass  sich  unter  dem  Vorsitz 
ies  Sir  RoDKRiCK  MuRCHisON  in  London  ein  Comit^  gebildet 
habe  behufs  Ueberreichong  eines  Ehrengeschenkes  an  den  Geo- 
rgen, Professor  der  Londoner  Universität  Herrn  Morris,  und 
<ia«s  er  bereit  sei.  Beitrage,  welche  deutsche  Gelehrte,  nament- 
>.:n  Mitglieder  der  Gesellschaft,  -zu  diesem  Zwecke  zeichnen 
sollten,  bis  xam  25.  Januar  1870  in  Empfang  zu  nehmen  und 
nach  England  zu  befordern. 

Herr  Ramhelsbbrg  berichtete  über  den  Inhalt  einer  in 
^fn  Schriften  der  Stockholmer  Akademie  enthaltenen  Abhand- 
>3iig  Paikuls  über  die  Geognosie  Islands. 

Derselbe  theilte  ferner  die  Resultate  seiner  Untersuchun- 
gen ober  die  chemische  Zusammensetzung  des  Labradors  aus 
dem  Narodal  in  Norwegen  mit,  über  welche  derselbe  eine 
Althandlong   in  Poo&bnbobff's  Annalen  bekannt  machen  wird. 

Herr  Kunth  sprach  über  Analoga  des  Deckels  der  Zoan- 
'^aria  rugosa  bei  lebenden  Korallen  (s.  diese  Zeitschr.  XXIL, 
S.  24). 

Herr  G.  RosB  legte  eine  Quarzdrnse  von  Olomuczan  in 
Mähren  vor,  die  ihm  Herr  Prof.  F.  Sandbbroer  zur  Ansicht 
götigst  mitgetheilt,  und  die  derselbe  schon  früher  in  Lbonhard's 
Jafarbaeh  von  1867,  S.  835  beschrieben  hatte.  Bei  den  in 
RL<iaibo§dern  krystallisirten  Qnarzkrystallen  hatte  sich  durch 
Verwitterung  an  der  Oberfläche  eine  dünne  Schicht  einer 
weissen  erdigen  Substanz  gebildet,  und  eine  gleiche  Umände- 
rang  hatte  eine  die  Quarzkrystalle  stellenweise  bedeckende 
dicke  nierenformige  Masse,  die  wahrscheinlich  Chalcedon  ge- 
wesen ist,  erlitten.  Herr  SANDBBäGBB  hatte  die  erdige  Sub- 
<'Uai  für  Opal  erklärt,  was  Dr.  Sibvbbs  dnrch  eine  Analjse 
^•«^tätigt  hatte,  da  sie  nach  seiner  Untersuchung  98,25  bis 
%.66  pCt.  Kieselsäure  enthält  utid  durch  zehnstündiges  Dige- 
riren  mit  concentrirter  Kalilange  32i^l  pCt.  von    ihr   aufgelost 


186 

varden.  Leider  sind  koine  Versacbe  äbar  daa  ipflciflscb«  G^ 
wicht  angostelit,  lo  dua  dkdnrch  daa  Verhältnisa  kd  Jsbbsoh** 
ftmorpher  Kieselaiare  mit  hohem  apeciSschoD  0««tcfat«  «od 
&uch  iQm  Tridymit  nicht  anrgeklärt  iat. 

Hieraaf  wurde  die  SitiUDg  geBchloaaen. 

G.  R08K.    Bbirioh.    E^k. 


3.     Protokoll  der  Jaanar  -  Sitzung. 

V«Tbandslt  Berlin,    den  b.  Juinur   IK70. 
Vorsitiender:  Herr  G.  Ross. 

Dsa  Protokoll  der  December-SittuDg  wurde  Terleaen  ood 
genehmigt. 

Ala  Mitglied  trat  der  GeeelJschaft  bei: 

Herr  Stod.  phil.  J.  H.  Bramwbll  aus  New  York,  z.  Z. 
in  Berlin, 

Torgeechlagen  von  den  Herren  G.  Rose,    WcDDlBfl 

nnd  Sadbbbck. 

Der  Voraitiende  gab  der  Geseiiaehaft  Kenntniaa  von  «nar 

dnrvh    Frau  Chablottb   Ebdhakh    eingeaeodeten    Auaeige    rva 

dem    am    1.   December    1869    erfolgten    Tode    dea   Profeeaors 

AxsL  JoAOHiM  BüDUAiin  iu  Stockholm. 


187 

gehörifeo   Anfoahoieo    iu    dar   FeldmMrk    Friedricbafald«    add 
Urlshont  bei  Berlin  vor. 

Herr  iL  A.  Losssii  seigi  Lepidodeo  dreen-Reste 
aBsGrftawackeneiolageroAgen  des  TordevoniBcben 
hercyniscben  Schiefergebirges  vori  welcbe  com  Tbeil 
cocb  eioem  aJteren  Niveaa  aageboren  ale  die  Graptolitben- 
uhiefer  von  Harxgerodo.  Sie  sUBomeQ  aus  dem  Lindeo berger 
Steiobraebe  gegenaber  Strassberg  an  der  Selke  und  aas  einem 
Bracbe  ^on  Wolfsberg.  Die  Ansiebt  F.  A.  Robmbb's  ,  der  anf 
Grnod  dieser  Pflanaenreste  jene  Graawacken  far  Kalmgrau- 
«icke  (FlotsleereD  Sandstein)  aasfxracb*),  widerlegt  sieb 
fiorcb  die  getreue  Beobachtung  der  Lagernogsverbaltnisse. 
Wihreod  die  RoBKEB^scbe  Golorirnng  der  kleinen  Karte  Pbb- 
ugolb  Ton  Lindeoberg  -  Strassberg  bis  nacb  Wolfsberg  eine 
Kbfflsl  lortstreicbende  Zone  von  Knlragrauwacke  angiebt,  ver- 
läuft die  Streicblinie  des  Scbiefergebirges  nabetn  onter  eioem 
recbteo  Winkel  gegen  diese  Zone^  welche  awei  Graowacken- 
lager  Terbindet,  die  um  zwei  Stunden  Abstand  vom  Liegenden 
nm  Hangenden  im  Tbonscbiefer  auseinanderliegen.  Beide 
Vorkommen  gehören  dem  fliegenden  Thonschiefersystem ^ **) 
Uf  weiches  neben  jenen  Grauwackeneinlagerungen  in  seinen 
Kalkeiolagernngen  die  Fauna  der  obersten  silurischen  Etagen 
^  6  Babrabdb's  birgt.  Das  Strassberger  Grauwackenlager 
hegt  noch  im  Liegenden  der  Kalke  vom  Scbneckenberg  und 
Scbeerenstieg  bei  Harzgerode  und  Idägdesprung  (2  b.),  in  de- 
ren Hängendem  erst  die  Graptolithenschiefer  auftreten ,  über- 
lagert von  der  Hauptquarzitzone  (2  c).  Das  Wolfsberger  Grau- 
«ackealager  tritt  erst  im  Hangenden  des  Hauptquarzits  anf  und 
gehört  IQ  der  flaserig  -  schieferigen  Granwacke,  welche  jenen 
(oberen  Theil  der  liegenden  Schiefer  (2  d.)  auszeichnet. 

Ferner  legte  der  Vortragende  die  Ventralklappe  einer 
2  Zoll  von  der  Stirn  bis  zum  Schnabel  messenden  Megan- 
'^Hg  ans  dem  Kalksteinbruche  des  Schnecken- 
^^Tges  bei  Harz  ge rode  vor.  Meganteris  (SüBSs),  ein 
vorlaofer    des  jüngeren    Subgenus    Waldheimia    der    Gattung 


*)  Conf.  die  WiderleguDg  dieser  Ansicht  durch  K.  A.  Losseiv,  diese 
Z«tiehr.  Bd.  XX.,  S.  "217  bis  "218. 

*)  Conf.  die  Gliederang  des  hercynischen  Schiefergebirges  dorch 
^^Losm,  diese  Zeitachr.  Bd.  XX-,  S.  217,  Bd.  XXI.,  8.  ^84. 


188 

Terebratula,  ist  in  Europa  bis  jetzt  nur  ans  dem  Unterdevoo 
(zamal  der  Eifel  and  Spaniens)  *)  durch  die  von  de  Vbrskitil 
als  Terebratula  ArcMaci  beschriebene  Species  vertreten.  Eine 
specifische  Bestimmung  erlaubt  der  vereinzelte  Fund  bei  Harz- 
gerode nicht;  indem  er  aber  die  Altersgrenze  des  Genas  Me-, 
ganteris  unter  das  Devon  hinabruckt  in  jene  Schichten,  welche 
den  Uebergang  des  Silur  nach  dem  Devon  vermitteln,  lehrt  er 
den  ältesten  Repräsentanten  der  Familie  der  Terebratutiden  in 
Europa  kennen,  ivährend  in  Amerika  die  Subgattung  Rensse* < 
laeria  (Hall)  (Megan teris  sehr  verwandt  und  in  Europa  mit 
ihr  zugleich  im  Unterdevon  durch  die  Species  Bensselaeria 
stringiceps  F.  Roembr  vertreten)  in  den  obersilurischen  Schich- 
ten die  gleiche  Rolle  trägt. 

Herr  Roth  berichtete  über  den  Inhalt  einer  Abhandlung 
von  Herrn  v.  Helvbrsbn  über  die  Wanderblocke  und  die  Di- 
luvialgebilde Russlands. 

Hierauf  wurde  die  Sitzung  geschlossen. 

V,  w.  o. 

6.  RosB.     Bbtrich.     Eck. 


*]  Von  der  Grabe  Braut  im  Liegenden  des  mitteldevonischen  Kalkes 
von  Waldcrbach  legte  der  Vortragende  dergleichen  Steinkerne  im  körni- 
gen Eisensteine  (F.  oligiste  oolithique)  vor;  cf.  diese  Zeitschr.   Bd.  XIX., 


Drnek  von  J.  F.  Stareke  In   Berlin. 


Zeitschrift 

der 

Deutschen  geologischen  Gesellschaft. 

2.  Heft  (Februar,  März  und  April  1870). 


A«    Anfsätzet 

I.  TeW  die  Avsbrädie  des  Aetna  im  Nofember  ud 

Decenber  1868. 

Von  Herrn  Mab.  Grassi  in  Acireale. 

Aus  U  Duovo  Cimento,  Ser.  2.,  Taino  1.,  186  — 191:, 
1869,  mitgetheilt  von  Herrn  J.  Roth  in  Berlin.) 

Am  5.  September  1868  stiegen  aus  dem  Krater  des  Aetna 
l  Ummenstreifeu  auf,  und  es  fand  ein  heftiger  Erdstoss  statt,  Vor- 
i^afer  der  grossen  Explosion. 

Am  26.  November  1868  erhob  sich  eine  grosse  Rancfa- 
[inie  ans  dem  Aetna;  in  der  Morgeudämmernng  am'27.  farehte 
eiQ  ongeheores  Meteor  den  Himmel  von  Ost  nach  West  und 
barst  endlich  mit  starker  Detonation  in  6  leuchtende  Bruch- 
stücke. Als  es  dann  Nacht  wurde,  hatte  der  Krater  eine  wun- 
(ierbare,  grossartige  Explosion.  Ihr  ging  nicht,  wie  gewohn- 
li.h,  Donner  voraus,  nur  ein  dumpfer  metallischer  Krach  be- 
;i  eitete  sie.  Eine  immense  Feuersäule  erhob  sich  bei  der 
Windstille  zu  ausserordentlich  grosser  Hohe  und  schleuderte 
•lüs  ihrer  Spitze  und  ihren  Seiten  einen  Regen  glühender  Ge- 
iteinstrimmer ,  die  zum  Tbeil  in  den  grossen  Krater  zurück-, 
rem  Tbeil  auf  die  Schneemassen  des  Gipfels  fielen.  Die  Feuer- 
fiule,  welche  ganz  Sicilien  erleuchtete,  erreichte  zur  Zeit  ihrer 
^rossten  Höhe  fast  2000  Meter.  Ringsum  kräuselten  sich 
"tbwärzliche  Wolken  von  Rauch,  Schlacken  und  Sand;  sie  bil- 
deten   schKesslich    über  der   Feuersäule   und   dem    Aetna   ein 

£«it«.  4.  D.gMi.  Gm.  XXU.  2 .  13 


190 

ungeheores  Zeltd&ch ,  aus  dem  fortwährend  leuchtende  B 
zuckten.  Seine  gröaate  Stärke  erreicht«  der  Aasbruch  iwisi 
8j  und  9^  Uhr  Abends,  nahm  dann  ftt>  und  erloech  ganz 
folgenden  Frühroth,  zu  welcher  Zeit  nur  noch  schwacher  Bi 
aobtieg.  Auf  den  schneehedeckten  Abfällen  lagen  Hai 
vnn  Blöcken   und  Schlacken. 

Am  7.  December  Hess  der  Aelaa  Getöse  hören,  Alu 
sab  man  Flammen,  die  aber  kaum  über  den  Kralerrand 
ausgingen.  Am  8.  I>ecember  Abends  6*  Uhr  stieg  wiede 
unter  unaufhörlichem  DonnergetÖse,  furchtbaren  Detnna(i< 
und  fortdauerndem  Bliticn  eine  Peuerslulc  ähnlich  der 
27.  November  auf,  deren  Höhe  man  gegen  900—1000  M 
schätzte.  Sie  sandte  zu  noch  grösserer  Höhe  glühende  Ma: 
hinauf,  die,  meist  Parabeln  beschreibend,  erst  nach  15- 
Seknnden  auf  den  Gipfel  des  Aetna  niederfielen.  Die  seht 
len  Wolken  bildeten  am  Himmel  einen  langen  dunkelen 
gen,  ans  dem  bi>  nach  Giarre  und  Riposte  Bimssteine 
Nnss-  bis  Birnengrösse  und  reichlicher  Sandre^en  herabfiel. 
Erdstösse  waren  auch  in  den  unteren  Theilen  des  Aetna 
merkbar,  namentlich  die  um  8  ühr  18  Minuten  in  Funtala 
S.  Atfio,  S.  Giovanni,  Dagala  (s.  Bd.  XI.  t.  6).  Nach 
um  10  Uhr  Abends  das  erhabene  Schauspiel  seinen  Höhepi 
erreicht  halte,  nahm  es  ab  und  hÖrle  um  11  Uhr  auf.  I 
am  Morgen  des  9.  December  sah  man  nur  noch  leichten  R: 
aufsteigen.      Die    ausgeworfenen    Massen    sollen    den    gro 


191 


2.    Die  Kreide  tm  New  Jersey. 

Von  Herrn  Hkrmann  Gred2^ek  in  Leipzig. 

Hierzu  Taf.  IV. 

Literatur  und  einleitende  Bemerkungen.  Die 
Kreide  von  New  Jersey  ist  bereits  mehrfach  der  Gegenstand 
geognostisch-palaontologischer  Untersuchungen  sowohl  von 
Seiten  amerikanischer,  wie  europäischer  Geologen  gewesen. 

Va:(UXEM  wies  im  Anfange  der  dreissiger  Jahre  zuerst  auf 
die  Zugehörigkeit  der  Grünsande  von  New  Jersey  zur  Kreide- 
formation hin.  Sat,  Harlan  und  Conrad  beschrieben  bald 
darauf  im  Americ.  Journal  of  Science  und  im  Journal  of  the 
Academy  of  Natural  Sciences  of  Philadelphia  einzelne  dorther 
stammende  organische  Reste,  wodurch  Vanüxem's  Annahme 
I»estätigt  wirrde.  Morton  gab  1834  in  seiner  Synopsis  of  the 
organic  remains  of  the  cretaceous  group  of  the  United  States*) 
die  erste  vollständigere  Zusammenstellung  der  damals  bekann- 
ten amerikanischen  und  unter  ihnen  auch  der  new-jersoyer 
Kreidefossilien.  Im  Jahre  1840  veröffentlichte  Rogers  in  sei- 
neni  Final  Report  on  the  Geology  of  New  Jersey  eine  geo- 
gnostische  Beschreibung  der  Grünsandformation  dieses  Staates. 
Lyell  legte  1845  die  Resultate  seiner  1841  erfolgten  Berei- 
sung jener  Gegenden  mit  besonderem  Bezüge  auf  eine  Pa- 
rallelisirung  mit  der  europäischen  Kreide  in  einem  Aufsatze 
im  Quart.  Journ.  of  the  geolog.  Society  of  London ,  Vol.  I., 
p.  55  —  60  nieder,  welchem  Forbes  und  Lonsdale  die  paläon- 
tologische Beschreibung  der  von  Lyell  dort  gesammelten  Fo- 
raminiferen    und    Bryozoen    beigefugt    haben.     Bei  Gelegenheit 

*)  Die  Möglichkeit  der  Benutzung  dieses  bereits  vor  25  Jahren  selbst 
>Q  Amerika  äusserst  seltenen,  jetzt  kaum  zugänglichen  Werkes  verdanke 
ich  der  Güte  meines  verehrten  Lehrers  Herrn  F.  Rühmrr  in  Breslau, 
^^Ichcr  mir  das  in  seinem  Besitze  befindlicbei  sehr  werth volle  Exemplar 
tun  Gebrauche  nach  Leipiig  übersandte. 

13' 


192 

seiner  Arbeit  über  „die  Kreidebildungen  von  Texas  und  ibre 
organischen  Einschlüsse^  steUte  F.  Roembr  1852  Verglcichun- 
gen  dieser  mit  denen  von  New  Jersey  und  beider  mit  solchen 
Europas  an.  Die  AnnuaJ  Reports  of  the  geolog.  Snnrey  of 
New  Jersey  1855  und  1856  von  Kitohbll  enthalten  Schilde- 
rungen der  Kreide  jenes  Staates ,  welehe  jedoch  hinter  denen 
seiner  amerij^anischen  Vorgänger  zurückbleiben.  1857  gab 
J.  Hall  (Am.  Joarn.  XXIV.  S.  72)  eine  auf  Cook's  Unter- 
suchungen basirte  Gliederung  der  Kreide  von  New  Jersej,  zu 
welcher  er  jedoch  irrthumlicher  Weise  tertiäre  Schichten  zieht. 
In  den  folgenden  Jahren  erschienen  wiederholt  Beiträge  zor 
Kenntniss  der  organischen  Reste  jener  Formation  von  Conrad, 
Gabb  und  Hohn,  sowie  Versuche  einer  Parallelisirung  der  letzt- 
genannten Schichtenreihe  mit  solchen  in  den  westlichen  Staaten 
von  Mebk  und  Hatden,  ferner  Beschreibungen  und  Abbildun- 
gen der  Kreide-Reptilien  Nord-Amerikas  und  somit  auch  New 
Jerseys  von  Lbidt  in  den  Smithsonian  Contributioiia  1865. 
Die  genaueste  Schilderung  der  petrographischen  und  stratigra- 
phischen  Verhältnisse,  sowie  der  Verbreitung  und  Mächtigkeit 
der  Kreidebildungen  von  New  Jersey  findet  sich  in  deai  eben 
publicirten  Werke:  The  Gcology  of  New  Jersey  von  Cook. 
Diese  neueste  geognostische  Untersuchung  des  genanuten  Staa- 
tes hatte  hauptsächlich  die  Aufsuchung,  Verfolgung  uod  Be- 
schreibung der  Vorkommen  technisch  nutzbarer  Gesteine  und, 
Mineralien  behufs  deren  Zugutemachung  zum  Zwecke.  Diese 
Aufgabe  ist  von  Cook  und  seinen  Assistenten  vollkommen  ge*^ 
lost,  wobei  freilich  die  Mehrzahl  von  Erscheinungen,  die  allei 
wissenschaftliches  Interesse  besitzen,  unbeachtet  geblieben  sin 
Dahin  geboren  auch  die  paläontologischen  Verhältnisse  d 
im  Staate  New  Jersey  vertretenen  Sedimentärformationen  un 
somit  auch  der  Kreide,  Letztere  wurde  vielmehr  eben  nur  al 
eine  verwerthbare  Grunsande  enthaltende  Schichtenreibe  aaß 
gefasst,  andere  Gesichtspunkte  aber  wurden  fern  gehalten. 

In  den  meisten  der  genannten  geologischen  Arbeiten  sin 
Versuche  angestellt  worden,  die  Kreidebildungen  von  Nei 
Jersey  mit  solchen  von  Europa  zu  parallelisiren ,  denselb 
mit  anderen  Worten  ein  bestimmtes  Niveau  der  cretaceische 
Schichtenreihe  anzuweisen.  Diese  Vergleichuugcn,  welche  na 
turlich  auf  der  paläontologischen  Aehnlichkeit  eis-  und  trans 
atlantischer  Kreidebildungen  basireo,   hatten  weit  anaeinander 


193 

gebeode  Besaltate  zur  Folge,  auf  die  ich  spater  zaraokkommen 
verde.  Es  sei  hier  nur  erwähnt,  dass  Mortoh,  Rogers,  Ltbll, 
Meek,  Hatdbn  QDd  Cook  in  der  Kreide  von  New  Jersey  Re- 
präsentaoten  der  sammtlichen  earopäischeo  Kreideetagen  yom 
GaoU,  ja  vom  Wealden  aufwärts  erblicken,  während  F.  Roh- 
MfR  dieselben  als  aasschliessHch  senon  anspricht. 

Nicht  nar,  dass  keine  übereinstimmenden  Resultate  über 
das  Alter  der  new- jerseyer  Kreide  vorliegen,  es  giebt  auch 
keine  einzige  der  erwähnten  Abhandlungen  ein  einigermaassen 
vollstiadiges  Bild  des  palüontologiscben  ond  geognostischen 
Gesammtbabitos  und  der  Gliederung  jener  interessanten  For- 
mation. Diese  Lacken  auszufallen ,  soll  in  der  vorliegenden 
Abbaodloiig  versucht  werden. 

Die  in  derselben  niedergelegten  Beobachtungen  stellte  ich 
io  den  Jahren  1867  und  1868  an.  Im  Laufe  dieser  Zeit  be- 
reiste ich  die  Kreidezone  von  New  Jersey  zu  verschiedenen 
Malen,  untersuchte  dieselbe  zuerst  in  ihrer  nordostlichen,  dann 
in  ihrer  sodwestHchen  Brstreckung  und  kreuzte  das  Ausgehende 
ummtlichcr  Kreideschichten  wiederholt,  und  zwar  stets  an  an- 
'iereo  Stellen.  Später  benutzte  ich  die  in  den  Museen  der 
Academj  of  Natural  Sciences  in  Philadelphia  und  der  geogno- 
Mischeo  Landesuntersucbung  von  New  Jersey  in  New  Brunswick 
aofgestellten  Sammlungen  von  new -jerseyer  Kreide  Versteine- 
rungen. 

Den  Staats -Geologen  Herren  Cook  und  Shock,  welche, 
«ie  alle  amerikanischen  Facbgenossen ,  meine  Pläne  durch 
^ih  ond  Tbat  zu  fordern  bestrebt  waren,  meinen  aufrichtig« 
Hen  Dank. 

Die  Hauptaufgabe  bei  einer  Schilderung  der  Kreide  von 
^'«w  Jersey  musste  nach  meiner  Ruckkehr  nach  Deutschland 
(>i«  Feststellung  des  Verwandtschaftsverhältnisses  ihrer  Fauna 
ZB  der  der  europäischen  Kreide  sein ;  auf  ihr  beruhte  ja  die 
Möglichkeit,  ersterer  einen  bestimmten  Horzont  in  der  in 
^ropa  erkannten  Schieb t«nfolge  anzuweisen.  Schon  früher 
^atte  man  einige  wenige  amerikanische  Kreidereste  mit  euro- 
päisehen  identificirt,  die  Zahl  derselben  betrug  freilich  nur  sechs, 
Qiit  anderen  Worten  7  pCt.  der  bekannten  Formen;  andere 
0»-  and  transatlantische  Species  sollten  nahe  verwandt  sein 
ond  endlich  nocfa  andere  nur  entfernte  Aebniicbkeit  mit  ein- 
ander besitzen. 


194 

Zu  ganz  abweicheüden ,  Tust  überraschenden  Resultaten 
über  das  VerwandtscbaflsverliültnUs  der  Kreidcfauna  Ton  New 
Jersey  und  Nord-Deutscliland  gab  das  Sliididm  der  von  mir 
in  Amerika  gcsMmmelten  organischen  Kestt:  Veranlassung.  lu 
dem  Folgenden  soll  nämlicli  gezeigt  werden ,  dass  43  Arten 
der  letzteren  mit  europÄiscIicn  identisch,  und  ein  Theil  der 
übrigen  sehr  nahe  mit  solchen  verwandt  sind.  Die  blosse 
Benutzung  der  paliiontnlogischen  Literatur  hätte  derartige 
Schlüaae  nicht  erliinbt,  im  üegcntheil  wurden  sie  nur  durch 
Vergleichungan  mit  ganzen  Suiten  uordeuropÄischer  Versteine- 
rungen der  Sammlung  meines  Vater§,  des  Leipziger,  des  Dres- 
dener, namentlich  aber  des  Berliner  geognostisch-paläontolo- 
gischen  Museums  ermöglicht.  Durch  sie  wurde  ich  in  den 
Stand  gesetzt,  die  Identität  mancher  Form  fesizusiellen  ,  auf 
welche  aus  der  blossen  Abbildung  und  Beschreibung  nie  zu 
suhliesseu  gewesen  wäre. 

Herrn  Professor  Bevrich  in  Berlin  bin  ich  nicht  nur  für 
die  Erlaubniss  zum  Studium  der  Berliner  Sammlung,  sondern 
auch  für  den  Rath ,  mit  welchem  er  mich  freundlichst  unter- 
stützte,  meinen  besonderen  Dank  schuldig. 

In  dem  paläontologischen  Theile  dieser  Abhandlung  habe 
ich  nur  solche  organische  Kesle  berücksichtigt,  welche  ich  selbst 
an  Ort  und  Stelle  gesammelt  habe,  deren  geognostischer  Ho- 
rizont mir  somit  unbedingt  sicher  erschien,  während  ich  andere, 
von    früheren  Autoren   aus  der  Kreide  von  New  Jersey  aufge- 


195 


Dit  Bearbeitang  d«r  aus  New  Jersey  vorliegenden  cre- 
reeo  Korallen  hatte  Herr  WiLn.  Bolschb  in  Braanschweig 
.'.  Ge/iliigkeit  zu  abemebmen. 


L  Skiiie  itr  allgf  seiaeD  ge tgnastisdien  Verhaltaigse  New  Jerseys. 

Ich  schicke    eine  kurze  Schilderung  der  Gesammtfaeit  der 

f';raiitioDen,  welche  an  dem  geognostischen  Baue  des  Staates 

Vt  Jersey  theil nehmen ,    der  specielleren  Beschreibung  einer 

:.zigen  derselben    voraus,   um    den  Leser  in  eine  Gegend  zu 

'  r-etien,  deren  geognostische  Verhältnisse  nicht  als  allgemein 

'i%QuX  vorauszneetzen  sind.*)     Zur  Verdeutlichung  derselben 

az  dss  auf  Taf.  IV.    gegebene  Kärtchen   und    beigedrucktes 

i'  «äi  dienen. 


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Umrent.  OneUs- 
Ponnatioo 


mesoi.  SandBtein-     Gneis«- 
Formation  mit      Forma- 
Dioriten  tion 


Kreide 


TertJ&r  und 
Qaartir 


Dorchkreost  man  den  Staat  New  Jersey  von  der  Küste 
'^i  atlaotiacben  Oceanes  aus  in  nordwestlicher  Richtung,  so 
•^urschreitet  man  in  rechtem  Winkel  auf  ihre  Längserstreckung 
*hu(  parallele  Zonen  von  verschiedenartigen  Gebirgsformatio- 
•cQ,  welchen  sämmtlich  eine  Richtung  von  Südwesten  nach 
.Nordodien  und  eine  durchschnittliche  Breite  von  5  bis  6  deut- 
):ben  Meilen  gemein  ist,  während  sie  in  ihren  übrigen  Ver- 
^äJtnissen  weit  auseinandergehen. 


*)  Auster  in  verschiedenen  älteren  amerikanischen  Arbeiten  ist  die 
'Je^^none  New  Jerseys  specieller  abgehandelt  worden  in  dem  bereits  er- 
«Utttea  Report  on  the  Geology  of  l^ew  Jersey,  1868  (pnbl.  1809), 
*^*  S.  gr.  8*.  mit  vielen  geognostischen  Karten  und  Profilen  von  Cook 
-nd  SiocK.  —  Einige  anf  dasselbe  Thema  bezügliche  Skizsen  sind  von 
^ir  gegeben  worden:  Die  Erzlagerstätten  New  Jerseys,  Berg- 
t*Dj  Hättenm&nn.  Zeit.  1866.  No.  I,  3  u.  4.  Die  Qliedernng  der 
ct^ioischen  Formationen  Kord- Amerikas.  Zeitschr.  gesammt. 
^iUirwissensch.    IB68.    p.  371. 


196 

Tertiäre  und  quarlärtt  Mergel,  Thone,  namentlich 
aber  lose  Sande  neboen  von  alten  das  grÖBsle  Areal  ein,  in- 
dem sie  fast  Allein  die  flaclie  ausgedehnte  HalbiuBeJ  cwischen 
dem  Oceane  und  der  Delawarc-B^y ,  also  die  nur  wenig  über 
den  Meeresspiegel  erhabenen  Küatenatriflie  und  somit  die  süd- 
östlicbste  gengnnslisclie  Zone  von  New  Jersey  bilden.  Reiob 
an  organischen  Resten  sind  nur  ihre  tiefsten  Horizonte,  welche 
direct  und  gleichförmig  die  Glauconitmergel  der  Kreidefor- 
mation  überlagern,  und  von  welchen  später  die  Rede  sein  wird. 

Letztere  nimmt  einen  durchschnitilicb  vier  deutsche  Mei- 
len breiten  Strieh  Landes  ein,  welcher  sich  von  der  sÜdlicben 
NachbarBchaft  New  Yorks  aus  bis  zum  Delnware- Pluss  nahe 
dessen  Mündung  erstreckt.  Ihre  Schichten  falten  sehr  flach 
unter  das  Tertiär,  also  nach  Südosten  ein.  Lose  Sande,  plasti- 
Bcbe  Thone,  Glauconit-  und  Kalttraergcl  bilden  ihr  hauptsäch- 
liches Material. 

In  nordwestlicher  Richtung  wird  die  Kreidezone  von  den 
ruthbraunen  Sandsleinen,  Conglümeraten  und  Schieferthonen 
der  mesozoischen  Roth  -  Sand  stein  -  F  ormation  be- 
grenzt. Nur  an  einem  Punkte,  bei  Trenton ,  tritt  xwischen 
Kreide  und  Sandstein  der  nördliche  Auslanfer  der  taurenlischea 
Gneisszone  von  Pennsylvania  auf,  verschwindet  aber  bald, 
nachdem  er  die  Grenze  von  New  Jersey  überschritten  .hat, 
unter  dem  Sandsteine  und  der  Kreide,  aus  welchen  sich  jene 
Qneiese  erst  in  der  Nahe  von  New-York  wieder  heraushebeo. 


197 

Pauic- Falles  bei  Paterson  aufgeschlossen.  Dort  rabt  eine 
über  200  Fnss  inacbtige  Decke  von  zuunterst  dick-,  nach  oben 
(ijQDsäaleoföroiigeiii ,  aphanitischen  Diorite ,  der  ausserdem 
auch  weitläoftig  horizontale  Absonderungen  zeigt,  auf  einem 
:m  Contacte  schwarzbraunen  Sandsteine.  Bei  steilerem  Ein- 
i'Alen  treten  diese  eruptiven  Formationsglieder  als  schroffe, 
pittoreske  Pelsznge  an  die  Tagesoberfläcbe,  besitzen  aber  auch 
in  diesem  Falle  fast  stets  eine  aasgezeichnet  säulenförmige 
Stmctar.  «Den  senkrechten ,  fast  500  Fuss  hohen  Abstürzen 
des  10  Meilen  langen  Ausgehenden  einer  solchen,  und  zwar 
cber  400  Fuss  mächtigen,  Dioriteinlagernng  und  ihrer  regel- 
mässigen saalenformigen  Absonderung  verdankt  das  unter  dem 
Namen  der  Pallisaden  bekannte,  zum  Staate  New  Jersey  ge- 
hörige rechte  Ufer  des  Hudson  seine  entzuckende  Schönheit. 

In  der  Nähe  des  Contactes  mit  den  genannten  Eruptiv- 
Tiesteioen  ist  der  Sandstein  häufig  von  Gediegen  Kupfer,  so- 
wie TOD  geschwefelten  und  oxydischen  Rupfererzen  imprägnirt. 
Neben  dem  Gediegenen  Kupfer  tritt  auch  Gediegen  Silber  auf. 
Diese  Vei^esell Schaft ung  des  in  Aestuarien  abgelagerten  meso- 
zoischen Roth-Sandsteines  mit  gewissen  Eruptivgesteinen,  welche 
<ich  während  der  Bildung  der  erstereu  auf  diesen  deckenartig 
aasgebreitet  zu  haben  scheinen ,  und  beider  mit  Kupfererzen, 
t^esonders  aber  Gediegenem  Kupfer,  ist  eine  höchst  auffällige. 
Auffallig  deshalb,  weil  wir  ihr  iiberall  auf  dem  nordamerika- 
Diechen  Continente  begegnen,  wo  überhaupt  der  Roth -Sand- 
stein zur  Ablagerung  gelangte.  Sie  tritt  uns  in  genau  dersel- 
ben Weise  an  den  felsigen  Gestaden  der  Fund}'  Bay  in  Nova 
Seotia,  in  dem  schonen  Connecticutthale,  im  fruchtbaren  New 
Jersey  and  Pennsylvania,  sowie  in  Virginia  und  Nord-Carolina 
entgegen,  also  an  isolirten  Punkten,  welche  auf  einer  Linie 
^on  250  geographischen  Meilen  Länge  zerstreut  liegen. 

Der  flach  nach  Nordwest  fallende  Sandstein  von  wahr- 
scheiolieh  triassischem  Alter  wird  von  einer  Zone,  der  vierten, 
<ae  wir  kreuzen,  von  laurentischen  Glimmer-,  Hornblende-  und 
Graphit- Gueissen ,  Syeniten  und  krystallinischen  Kalksteinen 
mit  weithin  anhaltenden  Flotzen  und  leuticulären  Lagern  von 
Magneteisenstein,  Franklinit,  Rothzinkerz,  sowie  Graphit  ab- 
ge&chnitten,  deren  geognostisches  Verhalten  von  mir  in  den 
citirten  Abhandlungen    aas  fährlicher    beschrieben    worden    ist. 


198 

Die  flach  abfnilendcn  Ränder  dieser  iKorentischeD  Zooe   bildeti 

den  Uiilcrgrund,   auf  wclcliem  sicL  nach  Südoit   cu    der  R<iil 

Sandstein,   nach  Nordwest   zu  die    untersten  Etagen  de»  Silu 

nämlich  Potsdam-Sandstein    und  Trentun -Kalkstein    ablagertei 

Dieselben  ruhen    auf  dun  Uuruuliscben  Gneissen  in   discordai 

ter  Ueberlagerung,  treten   jedoch    nicht  nur  an   der    oordwesi 

liehen  Flanke  der  Gneissiooe   als   Ränder  des  weitaosgedebr 

ten  pitlaeozoiscben  Mississippi- Beckens,  sondern  auch  in  Fori 

er    steiler   Mulden    in    Mitten    des    laurentiscben    Gneise 

es    auf.     Gerade  solche  Fälle  bieten  am    hänfigsten    Gc 

leit  zur  Constatirung  der  discordanlen  Lagerung  der   pa 

)ischen  Schichten  auf  den  Gneissen    und  kryatalüoischei 

teinen.      Seit   Veröffenilichung    meines  citirten    Aarsalzei 

die     Gliederuug     der    vorailuriscben     Formalionsgruppi 

Aroerilias*'  ist  mir  der  bereits  oben  erwähnte  ^Report  »n 

eulogy  of  New  Jersey"   von   Cook   und  Shoos  durch  die 

der  Verfasser  ;!ugegangen.    In  ihnen  finde  ich  bu    neioer 

^thuung  durch  die  Wiedergabe  zahlreicher  Beobachtungen 

ieler  Profile  die   früher  von  mir  ausgesprochene  Ansicbl 

das    vorsiluriscbe  Alter  jener  Gneisse    auf  daa  Bntschie- 

te  bestätigt.*)     Die  von  den  beiden  Staatsgeologeo  gegc- 

Beweise    sind   m    scblagend ,    als    dass    nicht  die  Frage 

die    Stellung    der    appalHchiscben    GueissformatioD    zum 

endgültig  beantwurtet  wäre. 

!}ie  iiordwestlidJSte  der  fünf  FurmaliouSEonon,  in  weldie 
Jersey  seinem  geognusti sehen  Baue  nach  lerfällt,  ist,  wie 
r  angedeutet,  die  palaeozuiauh  e,  bestehend  aus  den 
aufgericLicteu  Conglomeraten ,  Sandsteinen ,  Kalksteinen 
Dolomiten  des  Silur  und  Devon,  Sie  siud  die  direiK^ 
istlicbe  Furtselzuug  der  durch  Jaubs  Hall's  pslaeontolu- 
I  Arbeiten  bekannt  gewordenen  new-yorker  Schiclicen- 
ne,  deren  Gliederung  jetzt  als  Norm  für  die  sämmtlichcn 
lalterigen  Formationen  Nordamerikas  jt''-  '■>  i^^'"  Ji^rti«}' 
nir  jedoch  keine  versteiueronge reichen  Fundeteilen  im  Sillir 
int  geworden. 


Im  Gcgcntniic  lu  ilcr  Annabmc  vlniger  anicnkaniaclier  Geolue'"' 
i«  8pp»lachi»chen  Gneies-  und  kryslullinischcn  Schierttfornnlioncn 
letamorpbosirte  paUotoUche  Schichten  »eien. 


199 


11.  CfHMStisdie  Bescbreibnng  der  KreMeformation  Ton  New  Jersey. 

Die  Kreideformation  nimmt  im  Staate  New  Jersey  einen 
Nreifen  Landes  ein,  %velcher  sich  von  der  New  York-  und  Ra- 
rrau-Bay  aus  in  sudwestlicher  Richtung  nach  dem  unteren 
Laufe  des  Delaware  zieht,  jenseits  dieses  Stromes  in  dem 
iiirichnamigen  Staates  wieder  auftaucht  und  sich  bis  an  das 
N;rdende  der  Cbesapeak-Bay  erstreckt.  Die  Länge  der  Kreide- 
ioDe,  soweit  diese  innerhalb  der  Grenzen  New  Jerseys  Hegt, 
•«tragt  20  deutsche  Meilen.  Ihre  Breite  beläuft  sich  an  der 
Koste  der  Raritan  -  Bay  auf  fast  6  Meilen ,  verschmälert  sich 
jedoch  nach  Südwest  zu  und  übersteigt  an  den  Ufern  des  De- 
^wue  2  Meilen  nur  um  wenig ;  —  ^s  beträgt  somit  das  Areal 
^fT  Kreideformation  in  New-Jersey  etwa  80  deutsche  Q  Meilen, 
i3t  also  noch  bedeutend  grosser  als  z.  B.  das  Herzogthum 
Braonsehweig. 

Die  Oberfläche  dieses  Kreideterrain s  ist  flach,  schwach 
Heilig;  nur  in  seiuer  mittleren  Längenerstreckung  erhebt  es 
^.ch  VI  300  Fuss  hohen  Hügelreihen,  welche  sich  südlich  und 
südöstlich  langsam  bis  zum  Spiegel  des  Ooeanes  verflachen,  in 
ihrer  nordostlichen  Erstreckung  aber  plötzlich  von  der  New 
^ork*Bay  abgeschnitten  werden.  Hier  bilden  sie  in  Gestalt 
*clirüffcr  Abstürze  die  Highlauds  of  Nevasink,  welche  vor  de- 
u^Hy  die  den  Ocean  kreuzen,  zuerst  vom  amerikanischen  Con- 
•'üetite  aus  den  Wogen  auftauchen. 

Die  Stromsy sterile  des  Kreideterrains  von  New  Jersey 
>UheQ  in  ihrem  Verlaufe  in  keinem  Abhängigkeits- Verhältnisse 
za  dem  geognos tischen  Baue  jener  Gegenden.  In  ihrem  oberen 
^fe  haben  sich  die  Gewässer  zum  grossen  Theile  tiefe 
Hlnosale  mit  schroffen  Wänden,  —  ihrer  Mündung  näher  aber 
^eite^  flache  Thäler  ausgewaschen.  Die  Sohlen  dieser  letzteren 
werden  von  Salzmarschen  gebildet,  welche  periodisch  durch 
^^^  sieh  weit  landeinwärts  fühlbar  machende  Flath  von  Brak- 
nasser  bedeckt  werden. 

Die  Lagerungsverhältnisse  der  Kreide  von  New>  Jersey 
^od  die  ursprünglichen  geblieben.  Ihre  Schichten  liegen  fast 
borizoQtal  und  fallen  nur  sehr  flach  von  dem  einstigen  Strande 
^^i  Kreidemeeres,  welchem  eine  zwischen  den  Städten  New- 
ioT%  uad  Trenton  gezogene  Linie  ziemlich  genau   entspricht, 


200 

Dach  Südost  eia.  Diese  Uferlinie  hat  somit  ingleicl)  die  Strei- 
cbungsrichtuDg  der  Kreideschichten  bedingt,  welche  dempacb 
eine  südwestliche  und  nordöstliche  ist;  Cook  und  Smock  haben 
sie  genauer  auf  S.  55 "  W.  bestinnint,  indem  sie  die  iwei 
Funkte,  an  welchen  ein  und  dieselbe  Schiebt  den  Spiegel  der 
Raritan-  und  Delaware -Bay  schneidet,  durch  eine  Linie  rer- 
h&nden,  auf  welcher  vielerorts  jene  betreffende  Schicht  nach- 
gewiesen wurde.  Durch  andere  Messungen,  an  den  Ufern  von 
Meeresbuchten  angestellt,  um  das  Niveau  des  Oceans  als  Ba- 
sis benutzen  zu  können,  bestimmten  sie  das  Fallen  der  Kreide- 
schichten auf  durchschnittlich  7  Puss  für  je  1000  Fuss  Ent- 
fernung in  Bfldösllicher  Richtung. 

Es  ist  bereits  erwähnt  worden ,  dasB  Roth- Sandstein  di« 
nordwestliche  Begrenzung  der  new -jerseyer  Kreide  bildet. 
Nicht  aber  besieht  der  Untergrund,  auf  welchem  die  letztere 
abgelagert  wurde,  aus  jenem  Gesteine.  Es  erhob  sich  viel- 
mehr während  der  mesozoischen  Perioden  ein  Felsenriff  von 
laurentischen  Gneissen  genau  unter  der  späteren  Grenzlinie 
der  Kreide  und  des  Roth-Sandsteines  bis  zum  Niveau  de« 
Meeresspiegels  oder  flach  über  dasselbe.  Dieses  Riff,  welches 
eine  Verbindung  herstellte  zwischen  der  penusylvanischen 
Gneisszone,  wie  sie  bei  Trenton  anter  den  jüngeren  sedimen- 
tären Formalionen  verschwindet,  und  der  Gneisszone  der  Um- 
gegend  von  New  York,  schloss  in  südöstlicher  Richtung  ein 
langgezogenes  Becken    ab ,    innerhalb    dessen    sich    die    fluvio- 


aoi 

Nordo6ten  von  New  Jersey  entwickelt  ist,  betragt  etwa  580  Fqbs  ; 
fahrend  »ie  im  Südwesten  dieses  Staates,  wo  sich  die  Dicke 
üfr  Schicbteo  verringert,  bedeutend  kleiner  ist.  Diese  Schieb- 
teoreihe    zerfallt    ihrem    Gesteinsmateriale    nach    in    drei 

Eugen: 

inonterst  lose  Sande  und  plastische  Thone, 

darüber  Olaaconitmergel, 

zuoberst  Kalkmergel  und  Kreidet  uff. 

Wir  werden  finden,  dass  mit  der  petrographischen  Ver- 
^  biedeoheit  dieser  Unterabtheilungen  ein  Wechsel  des  palaeon- 
to!ogisGhen  Habitus  Hand  in  Hand  geht. 

1.  Untere  Etage  der  Kreide  von  New  Jersey,  vor- 
valtend  aus  losen  Sanden  und  plastischen  Thonen 

bestehend. 

Die  untersten  Schichten  der  Kreide  von  New  Jersey  be- 
^cebeo  aus  den  zum  Theil  zersetzten  Gemengtheilen  von  ver- 
filtertem Granite,  nämlich  aus  Quarzkornern  und  Olimmer- 
tiittehen,  welche  von  einem  thonigen,  weissen  Kaolincämente 
n^ammen  gehalten  werden.  An  manchen  Punkten  z.  B,  bei 
Wöodbridge  haben  die  Gewässer  eine  natürliche  Aufbereitung 
^nd  Schlämmung  dieser  granitischen  Bestandtbeile  vorgenom- 
aeo,  so  dass  die  Quarzsande,  Glimmerblättchen  und  Kaoline 
geireont  vorkommen  und  schichtenweise  mit  einander  Wechsel- 
•agou,  oder  wenigstens  in  eine  untere  Lage  von  Quarzsand 
M  Glimmer  und  eine  obere  von  Kaolin  gesondert  sind. 

Auf  diese  gegen  25  Fuss  mächtige,  lose  Gesteinschicht 
:>lgen  zähe,  dunkelgraue  bis  schwärzliche  Thone  und  etwa 
0  Fdss  mächtige,  zum  Theil  schneeweisse,  feine,  lose  Sande. 
Erätere  sind  reich  an  verkohlten  Pflanzenresten,  welche  sich 
restenreise  zu  Braunkohlen  concentriren  können.  In  ihnen 
WQrde  nahe  bei  Sonth  Amboy  ein  93  Fuss  langer  und  4  Fuss 
iicker  Coniferenstamm  blossgelegt,  auch  haben  Conrad  und 
CopB  dort  selbst  Beste  von  Susswasser- Mollusken,  z.  B.  von 
^'nio,  gefunden. 

Auf  die  weissen  Sande  folgt  eine  gegen  350  Fuss  mäch- 
tige Scbichteoreihe ,  dSren  Glieder  im  Allgemeinen  zwar  eben- 
fsilft  als  Sande  and  Thone  bezeichnet  werden  können,  welcher 
&ber  besonders  in  ihren   unteren  Horizonten   ein  äberrascfaend 


mannichfaclier  and  rasch  wechselnder  Habitus  eigen  ist.  Sie 
sind  lum  Theil  durch  tiefe  und  ausgedelinte  Tbongraben  nahe 
den  Ufern  des  Raritan-Flusees,  in  fast  ihrer  ganien  Mäch- 
tigkeit aber  und  beinahe  ohne  Unterbrechung  am  Gestade  der 
Rnritan-B»}'  aufgeschlossen,  welches  sich  senkrecht  20  bis  30 
und  mehr  Fuss  hoch  über  das  Niveau  der  Fluth  erbebt  und 
meist  die  Passage  an  seinem  Fasse  und  somit  einen  auüge- 
seichneten  Binbück  in  den  gengnostiachen  Bau  der  Gegend  ge- 
stattet. Die  Schilderung  einiger  dieser  Proßle  wird  eiu  Bild 
des  Gesainrot- Charakters  der  unteren  Kreide  von  New  Jersey 
geben. 

Die  Wunde  einer  Thongrube  am  Raritaii -Flusse,  etwas 
westlich  von  South  Amboy,  lassen,  von  unten  nach  oben  be- 
trachtet, folgende  Schichten  reihe  erkennen: 

6'  abwechselnde  Lagen    von    weissem  und  grauem   Thone, 
3'  bandartig     abwechselnde    weisse,     graue    und    gelbliche 

j    fleischrother,  lose  zusammengebackener  Sand, 

1'  eisenschüssiger,  roslbranner,  an  der  Luft  zerfallender 
Sandstein, 

2'  grauer  bis  schworaer,  plastischer,  xüher  Thon, 

3'  weisser,    plastischer  Thon, 

3'  eisenschüssiger,  dunkelbraunerSand  mit  viel  concentnsch- 
schaligen  Concretionen  von  kalkigem  und  thonigem 
Eisenstein    und    schaligen,    bohlen    Geoden  von  Braon- 


203 

reichen,  verkohlten,  kleineren  Pflanzen fragmenten,  so  mit 
Sequoia-Zweigen  und  Blättern,  besonders  nher  mit  viel 
Ast-  and  Stammbruchstucken  verschiedener  Conifereu. 
Letztere  werden  darchschwärmt  von  Tereüo-Bohrgangen, 
welche  znm  Theil  von  Schwefelkies ,  zum  Theil  von 
Thon  ansgefullt  sind.  Dieselbe  Thorischicht  ist  ausser- 
dem reich  an  Schwefeikiesconcrctinnen,  welche  die  Ge- 
stalt schlangenformiger  Wulste,  oder  auch  an  ihrer  Ober- 
fläche von  Krystallflächcn  begrenzter  Kugeln  besitzen. 
Neben  den  Holzfragmenten  und  Schwcfelkiesconcrctionen 
finden  sich  bis  nussgrosse  Stucke  von  bernsteinähn- 
lichen, fossilen  Harzen. 
5'  weisser,  feiner  Sand, 

4'  dunkelbrauner,  sehr  eisenschüssiger  Sandstein  mit  un- 
deutlichen Blattabdrucken,  nach  oben  in  ein  grobes 
Conglomerat  von  Quarz-Rollstuckon  mit  brauner,  eisen- 
schüssig-kieseliger Grundmasse  übergehend, 
8'  weisser  loser  Sand  mit  unregelmässig  flotzartigen  Lagern 
und  Nestern  von  Stamm-  und  Astfragmenten  von  Coni- 
feren,  welche  im  untersten  Niveau  dieser  Schicht  ein  bis 
drei  Fuss  mächtiges  Flötz  von  Braunkohle,  bestehend  aus 
lose  aufeiiianderlicgenden  zusnmniengepressten  Holz- 
stücken bilden.  Die  Anordnung  und  Lage  dii'scr  sämmt- 
lichen  fossilen  Hölzer  in  den  verscliiedciien  Niveaus  der 
unteren  Kreide  von  New  Jersey,  die  zahlreichen  Be- 
weise der  Thätigkeit  von  Bohrmusclielii  scheinen  darauf 
hinzudeuten,  dass  die  PAanzenrestc  hier  zusammcnge- 
schwemmt,  nicht  an  Ort  und  Stolle  gewachsen  sind. 

Es  folgen  noch  etwa  200  Fuss  mächtige  thonige 
Sande,  plastische  Thone  und  sandige  Mergel. 
Die  unterste  Etage  der  Kreide  von  New  Jersey  lässt  sich 
deshalb  kurz  charakterisiren  als  eine  mehr  als  400  Fuss 
mächtige  Schichtenreihe  von  vorwaltenden  losen  Sauden  und 
plastischen  Thonen  mit  zahlreichen  Fragmenten  von  Coniferen- 
Stämmen  und  Abdrücken  von  Dicotylcdoncn-Blättcrn. 

James  Hall  berichtet,  gestützt  auf  ältere  Mittheilungen  von 
Seiten  Cook's  und  Anderer  (Americ.  Journ.  1857 ,  XXIV, 
S.  72),  das  häufige  Vorkommen  von  Inoceramus  problemathus 
in  diesem  Niveau  der  Kreidebildung  New  Jerseys.  Die  neueste 
Durchforschung   der  letzteren   durch  Cook,   Gabb   und   Smock, 


204 

Bowio  meine  eigenen  Beobschtangen  lassen  jene  Angabe  irrig 
erscheinen.  In  der  ganzen  Schichtenreihe  der  Kreide  van 
New  Jersey  ist  vielmehr  6is  jetit  noch  keine  einsige  Traglos 
ta  Inocerarous  gehörige  V erste itierang  gefnoden  worden.  Da* 
hin  spricht  sieb  auch  Oabb,  Synopsis  of  the  mollincs  of  the 
Cret.  formal.  S.  128,  aas.  Dieselbe  Auskunft  baben  mir  auf 
mehrfache  Anfragen  die  Staatsgeologen  von  New  Jersey  Cook 
and  Smock  gegeben. 

Hingegen  treten  im  obersten  Niveau  der  skixzirlen,  bis 
auf  PflanienreBle  und  seltene  Unionen  versteiaerungsleereii 
Thone  and  Sande  und  in  schroffem  Gegensatie  tu  diesen,  iwei 
an  marinen  Resten  ausserordentlich  reiche  Tbonlagen  auf.  Du 
dieselben  an  zwei  fast  in  ihrer  gegenseitigen  Streich  nngsrich- 
tung  liegenden  Funkten  aafge schlössen  sind ,  scheint  es  trnlz 
deren  gegenseitiger  Entfernung  von  fast  I7  Meile  doch  aweife)- 
I08,  dass  beide  nur  durch  eine  sehr  geringe  Mächtigkeit  foq 
Sauden  und  Thooen  getrennt  sind.  Die  untere  derselben  möge 
behufs  kürzerer  Bezeichnung  in  dem  pal&ontologisoben  Th«ile 
dieser  Abhandlung  als  Honaont  der  Trigonia  lM)ata,  der  ober? 
als  Horizont  der   Venus  ovalta  bezeichnet  werden. 

Die  Thone  mit  Trig.  Umbata  sind  in  einem  Eiaenbabn- 
einechnitte  unnaitlelbar  vor  Woodbury,  einem  Flecken  1|  Meile 
südlich  von  Philadelphia  aufgeschlossen.  An  dieser  Localitäi 
sieht  man  in  etwa  30  Pass  Mächtigkeit  dunkel  blaogruie,  mn- 
gere,  glimroerreiche  Thone  entblösat,  welche  von  braangelben 
Diluvialkiesen  überlagert  werden.  Eine  iwiscfaeo  2  bis  3  Post 
mächtige  Zone  dieser  thonigen  Gesteine  ist  im  strengsten  Sinne 
des  Wortes  angefüllt  von  organischen  Resten,  welche  tan 
Theil  in  ganz  ausserordentlicher  Vollständigkeit  erhatten  siodl 
und  vorzüglich  in  den  kleinen  Wasserrissea  jener  Fundstelle  | 
KU  Hunderten  gesammelt  werden  können.  Ich  gelangte  dorl 
binnen  wenigen  Stunden  in  Besitz  von  zum  Tbeil  sehr  zahl- 
reichen Exemplaren  von ; 

GerviUia  lolenoidea  Dxfh.  Bei  Berührnng  in  papierdSane 
Lagen  zerfallende  Schaleubruchstüoke,  welche  böcbat 
wahrscheinlich  dieser  Species  angehören,  sind  die 
bäafigaten  organisehen  Reste  jenes  Fundplatzes.') 

*)  Bei  Anfühleng  der  orcaniachea  Beets  Jeder  elnieloeD  Zoni  fEbre 
ich   dicielbeB   in    der  OtibenfolgB    ihrer  H&nAgkelt  an,   so   dsu   dit  in 


205 

Exogyra  auricularis  Wahlbmb.,  sehr  haafig. 

Trigonia  Umbata  d^OsB.,  sehr  haafig. 

Paroimüia  balanophyUoides  Bolsohb,  häufig. 

Agtraea  cretaeea  Bolbghb,  häufig. 

Exogyra  plano9pmtes  Goldf.,  ziemlich  häufig. 

Anomia  $emiglobo$a  61111.^  ziemlich  häufig. 

Anomia  truncata  Oein.,  seltener. 

Exogyra  laeimata  Goldf.,  ziemlich  selten. 

Ostrea  Utrva  Lav.,   sehr   kleine    zierliche    Exemplare, 
sehen. 

Astarie  caelata  MOLL.,  selten. 

Ostrea  acutirostris  Nils.,  selten. 

Carbula  striatida  Sow.,  selten. 
Die  nächst  höhere  versteinerungsreiche  Schicht  im  oberen 
Niveau  der  Thone  und  Sande  der  unteren  Kreideetage,  also 
der  Horizont  der  Vemis  ovaÜs  ist  durch  einige  Thongruben 
'.HoPKiic*8  Clay  Pits)  ^  Meile  von  Haddonfield,  einem  blnhen- 
^^^  Quäkerstädtchen ,  welches  I7  Meile  südöstlich  von  Phila- 
«itlphia  liegt,  aufgeschlossen. 

Unterhalb  eines  höchst  eisenschüssigen,  dunkelbraunen,  zer- 
r^iblicben  Sandsteines  und  eines  gelblichbraunen,  losen  Sandes 
Uiu  dort  ein  fetter  grauer  Thon  auf,  welcher  sehr  zahlreiche, 
aber  zerbrechliche  und  an  der  Luft  schnell  zerfallende  Möllns- 
Ltriscbalen  umschliesst.  Diese  liegen  zum  Theil  direct  im 
TboDe,  zam  Theil  sind  sie  mit  unregelmässig  gestalteten  Schwe- 
iclkiesconcretionen  verwachsen.  Von  dieser  Localität  stammt 
<i^4  im  Museum  der  Academy  of  natural  science  in  Philadelphia 
aufbewahrte  Skelett  von  Hadrosaurus  Foulkii  Lbidy.  Ich  selbst 
bähe  in  den  Thonen,  welchen  dieser  Saurier  entnommen  ist, 
f^igende  bestimmbare  Reste  gefunden : 
Venus  ovaHs  Sow.,  häufig. 

Exogyra  aurictiJtaris  Wahl.,  ziemlich  häufig. 
Gerviüia  solenoides  Defb.,  ziemlich  häufig  in  blätterigen 
Schalenbrnchstncken. 


r<J»tcr  AnxAhl  gefondenen»  aUo  den  pal&ontologischen  Habitus  der  Zone 
bedingenden  Petrefakte  voran,  die  selteneren  hintenan  stehen.  Eine  syste- 
mAtiiche  Uebersicht  der  organischen  Beste  der  Kreide  mit  Besngnahme 
»■f  ihre  vertikale  Verbreitung  ist  im  dritten  nnd  vierten  Theile  dieser 
Abktndlang  gegeben. 

Z«ii«.4.0.|Ml.6tt.  ZXII.  s.  14 


Ben  (im 
mir  seil 


206 

Dentalium  polj/gonum  Rbdbs,  ciemlich  biuflg. 

Atirata  eretacea  Bolscbb,  siemtich  häufig. 

Änonna  aemigloboia  Gbik.,  selten. 

Volata,  NaticB,  Fusus  in  specifisch  anbesiiiiimWi 
Steinkernen. 
Etwns  ob«rbalb  diesea  HorisnniCB  der  FeiuM  ovalit,  al: 
im  obersten  Niveau  der  unteren  Kreideetage  sollen  vor  Jsln 
die  voQ  Dekat  und  Morton  beschriebenen  Atmmonitei  plaetKi 
JmmontVM  Delawarenti»  und  ein  Scapkites  vorgekoromen  sei 
Bei  den  Exemplaren  dieacr  Cophalopnden,  welche  ich 
delphia  gesehen  habe,  war  ihre  Fundstelle  und  da«  Nivi 
welchem  sie  enlnomroen  waren,  nicht  hemerkt.  Ueber  di( 
wichtigen  Punkte  kannten  mir  auch  die  Horrcu  Cook,  G. 
und  Smoce  keine  sichere  Auskunft  geben.  Aus  diesen 
den  und  weil  weder  von  den  Slaatsgeologen ,  noch  mir 
Ammonitenreste  in  New  Jersey  gefunden  worden  sind,  «*{ 
ich  nicht,  die  Angaben  Mobtok's  und  Dekat's  bei  dieser  A 
beit  einer  weiteren  Beräcksichligung  xu  unteniebeD. 

Nach  den  oben  mitgctheilten  Beobachtungen  besteht  i 
untere  Etage  der  Kreide  ron  New  Jersey  vorwaltend  a 
losen  reinkörnigen  Qnarzsanden  und  plastisch 
Thonen,  in  ihrem  oaleren  Hnritontc  mit  Stamm-  und  h\ 
Fragmenten  von  Coniferen  und  Abdrücken  von  Dicotylednne 
Blättern,  sowie  seltenen  Süsswassermotlasken,  —  in  ihre 
oberen  Horitonte  mit  einigen  Lugen  angeiallt  von  Exogj 
auricularis,  Trigonia  limbata,  Venut  oealtt  und  anderen  Resl< 
von  Heeresbewohnern. 

2)  Mittlere  Etage  der  Kreide,  vorwal  t  end  aus 
Olauconitmergel  n  hestehend. 

Die  Schichten  reibe  der  mittleren  Eiage  der  Kreide  » 
New  Jerae;  besitit  80—90  Pnss  Mächtigkeit  nod  bestebl  bi 
etwa  50  Fass  mächtigen  Glaaconitmergeln,  während  der  Re 
von  eisenschässigen  thonigen  Sanden  und  grobkörnigen,  bm 
nen  Sandsteinen  gebildet  wird.  1 

Die  erstgenannten  Gesteine  bestehen  ans  einer  hellgTAud 
feinerdigen  Mergelgrandmasse  mit  randen,  ovalen  oder  nnregä 
massig  abgerundeten,  hirsengrossen  Olsaconitkörneni  von  bei 
bis  dankclgräner  Farbe.  Durch  zahlreiche  Scblämmproben  h 
Herr  Cook  festgestellt,  dass  die  Grönsandmargel  jenes  Ereidi 


207 

terrains  25 — 90  Procent,  und  zwar  im  Mittel  65  Procent  Olau- 
C'jQJlkörDer  enthalten,  während  der  Rest  grauer  erdiger  Mergel, 
Qoarzsafld  nnd  Molloskenschalensabstanz  ist.  Der  Glauconit 
fdbat  fahrt  nach  zahlreiche^,  von  der  Landesuntersuchang'  an- 
gestellten Analysen  6  —  7  Procent  Kali.  Die  Analysen  der 
GUaconilmergel  ergaben  zugleich  einen  Gehalt  derselben  an 
Pbosphorsäare,  welcher  bis  zu  4  Procent  betrug.  Dieselbe  ist 
liieiis  au  Kalkerde,  theils  an  Bisenoxjdul  gebunden.  Der 
phosphorsaure  Kalk  ist  dem  Grunsande  in  nadelkopfgrossen 
Körnchen  von  hellgrüner  Farbe  beigemengt,  während  der  Vi- 
vtanit  in  bis  haselnussgrossen ,  radialstrahligen  Partien  oder 
^taobartig  in  jenen  Gesteinen  eingesprengt  vorkommt.  Am 
Telegraph  Hill  (südlich  von  Kejport)  finden  sich  die  Schalen 
\ciQ  Gastropoden  und  Conchiferen  in  erdigen,  bei  MuUica  Hill 
B'jlemoiten  in  radialfaserigen  Vivianit  umgewandelt. 

Die  (ilanconitmergel  des  Staates  New  Jersey,  deren  Aus- 
gebendes des  flachen  Fallens  der  Schichten  wegen  ein  Areal 
TJD  etwa  30  rn  Meilen  einnimmt,  werden  zur  Düngung  benutzt 
und  ZQ  diesem  Zwecke  in  grossartigem  Maassstabe  abgebaut 
ood  versandt.  Ihr  Verbrauch  belief  sich  im  Jahre  1867  auf 
'^^  Millionen  Centner  im  Werthe  von  2  Millionen  Dollar. 

Ihrem  paläontologischen  Charakter  nach  zerfällt  diese 
Scbichteagruppe  von  vorwaltenden  Glauconitmergeln  in  vei- 
nbiedene  Zonen  und  Horizonte,  denen  jedoch  allen  die  Füh- 
rung von  BeUmnites   mucronatus   gemein    ist.     Zuunterst   liegt 

1)  die  Zone  der  Squaliden.  Gelblichbrauner  oder  grau- 
braaner  Sandmergel,  viel  erbsen-  bis  nus8grosse,  fremdartige 
RolUtäcke  conglomeratartig  nmschliessend,  mit  zahlreichen  scher- 
benformigeo  Ge  .den  von  Brauneisenstein,  überzogen  von  Eisen- 
'<^iier.  Ist  in  einer  Mächtigkeit  von  4  Fnss  direct  westlich  von 
Middletown  aufgeschlossen  und  fuhrt  dort  folgende  organische 
Reste: 

Lamna  texana  Robm.,  sehr  häufig. 
Osyrhina  ManteUi  Ag.,  sehr  häufig. 
CalUanoBsa  antiqua  Otto,  sehr  häufig. 
BeiemniUs  mucronatus  Blain.,  nur  als  Alveolen -Stein- 
kerne, ziemlich  häufig. 
Pecten  quadricostatus  Sow«,  nicht  häufig. 
Otodui  appendiculatus  Ao.,  seltenen 
Baeulites  Faujam  Lam.,  selten. 


208 

Corax  heterodon  Rkcbb,   selteo. 

Coprolitku»  ManteUi  Aa.,  selten. 

Steiukerne  von  Exagyrs,  Turritell»  oad  Fnsus. 
Aller  kohlensaare  Kalk  der  organiscben  Beate  io  dieser 
Schicht  ist  vollkomnieQ  nufgelöst  und  weggeführt  worden;  so 
sind  selbst  die  Scheiden  von  Bei.  mueronatm  vollständig  ver- 
scliwundeo,  für  deren  frühere  Häufigkeit  allein  die  ausgezeich- 
net erhaltenen  Steinkerne  der  Alveolenhählen  Zeugnias  ablegen. 
Die  chltin haltige  SchalensubatAnz  der  Callianassa-Pussglieder 
nnd  Scheeren  hingegen  hat  sich  couservirt. 

2)  Zone  der  Exoyyra  plicata. 

a)  Glauconitmergel,  6  Fuss  mächtig,  mit 

Ottrea    vfsicularü     Lau.     in    ausserordentlich    grossen 

Exemplaren  und  in  grosser  Häufigkeil. 
Exogyra  plicata  Goldf. 
Ottrea  larva  Lau. 

£«/rmnif««muCT-Dnatu>BLA[nr.,sämmtlichziemlicb  häufig. 
Motasaumi  Mitcheili  DbeaT. 

b)  grünlichgrauer,  braungedanimtor  und   gestreifter  Kalk- 
merget,  10  Fuss  mächtig,  mit  viel  verwitterten  Exemplaren  voa 

Exogyra  plicata  Ooldf. 
Ottrea  resicttlaris  Imm. 

c)  Glaucunitmergel,    etwa  10  Fuss  mächtig,  aasserordeut- 
lic-h  reich  an   organisdien  Resten   vun   vortrefflicher  Erhaltung, 


209 

MiddJetowD  and  Not-Swamp,    etwas  nordlich  von  Blackwood- 
toTO,  etwa  30  FasB  mächtig,  mit: 

Ostrea  und  Exogyra-Steinkernen^  ohne  Zweifel  solche 

von  Exogyra plicata  Goldf.  and  Ostrea  vesieularia  Lah. 

CaiUanassa   antiqua  Otto.    Schecreu  and    Possgliedcr 

sehr  bäofig. 
Be/emnites  mucronatu»  Blaiky.    als   Steinkern   der  AU 

Teolenhohlen. 
Lucina  /enticu/aris  Goldf.  als  Steinkern, 
Terebrateüa  plicata  Sat,  ebenfalls   nar   als  Steinkern, 
seltener. 
e)  local:  eisenschüssiger,  rothbranner  Sandstein  in  1  Zoll 
Dächtigen   Platten ,    anscheinend    ohne   organische   Reste.     In 
5  Pdss  Mächtigkeit  aufgeschlossen  |  Stande  nordlich  von  Black- 
woodtown. 

3)  Zone  der  Areaceen, 

a)  Glaaconitmergel,  dankel  arsengran  bis  dunkel  laucbgrnn 
'twa  10  Fuss  mächtig,  aufgeschlossen  z.  B.  bei  Tinton  Falls 
Qod  Black woodtown;  mit: 

Area  glahra  Sow. 

Area  ligeriensis  d'OBB.,  beide  häufig. 

Area  exaltata  Nils.,  seltener. 

BacuUtes  Faujasii  Lam. ,  selten;   sämmtlich  als  Stein- 
kerne. 

Mosasaurtts  Mitchelli  Dekat,  Wirbel  und  Zähne  ziem- 
lich häufig. 

Hyposaurua  Rogersü  Owbn^  nicht  selten.   Panzerbruch- 
stScke     von    Schildkröten,    namentlich    von    Emys 
(Adocus)  heatus  Lbidy  sind  häufiger. 
Local  überlagert   von  einem  einige  Fuss  mächtigen  eisen- 
nbässigen  Sandsteine. 

b)  Grauer  erdiger  Kalkmergel  mit  ziemlich  viel  Clauconit- 
""»roeni;  aufgeschlossen  in  3  Fuss  Mächtigkeit,  z.  B.  zwischen 
EatüDtown  und  Shrewsbury  mit  Steinkernen  trefflicher  Erhal- 
tDDg  von: 

Ostrea  lunata  Nils. 
Area  glabra  Sow.,  häufig. 
Area  ligeriensis  d*ORB.  seltener. 
Baculites  Fatij<mi  Lam.,  seltener. 


210 

Volota,  Turritella,  Roslellaria  und  FflSDSj  Speties  un- 
bestimmbar, 
c)  dunkelgraubliiue  MiTgeltlioiie,  aurgesctilossen  in   7  Fuss 
Mächtigkeit    direct    öallu'li    von    Eatiiiilnwii,    ferner    lei    New- 
Egypt,  mit: 

Ottrea  micularin  Lau.    Kleinere  Varietät,  an  mnncbcn 
Stellen   fast  die  llätrte  des  Scbichtenmateriales  )iil- 
deiid. 
Brlemnites  tnucroHatiii  Ülainv. 
Oetrea  lateralis  Nils,  seltener. 

3.  Obere  Etage  der  Kreide. 
Diese  etwa  27  Kass  mächtige  Schiehlenreihe  wird  zusam- 
mengesetzt von  hellgelben  Kalkniergeln  ,  mergeligen  Kalkstei- 
nen und  Kreidetnff,  welcher  letztere  den  itbcrslen  Horizont  der 
Kreide  von  New  Jersey  bildet  und  namentlich  aus  Brucb- 
stücken  der  Kalktbeile  von  Organismen  besteht.  Belemniirt 
mucronatut  habe  ich  in  dieser  sonst  ausserordentlich  petrefakten- 
reichen  Etage  nicht  angetroffen.  Dieselbe  erhält  durch  Tere- 
braluta  Hartani  und  zahlreiche  Bryoioen  einen  iiusgeprägten 
paläontologischen  Charakter.  Was  die  Mächtigkeit  dtr  einzel- 
nen Glieder  dieser  Etage  betrifft,  so  wechselt  dieselbe  nn  jeder 
Localität,  während  ihre  ('esammt-Mächtigkeit  ziemlich  conslanL 
bleibt.  Der  folgenden  Beschreibung  liegt  die  Schieb tenreibc, 
wie    sie    am  Tiraber  Creek    etwa  2  Meilen    südlich   von  PhiU- 


211 

Eichara  dichotoma  Goldf.,  sehr  häufig. 

Ostrea  vesicularis  Lam«,  kleinBte  Varietät,  häufig. 

CeUepora  pusUla  Nils. 

Nodosaria  sulcata  Nils.,  beide  häufig. 

Sirpula  trianffularis  Monst.,  ziemlich  selten. 

FoUidpes  maximus  Sow.,  selten. 

b)  bell  gelblichbrauiie,  erdige  Kalkmergel,  an  der  Luft  zer- 
fxlend,  6  Fuss  mächtig  mit: 

Eichara  dichotoma  Goldf.,  sehr  häufig. 

Cidaria  clavigera  KoBB. 

Gdaris  sceptri/era  Mant. 

Serptda  rotula  MoBT. 

Area  trapezoidea  Gbib. 

Nodosaria  sulcata  Nilb.,  sämmtlich  häufig. 

c)  strohgelber  Mergelkalk,  1  Fuss  mächtige  Bank  mit: 

Gastrochaena  tibialis  Mort.,   in  ihrer  ausserordentlichen 
Häufigkeit  das  mergelige  Gesteinsmaterial  oft  ganz 
verdrängend. 
Eschara  dichotoma  Goldf.,  häufig. 
Serpda  rotula  Mort.,  häufig. 
Oidaris  cHavigerä  Korn. 
Qdaris  $ceptri/era  Mant. 
iirea  trapezoidea  Obin.,  sämmtlich  häufig. 
Ostrea    veeictdaris    Labl,     kleinste    Varietät,     ziemlich 

häafig. 
Ostrea  lateralis  Nils.,  ziemlich  häufig. 
Coeloemiliaf  atlantica  Mort.,  ziemlich  häufig. 
Nodoearia  sulcata  Nils.,  seltener. 
Nudeolites  crudfer  Mort.,  selten. 
HoUtster  cinctus  Mort.,  selten, 
d)  Hell  grangelber  Kreidetuff,  15  bis  16  Fuss  mächtig,  fast 
allein  bestehend   ans   kleinen,  zum  Theil  abgerundeten  Bruch- 
stacken  von  Bryozoen,  Foraminiferen ,  Echiniden-Stacheln  und 
Asselo,   Conchiferen  -  Schalen.      Ausserdem     mit     zahlreichen 
«oblerhalteoen  Exemplaren  von: 

Esehara  dichotoma  Goldf.,  gewisse  Lagen  dieser  Schicht 
ganz  erfüllend,  so  dass  man  dieselbe  mit  Recht  eine 
Bryozoen bank  nennen  kann. 
Serpula  rotula  Mort.,  sehr  häufig. 
(Gdaris  daeigera  Kovjs. 


212  ; 

Gdarü  iceptrifera  Mäht. 

NucltolUes  cruci/er  MoiiT. 

Nodosaria  sulcata  Nils. 

Cetlepora  puntla  Haq. 

Ceriopora  srstiiis  HaO.,  allu  häuGg. 

Exogyra  lateralis  Nils.,  ziemlich  häufig. 

Holasttr  cinclus  MoBT.,  eeltener. 

Cavaria  pueluloia  Hau.,  selten. 

Ditaxia  compretsa  (ioLDP.,  selten. 

Ftabellaria  cordata  Rbdss,  selten. 

Aulopora  sp. 
Dieser   bryozoenreiche   KrcidetafF  ist   die  jöngste    Kreide- 
Schicht  von  N«w  Jersey.    Es  ist  dieselbe  in  ibrer  ganzen  Mäch- 
ügkeit  und   in  grösserer  Ausdehnung  entblösst  in  den   Htdbb'- 
scbea  Brüchen  bei  Brownville. 

Verknüpfung  mit  der  Terliärformation.  Die  anf 
den  letzten  Seiten  beschriebene  Schichtenreihe  wird  gleichför- 
mig von  losem,  gelben  Quarzsand  überlagert,  dessen  uuterem 
Horizonte  ein  local,  z.  B.  südlich  von  Eatontown,  entwickelter 
harter,  brtiuner  QuarzsanÜslein  mit  eisenschüssigem  Cämente 
und  hier  und  da  grüsseren  weissen  Qnarzkieselu  angehört. 
Diese  Sande  und  Sandsteine  sind  in  ihrer  nordöstlichen  Br- 
Streckung  bis  50  Fnss,  in  ihrer  nordöstlichen  nur  10  bis  20 
Fuss  mächtig.  Mit  dem  Kreidetuff  sind  dieselben  in  der  Weise 
verknüpft,   dass  dessen  oberste  Lagen  mehr  nnd  mehr  sandig 


213 

schrieben  worden.  So  bezeichnet  z.  B.  der  Staatsgeologe  Cook 
in  seinem  citirteo  Werke  die  betreffenden  obersten  Grunsand- 
Khichten  zwar  wiederholt  als  eocan,  beschreibt  dieselben  aber 
dennoch  an  anderen  Stellen  ausführlich  als  zur  Kreide  gehörig 
iGeologj  of  New  Jersey,  S.  36,  241,  243,  275  u.  a.)  und  bat 
die  auf  seinen  geognos tischen  Karten  ebenfalls  als  cretaceisch 
angegeben.  So  sind  ferner  von  Lbidt  und  Haelan  Reste  zweier 
Cetaceeo,  sowie  eines  Seehundes  und  einer  Schnepfe  aas  dem 
Mucronaten-Grönsand  von  New  Jersey  beschrieben  worden. 
Andere  Geologen  Deutschlands,  Englands  und  Amerikas  haben 
die^e  MittheiluDgen  in  ihre  Lehrbücher  der  Geogoosie  aufge- 
nommen und  dadurch  in  weiteren  Kreisen  verbreitet.  Wie  jetzt 
Lhdt  selbst  bekannt  macht  (Foss.  Rept.  S.  1),  stammen  diese 
fossilen  Reste  nicht  aus  der  Kreide,  sondern  sind  recenten 
Ursprongs.  Aaf  derartigen  Ungenauigkeiten  und  Irrthumern 
beruht  der  anscheinende  Reich thum  der  Kreide  von  New  Jersey 
SQ  organischen  Resten,  vorzuglich  Gastropoden  und  Conchiferen. 
Im  Museum  der  geognostischen  Landesuntersuchung  zu  New 
Brunswick  habe  ich  ausser  Saurier-  und  Schildkrötenkuochen, 
^'Jwie  Abdrucken  von  Blattern  aus  der  untersten  Kreide  wenig 
mehr  als  die  aufgezählten  Kreidefossilien  vorgefunden,  so  dass 
aie  7on  mir  selbst  gesammelten  Reste  die  Mehrzahl  der  wesent- 
Jicheo  Formen  der  Kreide  von  New  Jersey  zu  reprasentiren 
^cheioen. 


ni.    Me  •rgaiisckea  EinscUiisse  der  Kreide  von  New  Jersey/) 

Pflanzen. 

lo  vielen  Niveaus  der  unteren  Kreideetage  finden  sich, 
^ie  im  geognostischen  Theile  dieser  Abhandlung  bereits  be- 
Kbrieben,  zahlreiche  verkohlte  Stamm-  und  Astfragmeute  von 
Cooiferen,  welche  bisweilen  selbst  Lignitflotze  von  wechselnder 
Mächtigkeit  bilden  können.  Die  Zugehörigkeit  dieser  Holzer 
lUT  Familie  der  Coniferen  ist  sicher,  ihr  Erhaltungszustand  ist 
jedoch  nicht  genügend  gut,  um  zu  erkennen,  ob  es  Reste  von 


*)  Vollat&ndige  Zasammeostellnngen  der  Synonyma  der  aus  New 
Jerser  bekannten  Species  würden  bei  der  Beschreibung  einer  Localfauna, 
*ie  der  vorliegenden,  m  weil  führen  und  müssen  allgemeineren,  systema- 
oiKhen  Arbeiten  uberiassen  bleiben. 


214 

u-ien,   AbieteD,    Piniten    oder    eioer   andeten    Conifercn- 

)  sind,  da  sich  die  Täprel  nicht  oiehr  beobachtea   taBsen. 

och  weniger  Beatiuimlca  lÜsst  sich  über  die  Blattabdrücte 

.    welche    in    so    grosser  Anzahl    in  den    Sphärosideriten 

jinkörnigeu,    (honigen  Sandsteinen  derselben  Etage    Tur-i 

tn.     Es    steht   nur  fesi,  dasd  sie  von  Angiospermen  ab' 

en.    Nach  ihren  äuHseren  Umrissen  zu  schliesseo,  mögen 

tter  von   Betulft,  Salix  und  Sftssafras  Bein. 

'eben    diesen   Vorkommen    erkannte    Herr  Prof.    Scuese 

e  Zweige  and  Blätter  einer  Sequoia. 

)ie   Pflanzen ,    deren  Reste   die    untere  Kreide     von  New 

birgt,  sind  nicht  an  Ort  und  Stelle  gewachsen,  sondern 
I  Strand  gelrieben  worden.  Die  regellose  Lage  der  Prsg- 
,  ihr  oft  gunz  vereinzeltes  Vorkommen  in  Mitten  reiner 
»ande    der  einstigen  Ufer,    die  zahlreichen  Bohrmnschcl- 

in  den  Hölzern  lierern  dafür  BeweiBe. 


Amorphosok. 

Flaballina  cordata  Redss. 

Böhm.  Kr.  I.,  S.  32,  t.  B,  f.  39. 

mlitria  eeata  Buheu,  Er.  8.  ^,  t.  15,  f.  9. 

angoval,    dünn    znsammengedrückt,  gegen    15  Kammeni 
igenförmigen  Scheidewänden,  die  erste,  kleinste  Kammer 
:h  knotig  gewölbt, 
elten  in  den  Bryozoen- Seh  lebten  von  Brownville.  i 

Nodotaria  »vlcata  Nils.  I 

,  Kr.  S.  »5.  I 

ippxi  BtuM,  Böhm.  Kf.  I.,  S.  35,  t.  6,  (   1. 

'iese  zierliche,  pfriemenförmige ,  durchschnittlich  12mal 
ngeschnijrte,  längsgefurchte  Poraminifere  liegt  in  18  Mm- 

Ezeuiplaren  vor.  Die  kleine,  centrale,  schnabelförmige 
igerung  der  obersten  Kammer  und  die  in  ihr  befindliche 
mg  zum  Austritt  der  Sarkode  ist  nicht  selten  erbalteo. 
läufig     in    der    Bryozoen  •  Schicht    von    Brownville    and  1 

Mill. 


215 


Polyp!  (beirMtet  voft  Herrs  Wilb.  B6l8Ch«). 

Trochosmilia  1  inauris  MoRT. 

TarNw^fia  inawr%t   Mobtom,    Syn.    of  the   org.    rem.  of  the  cret.  gronp. 

S.  81.  t    15,  f.  II.     1834. 
h^tkötmUa  ?  inamris  M.  Edw.  q.  H.  Pol.  foss.  des  terr.  palaos     S.  47. 

1851. 

Polypeosiock  verlängert  kegelförmig,  in  der  grösseren  Axe 
Rjehr  oder  weniger  stark  gebogen,  mit  nur  sehr  kleiner  An- 
beftQogsstelle  an  der  unteren  Spitze.  Rippen  von  der  Basis 
iQ  siebtbar,  gleich  breit,  abgerundet;  die  Rippe,  welche  sich 
40  der  iosseren  convexen  Krummungs-Seite  befindet,  springt 
v'barf  hervor,  so  dass  auf  diese  Weise  dort  die  Seitenflächen 
lits  Polypen  Stockes  winkelig  begrenzt  erscheinen.  Kelch  ellip- 
:<v*h.  36  Septen,  von  denen  18  grössere  und  18  kleinere  (auf 
•3  Mm.  kommen  4  —  5). 

Vorkommen.  Die  vorliegenden  Exemplare  stammen 
aa*  den  Bryozoen-Schichten  von  Brownville;  nach  F.  Robmer 
tndet  sich  diese  Species  in  grosser  Menge  auch  zu  Squankum 
iL  New  Jersey,  nach  Morton  in  der  Kreide  von  Alabama. 

Bemerkungen. 

Leider  war  das  Innere  der  Kelche  bei  den  Exemplaren, 
iit'  mir  bei  der  Untersuchung  zu  Gebote  standen,  so  mit  frem- 
<^er  Gesteinsmasse  angefüllt,  dass  es  unmöglich  war.  Genaueres 
•'ber  die  Columella,  Querleisten  u.  s.  w.  feststellen  zu  können. 

Nach  dem  Vorgänge  von  Milne  Edwards  u.  Haimb  habe 
•<h  die  Speciee  vorläufig  bei  Trochosmilia  gelassen.  Charakte- 
riatisch  ist  far  Tr,  inauris  schon  die  eigenthüroliche  Gestalt 
des  Polypenstockes. 

Parasmilia  balanophylloides  Bolsche. 

Polypenstock  fast  cylindrisrh  und  mit  sehr  breiter  Basis 
'^^tgewachsen.  Die  von  der  Basis  an  sichtbaren ,  ungefähr 
^Wich  breiten,  abgerundeten  Rippen  fein  gekörnelt.  Kelch 
kreisförmig.  Cohimella  papillös,  wenig  breit.  4  Gjclen  von 
<ikht  gedrängt  stehenden  Septen  (auf  2  Mm.  kommen  6—7) 
^^  6  Systemen  vollständig  entwickelt.  Septen  des  ersten  und 
zweiten  Cyclus  gerade,  bis  zur  Columella  reichend.     Die  Sep- 


216 

(en  (]us  ersten  Cydus  bleilien  allein  frei;  die  anderen  Cyclen 
sind  duri'li  ihre  inneren  Kanten  in  alten  Systemen  auf  gleich- 
massige  Weise  vereinigt;  die  Sepien  des  dritten  Cyclus  ver- 
einigen sieb  mit  denen  des  zweiten  Cyclus  nicht  weit  von  d«r 
CotunicUa.  Diu  den  vierten  Cyclus  bildenden  Septen  der  vier- 
ten und  fünften  Ordnung  krümmen  sich  gegen  den  dritten 
Cyclus  hin  und  vereinigen  sich  mit  ihm  ungefähr  iu  der  Mitte 
zwischen  dem  Ccnirum  und  dem  Rande  des  Keluhes.  Seiteo- 
tlächcn  der  Septen  sturk  gekörneU;  die  Höckeri-beQ  sind  oft 
so  stark  entwickelt,  dass  sie  sich  mit  denen  der  benachbarten 
Septen  verbinden  und  auf  diese  Weise  falsche  Synaptikelo 
bilden.  Querleisten  selten.  Kelchdurchmeaser  5  Mm.  j  Hob* 
des  Polypenstijckes  5  Mm. 

Vorkommen:  sehr  häufig  in  dem  pUstischen  Tboae 
(Zone  der  Trig.  limbaia)  von  Woodhury,  auf  den  Schaleubrach- 
stücken  von  Geniüia  eolenoides  aufgewachsen. 

Bemerkungen. 

Die  vorliegende  Species  unterscheidet  sich  leicht  von  den 
bekannten  Parasmilicn  der  Kreide  und  des  Tertiärs  durch  die 
regelmässige  Vereinigung  der  Septen  der  verschiedenen  Cyclen 
unter  einander.  Die  Anordnung  der  Septen  erinnert  an  die 
schönen  Kelchzcichnungen,  die  man  bei  verschiedenen  Gattun- 
gen der  Pungiden  und  Eupsammiden  findet. 


217 

Beibeo  geordnet  sind.  In  manchen  Kelchen  sind  die  Tnber- 
kein  ein-  und  derselben  Seitenfläche  namentlich  in  der  Nähe 
6tr  Maaer  und  der  Coluroella  so  stark  entwickelt  und  so  un- 
ter einander  vereinigt,  dass  die  auf  diese  Weise  verdickten 
^epten  fast  ein  schwamoiiges  Ansehen  erhalten. 

Qoerleisten   nicht  selten,  dann. 

Vorkommen:  im  plastischen  Thone  (Zone  der  Exo- 
jkTa  aurieularU)  von  Woodbury  und  Haddonfield. 

Bemerkan  gen. 

Die  vorliegende  Species  ist,  soweit  mir  bekannt,  die  erste 
A3S  der  Kreide  beschriebene.  Sie  unterscheidet  sich  von  den 
ffieisten  in  dem  Tertiär  oder  den  jetzigen  Meeren  vorkommen- 
ieo  Arten  der  Gattung  Astraea  durch  das  Vorhandensein  von 
aar  3  Cyclen  von  Septen.  Die  lebende  Astraea  expansa^  die 
eioe  gleiche  Anzahl  besitzt,  ist  nach  der  kurzen  von  Milne 
Edwabds  und  Haimb  gegebenen  Diagnose  von  ihr  zu  unter- 
^cheiden  durch  die  Art  der  Kelchbegrenzung. 

Coelosmilia?  atlantica  Mort. 

Antkopkffilmm  aiianticum  Mort.,  Synopgis  S.  80,  t.  1,  f.  9  und  10. 
MmlnMlHa  atloHiiea  Lonsdale,  Qoart.  Jonrn.  Vol.  I.  S.  65. 
CWitfmtÄÄ  ?  alimHiea  Edw.  n.  H.,  Bist.  nat.  d-  cor.  fose.  T.  II.  S.  179. 

Ebenso  wie  die  den  MoRTOn'schen  und  LoNSDALE'schen 
Betscbreibuogen  und  Abbildungen  zu  Grunde  Hegenden  sind 
^ch  unsere  Exemplare  nur  innere  Steinkerne  des  oberen 
TiioUes  des  Kelches.  Dieselben  lassen  sich  nicht  bestimmen. 
Nach  Edwards  und  Haiub  gehören  sie  vielleicht  zu  Coelo- 
smilia. 

Ziemlich  häufig  in  dem  bryozoen reichen  Mergelkalke  von 
BrownviUc. 

Eehinodemiata. 

Nucleoliies  cruci/er  Mort. 

M unm,  Sjnopsi«  rem.  cret  group.  S.  94,  t.  3.  f.   15. 
^f'oi,  Synop.  d.  cchin.  foss.  S.  262. 

In  Bruchstücken  ziemlich  häufig,  gut  erhalten  seltener  in 
^en  bryozoenreichen  Mergeln  von  Brownville.  Nach  Mortom's 
Abbildung  von  Exemplaren  von  derselben  Localität  ist  deren 
i<lentität  mit    unseren    Exemplaren    sicher.      Seines    schrägen 


Perifltomes   wegen   rechnet  d'Orbiobt   diesen  Seeigel  so  «eioer 
Gattung  Tretnatopygus. 

Holaster  einclut  Mort.  sp. 

Ananchgia  Haelta  Mohtoh,  Sjnop*.  8.  78,  t.  3,  f.  19. 
CarJiaiUr  dnelu)   Di^on,  Sjnopiis  d.  ecbio.  foM.  S.  34ü. 

Ein  kleiuer  lieriförmiger  Holasttr  niit  ziemlicli  stark  ge- 
wölbter Oberseite  und  anf  dieser  bitiler  dem  Scheitel  eine 
breite,  vom  Scbeitel    bis  über  den  Kaiid  lauTende  Rinne. 

Von  Deror  wurde  diese  äjiccies  nach  Mohtoh's  Abbildung, 
trotzdem,  dass  diese  keine  Fasciole  zcijtt,  zu  Oirdiasler  ge- 
stellt. Die  Faeciole  fehle  aber  in  der  That,  nicht  nur  in  Mou- 
TUk's  Zeichnung,  wie  Dbsor  vitraussetzte.  Der  betreffende 
Seeigel  gehört  deshalb  zu  Holasier,  nicht  Cardiaster.  Nach 
den  vorliegenden,  mangelhaft  erhaltenen  Exemplaren  eine  Iden- 
tification  mit  europäischen  vorzunehmen,  würde  zu  gewagt  sein. 

Selten    in  der  obersten  Kreideetage,  z.  B.  bei  Brownville. 

Ciäarit  ciavigera  Kobh.  und  C.  »ceptrifera  Maat. 

:,  S/nops.  8.  75,  t.  10,  f.   lU  und  t.  3,  f.  7. 
Bruchstücke    walzenförmiger  Cidariten  •  Stacheln ,    die  ent- 
weder mit  schmalen  gekörnten  oder  mit  sägezahn  ahn  liebe  Zacken 
tragenden  Längsreifen    versehen    sind,  also   Cid.  claoigera  und 
tceptri/era  anzugehören    scheinen,    sind    ziemlich  bänfig  in  der 


219 

b«)baefateo  sind.  Ihre  Oberfläche  besteht  aus  regelmässigen 
sechseckigen,  flach  vertieften  Zellen,  welche  in  abwechselnden 
Längsreihcn,  also  im  Qoinconx  liegen  und  durch  zarte  Furchen 
geschieden  werden ,  wodurch  sechsseilige  Felder  mit  erhöhten 
Rindern  gebildet  werden.  Die  centralen  Zellenmundungen  sind 
Halbkreisförmig  zart  umrandet. 

LoKSDALB  hielt  1845  Morton*s  Species  E.  digitata  neben 
ikkotoma  aufrecht.  Die  speciflschen  Unterschiede,  die  er  für 
>:e  geltend  macht,  beruhen  jedoch  auf  der  nicht  ganz  gelunge- 
nen Abbildung  von  Goldfuss. 

Sehr  häufig  in  der  obersten  Etage  der  new -jerseyer  Kreide, 
besonders  im  Kreidetnff  bei  Brownville,  der  von  ihr  ganz  an- 
gefollt  ist,  so  dass  man  sie  in  den  Wasserrissen  zusammen- 
fegen konnte. 

Cellepora  pusilla  Hao. 
B1701.  T.  Mattr.  S.  88,  t.  10,  f.  9. 

Als  Ueberzug  auf  Ter.  Harlani  und  Ostr.  vmculariSf  wobei 
die  sack-  oder  tnlpen formigen  Zellen  in  nach  allen  Richtun- 
gen radial  ausstrahlenden  Reihen  angeordnet  sind.  Bei  sehr 
got  erhaltenen  Exemplaren  sind  die  kleinen  ringförmigen  Neben- 
poren an  jeder  Seite  der  Mündung  deutlich  sichtbar.  Gewohn- 
lich ist  die  gewölbte  Zellendecke  abgerieben  und  dann  nur  die 
gegenseitige  Zellenbegrenzung  in  Form  sechsseitiger,  abgerun- 
det vierseitiger  oder  ovaler  Zellen  wände  erhalten,  welche  dann 
wie  ein  weitmaschiges  Netz  die  Unterlage  überziehen. 

Dieselbe  Brjozoen  -  Species  kommt  auch  frei  in  lappig 
ausgebreiteten,  liniendicken  Wänden  vor,  deren  Querbruch  eine 
l'eberlagerung  vieler  Celleporen  -  Schichten  zeigt,  von  denen 
silmälig  eine  die  andere  überzogen  hat. 

Häufig  im  Kreidetuff  bei  Brownville  und  Turtle  Mill. 

Cellepora  granulosa  Hag. 
HuExow,  Neues  Jahrb.  1839,  8.  270. 

Napfformiger,  Lunulites-ähnlicher  Bryozoenstock  von  sack- 
^nnigen,  sich  gegenseitig  am  Fusse  bedeckenden  und  scharf 
gekomelten  Zellen.  Die  grosse,  halbkreisförmige,  auf  der  Hohe 
^er  Zelle  gelegene  Mündung  ist  auf  ihrer  bogigen  Seite  von 
einem  zarten  Rande  umgeben,  welcher  sich  zu  jeder  Seite,  also 


221 


Bnehiopoda. 

Terebratula  Harlani  Mort. 

Kmtoji,  Synopsis  8.  70,  t.  3,  f.  1  nnd  t  9,  f.  8  n.  9. 
(lii.imDT,  Brachiop.  8.  378,  t.  48,  f.  47. 
Ter,  fragiÜM  MoiT.,  Synops.  8.  70,  t.  4,  f.  2. 

Moaroü    sowohl ,  wie  neoerdings  Qobnstbdt  haben    1.    c. 

diese    eiförmige    bis    abgerundet   cylindrische ,  bis  zu    75    Mm. 

isnge  and  dann  45  Mm.  breite  Terebratel,  Qüenstbdt  auch  ihr 

looeres    beschrieben.     Ich  beschränke  mich  deshalb  auf  einige 

BemerkoDgeD  über   die  Schalenstructur ,   die  verticale  Verbrei- 

taog  nnd  die  europäische  Verwandtschaft  der  Ter.  Harlani. 

Schalenstructur.  Die  Schale  der  Ter.  Harlani  besitzt 
eine  ausserordentlich  fein-  nnd  sehr  langfaserige  Structur,  und 
zwar  durchsetzen  diese  Fasern  oder  Prismen  die  Schale  in 
sehr  spitzem  Winkel  und  liegen  Linien  parallel,  die  man  vom 
Schnabel  nach  dem  Schalenrande  ziehen  kann,  sind  also  radial 
itrahlig  angeordnet.  Manche  der  vorliegenden  Schalen  losen 
sich  unter  dem  leichtesten  Drucke  des  Fingers  in  dünne  Fä- 
serchen  auf.  Auch  der  Brachialapparat  besteht  aus  solchen 
Prismen.  Dergleichen  Kalkfasern  besitzen  Seidcnglanz  und 
erscheinen  unter  dem  Mikroskope  aus  noch  zarteren  plattge- 
drückten Fäserchen  zusammengesetzt. 

Die  Canäle,  deren  Mündungen  das  cbagrinurtige  Aussehen 
der  Schalen  Oberfläche  bewirken ,  stehen  ziemlich  dicht  neben 
einander  und  setzen  durch  die  faserige  Schalensubstanz  senk- 
recht hindurch,  wenigstens  zeigen  sämmtliche  einander  deckende 
Lagen  von  Faserbündeln ,  in  welche  die  Schale  zerlegbar  ist, 
dieselbe  Chagrinirung,  mit  anderen  Worten  Durchschnitte  durch 
die  Röhrchen.  An  manchen  Schalenbruchstücken  sind  die 
Canäle  in  ihrem  ganzen  Verlaufe  von  der  Aussenäuche  bis  zur 
Innenfläche  der  Schale  mit  der  Lupe  deutlichst  wahrzu- 
nehmen. 

Innerhalb  dieser  auf  die  beschriebene  Weise  zusammen- 
gesetzten ,  verhältnissmässig  sehr  dünnen  Schale  befindet  sich 
eine  partielle  kalkige  Auskleidung,  ein  Callus.  Diese  ist  be- 
schränkt auf  die  Ventral-  (Schnabel-)  Schale,  und  zwar  auf  die 

/-.i«.  d.   I).  g«>«l.  f^rn.  XXII,  8.  15 


Innenseite  dee  Schniiliels  und  auf  die  Schlosspartien  der 
Scliale.  Hier  bildet  sie  3  bis  8  Mm.  dicke  Anecliwellungea 
unterhalb  des  Articulations  ■  Apparates  and  auf  heiden  Seitea 
der  C&rdinalmuskelcindrücke,  füllt  oft  den  Haf^muskelcanal  ßtit 
vollständig  aus,  beengt  denselben  weiiigntuus  sehr  bedeutend 
und  verleiht  der  gan:<eii  in  der  Nähe  de<i  Schnabels  und  dM 
Schlusses  gelegeneu  Schalenpurtie  Halt  und  Peütigkeil.  Dien 
partielle  KalkauskJeidunf;  fehlt  bei  jüngeren  Individuen  steti, 
hei  ausgewncbseneii  selten,  alier  dncli  manchmal,  und  ist  bei 
gleicbgrussen  Exemplaren  sehr  vcrachiedün  stark  entwit-kelt 
Es  ist  dieseüio  eine  Secrelion  späterer  Lcbcnnperioden  des 
Thicres,  ist  von  der  Uuseeren  faserigen  und  von  selir  deutlieh 
sichtbaren  Canälen  durchbohrten  Schale  durch  eine  au^»- ; 
prägte  AbsunderungsHäche  getrennt  und  unterscheidet  sich  von 
derselben  augenblicklich  uud  scharf  durch  die  Verschicdeubeil 
in  Farbe  und  Structnr,  in  dem  sin  nicht  fnscrig,  sondern  feia- 
kürnig  bis  dicht  ist  und  Anscheinend  von  den  Cauülcbeo 
nicht  durchbohrt  wird.  Letzere  enden  vielmehr  scheinbar  anf 
der  Trenn ungstiBcbc  der  beiden  Sch.ilenhi^en.  Bei  gPinsiiger 
Beleuchtung  und  schärferer  Vergn'isserung  ist  jedoch  auch  die 
Fiirlseliung  der  Cunälchcn  in  die  innei-u  ächnlensiibslaiii  ni 
beobachten;  diese  Kührchnn  sind  jedoch  ausserordenlHeli  feiiL 
Eine  auf  dum  Querbruche  des  Callns  wahrnehnilmrc,  schwache 
hellere  und  dunklere  Slrcifiing  zeigt,  dass  die  Absuiiderung  an 
Schnabel   begonnen    und    sich  in  der  Weise  lagcnförnitg  weiter 


irr. 


223 

?d.  wie  eine  Notiz  auf  der  Etiquette  betreflfender  Exemplare 
Bt  Berlioer  Maseam  besagt.    Die  Mehrzahl  der  von  F.  Roembr 

New  Jersey  mit  nach  Europa  gebrachten  Exemplare  von 

HaHani  gehören  der  bipHcaten  Varietät  an ,  während  ich 
1*1  meioem  Aafentbalt  dortselbst  nicht  ein  einziges  derartiges 
Eiemplar  fand.  Die  beiden  Modificationen  mögen  auf  be- 
Ȋmmie  Localitaten  oder  Horizonte  beschrankt  sein,  von  denen 
leht  immer  beide  zugleich  Aufschlüsse  bieten  mögen. 

Die  Schwankungen  in  der  Starke  und  Ausdehnung  des 
^Jlwbei  den  einzelnen  Exemplaren  sind  bereits  hervorgehoben 
»  rtien,  «benso  das  häufige  Fehlen  dieser  Kalksecretion. 

Verticale     Verbreitung     und     Häufigkeit.      Das 
\oAoameji    von     Ter.    Harlani    ist   beschrankt   auf  eine  nur 
•«ige  Fqss  mächtige  Schicht  in  der  obersten  Kreideetage  von 
New  Jersey,  füllt    diese  aber  vollständig  an,    so   dass   deren 
Miterial  wenigstens    zur   Halfke   aus   Terebratula- Schalen    be- 
•i^hi    Man   kennt   das   Ausgehende    dieser   Terebratelzone    in 
New  Jersey  in  einer  Länge  von  mehr  als  20  deutschen  Meilen, 
\ii  es  ausserdem   aber  noch  in    den  benachbarten  Staat  Dela- 
tire  bioetn  verfolgt.     Die  Häufigkeil  der  Terebratula   Harlani 
in  dem  Meere,    dessen  Niederschlage   jene  Terebratula -Bank 
rrpräseDtirt,  rouss  demnach  ganz  ausserordentlich  gewesen  sein, 
»ihrend  sie  ans    den    Schichten    oberhalb    und    unterhalb    der 
'-^ch^iebenen  Zone  nicht  bekannt  ist. 

Verwandte  europäische  S  peci  es.   Qübnstbdt  nennt 
Tn.  Harlani  ^höchst  verwandt  mit  Ter.  camea,''  was  ich  durch- 
Ms  nicht  finden  kann,  indem  beide  weiter  keine  als  die  gene- 
mcben  Cbarakteristica  gemein  haben,  in  den  übrigen  aber  weit 
ijseioandergehen.     Mir   ist   nur  eine   Terebratel  der  Kreide- 
f  rmation  bekannt,   welche    in  ihrem  allgemeinen  Habitus  und 
in  ihren  Dimensionen   mit  Ter.  Harlani   grossere  Aehnlichkeit 
^esitit,  nämlich  Ter.  Sowerbyi  Haö.  (Jahrb.  1842,  S.  541,  nicht 
rff.  aWfrfryt  Ntst.  Belg.  642,  welche  identisch  mit  Ter.  gran- 
•/'<  ist)  aas  dem  Senon    von  Rügen  und  Belgien.     Die  Aehn- 
lichkeit dieser  Form  mit  Ter.  Harlani  ist  so  bedeutend,   dass 
fflaa  sie  mit  Recht  als  geographischen  Repräsentanten  ein  und 
(derselben  Grundform  betrachten   darf. 


15 


Oitrea  lateralis  Nils.  sp. 

Bxosj/ra  /«(«rofii  Bitii»,  böhm.  Et.  Vol.  D,  S.  43,  t.  27,  f.  39-49. 
OHr.  laieralu  Qoior.  Petr.  Qerm.  II,  S.  34,  l  8-i,  f.  I. 

Die  gewölbte  Schale  ist  stark  aufgeblüht,  dönD,  langoval 
und  15 — 20  Mm.  lang.^  Der  Wirbel  ist  bei  manchen  Exen- 
pUreD  gerade,  bei  anderen  seitlich  eingerollt  und  dann  Exogjn 
ähnlich;  stets  mit  seitlich  gelegenem  Anwachsmal.  Unterhalb 
des  Wirbels  auf  dessen  linker  Seite  ist  die  Schale  mit  einer 
schmalen  flügetartigen  Ausbreitang  versehen.  Die  Deckelklapp«  _'_ 
ist  flach,  schmal,  langoval,  auf  der  Ansaeoseite  mit  6  bis  8 
hervorstehenden  conceniri sehen  Falten. 

Mit  Redbb  a.  A.  halte  ich  Gryphaea  txmer  Mobtos,  Synop».   , 
S.  54,  t.  9,  f,  5,  für  hierher  gehörig.    Tertiär,   woför  Gunn 
(Quud.   Deut.  S.   202)  diese   amerikanische  Species   Mobtob's 
anspricht,  ist  sie  jedenfalls  nicht. 

Im  höchsten  Niveau  der  Arcaceen  •  Zone  bei  Eatontown, 
sowie   in  den  Bryozoen  -  Schichten  am  Timber  Creek  i 
häufig. 

Exogyra  plicata  Goldf. 

QouoT.  Potr.  Qerm.  U,  S.  37,  t.  87,  f.  ä  a— t. 
Exaggra  caitnta  Str.  Mokton,  S71101M.  S.  55,  t.  6,  f.  1—4 
Ezogyra  coitala   BoiaER,  Kr.  v,  TexM  8.  72. 
Etogyra  eettata  Cook,  Qeol.  of  N.  J.  S.  374. 


225 

Mir  ist  keine  mit  Ter,  plicata  identische  oder  nahe  ver- 
vaodte  eoropäische  Species  bekannt,  vielmehr  ist  dieselbe  eine 
«1er  wenigen   specifisch    amerikanischen  Kreideverstein erdngen. 

Ter.  Vanuxemiana  Ltbll  and  Forbbs  (Qnart.  Joarn. 
Vol.  I,  S.  63)  ist  in  wenigen ,  sehr  seitonen  Exemplaren  mit 
TtT.  pUeata  znsammen  gefiinden  worden.  Herr  Smook  tbeilt 
mir  mit,  dass  er  während  seiner  mehijährigen  Untersuch ungen 
ier  Kreide  von  New  Jersey  nar  1  oder  2  Exemplare  dieser 
Species  zn  Gesicht  bekommen  habe.  Jedoch  scheint  sie  nur 
^ice  Modification  von  Ter,  plicata  zn  sein ,  an  welcher  zwei 
zeitliche  Radialrippen  besonders  deutlich  hervortreten. 

Ter,  plicata  ist  in  schon  erhaltenen  Exemplaren  haofig  in 

dfm  mittleren  Horizonte  der  Zone  der  Exogyra  plicata^  z.  B. 

ei  Marlboroagh  nnd  Not  Swamp.    In  den  etwas  hoher  liegen- 

^0  Schichten  von  eisenschnssigem  Mergelsande  ist  sie  seltener 

^nd  Dar  als  Steinkem  erhalten. 

FnO€}pod&« 

Ostrea  veticularii  Lax. 

^n^kea  eomexa  Sat.  Morton.  Synopt.  S.  S3,  t.  4,  f.  1  nnd  3. 
GriphäM  mutabiH»  Moiroii,  Synops.  8.  53,  t  4».  f.  3. 
f>aMMfMla  teticularii  Codi,  Qeol.  of  K  J.,  8.  375. 

Die  Kreide  von  New  Jersey  besitzt  drei  ansgeprägte 
"Spielarten  der  Ostr,  vesictdaria. 

Die  erste  Varietät  mit  stark  banchiger,  schief  eifor- 
iniger  Unterschale.  An  dieser  wird  durch  eine  meist  scharf 
ausgeprägte  Parche  ein  vorderer,  kräftig  entwickelter  Fliigel  ab- 
geschnitten. Auf  ihrer  Oberfläche  haben  sich  an  manchen 
Exemplaren  dnnkelbraon  gefärbte,  radialstrahlige  Bänder  er- 
^^lieo,  ron  denen  sich  ein  breiteres  genau  in  der  erwähnten 
iorcbe  hinzieht,  während  drei  schmälere  anf  der  kielartigen 
^  ölbuog  nnd  zwei  noch  feinere  ganz  in  der  Nähe  des  seitlichen 
H&ndes  der  Schale  hinlanfen. 

Aof  der  oberen,  flachen  Schale  tritt  die  radialstrahlige 
i'arcbaog  sehr  deutlich  hervor.  Die  Individuen  erreichen  mehr 
^^^  150  Mm.  Länge  und  besitzen  bis  25  Mm.  dicke  Schalen. 
Diese  scharf  fixirto  Varietät  ist  in  New  Jersej  auf  die  Zone 
^er  Exogyra  pHcata  beschränkt,  kommt  aber  in  dieser  in 
^OHer  Häufigkeit  vor.     Sat  und  MoBTOR  beschrieben  sie  als 


230 

ist  diese  bei  allen  Dreien  genau  dieselbe.  Die  grössere  Klappe 
ist  liocligewillbt,  nufgoblälit,  mit  einem  stumpfttn ,  gerundeten 
Kiel  rei'selien,  der  Wirbel  ist  seltliuh  spiritl  eingerollt.  Die 
kleinere  Klappe  ist  ovhI  dickschalig,  flach  inil  hiirizontal  ein« 
gerolltem  Wirbel,  unter  diesem  auf  der  Innenseite  mit  einer 
länglichen,  xahnübniichen  Schwiele. 

AhiT  aucli  in  ihrer  Oberflachenbeschalfenheit  gleichen  sich 
die  Ilachen  Klappen  der  drei  genannten  Formen  vollkommea, 
indem  sie  mit  concentriscben ,  blätterig  abstehenden  Anwaehs- 
lamcllen  verselien  sind.  Das  der  Sculpiur  der  grösseren  aaf- 
goblähien  Schale  za  (iruude  liegende  Dessin  ist  ebenfalls  bei 
alten  dasselbe  und  besteht  aus  hohen,  abgerundeten,  ausstrah- 
lenden Rippen,  welche  geki-euxt  werden  von  schuppigen  ,  ab- 
stehenden Anwachsstreifen  and  concenlrischen  Lamellen.  Die 
drei  Arten  unterscheiden  sich  nur  durch  das  Ueberwiegen  einer 
der  beiden  Slructurverbältnisse.  Bei ^/leafa  überwiegt  die  enge, 
radiale  Berippung,  —  bei  potideroaa  die  coiicentriacbe  Strei- 
fung, zeigt  aber  doch  deutlicbel  eine  untcrbnjchene  Radiatfal- 
lung;  —  Exog.  ladniala  hingegen  repräsenlirt  diis  der  plicata 
gegenüber  stehende  Estrem,  ist  also  mit  concentrischen,  schup- 
pigen Lamellen  bedeckt,  während  nur  noch  die  schwache 
Andeutung  einer  weillauftigen ,  unterbrochenen  Langsfaltung 
auftritt. 

Es  liegt  mir  jedoch  fern,  die  Zulässigkeit  dieser  Trennung 
und  der   dadui-cb    bedingten  Namen  anzufechten ,  besonders  da 


lA 


227 

Ifl  ihrer  Jugend  ist  diese  Ostrea  nar  schwach  sichelförmig 
rümmt  und  besitzt  wenigere  und  flachere  Falten. 
Aoeb  an  manchen  ausgewachsenen  Exemplaren  sind  die 
ttn  weniger  scharf  zickzackformig,  sondern  flacher  gerundet, 
-  An  noch  anderen  sind  sie  mehr  randlich,  laufen  nicht  bis 
'^jf  den  Rücken  der  Schale,  sind  daher  kurzer  als  bei  den 
:'^>^öhDlichsten  Formen,  während  der  Kucken  breiter  und  ebe- 
i^r  wird.  Diese  beiden  Spielarten  nennt  Morton  0.  naauta 
i  0.  mesenterica. 

Vorkommen:    Selten    in   dem  Horizonte  der  Triyonia   Um- 

•  '(2  Id  der  unteren  Kreideetage  z.  B.  bei  Woodbnry.    Die  hier 

'.'•rkommenden  Exemplare   sind   alle   klein  ,    zart   und  zierlich 

jü  erreichen    kaum    ein   Drittel    der  Dnrchschnittsgrosse   der 

!}[iscbea  Formen.     Letztere  sind  sehr  häufig  in  der  Zone  der 

'-'.i^^iira  plicata  z,  B.  bei  Nut  Swamp,  Marlboroogh  u.  a.  Lo- 

Ostrea  lunata  Nils, 

G  LiFLs«.  Petr.  Germ.  11,  S.  11,  t.  75,  f.  2. 

Flach,  sichelfBrmig;  der  äussere  Rand  mit  2  bis  3  abge- 
u'ideteD,  bogigen  Falten,  der  innere  Rand  glatt.  Zwar  0.  larva 
i'i  ihrer  allgemeinen  Gestalt  ähnlich,  aber  durch  Zahl,  Grosse 
.r.d  Rundung  der  bogigen  Falten  von  0.  larva  mit  ihren  scharf- 
^^'Aigen,  zahlreicheren,  kürzeren  Fallen  unterschieden. 

Häufig  im  Grünsande  der  Arcaceen-Zone  bei  Eatontown. 

ÖBtrea  acuiirostris  Nils. 
*j  'Luress,  Petr.  Germ.  II,  8.  35,  t.  8'2,  f.  3. 

Der  Wirbel    der  unteren  Schale  ist  lang  und  gerade  aus- 

^'^)gen,  wodurch  diese  eine  schräg  trichterförmige  Gestalt  er- 

'^It.    Die   untere  Fläche   des   Wirbels    wird    von   einer  hohen 

'^riieckigen  Ligamentgrube  gebildet,  welche  auf  jeder  Seite  von 

•-im  schmalen,  scharfen  Wulste  eingefasst  ist. 

Die  Oberfläche  der  Schale  mit  vom  Wirbel  ausstrahlenden, 
r-^izeligen  Falten  und  starken  Auwachsstreifen. 

Vorkommen:  selten  in  der  Zone  der  Trigonia  limbata  bei 
\\iMKJbury.    • 


232 

rundet  vierseitig,  ist  dünn,  durch  icheinend,  mit  feiaen,  cooeeii- 
trischei],  blätterigen  Anwachsstreifen  bedeckt  und  in  der  Nähe 
des  SchtoBsrandes  unterhalb  eines  flachen,  etwa«  larückliegen- 
den,  dem  der  Lingula  ähnlichen  Wirbels  durchbohrt.  In  Folge 
der  Zerbrechlichkeit  der  Schale  erweitert  sich  die  kleine  Durch- 
bohrung zu  einer  Oeffnung  von  schwankender  Grösse. 

Die  obere  Schale  ist  stark  gewölbt,  am  Wirbel  aufgebläht, 
dünn,  fein  conccntrisch  gestreift  und  noch  feiner  radial  gerippL 
Unter  scharfer  Lupe  xeigt  auch  die  flache  Schale  auf  ihrer 
Oberfläche  eine  zarte  Rad ial streif ung.  Diese  iatjedoch  an  bei- 
den Schalen  nur  bei  aas  serordentlich  gut  erhaltenen  Exem- 
plaren wahrnehmbar,  welche  dann  wohl  als  A.  radiata  Sow. 
angefahrt  worden  sein  mögen.  Die  Innenseite  der  vorliegenden 
Anomia  ist  stark  perlmutterglSnzend. 

Morton  hat  dieser  Form  die  Namen  Anomia  argmtariB 
und  itUinoida  (Synops.  S,  61,  t.  5,  f.  10  und  11)  gegeben. 

Vorkommen:  Ziemlich  häufig  in  der  Gruppe  der  7Vi^. 
limbata  bei  Woodburjr  and  Haddonfield. 

Anomia  truncata  OsiK. 
Biuia,  bäbm.  Ei.  II,  B.  45,  t.  31,  f.  1'2— 14. 

Mit  A.  lemiglobota  kommen  flache  Anomiensobalen  vor, 
welche  einen  geraden,  nicht  wie  die  vorige  Art  einen  abgeron- 
deten  Schlossrand  besition.    Sie  stimmen  mit  den  Abbildungen, 


233 

glaaieiideQ,  dieken,  bis  so  50  Mm.  langea  SchalenbraehstSckeD, 
welche  höchst  wahrscheiolich'  voo  Oerv.  »olenoideB  absUmmea. 
Sie  siod  aaf  der  Oberfläche  glatt,  flach  concentrisch  gestreift 
ind  Terrathen  durch  diese  Streifang  die  Umrisse  der  einstigen 
rollsiäodigen  Schale»  Bruchstacke  mit  einem  Theile  der  Sand- 
wehe leigen  drei  tiefe,  quere  Bandgraben  und  zwischen  und 
anter  diesen  schmale,  schräge  Zahnleisten. 

Aaf  der  Oberflache  dieser  Ger?illia  ist  sehr  gewohnlich 
ParasmiHa  balanophyUaides  aufgewachsen. 

Lithodomus  spec. 

Doreh  die  dickeren  Schalenpartien  der  ebenerwähnten  Gerv, 
ideiundei  sieben  sich  in  grosser  Anzahl  von  Schwefelkies  aus- 
gefällte, ziemlich  lange,  gewundene  Bohrgänge  von  Lithodomus. 
Diese  Gänge  enden  zuweilen  in  den  ebenfalls  verkiesten  Stein- 
kernen der  Bobrmuschei  selbst,  welche  jedoch  eben  nur  deut- 
lich genug  sind,  um  ihre  Zugehörigkeit  zu  Lithodomus  nach- 
raweisen. 

Area  exaltata  Nils. 

5iLiH»s,  Petr.  Snec^  t.  V.,  f.  1. 

GoLDFvss,  Fetr.  Gern.  IL,  S.  143,  t.  122,  f.  1. 

Dieser  aber  80  Mm.  lange  und  hohe,  sowie  mehr  als  50 
Mm.  dicke,  mit  der  schwedischen  und  norddeutschen  Art  über- 
eioitimmende  Steinkem  kommt  zusammen  mit  Area  glahra  und 
%meRm  im  nordöstlichen  New  Jersej  vor. 

Area  glahra  Sow. 
GtHRTz,  Qaadersandst  Dentsch.  8.  163. 

Als  Steinkern  nicht  selten  im  Olauconitmergel  bei  Tinton 
Fall  and  Blockwoodtown. 

Arcaligeriensis  d'Orb. 

a'Oii.,  PaL  fr.  ter.  cret.  III.  t.  317. 

C*cuUmem  amiroga  Mobtor,  Sjnops.  S.  65,  t.  13,  f.  6. 

Den  unter  diesem  Nsmen  beschriebenen  Formen  stehen 
Steinkeme  aus  dem  Olauconitmergel  von  Tinton  Falls,  Eaton- 
toWD,  Blackwoodtown  nahe,  welche  gewölbtere  und  spitzer 
eodende  Winkel  besitzen  als  die  vorige  Art.    Auch  stehen  die 


pitien  weiter  ans  aiiiMider,  ferner  tritt  die  hintere  ut 
:ke,  sowie  die  vordere  Kante  der  AbstumpfuDgofiäcl 
;    radiale  Slreifung  oberhalb  des  Manteleiodrockes  stä 

Area  irapelzoid ea  Gein. 
dulaia  Biui«,  aobm.  Kr.  II ,  8.  19.  t.  34,  f.  3». 
T  gewölbte,  nach  vorn  sieil  abfallende  Röcken  der  v<> 
eil    Sleiukerne    geht    nach    hinten   über    eine    gvmndei 
in   eine  dachförmige,    hinlcre  Fläche  ober    niid    ist  m 
sehr  flachen,  abgerundeten  Radialrippen  bedeckt, 
lufig  in  der  Bryozoen-Zone  bei  Brownville. 

Trigonia  limhata  d'Orb. 
I,  Pal.  fr.  III.  S.  156,  t.  398. 
lifarmit  vieler  Antoren.) 

m   grösaten  Theüe,  nämlich  bis  auf  die  unteren  Rand 

,    in    ausgezeichneter  Schönheit,  auch  mit  dem  Scbloss 

erhaltene,    rechte    und    linke    Klappen     liegeu    gege 

-e  hoben  Seilenrippen  sind  stark  vorwärts  gebogen 
id  durch  weite  Zwischenräume  getrennt,  welche  fdi 
■llelt  sind.  Die  ersten  laufen  vorn  unter  einem  «luoipri^' 
susammen.  Eine  oben  abgeplattete,  fein  quergeetreiA' 
welche  sich  nach  hinten  verflacht  und  der  Länge  nacl 
ine  Furche  getheilt  ist,  trennt  das  quergerippte  Afier 
n  den  Seiten.  Jener  Furche  entspricht  auf  der  Innen 
T  Schale  ein  Kiel,  welcher  anf  europäischen  Steinkcr 
rch  eine  Rinne  angedeutet  ist. 

B  Möglichkeit  der  Identificirung  der  beschriebenen  ame 
hen  Trigonia  mit  solchen  aus  der  norddeutschen  Kreiil< 
irch  unsere  geringe  KenntnisB  der  letzteren  erscbwerl 
räsentirt  namentlich  die  Trigonia,  welche  gewöhnlici 
j.  aJi/orthit  aufgeführt  wird,  cweifelsobne  verschiedeui 
,  welche  sich  ihres  schlechten  Erbaltungsznstandes  rre 
man  kennt  sie  von  den  meisten  FundplatMu  nur  »1: 
me  —  nur  schwer  trennen  nnd  sicher  speoiflcireo  [uaei 

n  den  versohiedeneH  als  al^ormä  beaeicbneten  Tri^ 
mnten  mit  Schale  erhaltene  Exemplare  ans  demScnof 


235 

des  Salzberges  bei  Quedlinborg  aaPs  Vollstaudigste  mit  der 
\or!iegenden  amerikanischen  Trigonta  aberein.  Man  hat  die- 
selbe ausser  far  idi/ormis,  fär  limbata^  für  Fittoni  oder  auch 
»ohl  für  eine  neue  Species  angesprochen.  Spätere  Bearbei- 
tungen mögen  Aufklärung  aber  die  specifische  Stellung  der- 
«elheo  bringen  ,  bis  dahin  genügt  es  für  unseren  Zweck,  her- 
riuheben,  dass  die  in  der  unteren  Kreideetage  von  New  Jer- 
\  so  häufige  Trigonia  mit  einer  Form  des  norddeutschen  Senon 
'i>ereiD8timmt,  welche,  wohl  mit  Recht,  für  Triy.  limbata  gilt. 
E:i  scheint,  nach  den  nicht  sehr  deutlichen  Abbildungen 
und  Beschreibungen  Moaton^s  zu  schliessen ,  dass  die  vorlie- 
^«jüden  amerikanischen  Exemplare  zu  Morton^s  Trig,  thoracica 
SjDops.  S.  65,  t.  15,  f.  15}  geboren,  deren  Identität  mit  ali- 
hrmU  von  BaoRN,  Geinitz  und  Rsüss  angenommen,  von  Fbrd. 
HoEXKR  hingegen  nach  texanischen  Arten  bestritten  wird,  wäh- 
rend Lybll  und  PoRBRS  (Quart.  Journ.  I.,  S.  61)  in  Trig, 
horadea  von  New  Jersey  einen  geographischen  Vertreter  und 
isben  Verwandten  von  aliformis  erkennen.  Texnnische  For- 
men liegen  mir  nicht  vor  und  mögen  überhaupt  mit  solchen 
^•>ii  New  Jersey  gar  nicht  identisch  sein.  Letztere  aber  lassen 
Mi'h  keineswegs  von  der  früher  als  aliformis ,  jetzt  als  limbata 
ezficbneten  Trigonia  aus  dem  norddeutschen  Senon  trennen. 
Vorkommen:  sehr  häufig  in  der  nach  ihr  benannten  Zone 
in  der  untersten  Kreide  bei  Woodbury. 

Venus  ovalis  Sow. 

G  LDP.,  Petr.  Germ.  II.,  8.  247,  t.  151,  f.  5. 
>it  ugi,  Aach.  Kr.  I.,  p.  24. 

Besonders  iu  der  Schlossgegend  erhaltene  Schalen  mit 
lief  eingeschnittener  Bandgrube  und  drei  divergirenden  Zähnen. 
Auf  der  Oberfläche  dicht,  zart  und  äusserst  regelmässig  con- 
«'•'utriscb  gerippt  oder  gefurcht. 

Ziemlich  häufig  in  der  unteren  Kreide  bei   Haddonfield. 

Lueina  lenticularis  Ooldf. 
GemiTz,  Qnadersandst.  Deotsch.  S.  1^. 

Als  kreisrunder  Steinkeru  mit  kleinen  mittelständigen 
Buckeln  in  der  Zone  der  Exog,  plicata  von  Middletown. 


Corbula  striatuta  Sot. 
HäLLii,  ÄAch.  Er.  I.,  S.  35,  t.  3,  f.  8. 

Diege  etwa  6  Mm.  grosee,  tierlicbe  Corbala  Btimmt  bA 
Mollbr'b  Abbildung  und  Beschreibung  soweit  überein,  daw 
über  ibre  Identität  kein  Zweifel  obwalten  kftun.  Jedoch  ist 
die  bintere  Schnabel  form  ige  Verlängerung  der  grösseren  linken  . 
Schale  nicht  erhalten,  sondern  augenscheinlich  abgebrocheii. 
Dahingegen  ist  der  lange  aufwärts  gebogene  Zahn  und  die  liefe 
Zahngrabe  trefflich  conservirt. 

Selten  in  den  Thonen  mit  Trig.  limbata  bei  Woodbury, 

Altarte  caelata  Mollbr. 
HUllii,  A«cb.  Kr.  B.  ü,  t.  2,  f.  3. 

Sehr  Aach  gewölbt,  der  Buckel  mittelständig,  die  beideo 
fast  geraden  Schlossränder  bilden  ungefähr  einen  rechten  Win- 
kel,  während  der  untere  Rand  stark  bogenförmig  ist  Die 
Lunula  ist  tief  lancettfÖrmig  und  hat  scharfe  Ränder.  Die  Ober- 
fläche mit  6  hoben,  rundlichen,  concentHschen  Falten.  Orösae 
3  bis  4  Mm. 

Stimmt  genau  mit  der  von  Vaels  and  Mastriebt  be- 
schriebenen Art,  im  Allgemeinen  auch  mit  A.  acuta  Redss 
(Böhm.  Er.  IL,  S.  3,  t.  30,  f.  17  und  t.  37,  f.  14),  deren 
unterer  Rand  jedoch  fein  gekerbt  ist. 


237 

Mnieod,  dadarch  schwach  keoleDfonnig.  Sie  sind  meist  ge- 
nje,  maochmal  scblangeDfonnig  gewunden,  oft  knieformig  um- 
;rhoveo.  Ihr  oberes  Ende  ist  abgerandet  und  endet  halbkoge- 
ij!;  ihre  Ober6ache  ist  in  regelmässigen  Abstanden  gering  ein- 
v<?choärt. 

Diese  Röhren  bestehen  ursprünglich  aus  einer  sehr  dun- 
.->)  kalkigen  Schale,  welche  9päter  durch  faserigen  Kalksinter 
•isgekleidet  wurde«  Dieser  mag  zwar  manchmal  die  Robren 
unz  aosfuUen,  meist  aber  lässt  er  die  centrale  Axe  ofTen  und 
•*v  [lach  diesem  Hohlräume  zu  als  Kalkspath  in  kleinen  Rhom- 
!  '^(it-ni  aaskrystallisirt.  Die  unteren  dünneren  Theile  vieler 
'.t-r  Rübren  sind  zuweilen ,  aber  nicht  immer ,  durch  in  der 
MiUe  durchbohrte  Querscheidewände  in  uhrglasähnliche  Kam- 
nero  getheilt,  eine  bei  manchen  Teredo  häufigere  Erscheinung, 
^^Icbe  veranlassen  konnte,  diesen  Geschlechtsnamen  dem  an- 
^"^waodten  vorzuziehen,  wenn  diese  Rohren  nicht  augenschein- 
.  \i  zu  Tausenden  im  Schlamme  zusammen  lebenden  Mollusken 
-gebort  h&tten,  während  Teredo  in  Holz  bohrt. 

MoRTOR  will  auch  Steinkerne  des  Thieres  in  jenen  Rohren 
i^rfundeo  haben,  giebt  aber  weder  Abbildung,  noch*  Beschrei- 
I  jfig  derselben. 

G(utero€h,  Hbialis  MoRT.  ist  mit  Ga$teroch,  ampkisbaena 
'"»LOP.  sehr  nahe  verwandt,  so  dass  ich  in  Zweifel  war,  ob 
x^rbaopt  eine  specifische  Trennung  vorzunehmen  sei.  Zu 
f-tzierer  veranlasste  mich  die  Verschiedenheit  in  der  Grosse 
ctff  amerikanischen  und  europäischen  Form  und  die  bei  O.  ti- 
'"ilii  luweilen  auftretenden  Querscheidewände,  wie  sie  bei 
^  awpkübaena  noch  nicht  beobachtet  wurden. 

Die  beschriebenen  Rohren  der  G.  tilnaiis  stehen  in  der 
Mergelkalkbank  der  ßryozoenschicht  senkrecht  oder  fast  senk- 
^'-bt  so  dicht  neben  einander,  dass  sich  zwischen  ihnen  fast 
K^-ine  Gesteinsmasse  befindet 

Oastropoda. 

Volnta,  Rostellaria,  Fusus,  Turritella,  Cerithium. 

Zorn  Theil  sehr  scharf  ausgeprägte  Steinkerne  dieser  Ge- 
•>^ra,  wie  sie  von  Ltxll  und  MoBTOiv  abgebildet  worden  sind, 
Kummen  in  allen  HorizoBlen  der  oberen  Kreideetage  von  New 
Z«its.4.D.(««I.GM.  XXII,  >  26 


Jersey  vor.    Bioe  apecifische  Vergleichung  derselben  mit  enro- 
päiBcbes  Kreide- GHstropoden  würde  zu  gewagt  sein. 

Vom  Telegraph  Hill  stammende,  bis  80  Mm.  hohe  Stein- 
kerne  von  Cerilhiam,  nus  6  bocbgewÖlbten  Windungen  bestehen^ 
waren  zum  Theil  noch  von  Schale  urohülll ,  welche  jedoch  !■ 
erdigeu  Viviauit  von  ultramarinblAuer  Farbe  umgewandelt  war. 

Dentatium  polygonum  Rbdss. 
Rii]«8,  BÜhm.  Kr.   I,  S.  41,  t.  II,  t.  5. 

Schinnk,  drehrund,  schwauhgebogen ,  mit  12—  16  hohen, 
schmalen  Lüngsrippen  und  feinen  concen Irischen ,  also  rin^ 
förmig  Terlaufenden  Linien.     Hat   bis  35  Mm.  Länge  erreicht 

Vorkommen:  Ziemlich  häufig  in  den  Thonen  mit  Vemt 
ovaiü  bei  Haddonfield. 

Caphilopoda. 
Belemnitef  mucronatut  Blaint. 
Btl.  amtrieamu  UoiT.  8;iiop*.  S.  34,  t.  1,  f.  1,  3  n.  3,  und  t.  17,  t  S. 
Da  das  Vorkommen  dieses  in  der  norddeutschen  Kreid« 
einen  so'  beslimmten  Horiiont,  nämlich  das  obere  Senan,  b«- 
zeichnenden  Belemnlten  in  New  Jersey  einen  wichtigen  An- 
haltspunkt für  eine  Parallelisirung  der  belreffcnden  amerika- 
nischen   aud   europäischen  Kreidebtlduiig  abgiebt,    masste  uf 


239 

ueh  der  Rinne  läuft;  ein  Durchschnitt  an  der  Alveolen- 
ipitte  ist  abgerundet  dreieckig,  ein  solcher  unterhalb  der  Mitte 
breiter  als  hoch,  also  quer  oval. 

Die  flachen  Dorsolateralfnrchen  und  Rinnen  auf  der  Ober- 
Cche  der  vorliegenden  amerikanischen  Belemniten  lassen  sich 
bis  in  die  Nähe  der  Scheidenspitze  deutlich  verfolgen. 

Die  Alveolar-Hohle  hat  eine  bedeutende  Tiefe,  nämlich 
über  ein  Drittel  der  Scheidenlänge.  Ihr  Durchschnitt  ist  be- 
sonders am  oberen  Ende  schwach  herzförmig. 

Die  tief  hinabreichende  Alveolar-Spalte  endet  nach  unten 
schräg.  Die  ihr  gegenüber  liegende  Rinne  ist  bei  den  ameri- 
kanischen Exemplaren  aussergewohnlich  scharf  ausgeprägt  und 
tritt  bei  den  Steinkernen  der  Alveolenhohlungen  als  rundliche 
Leiste  hervor. 

Bei  manchen  sehr  wohlerhaltenen  und  aus  honiggelbem, 
radial  faserigen  Kalkspatb  bestehenden  Exemplaren  ist  die  Al- 
veolarhohlung  ausgekleidet  durch  eine  Lage  von  weisser,  wei- 
cher, schuppiger,concentrisch-b]ätteriger  Kalksubstanz  (Pro-ostra- 
cam),  welche  in  ihrer  Structur,  Farbe  und  Weichheit  an  dieSchulpe 
der  lebenden  Sepien  erinnert,  den  Phragmoconus  umhüllt  hat 
und  oberhalb  dieses  die  Eingeweidekammer  gebildet  zu  haben 
scheint. 

Die  charakteristischen  Eigenthümlichkeilen  des  europäischen 
B^l.  mucronatuSy   also    die   fast    bis  zur  Scheidenspitze  verlau- 
fenden   Dorsolateralfnrchen,   die  mit   diesen  zusammenhängen- 
den,   sich    verzweigenden    feinen  Rinnen,    die    schräg  endende 
Alreolarspalte,    die    ihr  gegenüberliegende  Alvcolarrinne   sind, 
wie   aus  Obigem    hervorgeht,    auch    für  den   new -jerseyer  Be- 
lemniten  bezeichnend.     Nur  in  ihrer  äusseren  Gestalt  weichen 
beide    etwas    von    einander  ab ,    indem  der  amerikanische  Be- 
lemnit  mehr    spitz,    der  deutsche  mehr  keulenförmig  gestaltet 
ist.     Neben    den    typischen,    keulenförmigen  Exemplaren  kom- 
men jedoch  z.  B.    in   der  Umgegend  von  Hannover   auch   den 
amerikanischen   ähnliche  spitze  Formen  vor.     Kennt  man  aber 
neben    der   spitzen    amerikanischen  Gestalt  auch    eine  keulen- 
förmige Varietät  und  neben  dem  keulenförmigen  hannoverschen 
Typus  auch  eine  spitze  Varietät,  so  verliert  bei  sonstiger  Ueber- 
einstimmung  der  wichtigeren,  weil  von  der  inneren  Organisation 
des    einstigen    Thieres   abhängigen   Merkmale  eine   so   gering- 
fogige  Abweichung  in    der  äusseren  Gestalt  jeden  Einfluss  bei 

16* 


Botscheidung  der  Frage,  ob  Bei.  mucronafuf  and  d«r  betreffenda 
amerikaiiisi'he  Belemnit  specifiBch  eins  aind  oder  nicht.  Ueber 
die  Identität  beider  kann  deshalb  kein  Zwfifcl  obwalten. 

Vorkommen:  Häufig  in  den  Grünsand  mergeln  zwiactien 
den  plastischen  Thonen  mit  Trig.  litiütata  und  den  Kalkmergeln 
mit  Ter.  Harlam.  In  manohen  Schichten,  so  in  der  Zone  der 
Squaliden,  ferner  im  oberen  Niveau  der  Exog.  plicata -7.au9 
ist  die  Kalksubsianz,  also  die  Scheide  des  Bei.  mucronaha, 
vnllslitidig  verschwunden,  so  dasa  nur  nncli  die  Sieinkerne  der 
Alveolenböhlen  iils  einiigr  Uoberbleibsel  dieses  Cephiilopiiden 
dessen  einstige  Häufigkeit  andeuten.  An  ihnen  tritt,  wie  er- 
wähnt, die  Alveolar-Riniie  in  Form  einer  liia  zur  Spitze  reichen- 
den, rundlichen,  die  Spalte  aber  als  eine  etwas  käraere, 
schärfere,  höhere  und  der  Alveolar-Rinne  diaroetta]  gegenüber- 
liegende Leiste  auf. 

Bei  Mullicii-Hill  im  südwestlichen  Tlieile  von  New  Jeraej 
kommt  Bei.  muttronalut  in  radial -strahligen  Vivinnit  verwan- 
delt vor. 

Baculite»  Faujasi  Lah. 
See.  »Mlui  8iY,  Am.  Jonrn.  Vol.  18,   183Ü,  t.  1,  f.  6,  7,  R. 
ModTiiN,  fijnopiii,  S.  -13,  t.  1,  f.  6,  7,  6. 

Der  von  Sat  und  Mortoh  ala  B.  ocatun  beschriebene,  voll- 
kommen ghittc  Kaculit  gleicht  sowohl  in  seiner  «llgenieinen 
Gestalt  und  seinem  elliptischen  Querschnitte,    wie  im  Verlauf« 


241 


Serpula  rotula  Mobt.  sp.,  non  Ooldf. 
yermettu  roiula  MoBT.,  Synops.  S.  81,  t.  1,  f.  14. 

Robre  Ticrseitig,  jedoch  mit  rändern  Canale.  An  den 
Kanteo  8cbarf  and  hocbgekielt;  fast  genau  in  einer  Ebene  anf- 
gevickelt,  mit  der  innersten  Windung  aufgewachsen  und  da- 
durch gebr  flach  genabelt. 

Sehr  ähnlich  S.  quadricarinata  MüRST. ;  nach  Goldfuss^ 
Albilduog  (GoLDP.  S.  237,  t.  70,  f.  8)  von  ihr  nur  durch 
«cbtffere  Kiele  unterschieden,  vielleicht  stellt  sich  jedoch  bei 
Vergleicbnng  mit  Goldfuss*  und  Mürstbr^s  Originalexemplaren 
.bre  Zusammengehörigkeit  heraus.  Ich  habe  diese  Serpula, 
<ia  ihre  Vereinigung  mit  quadricarinata  nicht  unmöglich ,  aber 
'i'jcb  noch  nicht  sicher  ist,  provisorisch  unter  dem  ihr  von 
MoRTOü  verliehenen  Speciesnamen  angeführt,  trotzdem  dieser 
•eitdem  bereits  anderweitig  vergeben  ist. 

Sehr  hanfig  in  besonders  den  obersten  Bryozoenschichten 
aa  Timber  Creek. 

Crutiset. 

Pollicipes  maximus  Sow. 

Roeiei,  Kr.  8.  104,  t.  16,  f.  9. 

Nur  die  lancetformigen ,  gewölbten ,  vorwärts  gebogenen 
Rückenschalen  liegen  vor.  Sie  stammen  aus  den  Kreidemer- 
cela  mit  Bryozoen  und  Ter,  Harlani  von  Turtle  Mill. 

Caliianassa  antiqua  Otto. 

Oei^itz,  Qoad.  Deotschl.  t.  %  f.  2,  4,  5. 
^^EMsi,  Kr.  106,  t.  16,  f.  35. 

Die  in  grosser  Anzahl  vorliegenden  Scheeren  und  Fuss- 
^iieder  stimmen  mit  den  1.  c.  beschriebenen  Formen  aus  den 
'beren  Kreidemergeln  von  Kieslingswalde  nberein  und  unter- 
icbeiden  sich  von  C  Faujasi  Desm.  ,  welche  so  häufig  z.  B. 
im  hannoverschen  Senon  ist,  dadurch,  dass  die  Scheeren  letz- 
terer Species  flacher  gebaut  sind,  stärker  gezähnelte  Ränder 
Wsitzea  und  auf  der  convejten  Seite  grober  gekomelt  sind. 
Mit  GBI51TZ  bezweifle  ich  jedoch,  dass  diese  geringfügigen 
Unterschiede  genügen,  um  beide  Formen  specifisch  zu  trennen. 


Vorkommen:  Hanfig  in  den  anteren  Niveaas  der  BeltmmtM 
mueronatu» -  führenden  Schichten,  i,  B.  bei  Middletown. 

Plscas. 
Otodu»  appendicuiatut  Ag. 
RoHii,  Et.  t.  T«zm,  B.  30,  t.  1,  f.  9. 

Corax  heterodon  Reubs. 
KoiHin,  Rr.  t.  Tomi,  8.  30.  t.  1,  f.  6. 
Bio»,  Böbin.  Kr.  I.,  S.  3,  (.  3,  f.  55,  56,  63. 

OxyrMna  Mantelli  Ao. 

Bioas,  Böhm,  Kr.  L,  8.  5,  t.  3,  f.  t  —  6. 
BoMiR,  Kr.  V.  Tum,  S.  29,  t.  1,  f.  6  ft.  nnd  b. 

Lamna  texana  Boem. 
BuEHE»,  Er.  T.  TexM,  S.  29,  t.  I,  f,  7  k.  and  b. 

Die  scharfen  ReifeH  auf  der  gewölbten  AusaenAäcbe,  ge- 
gen 34  an  der  Zahl,  treten  deutlichst  hervor,  enden  wie  bei 
Robker's  Exemplareii  in  der  Nähe  der  Krone  und  lassen 
ebenso  jederseils  nach  den  scbarfschneidigen  Kanten  £0  einen 
schmalen  Raum  frei. 

Die  vier  genannten  Fischsähne  stammen  sämmtlich  ana 
der  Zone    der  Squaliden,  wo  eis    zum  Theil  sehr  häufig  sind. 


243 

Hyposaurua  Rogeraii  Owen. 

Ofis,  Qntrt«  Joirn.  V.»  1849,  8.  380,  t.  11,  f.  7—10. 
LeiDT,  Extinet  reptiles  of  tbe  cret.  form.  (Smiths.  Contrib.  1864)  S.  21, 
t  4,  f.  4  n.  5. 

Von  diesem  Saurier,  dem  letzten  mit  biconcaven  Wirbeln, 
liegt  eine  Anxahl  solcher  in  grosser  Schönheit  erhaltener 
Röckenwirbel,  sowie  von  Metatarsal-Knochen  vor. 

In  der  Zone  der  Arcaceen,  z.  B.  bei  Tinton  Falls. 

Hadrosaurui  Foulkii  Lbidt. 
LfiDT,  Exkinct  reptües,  S.  76  —  97,  t.  12  n.  13.. 

Dieser  pflanzenfressende  Saarier  war  nach  Lbidy  Iguano- 
coD  am  nächsten  verwandt,  erreichte  28  Fnss  Lange,  hatte 
anverbiltoissmassig  lange  Hinterbeine,  sehr  kurze  Vorderbeine 
^^^  einen  langen  Schwanz  mit  etwa  40  Wirbeln.  Seine  Fnsse 
vir«D  nicht  zum  Schwimmen  eingerichtet,  Hadrosaurns  war 
^haib  ein  Bewohner  des  trockenen  Landes  oder  der  Marschen. 
Leidt  nnd  Cofb  glauben  annehmen  zu  dürfen,  dass  dies  Reptil 
'•n  aofrecbter  Stellung,  auf  seinen  Hinterbeinen  sitzend  und 
&cf  seinen  Schwanz  gestutzt,  die  Banmzweige  abgeweidet  habe, 
i^e  es  mit  seinen  schwächeren  Yorderfnssqn  an  sich  gezogen. 

Vorkommen :  In  den  Thonen  mit  Ventis  ovalis ,  Exogyra 
^^ncMlaris^  Astraea  creiacea  bei  Haddonfield. 

Moaaaaurus  Mitchelli  Dbkat  sp. 

I^'M,  Extinct  reptiles,  S.  30. 
S'  M I  Letbaea  geog.  II.  8.  406. 

Zihne,  einzeln  und  Jose,  oder  zu  mehreren  in  Kinnladen- 
Tjchfitncken  innesitzend,  Wirbel,  Bein-  und  Fussknochenbruch- 
HQcke  sind  in  den  Glauconitmergeln  mit  Bd,  mucronatuB  zicm- 
•^ch  bäofig.  Die  meisten  der  zur  Kenntniss  gekommenen,  von 
i'UOT  I.  c.  ansfiihrlich  beschriebenen  Reste  stammen  aus  den 
^ftgelgrnben  von  Holmdale,  Monnt  Holly,  Freehold,  Mullica 
Hill,  Tinton  Falls. 

M,  Mitcheüi  unterscheidet  sich  von  dem  Mastrichter  M. 
^^Jmnni  Mast,  nur  durch  seine  geringere  Grosse. 


244 


IV.  Terticale  Terbre itiBg  der  •rguischen  Reste  b  der  KreUefenuth 
TM  New  Jersey  and  danaf  basirte  OieilenBg  der  leteterei. 

Die  verticale  Verbreitung  der  ebea  beschriebenen  organ 
sehen  Reste  in  den  drei,  ursprünglich  allein  ihrer  petrograpt 
sehen  Verschiedenheit  wegen  getrennten  Etagen  der  Kreidefo 
ooation  von  New  Jersey  lässt  sich  tabellarisch  wie  folgt  aa 
drucken : 


Untere  Btnge 

Mittler» 
Etage 

Ober* 
Eugi 

Organiiche  Reste. 

der 

der 

der 

Sande  a 

.Thone. 

Grün- 
sande. 

R&!k 
merge 

Stamm-  und  Astfragmente  von  nicht 

näher  bestimmbaren  Coniferen 

4- 

— 

— 

— 

Sequoia-Zweige  und  Blätter 

•- 

— 

— 

Angiospermen-Blätter 

•• 

— 

— 

— 

Flabellina  cordata  Reuss 

— 

— i 

Nodosaria  sulcata  Nils. 

1 

TrochosmUia  inauris  Mort. 

— 

— 

Parasmüia  balanophylloidea  BöL. 

— 

4- 

— 

Astraea  creiacea  BOL. 

— 

•- 

— 

— 

f  Coelo9milia  atlantica  Mort. 

— 

. — 

— 

t 

Nucleolites  cruci/er  Mort. 

— 

— 

-• 

Holaster  cinctus  Mort. 

— 

J. 
1 

Cidaria  sceptrifera  Maut. 

— 

i 

Cidaris  claviyera  Kobn. 

— 

— 

-. 

E schar a  dichotoma  Goldf. 

— 

— 

— 

■• 

Cdlepora  pusilla  Hao. 

— 

^- 

— 

f 

Cellepora  granuiosa  Hao. 

— 

— 

t 

Ditaxia  compressa  Goldf. 

— 

— 

— 

t 

Aulopora  sp. 

— 

— 

— 

t 

Cavaria  pustulosa  Hao. 

— 

— 

t 

Ceriopora  sesiüis  Hao. 

— 

— 

— 

t 

Terebratula  Harlani  Mort. 

— 

t 

Terebratella  plicata  Sat. 

Ostrea  vesicularis  Lam. 

— 

— 

•■ 

i 

Ostrea  larva  Lam. 

— 

t 

•• 

_ 

Ostrea  lunata  Nils. 

— 

Ostrea  acutirostris  Nils. 

— 

t 

— 

Ostrea  lateralis  Nils. 

— 

f 

t 

Exogyra  plicata  Goldf. 

— 

— 

•■ 

246 


Organische  Reste. 


r 

Im 


logyra  kieiniata  GoLDF. 
Eiogyra  ponderosa  Roem. 
Ksogyra  auricularis  Sow. 
Eio^ra  planospirites  Goldp. 
Anmia  $emiglohosa  Geht. 
Andmia  truncata  Gbin. 
Pecten  quadricostatus  Sow. 
fjernüia  soienaides  Dbfb. 
Lithodomus  sp. 
ifcfl  exaitata  Nils, 
Area  trapezoidea  Gein. 
Area  glabra  Sow. 
Area  ligeriensü  d'Orb. 
Trigonia  Hmbata  d'Orb. 
Venui  ovaUs  Sow. 
iscwia  lenticularis  Goldf. 
Corbula  striatula  Sow. 
Astarte  eaelata  Müll. 
T'.redo  8p. 

^^a*trochaena  tibialii  MoRT. 

fu^M   sp. 

^oluta  sp. 
^'i^teUaria  »p. 
i^^rriteüa  ep. 
CentÄw«  sp. 

^(«taluffli  polygonum  Rbuss 
^^Imnitet  mucronatus  Blairv. 
ÄflcnZifet  Faujasi  Lam. 
.^'nyu/a  triatiffularis  MüNST. 
'"^^rpula  rotula  MoRT. 
PoHiäpes  majcimus  Sow. 
'^'flnoMa  anti^a  Otto. 
^^(oditf  appendiculatus  Ao. 
'brox  keterodon  RbüSS 
"-ryrÄina  Mantelli  Ao. 
/-«flwia  fexana  Robm. 
''prolithus  Mantelli  Ao. 
Hfipo$auru8  Bogersii  Ow. 
-i^oiaiaurt«  Miteheüi  Dbk. 
Äadroiaiifus  FauÄu  Lbidt. 


Untere  Etage 

der 

Sande  n.Thono, 


t 

t 
t 


t 
t 


Mittlere 

Etage 

der 

Grttn- 

sande. 


I 
f 


t 
+ 


Obere 

Etage 

der 

Kalk- 

mergel. 


l 


246 

Aas  dieier  tabellsriscben  ZoBammeDStellnng  ergiebt  licfa, 
dASB  den  drei  petrogrepbisch  geschiedenen  Etagen  der  Kreida 
von  New  Jersey  eine  pal&ontologische  Dreitheilung  genau  ent- 
spricht, und  daas  die  cretaceiacbe  Scbichteu  reihe  jenes  Staatn 
in  folgende  drei  Unternbtheilungen  zerfällt: 

a)  tuoberst  Kreidetuff  und  Kalkmergel  mit  Ter. 
Harlanx,  HoUuter  cinctas,  Area  trapezoidea,  Turbmolia 
inaurit  und  cabireicben  Brjrozoen,  vor  Allem 
Eich,  dichotoma. 

b)  GlancoDitmergel  mit  Bei.  mucronatus,  Ba- 
eulitet  Faujati,  Ostr,  veiicularis ,  Ottr,  larva, 
Ostr-  bmata,  Exogyra  plicata,  Pect,  guadrieoita- 
lue,  Ttrebratella  plicata  sowie  Mosasnuroa  and 
Hypos&urus. 

c)  .Sande  and  Thone,  inoberst  mit  Trig.  limbata, 
Exog.  auricularit,  Exog.  laciniala,  Qerv.  »olenoidet, 
Vemti  ovalit,  Paraamilia  ba/anophylloide».  In  den  un- 
teren Niveaus  mit  eingescbwemmten  Pflancen- 
resten. 


>    Vfi^ekkng  wai  Psnlldlsiraiig  der  KreMe  vm  liew  Jerwj 
■it  HrddebMiigei  «■dem  Ucalllätci. 

Bei   einem    Versuche    der  Parallclisirung   der    Kreide    von 


247 

TU  heterodony  Oxyrhina  Mantdli  nnd  Lamna  texana  zu.  Von 
allen  diesen  Species  gehen  die  drei  letzten  oder  ihre  Vertreter 
ud  Oztf,  vesicularis  durch  verschiedene  Etagen  der  enropä- 
L^cbeo  Kreide  hindurch.  Pect,  quadricostattts  ist  so  allgemein 
\h  der  oberen  Kreide  verbreitet,  dass  sein  Vorkommen  keinen 
Beweis  besonderer  Uebereinstimmung  zweier  Faunen  liefert, 
^elchea  man  auch  nicht  in  der  gemeinsamen  Fuhrung  von 
Eiog.  ponderoia  und  plicata  finden  kann.  Im  Gegentheil  ver- 
.tihl  das  Vorkommen  zahlreicher  Hippnriten-,  Inoceramen-  und 
NerioeeD-Species  der  texanischen  Kreide  einen  ganz  abweichen- 
<jeo  organischen  Habitus.  Im  paläontologischen  Gesammtcha- 
rakter  der  Kreide  von  Texas  und  New  Jersey  herrscht  somit 
keine  Uebereinstimmung.  Robmsb's  Untersuchungen  haben 
tielmebr  festgestellt,  dass  die  kalkigen,  festen,  felsbildenden 
Rreidegesteine  von  Texas  organische  Reste  neben  einander 
lühreo,  welche  in  Europa  der  turouen  und  senouen  Formation, 
cod  zwar  deren  alpiner  Facies  angeboren ,  dass  sie  somit  die 
•^tren  Horizonte  des  Turon  reptäsentiren,  —  wahrend  dieses 
nfognosten  sicherer  Blick  in  den  Kreidemergeln  von  New 
t'^T^ey  ausschliesslich  senone  Bildungen  erkannte ,  ähnlich  wie 
Me  namentlich  in  Norddeutschland  entwickelt  sind.  Die  Be- 
weisführung dieser  auffälligen  Identität  des  organischen 
Charakters  gewisser  europäischer  Kreidebildungen  und  derer 
von  New  Jersey,  bei  vollständiger  Verschiedenheit  der  letzte- 
ren ood  der  näher  gelegenen  texanischen  Schichtenreihe  lag 
it^i  einer  Beschreibung  der  Kreide  von  Texas  und  deren  orga- 
tiischer  Reste  abseits  des  von  F.  Roembr  verfolgten  Zieles 
^Qd  iDQsste  deshalb  bei  jener  Gelegenheit  ausgeschlossen 
•jieibeD. 

Die  sämmtlichen  übrigen  Geognosten,  welche  ober  die 
r^ew-jerseyer  Kreideformation  geschrieben  haben,  sprachen  de- 
r^n  tiefere  Horizonte,  im  Gegensatz  zur  Ansicht  Roemer^s,  fiir 
"iiJfere  Kreide  an. 

M0RTO5  hielt  nur  eine  einzige  amerikanische  Species, 
Ji&ffilich  Pecten  quadricostatua y  für  identisch  mit  einer  euro- 
päischen. Stimmten  nach  ihm  die  übrigen  organischen  Reste 
'Qch  nicht  überein ,  so  glaubte  er  doch  nach  der  allgemeinen 
^Ähnlichkeit  derselben  die  unteren  Schichten  der  amerikani- 
^<^QeQ  Kreide  dem  unteren  Grünsande  Englands  und  deren 
^We  Etage  der  weissen  Kreide  Europas  gleichstellen  zu  können. 


248 

Za  gans  ähnlichem  Schlüsse  gelangte  8  Jahre  ipäter 
Ltbll,  nur  erkannte  er,  wie  Rogers  schon  kan  vor  ihm,  b«- 
reits  5  beiden  Welttheiten  gemeinsame  Speciea,  nämlich  Oitr. 
oetieularis,  0.  larea,  Exogyrä  plicata,  Peclen  quadricostalut  und 
Bei.  mucronatu3,  während  16  andero  Formen  zum  Tlieil  aus 
dem  Gault  und  Cenouian  Eunipus  in  New  Jersey  geogra|thi- 
sche  Vertreter  haben  sollten.  Er  schloss  daraus  aufdieAequi- 
vaienz  der  Kreide  schichten  von  New  Jersey  mit  dem  euro- 
päischen Ganit,  Cenoman,  Turon  und  Senon.  Auch  Meer  und 
Hatden  hallen  die  untere  Etage ,  die  Sande  and  Thooe  der 
Kreide  von  New  Jersey  für  ein  Glied  der  ältesten  Kreide,  also 
für  Neocom  oder  Gault  (Proc.  Acad.  Nat.  Sc.  1857,  S.  127 
und  1861,  S.  436).  Dieser  Ansicht  schliesaen  sich  Cook  and 
SXOCK  an  (Report  on  New  Jersey,  1868,  S.  248).  Nach  der 
VOR  ihnen  ear  S.  34  und  36  gegebenen  tabellarischen  Ucber* 
sieht  über  die  Bedimentära  Schichtenreihe  von  New  Jersey  ond 
deren  europäische  Aequivaleii  ige  bilde  sollen  die  dortigen  Saude, 
Thoiie  und  Mergel  sümmtliche  Abtheilungeu  der  Kreide  Euro- 
pas repräsentiren. 

Durch  meine  Beobachtungen  in  der  Kreide  von  New  Jer- 
sey erhalten  die  Ansichten  der  letztgenannten  Geognosten 
keine  Unterstützung.  Im  Gegentheile  bestätigen  sie  F.  Ros- 
her's  Annahme  des  durchaus  senonen  Alters  jener  Ablagerun- 
gen und  der  grossen  Aehnlichkeit  ihres  palBonlologisi.-hen  Oe> 
sammthabitus   mit  dem  der  aenonen  Entwlckelungsreihe  Nord- 


249 

i'Jenoides^  Area  exaltata,  Area  trapezoidea,  Area  glabra^  Area 
*A^mtnsi$y  Trig,  limbaia,  Venus  ovcUü,  Lucina  lenticulariij  Cor» 
^tiia  striatula.  Astarte  caelata,  Dentalium  polygonum,  Bei.  mu- 
ytihaiuB^  Baculites  Faujasi^  Serpula  triangularis^  PoUicipes  maxi- 
nnf,  Callianassa  antiqua,  Otodus  appendiculaius^  Corax  heterodon, 
^'lyrkina  Mantelli,    Coprolithus  Mantelli. 

2)  haben  nah  v  erwan  die  geographische  Ver- 
treter im  europäiscbeo  Senone: 

Ter.  Uarlani  Mokt.  in  Ter.  Sowerbyi  Hag. 
Lamna  texana  Rokm.  in  L.  plicatella  Rbuss. 
Mosasaurus  Mitschelli  Dek.  in  M.  Ho/manni  Mant. 
Serpula  rotula  Mobt.  in  S.  quadricarinata  Monst. 
Gastrockaena  tibialis  MoRT.  in   G.  ampJmhaena  Goldf. 

3)  sind  specifisch  amerikanisch: 

Trochosmüia  inauris,  Parasmüia  balanophylloides,  Astr.  ere- 
'^c^a^  Codosmilia  atlantica,  Nucleolites  crucifer,  Holaster  cinctus, 
Tfrehratella  plicata  ^  Exogyra  ponderosa,  Hyposaurus  BogersH, 
B'idrotaurus  FoulkH, 

Es  stimmen  also  mit  Arten  des  europäischen  Senoo 
i^i>ereio  42  der  von  mir  in  New  Jersey  gesammelten  57  Spe- 
ne8*)  oder  etwa  73  pCt. 

Es  sind  im  enropäischen  Senon  durch  nahe  Verwandte 
•<:rtrctea  5  der  von  mir  in  New  Jersej  gesammelten  57  Spe- 
ies  oder  etwa  9  pCt. 

Es  sind  endlich  specifisch  amerikanisch  10  der  be- 
■reffenden  57   Species  oder  etwa  18  pCt. 

In  diesen  Zahlen  liegt  der  definitive  Beweis  der 
vollkommenen  Aequivalenz  des  nordeuropäischen 
^«Dons  und  der  Kreide  von  New  Jersey. 

Wir  können  jedoch  noch  weiter  gehen :  Aus  der  geoguosti- 
»'.beo  und  paläontologiscben  Beschreibung  der  Kreide  von  New 
'insey  ergiebt  sich  ferner,  dass  sich  letztere  in  ihrer  petro- 
f^phiBchen  nnd  paläontologischen  Ausbildung,  sowie  in  ihrer 
<i:irch  diese  bedingte  Gliederung  der  senonen  Schichten  reihe, 
^le  sie  bei  Aachen  und  Mas  triebt  sowie  in  Belgien 
i^Qmickeit  und  von  Bikkhobst,  Dswalqdb,  Gbinitz,  Robmeb 
arid  Tmqxb  beschrieben  ist,  ausserordentlich  nähert. 


*)  Bei  dieser  Zahl  sind  die  8  wohl  generisch ,    aber  nicht  ipecifiscb 
>^<tiiDinbftrcn  Formen  nicht  in  Betracht  gesogen. 


Oliedernng  der  lenonen  Schichlen  reiho  von 


New  Jereey. 


A&cbcn  u.  Mastricht 
nach  BiNKHORST, 
Gkihitz,  Kokukb. 


Belgisch  Limburg 
nach  Dewal<jue. 


Kalkmergel 


Kr 


uff 


Tirober  Creek,  in 
ihrem  oberen  Hon- 
sEonte  sehr  reiuh  a:i 
Bryosoen. 


Kreid.!tuff  von 
Mastricht  undAachen 
in  seinem  oberen 
Horizonte  mit  viel 
Bryo.oen. 


Systeme  maestricb- 
tien.  Krcidetuff 
mit  Bryuzoen  und 
grober  Merguikalk 
mit  Ihmiimeutlf» 
itriato  -  raiiialug,  Ca- 
topyyua  pyriformit. 


Grünsand  mit    |     Kreidemergel     |8y8teme 


251 

Id  einer  tabellarischen  Zasammenstellung  wie  der  neben- 
stebeoden  tritt  die  analoge  Ausbildung  der  Kreideformation  bei- 
der Qegeoden  am  schärfsten  hervor. 

Eine  so  grosse  Uebereinstimmung  in  petrographischer 
ind  paläontologischer  Hinsicht  ist  zwischen  Eniwickelungs- 
gebieten,  welche  durch  mehr  als  1200  Meilen  Entfernung  ge- 
trennt sind,  äusserst  auffällig  und  muss  umsomehr  überraschen, 
als  zwischen  den  Faunen  der  Kreide  von  New  Jersey  und  den 
südwestlichen  amerikanischen  Staaten  nicht  die  geringste  Aehn- 
ücbkeit  herrscht.  Die  natürlichen  Verhältnisse,  welche  eine 
derartige  zwiefache  nordliche  und  sudliche  Facies  der  Kreide- 
i^iidoog,  und  zwar  wie  in  Amerika  so  in  Europa,  bedingten, 
Hod,  wie  RoBMEB  (Kr.  v.  Texas,  8.  22)  nachgewiesen  hat, 
Üimatische  Verschiedenheiten  gewesen,  welche  sich  somit  be- 
reits während  der  Kreideperiode  geltend  gemacht  haben. 


bkalt. 

Literttar  und  einleitende  Bemerkungen 191 

Skine  der    allgemeinen    geognostiscben    Verhältnisee    des   Staates 

New  Jenej 195 

Gtognoitiache  Beschreihnng  der  Rraideformation  von  New  Jersey    .  199 

Besehreibiing  der  organischen  Einschlüsse  derselben 213 

Verticsle  Verbreitang   der  organischen  Einschlüsse  und  daranf  ba- 
nne Gliedernng  der  Kreide  von  New  Jersey 244 

PiralleKsiriRig  der  letateren  mit  anderen  Kreidebildnngen  ....  246 


3.     lieber  die  Gleichzeitigkeit  der  VaikHe  t«h  Litiia 

ud  des  Nensehen  uid  aber  die  palAoethiioIogiachei 

fmit  in  der  rftnisehen  Cunpagu  überhaapt. 

Aus  dem  Bericht  des  HerrD  de  Rossi  im  Instituto  di 
corrispoodenza  arcbeologica  vom  14.  December  1866 
(Add.  deirinstiluto  di  corrispondenza  arcbeologica.  VoL 
29,  p.  5 — 72.  Roma  1867]  und  aus  den  Aufsätzen  des 
Herrn  Ponzi  roitgelheilt  vod    Herrn  J.  Rotb  in  Berlin. 

ßetcAimllich  nimmt  man  la  der  Oeschichle  des  Forhistnri- 
schen  Menschen  drei  grosse  Epoclien  an:  die  Steinzeit,  die 
Kupfer-  und  Broncezeit  und  die  Eisenzeit.  Hiitte  si'lion  MbrcaTI 
(Metallotlieca  vctticanft  17l7),  und  er  suerst,  die  gesctiärfiten  Feuer- 
steine, die  man  früher  als  Produkte  des  Blitzes  (lapis  fulminie) 
oder  als  lusus  naturae  bezeichnet  hatte,  als  Waffen  des  vor- 
historischen Menschen  erkannt,  so  hat  man  später  die  Stein- 
aeit,  je  nach  der  schlechteren  oder  besseren  Bearbeitung  und 
Politur  der  Oerathe,  in  die  ältere  (archäolithische)  und  neuere 
(neolitbische)  gelrennt. 

Pie  Unlerabtheilungen  der  drei  grossei)  Epochen  si'heinen 
mehr   den    einzelnen  Länder»   augepasst    als  für  alle  gültig  za 


253 

Die  ersten  Fände*),  denen  bald  andere  folgten,  von  Pro 
dukteo  des  quartaren  Menschen  in  Italien  geschahen  im  Kies 
gbisja)  von  Ponte  Idolle,  der  nach  Poszi  (Atti  deirAccad.  dei 
ooovi  lincei  Sess.  IV.  8.  Marzo  1866)  mit  den  Travertinen 
«ieicbseitig  ist.  Die  untere  Lage  des  Kieses  besteht  aus  grö- 
ßerem, die  obere  aus  feinerem  Material;  xwischen  beiden  liegen 
Mergel  mit  Sässwassercoucbylien  und  Susswasserpflanzen  und 
FlDsssande  mit  Angit,  Leucit  und  Glimmer,  zuoberst  Tuffe 
mit  Biffistein  gemischt.  Aus  dieser  Lagerung  geht  hervor,  dass 
die  Masse  and  die  Geschwindigkeit  der  Diluvialgewässer  der 
Tiber  zwei  Mal  gewechselt  haben.  Zuerst  floss  sie  reissend, 
ruhiger  und  schwächer  als  sie  die  Mergel  und  Sande  absetzte. 
la  beiden  Kieslagern  liegen  Feuersteinw äffen.  Im  unteren  Kies 
fand  sieh  nnter  anderen  eine  etwas  gerollte  Pfeilspitze  aus 
gelblichem  Feuerstein,  15  Meter  unter  der  Oberfläche,  eine  an- 
(iere  aus  rotbem  Feuerstein.  Ein  im  oberen  feineren  Kies 
gefnodenes  Messer  aus  weisslichem  Feuerstein  scheint  nach 
meiner  vortrefflichen  Arbeit  dem  Uebergang  zur  neueren  Stein- 
zeit anzugehören.  Da  sich  die  Waffen  der  älteren  Steinzeit 
immer  in  den  Flussbetten  der  von  den  Bergen  herabkommenden 
Wässer  und  nie  in  der  Ebene  finden ,  so  lässt  sich  daraus 
schiiessen,  dass  die  Menschen  der  Quartärzeit  auf  den  Bergen 
iiüer  an  ihrem  Fuss,  aber  nicht  in  der  Ebene  wohnten.  In 
den  mittleren  Mergeln  und  Sauden,  die  von  der  langsamen' 
Qod  schwachen  Erosion  der  Ebene  herrühren,  sind  keine  Waf- 
fen gefunden. 

Bei  Monticelli  westlich  von  Tivoli  (s.  Taf.  XII  Bd.  18) 
l'estand  zur  Quartärzeit  ein  Fluss  (der  jetzige  Fosso  di  Cupo), 
der  seine  Gewässer  ebenso  wenig  als  heute  von  den  hohen 
Bergen  empfing,  sondern  nur  die  der  nächsten  Gegenden  ver- 
eioigte.  So  konnte  sich  ein  grosses,  ruhiges,  fast  sesähnliches 
Bassin  bilden ,  das  eine  Insel  umschloss.  Nach  PoNZl  (Atti 
delPAccad.  dei  nuovi  lincei.  Tom.  XX,  Sess.  I  del  2  Di- 
'.embre  1866)  siebt  man  am  linken  Ufer  des  Fosso  del  Cupo 
zuunterst  und  9,45  Meter  mächtig  Pozzolan ,  dunkelrotbe,  leu- 
itfreie,  vulkanische  £rde;  darüber  folgt  8,30  Meter  mächtig 
Uibfester   submariner    vulkanischer  Tuff,    ein  graugelbliches, 


*)  An  dsn  dprinea  unterhalb  Monticelli  fand  RnscoNi  Menicbenstthne. 
(.8.  diese  Zeitschrift  Bd.  18»  S.  605.) 
Um%.A.  0.s««i  Gci.  XXII.  2.  17 


254 

viele  mehlige  Lencite  führendes  Gemenge  voo  feiner  Aache  und 
Lspilli.  Beide  Lagen  sind  frei  von  Feuerstein  und  Fossilien. 
Darüber  folgt  kalkiger,  mit  Säuren  sehr  schwach  brauaeader, 
weiaslicber,  anten  etwas  thoniger,  lockerem  Travertin  äbalioher, 
grober  Flasssand,  entetanden  aua  der  Zersetzung  der  TniFe 
und  des  gelblichen  pliocäiten  Sandes.  Hier,  im  Niveau  der 
Dil Qvial Wasser  und  19,4  Meter  oberhalb  des  jetiigen  Rinnsales 
in  dem  für  die  heutige  Wassermaese  viel  zu  weiten  Tbel, 
fanden  sich  neben  zahlreichen  zersetzten  Pflanzen  und 
Besten  aamenilich  von  Cervut  elaphut,  ferner  von  Bot  primi- 
geima,  Elepha»,  Bhitioceros  tichorhinus  und  sahlreichen  Feuer- 
steinen Feuersteinwaffen,  welche  keine  Spur  von  Abnatcuog 
durch  den  Transport  zeigen.  Die  Feuersteine  der  nächsten 
Berge  finden  sich  im  Lias,  Jura  und  Neocom  als  rundliche 
Massen;  hätte  das  Wasser  diese  hcrabgeführt,  so  wären  sie 
w:eder  lerbrochen  noch  ohne  Kalkstücke  berabgelangt ,  von 
welchen  letstereu  nichts  vorhanden  ist.  Nur  die  Menschen- 
hand kann  dem  Feaersteine  die  Form  gegeben  und  ihn  dabin 
geschafft  haben,  wo  er  sich  jetzt  findet.  Hier,  am  Fuas  der 
Berge  von  Corniculuni,  bestand  zur  Quartärzeit  eine  Ansiede- 
lang von  Menschen  auf  einer  von  den  Quartär  wassern  umgebenen 
Insel.  Da  sich  in  der  nächsten  Nähe  auch  Feuersteingerälb« 
der  neueren  Steinzeit  finden ,  so  hat  die  Ansiedelung  wohl 
bis  dahin  fortgedauert. 

Wie  PoHzi   (Storia  naturale  del  Lazio  1859)  gezeigt  bat, 
entstand    nach    dem    Rückzug   des   Pliocänmeeres    der  Vulkan 


2S5 

Civo,  PUa  pind  der  übrigen  das  Campo  d'Annibale  amgebendea 
Berge,  ähnlich  wie  in  der  Somma  der  Veeov  entstand.  Wie- 
der nach  einer  Panse  und  bei  weiterer  Abnahme  der  Tolka- 
fiidcbea  Thätigkeit  bildete  sich  in  der  dritten  and  letsten  Pe- 
riode der  See  von  Aibano  (Lago  di  Caatello) ,  dessen  Krater 
ab  Haaptprodokt  den  Peperin  (Lapis  albanus)  lieferte. 

Alle  diese  Erscheinungen  wurden  von  Menschen  gesehen. 
Wahrend  der  latinisehe  Vnlkan  brannte,  flössen  die  Quartär** 
wuser,  welche  ons  die  Gegenwart  des  Menschen  durch  die 
pQDde  bei  Ponte  molle  und  den  Caprinen  enthüllt  haben.  Es 
kAon  erwiesen  werden,  dass  der  Mensch  während  der  ersten  rul- 
küflisrhen  Periode  auf  den  Ausscnabhängen  des  grossen  Kra- 
ters sich  niederliess.  In  der  Reihe  der  Schichten  findet  sich, 
iberalJ  von  derselben  Beschaffenheit  und  Mächtigkeit,  eine 
dorehgehende,  Reste  von  Pflanxen  enthaltende  Schicht,  welche 
Keigt,  dass  während  einer  relativen  Ruhezeit  eine  Vegetation 
^  den  Abhangen  des  Kraters  entstanden  war.  Während  die- 
ser Roheseit  konnte  auch  der  Mensch  sich  dort  niederlassen, 
Qod  in  der  That  findet  man  in  derselben  Schicht  bei  den  Fra- 
tocchie  an  der  Costa  rotonda  Feuersteinwaffen.  Der  rothe 
Fenersteiu  derselben  gebort  dem  Ammoniten  führenden  Lias 
M),  and  nie  konnten  die  Gewässer  ihn  vom  Appennin  auf  die 
Höbe  des  latinischen  Kraters  bringen. 

Die  «war  vorhandenen,  aber  nur  wenig  untersuchten  Knochen* 
l^hJen  der  romischen  Campagna  haben  bisher  keine  sicheren 
Sporen  des  Menschen  gezeigt. 

Neuere  Steinzeit. 

Im  altromischen  Ritus  sind  Spuren  des  Gebrauchs  von 
Steiowaffen  vorhanden.  Das  Jus  feciale  bei  dem  Foedus  fe- 
nre  schrieb  vor,  das  Opferthier  mit  einem  saxo  silice  zu 
tödteo.  Dieses  Recht  hatten  die  Romer  überkommen  von  der 
tltCQ  and  rohen  Völkerschaft  der  Eqnicoli,  wie  die  alten 
•Scbriftsteller  sagen  und  eine  kürzlich  am  Palatin  gefundene, 
>0D  MoxMBEiff  (Corpus  inscript.  latinar. ,  T.  I.,  564)  bekannt 
gemachte  Inschrift  beweiset.  Die  folgenden  Funde  von  Grab- 
süiten  mit  Peuersteinwaffen,  sehr  rohen  Vasen  und  Skeleten 
io  der  von  den  Eqnicoli  bewohnten  Landschaft  erlangen  da- 
doiGh  eine  noch  grossere  Bedeutung. 

In  dem  Thai  zwischen  Vicovaro  und  Gantal  upo  (nördlich 

17* 


256 

von  Tivoli)  liegt  da,  wo  der  Bach  von  Licensa  in  den  Anio 
eiomündel,  eia  Feld  S.  Cosimato.  Die  Quartärwaaser  dieser 
Flüsse  hattea  dort  eine  grosse  seeartige  Ausweitung,  so  dass 
Süsswasserabaütie  aur  deu  UDteren  AUhängen  der  naheo  Berge 
vorhauden  sind.  Die  Oberhand  hat  eine  mächtige  Bank  selir 
weichen,  Sponga  genannten  Travertins.  Er  liegt  einem  Hügel 
an,  der  den  heutigen  Zusanimenfluss  beherrscht,  und  dieser 
DiuBste,  seiner  Höhe  znfolge ,  eine  Inael  und  dsnn  eine  Halb- 
insel  in  dem  See  bilden,  sobald  das  Niveau  des  Wassers  sich 
senkte.  Man  fand  hier  zwei  Grabstätten,  eine  1,1  Meter  unter- 
halb  dar  Oberfläche,  eine  zweite  1,75  Meter  tiefer  und  etwa 
7  Meter  über  dem  Thalboden.  Die  obere  enthielt  zwei  Ske- 
lete,  ein  fast  ausgestrecktes  und  ein  etwas  zusnmmengebuge- 
noB.  Zar  LiAken  des  ersteren  stand  eine  grosse  sehr  rohe 
Vase,  die  mit  einer  schwärzlichen  Erde  gefüllt  gewesen  sein 
soll.  Das  Malei'ial  der  Vase  ist  ein  Thnn  aus  den  vulkani- 
schen Gebilden  des  Thaies,  die  das  Subappenoinmeer  dort 
abgesetzt  hat.  Man  erkennt  die  Augite,  die  Leucite  und  die 
verwitlertea  Feldspathe  des  pliocänen  Tuffes  mit  blossem  Auge. 
Die  rohe  Porm,  die  Nichtanwendung  der  Scheibe,  der  schlechte 
Brand  —  Alles  gleicht  den  Fundun  der  Steinzeit  aus  anderen 
Orten,  die  Vase  ist  ein  locales  Product  eines  primitiTen  Vol- 
kes. Nabe  der  Herzgegend  des  Skeletes  lagen  gegen  20 
Feuerstein  Waffen ,  Pfeil-  und  Laoienspitzen ,  Messer ,  die  ur- 
sprünglich   wobl    in    einer    quer    über   die    Schuller    geliängtea 


257 

tveites  eioem  Manne  von  mittleren  Jahren,  deren  drittes  einem 
kieioen  Kinde  in  der  zweiten  Zahnperiode  angehörte.  In  bei- 
den Gräbern  hatten  Menschen-  und  Thierknochen  einen  von 
dem  Travertin  herrührenden  Ueberzug  von  Kalk. 

Ist  die  Verschiedenheit  der  beiden  Racen  und  der  mit 
den  Skeleten  gefundenen  Gegenstände  beweisend  für  eine  Ver- 
v.liiedenbeit  in  der  Zeit  der  beiden  Gräber?  Mit  Sicherheit 
Ü9«t  sich,  so  lange  nicht  weitere  Funde  gemacht  sind,  die 
Frage  nicht  lösen,  allein  eine  Zeit,  wie  sie  für  die  Aufeinan- 
derfolge zweier  Racen  nothig  ist,  scheint,  auch  nach  Ponzi's 
Ansicht,  nicht  zwischen  den  beiden  Grabstatten  zu  liegen,  da 
diese  sich  an  derselben  Stelle  nahe  bei  einander  befinden, 
kus^erdem  gleiche  Gestalt  haben.  Das  Zusammenvorkommen 
i-r?  bracfay-  nnd  dolichocephalen  Typus  in  derselben  Grab- 
*titte  ist  keine  neue  Thatsache,  so  dass  man  als  wafirschein- 
•irh  das  Nebeneinander  zweier  Racen,  einer  einheimischen  nnd 
:ner  fremden,  annehmen  kann.  Für  die  ältere  Race  wird  man 
r;ach  NicoLXJCCi  *)  die  dolichocephale  des  unteren  Grabes  hal- 
ten tDQssen;  die  brachycephale  Race  wird  der  ligurischen  In- 
vasion zagehören ,  welche  nach  den  geltenden  Ansichten  in 
du  Ende  der  neueren  Steinzeit  und  den  Anfang  der  Bronce- 
ieit  fallt.  Stammen  die  in  dem  unteren  Grabe  gefundenen 
Refite  wirklich  vom  Ren ,  so  hätte  dieses  in  der  romischen 
Cftiopagna  bis  zum  Ende  der  neueren  Steinzeit  gelebt. 

Sind  auch  bis  jetzt  nur  zwei  Gräber  gefunden ,  so  sind 
*ie  sicher  nur  ein  Theil  eines  ausgedehnten  Grabfeldes.  Es 
^•ndeo  sich  nämlich  Trümmer  von  Vasen  mit  ähnlicher  Be- 
Kbaffenheit  wie  die  des  oberen  Grabes  in  derselben  Gegend 
bäufig.  Steinwaffen  und  Menschenknochen  sollen  oft  in  dem 
Felde  gefunden  sein. 

Das  feste  Grabfeld  setzt  eine  feste  Ansiedelung  voraus. 
I^ie  Form  des  Thaies  und  die  Anordnung  der  Schichten  ist 
'-'jrih  eine  ruhige  Erweiterung  des  Wassers  bedingt,  eine  Er- 
«eiterong,  welche  auch  nach  der  Quartärzeit  fortgedauert  ha- 
^en  kann.  Nicht  weit  von  dem  Grabfelde  liegt  eine  Lage 
zersetzter  organischer  Stoffe,  deren  Niveau  lehrt,  dass  der  die 
^>räber  enthaltende  Hügel  entweder  als  Insel  oder  als  breite 
Halbinsel  hervortrat  auch  nach  dem  Abfluss  der  Quartärwasser, 


9\ 


La  itirpe  lignre  in  Italia.    Napoli  1865, 


ftiBO  eher  als  dos  Wasser  sich  sein  jetziges  tiefee  und  enges 
Bett  grah.  Die  von  den  Wassern  abgesetztes  organischen 
Sabslsozen,  die  breite  Insel  im*rahigeD  Wasser  and  das  Orab- 
feld  lassen  hoffen,  dass  spätere  Forschangen  dort  auch  die 
Wohnungen  der  Menschen  nnchweisen  werden,  von  denen  man 
bis  jelat  nur  die  Gräber  kennt. 

Nach  den  bäuflgen  Funden  potirler,  aus  Feuerstein,  ans 
latinischer  Lsva,  aus  grünem  Basalt  bestehender  Waffen  der 
neueren  Steinzeit  in  der  römischen  Campagna  muss  diese  damals 
sehr  bevölkert  gewesen  sein.  Besonders  reiche  Ausbeute  lie- 
fert die  Gegend  des  oben  genannte»  Fosso  del  Cupo,  der 
zweite  latiniscbe  Kegel  und  der  Kfistenstrich  zwischen  Porto 
d'Anso  und  Ardea.  An  diesen  Funkten  liegen  die  Waffen  nur 
im  HumuH ;  nicht  in  den  vulkanischen  Gebilden  des  Monte 
Cavo,  nicht  in  den  Sedimenten  der  gehobenen  Käste.  Daraus 
läset  sich  achliessen,  dass  während  der  neueren  Steinzeit  der 
zweite  latinische  Kegel  aeine  Thätigkeit  einstellte  und  der 
Mensch  sich  dort  ansiedelte,  ferner  dass  der  zweite  latiniscbe 
Kegel  zwischen  der  älteren  und  neueren  Steinzeit  thätig  war, 
denn  die  älteren  Steinwaffen  finden  sieb  nur  auf  dem  ersten, 
nicht  anf  dem  zweiten  Kegel,  die  Waffen  der  neueren  Zeit  da- 
gegen sowohl  auf  dem   ersten  als  dem  zweiten  Kegel. 

Ist  die  grosse  Häufigkeit  und  Schönheit  der  neueren  Stein- 
Waffen  au  der  Küste  zwischen  Porto  d'Anzo  und  Ardea  ein 
leiser  Fingerzeig,  dass  dort  die  aus  Asien  kommende,  brachy- 


269 

sceo  sind    sie  onter  die  etmekiscfaen  Sachen   eingereiht  und 
der  Angabe  nach  ans  etrnrisohcn  Gräbern  stammend. 

Mao  weiss,  dass  Bisen  bei  allen  heiligen  Dingen  nnd  Oe- 
brinchen  allen  heiligen  Personen  untersagt ,  dagegen  Bronce 
geboten  war  (Maerobios  Saturn,  libr.  V),  dass  die  Btrnsker 
den  Umfang  der  Stadt  durch  eine  eherne  Pflugschaar  (aeneo 
vomere)  bestimmten,  dass  die  sabinischen  Priester  nnd  der 
fiuseo  dialis  in  Rom  mit  ehernen  Messern  geschoren  worden. 
Am  geheiligten  Pons  soblicios  war  kein  Eisen.  £ine  Inschrift 
«26  dem  Jahre  Roms  696  gestattet  ausdrücklich,  dass  bei  dem 
Wiederaufbau  eines  Tempels  Eisen  angewendet  werden  durfte 
[ferro  nti  liceat,  MoKMSBN  Corp.  inscript  lat.  Tom.  I.  S.  176). 
Die  Sähnopfer,  welche  die  Arvalen  anstellten,  so  oft  sie 
Eisen  in  den  heiligen  Hain  und  den  Tempel  gebracht  hatten, 
l>enihteo  auf  uraltem  heiligem  Gebrauch.  Daraus  ergiebt 
(ich,  dass  die  religiösen  Gebrauche  der  Romer  and  der 
D&cbsteo  Volker  ihren  Ursprung  aus  einer  Zeit  hatten ,  in 
welcher  Eisen  nicht  angewendet  wurde.  Hier  wurde  also  nicht, 
^\t  es  anderswo  geschah,  Kupfer,  Bronce  und  Eisen  zur 
selben  Zeit  eingeführt. 

Eisenzeit. 

SchoD  1817  fand  Albssahdro  Viscokti  am  Monte  Cocco 
uod  Monte  Crescenzio  nahe  am  Albaner  See  in  einer  von  we- 
nig Palmen  Hnmns  und  etwa  ~  Meter  mächtigem  Peperin  be- 
<ieckteo,  gelblichen,  sandigen  Schicht  vulkanischer  Asche,  welche 
wiederum  auf  Peperin  lagert,  zahlreiche  schlecht  gebrannte, 
mehr  als  drei  Palmen  hohe  Thongefasse  auf,  welche  eine  rohe 
thöneme  Nachbildung  einer  Hütte  und  in  dieser  verbrannte 
Meo8chenknochen ,  bronceoe  Heftnadeln  und  Bernsteinarbeiten 
'enthielten.  Rings  um  die  Hotten  lagen  noch  allerlei  thonerne 
IteoBÜien,  kleine  Vasen,  Lampen,  Trinkgeschirre.  Alle 
diese  Gegenstände  gleichen  den  in  anderen  Gegenden  gefunde- 
nen Arbeiten  der  Eisenzeit.  Sie  gehören  nach  den  1867  aus- 
K^fabrten  Untersuchungen  von  db  Rossi,  bei  welchen  noch 
ähoüche  zahlreiche,  z.  Th.  zertrümmerte  Thongefasse  und 
BroDcearbeiten  aufgefunden  wurden,  einem  grossen,  von  den 
^oikanischen  Producten  bedeckten  Grabfelde  an ,  wie  schon 
^iscoKTi  behauptet  hatte.  Die  Mächtigkeit  der  weithin  ausge- 
<lehoteo  Aachen  seh  ich  t ,   welche   das    Grabfeld   birgt,   wechselt 


260 


zwiachen  1  and  1,5  Meter,  ein  Beweis  für  die  Starke  dei^ 
Eruption.  Die  compacte  und  homogene  Asche,  der  Mangel 
aller  Spalten  and  senkrecht  niedergehender  Höhlungen  schliesst 
jeden  Zweifel  aus,  der  glühende  Aschenregen  hat  die  grossen 
Oefasse  umhüllt,  zum  Theil  zertrümmert.  Die  auf  der  Unter 
Seite  ganz  mit  einer  alten  Vegetation  von  Lolium  perenne  ge- 
mischte Peperindecke  lehrt,  dass  sich  auf  der  vulkanischeo 
Asche  eine  von  dem  viel  spateren  Peperinaushrnch  bedeckt^ 
and  vernichtete  Vegetation  entwickelt  hatte,  dass  femer  mit 
diesem  Ausbruch  die  vulkanische  Thätigkeit  aufhörte. 

Schon  Visconti  hatte  von  Funden  eiserner  Nagel  im  Pe- 
perin  berichtet;  ds  Rossi  fand  auch  eiserne  Lanzeo8pitzeD,{ 
aber  nur  in  der  Peperindecke  oder  auf  der  Oberfläche  der 
Asche,  nie  in  den  Thongeßssen,  wenn  auch  au  demselben 
Berge  und  denselben  Orten.  Eine  Vase  zeigt  Färbung  durcb 
Eisenrost,  demnach  wagt  db  Rossi  eine  Theilung  der  genann- 
ten Funde  in  zwei  Epochen  nicht. 

Bei  den  beiden  Vignen  der  Valle  Marciana  am  Ufer  des 
alten,  jetzt  ausgetrockneten  Sees  fand  Visconti  unter  dem  Pe- 
perin  Vasen ,  denen  von  Monte  Crescentio  ähnlieh ;  de  Rossi 
sah  in  dem  ganzen  Strich  zwar  viele  Fragmente  alter  Tbon- 
gefasse,  aber  weiter  nichts.  Am  gegenüberliegenden  Ufer  sollen 
unter  dem  Peperin  und  der  vulkanischen  Asche  Haufen  vor* 
brannter  Kohlen,  Andeutungen  von  Feuerstellen,  gefunden  sein. 

In  der  Ebene  (Prato  della  Corte)  zwischen  Marino  und 
Rocca  di  Papa  entspringt  eine  Quelle,  jetzt  Fönte  del  capo 
d'acqua  genannt,  das  berühmte  caput  aquae  ferentinae,  die  Ding- 
statte  des  latinischen  Bandes.  Hier,  wo  wieder  Peperin  und 
vulkanische  Asche  übereinander  und  im  Humus  zahlreiche  Ge- 
Schirrscherben  liegen,  fand  man  1860,  auf  einer  Fläche  von 
1125  Quadratmeter,  unter  dem  Peperin  in  der  Asche  zahl- 
reiche Thongeräthe,  namentlich  Lampen.  Ein  Gefäss  enthielt 
vier  Heftnadeln  und  ein  Armband  von  Bronce.  Hervorzuheben 
ist,  die  Gegenstände,  z.  Th.  etruskischen  Ursprungs,  z.  Tb. 
aus  latinischer  vulkanischer  Masse  bestehend,  standen  in  Rei- 
hen von  5,  8,  10,  und  jede  Gruppe  stand  wiederum  gleichsam 
auf  einem  Teppich  schwärzlicher  Erde,  welchen  ein  viereckiger, 
etwa  4  Palmen  hoher  Abschnitt  (incastro)  begrenzte.  Ist  diese 
schwärzliche  Erde,  sind  diese  Abschnitte  nicht  ebensoviel  An- 
zeichen früherer  Wohnstätten?   Hier  waren  Wohnstätten,  nicht 


261 

Grabstätten!    Die  Nähe    des  Wassers,   die  von  der  der  Grab- 
stitten  verschiedene  Anordnung  der  Gefasse,  der  Mangel  ailer 
Nenschenknochen   in  den  Urnen,   die  Auffindung  eines  ganzen 
Skeletes   —     Alles  das  spricht  für   eine  Wohnung,  gegen  eine 
Grabstatte.     Der  steile  Schädel  des  Skeletes    lässt   vcrmuthen, 
das8  er  einem  alten  Manne  angehörte,  dem  die  Flucht  bei  der 
Eruption    nicht   gelang.     Während    die  Thongefässe    der  Grab- 
stätten   sehr   schlecht  gebrannt    und  nicht  mit  der  Scheibe  ge- 
formt   sind ,    aus   latinischer   vulkanischer  Asche   bestehen ,    in 
irelcher   man    mit  blossem   Auge  Glimmer,   Augit   und  Leucite 
erkennt,     ihre    Verzierung    ausserordentlich   roh    ist,   die   dor- 
tigen  Broncen   dagegen    von   erfahrener  Kunstfertigkeit  zeugen, 
fioden  sich  in  den  Wohnungen  neben  den  rohen  Gcfussen  sorg- 
fältiger gearbeitete  und  aus  nicht  latinischer  Masse  bestehende. 
Sie   sind    mit    der  Scheibe   geformt  und    vortrefflich    gebrannt, 
eines  hat  sogar  gemalte  Streifen;  sie  sind  offenbar  etruskisch. 
Die  den  Ausbrüchen  des  latinischen  Vulkans  (Vulcano  laziale) 
gleichzeitige  Bevolkcirung  trieb  also  schon  Handel  mit  Etrurien. 
Der  Vulkan   hatte,  wie  man  aus  dem  Wechsel  von  Asche  und 
Peperin   sieht,  zahlreiche  Ausbruche.    Die  drei  obersten  Schich- 
ten sind   die  Producte  der  jüngsten  und  überhaupt  letzten.    Die 
Schicht,  auf  welcher  der  Mensch  so  nahe  dem  Vulkan  wohnte, 
ist  ein  Beweis  für  eine  lange,  lange  Ruhezeit ;  der  Aschenregen, 
welcher     die    Vasen    begrub,     überraschte   die   Anwohner    und 
tödtete   Alles ,   was   nicht  floh.     Dieselbe  Pause  wird  durch  die 
&af  der  Asche  befindliche  Vegetation   bewiesen;  dann  folgte  der 
Peperinausbruch,    und    nun    erst    konnten    sich    im    Krater   die 
Wasser  zum  See  von  Albano   ansammeln. 

Livius  sagt  öfter:  in  nionte  All>aiio  lapidibus  pluit,  ein 
Mal  sogar  biduum  continentcr  lapidibus  pluit;  er  spriclit  von 
einer  vox  ingcns  e  luco  et  e  sumino  monlis  oacumine;  offen- 
bar von  dem  unterirdischen ,  die  Erui)tionen  begleitenden  Ge- 
löse. Er  berichtet,  dass  so  oft  idem  prodigium  in  monte  Al- 
bano nunciaretur,  feriae  per  noveni  dies  agerentur.  Diese  re- 
ligiöse Institution  setzt  eine  Reihe  von  Ausbrüchen  zur  Zeit 
der  Romer  voraus,  und  man  kann  sie,  diesen  Angaben  gegen- 
über, nicht  auf  den  Fall  von   Aerolithen   l)eziehen. 

Ob  diese  Ausbrüche  der  altrömischen  Zeit  dieselben  sind 
^ie  die,  w^elche  die  Vasen  begruben,  läset  sich  bis  jetzt  weder 
bejahen  noch  verneinen.  Das  bleibt  weiterer  Forschung  übers 
Us8cn.  Aber  es  ist  doch  sehr  wichtig  und  kaum  ein  zufälli- 
ges Zusammentreffen,  dass  ein  latinisches  Pompeji  gerade  da 
aufgefunden  ist,  wohin  die  Alten  übereinstimmend  den  ersten 
Aufenthalt  des  latinischen  Volkes  verlegen. 


/ 


Nachtrag. 
Ke  rÖHiiebM  KtUkHibei  mi  ia  Ut. 

Die  Katakomben,  nach  db  Ro6Si  (Bonia  sotterraoea  1864) 
mit  TBrschwiadead  kleinen  AuBiiAhinen  gant  äaa  Werk  der 
Christen,  liegen  ia  der  allergrösstea  Mehrzahl  in  den  eubmari- 
nea  pliocanen  vulkanischen  Tuffen,  welche  den  Untergrund  der 
römischen  Campagna  bilden.  Sie  bestehen  aus  3,  4,  ja  5  über- 
einander liegeDden  Stockwerken  und  reichen  bis  etwa  25  Me- 
ter  unter  die  Oberfläche  hinab.  Die  römischen  Gesette  rer- 
boteo  das  Begräbniss  innerhalb  der  Stadtmauern  ,  die  unterir- 
dischen  Grabstätten  mnsslen  also  suseerbalb  der  Stadt  augelegt 
werden.  Das  Chrialenthum  forderte  Örieren  Besuch  der  Grä- 
ber, daher  liegen  sie  nicht  weit  von  der  Stadt.  Ihre  Eratreckuag 
geht  nicht  über  4  Kilometer  von  den  Stadtmauern  hinaus.  Dar 
vor  dem  Absatz  der  vulkunischen  Tuffe  von  Spalten  und  Ver- 
werfungen vielfach  durchsetzte  Grund  des  pliocanen  Meersa 
und  später  die  grossartige  Wirkung  der  QuEirtärwasser  der  Ti- 
ber, des  Almone  und  der  übrigen  Wasserläufe,  welche  sich  in 
dem  Bassin  von  Rom  vereinigen,  bat  grossen  Wechsel  imd 
grosse  UnregelmäsBigkeit  in  der  Lagerung  und  BeschafTenheit, 
namenllicb  in  der  Festigkeit  der  Schichten  hervorgebracht  DU 
Terrainformen  ond  die  Beschaffenheit  der  Absätze  erklären  di« 


26S 

Eigeoschifteo,  sie  finden  8ich  fast  nar  im  vulkanischen  Tuff.*) 
Tod  aocb  von  diesen  eignen  sieb  für  die  Katakomben  nur 
^voige  Abänderungen:  nicht  der  sehr  feste,  steinige  (lapis 
nber,  saxom  quadratum,  so  genannt  nach  seiner  herrschenden 
Farbaog  ond  der  gewohnlichen  Bearbeitung  in  cubische  Massen), 
W&88er  nicht  durchlassende ,  ebenso  wenig  der  sandige ,  ser- 
niblicfae.  Es  bleiben  daher  nur  wenige  Lagen  und  wenige 
Pookte  for  die  christlichen  Grabstätten  übrig  und  diese  liegen 
loo&cbflt  in  den  Lagen,  welche  technische  Verwendung  nicht 
bden.  In  den  £tudes  g^ologico-arch^ologiqnes  sur  le  so! 
romuD  (Bull.  soc.  g^ol.  (2)  24.  589)  tbeilt  ob  Rossi  die  vnl- 
bniseben  Tuffe  in  5,  nicht  sehr  scharf  begrenzte  Abtheilungen : 

1)  Sabmarine  pliocäne  fei dspath haltige  Tuffe,  die  je  nach 
Zaummeosetzung  and  Festigkeit  in  verschiedene  Unterabthei- 
icogeo  lerfallen. 

2)  Zersetzte  und  umgelagerte  Tuffe  (tufs  remani^s).  Die 
Umlageroog  erfolgte  durch  das  Pliocanmeer  zwischen  der  Ter- 
tiär- ood  Qoartarzeit,  als  sieh  über  die  Wasser  die  sobappennine 
Ebene  erhob. 

3)  Zosammengeschwemmte  Tuffe  BROCCHf  s  (tufs  recom- 
;"3f9),  entstanden  aus  dem  Detritus  und  der  Zersetzung  der 
cogelagerten  Tuffe.  Zum  Theil  bestehen  sie  nur  aus  Detri- 
^s  der  pliocanen  Tuffe,  zum  Theil  enthalten  sie  anderen  De- 
tritQs,  nämlich  8aod,  Geschiebe  oder  vulkanische ,  aus  Latiura 
^tuuneode  Massen.    Sie  geboren  der  Quartarseit  ao. 

i)  Tuffe  entstanden  ans  dem  Aschenr^en  der  atmosphii* 
riäcben  Vulkane  Latinms,  ohne  Feldspatb. 

5)  Tuffe  entstanden  aus  den  Aschen  der  latinischen  Erup- 
tioDeo,  welche  in  die  Quartarwasser  fielen  oder  in  diese  als 
^chl&mmstrome  geriethen.  Die  schwereren  Theil e  liegen  unten, 
die  ieiehteren  oben. 


*)  Nur  wo  der  Sind  einxelne  festere,  aber  Waater  darchlassende 
^^ithtcA  eDtbilt  wie  am  Jaoicolof,  war  er  zn  Grabitatten  brauchbar. 
t-i«  Ponzianitche  an  der  Via  portnensia  liegt  gröastcntbeila  in  einer 
.•;?heii  Scbicht  Die  jetst  sehr  wenig  sngangliche  Grabat&tte  des  S.  Va- 
•tQtimi  i]|  der  Via  flaninia  aeigt  oben  Tnff,  darunter  eine  bunte  Miachang 
'CD  Sand,  Oea^Hiieben  ond  einzelnen  grossen  Blöcken.  Da  aebr  bald 
*Bter  nördfieh  Trarertin  folgt,  ao  hören  in  dieaer  Bichtong  schon  nach 
^;  enten  Miglie  von  der  Stadt  die  QrabaUtten  anf.  Sie  liegen  faat 
*^*  aif  den  linken  Tiberafer.  Daa  Aniothal  begrenzt  aie  etwa  2  Miglien 
^39  der  Maner  ab  anf  der  Via  aalaria  nnd  momentana.  Südlich  der 
^ii  Appit  gehen   aie  bis   an  daa  Grab    der  Caecilia  Metella   (Capo  di 


264 


4.    Bcschreibflig  nener  Arten  «der  eigfntliäBlich  uu^ 
gebildeter  VerBteinenugeiL 

VoD  Herro  ZeuscflNBR  in  Warschau. 

Blercn  Tat«)  V„  VI.,   VH. 

Spiri/er  punctatut  n.  sp. 
T«f.  \  ,  Fig.  1,  a,  3, 
Die  Schale  ist  ein  längliches  Dreieck,  dessen  unteres  Ende 
fast  einen  gedehnten  Bogen  bildet;  die  Schlosskaofe  ist  in- 
gleich  die  Länge  der  Schale;  wenig  gewölbt.  Die  nicht  per* 
forirte  Klappe  hat  in  der  Mitte  einen  alsrken  bogenförmig  ge- 
krümmten Buckel,  mit  einer  in  der  Mitte  gespaltenen  Palte; 
die  länglichen,  schmalen  Flügel  bedecken  4 — 5  ftl^emndM«, 
in  der  Mitte  gespaltene  Palten.  Die  perforirte  Klappo  hat  In 
der  Mitte  einen  tiefen,  glatten,  stark  amgebogenen  Sinus; 
die  Plugel  sind  mit  gespaltenen  Palten  bedeckt.  Die  Ar«» 
ist  bedeutend,  etwas  gebogen;  das  Deltidinm  schmal  und  hocli. 


266 

tdat  omphiiofnaFvscB^  Pentamerus  galeatus,  Stromatopora poly- 
njfpkay  Favosites  cervicomis  etc. 

Fig.  1.  Nicht  perforirte  Klappe  eiaes  ausgewachseneo 
t^p:^ifer.  Fig.  2.  Perforirte  Klappe  eines  j äugen  Individoams. 
Fig.  3.  Pankte,  vergrossert. 

Terebratula  Pasiniana  n.  sp. 
Taf.  V ,  Fig.  4.  5,  6. 

Lange  48  Mm.,  Breite  38,  Dicke  30  ^  100 :  79  :  62. 

Eiförmig,  länglich  fünfeckig,  stark  convex,  die  Schloss- 
ccd Raodkanten  bilden  einen  regelmässigen,  ovalen  Bogen; 
iiie  Scblosskanteo  sind  die  längsten ,  bilden  einen  Winkel  von 
b^iliafig  80^ ;  Stirnkante  fast  gerade  und  kurz.  Die  perforirte 
Klappe  wird  im  oberen  Theile  sehr  schmal ;  die  grösste  Breite 
iM  Qnterhalb  der  Mitte ;  der  kräftige,  stark  gebogene  Schnabel 
Ut  ein  grosses  rundes  Loch;  das  Deltidiam  verdeckt;  von 
cer  Mitte  des  unteren  Theiles  zieht  sich  eine  wenig  entwickelte 
^alst  fon  zwei  etwas  vertieften  Sinus  umgeben.  Die  nicht 
Perforirte  Klappe  ist  wie  eine  Art  von  Deckel  der  perforirten ; 
iQ  der  Mitte  erhebt  sie  sich  am  meisten  und  fällt  auf  den  Sei- 
i«a  sanft  herab;  von  der  Milte  zieht  sich  gegen  die  Stirn  ein 
ziemlich  breiter,  nicht  sehr  vertiefter  Sinus  herab  zwischen 
27ei  deaüichen  Rippen.  Wo  die  Epidermis  von  den  fast  glatten 
Schalen  entfernt  wird,  da  kommen  sehr  feine,  quincuncial 
'anheilte  Punkte  zum  Vorschein. 

Bemerkongeo.  Diese  Art  zeigt  viele  Aehnlichkeit  mit 
^(r.  bisufardnata  Zibtbn,  ist  aber  kurzer  und  bedeutender  con- 
'«•  Ter,  tubcanalieulata  Oppbl,  Deslonochamps  ,  Notes  sur 
'e  terrain  Callovien,  Bull.  soc.  Linn.  Norm.,  Bd.  4,  S.  29, 
^' i  f*  11,  ist  ebenfalls  etwas  länger,  die  Mitte  der  nicht  per- 
^  nrten  Klappe  bedeutend  ausgebreitet  und  hat  in  dem  unteren 
^iieiie  scharfe  Kanten,  was  hei  T.  Pasiniana  nicht  der  Fall  ist. 

Vorkommen:  Selten  im  Nerineenkalke  von  Inwald. 

Pig.  4.  Ansicht  der  perforirten  Klappe.  Fig.  5.  Ansicht 
^  nicht  perforirten  Klappe.    Fig.  6.    Seitenansicht. 


Pholadomya  Bietkideniis  ZsOSOh. 
Tif.  V..  Flg.  7,  9,  9. 

Die  Steiokerne  sind  verkehrt  l&nglicb  viereckig,  aiemlich . 
bauchig ;  die  vordere ,  etwas  hervo^eschobeoe  Seite  ist  hera- 
förmig,  die  hialere  hebt  aich  stark  in  die  Höbe,  ist  sehr  sn- 
sammeagedriickt  und  wird  fast  scharf;  biateii  und  vorn  etwas 
klaffend;  der  untere  Theil  wird  scharf  uud  gerade,  fast  parallel 
dem  oberen.  Die  vornliegendeu ,  kräftigen  Wirbel  sind  umge- 
bogen, sehr  genähert,  berühren  sieb  aber  uicht;  keine  Lunala; 
«ine  ausgeieicbnet  deutliche  Area  ist  länglich ,  lanzettförmig, 
mit  scharfen  Kaotea  umgeben,  reicht  aber  nicht  bis  cum  hin- 
teren Ende.  Der  vordere  Theil  ist  sehr  aufgebläht,  der  hin- 
tere sehr  lusatn mengedrückt  Die  Si-balen  bedecken  12  sUab- 
leufÖrroige,  lineare  Rippen,  die  vorderen  sind  elwns  deutlicher 
als  die  hinteren ;  den  hinteren  Theil  bedecken  deutliche  COif 
centrische  Runielu,  vorn  sind  aber  deren  kanm  bemerkbar; 
beim  Kreuzen  der  Runieln  mit  den  Rippen  entstehen  feine 
Knötchen. 

Bemerkungen.  Die  PA.  Bietkideniis  bat  viele  Aebn- 
licbkeit  mit  einer  nicht  beschriebeaen  Species  aas  dem  brau- 
nen Sandstein  des  Braunen  Jura  von  Zajaciki  bei  Knepice; 
beide  Arten  sind  länglich;  nur  ist  die  /%  Bieskidensi»  weniger 
bauchig  und  bat  eine  kuriere  Area.  PA.  concatenata  Ao.  ist 
viel  kärser,   stäiker  aufgebläht  und   zeigt  nicht  eine  länglich 


267 

Jongeres  Individaum:  Länge  28  Mm.,  Dicke  12,5  Mm. 
=  100:44. 

LÄDgiicb  eiförmig,  sehr  dickschalig;  das  vorstehende 
Gtvinde  kSraer  als  die  leUte  Windang ,  von  55^  —  56^ ;  die 
kUte  WioduDg  ist  flach  convex,  cylinderförmig,  glatt;  die  Sa* 
tarksDte  bedecken  10  kraftige ,  runde  Knötchen ;  bei  Jangeren 
bdindoeo  liehen  sich  die  Knötchen  auf  die  Windong  herab 
Bod  bilden  den  Anfang  von  undeutJichen  Rippen.  Die  Mund- 
üfnang  «chmal,  endet  mit  einem  nmgebogenenen  Canal.  Aaf 
^r  Spindel  sind  2  Falten ,  auf  der  Mondlippe  nur  eine  sehr 
breite. 

Bemerkungen.  Diese  Art  ist  sehr  ähnlich  der  Chem' 
vöa  wfiata  n^ORBiotiT,  Paleontologie  fran^ise  ,  Terrains  crö- 
t^i  B.  2,  8.  71,  t.  156,  f.  2,  welche  aber  ein  längeres,  trep- 
peotrtiges  Gewinde  und  eine  viel  breitere  Mundoffnung  hat. 
Tonama  comca  Goldfübs,  8.  48,  t.  156,  f.  2,  hat  keine 
^ötcbea  auf  dem  oberen  Theile  des  Gewindes  und  auf  der 
Spiodel  3  Palten,  keine  auf  der  Mundoffnung. 

Vorkommen:  Selten  im  Nerineenkalke  von  Inwald. 

Fig.  1.  8eitenansicht  eines  ausgewachsenen  Individuums. 
^ig*  2.  Durchschnitt  desselben.  Fig.  3.  Ansicht  eines  jän- 
gereo  Individuums.     Fig.  4.    Desselben  Mundöffnung. 

Am,  Staszyi   n.  sp. 
Taf .  VI.,  Fig.  l  —  6. 

12  12 

DoTchmesser                          50  Hm.     51  ==  100 :  100, 

Höhe  der  letzten  Windung   26  Mm.     Sl  =^  52:    63, 

Breite                                        19  Mm.     20  =  8 :      7, 

Nabel                                         8  Mm.       7  =  16:    17. 

l^e  im  reihen  Ellippenkalke  von  Rogoznik  sehr  häufige 
An  iBt  Bcheibeaformig ,  comprimirt,  sehr  involut,  mit  einem 
^'tioeo,  liemlich  vertieften  Nabel;  mit  abgerundetem  Rucken. 
^"^  flacbgewolbten  oder  fast  flachen  Umgänge  sind  auf  den 
SmeQ  gans  glatt ,  auf  der  Nabel  kante  und  dem  Racken  mit 
semlich  entfernten  Linien  bedeckt.  Die  Umgänge,  von  deneü 
Ner  drei  ViertheilB  des  früheren  dmfasst,  haben  abgerundete 
^^^eikanten,  die  senkrecht  gegen  den  Nabel  abfallen,  seltener 
^«M  geneigt  sind.   Die  Mundoffnung  hoch,  znsammengedracfct, 


igeschDÜten,  wird  io  iwei  sl 
r  übere  Seitenlobns  isi  otni 
^ewacbseuen  IndiTidueD  bem 
der  obere  Theil  in  tieam 
aal ,  aus  dem  3  oder  5  laJ 
iD&ndergelieti.     In    der  Jugfl 


268 

iberen  Hälft«  am  breitesten ;  unten  tief  eingeicbnit 
»ölbt.  An  einem  Exemplare  ist  auf  dem  Rücken 
üel  vorgekoromeo,  der  gewöbnllcfa  nicbt  wahren 
rd ,   jedoch    auf   den    Steinkernen    angedeutet  lu  I 

Die  Eammerwäude  sind  aebr  an  «inander  gedil 
k  lertbeilt.  Der  Rückenlobos  ist  eebr  hoch  uod  schi 
lieb  wie  5:1;  der  mittlere  kleine  Sattel,  durch  dei 
ib  der  Sipho  liefal,  ist  tiemlich  bock  und  tcbräg 
:eii.  Der  Rückensattel  ist  etwas  kürzer  als  der  o 
ttcl,  in  derUitte  tief  eingeBchnilten,  wird  iniweisl 
itete  Aeste  getheilt.  Der  ubere  Seitenlobns  isi  « 
ten  entwickelt;  bei  ausgew: 
icb  aus  iwei  Tbeilea; 
ir  notere  auffallend  scbm 

Aeste  ■  facberartig  ausein&ndergeliei 
eee  untere  Verscbmälerung  nicht  al«tt,  die  Breite  i 
uod  unteren  Tbeilea  des  Lobus  ist  aiemlicb  gleit 
re  Seiienaaltel  ist  am  bedeutendsten  entwickelet  et«. 
ad  viel  entwickelter  als  der  Rückensattel;  er  ist 
e  lief  eingeschnitten  und  zerfallt  in  swei  sehr  grü» 
Der  untere  Seitenlobus  ist  fast  um  die  Hälfte  niedri|( 
mäler  als  der  obere  Seitenlobus;  ebenso  verhalt  9)' 
re  Seitcnsattel.  Zwei  Nebenloben  und  Nebenaällel  l 
icb  an  der  Nabelkante. 

merkuogen.  Am.  SlatZj/ii  hat  den  allgemeinen  H 
)  Am.  Beudanti  Bronqmart,  Environs  de  Paris,  S-  £ 
2.     Auf  den    glalten    Seiten    finden     sich    sicbeUrtii 

entfernte  Rippen;  der  Rückeu  ist  achmsler,  die  Lub 
.el  sind  bei  Weitem  weniger  tief  eingeschnitten,  l 
BS  Am.  Beudanti  aus  Escrngnolles,  das  ich  von  Sj 
lalten,  hat  fast  ähnliche  LoUentertbsilung,  nur  befin<! 
Iirere  Mebensittel  auf  den  Seiten ;  die  Scbeidewäi 
infaUs  sehr  genähert,  wie  bei  Am.  Süuiyii;  aber  < 
tie  Habitus  ist  ganz  verschieden.  Am.  Beudanti 
mprimirt,  die  Umgänge  sind  höher ,  der  Rückeu 
mal;  bei  Am.  Staszyii  sind  die  Umgänge  flacb  gewÖ 
Rücken  ist  ziemlich  breit. 

kommen;  Sehr  häufig  im  rolhen  Klippenkalke  in  1 
ind  Babiecsowskie  Skaiki  mit  Tenbratula  d^hj/a, 
9outi,  Am.  bipUx,  diphj/üiu. 


269 

Fig.  1.  Seitenansicht  eines  Steinkerns  mit  Lobenceich- 
Ticng.  Fig.  2.  Ruckenansicfat  desselben  Indiyidaams.  Fig.  3. 
Rockenansicht  eines  sehr  grossen  Individunms  mit  Lobenzeich- 
DQQg.  Fig.  4.  Seitenansicht  eines  Individaoms  mit  znm  Theil 
«rbaltcoer  Schale  am  Nabel.  Fig.  5.  Rackenansicht  mit  er- 
yteaer  Schale.    Fig.  6.    Rücken  eines  Individuums  mit  Kiel. 

Am,  retro/lexus  n.  sp. 
Taf.  VL,  Fig.  7-9. 

Das  kreiselformige,  ziemlich  comprimirte  Gehanse  hat  einen 
:t:Ltiichen,  ziemlich  vertieften  Nabel  und  abgerundeten  Rücken. 
die  (3  —  4)  flachgewolbten  Umgänge  umfassen  sich  kaum  in 
<i*^r  Hälfte,  sind  glatt  und  gehen  unmerklich  in  den  gewölbten 
Rüeken  ober,  den  kräftige  kurze  Rippen  bedecken,  die  an  der 
Wölbung  anfangen  und  in  der  Mitte  einen  Bogen  bilden,  der 
ijich  binteo  zurückgeschlagen  ist.  Die  Mundoffnung  rundlich 
ul.  mit  wenig  vertiefter  Bauchseite,  oben  rund.  Deutliche 
LubeDeiosebnitte  sind  wenig  zertheilt  und  stehen  ziemlich  ent- 
'^nt  T^n  einander.  Der  Rückenlobus  zweimal  so  hoch  wie 
jreit.  Der  Rückensattel  ist  der  bedeutendste,  der  höchste  und 
reiteste,  etwas  im  oberen  Theile  seitlich  eingeschnitten.  Der 
obere  Seitenlobus  bat  fast  die  Länge  des  Rückenlobus,  ist  bei- 
nahe zweimal  so  breit.  Der  obere  Seitensattel  ist  um  die 
Hälfte  niedriger  und  schmäler  als  der  Rückensattel.  Der  un- 
sere Seitenlobus  sehr  klein,  um  die  Hälfte  kürzer  und  schmäler 
iis  der  obere.  Der  untere  Seitensattel  sehr  klein ;  die  Neben- 
''  ben  liegen  auf  der  Neigung  zum  Nabel. 

Darcbmesser  21  Mm.,  Höhe  der  letzten  Windung  9  Mm., 
Breite  8  Mm.,  Durchmesser  des  Nabels  6  Mm.  Verhältniss 
W :  43  :  38  :  29. 

Vorkommen:  Ziemlich  selten  im  Elippenkalke ,  in  den 
Hegeln,  Babieczowskie  Skalki  genannt,  bei  Rogoznik. 

Fig.  7.  Seitenansicht  mit  den  Loben.  Fig.  8.  Rücken- 
Au^lcht  mit  den  zurückgeschlagenen  Rippen.  Fig.  9.  Mund- 
•iffaimg. 

Terebratula  triangulus  Lamahk. 
Taf.  Vn.,  Fig.  5,  6,  7. 

Im  rothen  Klippenkalke  von  Rogoznik  und  der  Umgebung, 
*>elcber  reich  an  Terebratula  diphya  und  nah  verwandten  Arten 


270 

ist,  iet  T.  Iriangulta  nicht  vorgekommen.  Vor  einigen  Jahren 
fand  ich  fast  am  eüdlicben  Abhänge  der  Tatra  im  Dorfe  Ei- 
jow  iu  der  Zips  diese  Species  mit  gewissen  EigenthSmlicbkei- 
ten,  die  ich  näher  beschreiben  werde.  Der  allgemeine  Um- 
risB  entspricht  ganz  der  bekannten  T,  triangutut,  nur  hat  die 
nicht  perforirte  Klappe  den  langen  Sinus  nicht,  der  sich  vnm 
Wirbel  zur  Stirn  zieht.  Dieser  Charakter  scheint  jedoch  nicht 
wesentlich  zu  sein;  eine  Reihe  von  Exemplaren  dieser  Art 
von  Äla  Laste  bei  Trient,  die  vor  mir  liegen,  zeigen  diesen 
Charakter  nicht  coastant ;  der  Sinus  ist  bei  einigen  nur  In  der 
Stirngegend  oder  theilweiso  entwickelt.  An  unserem  Vorkom- 
men bilden  die  beiden  Schalen  deutliche  Scblosskanten.  In 
dem  Vorkommen  der  T.  triongului  von  Trient  und  in  den  nah- 
verwandten  Species,  wie  T.  euganensis  PiCTBT,  M6langes  pa- 
leonlologiques,  t.  34,  f.  5  —  10,  T.  erftwiMs  PiCTET,  I.e.,  U  33, 
f.  8,  verbinden  sich  die  beiden  Schalen  in  einer  vertieften 
Rinne;  es  ist  keine  Kante  vorhanden.  Es  scheint  auch  dies 
kein  wesentlicher  Charakter  zu  sein. 

Naturgemäss  bat  L.  v.  Buch  T.  triangulus  bei  7.  dxphya 
aufgeführt;  einen  interessanten  Beweis  dafür  zeigt  das  Indi- 
viduum von  Kijow.  Die  perforirte  Klappe  ist  nicht  vollkom- 
men glatt,  wie  bei  der  gewöhnlichen  T,  triangultu,  sondern  auf 
der  oberen  Hälfte  zeigt  eicb  der  Anfang  eines  Loches,  von 
dem  sich  ein  schmaler  Sinus  zur  Stirn  herabzieht.  Dies  Loch 
hat  das    Ansehen ,    wie  bei  T.  dilatata   Pictbt  ,   Uk\.    pal^ont. 


271 


5.   Me  LiasMiMe  ym  Nark^ldeHdeif  bei  Eubeck. 

Von  Herrn  Ben  K.  Emerson  aas  Nashua,  N.  Hampsh.  U.  S. 

Hienn  Tafel  VIII,  IX,  Z. 

Schoo  seit  längerer  Zeit  sind  „die  Eisensteine  am  Stein- 
Wrge  bei  Markoldendorf  als  reicher  Fandort  fiir  Petrefacten 
ä95  dem  mittleren   Lias  bekannt  gewesen. 

Hausmaus*)  beschrieb  die  „Mergeleisensteine''  zuerst  and 
rechnete  sie  als  eine  „aasgezeichnete  untergeordnete  Masse*' 
^eiaer  Formation  des  honten  Mergels  za,  „Sie  kommen  im 
oberen  Theile  der  Formation  und  anter  solchen  Verhältnissen 
vor,  dass  es  zweifelhaft  erscheinen  konnte,  ob  man  sie  dem 
luDicD  Mergel  oder  vielleicht  passender  dem  Gryphitenkalk  za- 
23£ähleo  habe.*'  (S.  309.)  ,,Aasser  der  Haupteisensteinmasse 
am  Steinberge  kommen  ähnliche,  kleinere  bei  Ameisen  und  bei 
Hullersen  vor.*'  (S.  298.)  Seine  Beschreibung  des  Steinbergs 
ist  in  petrographischcr  Hinsicht  sehr  genau«  Die  ganze  Mäch- 
tigkeit des  Eisensteins  mag  etwa  5 — 6  Lachter  betragen.  Die 
•'bere  Masse  ist  besonders  körnig  (Schichten  des  Am.  centaurus). 
Im  looeren  ist  ihre  vom  beigemengten,  erdigen  Eisenblaa  her- 
rührende Farbe  ein  schmutziges  Blaugrau.  **)  In  der  untersten 
Lage  bildet  der  Eisenstein  Massen  mit  schaliger  Absonderung. 
S.  298.)  (Schichten  der  Ter.  gubovoides.  Robh.)  Folgende 
Versteioerangen  sind  daraus  genannt,  die  sich  aber  meistens 
nicht  mehr  mit  Sicherheit  deuten  lassen:  Büemnites  paxiUosus, 
Ammonites  angiUatuSy  capricamus,  bipunctatus,  Terebratulites  la- 
■^notus,  IncanaliculatuSi  vulgariSy  Grypkitss  arcuatus,  Lam.,  Stiel- 
iiöcke  von  Pentacrinus. 


*)  Uebersicht  der  jüngeren  Flötsgebirge  im  Flassgebiete  der  Weser. 
GüUingeD.  18-24.  Dasselbe  in  Sind.  Berg.  Freunde,  Band  1.  2.  t8'28. 
Irh  citire  von  Band  2.  der  Studien. 

**)  Später  wies  er  einen  Oehalt  von  \  pCt.  Chromoxjd  in  dem  Eisen- 
(teios  nach  nnd  leitete  die  Farbe  von  diesem  ab.  Stnd.  Berg.  Freunde, 
^od  4.    1841. 

18* 


272 

In  dem  Jahrgänge  1828  der  von  Kbebbstbih  beransgege- 
benen  Zeitschrift  «Teutschland'^  (S.  582.)  findet  sich  ein  Aufsatz 
von  Fr.  Hoffmaniv,  worin  dieser  die  HAUSMANii'schen  Angaben 
einer  scharfen  Kritik  unterwirft  und  bei  dieser  Gelegenheit  die 
Eisensteine  bei  Markoldendorf  sum  Lias  rechnet,  eine  Ansicht, 
die  für  andere  Liasbildungen  Norddeutschlands  schon  früher  von 
SoHOBLBR*)  und  Kbfsrstein  **)  ausgesprochen  wurde.  Hier 
sowie  auch  in  seiner  zwei  Jahre  später  erschienenen  «Uebersicht 
der  orographischen  und  geognostischen  Verhältnisse  vom  nord- 
westlichen Deutschland  ist  die  Verwechselung  der  Eisensteine 
des  unteren  und  mittleren  Lias  noch  nicht  beseitigt. 

Mit  dem  Erscheinen  von  A.  Robmbr^s  „Versteinerungen  des 
Norddeutschen  Oolitengebirgos^  (Han.  1836.)  wurde  der  Belem- 
nitenlias  von  Markoldendorf  nunmehr  von  Bedeutung  for  die 
Paläontologie.  Unter  etwa  75  aas  dem  mittleren  Lias  be- 
schriebenen Species  citirt  Robmbr  deren  23  aus  dieser  Gegend. 
Aus  dem  unteren  Lias  fuhrt  er  nur  Ämmonitea  angtäatus  an. 

Auf  der  geognostischen  Karte  von  Herm.  Robhbr  ist  die 
ganze  Mulde  als  Lias  angegeben.  Die  Grenzen  sind  indessen 
viel  zu  weit  nach  Westen  und  Nordosten  gezogen.  In  den 
dazu  gegebenen  Erläuterungen  ***)  wurde  eine  Anzahl  neuer  Auf- 
Schlusspunkte  angeführt,  doch  sind  die  verschiedenen  Lias- 
schichten  im  Text  wie  auch  auf  der  Karte  nicht  specieller 
unterschieden. 

Es  dürften  hier  noch  drei  Aufsätze  Erwähnung  finden,  in 
welchen  Liasablagernngen  boschrieben  sind,  die  in  naher  Be- 
ziehung zu  der  Markoldendorfer  Mulde  stehen,  obgleich  letztere 
keine  besondere  Berücksichtigung  darin  findet.  Es  sind:  1) 
eine  „Monographie  der  jurassischen  Weserkette^f)  von  Ferd. 
RoEMBR,  dem  es  gelang,  viele  der  von  schwäbischen  Autorea 
festgestellten  Horizonte  in  seinem  Gebiet  analog  nachzuweisen. 
2)  Die  Liasschichten  der  Thalmulde  von  Falkenhagen  im  Lip- 
peschen von  WAGBNERff).  Das  Gebiet,  weiches  diese  Arbeit 
behandelt,  zeichnet   sich  durch    die   leichte   Unterscheidbarkeit 


*)  Teutschland.     18<24.   8.  164.  ff. 
*«)  Teutschland.     1824.    S.  319.  ff. 
•**)  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.     1851.  Bd.  III. 
t)  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Qen.  1857.    Bd.  IX. 
+1)  Verh.  der  natarhtst.  Vereins  d.  prenss.Rhefnlanden  Wesiphaleni. 
Jahrgang  17.      IbbO.    S.  154.  ff. 


273 

TJeler  palaontologischer  ^Horizonte^,  besonders  im  anteren  Lias, 
die  bis  jetzt  in  keiner  anderen  Gegend  Norddeutschlands  nach- 
gewiesen waren,  in  sehr  eigentbamlicher  Weise  aus.  3}  Die 
Stratigrapbie  und  Paläontographie  des  südöstlichen  Theiles  der 
HilsmDlde*)  von  D.  Brauns.  In  diesem  Terrain  sind  die 
Schichten  des  Am.  angulatii$  und  die  Arietenschichten  sehr 
schon  entwickelt  und  haben  einige  Fossilien  geliefert  wie  Naw 
>üu  itriatui  8ow.,  Pleurotomaria  anglica  Sow.  sp.  ans  den 
Schichten  des  Am,  angulatu$.  —  Ammonitez  Sauzeanus  d'Orb. 
lind  ttriaries  QuBBST.  ans  den  Arietenschichten ,  die  ich  in  der 
TOD  mir  nntersnchten  Gegend  vergeblich  gesucht  habe.  Indessen 
eiod  die  öbrigeo  Schichten  des  unteren  Lias,  wie  auch  die 
Nomismalis-Mergel  fast  allein  durch  ihre  Lagerungs Verhältnisse 
nachzuweisen,  da  ausser  Am.  planieosta  Sow.  und  Am.  fim- 
^na/M  Sow.  keine  Versteinerungen  aus  ihnen  citirt  sind. 

In  der  neueren  Zeit  sind  es  zwei,  fast  gleichzeitig  erschie- 
oeoe  Werke,  in  denen  die  Liasschichten  bei  Markoldendorf 
iQBfnbrlicher  besprochen  sind:  „Ueber  den  Eisenstein  des 
mittleren  Lias  im  nordwestlichen  Deutschland,  mit  Berücksich- 
tigung der  älteren  und  jüngeren  Liasschichten^  von  ü.  Schlon- 
BACH  in  der  Zeit.  d.  d.  geol.  Ges.  Band  XV.  1863.  (aber  erst 
etwa  ein  Jahr  später  erschienen)  und  ^Der  Hannoversche  Jura 
T'D  K.  V.  Sbebaoh*  (Berlin.  1864.) 

In  nachstehender  Tabelle  sind  die  Angaben  dieser  Werke, 
soweit  sie  unsere  Gegend  betreffen,  zusammengestellt  und  mit 
eioioder  verglichen. 


*)  Pftl&ontographica.    1865.    Bd.  XIIL  p.  75-147. 


275 

Da  diese  Angaben,  wie  man  sieht,  noch  sieinlich  weit 
aoseinandergehen,  da  aoch  fSr  die  Erforschung  der  oberen 
HilAe  des  unteren  Lias  —  die  ,|Oboren  versteinerungsleeren 
Ihooe"  VOH  STBomKCK's  —  nnr  wenig  geschehen  ist,  unter- 
cabm  ich  es,  angeregt  von  Herrn  Prof.  v.  Sebbach,  dem  es 
mir  erlaubt  sein  möge,  auch  an  dieser  Stelle  für  die  mir  ge- 
vibrte  Unterstntsang  meinen  verbindlichsten  Dank  auszu- 
iprechen,  die  betreffende  Gegend  einer  erneuten  eingehenden 
Pröfoog  in  unterwerfen  und  dabe:  die  verticale  und  horizontale 
Entwickelnng  der  vorhandenen  Schichten  möglichst  genau  fest- 
mtellen. 

Bei  der  Aufnahme  der  beigegebenen  kleinen  Uebersichts- 
^,  deren  Grundlage  die  PAPBR^sche  Generalstabskarte 
Maassstab  1 :  100000)  bildet,  habe  ich  ea  vorgezogen,  von  jün- 
geren Bildungen,*)  die  hier  in  ansehnlicher  Mächtigkeit  ent- 
wickelt siod,  ganz  abzusehen  und  ein  möglichst  treues  Bild 
Too  den  Liasschichten  für  sich  zu  geben.  Dieses  war  indessen 
>QÜ  grossen  Schwierigkeiten  verbunden,  und  an  mehreren  Stellen 
boote  ich  die  Grenzen  der  einzelnen  Etagen  nur  annähernd 
ermitteln,  einerseits,  weil  die  Aufschlüsse  zu  schlecht  waren, 
aodererseits,  weil  ein  in  petrographischer  Hinsicht  unmerklicher 
lebergang  manchmal  zwischen  Zonen  stattfindet,  die  paläonto- 
•  gisch  got  begründet  sind.  Ich  habe  deshalb  bei  der  Be- 
scbreibong  der  einzelnen  Etagen  alle  wichtigen  Aufschi usspunkte 
vie  aoch  die  »Punkte,  wo  die  Grenzbestimmung  zweifelhaft  ist, 
(>i;MDders  hervorgehoben. 

Es  durfte  hier  an  der  Stelle  sein,  eine  Reihe  von  Anf- 
schlasspnnkten  in  der  Trias,  die  für  die  Abgrenzung  des  Lias 
gegen  unten  von  Wichtigkeit  sind,  etwas  näher  zu  besprechen. 

Bei  Deitersen,  an  dem  von  Herrn  v.  Sbbbaoh  (Han. 
«^»ra,  S.  14.)    angeführten  und    von-  Herrn   Pflookbr  t  Rico 


*)  Diese  Jangbildnngen  bestehen  ans:  1}  einer  1  Meter  mächtigen 
bliebt  von  Buntaandsteinschotter,  der  sich  im  östlichen  Theile  der 
Mnlde  aoskeilt;  in  dieser  habe  ich  sehr  schOne  Bzemplare  von  GertiUia 
l(«rcU«mi  OiiN.  gefunden.  Darauf  '2)  eine  1— ö  Meter  mächtige  Löss- 
Khicht,  die  sfidlich  Ton  Einbeck  Sttsswasser-Conchylien ,  verkohltes  Holz 
'3d  Knochen  fahrt,  weiter  nach  Westen  gans  yersteinernngsleer  wird. 
^>«  bedteken  die  alteren  Schichten  aberall  südlich  von  der  Ilme,  eind 
^^T  TOD  Bachen  and  Fahrwegen  mehrfach  dnrchschnitten. 


1 

i 

276 

neuerdiags  ausfübrlicher  be schri ebenen *)  Profil,  ist  die  Grea» 
swischen  Rhäl  und  Lias  gut  auTgeacbloaseu,  was  bei  keiaem 
andern  Aufschlüsse  in  der  ganzen  Mulde  der  Fall  isu  Hier 
beobachtet  man  als  lokale  Erscheinung  einen  in  petrographi- 
Bcber  Hinsicht  unmerklichen  Uebergang  des  Rhäts  zum  Liaa. 
In  dem  Bonebed  an  dieser  Lokalität  sind  nenlicb  sehr  schön 
erhaltene  Stacheln  von  äybodus  cloacinu»  (Qdbkbt.  Jura,  t.  2- 
f.  14.)  vorgekommen.  •■) 

Von  hier  ans  nach  Norden  findet  man  den  Keuper  aufge- 
schlossen bis  in  die  Nähe  der  auf  der  Karte  angedeuteten 
Terwerfungslinie,  deren  näherer  Besctireibung  eine  Feststel- 
lung der  einzelnen  Elagen   im  unteren  Lias  vorangehen    muss. 

Auch  am  Bacbufer  nördlich  von  Deitersen  und  bis  in  die 
Nähe  von  Lüthiirst  ist  Keuper  mehrfach  aufgeschlossen,  was 
auf  das  Bestimmteste  beweist,  dase  die  Liaspartie  bei  dem 
letzten  Dorfe  unmöglich  im  Zusammenhange  mit  der  Haupt- 
partie bei  Markoldendorf  stehen  luinn,  wie  es  auf  der  Rokhbk'- 
Bcben  Karte  angegeben  ist. 

Auch  bei  Ameisen  tritt  das  Rhat  am  linken  Bachufer  an- 
millelbar  unter  deu  Fsilonotenscbicbteii  auf  und  übertrifft,  ob- 
gleich es  für  eine  Bestimmung  der  Schichlenfolge  weniger 
günstig  aufgeschlossen  ist,  dennoch  in  Betreff  der  Häufigkeit 
und  des  ErbaltUngszustanties  der  Versteinerungen  bei  Weitem  die 
besser  bekannte  Lokalität  bei  Deitersen.  Cardium  cloaci- 
num  Querst.,  Protocardia  Ewaldi  BoitM.    sp-,    Cardinia   Göttin- 


277 

ttfsa  Dod  MjBcites  sp.  indet.  bedeckt  sind.  Diese  letzteren 
Platten  stimmen  mit  anderen  Stocken  aas  der  unmittelbaren 
Umgebung  Ton  Weimar,  welche  im  hiesigen  geologischen 
Maseam  niedergelegt  sind,  so  vollkommen  fiberein,  dass  man 
die  Haodstücke  von  beiden  Lokalitäten  kaum  zu  unterscheiden 
vermag. 

Westlich  ?on  der  „Walkmahle  bei  Binbeck^  (wo  der  Müh- 
>tigraben  eine  Biegung  nach  Süden  macht)  steht  ein  eisen- 
schüssiger, raaber  Sandstein  in  ansehnlicher  Mächtigkeit  an 
Qlt  Streichen  N.  37  °  W.  and  Fallen  20  °  nach  Südwesten. 
Derselbe  fahrt  unbestimmbare  Pflanzenabdrucke  und  gebort 
iftbrscbeinlich  der  Lettenkohle  an. 

Von  einem  Punkte  an  der  Chaussee  sudlich  von  dem 
^Reinsertborme^  bis  in  der  Nähe  von  Immensen  ist  Eenper 
süfgescblosseu  mit  Streichen  N.  20^  W.  und  Fallen  20"*  nach 
Südwesten.  Hier  fehlt  das  Rhät  gänzlich,  und  die  Am,  angiUatus- 
Schiebten  liegen  gleich  auf  den  unteren  Mergeln  des  Eeupers. 

Die  drei  eben  angefahrten  Aufscblusspunkte  liegen  in  einer 
Lioie  und  haben  im  Allgemeinen  dasselbe  Streichen  (N.  20 — 
3»)' W.)  and  Fallen  (10—20°  nach  Sudwesten).  Man  kann 
d&ber  annehmen,  dass  die  Liasschichten  sich  nicht  weiter  nach 
Nordosten  erstrecken,  und  falls  die  Stadt  Einbeck  —  wie  es 
anf  der  RoBMER^schen  Karte  angegeben  ist  —  auf  Lias  steht, 
^^ä  mir  sehr  zweifelhaft  scheint),  muss  sich  hier  eine  dritte 
Liaspartie  befinden. 

Aef  der  Südseite  der  Mulde  ist  Keuper  bei  Dassensen, 
Wellersen  und  Hoppensen  mächtig  aufgeschlossen.  Das  Rhät 
vir  aoch  hier  nirgends  nachzuweisen. 

Wenn  oAin  so  die  Liasschichten  bei  Deitersen  und  Amel- 
S4Q  von  den  Keupermergeln  durch  die  mächtigen  Schichten 
^e«  Rbäts  getrennt  gefunden  hat,  fallen  die  Verhältnisse  auf 
der  Säd-  und  Ostseite  der  Mulde,  wo  das  Rhät  zu  fehlen 
(<^heint,  sehr  auf.  Denn  bei  Wellersen  geht  man  mit  wenigen 
>€britten  aus  den  Schichten  des  Am.  angulatus  in  dieKeuper- 
mergel;  bei  Odagsen  aber  habe  ich  2 — 3  M.  über  dem  Keu- 
P^r  A.  planicogta  Sow.  gefunden.  Die  Zwischenschichten 
^'Od  indessen  schlecht  aufgeschlossen,  und  ich  habe  daraus  nur 
^  angulatus  erhalten. 

Nachstehende  Tabelle  enthält  die  in  den  folgenden  Seiten 
^i^gefohrten  Unterabtheilungen  im  Lias  dieser  Gegend,  und  um 


den  Werlh  derselben  anscfaiiDlich  tu  machen,  aind  sie  mit  den 
von  T.  Skbbaob  und  SchlOHBACH  angenommenen  Etagen  pa- 
rallalisirt. 


Marlcoldend  orfer 
Mulde. 


Zone   des  Am.  tpi- 
natut. 

Schichten  des  Am. 
tpinatu*.    Lüthorst. 

Obere  Zone  des   A. 
margaritatH». 

Fehlt. 

Schichten  des  Am. 

Obere  Zone    des  A. 
ßmbrialus    oder   un- 
tere des  A.  margari- 
tatuB. 

Fehlt. 

Untere  Zone  des  ^.  |  Schichten  des  Am. 
ßmbriatm.                    '  eantaurus. 

Schichten   des  Am. 
brevitpina. 

Zone  des  A.  Jame- 

Schichten  des  Am. 
brevitpina. 

tom. 

Schiebten  d.  Tere- 
bratula  lubovoidei. 

279 


Unterer  Lias. 


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e» 

ja 

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9«iixi|«j 


QMIoaV 


h  der  gansen  Gegend  nord- 
iich  von  der  Cfaaassee  zwischen 
Markoldendorf  und  dem  Klap- 
pettboriD  sind  die  Schichten  des 
ootereo  Lias,  besonders  in  ihrer 
cbereo  Hälfte,  gnt  aafgeschlos- 
s«o  Qod  von  machtigen  ver- 
steioeruQgsfahrenden  sandigen 
Kaikbioken  durchzogen ,  die 
ciaea  so  in  die  Augen  fallen- 
ieo  fiinflass  aaf  die  Niveanver- 
bütnisge  der  Gegend  ansgefibt 
babeD,  dass  man  sich  überall 
leicht  Orientiren  kann.  £d  durfte 
^r  diese  Gegend  am  geeig- 
ceuten  sein,  den  Ausgangspunkt 
tei  der  Betrachtung  des  unteren 
Lias  der  Mulde  zu  bilden. 

Geht  man  also  aus  dem  Rbät 
vn  Bachnfer  oberhalb  Ameisen 
nach  Soden,  so  trifft  man  zuerst 
Hsitonoten  -  Schichten  ,  darauf 
mächtige  Thone,  von  einer  Sand- 
iteiobank  durchzogen,  die  uu- 
»Wige  Grjphaeen  fahrt  (Schieb- 
'*eo  des  ^m.  angulatu8\  und  an 
^^  Stelle,  wo  der  Bach  in  das 
^orf  hineinflieast ,  schwarze 
Kalke  mit  A.  geometricus  Opp. 

Die  Schichten  sind  am  Bach- 
nfer nicht  weiter  aufgeschlossen ; 
^(vas  weiter  nach  Osten  aber 
'-^efiAdeo  sich  dieselben  sohwar- 
«tt  Kalke  mit  A.  geamelrictts 
>ö  einem  Punkte  am  Wege 
^^ischen  Ameisen  und  Vardeil- 

^1  wo  der  Weg  nach  Markoldendorf  abgeht).    Auf  dem  leta- 
ie&  Wege  nun  zwischen  Ameisen  und  dem  mittleren  Lias  des 


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Steioberga   sind   die  Scbicliten   des   Ä.  planieotta   {t.  Sbbbioh 
Dnd  SchlOmbacu)  schÖD  entwickelt  und  bilden  die  £w ei  Rücken  , 
des  Lohberges.  Folgendes  Profil  ist  an  dieser  Linie  anfgenonimeD. 

Profil  1.    (S.  279.) 


Mittlerer  Lias. 

Scbichten 

d.  Am.  cen- 

tauTwt. 

Seh.  d.  Am. 
breoitpina. 

Jameioni.                                    4-5  Meter. 

Schiebt,  d. 
Terebratula 
mboooidei. 

3.    rersteinerungsleere  Tbone.          1-2  Meter. 
i.    Cbocoladenbrauner  Oolitb.    A.  armatut  Sow. 

Unterer  Lias. 

281 


Am  Amelser  Bache. 


>tb.(ie0  Am. 
l*ihico8ta. 


9'.    Schwarzer  Schieferthon. 


5  Meter. 


Schichten 

dee  Am, 

ctmttricui. 


10*.    Mit  10  (obeo)  abereinstimmend.       1  Meter. 


11'.    Schwarzer  Thon. 


1  Meter. 


12'.    Schwarzer  Kalk.    Qryphaea  arcuata,  Cardi- 
nia  Listen,  Pleuromya  liasina.        0,4  Meter. 


13  ^    Nicht  aafgeechlosfien. 


6—7  Meter. 


vhichten 
des  Am, 


14.  Grane  Thone  mit  einer  festen  Sandstein- 
bank. Ammonites  angtdatus,  Oryphaea  oT' 
cuata,  Ostrea  sublamellosa,        10 — 12  Meter. 


Pslouuten- 
iciiichten. 


Schwarze  bitnminose  Ealkplatten.    A,  Johnstoni^ 
Ostrea  sublamellosa,  Pecten  Trigeri,  Fischuberreste. 

Psilonoten-Schichten. 


Pkliontologische  Einschlüsse: 

F:<chQberre8te  (Gyrolepis- 
scbQppen,  Knochen,  Kopf- 
platten, Coprolithen). 

^monius  Johnstoni  Sow. 

^n^  Kurri  Opp. 

^"'tß  Tfigeri  Opp. 


Pecten  sp.  indet. 
Ostrea  sublamellosa, 
Equesitum  Grümbeli 
Equesitum  sp.  indet. 


Gesteinsbeschaffeu  heit.  Da  das  Profil  1.  (15)  kei- 
>Q  Aofschlass  aber  die  Mächtigkeit  and  die  Lagerangsverhält- 
'^'e  der  betreffenden  Schichten  giebt,  lasse  ich  der  Schilde- 
''ig  dieser  Schichten  ein  Profil  vorangehen,  das  der  schon 
^uüg  erwähnten  Localitat  Deitersen  entnommen  ist  und  die 
'trisetzang  des  von  Herrn  Pflüokbr*)  angeführten  Profils 
■■•icet. 


*)  ZeitKhr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  Bd.  XXI.,  S.  239. 


Angnlateo- 
ecbichUD. 

ft.  Mächtige  eiBenscbwari«  Schieferthonfi.  ^. 
angulatus. 

b.  Dünne  feste  Kieselplatteti.  J.  Johnitoni,  0. 
mblameUosa.                                       0,4  Meter. 

Pailonoten- 

c.  Olimmerhaltige  bitumjaöse  Schiefer.  Hanpt- 
FiBchöberreste.                               0,8  Meter. 

scfaichten. 

d.  Sandiger  Schiefer,  ./.  Johnstoni,  0.  sublamel- 
Iota,  Poeten  sp.  Nach  unten  werden  die 
PoSBilien  immer  kleiner.                     4  Meter. 

e.  EiseaBchw&rze ,  durch  Verwitterung  hell  wer- 
dende Thone.                                     3,5  Meter. 

Rhät. 

f.  Daniele,  blätterige  Sehieferthone.  MotHola 
mimma  Sow.                                      2  Meter. 

Die  Schichtea  Btreichen  N  35°  0  und  fallen  15°  in  Süd- 
osten. 

Es  dürfte  vielleicht  von  Interesse  sein,  eine  Eigentbüm- 
lichbeit  in  dem  Auftreten  der  für  diese  Scbichteu  cbarakte- 
ristischen  Weichthiere,  Am,  Johnstoni  und  0.  tublamelloia,  etwa« 
näher  zu  betrachten.  Gleich  über  der  Schicht  e)  tritt  Ant. 
Johnitoni   ZDin  ersten  Male  auf,  und  zwar  in   Gestalt  winziger. 


283 

oben  werden  die  Petrefacten  in  den  Kieselplatten  seltener,  be- 
hlteo  aber  ihre  Grosse  bei. 

Sehr  bemerkenswerth  ist  nan  die  grosse  Verscbiedenheit 
der  Gesteinsbeschaffenbeit  swischen  den  «wei  erwähnten  Vor- 
kommnissen der  Psilonotenschichten.  Anstatt  weicher  glim- 
aerfiihrender  Tbonschiefer  oder  harter  Kieselplatten  hat  man 
im  Amelter  Bache  feste  bitnminose  Kalkplalten,  die  angeschla- 
gen einen  stinkenden  Geroch  geben.  Conchylien  sind  darin 
»dien,  hingegen  erreichen  die  Ueberreste  von  Fischen  eine 
»olcbe  Hiofigkeit,  dass  man  die  Bildung  mit  vollem  Rechte 
eis  Bonebed  nennen  könnte,  und  in  der  That  stimmen  die 
Orrolepisschuppen  nnd  die  mit  runden  Hockern  bedeckten 
Kopfplatten  genau  mit  den  gleichen  Vorkommnissen  des  Rhäts 
ßberein.  Da  diese  Zone  in  nur  geringer  horizontaler  Verbrei- 
(aog  auftritt  nnd  ausserdem  nur  an  diesen  zwei  Localitäten 
wchiaweisen  ist,  habe  ich  sie  auf  der  Karte  nicht  berück- 
sichtigt. 

Angnlatenschichten. 
Da  die  einförmigen  S  chieferthone  der  Angulatenschichten 
la  der  ganzen  Gegend  sehr  arm  an  Versteinerungen  sind, 
^  hiiesse  ich  zur  Ergänzung  ein  Profil  an ,  welches  ich  in  den 
1^:83 schichten  des  Götzeoberges  bei  Gottingen  aufgenommen 
^»K  die  mit  denen  bei  Markoldendorf  in  sehr  naher  Beziehung 
steteo.  Die  an  diesem  Punkte  allein  aufgefundenen  Arten 
Jiöd  mit  einem  Sternchen  bezeichnet. 
^aliontologische  Einschlüsse: 

Imotiites  angulatuB  Sohloth.        P$cten  Hehli  d'Orb. 
^nirrnya  Uasica  ScHOB.  sp.         Pecten  disparüU  Qubnst. 

/Womya  galathea  Agass.  Modiola  nitidula  Dünk. 

noladomya  glabra  Agass.  Grypkaea  arcuata  Lam. 

Cordima  LUteri  Sow.  sp.  Ostrea  sublamellosa  Du»K. 

,  «'rf«ttm  «p.  ^Rhynchonella  coatellata  Pibttb. 

^mcardiaPkiliffpianaDvJXK.        *Pentacrinus  angulatus  Opp. 

*P-  •Cidaritenstacheln. 

'wciirdn«»  cardiaides  Phill.        •Fischstacheln. 

y'  Serpula  sp.  indet. 

;^^w  sp.  indet.  »Fossiles  Holz. 

^^"^gigantea  Sow.  sp. 
"^'^  punctata  Sow.  sp. 

^«w  tuedncta  Schlote. 
^**«  jwctifiowtes  Sow.  sp. 
mt\  tectonus  Sohloth. 


284 

Petrographische  Be»  nb  Af  fe  d  h«i  t.  Bei  Ameisen 
(ProBI  1.,  14)  iroten  die  Angulateii schichten  jn  Gest&lt  graaer 
versteinerungeleerer  Thoiie  auf,  die  diircli  i)ire  Stellung  swi- 
acben  den  Scliicliteti  dea  ^m.  geometricus  und  den  Pailonotea- 
schicbten  ziemlich  genau  abgegrenzt  sind.  Sie  sind  in  mehre- 
ren Einschnitten  nordlich  vnn  dem  Dorre,  Jedoch  nirgends  in 
ihrer  g&nzen  Mächtigkeit  aufgeschlossen.  Es  ist  mir  deshalb 
nnmöglicfa  gewesen,  die  Stellung  der  grossen  eisenschüssigen 
Sand  stein  platten,  die  überall  am  Ufer  des  Baches  liegen  und 
sehr  häufig  Abdrücke  von  Gryphaea  arcuata  enthalten,  zu  er- 
mitteln. Die  Häufigkeit  von  Sandsteinplatten  in  der  Umgegend 
von  Ameisen,  die  hin  und  wieder  Belemtiites  aeutu»  führen, 
setzt  zuerst  in  Verwirrung,  bis  man  endlich  entdeckt,  dKSs  sie 
aus  ganz  verschiedenen  gryphaeen reichen  Schichteu  stammen 
und  erst  durch  Verwitterung  eine  so  grosse  Aebulicbkeit  ge- 
winnen. Es  sind  hauptsächlich  drei  Bänke,  die  diese  Platten 
liefern:  die  eben  besprochene  aus  den  Angulatenschichten,  die 
Bank  10  (Profil  I.)  aus  den  Schichten  des  .-tm.  geometricut  und 
7  (Profil  I.)  aus  den  Schichten  des  .-Jm.  planicosta.  Letztere 
Bank  befindet  sich  auf  der  Höhe  des  Lohberges,  van  wo  das 
Gestein  zur  Ausbesserung  der  Wege  heruntergeschafft  wird. 

In  der  Richtung  nach  Osten  findet  man  die  Schichten  nur 
schlecht  aufgeschlossen.  Trolidem  wird  die  Grenzlinie  gegen 
unten  mit  ziemlicher  Sicherheit  durch  das  häufige  Auftreten 
von  Rhät   und  Keuper   festgestellt,  bis  man    bei  Odagaen  die 


285 

cuata,  Pecten  HehU,  Lima  peeUnoideSy  punctata,  Oervillia  sp. 
ludet.  Folgt  man  dem  Streicheo  weiter  nach  Westen,  so  trifPt 
oaii  jeoseita  der  Verwerfaogslinie  äberall  Keuper. 

Aoch  bei  Deiteraen  finden  sich  die  ^m.  angtUatus-Schich- 
(eo.  Ea  sind  hier  die  mächtigen  Schieferthone  (a.  Profil  IL), 
welche  die  Kieselplatten  der  Pilonotenschichten  bedecken  and  ge- 
oaa  dieselbe  £ntwickelung  wie  bei  Ameisen  seeigen.  Nach 
Norden  za  folgt  man  der  schon  oben  besprochenen  Sandstein- 
\)hük  aof  den  Feldern  bis  in  die  Nähe  der  Verwerfnngslinie. 
iosser  den  bei  Wellersen  gefundenen  Versteinerungen  findet 
oifto  hier:  Utdcardium  cardioideSy  Pecten  textcrius,  düpariliSf 
Modioia  nitidula,  Pleuromya  liasina, 

Profil  III. 

Profil  der  .4m,  an^^afu«  -  Schichten  am  Ootzenberge  bei 

Gottingen. 

1)  Thone,  nach  oben  nicht  aufgeschlossen. 

2)  Eine  die  Böschung  bildende  Sandsteinbank, 
j4m.  angulattis,  Protoeardia  PkUippianOylAma 
giganteOy  euccincta,  Pholadomya  glabra,  Pen- 
tacrmus  angulatua,  Fischstacheln,  fossiles 
Holz. 

3)  Versteinerungsleere  Thone.  4      Meter. 

4)  Dunkle  sandige  Kalke,  zu  rothem,  eisen- 
schüssigen Sandsteine  verwitternd;  Schwe- 
felkies; ^m.  angulaiuSy  Pecten  Hehlt,  Lima 
pectinoidee,  gigantea,  Gryphaea  arcuata,  0,25     „ 

5}  Dunkle  Schieferthone,    Grypliaea  arcuata.     4,5      ^ 

6)  Gelbrother  eisenschüssiger  Sandstein.  Am, 
angulatue,  Cardinia  Listen,  Pecten  Hehli, 
Gryphaea  arcuata,  Ostrea  eublameUosa.  0,2       „ 

7)  Dunkle  Schieferthone  mit  kleinen  Geoden.  20  „ 

8)  Rothgelber  mürber  Sandstein;  ^.  angula" 
tue,  Cardium  sp.^  Pleuromya  Galathea,  Pecten 
Hehli,  Gryphaea  arcuata,  Ost.  sublameUosaj 
Fischstacheln.  0,3      j^ 

9)  Grane  Thone,  die  nach  unten  schieferiger 
werden.  5  ,, 

10)  Weisser  Sand.  0,15    j, 

Z«iti.i.0.gf»I.G«i.  XXII.  2.  19 


iH6 

11)  Dicke  SandateinbäDke.  y/m.  angulattt», 
Cardium  sp.,  Pleurornya  Oalathea,  Peeten 
Hehlt,  Lima  punctata,  peclinoidrs,  Oryphata 
arcuata,  0»trea  mblameüo»a,  Bhynehoueüa 
costellata,  Pftilacrinus  angttiatu».  1,1    Meter. 

12)  Mächtige  grane,  versteiDerungaleere  Schie- 
ferthone,  mit  dcneu  der  Aufacliluss  ab- 
scblieiBt. 

Schichten  des  Am.  geometricus. 

Ich  wähle  den  vorangehenden  Namen  für  diese  Ktage,  ohne 
auf  die  Frage  einzugehen,  ob  die  Schichten  des  Am.  Bucklandi, 
wie  sie  von  Opfel  in  seiner  ^iJura-Pormatinn"  abgegrenzt  sind, 
eine  weitere  Theilung  (wie  von  Oppbi.  angedeutet  und  roo 
Schlökbach  wieder  hervorgebnben)  allgemein  zulassen. 

Indessen  darf  ich  bemerken,  dass  ich  hier  keinen  Beweis 
für  eine  solche  Eintheilung  habe  finden  können.  SchlOsbach 
führt  folgende  Aufschlusspunkte  nn,  „die  wegen  der  Entschei- 
dung dieser  Frage  von  grossem  Interesse  sein  dürften:"  „das 
nördliche  Ufer  der  Ilmc  unterhalb  [fullersen  bei  Eiabeck"  und 
„der  Abhang  neben  der  Mühle  bei  Wellersen*'  (Aulaberg).  Der 
erste  dieser  Punkte  ist  derselbe,  an  welchem  H.  v.  Srbhach  die 
„belemnitenreichen  Thone  bei  Hullersen"  ritirt,  die  er  als  den 
Schichten  des  Am.  capricomus  angehörig  betrachtet.  Im  Fol- 
genden werde  ich  beweisen,  da«9  hier  die  Schichten  der  Tere- 
bratula  »ubovoidei  und  die   des    Am.    breeispina  vertreten    sind. 


287 

Petrographische  Beschaffenheit.  Die  Eotwicke- 
lüogsweise  der  betreffenden  Schiebten  bei  AmeJsen  geht  schon 
m  Profil  I.  (10—13,  10'— ly)  hervor.  Nur  zu  beiden  Seiten 
«in  VardeiJser  Weges,  und  hier  als  grosse  Seltenheit,  habe  ich 
-Ir.  geometrictu  gefonden,  hingegen  durften  die  ^nicht  näher  zu 
leslimmeoden  Amnaoniten  aus  der  Familie  der  Arieten^  aus 
Schiebten,  die  ino  ^Bache  oberhalb  Ameisen  gut  aufgeschlossen 
Mod,^^  (SchlOr.  1.  c.  cit.  S.  495.))  <^&  dieses  Citat  nur  auf 
Nebicht  10.  Prof.  I.  bezogen  werden  kann ,  Am,  geometricus 
zogehöreo.  Endlich  mochte  ich  die  Bank  12'  Prof.  I.  sowie  die 
gleich  darunter  liegenden  Thone  wegen  der  in  ihnen  in  unge- 
äearer  Anzahl  und  vorzüglicher  Erhaltung  vorkommenden  Exem- 
plare von  ßr^phaea  arcuata  besonders  hervorheben,  lieber- 
iiaupt  kann  das  häufige  Auftreten  der  echten  G.  arcuata  lose 
in  den  Thonen  als  leitend  für  die  ^m.  geometricus  -  Schichten 
IC  der  ganzen  Mulde  angesehen  werden. 

Einen  auffallenden  Gegensatz  zu  der  kalkigschiefrigen 
Estwickelung  der  Etage  bei  Ameisen  bildend,  treten  die 
Schichten  des  j4m.  geometricus  im  Süden  der  Mulde  am  Auls- 
'«^ge  bei  Wellersen  in  einer  rein  thonigen  Facies  auf.  Sie 
'üDScbliessen  eine  Unzahl  grosser  Qeoden,  die  tbeilweise  sehr 
•'^ich  ED  Petrefacten  sind.  Am.  geometricus  und  ^vicula  sine- 
•^uriensii  finden  sich  sehr  häufig  und  in  guter  Erhaltung,  wah- 
rend leb  Leda  Benevteri^  Pecten  HeMi,  Turbo  sp.  iudet.  seltener 
gefoDden  habe.  Gryphaea  arcuata  kommt  nie  in  den  Geoden 
^or.  hingegen  häufig  lose  in  den  Thonen  circa  8  Meter  unter 
<^er  Geodeo'Baok,  sowie  in  mehreren  Wasserrissen  weiter  nach 
'^('«D,  wo  die  Oeoden  schon  versteinernngsleer  geworden  sind. 

Sehr  interessant  als  ein  Uebergang  zwischen  der  thonigen 
g^odeoreichen  and  der  kalkigen  Facies  dieser  Schichtengruppe, 
^'vie  aacb  von  grosser  Wichtigkeit  wegen  seiner  Beziehungen 
«1  der  schon  mehrfach  erwähnten  Verwerfung ,  ist  ein  Auf- 
^chlossponkt  am  linken  Ufer  des  Baches  zwischen  Deitersen 
Lnd  Markoldendorf,  da  wo  der  Bach  eine  scharfe  Biegung  nach 
'"^Qdeo  macht.  Hier  kann  man  über  dem  Wasserniveau  folgendes 
Profil  beobachten. 


19 


i)  Mächtige  bellgr&ue  Schiefertbooe. 

])  GeodenbaDk.     Am.  geometricus,  Turbo  sp. 
ludet.  0,1 

b)  Scbiefertbooe.     Qryphaea  arcuata  0,3 

ä)  Sebr  fester  gntublaucr  Mergelkalb,  0,2 

der  sich  in  grossen  Blöcken  spaltet,  die, 
halb  verwittert,  ganz  das  Aosebea  vod 
grosseo  Gcoden  bekommen.  Grypliaea 
areuata,  Avicula  tinemurieniit.  Bei.  acutus, 
Shynckondta  ranina  SCBB. 

e)  Thone  mit  Oryphaea  arcuata  1 

WasserDi^ean. 


on  dem  Aulsberge  oder  dem  Aroelser  Bache  aasgehem 
DiaD  die  betreffenden  Schiebten  nur  in  einer  karten  Bn 
g  verTolgen.  Bald  wird  Alles  von  Lehm  bedeckt,  uii 
i  Osten  der  Mnide  die  Seh ic hl en folge  wieder  deatlio 
)tet  werden  kann,  ist  der  Liaa  a  Qdbdstbdt's  aaf  cirt 
er  zusammengeschrumpft,  die  Zone  des  ./nt.  geometrici^ 
;en  gänilicb  verschwanden. 

Schiebten  des   Am.  pla'nicdtta. 

itologisohe  Einscblössa; 

litw  acutus  MiLL.  Leda  Somani  Opp. 

wites  planico$ta  Sow.  Lima  pecHnoidet  Soff.  sp. 

nitet  ziphut  Zibt.  Avicuia  Minemunmuu  d'Obb. 

n.  tamaritcimu   ScHLOS.         Gryphata  obUqua  GoLDV. 

ium  .Indien  Oppbl.  Spm/er  Wakotti  Sow. 

t&ttoriut  SoBLOTB.  Pentacrinut  »oatari»  Goldf. 

Hehli  d'Osb. 
la  sp. 
a  orynoti  QmNST. 

etrographische  Beschaffenheit.  Dieae  Btaj 
Prof,  J.  8 — 9.)  besteht  ans  mächtigen  SchiefertboDe 
ch  unten  in  die  Am.  geometricui-,  bei.  .-im.  angulatti 
tea  ohne  scharfe  Grenze  öbergeben,  nach  oben  bingagi 
die  2  Meter  mächtige   sandige   Ealkbank  9.  Prof.  I.  ■ 


289 

das  Schärfste  abgegrenzt  sind.  Die  Tbonc  zeichnen  sich  durch 
einen  ansehnlichen  Eisengehalt  ans.  Kleine,  glatte,  chocoladen- 
braune  Eisensteinknollen,  flache,  etwa  faostgross  werdende 
Geoden  und  selten  Knuuer  von  fast  reinem  Kalkspath  kommen 
darin  Tor.  Die  flachen  Geoden  sind  durchweg  vcrsteinerungs- 
leer,  sowie  meistens  die  Eisensteinknollen;  einzelne  der  letzten 
aber,  bis  zu  einer  bestimmten  Grosse,  fuhren  ^'ijn.  planicosta, 
ziphus  und  kleine  Zweischaler.  Reichhaltiger,  aber  sehr  selten 
Mod  die  Kalkknauern.  In  einem  solchen  von  Odagsen  fand 
ich  dreizehn  Stuck  j^m.  planicosta  und  vier  ^m,  ziphus. 

Diese  Thone  sind  aufgeschlossen :  1)  an  mehreren  Punk- 
ten am  Nordabhange  des  Lohberges  (siehe  Skizze  zu  Prof.  I.), 
tu  denen  ich  überall  die  zwei  genannten  Ammoniten  fand.  2) 
Südlich  von  Holtensen  am  Wege  von  Wellersen  nach  dem 
Pinkler.  3)  Auf  der  Ostseite  der  Mulde  an  einem  Punkt  an 
der  Chaussee  nördlich  von  Odagsen  bis  in  die  Nähe  von 
Edemissen.  In  letzterer  liegend  sind  die  Schichten  weniger 
Ton  Lehm  bedeckt  und  durch  einen  neuen  Strassenbau  gut 
lofgeschlossen.  Am.  planicosta  und  ziphvs  sind  nicht  selten 
and  sind  hier  wie  überall  an  ein  Niveau  unter  der  Bank  (8) 
gebunden. 

Diese  Bank,  die  ich  als  ausgezeichneten  Horizont  benutzt 
habe,  um  die  obere  Hälfte  des  unteren  Lias  in  zwei  Zonen 
einzutheilen,  besteht  aus  blauschwarzen ,  eisenreichen  Sand- 
kalkcn,  im  verwitterten  Zustande  aber  aus  rostbraunen,  mürben 
Sandsteinen,  die  sich  in  petrographischer  Hinsicht  durch  einen 
bedeutenden  Eisengehalt  von  allen  tiefer  liegenden  Bänken 
unterscheiden.  Belemnites  acutus  und  Gryphaea  obüqua  sind 
bäafig. 

Dieselbe  ist  auf  der  Karte  als  Grenze  zwischen  den  .-/m. 
planicoffta-  und    .hn.  fri/i^r- Schichten    angegeben.      Hervorheben 
will  ich  nur  den  Autbcil,  den  sie  an    den   Niveauverhältnissen 
der   Mulde    nimmt;    denn   gerade    diese    Bank  ist    es,  die  den 
nördlichen  Rucken  des  L'.hberges  (siehe  Prof.  I.)  bildet.    Man 
folgt  ihr  mit  Leichtigkeit  bis  an  die  Verwcrfungslinie,  wo  sie 
«charf  abgeschnitten  wird,  und  in  östlicher  Richtung  bis  sudlich 
von   Kohnsen,    wo    sie    unter    einer   grossen    Lehmplatte   ver- 
schwindet.    Erst  bei  Odagsen  wird  sie  wieder  aufgeschlossen, 
nnd  in  dieser  Gegend  findet  man  keine  andere   feste  Bank   im 
QQtcren  Lias.     Hier  stellt  sich  eine  Schicht  in    der  Bank    ein, 


I  Brot  von  Gryphaea  obliq\t 

i>  .tm.bx/eT.  I 

Pectm  ttxtoriM  Scblotb.      j 
Ptetm  HtUi  d'Obb.  { 

Peettn  Lohhergtnti*  a.  sp. 
Protocardia  oxj/noti  Qdbnst.  sf 
Jrca  Münsttri  Goldf. 
Gri/phaea  obliqua  GoLDf. 
Terebratula  cor  Lau. 
Rh^fnchoneüaplicatittitiut  QtiE> 
Pentacrimu  tcalarit  Golup. 


die  in  ihrer  Masse  überwiegend  e 
zusammengeBettt  ist. 

Schiebten  d( 
Paläontologiscbe  EiDScblÖHse: 
Bdtnnites  acutus  Mill. 
-imfiwniles  bi/er  Qdkhbt. 
Mm.  globosus. 

muliou»  d'Oeb. 

'i/er  w,  nadicotta  Qubkbt. 

LokbergeHsit  nov.  sp. 

■p.  indet. 

raricoBtabu  ZiXT. 

0  conf.  raricostatus  Ziet. 
dina  Kraustiana  Dddk. 
ian  eliap  haiianoideiPlBTTK. 
Valium  j^ndleri  Opf- 
sonina  ßewalquei  Opf. 
tnitzia  undulata  Bbhz. 
romya  liaaina  SauCB.  sp. 
iola  oxj/noti  Qdknst. 

a  sp.  indet. 

tWa  olifex  QoEKST. 

ula  sinenncrieneii  d'Obb. 

1  pecfmoides  Sow,  sp. 
I  conf.  punctata  Sow. 


Petrographische  BescbaffeDbeit.  Diese  Zone  i«) 
drei  Bildungen  zusammeogeeetzt.  (Siehe  5 — 7.  Prof.  I-} 
Unten  befinden  sieh  mäebtige  Tbone,  die  —  mit  Aus' 
ne  einer  einzigen  Lokalität  von  Eisenaolith,  anf  den  it\ 
■,b  zuräckkomme  ~-  durch  grosse  Armuth  an  Fetrefacteo: 
e  in  petrograpbiscber  HioBicbt  durch  Häufigkeit  von  rie- 
1  (leoden,  die  öfter  als  prachtvolle  Septarien  ausgebildel 
,  Wo  diese  Septarienbildnng  einkitt,  sind  die  Geoden  gaoi 
Leinerungsie  er,  in  anderen  Gegenden  hingegen  findet  nto, 
kB  Über  der  Mitte  der  Tbonsclücht,  jim.  bi/er  and  A». 
cui,  jedoch  al«  äusserste  Seltenheit.  Fundorte  sind  allein 
in  dem  Prof.  I.  angeführte  Ameiser  Weg  nnd  eine  SisUb 
t  hinter  der  „Odags- Mühle."     Vom  leUteo  Punkte  aa  bis 


291 

:e  die  Nabe  von  fidemissen  sind  die  Thone  am  rechten  Bach- 
•irer  mächtig  aafgeschloBaen ,  indessen  finden  sich  hier  Ver- 
«teineroogen  nicht  ?or. 

Sehr  bemerkenswerth  in  diesen  einförmigen  Thonen  ist 
liie  oben  erwähnte  Lokalitat  mit  versteinerungsreichem  Eisen- 
I  )itb,  die  sich  circa  5  Meter  über  den  Vfn./7/amco«to- Schichten 
iif  dem  südlichen  Abhänge  des  zweiten  Hügels  an  dem  Fahr- 
«^ege  befindet,  der  von  der  Markoldendorfer  Chaussee  nach 
Vardeilseo  abgeht.  Das  Gestein  ist  inwendig  dankelroth,  auf 
-er  Oberfläche  chocoladen braun  und  in  Bruchstucken  von  der 
juterdten  Schicht  des  mittleren  Lias  (4.  Prof.  1.)  nicht  zu 
L.iters€heiden.  Ausser  den  Amrooniteu  kommen  alle  oben  au- 
^trührteo  Versteinerungen  schon  in  dieser  Schicht  vor.  Tere- 
r-itula  CQT^  ^4rca  Müruteri^  Chemnitzia  undulata  und  ^mmonites 
:-'^botus  sind  mir  allein  aus  derselben  bekannt. 

Beinahe  eben  so  wichtig  für  die  Orientirnng  in  dieser 
^•cgeod  wie  die  Bank  10  in  den  Schichten  des  ^m.  planicosta 
1^1  noD  die  1 — 2  Meter  mächtige  Bank  (6),  die  den  mittleren 
Bergrücken  zwischen  dem  Loh-  und  Steinberge  bildet  und 
iberall  auf  der  nördlichen  Seite  der  Chaussee  zwischen  dem 
«RUpperthurm**  und  der  ^Julius-Mühle^  aufgeschlossen  ist. 
Da>  Gestein  ist  ein  glimmerreicher,  stellenweise  sehr  schief- 
•iger  Sandkalk,  charakterisirt  durch  das  häufige  Auftreten 
:^lber  eisenreicher  Partien,  welche  die  eigentliche  Fund- 
stelle der  Petrefacten  dieser  Etage  sind.  Auf  der  sudlichen 
^tiite  der  Mulde  ist  die  Bank  nirgends  zu  beobachten.  Eine 
»äofie  Anhöhe  aber,  die,  sudlich  von  Markoldendorf  beginnend? 
steh  nach  Südosten  zieht,  durfte  wohl  von  derselben    gebildet 

Die  obere  Thonschicht  (5.  Prof.  I.)  nimmt  in  der  Mitte 
'^^T  Malde  einen  grossen  Raum  ein,  wird  aber  meistens  von 
uiiulerem  Lias  und  Lehm  bedeckt.  Sie  bildet  das  Thal 
zwischen  dem  Stein-  und  Lohbarge.  In  ihr  habe  ich  verein- 
zelte, schlecht  erhaltene  Exemplare  von  Am,  muticus  bis  fast 
•ic  ihre  obere  Grenze  beobachtet. 

In  der  Partie  des  mittleren  Lias  bei  Hullersen  ist  allein 
liie  Zone  der  Terebratula  atibovaides  in  geringer  Mächtigkeit  ver- 
treten. Auf  einer  kleinen  verlassenen  Halde  an  dieser  Stelle 
^abe  ich  ein  Bruchstück  eines  Ammoniten  gefunden,  der  zu 
^^'  raricoatatus  gehören  durfte,  ohne  aber  ermitteln  zu  können, 


aus  welcher  Schicht  derselbe  t 
Etwa  iweihnndert  Schritt  weiter  nach 
We§ten,  am  Abhänge  neben  dem  Bache, 
befinden  sieb  fnnfMeler  über  dem  Waaser- 
nivesa  zwei  je  0,2  Meter  mächtige  Bäake, 
die  von  einer  I  Meter  mächtigen  Thon- 
Bcbirht  getrennt  sind.     Die  nntere  Bank 


293 


Profil  V. 


Profil  VI. 


3.  Thone  ohne  Geodeo.    ! 

(3,5  M.) 


4.  Eiseoreicber  Ooiith  in 
tiicken  Binkeo.  Terebratula 
J'or indes,  numismaliSf  Pho- 
ikdomya  ambiguOyHausmanniy 
Am.  armatuB,  .^m.  sp.  indet. 

(1,1    M.) 

.1.  Tbooe  des  anteren  Lias. 


<M     00 
«     9 

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.tS  ja 
B  ä 

CO 


7.  Thone  mit  riesigen  Septa- 
rien  n.  schmalen  eisenreichen 
Zwischenschichten.     (8  M.) 


8.  Kalkbank  von  blao- 
schwarser  Farbe.  Gryphaea 
obliquay  (bäafig)  Bei.  acutuiy 
Spinfer  Walcottu       (1  M.) 

9.  Thone,  wenig  aufge- 
schlossen. 


In  dem  Bruche  selbst  sieht  man  die  Schicht  (4)  mit  den 
dutiaf  lagernden  Thonen  (3)  dnrch  eine  scharf  markirte 
Verwerfongsspalte  von  mächtigen,  mit  prachtvollen  Septarien 
,:f:fQ]l(en  Thonen  getrennt,  die  nach  nnten.  nicht  aufgeschlossen 
^iod.  Weiter  nach  Westen,  aber  am  Abhänge  des  Berges  fin- 
det man  die  Bank  (8)  anstehend,  und  nach  Angaben  des  Steigers 
Hase  trifft  dieselbe  die  Verwerfungsspalte  4,6  Meter  unter  der 
Schiebt  (4). 

Die  Schicht  (4)  ist  die  unterste  Schicht  des  mittleren  Lias 
viA  bildet  die  Basis  der  Eisensteine  des  Steinberges,  wie  es 
:a  der  Skizze  (Seite  296)  angedeutet  ist.  Ein  Blick  auf  die 
Kirte  macht  es  einleuchtend,  dass  die  Bank  (8)  mit  einer  der 
*cbon  festgestellten  Bänke  aus  dem  unteren  Lias  zu  paralleli- 
«iren  sd.  In  der  That  stimmt  dieselbe  auf  das  Schärfste  mit 
^er  Bank  8  (Prof.  I.)  aus  den  Am,  pZamcos^a-Schichten  nber- 
"10.  and  zwar  stratigraphisch  durch  ihre  Stellung  als  die  erste 
:f.^te  Bank  über  den  Am,  i/eomefrtcuA-Schichten ,  in  paläontolo- 
giscber  Hinsicht  durch  das  Auftreten  von  zahlreicher  Gryphaeen- 
tnit,  sowie*  von  Ghryphaea  obliqua  in  grossen  Exemplaren, 
B>^UmmU8  acutue  etc.  Endlich  ist  das  Oestein  in  frischem 
Zostande  sowohl,  als  in  allen  Stadien  der  Verwitterung  ganz 
ooantersc^eidbar  von  dem  der  betreffenden  Bank  am  Lohberge 
Jod  bei  Odagsen. 

Ich  nehme  also  keinen  Anstand,  die  Bank  (8)  im  Prof.  VI. 
ßr  die  Bank  8.  Prof.  I.  zif  halten,  trotzdem  dass  ich  einige 
Abweichongen  zwischen  den  zwei  Vorkommnissen  beobachtet 
(jabe.     In  den  Thonen  (7)  Prof.  VI  nämlich,  bei  sonstiger  ge- 


294 

naoer  Ueberein Stimmung,    Leüitzen    die  Geoden    eine   vollkom- 
roenere  SepUrienauBbildiing  als  die  dor  Thonachicht  7.  Prof.  I. 
bei  Odagsen.     Da  sie  aber  am  IcUten  Fundurte  eben  so  häufig 
und  gross  Bind   und  allein  in  dieser  Scliiclit  eine  solcbe  Grösse 
erreichen  (0,4 — 0,5  Meter  Durchmesser),  und  da  die  Septarien- 
bildnng  sich  hier  auch  hin    und    wieder    einstellt,    wenn    auch 
nicht  30  ausgezeichnet,  muss  ich  dieselbe  als  lokale  Ausbildungs- 
weise ansehen;  zweitens  ist  Spiri/fr   Walcotti,  den  ich  in  zwei 
Exemplaren   aus  der  Bank    (8)    erhalten    habe,    sonst  nicht   in 
den   Am.  planicoslaSchich\e.n   vorgekonitoen.      Indessen    ist  er 
bekannllicb  im  ganzen  unteren  Lias  anderer  Gegenden  zu  Hanse. 
Da    nun  die  Bank  8  unter  normalen  Verhällnisseu  25  bis 
30  Meter  unter  der  Sehii'bt  4,  hier 
IS  hiniresen   nur  4.6  Meter  üefer  licet. 


295 

feUong  ihrer  Entwickelangsweise  als  Ganzes  der  Beschrci- 
büQg  der  eiDzelnea  Etagen  vorangeben  und  führe  zu  dem 
Zwecke  zwei  Profile  ao. 

Bei  dem  ersten  Anblicke  der  an  Profil  VII.  aufgeschlosse- 
neD  Schichten  meint  man  ein  zusammenhängendes  Profil  des 
aittlereo  Lias  in  einer  Mächtigkeit  von  nahezu  25  Meter  vor 
fiich  zQ  haben.  Eine  nähere  Betrachtung  der  einzelnen  Bänke 
!fbrt  aber  sogleich ,  dass  hier  die  Schichtenfolge  sich  so  wie- 
derholt, wie  ich  in  der  beigegebenen  Skizze  angedeutet  habe. 
Hier  liegt  eine,  wohl  durch  den  vorbeifliessenden  Bach  verur- 
sachte Vernitschung  vor,  in  Folge  deren  der  Steinmergel  (3)  im 
Breche  6  Meter  tiefer  steht  als  oben  am  Abhänge  des  Berges, 
flod  das  richtige  Profil  des  mittleren  Lias  an  dieser  Stelle,  so 
«eit  er  aufgeschlossen  ist,  wäre  hiemach  folgendes : 


^b.  d.  ilm.  I  Eisenoolith  in  dicken  Bänken  mit  Am.  fimhriatu$y 
''.maurm,         centaurva^  striatus,  viele  Oastropoden.     3 — 4M. 


Scb.  d.  Am, 
^rftitpitui. 


Eisenreicher   Mergelschiefer   mit   yJm,   bremapina, 
j4m,  Jamesofdy  Pentacrinitenbank.  3  M. 


Eisenarmer  Mergelschiefer.    Am,  brevüpina,     (In 
dem  n^^^^**  u°^  ^^  Abhänge  des  Berges.)  7  M. 


Seh.  i  Ter. 
^^ovoides. 


Dunkle  violette  Steinmergel.    Am,  armatus,    (Am 
Abhänge  0,4  M.  aufgeschlossen.)  2,75  M. 


Der  Steinmergel  (3)  nimmt  dieselbe  Stellung  unmittelbar  unter 
uem  Mergelscbiefer  mit  ^tn.  brevispina  ein,  wo  sonst  überall  die 
^i^ooe  (3,  Profil  I.  und  V.)  vorkommen.  Da  aber  keine  Am- 
nioniten  aus  der  Verwandtschaft  des  Am,  brevüpina  hinunter- 
reicheQ,  dagegen  Am,  armatus  in  ihm  vorkommt,  kann  er  nur 
aof  den  Thonon  (3)  liegen  oder,  was  mir  wahrscheinlicher 
scheint,  eine  eisenreiche  Aasbildung  derselben  sein. 


Wir  hnbea  im  vorigen  Prafil 

die  Mächtigkeit  des  mittlereo 

Lias  am  östlicheo  Ende  de« 

Berges    lu  ca.  17  M.  featge- 

Btellt.     Man   dürfte    daher  ii: 

der  Milt«,  etwa  an  dem  Amel- 

eer  Wege,   da  ja   diese   im 

Mol  den  tiefsten      abgelagerten 

xi»i>en  Schichten  keinen  Antheil  mehr 

■  an   dem  eädlichen    Einfalleu 

1*  der    ältere D    Schichten    neb- 

%  men  können,  rielmehr  tien- 

S  LtadiB  lieh  geoan  borisoDtal  liegen 

S"  mnasen,  eine  Mächtigkeit  des 

D-  EisenateiDS    von  16  —  17  M. 

S*  erwarten.   Dem  ist  aber  nicbi 

fg  so;  denn   an  dem   oben   er- 

1  ■«  wähnten  Wege  findet  man  an 
»  o  Anni»«  w««  beiden  Abbängen  des  Berges, 
o.  ~  und  zwar  ganz  oben,  die 
S  <]  Punkte,  wo  die  Tbone  des 
i-  ^  unteren  Lias  sich  anter  dün 
TC    '  Eisenstein  schieben  (auf  der 

i  Südseite  mit  einem  Einfallen 

Q  »on  2  —  5"  in  Norden)   nn- 

S  ter  Verhältnissen ,     die   eioe 

^  Mächtigkeit   des    Eisen  sie  ios 

^  von   mehr  als  5 — 6  M.  gani 

^  nncDlässig  erscheinen  lassen. 

2  Weiter  nach  Westen*  werden 
?         w                     ^  Ei*r  <lie  Schiebten  wieder  mäcbti- 

ger,  da  in  der  Mitt«  iwiscben 
dem  Wege  und  den  Linden 
die  Mächtigkeil  des  Eisen- 
steins durch  einen  Schacht 
nach  Aog&be  des  Steigers 
Hasb  in  10  MeUr  featgestelll 
wurde,  nod  hiermit  überein- 
stimmend hat  die  Bank  i), 
die  nach  weiter  westlich  am 


297 


Kleeberge  aafgeschlossen  iat  (siebe  Skisze,  8.  292),  ein  Bin- 
faJIen  tod  5*  in  Westen  and  eine  Stellang  von  etwa  12  — 14 
Meter  voter  den  höchsten  Schichten  bei  den  Linden.  In  dem 
Profi]  habe  ich  versacht,  diese  Verhältnisse  wiedersageben.  Man 
sieht,  wie  von  einem  Punkte  in  der»  Nähe  des  Fahrweges 
die  Schichten  in  Osten  und  Westen  sattelförmig  abfallen,  and 
dtss  die  jiogsten  Schichten  nicht  etwa  an  dem  höchsten  Theile 
de«  Beiges  bei  den  Linden,  sondern  yielmehr  weiter  nach 
Osten  ober  dem  Klef  zu  suchen  sind. 

Mit  Besag  aaf  das  schon  Gesagte  können  wir  non  folgen- 
des Profil  des  mittleren  Lias  aar  Steinberge  sasammenstellen. 

Profil  IX. 


Schichten 
des  Am. 


Ein  stark  oolithisches,  eisenreiches  Gestein  in 
dicken  Bänken,  das  im  frischen  Zustande  bläu- 
liche Oolithen  in  laacbgrfiner  Grundmasse 
zeigt,  verwittert  aber  rostbraun  mit  helleren 
gelben  Körnern  erscheint;  ^mmonites  centau- 
ruSf  9triatu$y  fimbriatuSy  Heberti;  Hauptlager 
von  Gaatropoden.  3  —  4  Meter. 


Schichten 
des  Am, 


Schicht,  d. 
Terebratula 


2.  Mehr  oder  weniger  eisenreicher,  dagegen  nur 
wenig  oolithiscber  Mergelschiefer,  Ammonites 
breüispina^  Jamesoni,  Valdaniy  ibex  arieü/ormU, 
Hauptlager  von  Pentacrinus  bcualtifarmis,  nti- 
dus  und  puncti/erus.  10  Meter. 


3.    Thone.      3  Meter, 
(am  Rleeberge). 


Oolith.Steinmergel.  2,75  M. 
^m.  armatus  (In  dem  KlefP). 


4.  Ein  im  frischen  Zustande  grüner,  verwittert 
aber  cbocoladenbrauner  Eisenoolith.  Am.  ar- 
matuSf  Ammonites  sp.  indet.,  Pholadomya  am- 
biguOy  Hausmanni^  Terebratula  subovoides,  RJ^n- 
chandla  tetraedra,  B^nchoneUa  couf,  furciUaia, 

1  Meter. 


5.    Unterer  Lias. 


Schichten  der  Terebratula  sübovoides. 

OppBL  (Jorafonnation ,  S.  117)  unterscheidet  ein  ^Ar- 
"OAtngbctt*  unter  dem  „Jamesonibett.*^  Ersteres  wird  durch 
^^*  Qimatu$  Sow.  {j4m.  nodpgigae  QcBnsT.},  Pholadomya  de- 


corata,  Bhynehondla  tetraedra  Qübhst.  und  Spiri/er  Mäntteri 
charakterisirt.  Bei  der  ParallieirttDg  mit  anderen  Ländern  hat 
er  aber  diese  Tbeilung  iiicbl  weiter  berückeichtigl.  SchlOB- 
BACH  (I.  c.  S.  512)  bebaupiet  mit  Bestimmtbeit,  dasa  Am.  ar- 
matut  an  eine  besondere,  vun  der  des  Am.  Jameamä  veracbie- 
dene  Zone  nicht  gebunden  sei,  indem  er  ein  £xemplar  des- 
selben in  den  oberen  Lagern  des  Eiaensteins  bei  Olderahausen 
fand.  Bei  der  Besclireibung  von  PMadomya  deccrata  sagt  er; 
„Das  Lager  dieser  Art  in  Norddeutscbland  stimmt  vollständig 
mit  den  Angaben  aas  Schwaben  überein. "  Da  nan  die  Iden- 
tität von  j4m.  nodogigas  Qtbbst.  and  Am.  armatus  Soir.  nichl 
sicher  bewiesen  ist,  und  auch  :iach  SchlObbach  derselbe  mit 
Am.  JamMoni  zusammen  vorkommt,  benenne  ich  die  Zone  un- 
ter der  des  Am.  brevitpina  (=  Zone  des  Am.  Jametom  von 
Oppkl)  nach  der  in  ihr  am  häufigsten  vorkommenden  Art  Te- 
rebratula  sitbovoidet. 

Diese  Zone  ist  durch  das  gänzliche  Fehlen  von  allen  Am- 
mcinilen  aus  der  Formeureihe  des  ''m.  Jamesoni  charakterisirt. 
Beieicbnend  für  dieselbe  sind  ferner:  Terebratula  subovotdet, 
Bhynchoitella  tetraedra  mßmoHtana  Qoenst.,  Spiri/er  Miintteri, 
Pholadomya  ambigtta,  Hautmanni,  Beyrichi  Scblonb.  und  Am- 
moMten  artnatut.  Letzterer  ist  hier  in  seiner  typischen  Form 
entschieden  au  diese  Etage  gebunden. 

Paläoutologiscbe  Einschlüsse: 


299 

Oestein8beschaffenheit.  Der  Eisenoolith  (4)  ist  in 
dem  Steinbruche  am  Kleeborge  am  besten  aufgeschlossen  und 
hier  allein  in  frischem  Zustande  zu  beobachten.  Er  ist  ein 
hellgrüner,  sehr  eisenreicher  Mergelkalk  von  bedeutender  Festig- 
keit, der  sich  in  grossen ,  mit  dicker  Verwitterungsrinde  über- 
fogeoen  Blöcken  absondert.  An  allen  oben  angeführten  Auf- 
schloBspunkten  ist  der  Oolith  von  1 — 3  Meter  mächtigen  Tho- 
oen  bedeckt,  die  ausser  einem  schlechtorhaltenen  Belemniten 
nichts  geliefert  haben. 

Der  Steinmergel  in  dem  „Klef'  ist  ein  dunkelvioletter, 
versteckt  uolithischer,  kalkreicher  Eisenstein,  der  ausser  Be- 
lemnites  clavatus^  Spirifer  rostratus  und  Terebralula  jmnciata 
grosse  Exemplare  von  /Im,  armatus  enthält.  Die  Schwierigkeit 
seiner  genaueren  Purallelisirung  habe  ich  schon  (S.  297)  ange- 
deutet. Stellt  man  ihn  dem  Thone  (3)  parallel,  so  haben  die 
Schichten  der  Terebralula  subovoides  am  Steinberge  eine  Mäch- 
tigkeit von  etwa  4  Meter,  liegt  er  hingegen  auf  dem  Thone, 
so   kommt  ihnen  eine  Mächtigkeit  von  7  Meter  zu. 

Bei  Hullersen  ist  allein  die  Zone  der  Terebratula  subovoides 
vertreten,  und  zwar  in  einer  Ausbildungsweise,  die  den  Ueber- 
gang  zu  der  Entwickelungswcise  am  sogenannten  Butterberg 
bildet.  Sie  besteht  aus  Thonen,  die  von  »<'hnialen  Zwischen- 
lagt'rn  von  eisenreicheni  Oolith  durchzogen  sind.  Südlich  von 
dem  Klapporthurnie  nämlich,  am  Abhänge  neben  dem  Bache, 
tiiideii  sich  im  verwitterten  Zustande  Bruchstücke  dieses  Ooliths, 
die  mit  der  untersten  Ootithenbank  des  Steinberges  überein- 
stimmen.     Siehe  auch  Seite  291. 

Am.  armatua  (iwdo(/i(jan)^  Brut  von   Atn.  armatus,   ^-ivi,  sp. 

indet. ,  IJelemnites    elongatus,    clavatus ,    Trochus    conf.    sehctus, 

Turbo    nov.    sp.,    Pholadomya    obscura^     Terebratula    subovoides^ 

Tiumismaiis,  RhynchoneUa  furcillata,    Rhi/nch,    Bucht    kommen    in 

ihnen  vor. 

An  einem  parallel  dem  Mühlgraben  laufenden  Wege  am 
Butterberge,  etwa  in  der  Mitte,  kommen  Bruchstücke  eines 
rolhbraunen,  wenig  oolithischen  Gesteins  vor,  in  welchem  ich 
Am,  8p.  indet.,  Terebralula  subovoides,  7iumismalis,  RhynchoneUa 
Buchi,  Gryphaea  obliqua,  Peclen  textoriuü,  Belemniles  clavatus 
Inoceramus  ventricosus  gefnndcn  habe.  Dasselbe  ist  auf  Thonen 
<les  unteren  Lias  abgelagert  und  bildet  ohne  Zweifel  die  Basis 
voD  dem  etwas  weiter  nach  oben  auftretenden,  hellen  Thonen, 


300 


die  xa  den  Schicbteo  des  Am.  breoispina  geboren.  Bemerkeü 
werth  war  ein  grosses  Bruchstuck  von  sehr  reinem,  schwi 
sen  Kalke,  der  ganz  von  Qryphaea  ohUquOy  Miüericfimu  Hat 
fiiannt,  Bei.  clavatus,  Terebratula  punctata  und  Bh,  Bucki  wi^ 
melte  und  vielleicht  auf  eine  eisenarme,  dagegen  kalkreicl 
Ausbildung  der  Zone  in  dieser  Gegend  gedeutet  werden  kaa 
Das  Gestein  war  indessen  nicht  anstehend  zu  treffen. 

Bei  dem  Pinkler  sind  die  Schichten  der    Terebratula  sn 
ovoides  nirgends  aufgeschlossen. 


Schichten  des  Am,  brevispina  Sow. 


Paläontolog^scbe  Einschlüsse: 

Beiemnites  davatus  Sgh. 

Bd.  elongatus  Mill. 

Bei.  umbüicatus  Blair. 

Bei.  brevi/ormis  Zibt. 

Nautüus  intermedius  Sow. 

Ammonitee  brevispina  Sow. 

Afn.  Jamesoni  Sow. 

Am.  Valdani  d'Obb. 

u4m.  Maugenesti  d*Orb. 

Am.  Arietiformis  ÜPP. 

Am.  ibex  Querst. 

Am.  Loacambi  Sow. 

Am.  sp.  conf.  submuticue  Opp. 

Trochut  laevis  Sch. 

Chemnitzia  undulata  Benz. 

Pleuromya  ovata  Robm.  sp. 

Inoceramus  ventricosus  Sow.  sp. 

Astarte  sq.  indet 

Area  dongata  Sow. 

Myoeoncha. 

Avicula  sinemuriensis  d'Orb. 

Lima  acuticosta  Gold.  sp. 

lAma  cumticosta  var.  nodosa 

Qübnst. 
Lima  punctatissima  SchlOn. 


Plicatula  spinosa  Sow. 
Pecten  velatus  Gold.  sp. 
P.  priscus  Schlote. 
P.  textorius  Schloth. 
P.  Hem  d*Orb. 
Gryphaea  obliqua  Gold. 
Gr.  gigas  Sohloth. 
Ostrea  arietis  Qubkst. 
RhynchoneUa  furcillata  Theo 
Rf^nch.  rimosa  Rokm. 
Bhgnch.  caldcosta  Querst. 
Bhynch.  parvirostris  Roem. 
Bhyneh.  subserrata  Mürst. 
Bhynch.  Buchi  Robm. 
Bhifnch.  subserrata  var.  obsoUt 

BOBR. 

Spirifer  rostratus  Schloth. 
Terebratula  numismcdis  Lau. 
Terebr.  Heyseana  DuRK. 
Terebr.  punctata  Sow. 
Terebr.  Sarthacensis  d^Obb. 
Terebr.   Waterhaud  Dav. 
Penta^nus  basaltiformis  Mill 
Pent.  nudus  Schlor. 
Pent.  puncti/erus  Querst. 
Miüericrinus  Hausmanni  Roe3I 

sp. 
Cidarites  numismaUs  Opp. 
Foraminiferen, 
Fossiles  Hols. 


301 

Gesteiosbeschaffenheit.  Da  der  Eiseogebait  dieser 
Schiebten  io  koraer  Entfernung  Bebr  variirt,  so  weicben  sie 
be<»oaders  in  verwittertem  Zustande  sebr  von  einander  ab.  Da 
:j9&  aucb  die  Scbicbten  mebrere  kleine  Unregelmässigkeiten 
2£igeD  nod  an  den  meisten  Stellen  die  verscbiedenartigsten 
(i^$teine  darcb  einen  langjäbrigen  Tagebau  zusammengeworfen 
*<ud,  60  ist  leicbt  eiuzuseben,  dass  man  bei  der  Parallelisirung 
CfT  Schichten  von  den  meisten  Erfunden  ganz  abseben  muss 
i-nJ  sich  nur  an  diejenigen  Merkmale  halten  kann,  die  sieb 
tt:i  jedem  Aufschlasse  leicbt  T^ieder  auffinden  lassen.  Hiernacb 
^iud  es  folgende  Eigentbumlicbkeitcn ,  die  diese  Gruppe  am 
Meiuberge  von  jüngeren  wie  von  älteren  Scbicbten  scbarf  ab- 
trennen. Das  schiefrige,  wenig  oolitbiscbe  Gefuge  des  Gesteins, 
du  im  frischen  Bruche  häufig  glänzende  Kalkstuckchen  zeigt,  und 
cai)  baofige  Vorkommen  von  Pentacrinus-Stielgliedern  in  dessen 
cierer  Hälfte  in  Gesellschaft  mit  Ammoniten  aus  der  Formen- 
':ribe  des  ^tn,  brevispina.  Bei  der  Schilderung  dieser  Zone 
^alte  ich  an  drei  Lokalitäten  —  in  der  Mitte  und  zu  beiden 
taden  des  Berges  —  fest,  wo  die  Parallelisirung  unzweifelhaft 
i^ad  die  durch  den  wechselnden  Eisengehalt  verursachte  petro- 
^rapbidche  Verschiedenheit  am  deutlichsten   wahrzunehmen   ist. 

in  dem  ^KleP^  (Prof.  VII.  2.)  ist  das  Gestein  ein  wenig 
'if'Iithischer  eisenarmer  Mergelschiefer,  weiter  oben  wird  er 
'TiseDreicher  und  von  eigen thnm lieber  oliven-  bis  schwarzgruner 
Firbe.  Ganz  unten  sind  nur  Belemniten  häufig,  dann  stellen 
>.ch  Pentacrinus  basalH/ormis  und  Pentacrinus  ntuius  in  Gesell- 
schaft mit  Jm.  brevUpina  ein,  und  alle  drei  werden  nach  oben 
bänfiger. 

Am  Ameiser  Wege  ist  die    untere    Hälfte    der  Zone    mit 

'Hi.  brecispina  und   ^m.  Jamesoni   aufgeschlossen,  nach    oben 

stellen  sich  Pentacrinus   punoiiferuB  und   P.   nudus    ein.      Das 

^e&tein  weicht  nur  durch  seinen  bedeutenden  Eisengehalt   von 

dem  eben  besprochenen  Vorkommnisse  ab. 

Weiter  nach  Westen,  wo  die  Lindenbäume  stehen,  ist  die 
i^berregiou  dieser  Schiebten  schon  aufgeschlossen.  Hier  ist 
A%.  ibex  QuEKST.  in  einem  Exemplar  von  Herrn  v.  Seebach 
einfanden  worden,  und  zwar  in  einer  Schicht,  in  der  ich  mehr- 
^^U  Am,  brevispina  und  Am,  Jamesoni  getroffen  habe.  Jm. 
'>ti  liegt  daher  hier  in  demselben  Niveau  oder  doch  wenigstens 
^tfer  als  Am,  Jamesoni  Sow. 


31)2 

In  der  obersten  Schicht  bilden  die  Pentaerinus-SUelglieder 
eine  ausgezeichnete  Pentiicrinitenbanb.  Letztere  Schichtea 
liegen  ganz  auf  der  Hohe  des  Steinberges  und  sind  dieselben, 
die  von  ScblONBach  zu  der  unteren  Znne  des  .4m.  ßmbriatiu 
gestellt  wurden.  Da  aber  .4m.  breeitpina  und  j4m.  Jametoni 
hier  Torkommen,  gehören  sie  tiefer,  in  die  Schichten  des  /In. 
breviptina. 

Auf  den  schon  beschriebenen  Ter.  subovoidet- Schichtet 
am  Butterberge  sind  etwa  6 — 8  Meter  hellgrauer,  sehr  weicher 
Mergel  schiefer,  die  durch  Verwilleruag  blendend  weiss  werden, 
abgelagert.  Dieselben  sind  unier  dem  Namen  „die  belemnitea- 
reichen  Thone"  bei  Hulleiaen  von  v.  Sbebacb  mit  den  Capri- 
cornus-Schichten  verglichen.  (Siehe  Tabelle  6.)  In  ihnen  kam* 
Dien  folgende  Versteinerungen  vor:  Belemnites  elongatia,  ciaoa- 
tus,  Leda  Galathea,  Avicula  sittemurienm,  Pecten  priscue,  0$treti 
arietia,  j4$tarte  sp.,  und  in  mehreren  Exemplaren  ein  flachge- 
drückter, nicht  näher  bestimmbarer  Ammonit.  Wegen  der 
Uebereinstimmung  der  Belemniten formen  dieser  Schiebten  mit 
denea  des  Mergelachiefers  des  Steinberges  hatte  ich  sie  lang« 
Zeit  den  Schichten  des  Im.  brevispina  eingereiht  und  w«r 
endlich  durch  Auffinden  einer  neuen  Lokalität  an  dem  Wege 
von  Einbeck  nach  dein  Finkler  in  den  Stand  gesetzt,  dieses  ni 
beweisen.  Hier  sind  zu  beiden  Seilen  des  Weges  dieselben 
weiNsen  Mergel  schiefer,  die  hier  nicht  ganz  so  weich  sind,  wie 
am  Butterhergc,  aufgeschlossen.     Sie  enthalten  genau  dieselben 


303 


Ltda  sub<n>alis  Ooldp. 
L,  Ghlathea  d'Obb. 
InoceramuM  ventrieotus  Sow.  sp. 
Lima  cteutieoMta  Goldf.  sp. 
Pecten  velatuB  Goldf.  sp. 
Spirifer  roatratus  Schloth. 
Pentacrinus  boialH/ormis  M. 
Pent.  nudus  SohlOn. 


P\.  tcUtrium  Koch. 
Furbo  Itjf*  d^Orb. 
L  tmdiu  M05ST. 
7.  Socecnensis  d'Obb. 
7.  Kocki  Goldf. 
Fka^aneiiaphananoides  d*Orb. 
'  >iftona  costata  nov.  sp. 
Cm.  pu$k€iata  nov.  sp. 
'^  Carusensis  d'Obb. 
i*oeardia  emgidata  GoLDF.  sp. 
'.'nicanhvm  Janthe  d'Obb. 
"^untla  cordata  Goldf. 


Gesteinsbeschaffenheit.  Zu  dem  Profil  IX.  und  dea 
Betnerkongen  auf  Seite  296  ff.  mochte  ich  an  dieser  Stelle  nur 
rxh  hiDzafagen,  dass  diese  Schicht  es  ist,  die  deo  reichsten 
i^i^ensleio  liefert  nnd  allein  eine  derartig  vollkommene  ooli- 
:bUcbe  Aasbildang  besitzt,  dass  die  Orondmasse  sehr  gegen 
'iio^OoIithenkorner  zurücktritt.  Diese  Schicht,  die  sich  übrigens 
^iur^h  eine  aasserordentliche  Häufigkeit  von  Gastropoden  aus* 
i<  lehnet,  bedeckt  die  Am,  ^r«m«/7ina  -  Schichten  too  einem 
Ponkte  in  der  Nähe  des  Ameiser  Weges  bis  oberhalb  des 
..Kkf8.<*  Auch  auf  der  westlichen  Seite  des  Ameiser  Weges 
«ibeiaen  die  Am,  ^r^ri^'na-Schichten  theil weise  von  jüngeren 
>:liichten  und  zwar  unter  nicht  ganz  normalen  Verhältnissen 
^ 'deckt  zu  sein.  Ich  habe  deshalb  bei  der  Beschreibung 
<ier  vorigen  Etage  zwei  Anfschlusspunkte  zu  beiden  Seiten  der 
'  etreffenden  Stelle  hervorgehoben,  wo  es  unzweifelhaft  ist,  dass 
'  jr  die  Schichten  des  Am,  brevispina  vertreten  sind.  Endlich 
'  bändet  sich  am  Abhänge  südlich  von  den  Linden  eine  25  Meter 
mächtige  Gerollschicht  von  sehr  eisenschüssigem  Oolith  mit 
^  elen  Gastropoden,  die  unzweifelhaft  zu  dieser  Etage  gebort. 

Schichten  des  Am,  apinatui. 

iMäoQtologische  Einschlüsse: 

Bdemnites  clavatua  Mill. 
Ammonites  spinatM  Bbüg. 
Turbo  paludinaeformis  Schob. 

Gesteinsbeschaffenheit.      Unter    ganz    eigenthüm* 
<:hen  Verhältnissen,    wie    es    scheint   genau    an    der    Grenze 

20» 


304 

zwischen  Eeaper  and  Ma8cbelkalk,  treten  .  Im.  fpfittf^-Schicbt 
bei  Luthorst  auf,  and  swar  sind  dieselben  an  beiden  Bac 
ufern  sSdlich  von  dem  Dorfe  aufgeschlossen,  wo  ich  die  ob 
genannten  Petrefacten  in  dem  weichen ,  grauen  Schiefertb« 
fand.  Der  Erhaltungszustand  der  Fossilien  stimmt  genau 
dem  bekannten  Vorkommen  bei  Nordheim.  Auch  nördlich  t 
dem  Dorfe  kommen  ähnliche  Thone,  jedoch  ohneYersteinerung 
vor.  Von  Interesse  durfte  die  Angabe  des  Steigers  Hask 
Markoldendorf  sein,  dass  er  vor  einer  Reihe  von  Jahren  ein 
ammonitenreichen  Eisenstein  an  einer  in  der  Mitte  zwisch 
Luthorst  und  Hunnesruck  gelegenen  Stelle  gewonnen  habe. 
Grenzen  hier  zu  ziehen,  war  nicht  ^möglich,  da  ausser  am  Bad 
ufer  Alles  bedeckt  ist.  Ich  habe  deshalb  auf  der  Karte  d 
angegebenen  Punkte  durch  eine  Linie  verbunden. 

Hiermit  schliesst  die  Reihenfolge  der  Liasschichten  b 
Markoldendorf,  und  es  folgt  nun  eine  Uebersicht  sämrotlichi 
aus  der  Mulde  bekannten  Versteinerungen  mit  Angabe  der  AI 
bildungen  und  Beschreibungen ,  nach  denen  bestimmt  ward 
Arten,  denen  kein  solches  Citat  folgt,  sind  im  Folgenden  nä»b( 
besprochen. 

Das  bei  Gelegenheit  dieser  Arbeit  gesammelte  Mat«r» 
ist  in  der  Universitatssammlung  zu  Gottingen  niedergelegt. 


*)  Auf  der  RoEHKR'schen  Karte  ist  dieser  Punkt  als  eine  Fandstel 
für  Versteinerungen  bezeichnet. 


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313 


1.    ?  Equisetum  Oümbeli  Schenk  sp. 

1%7.  Calmmtes  Gümheli  Scueiti.    Flora  d.  Orenzichichten.   S.  10.  t.  1. 

f.  8-10. 
1^.   E^ehtm  Gümbeli  Scbimpbr.  Trait^  de  Pal.  veg.  S.  269.  No.  28. 

Der  Stengel  gegliedert,  erhaben  gerippt.  Die  Rippen 
Ij  Mm.  breit,  einfach.  Die  bedeutende  Grosse  unterscheidet 
3iese  Species  von  JE,  Gümbelij  sonst  stimmt  sie  sehr  gat  mit 
(ien  Abbildungen  bei  Schekk« 

Mit  dieser  kommt  eine  ungerippte  Form  vor,  deren  Ober* 
dache  mit  markirten  Linien  bedeckt  ist,  die  sehr  häufig  ana* 
siomosireo. 

In  den  Fsilonotenschichten  bei  Deitersen  sehr  häufig,  je- 
dc>ch  immer  schlecht  erhalten. 

4.    P  oraminiferen. 

In  den  eisenreichen  Schichten,  mit  welchen  die  Zone 
lies  Änu  brevispina  nach  oben  schliesst,  kommt  eine  sehr  reich- 
Utige  Foraminiferenfauna  vor.  Der  beste  Fundort  ist  am 
üstliehen  Ende  des  Steinbergs. 

5.    Montlivaltia  liasina  nov.  sp. 

Ti/.  IX.  Fig.  1.  Anficht  von  anaten  nach  einem  Abdrucke  in  Thon, 
~     Fig.  la.  Ansicht  eines  Abdruckes  des  Kelchinneren  von  der  Seite. 

-  Fig.  Ib.  Dasselbe  von  unten. 

-  Fig.  Ic  Natflrlicbe  Grösse. 


Poljpenstock  becherförmig,  hoher  als  breit,  mit  flacher 
Baaifl  festgewachsen.  Epithek  dünn,  stark  quergernnzelt,  bis 
Vi  den  Eelchrand  reichend.  Kelch  kreisrund,  sehr  tief,  Kelch- 
v&od  oud  Septen  dünn.  Letztere  haben  eine  glatte  Oberfläche. 
S«pta]rand  nicht  xu  beobachten.  21  starke  Septen  wechseln 
mit  eben  so  vielen  rudimentären  ah,  scheinen  jedoch  nach 
der  Gnindaahl  6  geordnet  au  sein,  und  zwar   nach   dem   oben 


316 

SDBSerlich  der  7.  punctata  Sow.  aehr  ähnlich,  jedoch  in  ibrem 
inneret)  Bau  so  sehr  von  dieser  Art  abweicht,  dass  eie  cani 
Typaa  einer  besoaderen  Abthetlung  der  Gattung  gemacht  wer- 
den muss.  Das  beste  Unlerscbeidungsmerkmal  ist  das  Tasl 
gänzliche  Fehlen  des  Septnms  in  der  Dorsalklappe  im  Gegen- 
satz zu  T.  punctata  Sow.,  wo  dasselbe  stark  entwickelt  ist. 
Häufig  an  allen  angeführten  Aurschlusapunkten  Trüber  in  deu 
nach  ihr  benannten  Scbiclilen,  besonders  in  dem  grossen  Stein- 
brurbe  am  Kleeberge. 

25.    Bhychonella  ranina  Sdbss. 
1861.  RhyachoHflla  laniHa  Si rsg.   Wicu,  Siti,  B«r.  S.  i>i9. 
16fi'2.  RhyneK.  ramnä  Opp.,  Zoil,  d.  d.  g«ul.  Gc>.  13.  S.  .'>3<i. 
t8h9.   Tertbratuta  oxymii  Qi'kn.,  Brach,  t.  37.   fig.  Oü. 

Breite   12  Mm.,  U5he  10,  Dicke  6- 

Die  grosse  Klappe  nur  wenig,  die  kleine  massig  gewölbt. 
Schnabel  spitz,  ziemlich  stark  hervorrogcud,  nicht  übergebogen. 
Zu  beiden  Seiten  des  Sinus  3  —  4  Falten.  Etwas  unter  der 
Mitte  biegt  sich  die  grosse  Klappe  beinahe  recbtwinklig  zu 
einem  breiten  tiefen  Sinus,  welchem  ein  aufTailond  kurzer, 
aber  scharf  abgesetzter  Wulst  correspondirt.  Wulst  und  Sinus 
haben  4  Falten. 

Diese  Art  stimmt  ziemlich  genau  mit  den  oben  ciUrleu 
Abbildungen  überein ,  kommt  aber  in  den  .Im.  yeometrictis- 
Schichten  am  westlichen  Abhänge  des  Steiuberges  vor. 


317 

iiadie  Furche  getrennt,  bloss  zu  dem  Punkte ,  wo  der  Walst 
sieb  Dach  dem  Stimrande  biegt.  Dieser  Gabelung  entprecbend 
«teilt  sieh  erst  in  der  Mitte  des  Sinus  eine  Rippe  ein.  Selten 
in  den  Ter.  subowrides-Schichten  an  dem  Fahrwege  nordöstlich 
TOD  dem  „Klef." 

37.    Crania  Ha  Bin  a  nov.  sp. 
Tif.  H.  Fig.  3.  Ansicht  der  Dorsalschale,  vergrössert. 

Lange  6—8  Mm.,  Breite  4— 5f 

Dorsalschale  von  tetragonalem  Umriss  mit  gerundeten 
Eeken.  Spitze  subcentral.  Oberfläche  mit  feinen  Wärzchen 
bedeckt,  die  sich  zu  radialen  und  concentrischen  Rippen  ord- 
OSO.  Letztere  werden  nach  dem  Rande  zu  markirter.  An 
emigen  Exemplaren  werden  die  vier  nach  den  Ecken  aus- 
»tr&hleDden  Rippen  etwas  starker  als  die  anderen.  Ventrale 
Schale  nur  in  einem  schlecht  erhaltenen  Exemplare  bekannt. 
Fonf  gute  und  mehrere  schlechte  Exemplare  der  Dorsalschale 
$iod  auf  einem  grossen  ^m.  armatus  aus  dem  „Klef*^  am 
Sieioberge  gefunden. 

38.    Ostraa  sublamellosa  DxrsiK. 
1^.  Oiirea  subhtmelioMa  Ddrk.,  Pal.  I.  t.  6.  fig.  27—30. 

Die  Auster  der  Psilonotenscbichten,  verglichen  mit  Exem- 
plaren von  O.  aublamdlosa  ans  den  jim.  an^Iatus  -  Schichten 
^00  Ualberstadt,  weicht  von  dieser  in  mehreren  Charakteren 
ab.  Sie  ist  über  zweimal  so  gross  (Länge  50 — 60  Mm.)  und 
ist  mehr  regelmässig  eiförmig  mit  lang  ausgezogenem  Wirbel. 
Diese  Varietät  ist  sehr  häufig  in  den  Psilouotenschichten  bei 
Deitersen.  Eine  mit  dem  Ualberstädter  Vorkommnisse  genau 
obereinstimmunde  Form  ist  selten  in  den  ^t».  an^/atiM-Schich- 
tea  bei  Markoldendorf,  hingegen  ziemlich  häufig  bei  Göttingen. 

39.    Oatrea  arietis  Qüen. 

tb32.  Ourm  oriefif  Qobn.,  Handb.  8.  4d8. 
1^.  0.  metis  ScBLö.*«.,  1.  cit.  8.  545. 

la  dem  weissen  Jlergelschiefer  am  Bntterberg  kommt  sehr 
bsi^  eine  kleine,  am  Rand  gefaltete  Auster  vor,  die  am  besten 
^t  der  Abbildttng  bei  Ooiavuss  t.  72.  fig.  7.  (0.  eemiplioata 
MtasT.)  übereinstimmt.    DieseUw  wird  nie  so  gross  and  regel- 

^it».  i,  D.  smL  Ges.  XXII.  2.  21 


318 

uäBsig  gefaltet  ala  0.  arietw,  Jura  t.  10>  &g-  10.  SchlOsbaCH 
vereinigt  nnter  dem  QcBiiBTEDT'sche  Namen  mehrere,  nnter 
verschiede  Den  Namen  beschriebene  Oatreen  nnd  besonders 
die  bei  Calefeld  im  Eisenstein  Torknmmende  Form,  mit  welcher 
die  hier  besprochene  wohl  idenliscb  ist. 

In  den  Schichten  des  Am.  brecitpina  sehr  häufig. 

49.    Pecteti  Lohbergemig  nov.  sp. 
Taf.  IX.  Fig.  t.  Aniicht  der  linksn  Schsle  *on  antsen. 

—  Fig.  4a.  Bin  StQck  von  dertelben,  vargriSuert. 

—  Flg.  4b.  Boide  Schalsn  von  innen. 

Sämmtliche  Figuren  gehören  einem  Exemplar  an  nnd  sind 
nach  sehr  scharfen  Abdrücken  gemacht. 

Linke  Schale  kreisrund,  siemlich  hoch  gewölbt,  nngerippt 
mit  stark  hervortretendem  Wirbel.  Von  der  kleinen  dreieckigen, 
unter  dem  Wirbel  verborgenen  Ligamentgrube  gehen  zwei 
Furchen  nach  vorn  und  hinten  aus.  Noch  vorn  erreichen  sie 
nicht  gana  den  Vorderrand  des  Ohres.  Auf  dem  scharfen 
Abdrucke  des  Innern  kann  man  schwache  breite,  concentrische 
Furchen  durch  ihre  dunklere  Farbe  wahrnehmen. 

Rechte  Schale  sehr  wenig  gewölbt  mit  einem  breiten 
Byssuseinscboitt,  anter  welchem  Spuren  von  2 — S  Zähnen  ca 
sehen  sind.  Auf  dem  Byssusohr  geht  schräg  nach  unten  eine 
lÖffelfÖrmige  Furche,  die  durch  eine  flache  Leiste  getheilt  wird. 
Die   senkrechten   Ligamentgruben   werden   am   Byssusohr   all* 


319 

Bei  Pecten  Ims  sind  beide  Schalen  gleicbmässig  flach  ge- 
wölbt ond  die  Panktreiben  radial  geordnet 

Nicht  häufig  in  Bank  6)  am  Ameiser  Wege,  Schichten 
des  Am,  In/er, 

54.    Pecten  sp.  indet. 

In  den  Psilonotenschichten  bei  Deitersen  kommen  kleine 
runde,  stark  ge¥F«lbte' Schalen  vor,  die  einen  Dnrchmesser  von 
5  Mm.  nie  erreichen.  Zwischen  je  2  Hauptrippen  stellen  sich 
2 — ^3  Nebenrippen  ein.  Durch  einen  gedrängten  Zu  wachs  streifen 
sind  erstere  stark  geschuppt,  letztere  bloss  durchschnitten. 

55.    Lima  nov.  sp.  conf.  punctata  Sow. 

Länge  17   Mm.,  Höhe  13  Mm.,  Dicke  5  Mm. 

Die  vorderen  und  hinteren  Theile  der  Schale  sind  ausge- 
zeichnet panktirt  nach  Art  der  lAma  punctata.  In  der  Nahe 
des  Anssenrandes  eine  zarte  Zuwachsstreifung.  Unterscheidet 
sich  von  Lima  punctata  dadurch,  dass,  statt  fast  kreisrund  zu 
sein  und  einen  Schlosswinkel  von  etwa  90°  zu  haben,  die 
Schale  sich  schräg  nach  unten  und  vorn  erstreckt  und  einen 
sehr  stumpfen  Schlosswinkel  besitzt.  Selten  in  der  Bank  6) 
der  Schichten  des  Am,  bi/er  am  Lohberg. 

52.   Lima  punctata  Sow. 

In  den  Schichten  des  Am.  brevispina  am  Steinberg  habe 
ich  mehrere  Exemplare  von  einer  Lima  gefunden^  die  ich  für 
identisch  mit  Lima  punctata  aus  dem  untersten  Lias  halten  zu 
mossen  glaube.  Sie  unterscheidet  sich  jedoch  von  der  Art  des 
Qotersten  Lias  durch  etwas  stärkere  Punktirung  am  vorderen 
Dod  hinteren  Theile,  besitzt  auch  ein  grosseres  vorderes  Feld- 
chen. £igenthumlich  ist,  dass  Lima  punctata  im  ganzen  unteren 
Liis  oberhalb  der  Schichten  des  Am,  angulatus  vermisst  wird. 
Exemplare  aus  dem  mittleren  Lias  von  Rottorf  am  Klei^  die 
mit  der  hier  besprochenen  Form  genau  übereinstimmen  und  aus 
demselben  Niveau  stammen,  liegen  in  der  Sammlung  zu  Got- 
^geo  unter  dem  Sammlungsuamen  Lima  punctatitsima  (U. 
Sgblohbaoh).  * 


21* 


320 

62.    Garetllta  o/t/«x  Qtnii. 
0«rri(JM  o^ex  Qut«^  Jot*.  t.  11.  fig.  4—5. 

Ein  nicht  gani  volUtandiges  Exemplar  von  einer  lang- 
gestreckten OerTillJs  bat  sich  in  demselben  Stücke  mjt  dem 
oben  beschriebenen  Pecten  n.  sp.  gefunden.  Dasselbe  stiannt 
sehr  gut  mit  den  Abbildnngen  bei  Qcibicstbdt  Überein,  ist  aber 
etwas  grösser.  Die  von  dem  Wirbel  nach  hinten  sich  bin ' 
ziehende  Kante  ist  auf  der  linken  Schale  schärfer  ausgeprägt 
als  in  den  Abbildungen,  und  das  biutere  Feldchen  ist  an  dieser 
Schale  concar.  Rechte  Schale  flach  und  regelmässig  gewölbt. 
Schichten  des  Am.  bi/er,  selten. 

64.    Perna  Pellati  DcuoKTiBU.  j 

1B69.  Penu  HIUH  Dmi^  HtndM  pt).  8.  bd.  pl.  16.  f.  3. 

Gin  Bruchstück  von  dem  Schlosse  einer  grossen  Perna 
hat  sich  in  den  Schichten  des  Am,  bi/er  bei  dem  Rlapper- 
thanne  gefunden.  Dasselbe  stimmt  gut  mit  der  Abbildung  bei 
Ddhobtier. 

61.   Avicula  oieynoti  Qdhi. 
1856.  Atiaila  oxyiMli  Qtrts.,  Jura.  S.  109.  t.  13   f.  39. 

Rechte  Seite  fast  flacb,  linke  sanft  gewölbt.  Innenseite 
.!_..  ^^f  jg^  Attssonseilo3  schneideadscbarfe,  hohe,  conceo- 
tippen,  die  in. gleicher  Entfernung  von  einander  sieben, 
ae  stimmea  genau  mit  der  Abbildung'  bei  Qushbtbdt 
in  Knollen  mit  A.  planicosta  am  Nordabhange  des 
es. 

66.    Modiola  sp. 
iptiscb,  wenig  verlängert,  sehr  stark  gewölbt.*  Schloss- 
I  Drittheil  der  Länge    einnehmend,    in    sanftem   Bogeu 
linterrand  verlaufend.      Vorderrand    stark    eingebogen, 
he  stark  concentrisch  gerunzelt. 
Ige  12  Mm.,  Breite  8. 

erscheidet  sich  von  31.  oxj/noH  QnKS.,  die  auch  hier 
ebnet  vorkommt  und  zwar  In  demselben  Niveau  wie 
9utschland,  durch  die  starke  Rnnzelung  und  den  knrzerea 
and.      Letzterer    macht   mit     der     Längsrichtung    der 


321 

Schale  einen  viel  groaaeren  Winkel,  ale  es  bei  M.  ^^noti  der 
F&U  ist  Ferner  iat  der  Wirbel  spitaeir  und  weiter  naeb  vorn 
geiegen  ond  der  Vorapruag  tot  demaelben  kleiner  als  bei 
lötstever  Art.  In  der  Sandateiobaak  8)  am  Lob*  und  Kleebetge. 
Scbichten  des  Am.  plarUooßta^  selteo. 

68.    Myoconcha  Jauberti  Dumortibr. 
1869.  Myo€o»eha  Jankerii  Dum.,  Stades  pal  8.  28*2.  pK  34.  f.  13. 

Lange  40  Mm.,  Breite  23,  Dieke  20. 

Eine  fast  cylindriscbe  Modiola-ähnlicbe  Gestalt.  Wirbel 
gaDz  vom  liegend,  eingebogen,  unter  demselben  ein  langer, 
sehrig  stehender  Zahn.  Ligamentleiste  lang,  etwas  gebogen. 
Vorderer  Maskeleindroek  nnter  dem  Wirbel  herzförmig  nnd 
sehr  tief  Hinterer  nicht  deutlich  sa  beobachten,  scheint  aber 
&QS  zwei  kleineren  Abdrücken  zn  bestehen  und  liegt  hinter 
dem  Wirbel,,  nahe  an  die  Ligamentleiste  geruckt. 

Eine  rohe  concentrische  Runzelung  und  feine  schwache, 
TOD  dem  Wirbel  ausstrahlende  Rippen  sind  an  dem  Steinkerne 
20  beobachten. 

Steinberg,  Schichten  des  Am,  breviipina^  selten. 

73.    Leda  Benevieri  Off. 
1856.  U^  Rmevieri  Opp.,  Juraform.  Seite  d5.  No.  65. 

Hohe  6f  Mm.,  Lange  20  Mm.  (Vordere  Verlängerung 
nicht  ganz  erhalten.) 

Hinten  oval,  vorn  stark  verlängert.  Wirbel  eingebogen, 
schwach  nach  vom  geneigt.  Von  denselben  ziehen  sich  auf 
beiden  Schalen  nach  vorn  sehr  scharf  ausgeprägte  Kanten,  die 
ein  vertieftes,  vorderes  Feldchen  begrenzen.  Ihre  Schale  ist 
ziemlich  dick  und  mit  massig  starken  concentrischeu  Linien 
geziert,  die  nach  vorn  der  Kante  fast  parallel  laufen,  endlich 
rechtwinklig  über  dieselben  weggehen  und  auf  dem  Feldchen 
wrack  nach  dem  Wirbel  zu  laufen,  unterhalb  der  Kante  be- 
findet sich  auf  der  Schale  eine  sanfte  Querrunzelung. 

Diese  Art  ist  von  Leda  Bomani  Opp.  aus  den  Am.  plant- 
co«to-8chichten  sehr  wohl  zu  unterscheiden.  Letztere  ist  etwa 
zweimal  so  gross,  viel  flacher  und  hat  sehr  feine  Zuwachs- 
streifen.  Die  vordere  Kante  ist  weniger  ausgeprägt  und  das 
Feldchen  dachförmig  hervorragend,  statt  wie  bei  Leda  Bene" 
^^  concav  zn  sein. 


322 

Ich  brauche  den  OpPBL'schen  Namen,  obgleich  er  ohne 
Beschreibang  steht  aod  sich  auf  eine  Form  besieht,  die  «aQS- 
schliesslich  den  Sichten  des  Jm.  angulatus  angehört  ^"^  da  die 
hier  besprochene  Art  viel  besser  mit  der  Form  der  unteren 
Schichten  übereinstimmt,  als  mit  der  der  Am.  planieosta- 
Schichten. 

Zwei  Exemplare  mit  erhaltener  Schale  sind  in  der  Wohn- 
kammer  eines  grossen  Am.  geometricus  bei  Wellersen  gefandeo. 
Brot  von  dieser  Art  mit  Schale  und  Steinkernen  sind  nicht 
selten  in  den  Oeoden  an  einer  Stelle  oben  auf  dem  Aulsberge; 
bei  diesen  fehlt  aber  der  lange  Schnabel. 

88.    Protoeardia  osBynoti  Qübh.  sp* 

1858.  Prcioeardia  oxynüH  Qoiif.,  Jura  8«  110.  t.  13.  f.  48 

Gleichklappig,  rundlich,  sehr  hoch  gewölbt 
Länge  3 — 10  Mm.,  Breite  2j — 9.  Die  Wirbel  liegen  in 
der  Mitte,  sind  eingebogen  und  schwach  nach  vorn  geneigt. 
Kante  sehr  schwach  oder  nicht  vorhanden.  12  — 14  Badial- 
rippen,  die  hintere  Hälfte  derselben  sehr  fein.  Hinten  und 
vorn  ein  querstehender,  etwas  leistenformiger  Seitenzahn,  wie 
bei  Protoeardia  Ewaldi  Born.  sp.  Von  tiefer  liegenden  Species 
leicht  zu  unterscheiden  durch  ihre  sehr  starke  Wölbung  und 
fast  kreisrunde  Gestalt.  In  der  Oolithenschicht  bei  Yardeilsea 
ist  die  Art  selten,  erreicht  aber  eine  Grosse  von  8  — 10  Mm. 
In  der  Schicht  6)  häufig,  aber  klein.  Schichten  des  yim.  bi/er» 

84.     Card  tum  sp. 

Conf.  QoKN.,  Jura.  t.  5.  f.  14.  (tda.  b.) 

QuRnSTBDT  bildet  ein  kleines  Cardium  aus  dem  Vaihioger 
Nest  ab,  ohne  es  zu  benennen,  vergleicht  es  aber  mit  Cärdium 
multicostatum  Phill«,  (=  Isocardia  cingulata  Qoldf.)  aas 
dem  mittleren  Lias.  Exemplare  aus  den  Am,  angtUatus-Schichien 
des  Götzenberges  bei  Gottingen  stimmen  genau  mit  seinen 
Abbildungen  uberein.     Selten. 


323 

91*    Pleuromya  liasina  SoHüB.  sp. 

lS3a  ümo  Uanmm  Zur.  t  61.  f.  3. 
ISoa  PMopmea  Uatma    o'Oib.,  Prodr.  7.  7i,  ' 
IS56.  Pam.  Rasina  Opp.»  Jnrafonn.  8.  93.  56. 
iSaS.  Jfyacüef  üaJtmiff  Qdsn.,  Jara.  t.  10.  f.  3.  4. 


In  jeder  festen  Bank  des  unteren  Lias  oberhalb  der 
Psilonotenschichten  kommen  selten  Exemplare  von  Plearomya 
Tor,  die  eine  Lange  von  90  Mm.  erreichen.  Ich  halte  Fl. 
Galaikea  Aoass.  ans  den  ^m.  an^atiM-Schicbten  bei  Oottingen 
Qod  PL  oxynoH  QuBif.  sp.  aus  den  Am,  6t/i9r-Schichten  für 
»Ibatatändige  Species.  Alle  anderen  sind  unter  dem  Namen 
/^.  liama  angeführt. 

Schichten  des  Am,  angulatuB  bis  an  die  untere  Grence  des 
mittleren 


114.    Turbo  sp.  indet. 

Eine  etwa  4  Mm.  lange  Form,  die  in  ihren  Umrissen  der 
Abbildung  bei  QuEVSTBDTf  Jura,  t  19.  f.  27.  gleicht.  Die 
Windangen  sind  bauchig  gewölbt,  und  über  die  ganze  Ober- 
flache verlanft,  von  oben  nach  unten  etwas  nach  hinten ,  eine 
mikroskopisch  feine,  regelmässige  Streifung;  auch  eine  feine 
Spiralstreifung,  von  der  man  mit  blossem  Auge  kaum  eine 
Spar  sieht,  wird  mit  der  Lupe  bemerkbar. 

Am  Aulsberge  und  am  Bachufer  zwischen  Deitersen  und 
Markoldendoif. 

Schichten  des  y^m,  geometricus  selten. 

99.    Phatianella  conf.  cerithiiformis  Pibttb. 
BolL  8oe.  giol.  II.  Tom.  13.  S.  904.  f.  11.  IIa. 

Kleine,  etwa  4  Mm.  lange,  mit  den  oben  citirten  Abbil- 
doogen  genau  übereinstimmende  Formen  sind  sehr  häufig  in 
^en  Schichten  des  Am.  hifer  am  Lohberg  und  bei  dem  Elapper- 
tborme  und  kommen  auch  tiefer  in  dem  Oolith  bei  Yardeilsen  vor. 

Mit  dieser  Art  kommt  eine  Reihe  kleiner  Gastropoden 
vor,  ?0D  welchen  man  bloss  Abdrucke  und  Steinkerne  findet. 
£s  sind  unter  anderen  ein  kleiner  Turbo,  der  Paludma  Kraus- 
'^A'ia  Dcifk.  aus  den  Am.  an^ulafiM-Schichten  von  Halberstadt 
änlich,  ^ctewmia  DewalquH  Opp.  und  sehr  häufig  in  der 
poion  oberen  Hälfte  des  unteren  Lias  ein  glattes   Dentalium 


324 

(Länge  20  Mm-,  Dicke  I   Mm.)i  «Im  man   unter  dem  Namen 
Dentalium  Andleri  Off.  Joraform.  S.  93.  citiren  kaon. 

101.   7  Trochu.»  seleetut  Chap.  und  Dbw. 

DaB  einzige  mir  vorliegende  Exemplar  dieser  schönen  Art, 
welches  ans  einem  inneren  Steiukerne  und  dem  sehr  scharfen 
äusseren  Abdrucke  besteht,  leigt  grosse  Aehnlichkeit  mit  der 
oben  cilirten  Abbildung.  leb  konnte  mich  Jedoch  vnu  der 
Identität  beider  Arten  nicht  überzeugen. 

Das  Exemplar  besitzt  bei  4 — 5  Windungen  eine  Höbe 
von  11  Mm.;  iWindungswinkel  etwa  55°.  Dia  Windangen 
tragen  einen  scharfen,  aus  einer  Knotenreibe  gebildeten  Kiel, 
sind  breit  and  wenig  concav.  Die  Sculptur  der  Windungen 
besieht  aus  drei  Reihen  ziemlich  starker,  dicht  stehender 
Knötchen  oberhalb  des  Eiels.  Diese  Reihen  sind  unter  einander 
und  von  dem  Kiel  ungefähr  gluch  weit  entfernt.  Auf  der 
letzten  Windung  stellt  sich  swiscben  der  zweiten  und 
dritten  Knotonreibe  (von  unten  getählt)  eine  vierte  Reihe  sehr 
feiner  Knötchen  ein.  Von  jedem  Knötchen  in  einer  Reihe 
gehen  swei  Leisten  hinauf,  |die  dasselbe  mit  dem  zunächst 
darüber  stehenden  Knötchen  verbinden.  Auf  der  stark  ge- 
wölbten Unterseite  stehen  10 — 12  Knotenreihen,  von  welchen 
die  zunächst  unter  dem  Kiele  stehenden  stärker  nnd  weiter  von 
einander  entfernt  sind,  als  die  übrigen.  Auch  geht  auf  der 
Unterseite  eine  sebr  feine  Streifu'ng  quer  über  die  Knotenreibe 


325 

116.    Turbo  heliei/ormia  Zibt. 

m.  Twrho  keHciformu  ZiBT.  t.  33.  f.  3. 

1636.  Trackiu  UeiU  Ooldf.,  t.  t79.  f.  10. 

im,  Twrka  Midms  d'Oi^.,  Pal.  firan.  t.  3^.  f.  i4~|6. 

tS56.  r.  keReiformis  Opp.»  Jnraform.  B^  170« 

m.  r  Ael  QcBH.,  Jura  t.  19.  f.  23-26. 

Die  sUrk^n  quersteheodea  Bippen  ein  weaig  S-formig, 
Uten  ia  Snoten  endigend.  Kante  'hcrTorstebend  gekorneK. 
Aaf  der  Bb^  3 — 4  marki^te  Liaien. 

Hohe  bei  4  Wind^Ogen  7  Mm« 

Schiebten  des  Am.  C€ntaui%a^  Steinberg. 

Cemoria  I^baoh. 

Die  Gattung  Cemoria  (conf.  H.  und  A.  Adams,  The  genera 
<>f  receot  sbelU  and  Sawi^B^T,  Tfi^SQ'^ra«  Coach.  1866.  vol. 
3-  S.  207.  t.  10.  f.  1 — 16.)  vereinigt  den  unten  beschriebenen 
trichterförmigen  Vorsprung  im  Inneren  der  Schale  mit  dem 
«chmaleD,  nach  nnten  geschlossenen  Loch  von  Rimula.  In 
(lea  Liaafoiimen  ist  der  Vordprung  noch  starker  ausgebildet  und 
mit  der  offenen  Spalte  von  Emarginula  verbunden.  Da  aber, 
wie  ich  mich  in  dem  Eon.  zoologischen  Museum  zu  Berlin 
überzeugen  konnte,  bei  allen  lebenden  Arten  der  Gattung  Ce- 
moria das  Loch  sich  als  Furche  auf  der  Innenseite  und  durch 
Eigeothämlichkeiten  der  Zeichnung  auf  der  Aussenseite  nach 
uDteo  bis  zu  dem  Rande  fortsetzt,  meine  ich  mehr  Gewicht  auf 
cas  Vorhandensein  eines  inneren  Vorsprungs,  als  auf  das  Zu- 
fiammenwachsen  oder  Offenbleiben  der  Spalte  legen  zu  miissen. 

95.    Cemoria  eostata  nov.  sp. 

Tif.  H,  Fig.  5,    Ansicht  der  Schale  in  nat&rlicber  OrÖise. 

—  Fig.  5a.  Dieselbe  yergrOssert,  etwas  Ton  hinten  gesehen. 

—  Fig.  5b   Eine  zweite  Schale  von  innen.  Band  der  Schale  and  des 

Yorsprangs  nicht  gans  erhalten. 

—  Fig.  7.    Idealer  Durchschnitt. 

Sämmtliche  Abbildungen  nach  scharfen  Abdrucken  in  Thon 
gezeichnet. 

Schale  tief  napfformig,  mit  nach  hinten  gebogener,  wenig 
«iogeroUter  Spitze.  Mundöffnung  oval.  24  starke  schneidende 
Kippen,  zwischen  denselben  1 — 2  sehr  feine  Nebenrippen. 
Die  feinen  gedrängten    Znwachsstreifen   gehen  ununterbrochen 


326 

um  die  Schale  heram.  Der  schmale  EiDscbnitt  am  Vorderraad 
reicht  etwas  über  die  Mitte  der  Schale  hioaDr. 

Im  Inoeren  der  Schale,  etwas  über  dem  Faakte,  wo  der 
EiuschDitt  aufhört,  befindet  sich  eia  starker,  halbmoodförmiger 
Vorspruag,  durch  welchen  ein  kegeirörmiger,  nach  unten  offener 
Raum  abgegrenit  wird.  Diese  Eigenthümlicbheit  der  Schalen- 
bildnng  scheint  dadurch  hervorgebracht  in  sein,  dass  die 
Furche,  die  in  Semparia  die  Fortsetzung  des  Einschnitts  auf  der 
Oberfläche  bildet,  so  tief  wird,  dass  sie  in's  Innere  der  Schale 
selbst  eindringt  und  den  Vorsprnng  bildet,  und  dass  dann  auf  der 
Aussenseite  diese  Furche  von  oben  herunter  öberwachsen  wird. 

3  Exemplare  ceigeo  die  Innen-  und  6  die  Aussenseite. 

Schichten  des  jtm.  centaurui.    Steinberg. 

96.    Cemoria  ptinetata  nov.  sp. 
Taf.  IX.  Fig.  6.  Anweht  in  nstUrlictier  QrSue. 

—        Fig.  6a.  DsMalbe  rergrOiMrl,  von  der  Seite  gMihen. 

Nach  Abdrücken  in  Thon  geieichnet. 

In  Gestalt  und  Krösse  der  vorigen  Art  äbntich,  unter- 
scheidet sich  jedoch  leicht  dadurch,  dass  auf  der  sonst  glatten 
Scbalenoberdäcbe  circa  14  Reihen  tiefer  Groben  von  der  Spitse 
ausgeben. 

Von  der  Spitze  nach  vorn  zu  beiden  Seiten  des  Einschnitts 
laufen  flache  Kanten.  Auf  einem  Abdrucke  von  innen  beob- 
achtet man  flache  Forchen  an  der  Stelle  der  Grnbenreihen,  so- 


327 

119.  Ämmonites  geometricus  Opp.  (oon  Phill.) 

V.%.  jmMüttiia  geometricus  Opf.,  JoiiifonD.  8.  79.  16. 

«3.  Am.  geowk.  Scatöfc.,  Beitr.  Pal.  Bd.  13.  8.  155.  t.  1.  (26.)  f.  3. 

Zq  der  auBfahrlichen  Beschreibung  voo  SohlOnbach   fige 
Eb  einige  Messongen   hinza,  die  ich   an   einem    sehr  grossen 
txemplare  von  Wellersen  gemacht  habe.     Bemerkenswerth  ist 
k  Höbe  des  Kiels  an  der  aasgewachsenen  Schale. 
Bei  7  Windungen  misst  di^s  Exemplar: 
Dorchmesser  106  Mm. 

Hohe  des  letzten  Umgangs     28  Mm. 
Dicke  desselben  20  Mm. 

Hohe  des  Kiels  5  Mm. 

Haofig  am  Aalsberge  bei  Wellersen.  Selten  bei  Ameisen 
nd  am  Bachofer  zwischen  Deitersen  and  Markoldendorf. 

122.  ^mmonites  tamariseinua  Sghlön. 

t^  Ammomi€$  tammiicmus  SchlÖr.,  Boitr.  Pal.  Bd.  13.  8.  159.  t.  9. 

(T.)  f.  1. 

Bio  grosses  Bmchstock  (Hohe  78  Mm.)  von  einer  Win» 
daog  dieser  seltenen  Species  hat  sich  bei  Odagsen  in  den 
'^cbicbteo  des  Atn.  planicosta  gefanden. 

Die  Schichten  des  Am.  bi/er  enthalten  eine  kleine  Am- 
iC(^>iiiteofaana,  in  welcher  fast  alle  die  Arten  vertreten  sind, 
die  Qdsxstedt  unter  dem  Namen  j4fn.  bi/er,  nudicosta^  armatus 
^nodta  a.  s.  w.  zusammenfasst,  ohne  dass  vielleicht  eine 
triezige  Form  mit  der  süddeutschen  genau  abereinstimmt.  Diese 
Fauna  beginnt  in  den  Geoden  in  der  Oberregion  der  Thon- 
Mbicbt  7),  findet  ihre  Hauptentwickelung  in  der  Bank  6)  und 
e^bt  in  die  Thonschicht  5)  hinauf  bis  fast  an  die  Grenze  des 
nittleren  Lias.  Nachdem  ich  wohl  ober  hundert  Exemplare 
^QK  dieser  Zone  gesammelt  habe,  kann  ich  mit  ziemlicher 
^icherbeit  folgende  fünf  Formen  von  einander  getrennt  halten. 

123.  Ammonites  bi/er  nudicosta  Qubnst. 

Taf.  X.  Fig.  1.  Anflicht  von  der  Seite. 
—      Fig.  la.  Ansicht  von  dem  Rücken. 
>^^^  TnmtUet  CoynarH  d'Oib.,  t.  43.  f.  4-7. 
1^  im,  yifer  nudUosia  Quin.,  Jara.  t.  13.  f.  14. 

Bei  6  Windungen  ist  der 


328 

PwcbmeMer  28  Mm. 

Höbe  der  letzten  Windung  5     Mm. 

Breite  derselben  5j-  Mm, 

Rippen  auf  der  fünften  Windung:  25- 
Brste  3  Windangen  glatt,  Mandöffnung  rnndlicb  Tiereckig. 
Die  Rippen  beginnen  an  der  Nabt  acbwacb  and  nacb  hinten 
gewendet,  treten  aber  dann  altmälig  schärfer  hervor  nnd  geben 
rechtwinklig  nber  die  Seite,  bis  sie  nacb  oben  in  schneidend 
hervorspringenden  Kanten  auslaufen,  die  nach  hinten  gewendet 
sind.  Diese  Kanten  sind  auf  dem  Rücken  darch  Rippen  ver- 
banden,  die  eine  regelmässige  Biegaag  nach  vorn  machen  und 
sich  ein  wenig  verdicken.  Der  schneidende  Theil  der  Rippen 
liegt  nicht,  wie  es  bei  den  säddentscben  Exemplaren  der  Fall 
ist,  in  der  Mitte  der  Seile,  sondern  genan  in  der  RSckeukante. 
Bei  anderen  Exemplaren  fehlt  der  schneidende  Vorsprang  an 
der  Rückenkante,  und  die  Rippen  an  beiden  Seiten  treffen  in 
der  Mitte  des  Rückens  in  einem  Winkel  mit  der  Spitze  nacb 
vorn  snsammen.  Die  bei  Ammoniten  dieser  Familie  sa  häofiga 
excentrische  Missbildung  habe  ich  mehrmals  beobachtet.  Dies« 
Art  stimmt  ziemlich  gut  mit  den  Abbildnngen  nnd  der  Besehrei- 
boDg  bei  QDBNBTBbT,  sowie  auch  mit  den  Abbildangen  von 
Turrililet  Coynarti  d'Obb.  öberein.  OpPKL  cilirt  letitere  wohl 
mit  Unrecht  als  Synonym  für  Am.  planicosta  Sow. 
Sehr  häufig.  Schiebten  des  Am.  bi/er,  überall, 
121.    Ammonitet  mutieu»  d'Obb, 


329 

Bei  5  WiDdangen  besitzen  sie  einen  Dtttchmcsser  von  50 
-00  Mm.  und  stimmeB  ganz  genau  oilt  Bzemplaren  von  Am. 
mttut  densinodus  QuBiv.,  die  ich  in  dem  Kon.  Blnseum  zu 
kdia  n.  sehen  die  Gelegenheit  hatle,  «herein. 

Sehr  bänfig.     Schichten  des  Am,  htfer  nbera]!. 

125.    Ammonites  Lohbergensis  nov.  sp. 

id.  I,  flg.  3.  Ansicht  in  natürlicher  Oroose. 
-     Flg.  3a.  Dasselbe  Ton  dem  Bücken. 

Bei  6  Windungen  Dnrchnesser  35  Mm. 
Hohe  des  letzten  Umgangs  7-^  Mm.  ' 
Breite  »desselben  9  Mm. 

WiadiiQgen  wenig  involnt.  Mandöffnang  breit  tiereckig, 
tBtea  sbgenmdet.  Rippen  starker  «nd  nicht  so  scharf  als  bei 
^^  A^er  »udieoeta.  Sie  beginnen  gleich  an  der  Nabt  «mit 
^er  ksam  merklichen  Wendung  nach  hinten ,  tragen  an  der 
Käckeaksste  stnmpfe  Knoten  und  geben  gerade  und  ohne  Yer- 
ikknng  über  den  flachen  Rucken  weg.  Wird  zweimal  so  gross 
^  <i«8  abgebildete  Exemplar.  t>ie  geraden  Rippen,  der  breite 
iube  Rocken ,  sowie  aneh  der  kräftige  Habittas  unterscheiden 
^e  Art  leicht  von  all«n  anderen  aus  dem  unteren  Lias. 

Das  abgebildete  Exemplar  wurde  schon  vor  Jahren  von 
3^ni  T.  Skkbach  am  Klapperthurm  bei  Markoldendorf  gefunden 
u<i  summt  unzweifelhaft  aus  der  Bank  6),  wo  ich  selb^ 
SDtbrere  Exemplare  gefunden  habe. 

Schichten  des  Am.  bi/er^  selten. 

126.    (?)  Ammonitea  bi/er  QuEN. 

Bei  4  WiDdangen  Dnrchmesseir  10  Mm. 
Bei  2  Windungen  Hohe  des  Uebergangs  2  Mm. 
99         9  Breite  desselben     4  Mm. 

Die  Exemplare  besitzen  eine  ziemlich  starke  Involubflität 
^  eise  sehr  breite  Mundoffnong.  Rücken  flach  gewölbt  ohne 
^pen.  Auf  der  Seite  sind  die  Rippen  stark  hervortretend, 
uebt  lehneidend.  Dieselben  endigen  nbch  oben  in  istompfen 
boten.  Sdten  in  der  Schiebt  6)  bd  dem  Kittppenhimn  «nd 
^  Jalini^Utle. 

Scfaicbtao  des  Am.  Ufer. 


330 

127.    j^mmonites  sp.  indeL 

Hohe  einer  Windang  6  Mm. 
Breite  derselben  7  Mm. 

Diese  Form,  die  ich  nar  in  einigen  Bracbetocken  ke 
besitst  sehr  geringe  Involubilitat.  MandofFnang  zwischen 
Rippen  oval,  hoher  als  breit,  durch  die  Rippen  viereckig 
unten  abgerundeten  Ecken  und  breiter  als  hoch.  Oberhalb 
Naht  eine  breite  concave  Furche,  die  fast  die  Halfle  der  S 
einnimmt;  die  Rippen  sind  in  derselben  Schwach,  treten  t 
dann  sogleich  auf  der  Seite  oberhalb  derselben  ansserordent 
stark  hervor  und  gehen  wenig  abgerundet  und  mit  schwac 
Biegung  nach  vorn  über  den  Rucken  weg.  Gleich  oberhalb 
Furche  und  auf  dem  Rficken  zeigen  die  Rippen  Andeoton 
von  Knoten.  Man  kann  diese  Form  mit  .^m.  bi/er  bitpitu 
QuBN.  vergleichen.  Sie  weicht  aber  durch  die  breite  Ni 
furche  und  die  Hohe  der  Rippen  von  ihm  ab.  Sehr  selten 
Bank  6)  am  Lohberge. 

Schichten  des  Am,  bi/er. 

129.    Ammoniiet  armatu9  Sow. 

Taf.  X,  Fig.  4.  Bin  jnngea  Bzemplar  von  der  Seite. 
—      Fig.  4a.  Dataelbe  von  dem  Bftcken. 
1816.  AmmanUu  ^trmaiui  Sow.,  Min.  con.  t.  95. 
1844.  ilm.  arm,  d*Oib.,  Pal.  Aran.  t.  78. 
1863.  Am.  arm.  Oppbl,  Mittl.  Liaa.  Schw.  t.  1,  f.  4. 
1868.  Am.  nodo$%ga»  Qobn.,  Jara,  t.  14,  f.  8. 

Durchmesser  400  Mm. 
Hohe  der  letzten  Windung     60  Mm. 
Breite  derselben     45  Mm. 
Ich    gebe    hier    Messungen  des    grossten    mir    bekannt 
Exemplars    des    Am.    armatm    Sow.,    Opfbl    (=    nodogi\ 
Qubnstbdt),  welches  aus  dem  Steinmergel  in  dem  „Elef  *  i 
Steinberge  stammt.      Diese    grossen  Exemplare   sind  in    ( 
Schichten  der  Terebratvla  subovaidei  sehr  selten ;  ziemlich  bau 
hingegen  an  jedem  Aufschlusspunkte  in  der  Bank  5)  am  Std 
berg  und  sudlich  von  dem  Klapperthurm  ist  ein   kleiner  A 
monit,  den  ich    für  Brut  von  Am.  armatus  halte.     Dersel 
zeigt  bei  18   Mm.   Durchmesser  4t  Windungen  und  18  1^ 
Stacheln  auf  dem  letzten  Umgange.     Die  Mundö£Faung  ist  ^ 
gerundet  und  ein  wenig  breiter  als  hoch.     Es  gehen  voo  i 


331 

Stacheln  aas  eine  Ansahl  schwacher  Streifen  sowohl  ober  den 
Rocken,  als  hinab  nach  der  Naht. 

Etwas  verschieden  ist  nun  eine  zierliche  Form,  die  ich 
Tif.  2,  Fig.  4, 4a.  abgebildet  habe.  Hier  ist  die  Mandoffnang 
kreisrund,  and  ausser  den  feinen  Streifen  gehen  breite  Rippen 
von  den  Stacheln  hinab  nach  der  Naht.  Es  sind  anf  dem  ab- 
gebildeten Stack  za  beiden  Seiten  5  Stacheln,  von  denen  drei 
stompfe  Knoten  mit  coovexer  polirter  Flache,  zwei  lange  spitze 
Stacheln  sind.  Mit  dem  Auftreten  der  letzten  beginnt  unzwei- 
felhaft die  Wohnkammer;  denn  ein  feiner  Kiel,  zu  dessen  bei- 
den Seiten  zwei  Furchen  liegen,  hört  an  diesem  Punkte  auf, 
Bod  der  Verlauf  der  Streifen  ändert  sich  auch  gleichzeitig. 
Auf  der  Windung  vor  der  Wohnkammer  nämlich  laufen  zwischen 
je  iwei  g^enuberstehenden  Knoten  9 — 10  Streifen ,  von  wel- 
cben  die  drei  ersteren  gerade  sind  oder  eine  sanfte  Biegung 
nach  hinten  machen,  die  folgenden  biegen  sich  immer  schärfer 
nach  rorn,  bis  sie  zuletzt  die  Mitte  des  Rückens  in  einem 
Paokte  treffen,  der  nur  wenig  hinter  dem  vorangehenden 
Kooteopaare  liegt.  Es  wird  so  ein  schildförmiges  Feldchen 
gebildet,  ausserhalb  dessen  die  Schale  glatt  bleibt.  Auf  der 
Wobnkammer  hingegen  laufen  nur  ein  Theil  der  Streifen 
zwischen  den  Stacheln,  die  Mehrzahl  gehen  auf  den  Seiten 
hioab  und  bedecken  so  die  ganze  Oberfläche. 

Dieses  Exemplar  stammt  aus  Bank  4)  in  dem  grossen 
Steiobrache  am  Kleeberge. 

Neulich  gab  Dumortibb*)  eine  Abbildung  von  Am,  armaius^ 
die  genau  mit  den  Formen,  die  ich  als  Brut  von  Am.  armatu% 
beschrieben  habe ,  sowie  mit  dem  von  mir  abgebildeten  Exem- 
plare ibereinstimmt;  zugleich  rechnet  er  die  grossen  hochmun- 
d^geo  Formen,  sowie  auch  die  Abbildung  Oppel's,  Mittlere 
Jon  Schwabens  t.  1,  f.  4.,  zu  Am.  mhmuticus  Oppbl  (conf. 
&ucb  QusasTKDT,  Jura.  S.  124.)  Dumortibr  fuhrt  an,  dass 
^m.  ormalM  eines  der  charakteristischsten  Fossilien  des  unter- 
sten Lagers  des  mittleren  Lias  sei;  eine  Thatsache,  die  ich  für 
die  von  qu.  aotersuchte  Gegend  nur  bestätigen  kann. 


*)  fitadei  paI.  ■   lea  Depots  Jur.  d.    Bassin  da  Bhöne,  III.  S.  59. 
t  8,  f.  1^9. 


130.    Ammonites  sp.  indet. 
Bei  4  WinduDgen  Durchmesser  14     Mm. 
Höbe  der  letzten  Windung     4^  Mm. 
Breite  derselben     3  Mm. 
Diese  Art  ist  deutlich,  aber  nicht  stark  invDlut.    Die  Mund- 
öffnung ist  länglich  eiförmig,  mit  ziemlich  breiter  Basis.    Gröeste 
Breite  unterhalb  der  Mitte.     Die   Windungen    fallen    nach    der 
Naht  cu  steil,  aber  abgerundet  ab.    Der  Rücken  ist  rund  ohne 
Andeutung  von  Kiel    oder  Furche.     Auf  der  Schalen  Oberfläche 
bemerkt  man  mit  der  Lupe  dicht  stellende,  etwas  sichelförmige 
Streifen;  Steiukerne  sind  ganz  glatt.     Diese  Form  ist  mir  nnr 
iin  Jngendzustande    bekannt;  dieselbe    ist    der    stete    Begleiter 
von  Am.  armattu  in  der  Bank  4),  und  diese  zwei  Bind  die  ein- 
zigen Ammnniten,  die  iu   den   Schichten  der   Terebrahda   ȟb- 
ovoides  vorkommen. 

138,    AmmonittB  Conf.  submuticut  OppBL. 
Taf.  X.  Fig.  5.  Aoaicht  tod  der  Balte  (etwai  verdrückt). 

MundÖffDQDg  sehr  hoch,  (irösete  Breite  zwischen  den 
Knoten.  Nach  anten  verengt  sie  sich  zuerst  sehr  allmälig, 
in  der  Nähe  der  Naht  etwaa  schneller,  Rücken  gekielt.  Bei 
4  Windungen  25  Rippen;  dieselben  beginnen  an  der  Xabt  mit 
«iner  Wendung  nach  hiaten,  biegen  sich  aber  dann  stark  nach 
vorn  und  treffen  in  der  Mitte  des  Rückens  in  einem  stumpfen 
Winkel  zusammen.    Zwischen  je  2  Rippen  6 — 7  feine  scharfe 


333 

BiGNT  und  QuBHSTBDT,  feigen  aber  nur  undeatliche  Sporen  von 
dem  gekerbten  Keil  des  Am.  LynXj  woran  die  Erhaltung  Schuld 
sein  mag.  Die  feinen  sichelförmigen  Rippen,  von  welchen 
eioige  etwas  starker  werden  als  die  anderen,  kann  man  deatlich 
beobachten. 

Am  Batterberge  und  bei  dem  Pinkler  (Schichten  des  Am, 
Iffempind)  siemlich  häufig. 

142.    Ammoniies  Heberti  Opp. 

I^ii  Ammamtei  bmispina  d'Orb.,  Pal.  fran.  t.  79  (non  Sow). 
1K)6.  Am.  Heberti  Opp.,  Jaraform.  S.  158. 

Bei  7 — 6  Windungen  Durchmesser  135  Mm. 
Hohe  der  letzten  Windung  35  Mm. 
Am,  brevispina  d'Obb.  unterscheidet  sich  von  Am,  brevi- 
fpina  Sow.  dadurch,  dass  beim  Wachsen  die  Rippen  des  ersten 
»ich  Terflachen  und  endlich  ganz  aufhören.  Es  liegt  mir  ein 
Exemplar  mit  theilweise  erhaltener  Wohnkammer  vor,  das  diese 
Eigenthnmlichkeit  zeigt.  Da  nun  auch  die  sehr  verwickelte 
Lobeozeichnong  genau  mit  der  Abbildung  bei  d*Orbignt  Sber- 
eioatimmt,  ist  diese  Art  wohl  mit  der  französischen  identisch. 
Auf  den  inneren  Windungen  steht  die  untere  Knotenreihe  fast 
in  der  Mitte  der  Seite,  also  hober  als  bei  Am,  brevispina  Sow. 
Schichten  des  Am,  centaurus  (nach  der  Gesteinsbeschaffenheit 
zu  Ditheiieu).  Das  einzige  Exemplar  habe  ich  von  den  Arbeitern 
bekommen. 


Brklanng  der  Tafeh  TIU— X. 

Tafel  VIII. 

Teberiichukarte  derLiaMchichten  bei  Markoldendorf  (Maassitab  1 :  100000). 
In  mittleren  Lim  sind  die  Schichten  der  Terebraiula  tubovoidet^  det 
Am.  bretitfnna  nnd  des  Am.  ceniaurut,  im  unteren  Lias  die  Schichten 
^^  Am,  angulaiut  and  die  PiilonotcnBchichten  mit  e  i  n  er  Farbe  angegeben. 

Tafel  IX. 

^>K-  !•  la.  Ib.  MimiRvaUia  /iofiiia  nov.  fp.  Seite 

1.  von  anisen.    la.  Steinkem  von  unten. 
Ib.  Daaselbe  von  der  Seite. 

Schichten  dea  Am.  eeniaunu 313 

Zati.  d.  D.  |e*l.  Gt«.  XXII.  %  22 


334 

Fig.  1  Sa.  3b.  Rhynchaneila. 

Seh.  d.   r  tuho90ide$ 31t{ 

Fig.  3.  3a.  Crania  liaiina  nov.  sp. 

Schiebten  der  7.  mbotaides        31 T 

Fig.   4.  4a.   4b.  Pecien  Lohbergensit  nov.  sp. 

4.  Linke  Klappe  von  aussen. 

4a.  Ein  Stück  von  derselben  rergrössert. 
4b.  Beide  Klappen  von  innen. 

Seh.  d.  Am,  Infer 3ib 

Fig.  5.  5a.  5b.   Cfmorto  cQslata  nov.  sp. 

5.  in  natürlicher  Grösse.     5a.  vergrössert. 
5b.  Dasselbe  von  innen. 

Seh.  d.  Am,  ceniaurui 3^21 

Fig,  6.  6a.  Cemoriit  punctata  nov.  sp. 

dch.  d.  Am.  centaurus ^-^ 

Fig.  7.  Durchschnitt  von  Cemoria  cottata  (ideal) \'2h 

Tafel  X. 

Fig.  1.   ta.  AmmonUei  bifer  var.  nudicotia  Qubnst 327 

Fig.  2.  Am.  muticus. 

Schichten  des  Am.  bifer tV2^ 

Fig.  3.  3a.  Ammonite»  Lohbergensit  nov.  sp. 

Seh,  d.  Am,  bifer ,,.,...      ^'29 

Fig.  4.  4a.  Ammonites  armatus  Sow. 

Schichten  d.  7.  tubovoidea M 

Fig.  5.  Ammonites  conf.  submuticua  Opp. 

Schichten  d.  Am,  bretiipina ^^^ 


335 


i  l'ebcr  eüuge  llMirudlaigei  falilBdiselier  FeMspatkc 

Vob  Herrn  J.  Lemberg  in  Dorpat. 

Aof  zwei  geogoostischeo  SommerreiseD  in  Finland  hatte 
ich  <ielegenheit,  den  Granit  in  der  Stadt  Helsingfors  zu  unter- 
suchen, und  zwar  den  ObservatorHimshagel  sowie  den  Felsen, 
aof  dem  die  neue  russische  Kirche  erbaut  ist.  Im  Sommer 
1868  fand  ich  an  genannten  Stellen  Sprengungen  vor,  durch 
welche  interessante  und  zum  Theil  mir  unbekannte  Gesteins- 
amwandluDgen  blossgelegt  waren.  Da  indess  die  chemische 
Ußtersachung  nicht  abgeschlossene  Resultate  ergab,  beschloss 
ich  die  Localuntersuchung  im  folgenden  Jahre  zu  vervollstan- 
(iigeo.  Leider  waren  die  gesprengten  Stellen  zum  grossten 
Theii  mit  Kehricht  und  Gesteinstrümmern  verschüttet  oder,  wie 
bei  der  russischen  Kirche,  mit  Rasen  belegt  worden,  und  wie 
ich  remahm,  ist  es  die  Absicht,  alle  die  nackten  Felsen  unter 
einer  Vegetationshülle  verschwinden  zu  lassen.  Die  nachträg- 
liche Untersachung  konnte  daher  zum  Theil  gar  nicht,  zum 
Theil  nur  sehr  unzulänglich,  oft  an  losen  abgesprengten  Stücken 
ausgeführt  werden,  und  für  die  chemische  Untersuchung  ergab 
dich  noch  der  besondere  Nachtheil,  dass  nicht  immer  zur  Ana- 
Ijse  ausreichendes  Material  gewonnen  werden  konnte.  Trotz- 
<iein  beschloss  ich,  die  Arbeit  fortzuführen,  einerseits,  da  schon 
^ele  Analysen  vorlagen ,  deren  Resultat  kein  ganz  uninter- 
essantes war,  andererseits,  da  man  nicht  annehmen  konnte, 
alle  hier  beobachteten  Verhältnisse  hätten  bloss  lokale  Bedeu- 
tung and  konnten  anderswo  nicht  näher  untersucht  oder  con- 
trolirt  werden.  Im  Gegentheil  habe  ich  ähnliche  Verhältnisse 
recht  oft  beobachtet;  es  scheint  aber,  dass  man  ihnen  bisher 
^eine  nähere  Aufmerksamkeit  zugewandt  hat.  Soweit  analy- 
tisches Material  verschafft  werden  konnte,  sind  auch  anderwei- 
^e  Vorkommnisse  berücksichtigt. 

Di«  Methode  der  Analyse  anlangend,  wurden  die  Silikate 
init  Flnsssänre  und  Schwefelsäure  aufgeschlossen,  Thooerde 
Qod  Bisenozyd  dnrch  essigsaures  Ammon  in  der  Siedhitze  ge- 

22* 


336 

fällt,  Kalk  durch  ozaUaurea  Ammon  abgescbieden.  Mach  Ab- 
rsuchuog  der  Ammnnsatze  trennte  man  die  Magnesia  von  den 
Alkalien  darcb  BarytwaBser,  das  Kali  vom  Natron  darcb  Plalin- 
cblorid.  fiei  der  Anatyse  des  bloss  darcb  Scbwefelsänre  cer- 
setsten  Silikatantheila  wurde  die  abgeschiedene  Kiesel  säure 
dem  ancersetzteD  Räckstande  durch  Kochen  mit  verdünnter 
Natronlauge  entzogen. 

I.,  Oestlich  von  der  deutschen  Kirche,  unmittelbar  hinter 
derselben ,  besteht  der  (iranit  des  Observatoriumsbögels  aus 
Quarz,  Orthoklas,  OÜgoklas  und  rothen  eingesprengten  (ira- 
naten,  die  bisweilen  mit  Beibehaltung  der  Form  in  Chlorit  und 
Glimmer  umgewandelt  werden.  Der  hellrotbe,  feinkörnige 
Qraoit  enthält  stellenweise  ader-  und  nesterartige  Einlagerangen, 
die  eine  brauurolhe  Farbe  zeigen  und  wesentlich  ans  Quarz 
und  OÜgoklas  mit  sehr  wenig  Orthoklas  aasammeogeselil 
sind.  Im  Folgenden  sollen  die  Zersetzungsproducte  des  in  den 
Einlagerungen  vorkommenden  Oligokiases  uotersucht  werden. 
Völlig  unverändert,  indessen  nor  selten  sich  so  vorfindend, 
zeigt  das  Mineral  eine  beinahe  weisse  Farbe,  die  bei  der  Zer- 
setzung durch  verschiedene  Nuancen  von  Roth  in  Hotbbreun 
iibergebl.  Dabei  nimmt  der  Glanz  stark  ab,  während  die  Spal- 
tungsrichtung selbst  bei  weil  vorgeschrittener  Umwandlung  bei- 
behalten wird.  Die  lothe  Färbung  erstreckt  sich  nicbt  immer 
gleichraässig  auf  einen  ganzen  Krystall;  man  beobachtet  eebr 
oft  hell-  und  dunkelrothe  Partien  neben  einander,  ja  sogHr 
völlig  unveränderte  neben  rotbbraanen  ohne  irgend  einen  Deber- 
gang,  ein  Beweis,  dass  selbst  bei  so  kleinen  Dimensiooeo  das 
Vermögen  des  Krystalls,  Wasser  durchzulassen,  ein  sehr  dd- 
gleicbes  ist.  Bei  weiter  fortgeschrittener  Zersetzung  verwan- 
delt sich  der  OÜgoklas  in  eine  brÖckliche,  poröse,  rotbbrauae 
oder  gelbliche  Masse,  die  noch  hier  und  da  Spaltbarkeit  und 
sehr  schwachen  Glanz  erkennen  lässt. 

1)  Wenig  veränderter  Oligoklas,  hellroth,  etwas  quan- 
haltig.") 


*)  Kleine  Mengen  von  Qnarz  in  Mineralien  and  krjttalltnitcbea  Ge-  , 
iteinan,  dia  mit  der  Lupe  nicbt  mebr  irabrgenommen  werden  kOoneD,  | 
lasMn  lieb  nsebwelten,  wenn  man  die  tn  prüfende  Babilani  mit  ei 
gariogen  Cabenckiui  verdflnnler  FIiMMinre  übargiiitt  nnd  bei  ca.  40* 
mr  T     '  Bebudeln    de«  BBckiUndei  oül 


337 

2)  and  3)  Rotbbraane  Oligoklase  von  tchwachem  Qlanz; 
eine  mechanische  Sonderong  des  beigemengten  Quarzes  konnte 
nicht  bewerkstelligt  werden. 

4)  Rothbraoner  Oligoklas;  bracbig  and  stellenweise  von 
gelblicher  thoniger  Masse  darchsetzt;  zeigte  oberfläcblicb  hier 
uod  da  einen  Anflog  von  silberweissen  Glimmerschappchen, 
sowie  von  einem  rothen,  in  Saulcben  krystallisirenden  Mine- 
ral, von  dem  später  die  Rede  sein  wird.  Auch  diese  Probe 
eDtbielt  etwas  Quarz. 

5}  Bröcklieber,  blassgelber,  matter  Oligoklas,  von  braunrothen 
Päoktchen  darchsetzt  ond  schwache  Spaltungsrichtong  zeigend. 

1.  0*)  2.  O  3.  O. 


H    0 

1,12 

1,43 

1,85 

8i    0* 

61,53 

32,81 

71,21 

70,75 

AI'  0' 

21,03 

9,80 

16,25 

7,57 

15,85 

.7,38 

Fe'  0' 

1,63 

0,48 

1,81 

0,54 

1,96 

0,58 

Ca    0 

2,97 

0,84 

1,62 

0,46 

1,57 

0,44 

K    0 

2,00 

0,33 

1,60 

0,27 

1,34 

0,22 

Na  0 

7,89 

2,03 

5,82 

1,50 

5,07 

1,30 

MgO 

0,31 

0,12 

0,25 

0,09 

0,40 

0,16 

98,48  99,99  98,79 

4.  O  5.  O 


H     O 

2,92 

4,44 

Si    0' 

60,44 

32,23 

58,30 

31,18 

AI»    0' 

22,12 

10,30 

23,15 

10,78 

Fe»    0* 

3,82 

1,14 

4,09 

1,22 

Ca  0 

1,30 

0,37 

1,65 

0,47 

K    0 

2,72 

0,46 

2,52 

0,42 

NaO 

6,14 

1,58 

5,26 

1,35 

Mg  0 

0,54 
100 

0,21 

0,59 
100 

0,23 

Sdurefeliäare  und  ChlorwasNrstofiiftnre  bleibt  ein  betriichtlicher  Theil 
des  QoarMS  nnangegriffen  turflck,  telbet  wenn  seine  nrsprüngliche  Menge 
tthr  gering  ist. 

*)  Sanerstoffgehalt. 


Das  SaaeratofFverhältniBS  der  Thonerde  zu  den  Monoxydeo 
zar  KiesetBäure  isl,  weno  die  SauerBtoffraenge  der  Thon- 
e  =  3  gesetzt  wird: 


in  No 

1.        1. 

•2. 

:i. 

4. 

5. 

tir  E     0 
für  Si    0- 

1,01 
10,02 

0,918 

0,861 

0,762 
9,36 

0,687 
8,676 

Bei  fortschreite  oder  ZerBetiung  oehmen  die  Moooxyde  im 
Vergleich  aur  Thonerde  ab;  letztere  leistet  also  den  gr6sat«ii 
WidersUad,  uod  ohne  weit  von  der  Wirklichkeit  abzuweichen, 
wollen  wir  sie  als  stabil  annehmen  und  iai  Folgenden  die  Men- 
gen der  Monoxyde  in  den  veränderten  Oligoklasen  aaf  gleichen 
Thonerdegehalt  des  unzersetzten  Feldspaths  No.  1  redocireo. 


Al'O" 

UO 

KO 

NaO 

MgO 

No.  1. 

21,03 

2,97 

2,00 

7,89 

0,31 

No.  2. 

— 

2,09 

2,07 

7,53 

0,32 

No.  3. 

— 

2,08 

1,77 

6,72 

0,53 

No.  4 

— 

1,23 

2,68 

5,83 

0,51 

No.  5. 

— 

1,49 

2,28 

4,77 

0,53 

I  ergiebt  sich,  daes  Kalk  und  Natron  fortgeführt,  Magne- 
'aB  zugenonimea,  Kali  dagegen  unverändert  gebtiebeti. 
vermehrt  als  vermindert  ist.  Heducirt  mao  übemll  äit 
menge  auf  gleichen  Kalkgehalt  mit  No.  1 ,  so  gelangi 
I    folgenden  Zahlen.     Für  Ca  O  ^  2,97  ist  die  Natroa- 

lo.         1.  2.  3.  4.  5. 

7,89      10,69      9,59      14,07      9,50 

er  Kalk  ist  demnach  uoverhällnissmässig  stärker  auage- 
n  worden  als  das  Natron.  Ausserdem  lehren  die  An>- 
dass  bei  forlschreilender  Zersetzung  constant  Wassct 
senoxjd  aufgenommen,  die  Kieselsäure*)  dagegea  ver- 
t  vrird. 


Nach   No.    4  und  5;    'i  uod  3    laisen   wegen    des   b«igenieDetcD. 
Irten  Quaries  eine  KieaelMureverminderung  nk-ht  ei  kennen. 


339 

In  einer  froheren  Arbeit*)  von  mir  sind  Analysen  yon  drei 
frischen  und  serseUten  Graniten  mitgetheilt,  die  ans  Quarz  nnd 
Oligoklas  bestehen.  Uebereinstimmend  mit  vorliegender  Unter- 
SDchung  ergab  sich  auch  dort,  dass  unter  Aufnahme  von  Wasser, 
Eisenoxyd  und  Magnesia  der  Kalk  starker  ausgeschieden  wird 
&Is  das  Natron;  das  Kali  ist  vermehrt  worden. 

Der  Zersetznngsprocess  des  Oligoklases  verläuft  folgender- 
maftssen:  Kalk,  Natron,  Kieselsäure  werden  aus- 
geschieden nnd  zwar  Kalk  n  n  verhältnissmässig 
mehr  als  Natron;  Wasser,  Eisenoxyd,  Magnesia 
werden  aufgenommen,  letztere  jedoch  in  sehr  ge- 
ringer Menge.  Kali  widersteht  der  Zersetzung  am 
meisten  und  ist  sehr  oft  vermehrt,  sei  es  durch 
<iirdcte  Addition  eines  Kalisilikats,  sei  es,  was 
wahrscheinlicher  ist,  durch  Austausch  gegen  Na- 
tron oder  Kalk. 

In  einem  Kalkbruch  bei  Illo,  auf  der  Insel  Kimito,  **) 
kommt  eine  Ader  vor,  die  aus  Quarz  und  Labrador  besteht. 
*Aq  der  Grenze  zum  Kalkstein  ist  der  Labrador  iu  eine  gelb- 
liche, mehr  oder  weniger  weiche,  thonige  Masse  umgewandelt 

1.  Feinkorniges  Gemenge  von  Quarz  nnd  weissem  La- 
brador. 

2.  ünzersetzter  Labrador  aus  No.  1. 

3.  Crenzpartie  von  No.  1  zum  Kalk  zu;  der  Labrador 
ist  matt  nnd  gelblich. 

4.  Feinkorniges  Gemenge  von  Quarz  und  Labrador  von 
einer  anderen  Stelle  der  Ader. 

5.  Unmittelbar  dem  Kalke  anliegende  Partie  von  No.  4; 
der  Labrador  ist  in  eine  gelbliche,  weiche  Masse  umgewandelt. 


*)  Die  Oebirgsarten  der  Insel  Hochland,  zweite  Abhandlang  18b8, 
im  Archiv  far  die  Naturkunde  Liv«,  Est-  nnd  Kurlands,  Serie  I,  Bd.  IV, 
S*  381 ;  auch  besonders  abgedruckt. 

**)  Grösste  Schäreniniel  westlich  von  Cap  Gangend;  eine  Beschrei- 
boDg  der  dortigen  Kalklager  wird  demnächst  Teröffentlicbt  werden;  da 
der  Labrador  dem  Oligoklas  nahe  steht  und  seine  Zersetzung  sich  durch- 
au  nicht  in  einem  Zusammenhange  mit  der  Bildung  des  Kalklagers  be- 
findet, sollen  die  Analjsen  sqhon  hier  eingerückt  werden. 


340 


0,77 

0,73 

2,31 

1,14 

4,25 

77,17 

57,46 

71,39 

73,19 

71,81 

12,87 

25,98 

14,37 

15,95 

14,17 

0,45 

0,27 

0,79 

0,41 

0,86 

4,20 

8,00 

4,45 

4.00 

1.65 

0,71 

1,40 

0,63 

0,81 

1,53 

2,86 

6,02 

2,22 

8,43 

1,28 

0,20 

0,14 

0,37 

0,36 

0,44 

0,75 

3,50 

0,71 

3,79 

99,98 

100 

100,03 

100 

99,75. 

iu  SkaeratoffTerbältoiBS  im  Labrador  No.  2  von 
R*  O'  :  RO  ;  SiO'  =  8  f  1,01  :  7,55. 

man    den    Saaerstoffgehalt  der    Tfaooerde    uod    des 
B  =>  3,  80  ist  die  Saaergtoffsamme  der  Monox^de 
in  No.         1.        3.        4.         5. 
gleich:    1,03    0,90    0,90    0,53. 
'einstimmeDd    mit    dem  OligoklM    nimmt   aocb    bei 
iDDg  des  Labradors   das  Verbältnias   der  Monoxjde 
9Sqiiioxyden    ab.     Wasser    and  Eisen    werden  »nfge- 
Kalk  nnd  Natron  ansgeschieden ,  während  Magnesia 
ebr  stabil  bleiben.    Allein  das  Verhaltniss  des  auage- 

Kalks    inm    fortgeführten  Natron    ist    ein    anderes 
31igoklas. 
).  1  ist  das  Verhältniss 

TOD     CaO  :  NaO 

wie  4,2  :  2,86 
in  No.  3  4,2  :  2,11 
>D  No.  4  4.0  :  3,43 
in  No.  5     4,0  :  3,11. 

a  ist  demnach  mehr  aasgetreten  als  Kalk.  Dies« 
erklärt  sich  aber  leicht  dadnrch,  dass  das  athmo- 
Wasser  den  den  Labradorgranit  berührenden  Kalk- 
it  nnd  sich  mit  kohlooBaurem  Kalk  beinahe  gesätligl 
konnte  daher  nicht  mehr  anf  den  Kalk  im  Labrador 
lergieche  Wirbang   ausüben.    Wie  die  Analjse  lehrt, 


341 

lind  die  bei  der  Zersetzung  entstandenen  Poren  durch  kohlen- 
saoren  Kalk  ausgefnllt. 

II.  Auf  dem  Cipfel  des  Observatoriumshagels,  östlich  von 
der  Sternwarte,  kommen  im  Granit  ähnliche  oHgoklasreiche 
Einlagerangen  vor,  wie  die  oben  erwähnten.  Die  Umwandlang 
des  Qoverinderten,  blassrosa  gefärbten  Oltgoklases  beginnt  da- 
mit, dass  die  Kryatalle  von  braunrothen,  amorphen  Punktchen 
durchsetzt  werden,  wodurch  sie  ein  zerfressenes  Aussehen  er- 
Uogen.  Indem  diese  Pünktchen  sich  vergrössern,  werden  die 
Krjstalle  in  ein  regelloses  Gemenge  amorpher  Massen  und 
gl&ozender  Krystallfragmente  verwandelt,  welche  letztere  bei 
fortschreitender  Zersetzung  immer  mehr  zurücktreten,  aber  noch 
iebr  lange  starken  Glanz,  ja  Zwillingsstreifung  erkennen  lassen. 
lo  loderen  Fällen  beginnt  die  Umwandlung  damit,  dass  die 
Kryatalle  in  ihrer  ganzen  Masse,  wenn  auch  nicht  überall  in 
gleicher  Intensität,  roth  geHirbt  werden,  die  Zwillingsstreifung 
Dicht  mehr  erkennen  lassen  und  Fettglanz  annehmen.  Die 
CvDtoaren  der  Ejystalle  verschwimmen  immer  mehr,  die  braun- 
rothen amorphen  Partien  walten  vor,  und  nur  an  einem  schwa- 
«'beo  Schimmer  können  die  weniger  veränderten  Oligoklase  er- 
bost werden. 

Das  Endprodukt  der  Umwandlung  ist  meist  braunroth, 
&Her  zQch  stellenweise  gelblichgrün  gefärbt ;  kleine  Quarzpünkt- 
^hen,  sowie  recht  oft  Qligoklasfragmente  durchsetzen  das- 
selbe. Seine  Härte  ist  geringer  als  die  des  Feldspaths,  sein 
jpecifisches  Gewicht  =  2,627  —  2,591. 

Die  weniger  veränderten  Oligoklase  (in  der  Tabelle  durch 
ein  der  Nummer  beigefügtes  a  bezeichnet)  sind  den. stark  um- 
gewaodelten  (b)  aus  unmittelbarer  Nähe  entnommen.  Leider 
Hess  sich  kein  völlig  unzersetzter  Oligoklas  in  zur  Analyse 
•QBreichender  Menge  gewinnen. 

la.     Hellrother,  etwas  veränderter  Oligoklas. 

Ib.  Brannrothe  Masse  mit  stark  glänzenden  Oligoklas- 
fragmenten;  der  präformirte  Quarz  konnte  nicht  vollständig 
entfernt  werden. 

2  a.  Oligoklaskrystalle,  von  rothbraunen  Punkten  durch- 
setzt. 

2b.  Braunrothe,  stellenweise  gelblichgrün  gefärbte  Masse 
mit  stark  glänzenden  Oligoklastrümmern. 

3  a.    Etwas  rothbrann  gefärbte  Oligoklaskrystalle. 


342 

3b*     Wie  2b,  nur  ohne  gelblicbgrune  Partien. 

4ii«  Stark  veränderte,  braunrotbe  Ol igoklaskry stalle ;  ze 
^M  ^'«ttglanc. 

4b.  Braunrotbe,  stellenweise  gelblicbgrune  Masse;  Oligc 
kUsfragmente  nur  an  einem  scbwacben  Schimmer  zu  erkennei| 

5  a.  Rothe  Oligoklaskrystalle,  stellenweise  von  rothbraune 
Pünktchen  durchsetct. 

5  b.     Braunrotbe    Masse    mit    sehr   wenig    Oligoklasfrag 


menten. 


la.  O  Ib.  O 

HO  1,10  2,41 

SiO*  65,82  35,10  71,19 

A1«0*  19,74  9,19  12,67  5,90 

Fe«0'  1,94  0,58  3,51  1,05 

CaO  0,39  0,11  0,19  0,05 

KO  2,40  0,40  3,81  0,64 

NaO  8,18  2,09  3,18  0,82 

MgO  0,48  0,19  3,04  1,21 


100 

100 

2  a. 

0 

2  b. 

0 

HO 

1,50 

1,71 

SiO' 

62,97 

33,58 

62,87 

33,52 

Al'O' 

18,04 

8,40 

16,78 

7,81   , 

Fe'O' 

2,88 

0,86' 

3,90 

1,17 

CaO 

0,77 

0,22 

2,23 

0,63 

KO 

6,99 

1,18 

8,48 

1,44 

NaO 

4,71 

1,21 

1,69 

0,43 

MgO 

2,14 
100 

0,85 

2,34 
100 

0,93 

3  a. 

0 

3  b. 

0 

HO 

1,44 

2,48 

SiO' 

64,21 

34,24 

62,38 

33,26 

Al'O* 

17,62 

8,21 

17,16 

7,99 

Fe'O* 

3,01 

0,90 

4,06 

1,21 

CaO 

0,73 

0,20 

0,37 

0,10 

KO 

4,09 

0,69 

5,97 

1,01 

NaO 

7,14 

1,84 

4,17 

1,07 

MgO 

1,76 

0,70 

3,41 

1,36 

100  100 


343 

4  a. 

0 

4  b. 

0 

HO 

2,79 

6,40 

SiO» 

61,08 

32,57 

53,08 

28,30 

A1<0» 

15,04 

7,00 

18,74 

8,73 

Pe'O» 

5,60 

1,68 

4,31 

1,29 

CaO 

0,53 

0,15 

2,54 

0,72 

KO 

8,28 

1,40 

4,66 

0,79 

NaO 

2,66 

0,68 

1,14 

0,29 

MgO 

4,02 

1,60. 

7,98 

3,18 

100 

98.85 

5  a. 

0 

5  b. 

0 

HO 

2,16 

5,42 

SiO' 

62,61 

33,39 

58,99 

31,44 

A)»0» 

19,02 

8,86 

15,42 

7,18 

Fe'O» 

2,39 

0,71 

6,23 

1,86 

CaO 

0,78 

0,22 

0,98 

0,27 

KO 

2,70 

0,45 

4,53 

0,76 

NaO 

7,71 

1,99 

1,73 

0,45 

MgO 

2,63 

1,05 

6,69 

2,67 

100  100 

Im  Folgenden  sind  die  Saucrstoffmengen  der  Sesqai-,  der 
MüD-Oxyde  nnd  der  Kieselsäure  angegeben. 

R^  O»    :   RO    :     SiO» 


la. 

9,77 

2,79 

35,10  = 

--  3; 

:  0,856 

:  10,77 

Ib. 

6,95 

2,72 

=  3 

1,173 

2  a. 

9,26 

3,46 

33,58  = 

=  3 

1,12 

10,87 

2  b. 

8,98 

3,43 

33,52  = 

=  3 

1,14 

11,19 

3  a. 

9,11 

3,43 

34,24  = 

=  3 

1,12 

11,27 

3  b. 

9,20 

3,54 

33,26  = 

=  3 

1,15 

10,84 

4a. 

8,68 

3,83 

32,57  = 

=  3 

1,32 

11,25 

4  b. 

10,02 

4,98 

28,30  = 

=  3 

1,49 

8,47 

5a. 

9,57 

3,71 

33,39  ■-. 

=  3 

1,16 

10,46 

5  b. 

9,04 

4,15 

31,44  = 

=  3 

1,37 

10,43 

Es  ergiebt  sieb  zunächst,   dasa  bei  fortschreitender  Um- 
'^andlang  die  Monoxyde   im  Verhältniss  zu  den  Sesquioxyden 


345 

kiltniss  von  R'  O'  :  R  0  sich  immer  mehr  von  dem  urspruog- 
iclen  3 :  1  entfernt;  man  kann  demnach  annehmen ,  dass  daa 
S'atroQ  durch  etwas  mehr  als  die  äquivalente  Menge  Magnesia 
ersetzt  ist.  Diese  Voraussetzung  bat  durchaus  nichts  Bedenk- 
icfaes,  wenn  man  erwägt,  dass  die  Magnesia  die  einzige  starke 
ksis  ist,  die  in  der  Natur  als  Oxyd  (Periklas),  als  Hydrat 
Bnicit)  und  als  basisches  Carbonat  (Hjdroniagnesit,  Predazzit) 
orkommt,  und  dass  sie  gern  basische  Silicate  (Serpentin)  bil- 
hu  mit  anderen  Worten,  dass  sie  ein  verhältnissmässig  gerin- 
i:>:reB  Bestreben  besitzt,  sich  mit|KohIen-  und  Kieselsäure  zu 
i&ttigen,  als  andere  starke  Monozyde.  Nimmt  man  an,  dass 
das  aaf  Oligoklas  wirkende  Wasser  eine  hydro magnesitartige 
oder  ähnliche  Verbindung  gelost  enthielt,  so  lässt  sich  gegen 
folgende  Umsetzung  a  priori  nichts  einwenden: 

4  Mg  0,  3  C  O*   -f   4  H  O  +  3  (Na  0,  n  Si  O') 

=  3  Na  O,  C  O*   +  4  Mg  0,  3n  Si  O«   +  4  H  O.*) 

Das  Gesetz  der  äquivalenten  Vertretung  bleibt  gewahrt, 
aber  es  wird  scheinbar  verdeckt,  wenn  neben  dem  basischen 
Magoesiacarbonat  auch  ein  neutrales  oder  saures  sich  umsetzte, 
oder  wenn  ein  Gemenge  verschiedener  basischer  Magnesiacar- 
i'^nate  sich  mit  dem  Natronsilicat  umsetzte.**) 

Das  Vorkommen  kleiner  Quarzpünktchen  in  den  veränder- 
en Oligoklasen  sowie  die  Analysen  No.  4  b.  und  5  b.  lehren, 
^ä?5  Kieselsäure  ausgeschieden  wird,  zugleich  zeigt  der  in  allen 
ADaijsen  nur  wenig  schwankende  Eieselsäuregehalt,    dass  die 


*)  Bischof  fahrt  an,  dass  Mg  0,  2  CO'  sich  mit  KO,  n  Si  0*  nm- 
wtit.    Bd.  I.,  78. 

**}  Will  man  ein  häufiges  Vorkommen  basisch  kohlensaurer  Magnesia 

•^  Oeivlisem    nicht  annehmen,    so  ist   die  Voraussetzung   immer  noch 

^'j^iich,  dass  die  einfach  oder  doppelt  kohlensaure  Magnesia  die  Alkalien 

^>ild  im  gleichen,  bald  im  grösseren  Aeqaivalentyerhältniss  ersetzte.    Der 

"tztere  Process,  bei  dem  JLohlensäure  frei  werden  mnsste,    ist  der  üm- 

seiniQg  Ton  halbphosphorsanrem  Natron    und  salpetersaurem  Silberoxyd 

Ca  O 
•D  3AgO,  PO»    und   freie  Salpetersäure,    sowie  der  von  2ho*^^* 

^i^  ftberscbfissigem  essigsaurem  Eisenoxyd  in  basisch  phosphorsaures 
^'»eooxjd  urd  Essigsäure  durchaus  analog.  Wennschon  die  starke  Sal- 
peter- und  Essigsäure  abgeschieden  wird,  so  hat  die  Annahme  eines  Koh- 
^oiitireaiistritu  viel  weniger  Bedenkliches,  anmal  die  Magnesia  eine 
'l>«iuo  grosse  Neigung  hat,  basische  Verbindungen  zu  bilden,  als  die 
^^ospberÄnre. 


U6 

abgeschiedene  Säare  meist  an  Ort  and  Stelle  als  Qoa»  nieder- 
geacblsgen  wurde.    Der  gante  Vorgang  ist  folgender:  treffen 
eisen-,    kali-    and    magnesialia!  tige    Gewässer  mit 
Oligoklas  luSRmmen,  so  wird  Natron  ausgeschi 
den    und    durch  beinahe    äquivalente    Mengen    K 
und  Magnesia  ersetzt;  Wasser  und  Bisen  oxyd  w 
den    aufgenommen,  wobei   Thon  erdeaustritt   sta 
findet,  Kieselsäure  wird  theilweise  abgeschied 

III.  Im  mineralogischen  Museum  zu  Dnrpat  befindet  sich 
ein  Labrador  von  Helsingfors,  der  eine  ähnliche  Umwandlung 
erleidet,  wie  der  eben  untersuchte  Oligoklas.  Das  fleischfar- 
bige, ein  schönes  Farbenspiel  zeigende  Mineral  wird  von  braui 
rotfaen  Pünktchen  durchsetzt,  durch  deren  Vermehrung  der  gan- 
ten Masse  dieselbe  Farbe  ertheitt  wird.  Auch  bei  weit  vorgi 
schritlener  Umwandlung  behält  der  Labrador  die  ursprüngliche 
Spaltungsrichtnng  bei  und  zei;>t  einen  starben  <>Ibuz  (GIi 
Fettglanz}.  Indem  die  Spaltbarkeit  immer  mehr  abnimmt,  ent- 
steht eine  rotbbraun  mit  einem  Stich  in's  Grüne  gefärbte  Atasse, 
die  Bcbwachea  Fettglant  zeigt  und  dum  Serpentin  sehr  ahn- 
lieh  ist  Leider  war  von  diesem  Endproduct  zu  wenig  vor- 
banden,  um  anal}'Btrl  zu  werden. 

1.  Fleischfarbiger  Labrador,  sehr  wenig  Quarz  enthaltend. 

2.  Labrador,  brannroth  gefleckt,  in  unzersetzten  Labrador 
allmälig  übergebend;  zeigt  starken  Glanz  und  Zwilllngsstreifung 


347 


1. 

0 

2. 

0 

HO 

0,54 

2,28 

SiO' 

56,12 

29,92 

55,67 

29,68 

Al'O' 

26,89 

12,53 

21,22 

9,88 

Fe'O» 

0,71 

0,21 

3,66 

1,09 

CaO 

9,14 

2,60 

4,46 

1,27 

KO 

0,92 

0,15 

5,81 

0,98 

NaO 

5,43 

1,40 

2,74 

0,70 

MgO 

0,25 
100 

0,01 

4,16 
100 

1,66 

3. 

0 

4. 

0 

HO 

2,28 

2,17 

SiO* 

56,83 

30,29 

58,44 

31,15 

A1*0» 

19,00 

8,85 

16,65 

7,76 

Fe'O» 

4,89 

1,46 

5,84 

1,75 

CaO 

2,99 

0,85 

1,54 

0,43 

KO 

8,02 

1,35 

10,80 

1,83 

NaO 

1,86 

0,47 

0,95 

0,24 

MgO 

4,13  •) 
100 

1,65 

3,61 
100 

1,44 

5. 

0 

6. 

0 

HO 

1,59 

4,17 

SiO» 

58,93 

31,42 

55,22 

29,43 

Al»0' 

19,53 

9,10 

16,11 

7,50 

Fe'O» 

3,84 

1,15 

6,45 

1,93 

CaO 

2,41 

0,68 

1,27 

0,36 

KO 

9,50 

1,61 

8,51 

1,44 

NaO 

1,74 

0,44 

0,88 

0,22 

MgO 

2,46 

0,'98 

7,89  *•)  2,95 

100  100 

Im  Folgenden  sind  die  Sauerstoffmengen  von  R*  O'  :  RO 
:SiO*  angegeben. 


*)  Btwti  maogftnhAliig. 
"*)  Mmganhifcltig. 


348  I 

E'O'  :  RO  :  SiO»  ! 

1.  12,74  :  4,16  :  29,92        3  :  0,97  :  7,04 

2.  10,97    4,61     29,68  -  3    1,26    8,10  | 

3.  10,31     4,32    30,29  =  3    1,25    8,81 

4.  9,51     3,94    31,15  =  3    1,24    9,79 

5.  10,25    3,71     31,42  =  3     1,08    9,19  , 

6.  9,43    4,97    29.43  -  3     1,58    9,36.  ' 

3ei  der  Umwandlung  sind  Eisenoxid  and  Wnsaer  aufge 
len  ,  Kalk  and  Natron  ausgeschieden,  aber  durch  Magne 
ind  Kali  ersetzt  worden.  Mit  einer  Zanahme  von  Eisen 
ist  eine  Tb  on  erde  Verminderung  verbanden.    Ist  die  Thon 

stabil  geblieben  und  ihre  Verminderang  bloss  eim 
re7  Nimmt  man  das  an,  so  mÜBSlen  in  den  Proben  3) 
I  40  pCt.,  60  pCt  und  37  pGt.  Substanz  anfgenomroei 
eine  Voraussetzung,  die  mit  der  gat  erhaltenen  Spaltnngs 
,ng  und  dem  starben  Glanz  genanaler  Proben  nnvereiti 
lt.  Da  der  Kiesel  säurege  halt  nur  wenig  variirt,  and  niai: 
il   mit  der  Lnpe  sehr  wenig  Quarz  wabrnimml,    der  lua 

schon  praeforroirt  enthalten  ist,  als  auch  beim  Behau- 
mit  verdünnter  Flusssäure  ein  sebr  geringer  Käckslaii<{ 
;egriffeii  binterbleibt,  so  dürfte  wohl  die  Kieselsäure  dei 
ste  Stoff  gewesen  sein.  Nun  lehrt  die  Tabelle  der  Sauer 
lengen,  dass  der  SauerstoffgehaU  der  Monoxyde  und  dei 
Isänre  in  allen  Proben  nicht  sehr  bedeutende  Schwankun- 
eeigt,  oder  mit  anderen  Worten,  dass  die  Monoxyde  dei 
idors  durch  beinahe  äquivalente  Mengen  Kalt  und  Magne- 
rsetzt  sind.  Der  äquivalente  Ersatz,  sowie  die  grosse 
lität  der  Kieselsäure  fähren  aber  notbwendig  zur  Annahmf 
Xbonerdeausscheidung.     Durch  folgende  Betrachtung  soll 

Anoabme  noch  wafarscheinlicher  gemacht  werden.  Gebl 
von  der  Voraussetzung  aus,  dass  das  Plus  an  Wassei 
Sisenozyd  in  den  veränderten  Proben  früher  von  Tbon- 
eingenommen  wnrda,  and  addirt  man  zo  der  Thonerde- 
e  jeder  einzelnen  Probe  soviel  Thonerde  hinin,  als  dei 
er-  und  Eisenoxydüberschuss  beträgt,  so  gelangt  man  in 
iden  Ergebnissen.  Zieht  man  die  Wasser-  und  Eisenoxyd- 
e  ia  No.  1.*)  von  der  Wasser-  und  Eisenmenge  in  No.  2' 

I  El  wurde  DDierUNeo,  alle  AnaljMU  uti  ^eichea  EieMls&nr«g«bi1i 


349 

ab,  80  ist:  Fe*  O«  (2—1)  =  2,95  pCt.,  HO  (2- 1)  =  1,74  pCt., 
die  Somme  =r  4>69;  so  viel  Thonerde  wäre  aasgetreten  und 
tiurcb  Wasser  und  Bisenoxyd  ersetzt.  Addirt  man  4,69  pCt. 
Thonerde  za  21,22  pCt.,  so  ergiebt  sich  25,91  pCt.  Ver- 
gleicht man  die  folgenden  Analysen  in  gleicher  Weise  mit 
No.  1.,  so  gelangt  man  zu  nachstehenden  Zahlen. 

No.  (3—1)    (4—1)     (fr— 1)     (6—1)  (2-1)         1. 

Fe'O'  =    4,18}     ,      5,13        3,13        5,74      2,95 
HO    =     1,74/  "^     1,63     _}fi5        3,63      1,74 

5'92i     ,6,76        4,18        9,37      4,69 
19,00/  "^  16,65      19,53      16,11    21,22 


AI'  0*  =  24,92         23,41      23,71      25,48    25,91      26,89 

Ist  es  bloss  Zufall,  dass  die  so  berechnete  Thonerdemenge 
sich  sehr  dem  Thonerdegehalt  in  No.  1  nähert,  und  dass  bei 
Ersats  des  Wasser-  und  Eisennberschusses  durch  Thonerde 
ui  jeder  Probe  das  Sauers toffverhältniss  von  R*  O '  :  R  O  :  Si  O ' 
immer  weniger  von  dem  normalen  3:1:7  abweicht  ?  Schwer- 
lich därfte  man  bei  so  complicirten  Processen,  wie  sie  bei  der 
Umwaadiang  des  Labradors  stattgefunden  haben,  eine  grössere 
l'eberttostimmung  erwarten,  und  es  ist  wohl  zweifellos,  dass 
Tboaerde  ausgetreten  und  durch  Eisenoxyd  und  Wasser  er- 
setzt ist. 

Mit  welchen  von  den  Monozyden  des  unzersetzten  Labra- 
(iors  haben  sich  nun  Kali  und  Magnesia  umgesetzt?  Nach  den 
Versochen  Bisghof's*)  können  Natron-  und  Kalksilicäte  beide 
in  Magnesia-  und  Kalisilicate  umgewandelt  werden.  Die  Ana- 
Ijseo  4  und  5  thnn  dar,  dass  ein  Theil  des  Kalks  durch  Kali 
ersetzt  sein  mnss,  da  bei  der  Berechnung  der  dem  Natronde- 
fidt**)  äquivalenten  Menge  Kali  eine  viel  kleinere  Zahl  er- 
kalten wird,  als  der  Ueberschuss  an  Kali  in  No.  4  und  5  über 
0,92  betragt. 

Sabtrahirt  man   die   Magnesia-   und  Kalimenge  in   No.  1 


>a  berechnen,  da  bei  so  kleinen  Schwaaknngen  die  durch  Beduction  er- 
hielte grossere  Genauigkeit  doch  nur  illnsorisch  ist. 

♦)  Bd.  I.,  8.  43  u.  75. 

•*)  Natron  von  No.  1  (5,43)  minus  Natron  von  No.  4  (0,95)  =  4,48  NaO 
iquTalent:  6,60  Kali;  Ueberscbusa  des  Kalis  in  No.  4  Über  No.  1 
=  10,80  -  0,93  =  9,88  Kali. 


351 

Pasaen  wir  Alles  zasammen,  so  ergiebt  dich,  dass  magne- 
sift-,  eisen-  und  kalihaltiges  Wasser  alle  Feldspalhe  in  folgen- 
der Weise  omwandelt.  Wasser  und  Eisen oxyd  wer- 
den anfgenoromen,  wobei  theilweiser  Thonerde- 
aoBtritt  stattfinden  kann;  immer  wird  Kieselsäare 
ftQsgesehieden  ,  besonders  stark  bei  den  sänre- 
reichen  Peldspathen  Orthoklas  und  Oligoklas. 
Alkalien  und  Kalk  werden  durch  Magnesia,  Na- 
troo  QodKalk  dorch  Kali  ersetst,  wobei  es  scheint, 
dassMagnesia  in  etwas  grosserer  als  äqaiTalen ter 
Menge  einen  anderen  Stoff  verdrängt. 

Ein  Tollstandig  nmgewandelter  Oligoklas  unweit  der  Probe 
5b.  im  Abschnitt  II.,  sowie  ein  umgewandelter  Labrador  neben 
No.  6  wurden  mit  Schwefelsänre  und  Salasäore  behandelt,  und 
die  Losung  wie  der  Ruckstand  der  Analyse  unterworfen. 

A.  Darch  Schwefel-  und  Salzsäure  zerlegbarer  Antheil 
des  umgewandelten  Oligoklases. 

B.  In   den  Säaren  unlöslicher  Ruckstand. 

C.  Veränderter  Labrador  durch  Säuren  zerlegt. 

D.  In  Säuren  unlöslicher  Antheil  des  Labradors. 


A. 

B. 

0. 

C. 

D. 

ü. 

Hü 

6,53 

3,97 

NiO' 

26,13 

28,39 

15,13 

14,29 

40,56 

21,62 

Al'O» 

12,48 

5,23 

2,43 

3,75 

10,59 

4,93 

Fe'O* 

5,99 

0,20 

0,06 

6,71 

0,21 

0,06 

c»o 

1,05 

0,25 

0,30 

0,08 

KO 

1,24 

4,09 

0,69 

0,20 

9,51 

1,61 

N»0 

0,71 

0,15 

0,03 

0,17 

MgO 

6,88 

8,27 

*)R 

38,06 

61,17 

98,97        38,06  98,74        61,17 

Durch  Säuren  spalten  sich  die  Umwandlungsproducte  bei- 
der Feldspathe  in  ein  Eisen -Magnesia-  und  in  ein  Thonerde- 
Kali  -  Silicat.  In  dem  unlöslichen  Rückstände  des  Labradors 
ist  das  Sanerstoffverhältniss  von  R'  O'  :  R  O  :  Si  O*  »  3 :  1,01 
:  12,99  genau   mit  dem  des  Orthoklases  übercdnatimmend ,  im 


*)  In  Schwefel-  und  ChlorwiMBeritoffsiittre  anlÖBlicher  Rückstand. 

28* 


EückstADde  des  Otigoklases  (R' O* : RO  : SiO'  ^  d:0,86 :  18,66) 
weicht  CB  nicht  viel  ab  und  würde  noch  mehr  übereioatinimen, 
wcDD  maD  den  beigemengten  Quant  in  Abzug  bringen  köuni«. 
Kann  man  aus  den  Ergebnissen  der  Analyse  auf  die  Coexisteni 
tweier  Silicate  sclilieseen ,  ist  der  Oligoklas  und  Labrador  in 
ein  inniges  Gemenge  von  Eiaen-Magnesia-Nilical  und  Orlboklaa 
umgewandelt,  oder  liegen  hier  nur  durch  die  •'Säuren  bewirkte 
Spaltungsproducte  eines  .Silicats  vor?  Wegen  Mangel  an  Sali- 
atanz  konnten  die  weniger  veränderten  Oligoklase  und  Labra- 
dore  in  ihrem  Verhailen  gegen  Schwefel-  und  Salzsäure  nicht 
untersucht  werden.  Indes e  sind  derartige  Spaltungen  anch 
anderweitig  beobachtet  worden,  ohne  daas  ein  Gemenge  cweier 
praeformirter  .Silikate  sich  hätte  nachweisen  lassen.  Die 
schwarze,  dichte  Grundmasse  des  Labradoritporphjrs  auf  Hoch- 
land*) spaltet  sich  durch  .Salzsäure-  in  ein  löalicbes  Eisen- 
Tbon  erde -Kalk'  und  unlösliches  Thonerd«- Kali- Silicat;  im  letz- 
teren ist  das  SauerstofTverhältniss  von  R*0':RO  =  3  :  (1,9. 
Die  unterdevouiscbeu  Thone  bei  Dorpat**)  zerlegen  sich  durch 
Schwefelsäure  in  ein  AI' O',  Fe*  O',  KO,  MgO  enthalten- 
des ■Silicat  und  in  einen  unlöslichen  Rückatuud,  in  dem  Tlionerde 
und  Kali  zu  annäbernd  gleichen  Aoquivaleaten  vorkommen. 
In  keinem  Falle  konnte  die  gebundene  Kieselsäure  des  Rück- 
standes vom  beigemengten  Quarze  gelrennt  werden ,  ebenso- 
wenig Hess  sich  Orthoklas  durch  das  Mikroskop  nachweisen. 
Die  eben  mitgetheilten  Umwandlungen  des  Oligoklases  und 


363 

Verbiodangen  yon  den  Umstanden  abbangt,  anter  denen  die 
pich  bilden,  so  ist  es  klar,  dass  die  Ergebnisse  derartiger  Ver- 
suche nicht  ohne  Weiteres  anf  natürliche  Verhältnisse  nber- 
mgen  werden  können.  Sie  than  eben  nar  dar,  dass  anter 
den  und  den  Bedingungen  sich  das  nnd  das  bildet.  Aber  die 
Versoehe  erlangen  beweisende  Kraft,  wenn  sie  mit  den  Ergeb- 
vaien  der  Analyse  der  umgewandelten  natSrlichen  Silicate 
obereinstimmen. 

Die  bekannte,  von  Wohlbr  ermittelte  Thatsache,  dass 
Apopbjllit  bei  einer  Temperatur  von  180  — 190^  sich  als 
solcher  in  Wasser  löst  and  beim  Erkalten  wieder  beraaskry- 
«taliisirt,  bewog  mich,  das  feingepalverte  Mineral  in  zuge- 
«^hmolzenen  Glasröhren^)  mit  einer  Losung  von  schwefel- 
«aorer  Magnesia  bei  oben  genannter  Temperator  zu  erhitzen. 
Nach  dem  Erkalten  hatten  sich  in  der  Röhre  zierliche  Gyps- 
krjsUJIe  abgesetzt,  und  das  Apopbjllitpulver  hatte  eine  schlei- 
mige Beschaffenheit,  etwa  wie  Thonerdehydrat. 

1.  Apophyllit  von  der  Seisser  Alp. 

2.  **)  Apopfayllitpnlver ,  4|  Stunden  mit  schwefelsaurer 
Magnesia  bei  180^  erhiut  (bei  100°   cur  Analyse  getrocknet). 

3.  Apopbyllitpulver,  15  Standen  mit  schwefelsaurer 
Magnesia  bei  180^  erhitzt  (bei  100"  zur  Analyse  getrocknet), 

L  ApophylJitpulver,  18  Tage  mit  schwefelsaurer  Magne- 
sia aaf  dem  Dampfbade  bei  90°  behandelt. 


1.     . 

2. 

3. 

4. 

HO 

16,20 

18,78 

12,31 

18,81 

SiO» 

53,13 

57,04 

58,99 

53,09 

CaO 

26,23 

13,41 

4,49 

15,47 

KO 

5,44 

2,41 

0,80 

3,30 

MgO 

— 

13,86 

23,41 

9,83 

100  100  100  100 

Grossere,     durchsichtige    Apophyllitkrystalle    wurden    Ij 
Monate  auf  dem  Dampfbade  mit  schwefelsaurer  Magnesialosung 


^)  Metall rObren  waren  besser,  da  manehe  Glassorten  bei  hoher  Tem- 
Fratar  darch  schwefelsaure  Magnesia  aufgegriffen  werden. 

**)  Das  umgewandelte  Polver  wurde  durch  Behandeln  mit  sehr  viel 
WsttcT  Tom  G/ps  befreit. 


354 

digerirt;  es  war  etwM  Kalk  iD  Lösuug  gegangen,  uad  die 
Krystalle  batteo  sich  mit  einer  sehr  dnnnea,  matten,  weiaeen 
Schicht  bedeckt.  In  allen  Versuchen  hiit  die  höhere  Tempe* 
ratnr  die  Umsetzung  bloBS  beBchleunigl ;  es  ist  kein  Zweifel, 
dase  sie  auch  bei  gewöhnlicher  Temperatur  stattfinden  wird. 
Von  t  hon  erde  baltigen  Zeolitheti  ergaben  Versuche  mit 
Anaicim  und  Skolecit  keine  Reeullate*);  es  wurde  deshalb 
Chabasit  gewählt,  in  der  Voraussetzung,  dass  sehr  wasser- 
reiche Zeolilhe  auch  leichter  angegrifTen  werden.  Leider  stan- 
den sehr  geringe  Mengen  seiner  Substans  xu  Gebote,  so  dass 
die  Alkalien  in  dem  umgewandelten  Chabasit  nicht  bestimmt 
werden  konnten.  In  der  augeschmolienea  Röhre  fanden  sich 
spärliche  Gypskr/stalle  abgesettt,  nnd  das  Pulver  war  theil- 
weise  schleimig. 

1.  Chabasit  von  Anssig. 

2.  u.  3.    Chabasitpulver,  12  Standen  bei  180"  mit  schwe- 
felsaurer MagnesialÖBQDg  erhitzt. 


1. 

8. 

3. 

HO 

21,19 

23,43 

26,28 

SiO" 

49,61 

49,34 

48,02 

Al'O' 

18,11 

19,36 

18,00 

CaO 

9,46 

4,20 

4,00 

KO 

1,18 

— 

— 

H.O 

0,45 

~ 

— 

355 

falls  Kaii  und  Natron  zo  gleichen  Aeqoiyalenten  enthielt,  co* 
simmengebracbt;  in  das  klare  Gemisch  wurde  Chlorcalciom* 
]Ö5oag  gegossen,  wodurch  ein  flockiger,  wesentlich  aus  Thon- 
erde,  Kalk  imd  Kieselsäure  bestehender  Niederschlag  entstand. 
Alle  drei  Losungen  wurden  in  ganx  bestimmten  Verhältnissen 
2Dsamm engebracht ,    und  zwar    so,    dass    auf  2  Aequivalente 

AP  0*  I  ]  Jj^  8  Aequiv.  *  ^^^\  2Si  O'  und  5  Aequiv.  CaCl 

li&iDen;  nimmt  man  weniger  Kalk,  so  ist  die  gebildete  Verbin- 
doog  zu  leicht  löslich  in  Wasser.  Der  Toluminöse  Nieder- 
schlag, der  äbrigena  leicht  Wasser  durchläset,  wurde  bei  An* 
Wendung  von  Sangfiltern  mit  grossen  Wassermengen  ausge- 
waschen ,  so  lange ,  bis  der  durch  Bindampfen  einer  Probe 
Waschwasser  erhaltene  und  sobwaoh  erhitzte  Rückstand  beim 
Uebergiessen  mit  Wasser  keine  alkalische  Reaction  zeigte; 
letztere  trat  erst  nach  längerer  Zeit  ein,  nachdem  das  Silicat 
sich  wieder  in  Wasser  gelost  hatte.  Der  feuchte  Niederschlag 
warde  mit  Salzsäure  zersetzt  und  das  Verhältniss  der  fixen  Be- 
^ttodtbeile  ermittelt.  Für  2  besonders  dargestellte  Proben  er- 
gab die  Analyse  folgende  Zahlen. 


SiO» 

Al*0' 

CaO 

KO 

1.  58,48 

2.  60,93 

18,61 
17,59 

20,69 
19,19 

2,21 
2,36 

£s  wurden  nun  zwei  Proben  dieses  Silicats  mit  schwefel- 
saurer Magnesia  auf  dem  Dampf  bade  digerirt;  es  war  viel 
Kalk  in  Lösung  gegangen,  und  das  Silicat  war  in  Wasser  viel 
weniger  löslich ;  eine  Eigenschaft,  wodurch  sich  alle  Magnesia- 
»licate  von  den  Kalksilicaten  unterscheiden. 

SiO«        A1*0'       CaO         MgO         KO 

1.  61,10        20,29        3,05        14,92        0,64 

2.  65,77        15,97*)     2,05        15,72        0,54 

Beide  Proben  waren   18  Tage  auf  dem  Dampf  bade. 

Durchaus  übereinstimmend  mit  den  Versuchen  Bibghof^s 
und  der  oben  untersuchten  Umwandlung  des  Oligoklases  und 
Labradors  lehren  die  Versuche,  dass  Kalk  und  Alkalien 


*)  lo  der  wMBerigen  Löaung  war  etwas  Thonerde  als  Oxyd  enthalten. 


licaten      durch     MfigneBia     ersetxt     werd« 

SCHOr  theilt  eineo  Versuch  mit*),  woDftch  NbO,  SiU 
t  KO,  CO'  tu  KO,  SiO*  ond  NaO,  CO'  um 
;eodei)  Versuche  wurden  in  ähnlicher  Weise  angeslell 
HT  folgendem!  ABS  Ben.  Eine  circa  14  procentige  N«troa 
;laslösnug  (Na  0,  2  SiO')  wurde  mit  einer  circa  7  pn 
I  Lösung  von  kohlen  saurem  Kali  lusammeDgebi 
ar  immer  in  äquivalenten  Verhältnissen.  Zd  dem  Ge 
vnrde  das  gleiche  Volumen  80  procentigen  Alkohols 

wodurch  ein  starker  Niederschlag  entstand,  der  beia 
In  SU  einer  käsigen,  cähen  Masse  lusammenballte.  Dnrck) 
luche  war  ermittelt,  dass  bei  obiger  Concentration  keiS' 
trbonat  mitgefalU  wurde.  Da  der  sähe,  gerbeanren 
ihnliche  Niederschlag  sich  nicht  anf  dem  Filter  ans- 
I  lieas,    wurde  er  so  lange  wiederholt  mit  Alkohol  ton 

darchgeknetet,  bis  man  annehmen  konnte,  alle  Carbo- 
itfemt  la  haben.  Der  Niederschlag  wurde  dann  sofort 
Salcsanre  zerlegt,  um  jede  nachträgliche  Kohleosäure- 
ion  XU  verhindern  und  so  jede  Spur  anhafiteDder  Gar- 
en erkennen. 

der  folgenden  Tabelle  sind  die  anmittelbar  bei  der 
;  erhaltenen  Zahlen  mitgetheill. 

I.     1  AequiT.  NaO,  2 SiO*   +  1  KO,  CO* 

")  1.  2. 

SiO»      0,3540        0,3650 

K  O        0,0952        0,0902 

NaO        0,0622        0,0657 

Aeqnivalentverhältniss  von 
NaO  :  KO  :  SiO' 

1.  1:1:    5.89 

2.  1     :  0,9    :    5,75 


367 

IL     1  NftO,  2  8iO*  4-  2K0,  CO« 

1.  2. 

SiO«      0,3638  0,3522 

K  O        0,0946  0,0883 

Na  O        0,0291  0,0289 

Aequivalentverhältniss  von 

NaO  :  KO  :  SiO» 

1.  1     :  2,13  :  12,93 

2.  1     :  2,01  :  12,63 

m.     1  NaO,  2SiO'   +  3K0,  CO« 
IV.     1  NaO,  2SiO*  +  I  KO,  CO*») 


III. 

IV. 

SiO» 

0,3900 

0,3680 

KO 

0,1047 

•  0,0807 

NaO 

0,0217 

0,1155 

Aequivalentverhältniss  von 

NaO  :  KO  :  SiO* 

III.  1     :  3,20  :    18,9 

IV.  1     :  0,46  :     3,28 

Die  Vcrsnche  lehren,  das  8  das  kohlensaure  Kali 
sich  mit  einem  Theil  des  kies  el  sauren  Natrons  nm- 
gesetzt  hat.  Der  durch  Alkohol  erzengte  Niederschlag  ent- 
bäU  Kali  and  Natron  in  demselben  Verhältnisse,  in  welchem 
sie  jedesmal  zusammengebracht  wurden.  Je  mehr  kohlensau- 
res Kali  sich  umsetzte,  ein  desto  saureres  Silicat  wird  durch 
Alkohol  geeilt;  es  muss  daher  freies  Alkali  abgetrennt  und 
rom  Alkohol  aufgenommen  sein.  Die  Doppelsilicate  I.  und  IV. 
lögen  sieb  in  Wasser,  II.  und  III.  aber  nicht. 


*)  Beim  Alkoholzosatx  entstand  kein  käsiger  Niederschlag  wie  bei 
den  anderen  Proben ,  sondern  die  Flüssigkeit  trübte  sich  stark ,  ähnlich 
ynt  eine  alkoholische  Harslosnng  auf  Wasserzusatz.  Nach  längerem  Stehen 
war  die  Trübung  rerschwnnden,  nnd  das  aasgefAllte  Silicat  hatte  sich  am 
Boden  des  Gefltses  als  sjmpartige,  klare  Schicht  abgesetzt. 


358 

Eine  Probe  des  Sili<'at8  IL  wurde  mit  Wasser  so  lang 
ausgelaugt,  als  das  Filtrat  auf  Lakmas  reagirte.  Die  Analys 
des  Rückstandes  und  der  Lösung  ergab  folgende  Zahlen: 

Ruckstand:         Si  O'     0,1400 

Alkali      Spur 

Losung :        0,2004 

K  O        0,1053 

Na  O        0,0326 

Aequivalentverhältniss  von 

NaO  :  KO  :  SiO* 
1     :  2,12:    6,35. 

Der  durch  Alkohol  erzeugte  Niederschlag  besteht  demnacli 
aus  einem  Gemenge  von  Kieselsäure  und  zweifach  kieselsaurer 
Alkalien. 

In  der  Meinung,  dass  NaO,  CO*  sich  nicht  mit 
K  O,  2  Si  O"*  umsetze,  wurde  eine  ca.  16procentigeKaliwas$er- 
glaslösang  mit  einer  ca.  6  pro^entigen  Losung  von  NaO,  CO* 
immer  in  äquivalenten  Verhältnissen  gemischt  und  ein  gleiches 
Volum  Alkohol  von  80  pCt.  zugesetzt.  In  keinem  Falle  fiel 
ein  käsiger  Niederschlag  heraus,  sondern  aus  der  milchigen 
Pltissigkeit  schied  sich  nach  längerem  Stehen  eine  sjrupartige 
Schicht  ab,  genau  wie  bei  No.  IV.  in  der  vorigen  Reihe.  Di^ 
Analysen  derselben  ergaben  folgende  Zahlen. 

L     1  KÖ,  2SiO'   +  1  NaO,  CO' 

1.  2. 

Si  O'      0,3720  0,3670 

KO        0,1208  0,1203 

NaO        0,0842  0,0842 

Aequivalentverhältniss  von 


KO 

1.  1 

2.  1 


NaO  :  SiO^ 

1.05  :   4,88 

1.06  :    4,79 


3Ö9 

IL     1  KO,  2  SiO»  -f  2NbO,  CO» 
III.     1  KO,  2  SiO*   +  3  Na O,  CO' 


II. 

III. 

SiO» 

0,3436 

0,3411 

KO 

0,0704 

0,0571 

NaO 

0,0969 

0,1083 

Aequivalentverbaltniss  von 

KO 

:  NaO  : 

SiO' 

II.    1 

:    2,1     : 

7,69 

III.     1 

:    2,9     : 

9,46 

Daa  kohlensaare  Natron  setct  sich  also  auch  mit  kiesel- 
saurem Kali  am,  doch  i^  die  Kiesel saoreaasscheidang  nicht 
entfernt  so  beträchtlich  wie  bei  der  ersten  Reibe.  Diese  Ver- 
SQche  beweisen ,  dass  beide  Alkalicarbonate  sich  mit  den  AI- 
kaiisilicaten  umsetzen;  der  Austausch  von  Kalicarbonat  gegen 
Natronsilieat  ist  aber  der  in  der  Natur  häufiger  vorkommende 
Process.  Die  Versuche  liefern  zugleich  eine  Bestätigung  des 
BBRTHOLLKT^schen  Gesetzes,  dass  bei  der  Einwirkung  zweier 
SaJze  auf  einander  4  Verbindungen  gebildet  werden ,  und  zwar 
bei  gleicher  Affinitat  proportional  den  Masse  nach  folgender 
Gleichung : 

to]  *  ««*  +  ioj  2C0»  =  ^ll]  4SiO' 

+  ^^8}2CO». 

Die  Trennung  eines  Theils  von  Alkalisilicat  in  freie  Kiesel- 
saure und  freies  Alkali  modificirt  den  Process  nur  unwesent- 
lich; sie  rührt  von  der  Wirkung  des  Alkohols  her. 

IV.  In  der  Stadt  Abo  hatte  man  im  Sommer  1868  be- 
hufs einer  Strasse  nach  Bjemeborg  einen  Durchhau  durch  einen 
Granitfelsen  getrieben^  welcher  von  zahlreichen,  von  oben  nach 
unten  gehenden  Rissen  durchsetzt  ist.  Der  rothe  feinkornige 
Granit  besteht  aas  Quarz  und  Feldspath  mit  sehr  wenig  Glim- 
mer und  Hornblende ;  hier  und  da  sind  Granaten  eingesprengt. 
Wegen  der  Feinheit  des  Korns  konnte  neben  Orthoklas  nur 
fiebr  wenig  Oligoklas  erkannt  werden,  er  muss  aber  nach  den 


Ergebnissen  der  Analyse  in  sehr  bedeutender  Uenge  vorhsn- 
dea  sein.  Auf  den  RieiQscben  des  Granits  sieht  man  den 
Feldapa.h  in  eine  grangrüne  oder  gclhlicbe,  amorphe,  weiche 
Masse  DRigewandett,  die  manchen  devonischen  und  süariscbon 
Tboiien  der  Ostaeeprovinzen  sehr  ähnlich  sieht.  Meist  tritt 
dieses  Zersetzungsproduct  als  dünner  Anfing  auf,  erreicht  aber 
auch  die  Dicke  von  3  —  4  Mm.,  in  welchem  Falle  es  meist 
von  oberflächlich  matten,  im  Inneren  aber  glänsenden  Feld- 
Späth trü mm ern  und  von  Kalkspath  durchsetzt  ist.  Nicht  selten 
ist  der  Feldapnth  in  den  den  Spalten  naheliegeoden  Partien 
gleichfalls  mit  einem  dünnen,  graugrünen  Anflug  bedeckt. 

1.  Granit,  aus  Qua ri,  Orthoklas  nnd  Oligoklas  bestehend  ; 
etwas  Hornblende  nnd  Glimmer  enthaltend. 

2.  Granit,  dessen  Peldspath  mit  gmugrünem  Anflug  be- 
deckt ist. 

3.  Durch  Schwefel-  und  Salzsäure  lersetzUarer  Antheil 
der  3  —  4  Mm.  dicken  graugrünen  Partien  mit  eingesprengten 
Feldspathtrnmmera,  Kalkspath  und  Quarz. 

4.  In  Säuren  unlöslicher  Rückstand  von  No.  3. 


1. 

2. 

3. 

4. 

HO 

1,20') 

2,36 

6,40 

— 

SiO" 

72,54 

68,35 

24,97 

28,87 

Al'O' 

14,16 

15,55 

12,42 

5,50 

Fe'O' 

1,53 

2,15 

3,72 

0,28 

CO 

0,84 

0,12 

0,10 

0,09 

KO 

5,69 

6,41 

1,60 

4,35 

NaO 

3,12 

2,67 

0,18 

0,39 

MgO 


361 

nahe  denselben  YerbaltDissen  Orthoklas  and  OHgoklas  fuhren. 
Das  Fehlen  von  OligokJas  in  ^er  stark  veränderten  Probe  3, 
.('^wie  die  Abnahme  von  Natron  gegen  Kali  in  No.  2  thun  dar, 
daas  ea  wesentlich  der  OHgoklas  ist,  der  die  Umwandlung  er- 
leidet. Berechnen  wir  den  durch  Säure  zerlegten  Antheil  auf 
100,  Bo  ergiebt  sich: 

HO       SiO     APO»    Fe'O»    CaO       KO      NaO     MgO 

12,23    47,74    23,73      7,10      0,19      3,06      0,:-}4      5,61 
0  10,87    25,45     11,08      2,13      0,05      0,51      0,08      2,24 

Sauerstoff  von 

HO  :  R»0>   :  RO  :  SiO* 
10,87:  13,21    :   2,88:  25,45 
2,46:     3         :   0,65:     5,77. 

Aas  dem  OHgoklas  ist  der  grosste  Theil  der  Alkalien  fort- 
geführt und  nur  zum  Theil  durch  Magnesia  ersetzt;  Wasser 
Qod  Eisenoxyd  sind  aufgenommen ,  Rieselsäure  ist  zum  Theil 
abgeschieden  worden. 

V.  Etwa  2  Werst  nördlich  von  Helsingfors,  hart  am  Wege 
Dach  Gammelstaden,  zeigt  der  grosskrystallinische,  aus  Quarz, 
OHgoklas  und  Orthoklas  bestehende  Granit  auf  seinen  Kluft- 
äächen  ein  ähnliches  Zersetzungsproduct  wie  der  Granit  in 
Abo.  Beide  Feldspatbe  werden  oberflächlich ,  aber  nur  in 
üosserst  dünner,  nicht  continuirlicher  Schicht,  in  eine  gelbliche 
oder  grünliche  Masse  umgewandelt,  letztere  von  specksteinarti- 
gem Habitus.  Indem  dieser  Process  auch  im  Inneren  vor  sich 
gebt,  werden  die  Feldspatbe  in  schlecht  contourirte  Krjstall- 
fragmente  zerlegt,  die  von  gelben  and  grünen  Partien  durch- 
setzt sind.  Gleichzeitig  treten  dunkelgrüne,  chloritartige  Stellen 
aof.  Es  bilden  sich  jedenfalls  verschiedene  Zersetzungspro- 
^ucle,  die  aber  nicht  isolirt  werden  konnten* 

1.  Fleischfarbiger  Orthoklas. 

2.  OHgoklas,  stellenweise  gelblich  und  matt. 

3.  Granit,  dessen  Feldspath  von  hellgrüner  Substanz  und 
donkelgrünem  chloritartigen  Mineral  durchsetzt  wird ;  in  Schwe- 
fel- und  Chlorwasserstoflfsäure  löslicher  Antheil. 

4.  In  Säaren  nnloslicher  Bückstand  von  3. 


362 

1.  2.  3.  4. 

HO  0,26  1,35  1,47           — 

SiO*  65,69  63,95  8,84  64,34 

APD'  18,44  20,93  3,88  10,54 

Fe'O'  0,:^1           1,28  1,37  0,21 

CaO  0,20  1,24  0,13            - 

KO  12,41  2,86  1,23          3,94 

NaO  2,60  7,89  0,16          3,14 

MgO  0,09  0,54  0,58  0,04 

Ruckst.  — _           —  82,21.  j—_ 

m  100  "        99,87        82,21 

Sauerstofifverhältniss  im  Ruckstande  4: 
R*  O»  :  R  O  ^  3  :  0,897. 

Eisenoxyd,  Wasser  und  Magnesia  sind  aufgenommen,  Kie- 
selsäure und  Alkalien  theilweise  ausgeschieden. 

VI.  Der  Granitfelsen,  auf  dem  die  neue  russische  Kirche 
in  Helsingfors  erbaut  ist,  besteht  aus  Quarz,  Orthoklas  und 
Oligoklas.  Er  wird  von  aufrechten  Chloritgängen  durchsetzt, 
denen  wechselnde  Mengen  Glimmer,  stellenweise  Epidot  und 
vielleicht  auch  Serpentin  *)  beigemengt  sind.  Diese  Gänge,  in 
denen  die  Chlorit-  und  Glimmerblättchen  unter  einander  und 
der  Längen-  und  Tiefenrichtung  der  Gänge  mehr  oder  weniger 
parallel  sind,  grenzen  gegen  den  Granit  bald  scharf  ab,  bald 
zeigen  sie  Uebergänge,  bald  sind  sie  selbst  von  schmalen  Gra- 
nitgängen  durchsetzt.  In  den  Uebergangspartien,  in  denen  die 
Glimmer-  und  Chloritblättchen  ebenfalls  Parallelismns  zeigen, 
ist  der  Feldspath  kleiner  als  im  Granit  und  wird  es  noch 
mehr,  selbst  bis  zur  Grosse  feiner  Sandkorner,  je  mehr  der 
Cblorit  an  Menge  zunimmt.  In  letzterem  Falle  ist  der  Feld- 
spath matt  und  zeigt  nicht  mehr  regelmässige  Contooren.  Er 
bat  den  Habitus  von  Fragmenten ,  wie  dies  im  Abschnitte  II. 
bei  der  Umwandlung  des  Oligoklases  beobachtet  wurde.  Aach 
in  beinahe  reinen  Chloritgängen  haben  sich  die  FeldspathtrOm- 
mer**)   erhalten.     Stellenweise  ist  der  Chlorit  striemig,  und 


*)  £b  konnte  zur  Analyse  keine  hinreichende  Menge  feiner  Substam 
gewonnen  werden. 

**)  Man  beobachtet  auch  atellenweise  Kalkapath. 


363 

zwar  failen  die  Striemen  mit  der  Richtaog  der  Falllinie  der 
Gaogfliche  zasammen. 

Die  EuerBt  von  Bischof  aufgestellte  nad  mit  grossem 
^ebarfsina  verfocbtene  Ansiebt,  dass  aller  Glimmer  and  Chlo- 
rit  aaf  nassem  Wege  durch  Umwandelang  anderer  Mineralien 
eotataDden  sei,  hat  in  einer  Menge  von  Fseudomorphosen  eine 
Stütze  erbftlten.  Die  Möglicbkeit  einer  derartigen  Umwandelang 
ist  gaoz  sweifellos,  and  es  bandelt  sieb  bloss  darum,  die  Me- 
tamorphose im   vorliegenden  Falle  nachzuweisen. 

Wie  schon  erwähnt,  nimmt  der  Feldspath  mit  der  Chlorit- 
vermebrang  ab,  und  zwar  erhält  er  einen  breccienartigen  Ha- 
bitQs.  Es  ist  Dicht  einzusehen,  weshalb  bei  gleichzeitiger  £nt- 
stebaog  von  Glimmer,  Chlorit  und  Feldspath  letzterer  sich 
nicht  in  gleicher  Grosse  und  Kiystallent Wickelung  gebildet 
babeo  sollte  wie  im  umgebenden  Granit.  Eine  nachträgliche 
Cfliwandelung  erklärt  das  aber.  Indem  das  Wasser  in  den 
Feldspath  eindrang  und  die  Metamorphose  beganu,  wurde  durch 
i^en  gebildeten  Glimmer  und  Chlorit  der  continuirliche  Zusam- 
menhang aafgehoben,  and  da  das  Vermögen  Wasser  dnrchza- 
lasiten  nicht  überall  ein  gleiches  ist,  ging  die  Umwandelang  an 
einer  Stelle  rascher,  an  einer  anderen  langsamer  vor  sich.  Bs 
ist  klar,  dass  hierbei  der  Krystall  in  ein  anregelmässiges  Durch- 
einander  von  veränderter  und  unveränderter  Substanz  zersetzt 
Verden  muss.  Bs  konnten  ferner  keine  Uebergangsprodncte 
fOD  Feldspath  zu  Glimmer  und  Chlorit  beobachtet  werden; 
'jeide  Mineralien  grenzen  gegen  den  Feldspath  scharf  ab.  Das 
Fehlen  voti  Uebergängcn  spricht  aber  durchaus  nicht  gegen  die 
Metamorphose  auf  nassem  Wege,  da  man  recht  oft  in  völlig 
Qfflgewandelten  Mineralien  Fragmente  von  unveränderter  Sub- 
Elana  antrifft.*)  Bs  scheint,  dass  die  Oberfläche  eines  Krystalls, 
<^ie  etwas  angegriffen  ist,  dadurch  für  weitere  Umwandelung, 
&o  SQ  sagen,  empfindlicher  gemacht  ist,  ähnlich  wie  angeätzte 
Metalle  von  Säuren  leichter  angegriffen  werden.  Das  mit  ver- 
schiedenen Stoffen  beladene  Wasser  scheint  auf  eine  etwas 
rerioderte  Oberfläche  eines  Krystalls  eine  bedeutend  ener- 
g^chere  Einwirkung  auszuüben,  als  auf  die  unveränderten  dar- 
unter oder  daneben  liegenden  Partien.  Brst  wenn  die  verän- 
derten Stellen   stark  oder   völlig  umgewandelt  sind ,  kommen 

*)  Siebe  den  Abschnitt  II. 


364 

die  frischen  an  die  Reibe.  Dieser  Verisuf  des  Procesaes  acheiat 
bei  der  Glimmer-  und  Clili>ritliildung  gani  beaoaders  stattea- 
fladen.  Peldspathkry stalle  von  verschiedenen  Locatitätcn,  die 
oberflächlich  mit  Rlimmer  bedeckt  waren,  zeig(«n  kaum  Spu- 
ren vnn  UebergBTigen  beider  Miueralien.  Im  ersten  Stadium 
ist  die  Oberflüche  von  einem  dünnen,  contiiiDirlicben  Anflug 
zahlloser  kleiner  Olimmerblättchen  bedeckt,  die  bei  Tortschrei- 
tendem  Procese  an  Grösse  zunehmen  und  die  Kryslall Oberfläche 
dem  Auge  entziehen.  Die  grösseren  Blältchen  sind  scharf  ab- 
gegrenzt, und  nur  bei  den  tiefer  liegenden,  kleinen,  isolirlen 
Schüppchen  hat  man  bisweilen  den  Eindruck,  Uebergänge  zum 
Feldepath  wahrzunehmen.  Da  indessen  die  Isolation  derartiger 
Uebergangspartien  ganz  ausserordentlich  schwierig  ist,  so  dürfte 
es  fraglich  sein,  nb  bei  den  bis  jetzt  mitgetbeilten  Analj'sen 
halbfertiger  Glimmer  wirklich  ein  solches  intermediäres  Pro- 
duct  vorlag  oder  ein  Gemenge  von  fertigem  Glimmer  und  Feld- 
spRtb.  Jedenfalls  ergiebt  sich ,  dass  hei  dem  Glimmer-  and 
Cbloritbildungsproceas  ein  grosses  Bestreben  herrscht,  auch  in 
kleinsten  Partien  die  fertigen  Endproductc  hervorzubringen  und 
intermediäre  Producte  nur  in  änsserat  geringer  Menge  zu  bil- 
den. Vielleicht  lässt  sich  das  Auftreten  von  Chtorit  und  be> 
sonders  von  Glimmer  in  Aggregnteti  äasserst  dünner  Lamellen 
aus  dieser  Eigenschaft  erklären.  Wird  Hornblende  in  Serpen- 
tin*) oder  Feldspalh  in  Epidot  oder  kaolinarlige  Producte  um- 
gewandelt,   so  erstreckt  sich  die  Metamorphose  in  der  RttgA 


365 

Chlorit  and  Glimnier.  Mit  geringer  Neigung  zu  Uebergaogs- 
prodocten  begabt,  werden  beide  Mineralien  schon  in  äusserst 
dÜDDer  Schiebt  völlig  fertig  gebildet,  und  ist  dadurch  der  Zn- 
«ammeobang  mit  dem  Mutterkrystall  sehr  stark  gelockert.  Wird 
die  onter  dem  Glimmerblättchen  liegende  Krjstalloberfläche  in 
eine  neue  dünne  Glimmerschuppe  umgewandelt,  so  ist  der  Zu- 
sammenbang beider  Lamellen  ebenfalls  ein  geringer.  Bischof 
lubrt  ao,  dass  manche  Glimmer  beim  Erhitzen  einen  empjreu- 
Oiadschen  Geruch  entwickeln ,  also  organische  Substanz  ent- 
halten. Mit  den  organischen  Stoffen  konnten  sich  auch  an- 
dere zwischen  dejn  Glimmerblättchen  und  dem  Mutterkry stall 
ablagern,  zum  Beispiel  Eisen  als  Oxydhjdrat  oder  die  bei  der 
Glimmerbildung  ausgeschiedene  Kieselsäure  als  Quarz,  aller- 
dings io  nnendlif'h  geringer  Menge,  die  aber  ausreichte,  den 
Zosammenhang  noch  mehr  zu  lockern.  Man  weiss,  mit  wel- 
cher Sorgfalt  die  Photographen  die  Negativplatte  reinigen 
QÖgsen,  und  dass  ein  schwaches  Ueberfahren  mit  dem  Finger 
Gber  dieselbe  das  Anhaften  der  Collodiumschicht  beeinträchtigt. 
Der  Chlorit  zeigt  stellenweise  Striemen,  deren  Richtung 
mit  der  Falllinie  des  Ganges  übereinstimmt.  Diese  Erschei- 
nuag  üsst  sich  nur  durch  Umwandelung  auf  nassem  Wege  er- 
i\mü.  Konnte  das  Wasser  über  eine  Kluftfläche  nur  an  ein- 
zelnen Stellen  hinubersickern,  oder  enthielt  es  nur  an  einzelnen 
Stellen  die  zur  Chloritbildung  nothigen  Stofife*),  so  fand  die 
Cmwandelung  nur  da  statt,  wo  das  mit  verschiedenen  Sto£fen 
MaJeoe  Wasser  hinuberwegging,  also  in  der  Richtung  der 
Falllioie  der  schiefen  Ebene.  Begann  später  die  Umwandelung 
Mf  dea  unveränderten  Partien,  so  war  die  Kluftfiäche  bereits 
Tun  doDoen,  isolirten  Cbloritstriemen  bedeckt.  Durch  Wieder- 
holung dieses  Vorganges  an  verschiedenen  Stellen  erhielt  die 
ganze  Cbloritschicht  ein  striemiges  Aussehen.  Aehnliches  kann 
an  der  Tropfsteinbildung  auf  senkrechten  oder  geneigten  Wän- 
den oder  bei  der  Entstehung  von  Eiszapfenbündeln  unter 
Wasserrinnen  beobachtet  werden. 

1.  Granit,  aus  Quarz,  Orthoklas  und  Oligoklas  bestehend. 

2.  Orthoklas  aus  dem  Granit  No.  1. 

3.  Durch    Schwefel-    und   Salzsäure   zeraetzbarer  Antheil 


*)  Bs  konnte  auch  an  verschiedenen  Stellen  ungleiche  Mengen  ge- 
luit«r  Stoffe  enthalten. 
^«11. 4.  D.ge»!  Gt«.  XXII.  i .  24 


366 

einer  üebergangspartie  eines  CbloritgaDges  id  Granit;  enthäJ 
Cblorit,  Quarz  and  Peldspath.  Letzterer  ist  feinkorniger  a) 
in  No.  1  and  meist  oberflächlich  rotb  gefärbt. 

4.  Durch  Säuren  unz ersetzbarer  Ruckstand  von  No  i 
aus  Quarz  und  Feidspath  bestehend. 

5.  Gbloritgang,  aus  Quarz,  Cblorit,  Glimmer  und  Feld 
spatbtrnmmern  bestehend ;  die  oft  sandkorngrossen  Feidspath 
fragmente   sind    oberflächlich  matt  und  rotb  oder  rosa  gefärbt 

6.  Durch  Schwefel-  und  Salzsäure  zersetzbarer  Anthei 
von  No.  5.;  der  Rückstand  besteht  aus  Quarz  und  Feldspatb 

1.  2.  3.  4.  5.  6. 

HO        0,63  0,47  2,55  3,52  3,5: 

Sic«  73,26  64,57  10,43  60,23  67,46  16,1( 

APO*  14,05  19,29  5,08  6,27  11,02  7,2< 

Fe«0»       1,41  0,43  6,15  0,27  7,44  7,5( 

CftO        0,46  0,37  0,17  0,33  0,16  OM 

KG        5,57  11,88  0,34  2,90  4,86  1,7! 

NaO        3,47  2,89  0,13  1,26  0,24 

MgO  0,39  0,10  3,32  0,10  3,94  3M 

Ruckst.  0,44*)    71,36 59.4( 

99,68      100  99,53      71,36      98,63      99,6^ 

Ein  Vergleich  der  Analysen  3  und  6  mit  1  und  2  zeigt, 
dass  der  Frocess  folgendermaassen  vor  sich  gegangen  isti 
Wasser  und  Eisenoxyd  sind  aufgenommen,  Kieselsäure  sUrii 
ausgeschieden,  vielleicht  auch  etwas  Thonerde;  die  AlkalieQ 
sind  ausgetreten  und  durch  Magnesia  ersetzt.  Die  Analyseu 
stimmen  mit  der  von  Bisohof**)  angeführten  Erklärung  über 
ein,  und  der  chemische  Vorgang  erhält  seine  Bestätigung  durch 
die  in  den  früheren  Abschnitten  niitgetheilten  Miueralumwan' 
delungen  und  Experimente.  Denn  die  Cblorit-  und  Glimmer^ 
bildung  stimmt,  so  weit  es  die  chemische  Untersuchung  be- 
trifft ,  vollkommen  mit  der  Umwandelung  von  Oligoklas  und 
Labrador  in  ein  Eisen-Magnesia-Kalisilicat  uberein. 

Zieht  man  die  Menge  der  Basen  in  No.  6  von  der  in 
No.  5  ab,   so  ergiebt  sich,   dass  3,76  pCt.  AI»  O»,  3,11  pCt 


*)  Köhlenianrer  Kalk. 
♦•)  Bd.  II,  415. 


367 

K  0  and  0,24  pCt.  Na  O  darch  Säaren  unsersetzt  geblieben ; 
däs  SaaerstoffverbältDiss  in  diesem  Rückstände  von  R*  O* :  RO 
=  3:0,94,  also  gleichfalls  mit  dem  normalen  3:1  überein- 
'timmeDd.  Es  ergiebt  sieb,  dass  in  der  am  stärksten  verän- 
derten Probe  5  der  Oligoklas  vollständig  in  Glimmer  und 
Cnlorit  amgewandelt  worden,  während  der  Orthoklas  theilweise 
oriveiiudert  geblieben  ist;  ebenso  lehrt  die  Analjse  des  Ruck- 
suiodes  4,  dass  der  Oligoklas  anverhältnlssmässig  mehr  meta- 
norpbosirt  ist  als  der  Orthoklas;  denn  die  Kalimenge  ist  anf 
die  Hälfte,  der  Natrongehalt  anf  eiti  Drittel  derselben  Stoffe 
io  No.  1  gesunken.  Der  Oligoklas  wird  demnach  weit  leichter 
omgewAndelt  als  der  Orthoklas,  was  auch  durch  die  Analyse 
deä  veräDderten  Granits  von  Abo  (IV.)  bestätigt  wird.  Die 
liriage  Variation  der  Thonerdemenge  in  den  Bauschanalysen 
li  3  -f  4  und  5  thnt  dar,  dass  nur  wenig  Thonerde  ausge- 
^ten  ist;  man  kann  also  ohne  weitere  Reduction  die  Ana- 
^sen  ganz  gut  mit  einander  vergleichen.  Es  ergiebt  sich  dann, 
6U8  aocb  hier  die  Alkalien  durch  etwas  mehr  als  die  äqui- 
rsleote  Menge  Magnesia  ersetzt  sind.  Bei  der  Umwandelung 
^f%  Feldspaths  in  Magnesiaglimmer  .ist  ein  Theil  des  Kalis 
zoröckgebalten  worden,  daher  die  beträchtliche  Menge  dieses 
Stoffes  in  No.  6. 

Der  Granit  des  Observationshngels  ist  von  zahlreichen, 
BieLr  oder  weniger  senkrechten  Glimmergängen  durchsetzt,  de- 
f^Q  Biittchen  meist  Parallelismus  zeigen.  Es  ist  kein  Zweifel, 
^^ii  sie  alle  später  durch  Umwandelung  des  Feldspaths  ent- 
bunden sind.  In  einer  früheren  Arbeit*)  sind  schon  die  Be- 
<ienken  auseinandergesetzt,  die  sich  bei  Annahme  pyrogener 
Bildung  gegen  den  Parallelismus  der  Glimmcrblättchen  und 
^tü  aufrechte  Lage  aufdrängen.  Durch  neptunische  Umwan- 
delung eines  Gesteins  in  der  Richtung  vorhandener  Rissflächen 
erklärt  sich  die  eigenthumliche  Stellung  der  Glimmcrblättchen 
vollständig.  Ja  vielleicht  durfte  der  Glimmer  selbst  die  mehr 
'^'der  weniger  senkrechten  Risse  hervorgebracht  haben.  Indem 
^r  sich  ao  and  in  den  Peldspathkrystallen,  in  der  Richtung,  in 
welcher  das  Wasser  eindringt,  als  scharf  abgesetzte,  dünne 
chicbi  bildet,  wird  die  oberflächliche  Partie  des  Gesteins 
von  zwar  nicht  parallelen ,  aber  doch  mehr  oder  weniger  auf- 

*)  Oebirgsarten  dv  Insel  Hochland,  Archiv  S.  309. 

24* 


rechten  Olimmerblättcben  darchsetit,  die  dem  Wuser  ein  leicb- 
teree  Eindringen  ermöglichea.  Geht  aji  einigen  Stellen  der  Glim- 
merbilduagsproceBS  schneller  vor  eich  als  an  anderen,  so  wird 
bei  den  stärker  iimgewandetlen  Piirtien  das  Wasser  noch  leich- 
ter hindurchBickern ;  der  Weg  ist  jetit  für  das  eindriagende 
Wasser,  so  za  sagen,  tracirt  worden.  Die  Hauptrichtung  die- 
ser glimm  erreichen  Stellen  würde  die  Streichlinie  des  sich  bil- 
denden Olimmerganges  bestimmen.  Es  ist  klar,  dass  der  «o 
bewirkte  Parallelismus  der  Glimmerblättchen  sich  nicht  weit 
erstrecken  kann;  es  werden  sich  in  den  verschiedensten  Rich- 
tungen gewundene  und  gcschnörkelte  Glimmergänge  bilden. 
Ein  ParallelismuB  der  Blättchen  auf  grösserer  Ausdehnung  setat 
entweder  präfnrmirte  Spalten  voraus,  oder  die  Gestein  sstruclnr 
gestattete  in  einer  Richtung  dem  Wasser  einen  ganz  beson- 
ders leichten  Durchgang. 

Auch  das  un  regelmässige,  sc  hm  itxeu  artige  Vorkommen  der 
aufrechten  Glinimergänge  lasst  sieb  aus  der  nicht  überall  statl- 
gefundeuen  Zufuhr  glimmerbildcnder  Sluffe,  sowie  aus  der  ver- 
schiedenen Zusammenselzung  des  Granits  erklären.  Da  einer 
Seite  der  Oligoklas  viel  leichter  umgewandelt  wird  als  der 
Orthoklas,  andererseits  der  Granit  aber  siellenweise  Oligoklas- 
einlagerangen  enthält,  so  ist  wohl  kein  Zweifel,  dass  viele  d«r 
scharf  abgegrenzten  Glimmergänge  ursprünglich  von  OligokliS 
eingenommen  wurden. 

Vll.    Der  Granit    Östlich    von    der    deutschen  Kirche,  «o 


369 

ümo  Partien ,  die  indessen  selten  grossere  Ausdehnung  er- 
laogeo,  haben  sich  die  Granaten  des  Granits  meist  unverän- 
dert erbalten. 

1  und  2.  Verschiedenen  Stellen  entnommenes,  rothes,  in 
^äalcbeo  krystallisirendes  Mineral;  konnte  nicht  von  dem  in 
grosser  Menge  anhaftenden  Quarze  befreit  werden. 

3.  Granity  aus  Quart,  Oligoklas  und  Orthoklas  bestehend ; 
ifit  Too  Granaten  durchsetzt. 

4.  Den  Granit  No.  3  durchsetzender  und  gegen  ihn  scharf 
abgesetzter  Gang,  der  aus  Quarz  und  braunrothen,  sehr  klei* 
i.en  .Sialchen  besteht. 

5.  Durch  Schwefel-  und  Salzsäure  zerlegbarer  Antheil  von 
No.  i») 

6.  Durch  Säuren  zersetzbarer  Antheil  eines  aus  hellrothen 
KrystaUen  und  sehr  viel  Quarz  bestehenden  Ganges,  der  den 
Ciraoit  No.  3  durchsetzt. 

7.  Durch  Säuren  unzersetzbarer  Rückstand  von  No.  6. 


1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

HO   10,19 

9,43 

0,56 

3,34 

3,34 

3,14 



SiO«  57,94 

50,03 

73,43 

76,20 

14,36 

12,10 

74,28 

AI'  0'  24,08 

29,78 

13,67 

12,39 

8,62 

7,69 

0,84 

Fe'O'    5,92 

6,73 

1,41 

5,14 

3,76 

1,27 

0,12 

C»0     0,26 

0,42 

0,50 

0,29 

0,06 

0,10 

KO     1,19 

2,41 

6,27 

1,75 

•1,04 

0,33 

N»0     _ 

0,72 

3,27 

0,78 

0,19 

0,33 



MgO     0,42»*)  0,48  ••)  0,20 

0,38  ••)  - 

— 



Röekji.    — 



— 

68,58 

75,24 



100         100         99,31     100,22    99,95  100,20    75,24 

Der  bohe  Wassergehalt  des  rothen  Minerals,  sowie  sein 
Vorkommen  auf  Spaltenflächen  lassen  gegen  seine  neptunische 
Eotstehang  keinen  Zweifel  aufkommen,  und  es  ist  höchst  wahr- 
^cbeiolicb,   dass    es    durch  Umwandelung    des  Feldspaths  her- 

*)  Durch  Bebandlnng  dea  Minerals  mit  kochender  SchwofelBäare  ver- 
»^^hwindei  die  rothe  Farbe  nicht,  sondern  eret  dnrch  nachträgliche  DU 
ItttioQ  mit  H  Ci.  Daeselbe  habe  ich  auch  an  anderen  Silicaten  beob- 
'^litet,  ein  Beweis,  wie  fest  in  manchen  Silicaten  das  Eisen  gebunden  ist- 
S  BiJcaoF's  Geologie  II.,  583. 

•*)  Mn  0  haltig. 


370 

vorgegangen  ist.  Die  Analysen  bestätigen,  was  schon  di 
Auge  lehrt,  dass  die  Zasammensetzung  keine  gleiche  ist,  od 
genauer  gesagt,  dass  ein  Gemenge  verschiedener  Verbindung« 
vorliegt,  die  sich  indessen  sehr  nahe  stehen.  Es  sind  waese 
haltige  Thonerde-Eisensilicate,  Bei  der  Umwandelung  der  Fei 
spathe  müssen  Wasser  und  Eisenoxyd  aufgenommen,  die  Ä 
kalien  bis  auf  einen  kleinen  Theil  ausgeschieden ,  die  Kiese 
säure  sehr  stark  vermindert  worden  sein.  Es  ergiebt  sich  fernti 
dass  das  aufgenommene  Eisenoxyd  und  Wasser  nicht  die  a| 
geschiedenen  Alkalien  und  die  Kieselsäure  compensirt,  seih 
wenn  letztere  an  Ort  und  Stelle  als  Quarz  sich  niedergeschlagc 
hätte.  Der  umgewandelte  Granit  wäre  demnach  locker  gl 
worden,  wenn  nicht  Kieselsäure ,  von  anderen  Stellen  herbe 
geführt,  die  Poren  ausgefüllt  hätte.  In  der  That  weist  d\ 
blosse  Anblick  sowie  die  Analysen  4  und  6  eine  starke  Quari 
Vermehrung  nach.  Es  ist  schwer  zu  entscheiden,  ob  die  b 
deutende  Thonerdeverminderung  in  der  allerdings  sehr  quan 
reichen  Probe  6  eine  relative  oder  absolute  ist;  wenigster 
zeigt  ein  Vergleich  der  Proben  3  und  4c,  dass  die  Thonerd 
ausscheidung  eine  geringe  ist.  Es  werden-  bei  der  Probe 
wohl  beide  Momente  den  Thonerdegehalt  herabgedrückt  babei 
VIII.  Wie  schon  erwähnt,  enthält  der  Granit  ostlich  vo 
der  deutschen  Kirche  oligoklasreiche  Partien.  In  diesen  kornol 
schwarzer  und  rother  Pyrargillit  vor,  der  von  viel  Quarz,  sej 
teuer  von  Glimmer  «durchsetzt  ist.  Uebergänge  in  01igoki>^ 
konnten  nicht  beobachtet  werden.  Einige  Pyrargillite  zeigei 
parallelepipedische  (lestalt,  woraus  jedoch  nicht  die  Form  dej 
ursprünglichen  Krystalls  erkannt  werden  konnte.  Auf  da| 
Vorhandensein  von  Pseudomorphosen  gestützt,  nimmt  man  an 
dass  aller  Pyrargillit  aus  Cordierit  hervorgegangen  sei.  Einer 
seits  ist  es  auffallend ,  dass  bei  diesem  Process  der  Cordieq 
spurlos  verschwunden  ist,  andererseits  legt  das  Vorkommei 
von  Pyrargillit  in  orthoklasreichen  Partien  den  Gedankeu  nahe 
dass  der  Oligoklas  in  Pyrargillit  umgewandelt  sei.  Vergleich 
man  die  Zusammensetzung  beider  Mineralien  mit  einander,  s( 
ergiebt  sich,  dass  Eisenoxyd  und  Wasser  aufgenommen,  di 
Alkalien  vollständig,  die  Kieselsäure  theilweise  ausgeschiede 
sein  müssten,  eine  Umwandlung,  die  der  Oligoklas  wirklic 
erleidet.  Aber  selbst  bei  Annahme  der  Stabilität  der  Tbonj 
erde  würde  die  Menge  der  ausgetretenen  Stoffe  die  der  aufgd 


371 

nommeoeD  überwiegen,  and  der  gebildete  Pjrargillit  musete 
pros  sein,  was  er  nicht  ist.  Eine  bedeutende  Yolumenver- 
grÄ$9erang  findet  ebenfalls  nicht  statt,  es  bleibl  somit  die  An- 
nahme abrig,  dass  die  Poren  durch  Quarz  ausgefüllt  wurden. 
Alierdiogs  ist  der  Pjrargillit  quarzreicb,  allein  da  der  Quarc 
meist  iu  grosseren  Körnern  vorkommt,  ist  es  schwer  su  sagen, 
ob  er  Dicht  schon  vor  der  Pjrargillitbildung  da  war. 

1.  Oligoklas. 

2.  Von  Quarz  möglichst  befreiter,  rother  Pjrargillit;  hin- 
terlieas  nach  der  Zerlegung  durch  SO*  und  HCl  18,05  pCt. 
beinahe  reinen  Quarz. 

3.  Durch  Säuren  zersetzter  Antheil  von  No.  2,  auf  100 
berechnet. 

4.  Rother  Pyrargillit,  von  schwarzem  Glimmer  durchsetzt; 
Unterliess  beim  Aufschliessen  mit  S  jO '  und  H  Cl  8,93  pGt. 
grosstentheils  aus  Quarz  bestehenden  Ruckstand ;  in  dem  man 
Doch  einige  silberweisse  Glimmerblättchen  wahrnehmen  konnte. 

5.  Leberfarbiger  Pyrargillit  von  Helsingfors,  im  mineralo- 
g:si  ben  Cabinet  zu  Dorpat  befindlich.  Im  Oligoklasgranit  ein- 
gebettet; zeigt  parallelepipedische  Form  und  ist  von  Quarz 
Doigebeo.  Das  dritte  Mineral  hiuterlässt  nach  dem  Aufschliessen 
mit  Sauren  bloss  1,80  pCt.  Quarz.  Spec.  Gew.  =  2,396. 
Nähere  Angabe  über  den  Fundort  fehlt.  Dieser  Pyrargillit 
dörfte  wohl  ein  umgewandelter  Cordierit  sein. 

1.  c»  «5.  4b«  d* 

HO  1,12  13,28  16,02  13,46  19,64 

SiO'  61,53  31,66  37,81  34,88  36,61 

AI'O'  21,08  27,12  32,75  29,29  34,80 

Fe'O«  1,63  7,44  9,33  8,27  3,07 

C»0  2,97  0,20  0,24  0,18  0,75 

KD  2,00  0,80  0,96  2,18  0,43 

N»0        7,89  0,49  0,59  —  0,78 

MgO  0,31  1,91  2,30  2,14  2,80 

Rfltkit.        —  18,05     — _  8,93  1^ 

98,48      100,95      100  99,33      100,68 

Wenngleich   eine  Umwandelang  von  Oligoklas  in  Pyrar- 
gillit nicht  nachgewiesen   werden   Iconnte,    so  darfte  doch  die 


372 

Mo|^1ichkeit  dieser  Entstehangsweiee  bei  künftigen  Untereachno 
gen  beracksiebtigt  werden. 

Fasst  man  die  UmwandelangsprocesBe  der  Feldspatbe  id 
den  Abschnitten  I.  —  VII.  zusammen,  so  lassen  sieb  zwei 
Haoptarten  unterscheiden.  1)  Die  Feldspathe  verlieren  die 
Monoxyde  fast  vollständig,  die  Kieselsaure  zum  Tbeil,  nehmen 
dagegen  Wasser  und  Eisenoxyd  auf.  2)  Sie  tauschen  ihr« 
Monoxyde  gegen  andere  aus,  und  zwar  Kalk  und  Alkali  gegei^ 
Magnesia,  Natron  und  Kalk  gegen  Kali ;  Kieselsäure  und  Thoo- 
erde  werden  theil weise  ausgeschieden,  Wasser  und  Eisenoxjd 
aufgenommen.  In  fast  allen  Fällen  sind  K  O,  Mg  O,  H  0  und 
Fe*  O'  in  grosserer  oder  kleinerer  Menge  beisammen;  nie 
wird  Na  O  und  nur  in  zwei  Fällen  Ca  O  aufgenommen.  Es 
scheint,  dass  die  vier  ersten  Elemente  eine  grosse  Neigung 
haben,  bei  Zersetzung  'und  Umwandelung  von  Silicaten  zu- 
sammenzutreten, daher  man  sie  nicht  nur  in  sehr  vielen  Arten 
von  Zersetzungsproducten  zusammen  vorfindet,  sondern  auch 
in  Verbindungen,  die  eine  ausserordentlich  grosse  Verbreitung 
haben ,  wie  Glimmer,  Glaukonit  und  Grunerde,  die  silariscben 
und  devonischen  Thone  Russlands. 


373 


l  Eilige  BeMerkiHgen  Aber  die  geeginstiselie  Karte 
TM  Obersdilesiei  ^  bearbeitet  ▼•■  Heim   Ferdünaiil 

Reener. 

VoD  Herrn  Zeuschner  in  Warschau. 

» 

Den  an  Oberschlesien  grenzenden  Länderstrich  von  Polen, 
Kntkaoer  Gebiet  und  Calizien ,  oder  die  Gegend  zwischen 
Wieion  aod  Zjwiec  hat  Herr  RoBirBR  zur  Vervollständigung 
der  Karte  von  Oberschlesien  beigefügt.  Diese  Bemerkungen 
beziehen  sich  nur  auf  einen  kleinen  Theil  von  Polen,  zwischen 
WieJoD  und  Olkusz,  den  ich  seit  einigen  Jahren  specieller  zu 
GQtersQchen  Gelegenheit  hatte.  Die  Entwickelnng  der  Jura- 
formation fasse  ich  anders  auf  als  Herr  Robmer,  worauf  ich 
froher  schon  aufmerksam  gemacht.  Die  meiste  Schwierigkeit 
bietet  die  richtige  £intheilung  des  Braunen  Jura  oder  Dogger. 
Besondere  Verhältnisse  haben  dieses  verursacht.  Die  einzel- 
nen Groppen  sondern  sich  zum  Theil  und  verschwimmen  un- 
ter eiDsader ,  und  die  Eintheilungen  von  England,  Frankreich, 
der  Schweiz  und  Deutschland  lassen  sich  nicht  auf  den  pol- 
nischen Jura  übertragen.  Von  Lias  findet  sich  in  Polen  keine 
Spar,  Dor  im  Tatra- Gebirge  ist  diese  Schicht  mächtig  abge- 
setzt; Schichten  des  Braunen  Jura,  und  zwar  die  obere  Etage 
des  Inferior  Oolite,  hat  sich  zum  grossten  Theil  auf  hlutrothen 
Kenperthon  niedergeschlagen  als  grauer  Thon  oder  Mergel  mit 
untergeordneten  Lagern  von  thonigem  Sphärosiderit.  Darauf 
folgen  die  braunen  Niederschläge,  die  in  drei  Gruppen  zer- 
fallen nnd  durch  besondere  Faunen  charakterisirt  sind. 

Folgende  Glieder  setzen  den  Braunen  Jura  in  Polen  zu- 
simmen. 

1.  Unterer  Oolith.  Besteht  aus  einem  mächtigen 
Absatz  von  grauem  Thon,  ausnahmsweise  aus  hellgrauem  Mer- 
gel) der  100 — 150^  erreicht.  Als  untergeordnete  Schichten  sondert 
sich  hellgrauer,  feinkorniger  Sandstein  aus,  mit  dünnen  Lagern 
^on  tbooigem  Sphärosiderit.     Eine  reiche  Fauna  charakterisirt 


374 

die  obere  Etage  dieser  Gruppe.  Folgende  Species  sind  die 
häufigsten:  .^mmonites  Parkinsan^  Garantianus,  HngutferuSy  sub- 
coronatus^  oolithicuSy  Thracia  Eimensk,  Trochus  biarmatus, 

2.  Gross  oolith.  Es  findet  sich  nur  die  unterste  E tagt 
dieser  Gruppe,  die  der  Füllers  earth  ziemlich  genau  eotspricbl 
und  aus  bräunlichgrauem  oder  braunem  Sandstein  besteht  mit 
untergeordneten  Lagen  von  stark  verwittertem  thonigen  Sphä- 
rosiderit,  der  gewohnlich  in  erdigen  Brauneisenstein  umgewan- 
delt  ist.  Dieses  Lager  beschränkt  sich  auf  die  Gegend  zwi- 
schen Zajaczki  und  Pierzchno,  ist  beiläufig  2  Meilen  lang.  Es 
charakterisiren  hauptsächlich  Fholadomyen  diese  Schicht,  sel- 
tener Ammoniten.  Folgende  Species  sind  die  häufigsten: 
Pholadomya  Murckisoni,  nuda,  concatenata,  .^mmonites  funatus. 
Alle  diese  Species  kommen  schon  im  unteren  Oolith  vor,  sind 
aber  sehr  vereinzelt;  hier  sind  sie  reich  entwickelt  und  bilden 
eine  eigenthumlicbe  Zone. 

Wahrscheinlich  gehören  zu  dieser  Schicht  die  stark  ver- 
witterten thonigen  Sphärosiderite,  die  zum  Theil  in  Brauneisen- 
stein umgewandelt  sind  und  unmittelbar  die  grauen  Thone  des 
Unteren  Oolith  bedecken  von  Krzjworzeka  bei  Wielnn  und 
Parkuszowice  bei  Wlodowice.  So  weit  die  Fauna  bekannt 
ist,  ist  sie  identisch  mit  der  von  Zajaczki. 

3.  Kelloway  Gruppe.  Zu  dieser  Gruppe  geboren  die 
braunen  Sandsteine,  die  in  Quarzfels  übergehen,  und  braune, 
undeutliche  Eisenoolithe  (Pierzchno,  Wrzosowa).  lu  braunem 
Sandstein  von  Klobutzko  findet  sich  Am.  macrocephalus ,  Pleu- 
rotomaria  Cypris.  Im  erdigen  Eisenoolithe  von  Pierzchno, 
Wrzosowa,  der  auf  ähnlichem  braunen  Sandstein  ruht  wie  der 
von  Klobutzko,  findet  sich  eine  ziemlich  entwickelte  Fauna 
mit  Am.  macrocephalus,  Jason, 

4.  Eisenoolithe  und  brauner,  etwas  krystalli- 
niscber  Kalk,  mit  Species  aus  den  drei  Gruppen  des 
Braunen  Jura,  des  Inferior-  und  Gross -Oolith  und  der  Kello- 
way-Gruppe.  Diese  in  West -Europa  getrennten,  mächtigen 
Gruppen  verschwimmen  in  Polen  zu  einer  sehr  dünnen  Schicht, 
die  6  —  8'  dick  ist,  wie  in  Pomorzany,  Wlodowice,  Sanka 
u.  s.  w.  Mit  ^lm.  Herveyi,  aspidoides  finden  sich  zusammen 
Pleurotomaria  culminata,  Paiella  rugosa,  Terebratula  dorsoplt- 
cata  var.,  Perieri^  hypocirta,  emarginata^  pcUa,  umboneüa,  Phil- 
lipsi,  Rhynchonella  Ferryi,  varians  etc.    Die  Untersuchung  dea 


375 

Eiseaoolithes  von  Baiin  von  den  Herren  Rbuss  und  Laubb 
hai  zu  ähnlichen  Resultaten  geführt.  Es  muss  bemerkt  wer- 
den, dass  die  Eisenoolithe  in  manchen  LocaJitaten  überwie- 
gend Speries  des  Kelloway  einschliessen ,  wie  Am.  macroce^ 
pkaluM,  Jason;  aber  viel  seltener  finden  sich  zusammen  die 
Formen  der  unteren  Gruppen  ,  wie  dies  der  Fall  ist  bei  Ci{- 
gowice,  wo  Am,  lingui/erus  mit  den  beiden  Species  des  Kello- 
wav  vorkommt. 

Eine  ähulicbe  Mengung  von  Species  zweier  Formationen 
befindet  sieb  in  dem  rothen  Klippenkalke,  der  sich  entlang  des 
QÖrdlichen  Abhanges  des  Tatra-Gebirges  zieht  und  von  Oppbl 
tithoDisebe  Gruppe  benannt  wurde.  In  diesem  schonen  Kalk- 
steine findet  eine  Mengung  von  Versteinerungen  zweier  Formatio- 
nen statt,  nämlich  des  Jura  und  der  Kreide;  mit  Am.  biplez^  tri- 
pUcatiLS,  auricularis,  Calypso,  Aptychus  lameÜosus  finden  sich 
Species  des  Neocomien,  wie  Am,  JuiÜeti,  Morelianus,  picturatus. 
Die  Jura-Ammoniten  geboren  verschiedenen  Abtheilungen  des 
weissen  Juras  an. 

Nachdem  ich  mich  über  die  Sonderung  der  verschiedenen 
Schichten  des  Braunen  Juras  erklärt,  werde  ich  mir  erlauben, 
eioige  Bemerkungen  über  die  Ausführung  der  Karte  zu  machen. 

Pierzchno.  Auf  der  Karte  von  Oberschlesien  sind  die 
granbraunen  Sandsteine  mit  Lagern  von  Brauneisenstein,  die 
viele  Pholadomyen  charakterisiren,  und  die  ich  als  die  untere 
Etage  des  Gross -Oolith  betrachte,  eingetragen.  Derselbe 
Racken,  500  Schritte  gegen  die  Wirthschaftsgebäude  dieses 
Ortes,  hat  noch  jüngere  Schichten,  die  ein  Steinbruch  gut  auf- 
gedeckt hat.  In  folgender  Ordnung,  von  unten ^  angefangen, 
iiegeo  auf  einander: 

1.  Brauner  feinkorniger  Sandstein,  der  in  Quarzfels  über- 
gebt, ist  ganz  ähnlich  dem  Sandsteine  von  Klobudzko  mit 
An.  macrocephahM ,  und  darum  betrachte  ich  diese  Schicht  als 
junger  wie  die  mit  Pholadomjen ,  als  eine  Schicht  des  Kello- 
way.    Darauf  ruht 

2.  Schwärzlichbrauner  Eisenoolith  mit  vielen  Versteine- 
rungen des  Kellowaj,  wie  Am,  macrocephalus,  Jason,  lunula. 

3.  Weisser,  erdiger  Mergel  mit  untergeordneten  Schichten 
von  bläuUchgrauem  Kalkstein,  Die  reiche  Fauna  charakterisirt 
genau  den  Weissen  Jura  a  Qubnstbdt,  wie  Am,  Eugenii  d*Obb. 


376 

aafar  Torwaltend,  dano   j4m,  fitxuoiui,  cordatm  'klein ,   Stnggtri, 
Ttrwratula  bUi^arcinata,  Bhynchoneüa  lacunosa  var. 

4.  Weisser  geschichteter  Kalkstein  bildet  die  Unterlage 
der  Wirthschaftsgebäude  von  Pienchno  and  des  Orte»  selbst; 
man  findet  ihn  weit  verbreitet  auf  den  Feldern.  Flanulalen 
bestinime«  seine  Stellung  aU  Weiseer  Jura  ß.  Diese  vier 
Schichten  sind  »icht  angedeutet. 

Czf  Btochowa.  Der  HÜgei,  auf  dem  die  Kirche  des  be- 
rabmten  Walir&hrtsoHes  erbaut  ist,  ist  lusammengeBeUt  aus 
""""  geschichteten  Kalksteinen  des  Weissen  Juras,  (5  wegen 
rächenden  Planulaten.  Dasselbe  wiederholt  aich  in 
e,  wo  sehr  grosse  Steinbrüche  in  Betrieb  sind.  Herr 
betrachtet  diesen  Kalkstein  als  die  unterste  Zone  des 
Juras  j* ,  die  Fauna  ist  diesem  entgegen.  Den 
in  Abhang  bilden  braune  Sandsteine,  nicht  oolithische 
ke  nnd  dann  folgen  graue  Thone  des  Unteren  Oolilhs, 
Kb  in  Verbindung  stehen  mit  diesen  Thonen,  die  hin- 
Barbara-Kirche  das  Material  der  Ziegelei  hergeben. 
Ismo.  Auf  der  Höhe  dieses  Ortes  herrscht  brauner 
n  vor;  alle  HofgebSude  stehen  auf  dieser  Zone  des 
D.  Dieser  Sandstein  zieht  sich  als  ein  langer  Strich 
/rcoeow  hin.  Etwas  mehr  nördlich  erscheint  Weisser 
md  sieht  sich  ebenfalls  gegen  Wrzosow.  Eine  Ein* 
;  des  Weissen  Juras  vom  branneu  Sandstein  ist  wohl 
sfnhrhar,  da  auf  dem  Plateau  keine  Entblössungeu  vor- 
sind,  and  die  Bestimmung  des  Vorkommens  dieser 
Q  ist  nur  gegründet  auf  die  grosse  Menge  von  Blöcken 
Ackerkrume.  Auf  dem  Abhänge  der  Blessnoer  Höhe 
Thale  erscheint  brauner,  dann  grauer  Thon  des  In- 
olitbs,  der  bei  Weitem  nicht  so  vorherrschend  ist,  wie 
te  angiebt.  Auf  den  Höhen  von  Wrzosow,  aüdlicli 
)tno,  haben  Steinbrüche  die  Verbällnisse  dieser  Gegend 
klar  aorgeschloseen.  Zuoberst  im  Steinbruche  ist  aus- 
eler  weisser  Kalkmergel  (Weisser  Jura  a)  mit  einer 
ristischen  reichen  Fauna,  die  aus  denselben  Species 
die  in  Pienchno  angeführt  sind:  Am.  EugenU  sehr 
dann  Am.  fiexuomi,  cordatut,  concolutu»  ivtpreitae,  Te- 
iw^aroinata,  Rh.  lacutiota  und  häufige  Schwämme,  be- 
Owmidium  rmulosum.  Auf  dem  weissen  Mergel  rubt 
teter  weisser  Kalkstein  mit  Plauulalen,  also  ß.     Untei 


377 

dem  Mergel  findet  sieb  tboniger  schwarzer  Eisenoolith  mit 
im.  ntacrocephaluSy  Jasoriy  der  kaam  4  5'  dick  ist  and  braa- 
nea  petrefactenleeren  Sandstein  bedeckt. 

Jaworzoik.  An  die  grosseren  Hofgebäade  grenzt 
die  bedeutende  Ziegelei,  die  ibr  Material  im  grauen  Tbone  sich 
Ter8cha£[t,  der  viele  Kugeln  von  tbooigem  Spbärosiderit,  Schwe- 
felkies und  schone  Schalen  von  Muscheln  einschliesst.  Die- 
ser Tbon  des  Unteren  Oolithes  wird  nicht  von  einer  braunen 
Schiebt  vom  Weissen  Jura  |^  getrennt.  Es  ist  unmöglich,  die- 
selbe zu  beobachten. 

^ATlod o  w  i  ce.  Dass  die  weissen  geschichteten  Kalksteine 
TOD  Wlbdowice,  Skaly,  Rudniki,  auf  der  Karte  mit  j*  bezeich- 
net, der  untersten  Juraschicht  angehören,  muss  ich  entschieden 
bexweifeln ;  diese  Kalksteine  sind  durch  eine  reich  entwickelte 
Fauna  charakterisirt,  die  dem  Weissen  Jura  ß  Qusnstedt's 
entspricht,  wie  Am,  biplex,  pofyplocus,  Eucharis^  Henrici^  Lam- 
herü,  Pecten  teatorius^  Lima  substriatOy  Isoarca  transvena  u.  s.  w. 
Fast  alle  Species  gehören  einer  höheren  Schiebt  an.  Eine 
Trenoung  ist  jedenfalls  richtig,  da  die  Mergel  -  Species  nicht 
vorkommen,  ausser  vielen  Schwämmen.  Es  muss  bemerkt 
werden,  dass  der  Kalkstein  von  Wlodowice- Rudniki  einen 
eigentbümlichen  petrographischen  Charakter  hat;  kleine,- braune 
Stacke,  1 — 3  Millimeter  lang,  von  braunem  Kalkstein,  por- 
pbjrrartig  in  der  weissen  Kalksteinmasse  verscbwiramend ,  un- 
terscheiden diese  Kalksteine  sehr  leicht. 

Sowohl  in  Wlodowice  wie  in  Rudniki  findet  sich  auch  die 
QDterate  Schicht  des  Weissen  Juras,  oder  a,  mit  einem  eigen- 
tbömlicben  Charakter.  In  Wlodowice  in  den  Hofräumen  ist 
dieser  Horizont  aufgeschlossen  und  besteht  aus  dünnen  Schich- 
ten von  dünn  blätterigem  Mergel,  mit  foläulicbgrauem  Kalkstein 
wechsellagernd.  Seine  reiche  Fauna  besteht  aus  denselben 
Ammooiten,  die  von  Wrzosow,  Pierzchno  angeführt  sind; 
ausserdem  Nautilus  aganiiicus,  Terebratula  nucleata,  Terebratella 
y^tieulata^  Scyphia  fusca  QüfinsT.  An  einigen  Orten  sind  hier 
Andeotangen  dieser  Schiebt,  aber  ein  sorgfältiger  Ackerbau 
erlaubt  nicht,  diese  Schicht  genauer  zu  beobachten. 

lo  Rudniki  findet  sich  auch  diese  Schicht  mit  ähnlicher 
Fauna,  sie  wird  aber  nur  durch  Graben  von  Teichen,  Kellern 
»nfgeschlossen. 

In  der  Nähe  von  Wlodowice,    östlich  gegen  Morske,  er- 


378 

sich  ein  höherer,  ziemlich  charakteristischer  Berg,  Grden  be- 
nannt, dessen  Kalkstein  einer  höheren  Zone  angehört.  Die 
dicken  Kalkstein  -  Schichten  schliessen  viele  Kalksteinkugeln 
ein.  Seine  ganze  Physiognomie  und  die  F*auna  ist  ganz  ähn- 
lich den  Kalksteinen  von  Przegorzaly,  Bielany,  Podgörze  bei 
Krakau;  /4m,  biplex,  polyplocus  sind  sehr  selten,  haofig  aber 
Bhynchon.  trüobata,  lacunosa,  Terebratula  bisuffarcinata  ^  viele 
Schwämme,  wiö  Cnemidium  rimulosum^  striatopunctatum.  —  Die- 
ser Kalkstein  fehlt  auf  der  Karle. 

Zwischen  Wlodowice  und  Rudniki  findet  sich  eine  Art 
von  Meerbusen,  an  dessen  östlichem  Ende Parkuszowice  liegt; 
die  umschliessenden  Höhen  sind  aas  weissem  geschichteten 
Kalkstein  zusammengesetzt.  Nach  der  Karte  soll  ein  schmaler 
Saum  j*  den  grauen  Thon  des  Unteren  Ooliths  einfassen ;  die- 
ses ist  in  der  Wirklichkeit  nicht  der  Fall;  nur  unmittelbar  bei 
Wlodowice  findet  sich  Eisenoolith  ziemlich  entwickelt,  die 
Kirche  steht  darauf,  im  Orte  finden  sich  an  mehreren  Punkten 
Felsen  davon ,  etwas  weiter  nur  unbedeutende  Spuren.  Der 
Strich  nach  Parkuszowice  ist  mir  nicht  bekannt;  in  Rudoiki 
auf  der  entgegengesetzten  Lehne  ist  keine  Spur  der  braunen 
Schicht;  die  stark  aufgelichteten  Jurakalke  [l  berühren  den 
grauen  Thon  des  Inferior- Ooliths,  der  die  ganze  Vertiefung 
aasfullt;  eine  Auflagerung  findet  sich  nicht. 

Auf  dem  sudlichen  Abhänge  des  Rudniker  Rückens  kommt 
der  Eisenoolith  au  mehreren  Punkten  zum  Vorschein  und  ist 
erwiesen  in  der  Gegend  der  Hofgebäude  und  des  Dorfes. 

-  Nierada.  Dicht  an  der  Eisenbahn,  fast  gegenüber  der 
Allee,  die  nach  Ruduiki  fuhrt,  wufrde  1865  auf  Kohle  geschürft, 
und  damit  wurden  die  grauen  Thone  als  («iied  des  Keupers 
erwiesen.  Im  grauen  Thon  mit  dünnen  Schichten  von  blut- 
rothem  Thon  wurden  dünne  Lager  der  eigenthumlichen  Keu- 
per -Kohle  gefunden.  Auf  einer  grösseren  Strecke  sind  diese 
Thone  vorhanden,  hier  und  damit  aufgeschwemmten  Sande  bedeckt. 

Bzow.  Dem  Hofe  gegenüber,  bei  der  reichen  Quelle, 
welche  die  Einwohner  der  Ortschaft  mit  gesundem  Wasser  ver- 
sorgt, findet  sich  eine  deutliche  Schicht  von  weissem  Mergel 
a,  die  sehr  reich  an  thierischen  Ueberresteu  ist,  und  bedeckt 
braunen  Thon  mit  unzusammenhängenden  Schichten  von  Eisen 
oolith  und  grauen  Thon  des  Inferior-Oolith.  Diese  Thone  sind 
im  Thale  ^ziemlich  verbreitet. 


379 

Eine  ähnliche  Aufreissung  des  Gebirges  ist  in  Blanowice 
beobachtet,  in   Bzow  muss  sie  nachgetragen  werden. 

Wjsoka  Pilicka  and  Ci^gowice.  Diese  beiden 
Dorfer  liegen  auf  2  parallelen  Hucken,  die  aus  geschichtetem 
\fei88ea  Jura  ß  bestehen ;  ein  tiefes  Thal  tretnt  dieselben. 
Fast  io  der  Mitte  der  Abhänge  findet  sich  eine  braune,  nicht 
sehr  dicke  Thonschicht  mit  nicht  zusammenhängenden  Lagern 
voD  Eisenoolith.  Darunter  folgt  grauer  Thon  des  Unteren 
Ooüth  mit  einigen  Scttichten  von  grauem  feinkornigen  Sand- 
steio,  der  Cardium  Striklandi  Morris  u.  Lycbtt  einschliesst.  Auf 
decD  Terlaaseneu  Wege,  der  von  Wysoka  nach  Cifngowice 
^brt,  folgt  unter  der  granen  Schicht  weisser  grobkörniger 
Saod,  hier  and  da  mit  beigemengten  Blättchen  von  silber- 
weissem  Glimmer.  Bei  dem  Graben  dieses  schonen  Sandes 
äat  m>in  Knaoern  von  schwarzem  dichten  Brauneisenstein  ge- 
fanden;  öfters  sind  die  Saude  mit  Brauneisenstein  verkittet 
Qod  bilden  einen  ziemlich  festen  Sandstein.  Diese  weissen 
Saode  ziehen  sich  am  Rucken  von  Wj^soka  hin  und  bedecken 
rothe  und  bunte  Keuper-Thone.  Auf  der  RoEMER^schen  Karte 
80II  dieser  Sand  zum  aufgeschwemmten  Gebirge  gehören. 
Schoo  in  meinem  Aufsatz  über  die  Unterlagen  des  Jura  wurde 
<lie  Aufmerksamkeit  auf  diesen  Sand  gelenkt. 

Orabowa.  Am  langen  Rucken,  der  aus  Weissem  Jura 
■'i  Qnd  ß  besteht  und  von  Westen  nach  Osten  zieht  und  nörd- 
lich das  Saodmeer  von  Olkusz  abgrenzt,  zeigt  sich  eine  schmale 
Masse  von  ausgezeichnetem  Löss,  ein  abgerissenes  Stuck  von 
mächtig  abgesetztem  Löss,  der  bei  dem  Orte  Pilica  anfangt 
Qdd  dann  nach  Miechau,  Sandomierz,  Krakau  u.  s.  w.  hinzieht. 
Dieser  Theil  des  Lösses,  an  den  Fuss  des  Juraruckens  ange- 
lehnt, ist  20—25'  mächtig,  100'  breit  und  600'  lang.  Er 
ist  eiD  interessanter  Ueber bleibsei ;  rund  herum  ist  Löss  weg- 
gewascben;  nur  aufgeschwemmter  Sand  ist  in  der  ganzen  Um- 
g^bong  vorwaltend  and  deutet  an ,  was  für  gewaltige  Umände- 
rungen in  dieser  Gegend  nach  dem  Absätze  des  Lösses  statt- 
fanden. Westlich  in  Niegowice  ist  ebenfalls  ein  ähnlicher  Löss 
Absatz  viel  bedeutender  entwickelt. 

Pomorzanj.  Mitten  im  Dorfs  Pomorzanj  zieht  sich  ein 
Unger  Strich  von  blutrothen  Keuperthonen  hin;  die  Aecker 
zeigen  sogleich  einen  merklichen  Unterschied  vom  Sandboden, 
der  hier  vorherrscht.    Die  blutrothe  Schicht  ist  von  der  dünnen 


Schicht  des  Eisenoolilbea  bedeckt,  die  so  reich  aa  thieriacheo 
Ueberresten  iat  und  öftere  Knollen  von  rothem  ThoD  ein- 
schliesst-  die  Knollen  sind  lum  Theil  verändert,  werden  graa, 
und  nur  inwendig  bleibt  ein  rotber  Kern.  Auf  der  Karte  wird 
ein  Punkt  bezeichnet  als  Leitenkohlen -Gruppe.  Fetrogra- 
phiscb  ist  dieser  Letten  nicht  unterscheid  bar  vom  Keoper- 
thone;  und  wean  dieser  zur  Lettenkohlen-Gruppe  gehört,  so 
iat  sie  viel  länger. 

Herr  Robmbr  hat  den  weissen  Jura  vkii  Polen  ähulicb 
eingetheilt,  wie  ich  es  gethan,  und  diese  Gintlieilung  entspricht 
der  QoEHBTEDT'schcn ,  nur  werden  die  Schichten  anders  be- 
nannt. Das  unterste  Glied  sollen  Kalke  mit  j4m.  cordatus  be- 
seichoen;  aber  zumeist  ist  diese  Abtheilung  ein  ausgezeichne- 
ter mächtiger  Kalkmergel;  dem  schwäbischen  ist  diese  Zone 
bei  PomorzBuf ,  Rodiiki,  Grabowa  vollkommen  ähnlich,  weiteir 
nördlich  wird  diese  Schicht  dünner  und  besteht  aus  Wechsel- 
lagernden  Schichten  von  Kalkmergel  und  bläulichgrauem  Kalk- 
stein. Eine  ausgezeichnete  Amtnoniten- Fauna  cbarakteriairt 
diese  Abtheilung,  nur  fehlt  die  so  häufige  Terebralvla  impretsa. 
Um  also  auf  die  grosse  Aebnüchkeit  mit  Württemberg  hiniu- 
denten,  glaube  ich,  dnes  es  zweckmässig  wäre,  die  Bezeich- 
nung Weisser  Jura  'i  lu  beballen. 

Auf  den  Kalkmergel  hat  sich   weisser  oder  gel  blich  weisser 


381 


8.  leber  ilei  Tepas  eiiif^er  ZiaBwilagerstätteB,  beMB* 
dm  ?•■  Altc»berg  und  Sehlaggenwalde^  sein  VorkonaieB 

nd  seine  KrystallformeB. 

Von  Herrn  Paul  Gboth  in  Berlin. 

Hierzu  Taf.  XI. 

Von  den  zahlreichen  Varietäten  des  Topas ,  welcher  za 
den  ao  Erjstallflächen  reichsten  Mineralien  gehört,  hat  bisher 
nor  eine  Grnppe  besonders  eingehende  Untersuchung  erfahren, 
cimlich  die  rassischen  Topase,  durch  die  Arbeiten  des  Herrn 
voü  KoKSOHABOFF.  Unter  allen  übrigen  sind  verhältniss- 
oüsig  am  wenigsten  genau  untersucht  diejenigen  der  Zinnerz- 
ligerstätten,  auf  welchen  der  Topas  zu  den  für  die  Formation 
ttesnnders  bezeichnenden  Mineralien  zu  zählen  ist  Nament- 
lich gilt  dies  von  den  zahlreichen  Fundorten  desselben  im 
^sächsischen  Erzgebirge  und  den  angrenzenden  Theilen  von 
Böhmen.  Der  Umstand ,  dass  sich  in  Berlin  eine  Sammlung 
Ton  Handstocken  dieser  Vorkommen  (welche  zum  grossten 
Theil  jetzt  keine  Ausbeute  mehr  liefern)  befindet,  wie  sie  wohl 
bam  zum  zweiten  Male  existiren  dürfte,  nämlich  in  der  rei- 
cbeo  Privatsammluug  des  Herrn  Tamkaü,  —  die  Freundlichkeit 
<ies8elben,  welcher  mir  die  Untersuchung  dieses  vorzüglichen 
Materials  in  eingehendster  Weise  gestattete  und  mich  dadurch 
zum  grossten  Danke  verpflichtete,  veranlasste  die  vorliegende 
monographische  Bearbeitung.  Dadurch,  dass  sich  von  den  hier 
iu  Betracht  kommenden  Localitäten  in  der  TAMNAü'schen  Samm- 
lung mehrere  hundert  sorgsam  ausgewählte  Handstncke  befin- 
<ien,  war  es  möglich,  auch  für  die  Paragenesis  der  Mineralien 
sichere  Daten  zu  gewinnen,  da  für  jedes  Altersverhältniss  lin- 
^r  den  zahlreichen  Stufen  sich  immer  solche  befanden,  welche 
ober  das  relative  Alter  keinen  Zweifel  übrig  Hessen.  Ich 
vidme  daher  im  Folgenden  dem  Vorkommen  um  so  lieber 
einige  Zeilen ,  als  ich,  durch  eigene  Anschauung  mit  allen  er- 
^älinten  Localitäten  bekannt,  demselben  zum  Theil  ein  ein- 
2<iU.d.0.gc»I.G«».  XXII.  s.  25 


gehenderes  Stadiam  gewidmet  babe,  in  der  Hoffnang,  daes  die 
erlangten  Resultate  auch  für  die  Kenatnies  dar  Zinoerzlager- 
Stätten  im  Allgemeinen  von  einigem  Interesse  sein  dürften. 

Ausser  dem  Material  aus  der  TAunAu'schcn  Sammlung 
konnte  tcb  mit  der  gefälligen  Erlaubniss  des  Herrn  G.  RoSB 
dasjenige  benutzen,  welches  das  hiesige  königliche  Mineralien- 
cabiuet  enthält;  ferner  Gberliess  mir  freundlichst  Herr  Zschaü 
in  Dresden  eine  Anzahl  Krystnile  aus  Altenberg,  welche  mir 
zum  Tlieil  als  wichtige  Stücke  für  diu  Mesaungeu  dienten, 
endlich  war  Herr  Stelznhr  in  Freiberg  so  gütig,  mir  eine  An- 
zahl für  die  Paragcnesis  interessanter  Specimina  aus  den  Frei- 
berger  Sammlungen  zur  Ansicht  zu  schicken.  Durch  die  freund- 
liche Gefälligkeit  der  betreffenden  Sammlnngsvorstände  war  es 
mir  ferner  möglieb,  die  in  Freiberg  und  Dresden  corhandeDen 
Exemplare  einer  genauen  Durchsicht  in  unterwerfen.  Alten 
den  genannten  Herren  sage  ich  hiermit  meinen  verbindlich  eleu 
Dank. 

Die  Krystallmessungeu  sind  im  hiesigen  physikatiechen 
Universitätslaboratorium  des  Herrn  G.  Mauncs  angestellt,  und 
zwar  mit  einem  von  Obbtluio  gebauten  MiTSCHKULica'scbea 
Reflexionsgoniometer,  dessen  Kreis  eine  Ablesung  auf  ff^b  ge- 
stattete; bei  der  Messung  wurde  das  zweite  Fernrohr  abge- 
nommen und  als  Object  eine  sehr  kleine  Gasflamme  in  ge- 
nügender Entfernung  benutzt.  Diese  Metbodo  gestattet,  wenn 
ein  dunkles  Zimmer  zur  Verfugung  steht,  so  genaue  Resultate, 


383 

L  T^pas  TM  Alteiberg. 

A.     Vorkommen. 

Das  Altenberger  Zinnstockwerk  wird  bekaontlich  von  einer 
Aozabl  zinofobrender  Netzgänge  von  meist  geringer  Mächtig- 
keit darcbsetzt,  auf  welchen  manniebfache  gut  krystallisirende 
Mineralien  einbrechen.  Zu  diesen  gehört  die  zu  beschreibende 
Varietät  des  Topases.*)  Die  Grundlage  deijenigen  Gangstucke, 
welche  denselben  besonders  reichlich  enthalten,  besteht  also 
&QS  dem  bekannten  dunke]grauen,  mit  Zinnerz  imprägnirten 
Zwittergesleiu  des  Stockwerkes;  auf  diesem  findet  sich 
zuerst  eine  Quarzlage,  welche  innig  mit  dem  Nebengestein 
^erflosst  erscheint«  Dieser  folgt  ein  unregelmässiges,  oft  von 
Rotbeisenerz  gefärbtes  Gemenge  von  Topas  mit  Quarz,  von 
welchen  beiden  Mineralien  der  Topas  das  ältere  ist,  da 
deatliche  Krystalle  desselben  in  Quarz  steckend  und  Eindrucke 
in  demselben  zurücklassend  zu  beobachten  sind.  Es  hat  also, 
wahrscheinlich  nahezu  gleichzeitig^  mit  der  Topasbildung ,  aber 
etwas  später,  eine  zweite  mächtige  Quarzbildung  auf  diesen 
Gängen  stattgefunden ;  das  Aussehen  dieses  Quarzes  ist  indess 
^ui  übereinstimmend  mit  dem  des  älteren,  welcher  die  Saal- 
bäoder  des  Ganges  bildet.  In  jenem  Gemenge  finden  sich  noch 
untergeordnet  Wolframit  und  Molybdänglanz;  während  der 
Quarz  nicht  immer  in  isolirten  Krystallen  erscheint,  tritt 
der  Topas  stets  in  vorzuglich  scharfkantigen  glänzenden 
Krjstallen  auf,  welche,  gewöhnlich  nur  mit  einem  Ende 
äosgebildet,  in  dem  ebenfalls  noch  Topas  haltigen  Ge- 
meDge  regellos  zerstreut  liegen  und  sich  glatt  davon  ablosen. 
Als  jäogere  Gebilde  treten  dann  krjstallisirtes  Zinnerz,  Stein- 
niark  and  Flussspath  hinzu,  von  denen  wieder  Zinnerz  das  älteste 
Glied  ist.  Dasselbe  ist  gewöhnlich  junger  als  der  Topas;  denn 
<^s  findet  sich  zuweilen  der  letztere  in  die  Krystalle  desselben 
«iogewachsen;  selten  ist  es  älter  als  jener.  Wenn  das  Stein- 
mark  vorwaltet,   scheint  der  Quarz,  wenigstens  die  grösseren 


*)  Anffallenderweise  wird  derselbe  in  den  ülteren  Beschreibungen  von 
GuTuc  :t.  NöGGEBATH  in  Lsonhard's  Taschenb.  1823,  I.,  558)  und  Klip- 
in\^  (Qeogn.  Bemerk  a.  e.  Beise  d.  Sachsen  n.  Böhmen,  1830,  and 
J'brb.  f.  Min.  1830,  256  f.)  nirgends  erwähnt.  Ebensowenig  fähren 
ihn  Bkkithaupt,  Paragenesift,  und  CatTA,  Eradagerstättenlehre,  an. 

25* 


384 

Erystalle,  zarackzatreten.  An  vielen  Stocken  findet  sich  ei 
weiche,  violettgraue,  Steinmark -ähnliche  Substanz,  jedenfai 
ein  Flossspath  -  haltiges  Gemenge,  welche  den  Gang  zuletzt  c 
fallt  und  glatte  glänzende  Eindrücke  der  Topas-  and  Qa&r 
krjstalle  angenommen  hat. 

B.     Krystallform. 

Die  Topaskrystalle  von  Altenberg  gehören  zn  den  fläcbei 
reichsten  dieses  Minerals  überhaupt.  Sämmtliche  Pormei 
welche  ich  an  denselben  beobachtet  habe,  sind  in  der  folget 
den  Tabelle  angeführt,  wobei  diejenigen,  welche  nen  anfgc 
funden,  d.  h.  am  Topas  aberhaupt  bisher  noch  nicb 
bekannt,  mit  einem  t  bezeichnet  sind.  Vor  das  Zeiche 
sind  die  von  Herrn  v.  Eorsoharoff  gewählten  Bnehstabenbe 
Zeichnungen,  mit  Hinzufugung  nen^  für  die  noch  nicht  be 
nannten  Flächen,  gesetzt,  und  dieselben  Buchstaben  sind  auc! 
auf  den  Figuren  (Tafel  XI.)  zur  Anwendung  gekommen: 


1) 

M  ^ 

ooP 

2) 

m  = 

ooPf 

3) 

t  x  = 

ooPJ 

4) 

l  = 

ooP2 

5) 

9  - 

ooP3 

6) 

ttt  = 

ooP5 

7) 

c  = 

ooPoo 

8) 

t4  = 

ooPoo 

9) 

ß  = 

\Px> 

10) 

/- 

Poo 

11) 

y  = 

2P(X) 

12) 

d  = 

Poo 

18) 

p  = 

iPoo 

14) 
15) 
16) 

h  = 

0   sa 
«   s 

iPoo 

p 

385 

17)  i  =  |P 

18)  P=OP 

Aosserdem:     19)  elo  Bracbydoma,  welches    nor  wenig  gegen 

/geneigt  iat,  and  dessen  Messung  auf  das  Zeichen  j-J  P  cc 
fjhreo  wurde;  20)  ein  ebensolches  als  Abstumpfung  der  Kante 
/:;,  deren     mehrere     bekannt    sind;    21)    ein    sehr    flaches 

'P  (RhombenoktaSder   der  Hauptreihe),   die  Kante  zwischen 

* 

jP  and  OP  abstumpfend;  22)  ein  steiles  Oktaeder  der  Grund- 
reihe, Abstumpfung  der  Kante  o :  Jlf ,  wahrscheinlich  Herrn 
T.  Kokschaboff's  e  =  2P;  endlich  eine  Anzahl  abgeleiteter 
Rbombenoktaeder,  deren  Zeichen  nicht  bestimmt  werden  konnte, 
da  sie  nur  als  äusserst  schmale  Abstumpfungen  von  Kanten 
erschienen  und  somit  nur  ihre  Lage  in  einer  Zone  erkannt 
werden  konnte.  Es  waren  die  folgenden:  23)  Abstumpfung 
der  Combinationsk^inten  u  ;  d  (eine  solche  ist  bereits  von  Herrn 
V.  KoKSGHjkBOPF  aufgefunden  und  mit  g  bezeichnet  worden,  aber 
ohne  dass  ihr  Zeichen  zu  bestimmen  war);    24)  Abstumpfung 

^on  (f:o,  also  eine  Makropjramide  Pn^  deren  bisher  keine  am 
Topas  beobachtet  wurde;  25)  Abstumpfung  der  Kante  /:  u, 
äach  fegen  /  geneigt ,    also  höchst  wahrscheinlich  die  an  an- 

deren  Orten  sehr  gewohnliche  x  =  yP2;  26)  Abstumpfung 
von  /:o,  vielleicht  F  Koksghaboff^s;  27) 'Abstumpfung  der 
Kante  d :  Mi  28)  Abstumpfung  der  Combinationskante  einer 
rechts  liegenden  Fläche  von  o  mit   einer  linken  von  u  (vergl- 

anter  ^Schlaggenwalde  ^  \P<x>);  29)  Abstumpfung  der  Kante 
einer  ebensolchen  o- Fläche  und  einer  linken  von  i;  30)  sehr 
schmale  Abstumpfung  der  Combinationskante  von  o  mit  der 
darüber  liegenden  Fläche  von  u,  also  Pyramide  der  Hauptreihe 
^  P^  wo  z  zwischen  ^  und  1  liegt ;  81)  Abstumpfung  von  d  i  i^ 
deren  Herr  v.  Koksohaboff  zwei  angiebt;  32)  Abstumpfung 
einer  rechten  u- Fläche  mit  einer  linken  von  t. 

Von  allen  diesen  Abstumpfungen  sind  die  beiden  ersten 
sehr  häufig,  die  übrigen  meist  auch  an  mehreren  Krjstallen 
beobaehtet  worden.  Ihre  Lage  ist  ausserdem  auf  den  Figuren 
1  bis  7,  Tafel  XI.«  zu  ersehen,  auf  denen  die  Mehrzahl  derselben, 
^nd  zwar  nach  bestimmten  Krystallen,  eingezeichnet  sind. 


Die  Topsskry stalle  von  Altenberg  sind  meist  waeserbell 
ond  farblos;  an  Glanz  der  Flächen  scheinen  sie  nicht  hinter 
denen  von  Minsk  im  Ural  laräckzuslehcn,  vielmehr  kann  maa 
unter  den  in  Sammlungen  verbreiteten  vnm  Ilmeusee  verhält- 
niesmässig  mehr  Krystulle  mit  matten  Flächen  sehen,  als  unter 
denen  von  Altenberg,  welche  zwar  kleiner,  aber  fast  immer 
glänzend  sind.  Ihre  Grösse  variirt  von  der  eines  Stecknadel- 
knopfes  bis  zir  6  —  7  Mm.  Länge ;  in  der  Sammlung  des  Herrn 
TAHBAtr  befindet  sich  ein  solcher  von  9  Mm.  Länge  und  8  Hm. 
Breite.  Manche  der  Kristalle  haben  eine  gelbliche  Farbe  und 
sind  dann  von  bedeutend  weniger  schönera  Ansehen.  Fast 
alle  sind  mit  dem  einen  Ende  aufgewachsen,  und  dieses  er- 
scheint  trübe;  sehr  selten  zeigen  sich  beide  Enden  auskrystalli- 
sirt  (s.  u.  „hemimorphe  Krystalle"). 

Die  Gestalten  der  einzelnen  Individuen  lassen  sich  auf 
einen  zweifachen  Habitus  zurückführen : 

Der  erste  Habitus  wird  gebildet  durch  die  Combination 
von    oc  P   mit  dem    etwas    kleiner    erscheinenden    ccP2,  auf 

dessen  Kante  aufgesetzt  das  Brachydoma  Pcc;  siebe  Fig.  1, 
Taf.  XI.  Andere  Flächen  erscheinen  nur  ausserordent- 
lich klein. 

Der  zweite  Habitus,  der  gewöhnlichere,  entsteht  durch 
grössere  Entwickelung  der  Pyramiden,  wodurch  das  ausgebil- 
dete  Ende  der  Kristalle  ein  abgerandetes  Ansehen,  im  (legea- 


387 

ist*)  Mit  letsteren,  die  Herr  v.  Koksohaboff  (Mater,  z.  Mi- 
neral. RosbI.  IL  Bd.)  so  ausführlich  beschrieben  nnd  durch 
nhlreiche  AbbildiiDgen  erläutert  hat,  und  welche  in  ihrem  Ha- 
hitas  von  den  übrigen  sibirischen  ziemlich  abweichen ,  haben 
die  Altenberger  Krjstalle  in  jeder  Beziehung  die  grosste  Aehn- 
lichkeit.  Namentlich  gilt  dies  von  denen  des  zweiten  Habitus 
[dem  bei  Weitem  die  Mehrzahl  angehört),  deren  Flächen  fast 
»ämmtlich  die  nämlichen  sind  und  in  derselben  relativen  Aus« 
dehonng,  wie  an  den  Miasker  Erystallen,  combinirt  erscheinen. 
Unter  anderen  ist  auch  die  sonst  beim  Topas  so  seltene  Fläche 

c  =  ooP^o,  welche  für  die  Erystalle  vom  llmensee  charakte- 
ristisch ist,  an  jedem  Krystall  von  Altenberg,  wenn  auch  meist 
sehr  schmal,  nachzuweisen. 

Die  Beschaffenheit  der  Flächen  ist  die  folgende: 
Das  Grandprisma  if,  immer  gross  ausgedehnt,  ist  zwar  öfters 
ganz  eben  ond  von  vorzüglichem  Olasglanz,  viel  häufiger  aber 
Tertical  gestreift,  besonders  der  nach  der  Combinationskante 
mit  m  hin  liegende  Theil  der  Fläche;  ebenfalls  vertical,  also 
parallel  mit  ihren  Gombinationskanten,  erscheint  auch  die  8trei- 
foog  auf  den  anderen  Prismen  m,  l  etc.  Selten  tritt  auf  den 
if flächen  eine  horizontale  Streifnng  auf,  wie  an  dem  Fig.  5, 
Taf.  XI.  abgebildeten  nnd  unten  näher  beschriebenen  Krystall. 
Daa  Prisma  g  erscheint  zuweilen  auch  ganz  matt.  Das  Doma 
/  ist  meist  eben  ond  glänzend,  zuweilen  mit  zahlreichen  feinen, 
warzigen  Unebenheiten  bedeckt,  die  indess  so  klein  sind,  dass 
die  Fläche  noch  immer  hell  glasglänzend  erscheint;  Streifung 
parallel  der  Kante  mit  o  kommt  vor,  besonders  im  oberen 
Tbeile  der  Fläche,  seltener  horizontale  (parallel  der  Combinations- 
kante/:y)  Fracturen  und  Streifen;  eine  sehr  eigenthümliche 
Form  derselben  zeigt  der  Fig.   5  abgebildete  Krystall   (siehe 

unten);  nur  an  vereinzelten  Kry stallen  ist  / ganz  rauh.    2Pcx», 
meist  glänzend,  oft  auch  etwas  gekrümmt,  ist  gewohnlich  klein, 


*)  Die  beiden  an  den  übrigen  Fandorten  gewöhnlich  vorkommenden 
Pyramiden  der  Hanptreihe  sind  bekanntlich  flacher  als  P,  nämlich  jP 
uid  jF.  Die  Flache  P  findet  sich  gross  aasgedehnt  noch  an  den  Kry- 
»uUen  von  Hourne  Monntains  bei  Belfaat  in  Irland  nnd  von  Rio  San 
Fruicifco  in  Brasilien,  welche  aach  im  Uebrigen  den  Altenbergern  sehr 
äholich  sind. 


S88 

doch  kommt  es  vor,  dass  eine  Fläche  desselben  gross  ausge 
dehnt  erscheint ;  zuweilen  findet  sich  eine  horizontale  Streifaof 
parallel   der  Kante  y :/.     Sobald   zu  /  und  y  noch  ein  flache 

res  Brachydoroa  (hinzutritt   (an    einigen  Krystallen -f  P  oo,  wie 
sich    aus   dem  Parallelismus  der  Combinationskante   desselben 
mit  j  P  ergab),  so  erscheint  dieses  stets  wenigstens  ganz  matt, 
wobei   es  mit  /  noch  eine  deutliche  geradlinige  Combinations 
kante  bildet,    öfter  aber  rauh  und  warzig,  und  geht  dann  ge 

wohnlich  gerundet  in  die  Fläche  von  Poo  über.    In  letzterem 
Falle  entsteht  es  meist  dadurch,  dass  eine  Menge  kleiner  Krj- 
stallendigungen,  von  der  /-  Fläche  ausgehend,  in  deren  oberen 
Theile    sich    dachziegel formig  nach  oben  über  einander  schie 
ben  (vergl.  Fig.  5,  Taf.  XI.);  die   dadurch   entstehende  rauhe 
Fläche   hat  man  wohl  nur  als  eine  Scheinfläche  zu  betrachten, 
da  sich  aus  ihren  Combinationskanten  mit  den  Oktaedern  ihre 
Lage  nicht  bestimmen    Hess.     Ueberhaupt  erscheint  die  obere 
Kante/:/,   welche  die  Endigung  des  Krystalls  bildet,   immer 
abgerundet  und  rauh,  zuweilen  deutlich  aus  zahlreichen  kleineo 
Krystallenden    zusammengesetzt.     Dehnt    sich    dies    auch  auf 
einen   grossen  Theil   der  Flächen  von  /  ans,   so   finden  sieb 
diese,  und  besonders  die  obere  Kante,  oft  mit  Bisenrahm  and 
anderen   fremdartigen  Substanzen  überzogen,    während  die  an- 
deren Kry  stall  flächen  sich  glatt  und  rein  von  den  umgebenden 
Mineralien  ablösen.  —  Die  basische  Endfläche,  welche  nur  hier 
und   da  und   immer  klein   auftritt,  ist  stets  matt.     Die  steile 
Pyramide  o  erscheint  von  allen  vorkommenden  fast  immer  aJs 
die  bei   weitem  grosste,   sie  ist  meist  glatt  und  glänzend,  zu- 
weilen stark  gestreift  parallel  der  Kante  o :  If ,  und  in  diesem 
Falle  kann  man  deutlich  beobachten,  dass  die  horizontale  Strei- 
fung durch  das  Alterniren   mit   einer  steileren   Pyramide  der 
Hauptreihe  entsteht;  an  anderen  Krystallen  ist  dieselbe  Fläche 
aber  anch,  und  zwar  sehr  stark  an  dem  oben  erwähnten  gröbs- 
ten   Krystall  der  TAMNAU^schen  Sammlung ,   parallel   o:  d  ge- 
streift.    Die  Abstumpfung  d  =  Poo  erscheint  meist  matt  und 
parallel  o:d  gestreift,   zuweilen  aber  auch  glänzend  und  mit 
Streifung  parallel  d :  M,     Die  beiden  flachen  Pyramiden  u  und 
t,  sowie  auch  c,  sind  zwar  glänzend,  aber  meist  nur  sehr  klein. 


389 

Die  Abstompfangsflache  p*)  ist  gewöhnlich  rauh,  h  glänzend 
uod  deutlich  nach  den  Kanten  h :  i  gestreift. 

Diese  soeben  ansfShrlicb  mitgetheilten  Beobachtungen  zei- 
gen, dass  bei  einer  grossen  Anzahl  von  Flächen  des  Topas 
roo  Altenberg  sich  Streifung  in  verschiedenen  Rich- 
tangeo  zeigen  kann.  Man  hat  wohl  fraher  angenommen 
(üDd  68  waren  bisher  als  Ausnahmen  davon  nur  bekannt 
Kupfer] asor  and  Eisenkies),  dass  eine  and  dieselbe 
Erjstallfläche  auch  nur  eine  and  dieselbe  Strei- 
fung trage,  an  welcher  man  sie  stets  sicher  zu  erkennen  ver- 
möge. Wenn  sich  auch  hierdarch  zeigt,  dass  dies  keineswegs 
der  Fall  ist,  so  lässt  sich  doch  leicht  erkennen,  dass  auf  jeder 
Rfjstallfläche  eine  Art  von  Streifung  nicht  nur  bei  Weitem 
cie  häufigste,  sondern  auch  in  den  meisten  Fällen  die  regel- 
mässigste  ist,  so  dass  diese  als  die  charakteristische 
Streifung  der  Fläche  bezeichnet  werden  konnte.  So  ist 
lei  den  in  Rede  stehenden  Krjstallen  die  charakteristische 
Streifang  der  Prismenflächen  die  verticale,  der  Brachjdomen 
:.ad  der  Hauptpjramide  die  horizontale  u.  s.  w. ,  was  wahr- 
H'beialich  für  alle  Varietäten  des  Topas  gilt. 

Zur  Yeranschaulichung  der  Combinationen  dienen  die  in 
cen  Figuren  3  und  4,  Tafel  XI.,  nach  der  Natur  gezeichneten 
Krystalle,  welche  mit  Rücksicht  darauf  ausgewählt  sind ,  dass 
e^  die  fiächenreichsten  und  auf  denselben  die  Mehrzahl  der 
oben  angeführten  schmalen  Abstumpfungen  (die  abgeleiteten 
Pyramiden)  ihrer  Lage  nach  zu   ersehen  sind. 

Fig.  3,  Taf.  XI.,  ist  ein  Erystall  meiner  Sammlung,  den 
ich  von   Herrn   Zsohau  in  Dresden  erhalten   habe.     Derselbe 


%-/ 


zeigt  in  der  Frismenzone  oo  P,  co  Pf,  oo  P2,  oo  P3,  oo  P5] 

ferner  P,  PoOj  j  P,  y  Poo  und  die  Abstumpfungen  d :  u,  tt  :  /, 
d\o  und  di  M. 

Fig.  4,  im  Besitz  des  Herrn  Tamnau,   ist  die  Combination 

xP,  oüPl,   ooP2,    P,   Poo,   {P.^Py  ^Poo^Ip,  oP, 


*)  DicMfl  Doma  wnrde  an  einem  Mursinsker  Krystall  der  Samrolang 
'^cfl  rata.  Bergcorps  Yon  Herrn  Breituaupt  angegeben  (s.  Kokscharofp, 
^it.,  IlL  Bd.),  aber  von  Herrn  v.  Kokscharoff  nicht  benannt.  Ich 
^:ibe  ei  am  Altenberger  Topas  öftere  beobachtet. 


pQOy  \P~x>  und  ein  noch  flacfaeres  Brachydoma;  endlich  die 
Abstampfungen  d:u,  d:M,  u :  t,  dii. 

Pig.  5  stellt  ein  IndividDum  dar,  welches  durch  seine 
Zusammcnsetiung  ein  lehrr^icbes  Beispiel  für  die  schichten- 
weiüe  Bildung  dieser  Kryslnlle  lierert.  Auf  der  einen  der  gros* 
ausgedehnten  if- Flachen  ist  nämlich  die  Krj'stallbildnag,  wi« 
dies  bei  anderen  Sulistanzen,  namentlich  bei  künstlich  krystalli- 
sirten  Salzen,  so  häufig  der  Fall,  nicht  bis  zur  Ausfüllung  der 
ganzen  Fläche  getaugt,  und  die  zurückgebliebene  Vertiefung 
zeigt  in  zahlreichen  treppen  förmig  nach  innen  gehenden  Ab- 
sätzen die  Grenzen  der  niich  und  nach  entstandenen  Schichten 
des  Krystnlls.  Diese  Grenzen  sind  nun,  wie  die  Figur  zeigt, 
immer  parallel  bestimmten  Kanten  am  Krystall,  nämlich  den 
Combinationskanlen  /:  M,  M :  o  (horizontal),  M  (links)  :  o 
(rechts)  und  At  (links)  :  u  (rechts).  Ganz  dieselben  Richtun- 
gen ,  und  nur  diese ,  zeigen  eich  auch  als  Streifnng  auf  den 
M -Flächen  selbst,  von  denen  namentlich  die  linke,  mit  einer 
starken  Lupe  betrachtet,  ein  Bild  von  solcher  Mann  ich  faltigkeit 
der  Figuren  darbietet,  dass  es  auch  durch  die  sorgfältigste 
Zeichnung  nicht  hätte  zur  Anschauung  gebracht  werden  kön- 
nen. Trotz  dieser  Manniclifaltigkeit,  welche  durch  das  Ab- 
setzen der  Streifen  an  den  sie  durchschneidenden  und  verwer- 
fenden, anders  gerichteten  entsteht,  herrscht  in  denselben  die 
grosste  Rcgelmässigkeit;  sie  lassen  sich  sämmlllch  auf  die  vier 
oben    genannten    Richtungen    zurüekführen.     Eine  seltene  Aus- 


301 

den  Enden  ausgebildeten  Krystalle  des  Topas  zeigen  bekannt^ 
lieh  oft  eine  Art  von  Hemimorpbie  dadurch,  dass  besonders 
die  Pläcbeu  /  und  d  nur  an  einem  Pol  auftreten.  Unter  zahl- 
reicheo  Kristallen  von  Altenbeig  findet  man  ebenfalls  nur  we* 
liige  oben  und  unten  frei  entwickelte;  diese  zeigen  aber  die 
erwähnte  Erscheinung  fast  nur  durch  verschiedenartige  Aus- 
biidaog  der  Flächen  angedeutet.  Ich  habe  in  der  Tamitau* sehen 
Sammlnng  dio  im  Folgenden  beschriebenen  vier  Krystalle  ge- 
fanden ; 

1)  An  einem  Fol  /  gross ,  y  klein ,  die  obere  Kante  / :  / 
etwas  abgemodet,  o  und  d  ziemlich  klein ;  am  entgegengesetz- 
ten Ende  o  und  d  ebenso ,  deutliche  Abstumpfung  von  d :  o, 
ferner  u  und  «,  nach  oben  gerundet  gegen  das  rauhe  o  P,  end- 
Hch  /,  wegen  der  Ansbildang  der  Pyramiden  schmaler,  als  am 
anderen  Ende,  nnd  y, 

2)  Abgebildet  in  Fig.  6.  Taf.  XI.   An  einem  Pol :  P  vor- 

—  -_  \^ 

herrschend,  Poe,  -^P,  j-P,  -^Poo^  oP  klein  und  matt,  Poo, 

iP(X>  (nur  an    einer  Seite)   glasglänzend,   jPcv)    matt.     Am 

anderen  Pol:  vorherrschend  oP  (matt);  \P  nnd  P co  eine 
flache  sechsseitige  Zuspitzung  bildend ,  alle  ziemlich  matt;  als 
schmale  Abstumpfungen  zwischen  co  P  nnd  y  P  erscheinen^P 
nnd  ~  P  glänzend. 

3)  An  einem  Pole  eine  Fläche  von  jP  so  gross  ausge- 
(k'hni,  dass    die  anderen   nur  als  schmale  Abstumpfungen  er- 

scheinen;  übrigens  an  beiden  Enden  Pcc,  P,  ^ i\  \Pco. 

i)  Der  in  Figur  7  abgebildete  Krystall  zeigt  einen  ganz 
abweichenden  Habitus  durch  Vorherrschen  zweier  gegenüber 
liegender  if  -  und  zweier  /-Flächen.  Dadurch  erscheinen  alle 
•ibrigen  in   sehr  verschiedener  Ausdehnung;  die  Flächen    sind 

folgende:  coP,  <X)P2,  co  Pco,  Pco,  \Poo  rauh,  2Pco,  oP 

am  unteren  Pol,  Pcv),  P,  jP,  jP.  Abstumpfung  diu  sehr 
deutlich,  u:/  schwach.  Die  Hemimorpbie  zeigt  sich  wieder 
i^ur  io  einem  verschiedenen  Ansehen  der  beiden  Pole ;  während 
^  oberen  (vergl.  Fig.  7)  /:/  eine  ziemlich  ausgedehnte  Kante, 

schmal  zugeschärft  durch  \  Pco  bildet,  läuft  das  andere  Ende 
^egen    der    grösseren  Ausbildung    der  Pyramiden  flächen  von 


392 

allen  Seiten   spite  20   und  wird  durch  die  kleine  gerade  End- 
fliche  abgestumpft. 

Ein  Tollstäudiger  Gegensatz  in  Bezug  auf  die  aaftrelenden 
Flächen  twischen  den  beiden  Polen  ist  also  hier  nicht  so  be- 
obachten; vielmehr  sind  gewöhnlich  dieselben  Fliehen  an  bei- 
den Bnden  vorhanden,  und  nnr  die  Art  ihrer  Ausblldang  deu- 
tet auf  die  Heinimorphie  hin.  Auch  befindet  sich  in  dam 
mineralogischen  Museum  za  Dresden  ein  Kristall  des  ersten 
Habitue,  welcher  an  beiden  Enden  ganz  gleich  ausgebildet  ist 
Die  prismatische  Zone  wird  bei  allen  eben  bescbriebenen  Kiy- 

stallen  durch  tx/I'  (Torherrschend),  dof^  und  co/'2  gebildet. 

G.     Resnltate  der  Messungen. 

Die  Topaskrystalle  von  Altenberg  setzen ,  obgleich  von 
so  ausgezeichnetem  glänzenden  Ansehen,  der  genaueren  Erfor- 
schung ihrer  Kantenwinkel  doch  einige  Schwierigkeiten  ent- 
gegen. Diese  liegen  in  der  Zusammensetzung  der  Mehrzahl 
aus  mehreren ,  nicht  streng  parallelen  Individuen ,  daher  die 
scheinbar  noch  so  ebenen  Krjstall flächen  zwei,  ja  oft  ein« 
ganze,  über  1"  lange  Reihe  reflectirter  Bilder  des  leuchtendes 
Objects*)  geben.  Da  die  Wahl  des  hellsten  derselben  nicht 
immer  die  richtige  sein  dürfte,  da  ferner  zuweilen  mehrere  der- 
selben gleich  hell  sind,  so  sind  solche  Flüchen  zur  geiiaaeo 
Bestimmung     von    Krjetall winkeln    völlig    unzulässig.      Unter 


393 

Zar  Bestimmang  des  Axenverhältoisses  a :  h  diente  das  verti- 
cale  Prisma  M  ^=  coP.  Um  einen  sicheren  Wertb  far  das- 
selbe 10  finden,  war  es  also  nothig,  es  an  solchen  Krystallen 
za  messen,  an  welchen  alle  vier  Flächen  so  aasgebildet  waren, 
dass  sie  mit  einander  sehr  nahe  gleiche  und  resp.  supplemen- 
tire  Winkel  lieferten  ,  also  völlig  regelmässig  gegen  einander 
gelegen  waren,  und  von  diesen  mindestens  drei,  wo  möglich 
ille  vier,  sehr  scharfe  Bilder  reflectirteu.  Diese  Bedingung 
erfällteo  von  allen  nur  fünf  Krjstalle,  an  denen  als  Mittelwerthe 
aus  mehrmaligem  Messen  aller  brauchbaren  If  -  Flächen  gefun- 
deo  wurde: 


1) 

M'.M  -  124»  15',9 

2) 

—    13',7 

3) 

—    15',0 

4) 

-     15',2 

5) 

—    17',2 

Die  genaue  Uebereinstimmung  dreier  dieser  Werthe,  so- 
wie der  Umstand,  dass  von  den  beiden  anderen  Krystallen  der 
erstere  einen  eben  so  viel  darunter  liegenden  Werth  liefert,  als 
^^r  des  sweiten  darüber,  zeigt,  dass  der  wahre  Winkelwerth 
nrischen  124'^  15'  und  16'  liegt.  Das  Mittel  jener  5  Zahlen 
giebt,  mit  Rucksicht  auf  ihr  nicht  bei  allen  gleiches  Gewicht 
genommen,  den  Werth 

MiM  =  124°  15'  3(r- 

Dass  dieser  Fundamentalwerth  sich  der  Wahrheit  ausser- 
ordentlich nähert,  zeigt  die  Vorzuglichkeit  der  Uebereinstim- 
moiig  der  daraus  berechneten  Werthe  mit  den  besten  beob* 
^iiteteo  fir  andere  Kantenwinkel  an  den  Krystallen  (s*  unten 
<^e  Tabelle  der  Winkel).  An  sechs  anderen  Krystallen  waren 
^v  je  zwei  benachbarte  Flachen  von  3f  gut  messbar,  weshalb 
die  daraus  erhaltenen  Resultate,  nicht  durch  die  regelmässige 
^e  der  anderen  Flächen'  controllirt,  keine  genugende  Sicher- 
heit bieten  können.  Indess  dienen  sie  in  ausgezeichneter 
Weise  imr  Bestätigung  obigen  Werthes ;  denn  das  Mittel  der  6 
gefaDdeoen  Winkel,  die  übrigens  auch  nur  wenige  Minuten  von 
^ioAQder  abweichen,  ist  124"  15',6. 

Por  die  Bestimmung  der  relativen  Qrosse  der  verticalen 
^^^ptaxe,  also   des  Verhältnisses    c:6,   bietet  sich  als  gross 


394 

ansgedehot  und  meiet  sehr  eben  das  Doma  f  =  Foa  dar.  Nun 
erscbeioeu  aber  an  den  Krjstatlen,  weil  sie  mit  dem  einen 
Ende  aufgewacbsen  sind,  aar  zwei  Fläcben  desselben,  die  des 
oberen  Pols  (die  wenigen  ringsum  ausgebildeten  eigneten  sieb 
nicht  far  genaue  Messungen);  jene  beiden  Flächen  bieten  also 
durch  ihre  Mossnng  keine  Controlle  für  ilire  regelmässige  Lage 
XU  einander  und  zu  den  übrigen  Flächen.  Ferner  waren  gerade 
solche  Krystalle,  an  denen  /:/  sehr  genau  Lestinimt  werden 
konnte,  wie  die  prismatischen  Flächen  zeigten,  unregelmäasig 
ausgebildet,  nnd  es  war  daher  sehr  wahrscheinlich,  dass  diese 
Unregelmässigkeit  sieb  auch  auf  die  d'iraatiacben  Flächen  aus- 
gedehnt habe,  und  dadunh  ihre  Lage,  obgleich  sie  selbst  gaus 
eben  und  nicht  zusammengesetzt  waren,  alterirt  worden  sei. 
Dies  bestätigte  sich  vollkommen  durch  die  Messung,  welche 
an  verschiedenen  Krystalleo  für/:/  äusserst  abweichende  Re- 
sulute  ergab:  von  92'  35',5  bis  92"  51'.  Unter  deo  fünf 
Kryslallen ,  an  welchen  die  prismatische  Zone  so  regelmässig 
ausgebildet  war,  dass  sie  zur  Bestimmung  des  Fundamental- 
wcrthea  von  M :  M  dienen  konnte  (s.  oben),  zeigte  nur  einer 
so  glänzende  /-Flächen  an  seinem  Ende,  dass  deren  Neigungs- 
winkel gan«  genau  gemessen  werden  konnte;  hier  stand  also 
zu  erwarten,  daas  auch  das  Ende  des  Krystalls  so  regelmässig 
gebildet  sei,  als  die  am  grössten  ausgedehnte  prismatische  Zone, 
und  somit  der  gefundene  Winkel /:/ der  Wahrheit  entspreche. 
Um    dies  jedoch    über  jeden    Zweifel    zo    erbeben ,    wurde  die 


395 

TOD  M  el^nfalU  gut  ausgebildet,  und  e$  wurde  durch  eine  ganz 
gleiche  Messung  gefanden ,  dass  die  ersteren  ziemlich  ebenso 
regelmassig  gelegen  waren,  als  in  dem  soeben  besprochenen 
Erystall;  ihre  Neigung  gegen  einander  war  92**  4A\5.  Dem- 
nach ist  obiger  Werth  als  sehr  genau  anzusehen.  Die  Winkel, 
welche  an  zwölf  anderen  Krjstallcn  für /:/ gefunden  wurden, 
weichen  aus  den  oben  dargelegten  OrSnden  bedeutend  von 
'-inander  ab;  —  dass  jedoch  diese  Abweichungen  völlig  regel- 
u'>se  Schwankungen  sind,  von  zufalliger  Unregelmässigkeit  und 
Zosammengesetctheit  der  Krystalle  berrfihrend,  und  nichts  Oe- 
setzmässiges  darin  liegt,  wird  dadurch  bewiesen,  dass  das 
MiUel  derselben,  92*^  43^,  3,  nar  0',9  von  dem  oben  gefunde- 
nen wahren  Werthe  abweicht.  Bei  einer  grosseren  Anzahl 
von  Krystalleo  wurde  es  sich  also  wohl  demselben  noch  mehr 
genähert  haben. 

Die  beiden  in  dieser  Weise  mit  gross tmogl ich ster  Sorgfalt 
lestimmten  Werthe  von  M :  M  und  / :  /  wurden  der  Rechnung 
ZQ  Grunde  gelegt,  und  die  gute  Ueberein Stimmung  derjenigen 
anderen  Winkel,  welche  genau  bestimmt  werden  konnten,  mit 
den  ans  jenen  berechneten  ,  wie  sie  sich  in  der  weiterhin  fol- 
genden Tabelle  zeigt,  ist  ein  fernerer  Beweis  für  ihre  Genauig- 
keit   Es  ergab  sich  aus 

MiM  ^  124°  15'  30" 
/  :  /  =    92"  44'  15" 

(ias  Azenverhältniss: 

aihic  =^  0,52882 : 1 :  0,95330. 

Demnach  sind  die  krystallographischen  Constanten  dieser  To- 
pasrarietät  nur  wenig  verschieden  von  denen  der  sibirischen 
Topase,  deren  Axenverhältniss  aib:c  =  0,52854  : 1 :  0>95395 
T.  KoKSCH.  {M:M=  124"  17',  /:/=  92°  42^),  und  von  denen 
Herr  v.  Kokscharoff  gezeigt  hat  (Mat.  z.  Min.  Russl.),  dass 
sie  QDter  einander  sehr  genau  übereinstimmen.  Doch  ist  die 
Verschiedenheit  beider  immerhin  gross  genug,  um  die  Behaup- 
lang  zu  rechtfertigen,  dass  der  Altenberger  Topas  ein  anderes 
Axenverhältniss  habe,  als  jene. 

Die  wichtigeren  Kantenwinkel  des  ersteren  sind  in  der 
folgenden  Tabelle  ans  dem  Axenverhältniss  berechnet  und  zur 
Vergleichung     neben    diejenigen,    welche   zugleich    beobachtet 


396 

worden  sind,  die .  dnrch  Measang  gefundeoen  Resnltate  gesetzt 
Da  die  meisten  vorkommenden  Winkel  ao  mehreren  Krjstalle 
gemessea  wurden,  diese- aber  von  sehr  verschiedener  Beschaffen 
heit  in  Hinsicht  der  Flächen,  also  die  Beobachtungen  nich 
von  gleicher  Brauchbarkeit  sind,  so  wurde  für  diese  Tabell 
nur  derjenige  gefundene  Werth  ausgewählt,  welcher  an  and  fu 
sich  wegen  der  besseren  Beschaffenheit  der  daxn  beoutztei 
Flächen  die  Wahrscheinlichkeit  darbietet,  dass  er  sich  de 
Wahrheit  am  meisten  nähere,  —  ohne  Rucksicht  darauf,  ol 
es  zugleich  derjenige  ist,  welcher  dem  berechneten  Winkel  an 
nächsten  kommt  (die  Resultate  der  übrigen  Messungen  folgej 
nach  der  Tabelle).  Die  in  (  )  geschlossenen  unter  den  beob 
achteten  Winkeln  sind  durch  Messung  ganz  schmaler  oder  ge 
krnmmter  Flächen  gewonnen  und  daher  nur  ungenaue  Approxi 
mationen,  welche  lediglich  dazu  dienen  können,  das  Zeichet 
der  betreffenden  Gestalt  zu  bestimmen.  Von  den  übrigen  Win 
kein  sind  die  genau  und  zuverlässig  ermittelten  mit  (a),  di< 
weniger  genauen  Messungen  mit  (&),  die  beiden  Fnntlamentalj 
werthe,  welche  der  Rechnung  zu  Orunde  liegen,  mit  *  bei 
zeichnet. 


Berechnet: 

Beobachtet: 

Jlf  :  If  an  a  = 

•124«  15',5 

M  :  M  Aa  b  =    55»  44',5 

M  i  c             =  117    52,3 

m  :  «n  an  a  =  103      9,4 

m  :  m  AU  b  =    76     50,6 

m  :  M           =169     27,0 

169    23,5  ib) 

A.  :  X    an  6  =    85    33,8 

ki  M           ^  165      5,4 

(164    54) 

X  :  i             =176    10, 6 

(176    19) 

l  i  l    an  a  =    86    47,4 

86    47,5  (a) 

l  i  l    an  »  =    93    12,6 

l:  M           =161     15,9 

lei     15, 0  (a) 

g  :  g    an  a  =     64     27,0 

g  :  g   an  6  =  115    33,0 

g  i  M          =150      5,7 

g  i  l            =168    50,0 

168    53, 5  (6) 

(i  :  (i  an  a  =    41     26,0 

|i  :  1*  an  »  =  138    34,0 

397 


Berechnet 

BeobadbM 

l* 

:  if 

=  188« 

85',2 

(lag" 

19^) 

/ 

:  /   an  c 

= 

•92 

*H 

/ 

:  /   ED  & 

=    67 

15,7 

/ 

:  if 

=  108 

494 

108 

48,4  (a) 

y 

:  y   an  c 

=    66 

21.2 

y 

:  y    ao  6 

==  124 

38,8 

jf ' 

/ 

=  161 

18,4 

161 

21(6) 

d  : 

d   An  a 

=  121 

57,8 

d  : 

.  <2   an  c 

^    58 

2,2 

P  J 

;  jp  an  a 

=    84 

3,6 

P  ! 

:  ^   an  c 

=    95 

56.4 

h  : 

i  A   an  a 

=    62 

0,2 

h  : 

.  A  an  c 

=  117 

593 

0  \ 

;  0  (Kante  X) 

«  130 

.21,9 

180 

29,5  (6) 

0  \ 

:  0   (Kante  7) 

=    74 

56,0 

0  : 

:  0  (Basisk.  Z) 

=  127 

45,3 

0  : 

:  M 

=  153 

52,7 

153 

56     (») 

0  : 

:  d 

=  155 

11,0 

155 

11,5  (a) 

0 

f 

=  127 

28,0 

Zur  ErläuteroDg  dieser  Tabelle  mögen  die  folgenden  Be- 
fflerkaogea  ober  die  Besaitate  der  Messungen  bei  den  einxelnen 
^iokelo  dienen : 

Das  Prisma  la  ist  zwar  fast  an  jedem  Krystal)  vorhanden, 
^er  stets  so   gestreift,  dass  die  Messungen  nur  dasn  dienen 

konnten,  sich  zu  vergewissern,  dass  es  in  der  That  coPf 
>«i'  X  ist  nur  an  einem  Krjstall  als  schmale  Abstumpfung  be- 
obachtet worden,  aber  sein  Co6fftcient  durch  die  Messung  sicher 
gegeben.  Für  { :  l  and  l :  Jd  sind  die  in  der  Tabelle  mitge- 
tbeilten  Werthe  an  demselben  regelmässig  ausgebildeten  Ery- 
^tail  erhalten,  welcher  den  genauesten  Werth  von  if:  M  und 
<i«D  F&ndamentalwerth  fSr  /:/  geliefert  hat;  an  einem  ande- 
ren Kiystall,  dessen  cot  ebenfalls  regelmässig  ausgebildet, 
▼Ar  nur  eine  l-FJäche  gut  zu  messen,  es  wurde  beobachtet 
t:lf  :=  161°  16'  (also  noch  genauere  UebereinsCimmnog) ;  an 
des  obrigen  Krjrstallen  war  l  auch  bei  gut  measbarem  Jf  nicht 
ZQ  genaoen  Beobachtungen  brauchbar,    g  tritt    nur  an  einigen 

Krystallen  auf  und  immer  ziemlich  matt;  |i.  ss  coP5  zwar  an 
2«iii.^  D.gMi.  Gm.  xxn,  s.  26 


sehr  Violen,  aber  so  scbm&l ,  daes  nur  &a  einem  eine  unge- 
fähre Messung  von  ^:  M  vorgenommen  werden  konnte,  welche 
iodess  das  Zeichen  dieses  Prisma  nncweirelhafl  bestimmte  (Hr. 
V.  EoKSCHABOPP,  Mater,  z.  Min.  Bussl.,  III.  Bd.,  hat  bereits 
ein  unbestimmbares  coi'n  angegeben,  wo  n<r4,  also  wahr- 
scheinlich dasselbe).  Der  fär  f\  M  in  der  Tabelle  gegebene 
Werth  ist  das  Mittel  der  bei  Gelegenheit  der  Bestimmung  von 
/:/  hereils  angeführten  Winkel,  y:/  wurde  nur  einmal  g»> 
Daner  gemessen ,  da  aber  die  andere  y  -  Fläche  bu  klein  war, 
bietet  diese  Beobachtung  keine  Sicherheit  fär  die  richüge  Lage 
der  benutzten  Fläche.  Die  Kante  X  von  o  wurde  nnr  einmal 
gemessen,  ebenso  oiM,  also  ist  von  diesen  Zahlen  keine  so 
genaue  Uebere  in  Stimmung  in  erwarten ,  als  von  einem  Mittel 
der  Winkel  aller  zu  einer  Oestalt  gehörigen  Flächen.  Dagegen 
ist  die  in  der  Tabelle  aufgeführte  Zahl  für  o  :  d  durch  Messung 
aller  vier  Kanten  an  dem  ausgebildeten  Ende,  deren  Mitte)  sie 
ist,  gefunden. 

D.    Optische  Untersuchung. 

Die  Kbene  der  optischen  Axen  ist,  wie  bei  den  übrigen 
Varietäten  des  Topas,  das  Brachypinakoid ,  die  Verticale  die 
erste  Mittellinie,  der  Charakter  der  Doppelbrechung  positiv. 

Wegen  der  leichten  Spaltbarkeit  nach  der  Basis  erhall 
man  ohne  Mühe  äpaltnngsplatten,  genügend  eben  für  die  Mes- 
sung des    optischen  Azenwinkels.     Zu   dieser  Messung  wnrde 


399 

von  den  beiden  gebrochenen  Licbtatrablen  das  eine  Mal  der 
oHeotlichey  das  andere  Mal  der  ausserordentliche  dnrch  ein 
NicoL^sches  Prisma  aasgelöscbt  and  nur  die  Ablenkung  des  an- 
deren bestimmt  wurde.  Hierzu  diente  ein  kleines,  cum  Dbs 
CL0i3SAüx*8chen  Apparat  gehöriges,  sogenanntes  PiSAKi'sches 
Goniometer,  dessen  Kreis  eine  auf  1  —  2^  genaue  Ablesung  ge- 
stattet. Als  Lichtquelle  benntsie  man  die  Leuchtgasflamme 
tiaes  AROAND'schen  Brenners,  und  stellte  den  Faden  jedesmal 
aaf  die  Mitte  der  unten  genannten  Farben.  Dadurch  erhält 
man  for  Roth,  Gelb  und  Blau  Werthe  der  Ablenkung,  welche 
den  Farben  der  oben  bei  Bestimmung  des  Azenwinkels  ver- 
veodeten  Mittel  (rothes  Glas,  Natronilamme,  schwefelsaures 
Kapfer-Ammon)  sehr  angenähert  entsprechen,  wie  sich  weiter- 
Mo  zeigen  wird;  ferner  erhält  man  durch  verschiedene  Pris- 
men BrechuDgsquotienten ,  welche  selten  um  2  Einheiten  der 
3ten  Decimale  differiren ,  gegenüber  der  Kleinheit  der  ange- 
tandten  Rrjstalle  gewiss  eine  genügende  Genauigkeit. 

Mit  Hülfe  eines  sehr  vollkommen  ausgebildeten  E^rystalls, 
Tobei  sammtliche  Flächen  von  M  su  je  sweien  als  brechende 
Prismen  dienten,  ergab  sich: 

Brechender  Winkel  =  55''  45'. 

Fnr  den  extraordinären  Strahl  (Elasticität  ||  Axe  h) 
vareo  die  beobachteten  Minimalabi  en  knngen: 

Erstes  Flächenpaar:     Zweites  Fläcbenpaar: 

Eoth:  41«  53'  41°  57' 

Gelb:  42    19  42     11 

Grün:  42    84  42    26 

Blau:  42    46  42    40 

^^  entsprechenden  Brechungsexponenten: 


Mittel: 

Roth:    ß,  =  1,6097 
Oelb:                1,6150 
erib:               1,6181 
6)m:               1,6205 

p,  =  1,6105 
1,6134 
1,6164 
1,6193 

ß  =  1,6101 
1,6142 
1,6172 
1,6199 

Fär  den   ordentlichen   Strahl    (Elasticität  II  c)  gaben   die 
beiden  besten  M  -  Flächen  desselben  Krjstalls : 

26» 


400 

Minimalablenkang       BrediatigsexpoDeat 

Roth:  42**  25'  7,   =  1,6162 

Gelb:  —    46  1,6205 

QrSo:  ~    57  1,6227 

Blaa:  43     12  1,6258' 

Die  beiden  anderen  If- Flächen  gaben  ein,  dorch  andere  inn 
reflectirte,  gestörtes  Spectrum,  weshalb  far  die  Bestimmn 
dieses  Index  noch  eine  Messnngsreihe  mit  einem  anderen  Ki 
stall  (No.  2  bes.)   vorgenommen  worde.     Es  wurde  gefunde 

Minimal  ablenkong: 

bei  No.  1     bei  No.  2 

Roth:        42°  82^  42°  22^ 

—  55  —    41 
43      6  43      9 

-  18  -     26 

Brechangsindices: 

bei  No.  1  bei  No.  2  Mittel 

Roth:  7,  =  1,6177  7,  =  1,6159  (7)  =  1,6168 

Gelb:  1,6222  1,6197  1,6209 

Grün:  1,6246  1,6254  1,6250 

Blau:  1,6270  1,6289  1,6279 

Da  auch  der  letztere  Erystall  kein  reines  Spectrum  lieferte,  8 
wurde  für  die  Berechnung  des  Mittels  von  7  den  beiden  leti 
ten  Bestimmungen  nur  das  halbe  Gewicht  der  ersten  beige 
legt  und  so  folgender  Mittelwerth  erhalten: 

Roth:  7  ±±  1,6165 

Gelb:  1,6207 

Grün:  1,6238 

Blau:  1,6268 

Aus  dem  nunmehr  bekannten  mittleren  Brechungsindex  | 
und  dem  scheinbaren  Axenwinkel  in  Luft,  2Ej  lasst  sich  be 
kanntlichder  wahre  innere  Winkel  der  optischen  Axei 
2  F,  berechnen  nach  der  Formel : 


401 

Bin  F  =  5  sin  E. 
P 

Diese  Bechnnng  ergiebt: 

Roth:    27  =  65*  AS' 
Gelbi  —     18 

Blaa:  64    58 

Da  man  nach  einer  bekannten  Gleichung  ans  den  3  Hanpt- 
brecbongsqaotienten  a,  ß,  7  den  Axenwinkel  berechnen  kann, 
b  dieBem  Falle  aber  letzterer,  sowie  ß  nnd  y  bekannt  sind, 
so  lisst  sich  leicht  umgekehrt  einer  der  Indices,  nämlich  a, 
äos  %  1  and   V  finden  durch  die  Formel: 

i-  _  JL 

a« ""  Y*       <'o«*  y  ' 

Aof  diese  Weise  wurde  gefunden : 


Roth 
Gelb 
Blau 


a  «  1,6075 
1,6115 
1,6171 


Somit  sind  sämmtliche  optische  Constanten  des  Topas  von 
Altenberg  ermittelt  und  in  der  folgenden  Tabelle  zusammen- 
gestellt: 

a         Differ.  ß         Diff.  7         Diff.  2V 

Roth:  1,6075  ,^  1,6101  ^,  1,6165  ,,  65«  48' 
^^e^b:  1,6115  1^  1,6U2  il  1,6207  **  —  18 
Blaa:    1,6171     ^         1,6199    ^^         1,6268    ^^       64    58 

Die  als  ein  Maass  der  Dispersion  dienenden  Differenzen 
<i^r  Indices  für  verschiedene  Farben,  in  Einheiten  der  4ten 
Decimale  angegeben,  müssen  für  die  grosseren  am  eine  geringe 
Grösse  wachsen;  die  Uebereinstimmung  der  Verhältnisse 
^ :  56,  41 ;  57,  42  :  61  zeigt,  dass  die  Exponenten  selbst  fast 
auf  4  Decimalen  zuverlässig  sind. 

Durch  die  Wärme  wird  der  Winkel  der  Azen  nur  wenig 
^eiüdert;  bei  100°  eeigt  er  eine  Zunahi&e  von  einigen  Minu- 
teo,  wie  dies  für  Topas  von  Brasilien  bereits  Herr  Db8  Cloi- 
^uui  (Man.  d.  min.  I.,  476)  gefanden  hat. 


402 


n.    Tvpas  TW  Sddaggeiwalde. 

A.     Vorkommen. 

Das  Auftreten  v^n  Topas,  welcher  an  diesem  Orte  i 
grosserer  Menge  gefanden  worden  ist  als  in  Altenberg,  wii 
angegeben  sowohl  in  den  regelmässigen  in  Gneiss  aufsetzende 
Zinnerzgängen,  als  auch  im  Greisen,  der  an  der  Grenze  vo 
Granit  und  Gneiss  auftritt  und  die  Erze  in  Nestern  entbäJ 
Da  die  Gruben,  bevor  ich  die  Gegend  besuchte,  zum  Erliege 
gekommen  waren,  so  muss  ich  mich  darauf  beschränkeoy  übe 
das  Auftreten  des  Minerals  dasjenige  mitzutheilen,  was  ich  a 
einer  grossen  Reihe  Gangstucke,  namentlich  der  TAmrAu'scbe 
Sammlung,  beobachten  konnte.  Diese  Stucke  sind  von  zweier 
lei  Art: 

a)  Dunkeler  flaseriger  Gneiss  als  Nebengestein,  zuweile 
auch  so  feinkornig  und  wenig  flaserig,  dass  er  dem  Aiteober 
ger  Stockwerksgestein  ähnlich  wird,  an  der  Grenze  gegen  de 
Gang  hin  Topas  und  Kupferkies  deutlich,  wahrscheinlich  aucl 
Zinnerz  und  Wolfram  enthaltend.  Mit  dem  Nebengestein  fes 
verbunden  bildet  fast  das  ganze  Saal  band  des  Ganges  milch 
weisser  oder  öfter  grünlich  gefärbter,  meist  nur  durchscheinen 
der  Topas,  der  nach  innen  in  dicken  Prismen  auskrjstalJisir 
erscheint.    Diese  Krystalle  sind  oft  von  ziemlich  betrachtliche 

Grosse  und  gebildet  von  den  Flächen:  coP2  und  2  Fco  vor 

herrschend,  ferner  co  P,  co  Py,  ^  P  u-  s.  w.  —  In  dem  Fyro 
pbysalith- ähnlichen,  strahligen  und  dichten  Topas,  welcher  di^ 
Unterlage  dieser  Prismen  bildet,  findet  sich  besonders  Wolfram 
eingeschlossen,  dessen  gestreifte  prismatische  Krystalle  sieb 
scharf  im  Topas  abdrucken.  Dieselben  werden  zum  Theil  di- 
rcct  vom  Nebengestein  getragen ,  sind  also  jedenfalls  älter  alfl 
der  Topas.  Neben  diesen  findet  sich  ferner  Zinnerz,  welches 
zuweilen  vor  dem  Topas  vorwaltet,  und  Molybdänglanz.  Das 
Zinnerz  ist  zum  Theil  älter  als  Topas;  an  solchen  Stücken 
fand  ich  folgende  Successionsreihe: 

1.  und  2.  Wolfram  und  Zinnerz,  deren  Altersverbalt- 
niss  nicht  sicher  entschieden  werden  konnte;  3.  Topas; 
4.    Quarz,  nicht  anskrystallisirt. 

Andererseits  findet  sich  Zinnerz  mit  deutlichen  EindrSekeo 


403 

der  TopaskTystalle ,    und   ergiebt   sieii   in   dieMn  Pallei    die 
AUenreibe : 

1.  Topas;    2.  Zinnerz;    3.  Eapferkies. 

Wir  haben  es  also  hier  jedenfalls  mit  mindestens  cwei, 
durch  ihr  Alter  verschiedenen,  Bildaogen  des  Zinnerzes  za 
thttn.  Ferner  seigen  die  hierher  geborgen  Successionsreihen 
2.  aod  3.  in  Bbbithaupt*s  Paragenesis,  S.  143,  dass  anch  Quarz 
Üler  als  Zinnerz,  Wolfram  und  Topas,  vorkommt. 

b)  Die  zweite  Kategorie  von  Topas  fuhrenden  Handstucken 
Toa  Schlaggen w aide    stellen    ein^  greisenartiges   Gemenge   dar 
eotveder  von  Q^^^'  ™^^  Topas  und  Glimmer,  oder  von  Topas 
QDd  Zinnerz.     Ausser  dem  Glimmer,  welcher  nur  kleine  haar- 
braaoe  Blättchen  bildet,    erseheinen  die  genannten  und  einige 
andere  Mineralien   sämmtlich  in  ausgebildeten  Krjstallen.    Un- 
ter diesen  sind  Quarz,  Topas  und  Glimmer  die  ältesten,   und 
zwar  wird   der   letztere   von   den  beiden  ersteren  umschlossen 
gefooden,   so   dass  jener   wohl  der  frühesten   Entstehung  ist. 
Der  Topas  ist  theils  junger  als  der  Quarz,    und  man  findet 
diDo  kleine  Qnarzkrystalle  theilweise  in  denselben  eingewachsen, 
beim  i^asbrechen  einen  Bindruck  hinterlassend,  öfter  aber  älter, 
so  dass  besonders  die  grösseren  Quarzkrystalle  jenes  Gemen- 
ges zahlreiche    ausgebildete  Topasindividuen    ganz    oder  zum 
Tbeil  einschliessen.     Jedenfalls   hat   also  hier,    wie  auf  den 
Altenberger  Gängen,  eine  gleichzeitige  Bildung  grosser  Massen 
beider  Mineralien   stattgefunden ,  wobei   diejenige  des  Quarzes 
froher  begonnen  und   später  aufgebort  hat,    als   die  Periode 
diaerte,  während   welcher    der   Topas    zum  Absatz   gelangte. 
l)ie  schonen  Zinnerzzwillinge,  welche  in  diesem  Gemenge,  be- 
sonders mit  Topas  verbunden,  auftreten,  sind  sämmtlich  junger 
^^>  dieser.    Es  mögen   hier  einige   der  an   einzelnen  Stucken 
beobachteten  Altersreihen  folgen: 

1-  Topas;  2.  Zinnerz;  3.  Kupferkies;  4.  Steinmark. 

1.  Topas;  2.  Zinners;  3.  Flussspath. 

1.  Qaarz;  2.  Topas.;  8.  Zinnerz;  4.  Flussspath;  5.  Stein- 

oark. 

1.  Glimmer;  2.  Topas;  3.  Quarz;  4.  Flussspath. 

L  Glimmer;    2.  Quarz;    3.  Topas;   4.  Quarz;    5.  Fluss- 

spMh. 

1*  Topas;  2.  Apatit 


1 


404 

Im  AUgeneinen  ergi«bt  sich,  dMS  die  MioeralieD  diesi 
Oemenges  sich  wohl  in  folgender  Ordnung  gebildet  haben: 

Glimmer.  Qaars.  Topas.  Qaan.  Zinners.  —  Zoletii 
Apatit,  Flossspatby  Kupferkies  und  Steinmark,  die  cam  Thej 
secundarer  Entstehung  sind. 

B.    Krystallform. 

Die  im  Folgenden  mitgetheilten  BeobachtungCD  nber  di 
Kry stalle  des  Topas  von  Schlaggen walde  bezieheo  sich  aq 
diejenigen  der  zweiten  Art  des  Vorkommens.  Die  an  demselbei 
beobachteten  Krystallflächen  sind  die  folgenden: 


1. 

jr  » 

coP 

2. 

m  = 

CO  Fi 

3. 

l  = 

coP2 

4. 

o= 

CO  PA 

5. 

9  = 

eoP3 

6. 

P- 

iPco 

7. 

/  = 

PCO 

8. 

y  = 

2  PCO 

9. 

e  s= 

coPco 

10. 

t6  = 

iPco 

11. 

h  » 

|Pco 

12. 

t6  = 

iPco 

13. 

P')  = 

iPco 

14. 

d   a 

PCO 

15. 

tP  = 

2  PCO 

16. 

tf»=r 

p 

17. 

U   = 

f^ 

18. 

i   » 

'tp 

*)  Von  Herrn    t.  KoiscHAiOFF  nur  selten  beobachtet  and  nicht  be- 
nannt. 


405 

19.  e»)=    i-P 

20.  «  =    \F2 

21.  t>  =       P2 

22.  r=     2P2    * 

23.  F  ^    oF 

Ferner  finden  sich  noch  einige  nicht  näher  bestimmbare 
schmale  Abstumpfungen,  so  der  Kante  ?on  i :  x,  der  von  o :  M 
(wahrscheinlich  e  =  2  Pj»   von  M :  r^  Z:  y,  M :  M  (jedenfalls 

xPcx*)  und  d:o.  Man  ersieht  hieraus,  dass  der  Topas  von 
Schla^enwalde  dem  von  Altenberg  an  Fläehenreiehthum  kei* 
neswegs  nachsteht. 

Der  Habitus  der  meist  nur  kleinen  Krystalle  v?ird  bedingt 

dorch  das  Vorherrschen  des  nahe  rechtwinkeligen  Prisma  oc  P2 

and  des  Doma  2Pco,  wodurch  die  gewohnlich  ringsum  aus- 
gehildeten  Individuen,  in  der  Richtung  der  Makrodiagonale  ge- 
sehen, ein  briefcouvertartiges  Ansehen  erhalten ;  unter  den  Py- 
ramiden ist  ~  F  die  gewöhnlichste.  Eine  solche  einfache  Com- 
bination  zeigt  Fig.  8,  Taf.  XI.  Alle  anderen  oben  aufgeführten 
Flachen  sind  meist  nur  klein.  Während  die  grösseren  Kry- 
stalle der  ersten  Art  des  Vorkommens  (s.  oben  ,,Vorkommen^), 
welche  im  Allgemeinen  dieselben  Flächen,  wenigstens  die  häufi- 
gereo  derselben,  zeigen,  denen  mancher  anderer  Zinnerzgänge 
§ehr  ähneln,  stehen  die  hier  beschriebenen,  in  dem  greisen- 
artigen  Gemenge  liegenden,  in  Bezug  auf  ihr  Ansehen  keinen 
eJDes  anderen  Fundortes  so  nahe,  dass  sie  nicht  leicht  davon 
unterschieden  werden  konnten. 

Die  beiden  Enden  sind  immer  ganz  gleich  aus- 
gebildet. 

Die  in  der  obigen  Tabelle  angeführten  Prismen  sind,  ausser 
*.  sammtlich  fast  an  allen  Krystallen  zu  finden;  sie  tragen 
oft,  besonders  stark  das  vorherrschende  ^,  die  für  die  prisma- 
tischen Formen   beim  Topas  überhaupt   charakteristische  verti- 

cale  Streifung.      2  Poo ,    meist  von    den  Brachydomeu   allein 

*)  Herr  y.  Koescuaropf  Dennt  eine  flache ,  aber  nicht  bestimmbare 
l'jramide  dieaer  Zone  §,  welche  wahrscheinlich  mit  dieser  identisch  ist, 
CAgegen  wird  ^P  von  Brasilien  bereits  von  Herrn  Naumann,  Beine  and 
«agew.  Kryttaikjgr.  II.,  43,  erw&hnt. 


406 


auftretend,  hat  suweileo  vereinielte  horisontale  Streifen,  co  Fe 
ist  sehr  häufig,  meist  aber  klein.  Die  Makrodomen  sind  samml 
lieh  untergeordnet  und  nnr  an  denjenigen  Krystallen  mit  Sichei 
heit  SU  bestimmen ,    an  welchen  die  Pjramidenflächen  etwa 

grosser  ausgedehnt  sind;  \Fco  ist  gewöhnlich  glänsend,  F<> 
aber  matt.  Unter  den  Oktaedern  herrscht  stets  u  relativ  toi 
0  tritt  am  seltensten  auf  und  nur  sehr  klein,  o  P  ist  baafi 
vorhanden  und  stets  ganz  matt. 

Die  Art  des  Auftretens  der  einielnen  Flächen  seigen  di 
Figuren  9  und  10,  Tafel  XI.,  welche  mit  Berücksichtigung  de 
verschiedenen  relativen  Ausdehnung  der  Flachen,  wie  sie  siel 
an  bestimmten  Krystallen  vorfand,  gezeichnet  sind: 

Flg.  9  «eigt  die  Combination:  co/>,  ooF2,  2  Fco,  Ipco 

|Pco,  |Fco,  Pcc,  i>,  |P,  ip,  rp^  |P2,  oF  und  die  Ab 
stumpfungen  o:  M,^  o  :  </,  i :  y,  Piy  und  M :  AT. 

Fig.    10   enthalt   folgende   Flachen:    coP,   coP|,  oo Pi 

2Pco,    Pco,   2Pco,  P,   |P,  xp,  |P2,  P2,  2P2,  oPon< 

die  Abstumpfungen  r :  M  und  o  i  M. 

C.    Resultate  der  Messungen. 

Der  Topas  von  Schlaggenwalde  eignet  sich  weit  weniger, 
als  der  von  Altenberg,  zur  Ermittelung  genauer  Werthe  seinei 
Kantenwinkel.  Die  Krjstalle  sind  durch  eingeschlossenen  Glim- 
mer und  zuweilen  Quarz  in  ihrer  regelmässigen  Entwickelung 
gestört  und  daher  die  Winkel  Schwankungen  unterworfen, 
welche  nicht  unbeträchtlich  sind.  Um  einigermaassen  genaue 
Resultate  zu  erhalten,  hätte  eine  sehr  grosse  Anzahl  gemessen 
werden  müssen.  Darauf  verzichtend,  habe  ich  mich  mit  eiwr 
annähernden  Feststellung  der  Winkel  begnügt 

Für  das  Grundprisma  M  wurde  an  zwei  Krystallen  ge* 
funden : 

ifrif  «  124°  8',5 
—    9' 

För  die  Form  2P<n>  an  dreien; 

y.y  =  55"  30* 

—  32 

-  U 

Die  Mittelwerthe  von  diesen,  also  respective  124*  9*  n»^ 


407 

55*  32^  worden  cor  Ennittelang  des  Axenverhaltnisses  benatst. 
Danas  folgt: 

aib:e  =  0,5300:1  : 0,9497. 

Die  öbrigen  Flacben  worden  nor  da  gemesdeo,  wo  es  cor 
Verificirong  ihres  Zeichens  nothwendig  war,  ohne  Rücksicht 
aaf  ihre  BraochbaiiLeit  ond  ohne  dorch  Vervielfaltigong  der 
Ue€8nngen  an  Yerschiedenen  Krjstallen  mittlere  Werthe  aof- 
zoaocheo.  Daher  stellt  sich  bei  Vergleichong  der  aos  jenem 
AxeoTerhaltniss  berechneten  ond  der  beobachteten  Winkel  nor 
eioe  mittelmässige  Uebereinstimmong  heraos,  wie  die  folgende 
Tabelle  zeigt.  Diejenigen  Winkel,  welche  in  (  )  geschlossen 
siod,  betreffen  so  kleine  oder  so  onyollkommene  Flachen,  dass 
diese  kein  reflectirtes  Bild  des  Objeets  mehr  lieferten;  sie 
wurden  so  gemessen,  dass  man  aaf  das  Eintreten  des  Licht- 
icbimmers  aof  den  Flächen  bei  vorgeschlagener  Mikroskoplinse 
eiostellte,  eine  Art  der  Messnng,  welche  im  Mittel  nor  aof 
r  genaoe  Resoltate  giebt. 

Die  berechneten  ond  gemessenen  Winkel  sind  non  folgende: 

M  i  M  an  a 

M  :  M  tin  b 

m  :  ffi  an  a 

m  i  m  a.n  b 

m  :  M 

i  :  I  an  a 

l  i  l  ^n  b 

l  :  M 

l  :  m 

IT  :  17  an  a 

IC  :  IT  an  5 

iü  :  / 

^  :  ^  an  a 

g  i  g  9Jk  b 

9  :  it 

ß  :  ß  an  c 

/  :  /  an  c 

y  :  y  an  c  =  ♦55      32 


Berechnet 

Beobachtet 

=1 

•124» 

9' 

=  55» 

51' 

55 

51 

=  103 

2 

103 

20 

=  76 

58 

76 

40 

=  169 

26 

169 

35 

=  86 

40 

86 

43 

=  93 

20 

93 

17 

=  161 

15 

161 

17 

=  171 

49 

171 

47 

=  74 

5 

74 

28 

=  105 

55 

=  173 

43 

173 

46 

=  64 

20 

64 

32 

=  115 

40 

115 

28 

=  168 

50 

168 

55 

=  175 

7 

175 

6 

=  129 

12 

=  92 

57 

408 


;■  j  .0  J 

=  124- 

28' 

124" 

2? 

M? 

=  Ud 

10 

(145) 

=  152 

14 

152 

15 

i  ;  d  an  0 

-    58 

20 

0  :  0  (BMiskaate) 

-  m 

80 

•  :  0  (umiiprs  Polk.) 

-  130 

20 

0  :  M 

=  15S 

45 

158 

33 

H  :  «  (BiuiBk.) 

=    90 

48 

a  i  a  {.lompfc  Polk.) 

=  141 

3 

141 

5 

»  :  If 

=  135 

24 

135 

38 

u  :  0  (Zorn  if,  g,  ••) 

=  161 

39 

161 

43 

i  :  i  (Buuk.) 

=    68 

7 

68 

26 

<  :  <  (uiiiipr«  FoU.) 

-  H9 

35 

>  :  M 

-  124 

3 

124 

13 

i  :  »  (Zom  M,  o, «,  i) 

-  168 

40 

168 

40 

i.  »«) 

=  143 

40 

143 

49 

e  :  i  (BuUk.) 

=    63 

46 

(52f) 

8  :  e  (Btampfe  Polk.) 

=  155 

33 

£  :  i  (Zone  o,  u,  i,  0 

-  172 

50 

(172) 

r  :  X  (Builk.) 

-    82 

4 

z  :  .r  (stampfe  Polk.) 

-  122 

56 

t  :  l 

=  131 

2 

131 

2 

.  :  .  (B«.i.k.) 

=  105 

6 

e  :  c  (»nnpfe  Polk.) 

-  109 

27 

109 

31 

V  :  u 

-  164 

12 

164 

13 

V  :  / 

«  142 

33 

142 

27 

V  :  X 

-  168 

29 

168 

35 

,  :  ,  (B..l.k.) 

-  138 

5 

t  :  r  (.tnopio  Polk.) 

=    94 

26 

r  :  1 

=  159 

2 

(158J) 

T  :  V  (Zone  (,  r,  ,) 

=  163 

30 

(1631) 

nmerkuDg:  Es  ist  ein  merkwördiger  Zofall,  dus  die 
ewöbolichsteD  und  eteU  ia  den  Combinationeii  vorherr- 
ea  Formen  des  TopM  paarweise  sehr  ähnliclie    Winkel 


c  rechU:  u  linki,  wenn  die  itnmpfe  PolkanM  dem  Beobachter  *"■ 


409 

M  .  M  =  124»  16'  (Alt) 
y  :  y   =  124    39      „ 
1:1    =    93    20  (Schlagg.) 
/:/    =    92    67 

Auf  die  Uebereinstimmang  der  ersten  beiden  Winkel  bat 
schon  Herr  Bbkithaüpt,  Handb.  d.  Min.  III,  728,  aufmerksam 
gemacht. 

D.    Optische  Untersnchnng. 

Lage  der  Axenebene  und  Mittellinie  wie  bei  dem  Alten- 
berger  Topas.  In  ganz  derselben  Weise  wie  jener  untersocht, 
ergab  sich  der  Winkel  der  optischen  Axen  in  Oel: 

Eoth:  2H  =  71*     (f 
Gelb:  69      5 

Blaa:  67     11 

Daraus  folgt  der  scheinbare  Axenwinkel  in  Luft: 

Roth:  2E=:  118"    V 
Oelb:  113    56 

Blau:  111       8 

Demnach  weicht  dieser  Topas  hinsichtlich  des  Axenwinkels 
Qur  wenig  von  dem  Alteuberger  ab;  der  Sinn  der  Dispersion 
^t  ebenfalls  der  gleiche,  die  letztere  ist  indess  bei  demselben 
weit  grösser.  Für  eingehendere  Untersuchung  waren  die 
^rjstalle  zu  klein  und  unvollkommen. 


Aidiere  fndhrte. 

Im  sächsischen  Erzgebirge  findet  sich  noch  an  verschie- 
^ieneo  Orten  Topas  auf  Zinnerzlagerstatten.  Ohne  voU- 
Btändige  Beschreibungen  derselben  liefern  zu  wollen,  mögen 
im  Folgenden  einige  Beobachtungen  über  jene,  nach  den  Fund- 
orten geordnet,  ihren  Platz  finden: 

Pobershau  bei  Marien  her  g.  Auf  den  im  Gneiss 
ftofsetzenden  Zinnerzgängen  tritt,  zusammen  mit  Zinnerz,  Gil- 
bertit,  Quarz,  Arsenkies,  Topas  in  ziemlich  grossen  Ery- 
BUllen  auf.    An  einem  Stuck  der  Freiberger  Sammlung  beob- 

\U  \J  \^ 

^tete  ich  die  Combination:  oo  P,  cx>  t\^  oo  /^,  oo  Foo  gross, 


410 


oP^  \P^  jP^  Poo  gross,  2Poo,  endlich  eine  Abstampfung  dei 

Kante  jP  :  Poo. 

Saaberg  bei  Ehrenfriederadorf.  Gänge  im  Olim 
merscbiefer,  reich  an  mannicbfachen  Mineralien.  Saccesaionen 
in  welchen  Topas  erscheint,  worden  zuerst  von  Herrn  Brbit- 
HAUPT  folgende  beobachtet  (Paragenesis  d.  Min.  p.  141.): 

(No.  1.)    Quarz.  Zinnerz.  Arsenkiea.  Topas.  Flnssspath. 

(No.  5.)    Quarz.  Zinnerz.  Topas.  Apatit.  Flossspath. 

(No.  20.)    Quarz.  Topas.  Herderit.  Apatit.  Piassspatb. 

(No.  21.)  Quarz.  Topas.  Moljbdänglanz.  Üligonspath. 
OUbertit. 

Zu  diesen  fugte  Herr  Stblznbr  in  seiner  verdienstvollen 
Arbeit  über  Geyer  und  Ehrenfriedersdorf  (Beitr.  z.  geogn.  Kenntn. 
d.  Erzgeb.  I.  Die  Granite  von  Geyer  und  Ehrenfriederadorf, 
sowie  die  Zinnerzlagerstatten  von  Geyer,  von  A.  Stblznbb,  S. 
52  f.)  noch  folgende: 

(No.  4.)  Zinnerz.  Arsetikies.  Topas.  Flussspath. 

(No.  5.)    Wolfram.  Topas.  Molybdänglanz. 

Aus  seinen  und  Hrn.  Brbithaüpt's  Beobachtungen  schliesst 
Herr  Stblznbb  a.  a.  O.,  dass  die  Mineralien  der  Zinnerzfor- 
mation sich  in  einer  ganz  bestimmten  Reihenfolge  gebildet 
haben,  welche  ausnahmslos  von  Quarz  eröffnet  werde.  Indess 
beobachtete  ich  mehrmals  Stucke,  wie  bei  den  ausfuhrlich  be- 
schriebenen des  ersten  Typus  von  Schlaggenwalde,  wo  die 
Reihe  mit  Topas  beginnt.  Andererseits  konnte  ich  mich  aber 
auch  von  der  Richtigkeit  der  Beobachtungen  des  Herrn  Stblznbb 
überzeugen,  da  derselbe  die  grosse  Gefälligkeit  hatte,  eine 
Reihe  interessanter  Exemplare  ans  den  Freiberger  SammlnngeOt 
theils  desselben,  theils  anderer  Fundorte,  mir  zurVergleichung  zo 
übersenden.  Es  fanden  sich  dabei  noch  folgende  Successions- 
reihen : 

1.  Quarz.  Arsenkies.     Zinnerz.  Topas. 

2.  Topas.  Quarz. 

3.  Quarz.  Topas  (von  fast  gleichzeitiger  Entstehnog). 
Zinnerz. 

Der  Quarz  kann  an  diesem  Fundorte  also  auch  junger 
sein  als  der  Topas,  wenn  man  nicht  verschiedene  Bildungen 
des  letzteren  annehmen  will.  Wahrend  Hr.  Stblzk^b  in  allen 
anderen  Fällen  beobachtete,   dass  Arsenkies  junger  als  Zinnen 


411 

sei,  fioden  wir  es  Sbereinstiininead  bei  1.  umgekehrt.  Ebenso 
rerhilt  es  sich  mit  Zinnerz  und  Topas,  indem  ich  an  dem  sn- 
ietit  erwähnten  Stnck  (3.)  deutlich  beobachten  konnte »  dass 
mteres  junger  sei  als  der  Topas,  wahrend  in  den  Ton  Herrn 
Stilzsir  beobachteten  Successionsreihen  dieselben  beiden  Mine- 
r&lleD  iu  umgekehrter  Ordnung  auf  einander  folgen,  wie  ich 
es  ebenfalls  mehrfach  gefunden  habe.  Es  liegen  auf  diesen 
GiDgen  also  mindestens  xwei  su  verschiedenen  Zeiten  erfolgte 
Bildangen  des  Zinnerzes  (oder   des  Topases)  vor. 

Die  ausgebildeten  Krystalle  des  Topases  von  Ehrenfrieders- 

dorf  zeigen  folgende  Flächen:    ooP,    ooPj,    cx)  P2,    oP^    |P, 

{i^  Poo,  zuweilen    auch   P,    Poo,    2Poo;  die  letztgenannte 

Flache  ist  oft,  zugleich  mit  ooP2,  derart  vorherrschend,  dass 
die  Krystalle  den  Schlaggenwaldern  der  ersten  Art  vollkommen 
gleichen.     * 

Geyer.  Eine  den  Topas  betreffende  paragenetische  Notiz 
giebt  Hr.  Stblznbr  (a.  a.  O.): 

(No.  7.)    Quarz.  Topas.  Molybdänglanz. 

Andererseits  findet  sich  für  die  ersten  beiden  Mineralien 
anch  die  umgekehrte  Reihenfolge,  wie  ich  an  Stücken  der  Frei- 
berger  Mineralienniederlage  beobachtete.  Im  Uebrigen  kann 
in  Bezog  auf  das  Vorkommen  auf  die  bereits  mehrfach  er- 
wähnte Arbeit  des  Herrn  Stelzner  verwiesen  werden,  welche 
dasselbe  eingehend  bespricht. 

Zinn  wald.  Neben  der  bekannten,  im  Ansehen  von  den 
öhrigen  so  sehr  abweichenden,  Varietät,  dem  Pyknit,  findet 
aich  zusammen  mit  Quarz  und  Glimmer,  und  älter  als  diese 
beiden,  farbloser  Topas,  welcher  sich  von  dem  Altenberger  in 
seiner  Form  nur  dadurch  unterscheidet,  dass   unter  den   Fris- 

meo  das  fast  rechtwinklige  ooP2  vorherrscht,  ooF  dagegen 
nrucktritt.  Im  Uebrigen  zeigt  er  dieselben  Flächen,  welche 
bei  dem  Altenberger  die  gewohnlichsten  sind. 


Versuchen  wir  nach  diesen  Beobachtungen  eine  Ver- 
gleichnng  der  verschiedenen  Varietäten  des  Topas  auf  den 
erwihnteo  Lagerstätten,  in  Bezug  auf  sein  Vorkommen  und 
seine  krystallographischen  und  sonstigen  Eigenschaften,  so  ist 


412 

wohl  bereits  enichtlich,  dass  dieaelbe  käu  einfRches  Bild 
li«rerii  kaDD.  Wu  zunächst  das  relativ«  Alter  des  Topas 
gegenüber  dem  der  andern  Mineralien  betrifft,  so  ist  dieses 
nicht  nnr  auf  verscliiedeneD  Lagerstätten,  sondern  sogar  aaf 
einer  and  derselben  ein  verschiedenes,  trotidem  dass  es  Über* 
all  genau  dieselben  Mineralien  sind,  mit  denen  er  ver- 
gesellschaftet auftritt.  In  Altenberg  sehen  wir  die  Bildung 
des  Hauptbestandtheile  der  Gänge,  des  Quarzes,  unterbrochen 
werden  von  der  des  Topas.  Da  sich  zuweilen  unter  denjöng- 
steo  Gebilden  des  Ganges  noch  einmal  Quart  zeigt,  so  giebt, 
damit  voUlcommen  übereinstimmend,  bereits  Herr  Bbeitbadpt 
in  seiner  „Furagen es is,"  p.  145,  an,  dass  hier  drei  Genera- 
tionen des  Quarzes  ezistiren.  Zinnerz  trat  theils  während  der 
Bildung  des  älteren  Quarzes,  tbeils  später  hinzu.  Die  gleichen 
Verschiedenheiten  und  Wiederholungen  der  Bildung  eines  und 
desselben  Minerats  wurden  an  den  von  Schi aggenw aide  her- 
rührenden Stücken  beobachtet.  Auf  die  Analogie  xwiscbea 
diesen  beiden  Fundorten  in  Bezug  auf  die  fast  völlige  Gleich- 
zeiügkeit  des  älteren  Quarzes  und  des  Topas  ist  bereits  an 
der  betreffenden  Stelle  bingeniesen  worden.  Die  Annahme, 
dass  die  Entstehung  des  Quarses,  welcher  in  den  meisten,  aber 
,  nicht  allen  Fällen,  das  erste  Mineral  auf  den  Zioaerzgängen 
war,  eine  lange  Periode  hindurch  anhielt  und  von  der  Bildung 
anderer  Mineralien,  Wolframit,  Topas,  Zinnerz,  unterbrocheD 
wurde,  dürfte  in  einfachster  Weise  die  zahlreichen  Wideraprüchs 


413 

das»  Qaars,  Wolfram,  Topaa,  Zinnerz  die  ältesten  und  ur* 
aprnnglichsten  Gebilde  aller  Zinnerzlagerstatten  sind,  unter 
einander  aber  ein  verschiedenes  relatives  Alter  haben  können. 
Ohne  Ausnahme  scheint  nur  die  Altersfolge  „Wolfram,  Topas'^ 
EQ  sein,  da  bis  jetzt  wenigstens  ersterer  stets  älter  als  letzte- 
rer beobachtet  worden  ist. 

In  krystallographischer  Hinsicht  lässt  sich  bemerken,  dass 
die  Krystalle  eines  Fundortes  im  Allgemeinen  sehr  überein- 
stimmen, sowohl  was  das  Auftreten  gewisser  Flächen,  noch 
mehr  aber  die  relative  Ausdehnung  derselben  betrifft.  So  ist 
Altenberg  durchweg  charakterisirt  durch  das  Vorherrschen  der 

Formen  oo  F  und   /^oo,  die    Schlaggen  walder  Krystalle  ver- 
danken  ihren  völlig  abweichenden   Habitus   der  Präpouderanz 

der  Flächen  oo  F2  und  2  i^cx).     Im  übrigen  Ansehen  weichen 
indess  die  Krystalle  eines  Vorkommens,  und  besonders  gilt  dies 

I  fir  Schlaggenwalde  und  Ehreufriedersdorf,  nicht  unbeträchtlich 
von  einander  ab  und  ähneln  theilweise  so  sehr  denen  anderer 
Fandorte,  dass  es  bei  manchen  Handstücken  schwer  sein  dürfte, 
den  Ort  ihrer  Herkunft  zu  bestimmen.  Die  Krystallwinkel  sind 
bei  den  Varietäten  verschiedener  Orte  um  mehr  verschieden 
als  die  Unsicherheit  der  Messung  beträgt,  während  anderer- 
seits das  Axenverhältniss  des  Topas  von  Altenberg  dem  sibi- 
nschen  ausserordentlich  nahe  steht.  Die  Uebereinstimmung 
des  optischen  Axenwinkcls  bei  Altenberg  und  Schlaggenwalde 
(während  im  Uebrigen  verschiedene  Topasvarietäten  sehr  ver- 
schiedene Axenwiukel.  haben)  muss  als  zufällig  betrachtet 
werden,  da  dieses  Element  bei  vielen  Mineralien  selbst  an 
demselben  Fundort  grossen  Schwankungen  unterworfen  ist. 

Aus  alle  dem  folgt,  dass  sich  kein  völlig  gemeinsames, 
die  Topase  der  Zinnerzlagerstätten  von  denen  anderer  Vor- 
kommen unterscheidendes  Merkmal  aufflnden  lässt.  Trotz  ihrer 
gleichartigen    Entstehung   zeigen    dieselben    Verschiedenheiten, 

-  welchen  jedenfalls  Abweichungen  der  chemischen  Zusammen- 
setzung zu  Grunde  liegen,  die  zn  erforschen  weiteren  Unter- 
sochongen   vorbehalten  bleiben  muss. 


^itt.d.  D.geoLGti.  XXII.  2.  27 


/ 


414 

Die  Resaltate  der  vorliegenden  Arbeit  sind,  Icorz  casao 
menge&dBt,  folgende: 

Topas  von  Altenberg:    Das  sehr  genaa  tu   best! 
mende  Axenverbältniss ,   a  :  b  t  c  ^  0,52883  :  1  :  0,9533' 
weicht  wenig  von  dem  des   sibirischen,  wie    es   Herr  ▼.  Ko 

VI 

SCHAROFF  fand,  ab.     Als  neue  Flächen  wurden  erkannt:  ccF 

ooF5^  o^P<s>  und  mehrere  nicht  genaa  tu  bestimmende, 
sehr  flächenreichen  Krystalle  sind  besonders  charakterisirt  dur 
das    Auftreten   der  sonst  seltenen   Pyramide  ö.     Manche   d 
Flächen  zeigen  eine  mehr facfae*8tret fang,  daher  man  ei 
charakteristische    St  r  ei  fang    von  den    anders    geric 
teten,  seltneren,  unterscheiden  muss.      Die  Hemimorphie  zeii 
sich  fast  nur  durch  verschiedene  Ausbildung  derselben  Fläche 
am  oberen  und  am  unteren  Ende  der  Krystalle.    Die  einzelne 
Messungen   ergeben    Schwankungen   der  Winkel,   weiche  sie 
durch  Unregelmässigkeit  der  Ausbiidang  erklären  lassen.    In 
Beschaffenheit  der  Krystalle  gestattet  eine  vollständige  optisch 
Untersachang,  d.  h.  die  Bestimmung  der  Brecbungsexponente 
and  der  Axenwinkel. 

Topas  von  Schlaggenwalde  in  Bohrten:  Da 
Vorkommen  ist  sweieriei,  entweder  groesere  anfsitseade  Krv 
stalle,  oder  kleinere,  in  einem  greisenartigen,  qoarsreicbe 
Gemenge  liegend.   Letztere  Wurden  gemessen  and  zeigten  fol 

gende  neue  Formen :  b  =  j  Pco,  8  =  |  Fco^  p  =  2  Foo  et 
Das  Axenverbältniss,  a  :  b  :  c  =  0,5300  :  1  :  0,9497,  lies 
sich  weniger  genau  feststellen,  als  bei  Meo  vorigen. 

Andere  Fundorte:  Das  Vorkommen  und  die  Krystall 
formen  des  Topas  von  Pobershau  bei  Marienberg,  Ehrenfri& 
dersdorf,  JGeyer  und  ^innwald  sind  z.  Tb.  den  obigen  ähnlich 

Die  Beobachtungen  über  das  Altersverhältniss  der  mi' 
1?opas  auf  den  erwähnten  Zinnerzlagerstätten  zusammen  vor 
kommenden  Mineralien  zeigen,  dass  dieselben  nicht  in  eioci 
bestimmten  Reihenfolge  entstanden,  sondern  Wiederholaogei 
der  Bildung  eines  und  desselben  Minerals  vorgekommen  sind 
Im  Allgemeinen  gehören  Quarz,  Topas,  Zinnerz  and  Wolfram 
zu  den  ältesten  Gliedern  dieser  Lagerstätten. 


415 


S.  Syitketisde   Versvclie   beiif^Iiek  der  Meteoriteii; 
Vergliche  wmI  Sdiliissfolgeriuigeni  n  welchea  diese 

Vermche  füdirei. 

Voo  Herrn  DaubriAe  in  Paris. 

(UeberMtst  yoq  Herrn  Hauchicoiri  in  Berlin.) 

hkalt. 

Seite. 

L  CoDfititntion  der  Met^aoriten;  Typen ,  welche  unterschieden  wer- 
den können 416 

II.  Künstliche  Zusammensetzung  der  Meteoriten 418 

Bisen.     Schmelzung  und  Nachbildung 418 

Steine.    Binfache  Scbmelzung 419 

Kinstliobe  Nachbildung  der  hügligen   oder   chondritiachen 

Structnr 428 

ni.  Folgerungen   bezüglich  der  Entstehung   der  kosmischen  Körper, 

▼OD  welchen  die  Meteoriten  abstammen *,     .  430 

Chemische  Constitution  und  fiildungsweise 430 

Temperatur 433 

IV.  SchiouColgeruBgen  fitber  die  Bildung  des  Erdkörpers  ...  .  .434 
Wichtigkeit  des  Peridots  in  den  tiefen  Regionen  ....  436 
Umwandlung  des  Serpentins  in  Lherzolith  oder  in  Peridot  439 
Charaktere,  welche  die  Peridot-Gesteine  auszeichnen  .  .  444 
Vergleich  der  Dichtigkeiten  der  Meteoriten  und  derjenigen 

der  wichtigsten  Gesteine  der  Erde 445 

Unterschiede,  durch  welche  die  Peridot-Massen  der  Erde  Ton 

den  Meteoriten  getrennt  werden 446 

Peridot  als  allgemeine  Schlacke 447 

Allgemeine  Bemerkung 451 

Die  Meteoriten  bieten  ein  lebhaftes  Interesse  dar,  da  sie  die 
eiDzigeo  Proben  der  aosser-irdischen  oder  kosmischen  Körper 
^^^^1  welche  in  unsere  Hände  gelangen  können ;  sie  gewähren 
^^  Anfschlasse  übisr  die  Zusammensetzung  der  in  den  Him- 
Msräumen  vertheilten  Massen. 

Ueberdies  gelangt  man,  je  ti^er  man  in  das  Studinm  der 
W^tcoriten  eindringt,  om  so  mehr  zu  der  Erkenntniss  der  Trag- 
^^te,  welche  dasselbe  Ar  mehrere  Zweige  unseres  Wissens  be- 
s^ut,  hesonders  für   die  Oeschichte  unseres  Planeten,  indem 

27* 


418 

es  uDa  über  Beinen  Ursprung  sowie  über  die  Beschaffenheit 
solcher  Reginnen  desselben  aufklärt,  welche  durch  ihre  Tief« 
der  directeu  Errorschung  stets  verschlossen  bleiben  werden. 

Gerade  in  letzterer  Beziehung  wünsche  ich  der  Gesell- 
schaft die  Resultate  von  Versuchen  vorzulegeu,  welche  ich  io 
Betreff  der  Meteoriten  angestellt  habe,  und  deren  Zweck  es 
war,  über  die  Art  der  Bildung  dieser  Körper  und  damit  za- 
gleich  über  diejenige  des  Erdkörpers  selbst  Aufklärung  zu 
erlangen. 

I.  Znsammensettnng.  Typen,  welche  mnn  hin- 
sichtlich derselben  unterscheiden  kann. 

Wenn  man  die  Meteoriten  hinsichtlich  ihrer  Zusammen- 
aelzung  untersucht,  so  ergiebt  sich ,  dass  die  einen  aus  fast 
reinem  Bisen  bestehen,  während  die  anderen  auaschliesfilicb 
aus  steinigen  Massen  zusammengesetzt  sind.  Trots  der  Ver- 
schiedenartigkeit,  welche  diese  beiden  äussersteu  Typen  trennt, 
findet  man  Stücke,  welche  als  eine  Reihe  von  Bindegliedenu 
zwischen  beiden  stehen.  Man  kann  jedoch  immerhin  mehrere 
Hauptgruppen  anfstellen,  welche  ich  gans  in  der  Kürze  ei^ 
wähnen  will. 

1.  Die  metallischen  Massen,  bei  welchen  das  Eisen  vor- 
herrscht und  gar  keine  steinigen  Bestandtheile  wahrzunehmen 
sind.  (H  o  I  o  s  i  d  ä  re  8.)  Die  eigentlichen  Meteoreisen  von 
Caille  und  von  Charcus  und  vielen  anderen  Fundpankten  sind 
bekannte  Beispiele  derselben. 


417 

Bei  der  zwdteD  Anordnong,  welche  die  Mehrzahl  der 
Meteoriten  omfaset,  ist  die  Stractor  so  za  sagen  amgekehrt; 
hier  ist  das  Eisen,  anstatt  zosammenhangend  zu  sein,  in  einem 
geioerseits  zasammenhängenden  steinigen  Teige  in 
Köraem  eingesprengt.     (Sporadosidöres.) 

Die  Komer  besitzen  übrigens  die  charakteristische  Za- 
lammeDsetzang  und  Stractnr  des  Meteoreisens.  Die  Grund- 
DiaMe  besteht ,  wie  bei  den  Syssideren ,  vorzugsweise  aus 
Magnesia-Silicaten.  Der  Peridot  fehlt  kaum;  daneben  andere 
dem  Pjroxen  verwandte  Silicate,  mitunter  gemischt  mit  Thon- 
erde-Silicaten.  Letztere  bilden  fast  immer  nur  einen  sehr  ge- 
nogeo  Tbeil  der  Masse. 

Die  der  Menge  nach  sehr  ungleichmässig  vorhandenen 
Bisenkorner  sind  auch  ihrer  Grosse  nach  sehr  verschieden, 
TOD  Haselnnssgrosse  und  mehr  bis  herab  zu  kaum  sichtbaren 
oder  sogar  nur  mikroskopisch  wahrnehmbaren  Kornchen.  Ihre 
Form  ist  sehr  unregelmässig  und  oft  zackig. 

Innerhalb  dieser  Reihe,  deren  Endtjpen  sehr  weit  von 
eioaoder  liegen  und  durch  eine  Menge  von  Zwischengliedern 
verkDopft  sind,  kann  man  drei  Unterabtheilungen  unterscheiden: 

a)  Zunächst  die  eisenreichste  wird  durch  Massen  gebildet, 
welche  vermöge  ihrer  gemischten  Zusammensetzung  ebensowohl 
ZQ  den  Stein-  als  zu  den  Eisen  -  Meteoriten  gezählt  werden 
können.  (P  oljsiddres.)  Von  den  Meteoriten  dieser  ünter- 
abtheilang  ist  besonders  derjenige  zu  erwähnen,  welcher  in  der 
Sierra  de  Ghaco  in  Chili  gefttoden  worden  ist. 

b)  Bei  den  weitaus  zahlreichsten  Meteoriten  tritt  das  Eisen 
in  viel  schwächerem  Yerhältniss  auf,  als  in  der  vorhergehenden 
roterabtheilung;  daher  der  Name  Oligosiddres.  Unter 
10  Meteorfällen  gehören  wenigstens  9  dieser  Familie  an; 
oian  kann  siä  deshalb  auch  als  ge wohnlichen  Typus  be- 
leicbnen. 

Es  ist  die  Gruppe,  welche  Gustav  Rose  der  kugligkor- 
ni|^n  Structur  wegen,  welche  die  steinige  Masse  zeigt,  Chon- 
drite  genannt  hat.  Die  ganz  neuerlich  bei  Pultusk  zu  Tau- 
■»enden  gefallenen  Steine  geboren  dieser  Orappe  an. 

c)  Das  Eisen  ist  mitunter  so  sparsam  und  in  so  feinen 
Körnern  vorhanden,  dass  es  übersehen  werden  kann.  Der 
Name  Krjptosideren  bezeichnet  diese  Beschaffenheit. 

Hier  ist  vorzuglich  die   Gruppe  der  thonerdereichen 


418 

Meteoriten  am  erwähneo,  woza  die  aa  JovenaB  (Ard^che)  nn 
zü  Stannern  gefallenen  Steine  geboren. 

Eine  zweite  Gruppe  der  Kryptosideren ,  welche  vorzöge 
weise  auB  Magnesia-Silicaten  besteht,  wird  durch  den  i 
Chassigny  in  der  Haute  Marne  am  3.  October  1815  gefallene] 
Meteoriten  vertreten.  Das  bei  den  vorhorgebenden  Gruppen  al 
vorbanden  angegebene  Magnesia*SUical  bildet  hier  fast  die  ganz 
Masse.  Es  i6t  identisch  mit  den\jenigen,  welches  man  auf  de 
Erde  findet  und  enthält  eingesprengte  Körnchen  von  Chrom 
eisen  stein« 

3.  Die .  Meteoriten,  bei  welchen  man  das  Eisen  im  me 
tallischen  Zustande  eingesprengt  nicht  hat  erkennen  können 
sind  sehr  selten.  Je  mehr  die  Meteoriten  mit  Sorgfalt  aof  dh 
Anwesenheit  metallischen  Eisens  nntersucht  werden,  desto  ge- 
ringer wird  die  Zahl  der  Stucke »  welche  dasselbe  nicht  ent- 
halten. Diese  letzte  Gruppe  beschränkt  sich  heute  fast  aas* 
schliesslich  auf  die  kohligen  Meteoriten.     (Asid^res.) 

II.     Künstliche   Zusammensetzung  der    Meteoriten^ 

Es  schien  mir  der  Zeitpunkt  gekommen,  durch  synthei 
thiscbe  Versuche  die  zahlreichen  Aufschlüsse  zu  erganzen, 
welche  die  Analyse  bezuglich  der  Zusammensetzung  der  Me- 
tcoriten  geliefert  hat.  Es  war  in  der  That  die  Hoffnung  ge- 
stattet, der  synthetische  Versuch  werde  bei  diesem  Stadiom 
nicht  mindere  Dienste  leisten,  als  bei  demjenigen  der  Mine^ 
ralien  und  Gebirgsarten  der  Erde. 

Eisen.  Schmelzung  und  Nachbildung.  Die 
Schmelzung  der  Eisenmeteoriten  von  Caille*  (See  -  Alpen)  und 
von  Charcas  (Mexico)  in  einem  mit  Thon  gefuttertetti  TiegeJ 
und  unter  Ausschluss  der  BerShrung  mit  dem  Kohlenstoff^ 
welcher  allenfalls  in  letzterem  enthalten  sein  mochte,  hat  nur 
eine  Masse  geliefert,  welche  nicht  mehr  die  charakteristische 
Structur  des  natürlichen  Eisens  zeigt* 

Umgekehrt  dagegen  gelingt  os,  in  nicht  meteoriscl^n 
Eisen  kunstlich  eine  Structur  zu  erzeugen,  welche  eine  gewisse 
Analogie  mit  den  WiDMAHTNSTlTTBu'scben  Figuren  zeigt. 

So  hat  man  weichem  Eisen  nach  einander  und  gleicbzeiügi 
Nickel,  Einfachschwefeleisen,  Silicinm  und  Phosphoreiseo  (Q- 
gesetzt.  Dieser  letztere  Korper  bat  bei  einem  Znsatz,  der  tos 
2  bis  5  pCt.  gesteigert  worden  ist,  dendritische  ZeichnQBg«^ 


419 

berrorgenifeu,  welche  eine  sehr  merkwnrdlga  Begelnaässigkeit 
zeigen  und  nach  den  Formen  des  Rbombendodekaedera  ange- 
ordnet za  Bein  scheinen.  Der  glänzende  Korper  ist  ausge- 
fcltiedeo  und  erscheint  netzförmig  wie  in  die  Zwischenräume 
zuräckgedrangt. 

Steine.  Einfache  Schmelzung.  Da  die  Meteor- 
iteine stets  von  einer  schwarzen,  glasigen  Kruste  umhüllt  zu 
ucs  gelangen,  weiche  die  Folge  einer  bei  dem  Durchgang 
durch  die  Atmosphäre  stattfindenden  oberflächlichen  Schmelzung 
29t,  so  konnte  man  annehmen,  dass  man  bei  ihrer  Schmelzung 
im  Tiegel  nichts  Anderes  als  eben  dieselbe  glasige  Masse  er- 
Laiteo  würde.  Nun  hat  die  Erfahrung  uns  gelehrt,  dass  di« 
^ache  sich  ganz  anders  verhält,  und  dass  die^e  Korper  im 
(iegeotheil  eine  sehr  ausgesprochene  Neigung  zur  Krystallisa- 
lion  besitzen.  So  habe  ich  bei  der  Schmelzung  von  Meteoriten 
^gn  mehr  als  30  verschiedenen  Fällen  stets  Massen  von  eminent 
kn'stallinischer  BeschafiTenheit  erhalten. 

Wenn  man  Meteoriten  vom  gewohnlichen  Typus  einer 
Unreicheod  hohen  Temperatur  aussetzt,  so  ist  die  Masse  nach 
•kr  Schmelzung  zusammengesetzt  aus  metallischen  Kornern,  ein- 
{^cspreogt  in  einer  silicatischen  Gangart  von  steinigem  Ansehen. 

Dieser  steinige  Theil  selbst  setzt  sich  im  Allgemeinen  aus 
^  kiyitallinischen  Substanzen  zusammen ,  welche  durch  ihre 
Fjrm  deutlich  verschieden  sind. 

Die    eine     zeigt     sehr    niedrige    rektanguläre     OktaSdor, 

welche  die  Form  und  Stellung  besitzen,  die  den  Peridot  charak- 

t^risiren/  besonders    denjenigen,    welcher    sich    in    Schlacken 

'^(^et.     Dieselbe   Substanz    hat    sich    in    den    Producten  der 

^(^hmelzong  noch  in  2  anderen  Formen  gezeigt.*) 

Die  zweite  Substanz  zeigt  gewohnlich  Prismen  von  recht- 
winkligem Querschnitt,  häufig  parallel  angeordnet  und  mit 
^iQem  fasrig-blättrigen  Bruch,  welcher  sehr  an  den  des  Bron- 
^ita  erinnert.      Ihre    Undurchsichtigkeit    gestattet    gewohnlich 

*)  Nach  der  Untersuchung,  welche  Herr  des  Cloiscaux  auszuführen 
'16  Gefälligkeit  gehabt  hat,  ist  eine  dieser  Formen  die  sechsseitiger 
täfeln,  lasammengesetst  aus  der  Basis  P,  dem  Prisma  g*  und  der  Ab- 
-tumpfoag  ^<;  die  ander«  ist  sneammengesetst  aus  der  Basis  P  und 
-  Zucharfungen,  die  eine  auf  die  stumpfen  Kanten  des  Haupt-Prismas 
'^Q  119*  13'  aufgesetzt  und  in  ihren  Winkeln  der  Form  a  angehörend, 
«^i«  andere  auf  die  scharfen  Kanten  aufgesetzt. 


120 

nicht  za  entscheiden,  ob  sie  dem  rhombischen  oder  dem  klino 
rhombischen  System  angeboren.  Da  sie  indessen  meist  fn 
von  Eisen  sind  nnd  fast  nar  noch  Magnesia  enthalten,  so  mos 
man  sie  als  nicht  zum  Pyroxen,  sondern  zar  Speciea  Enstati 
gehörig  betrachten.  Ueberdies  beobachtet  man  an  dem  Pro 
doct  der  Schmelzung  des  neuerlich  zu  Tadjera  in  Algier  ge 
fallenen  Meteoriten  zahlreiche  farblose  Nadeln,  welche  nnte 
dem  Mikroskop  recht  scharf  ausgebildete  Winkel  von  nabez 
87  Qrad  zeigen,  entsprechend  den  Spaltungsfiächen  des  Ea 
statits.*) 

Die  chemische  Untersuchung  dieser  beiden  Substanzen  be 
statigt  die  Bestimmung,  zu  welcher  die  kiystallographisch 
Beobachtung  fuhrt« 

Man  weiss,  dass  die  Analyse  der  meisten  Meteoriten  dei 
gewohnlichen  Typus  das  Vorhandensein  von  mindestens  2  Si- 
licaten in  denselben  nachweist,  wovon  das  eine  durch  Saurer 
angegriffen  wird,  das  andere  nicht. 

Bei  den  eben  besprochenen  Versuchen  findet  eine   Scbei 

düng  dieser  beiden  Silicate  statt,  welche  ursprunglich    sieb  in 

einem  so  innigen  Gemisch  befanden,  dass  man  sie  nicht  unter 

scheiden  konnte.     Sie  trennen  sich  durch  eine  Art  von  Seige 

rung  (liquation)  und  zwar  viel  schärfer  als  in  dem  naturlicheo 

Meteoriten;    so  dass    man   die  Magnesia-Silicate,  den  Peridol 

•      •■  •     •• 

(Mg*  Si)  unddenEnstatit  (Mg  Si),  unter  verschiedenen  Formeq 

hervortreten  sieht. 

Das   Antheilsverhältniss    des    Peridots   und  des   Bnstatit^ 

in  dem  Schmelzungsproduct   wechselt  bedeutend  bei   verschieß 

denen     Meteoriten.      Im    Allgemeinen    herrscht    der    Enstatit 

vor,  und  in  einigen  Fällen  ist  der  Peridot  überhaupt    nicht  in 

deutlichen  Krystallen  zum  Vorschein  gekommen.    (Chantonnay, 

Ensisheim,  Agen,  Ch4teau-Renard  und  Vouill^.)     Andererseits 

kann  der  Peridot  in  vorwiegender  Menge  sich  zeigen,   wie  bei 

dem  Meteoriten  von  New  Concord.    Die  Reduction  des  Eisens, 

welches  sich  im  Zustande  des   Silicats   befand,   scheint  keine 

andere  Wirkung  gehabt  zu  haben  als  die,  das  Verbältniss  des 

Enstatits   auf  Kosten  desjenigen  des  Peridots  zu    vermehren, 

ohne  andere  Veränderungen  in  der  Beschaffenheit  der  Oemeog* 

theile  zu  veranlassen. 


*)  Comptes  rendns.  1868.  t.  LXVI.  p.  517. 


421 

Die  gegenseitige  Lage  dieser  beiden  Körper  in  der  durch 
die  Schmelsaag  erhaltenen  Masse  ist  bemerkenswerth.  Der 
Peridot  bildet,  wenn  er  yorbanden,  im  Allgemeinen  ein  dSnnes 
OBd  krystallisirtes  Hautchen  anf  der  Oberfläche,  während 
du  Innere  ans  langen  durchgehenden  Enstatitkry stallen  besteht; 
die  beiden  Korper  haben  sich  so  ihren  Schmelzbarkeitsgraden 
enUprecheod  gmppirt.  Sehr  häufig  erstrecken  sich  die  Enstatit- 
Nadelo  auch  auf  die  Oberfläche  der  Masse  in  einer  Anordnung, 
weiche  ganz  und  gar  an  diejenige  des  strahligen  Glimmers  er- 
iooert,  den  gewisse  Pegmatite  der  Pyrenäen  und  des  Limousin 
eothalteo.  —  Diese  dendritische  Ausbildung  des  Enstatits  hat 
eiae  sehr  ausgesprochene  Neigung  zur  Anordnung  unter  einem 
coostanten  Winkel. 

Man  bemerkt  auch  bei  diesen  beiden  Magnesia- Silicaten 
eioe  auffallende  Neigung  zu  regelmässiger  Verwachsung,  ähn- 
lich derjenigen,  welche  man  bei  Staurolith  und  Disthen  beob- 
tcbtet,  und  manche  Krystalle  von  der  Form  des  Peridots  dienen 
gewissermaassen  nur  zahlreichen  Enstatitnadeln  als  Vereini- 
g^Dgsponkt,  so  an  die  Structur  mancher  Pseudomorphosen  er- 
innernd. 

Diese  durch  das  unbewaffnete  Auge  wohl  erkennbaren 
Gemenge  gehen  in  andere,  nicht  mehr  erkennbare,  anscheinend 
bomogeoe  über,  bei  welchen,  wie  bei  gewissen  natürlichen 
Meteoriten,  es  sich  nur  durch  die  Scheidung  bei  Gegenwart 
von  .Sauren  verräth,  dass  sie  zusammengesetzt  sind. 

Man  wird  bemerken,  dass  die  Meteoriten  noch  gewisse 
Bestandtbeile  enthalten,  wie  z.  B.  Thonerdesilicat,  welche 
Qicht  wesentlich  zur  Zusammensetzung  weder  des  Peridots  noch 
des  Bnstatits  geboren,  welche  aber  in  den  Krystallen  dieser 
beiden  Mineralspecies  versteckt  sind,  ohne  Zweifel  in  Folge 
derjenigen  Affinität,  welche  Herr  CHBYBEüUi  die  capillare  ge« 
oannt  hat. 

Der  Meteorit  von  Chassigny  giebt  eine  gut  krystal- 
iisirte  Peridotmasse. 

Der  Meteorit  von  Bishopville  liefert Enstatitsäulen 
voq  vollkommener  Weisse,  nur  hier  und  da  von  einigen  Peri- 
(iotlamellen  bedeckt. 

Nach  diesem  Verhalten  stehen  diese  beiden  Meteoriten, 
welche  man  als  getrennte  Species  unterschieden  hat,  dem  ge- 
wöhnlichen lypus  sehr  nahe;  sie  bilden  nur  gewissermaassen 


492 

die  beiden  Endglieder  der  Reihe  desselben;   der  eine  das  ba 
sisohste,  der  andere  das  sauerste  bei  geringem  Eisengehalt. 

•  Die  kohlehaltigen  Meteoriten  von  Alais  oa< 
Orgueil  liefern  ganz  übereinstimmende  Massen  von  oHtcd 
grüner  Farbe,  sehr  fasriger  8tructar  ond  grosser  Aehnlichkei 
mit  Bronzit.  Daraus  geht  hervor,  dass  sie,  abgesehen  von  de 
kohligen  Substanz,  sich  sehr  den  gewohnlichen  Meteoritei 
nähern. 

Derjenige  gleicher  Beschaffenheit  von  Cold  Bokkeweld  aol 
dem  Cap  der  guten  Hoffnung,  wovon  w^r  ein  grosses  Stüclj 
der  freigebigen  Gefälligkeit  des  Sir  John  Hbbscpel  verdanken 
liefert  wie  die  Meteori^n  des  gewohnlichen  Typus  eine  asch< 
graue  Masse,  in  welcher  Enstatit-Nadeln  zu  erkennen  sind. 

Die  thoner  dehal  tigen  Meteoriten,  von  welches 
die  von  Juvenas,  Jonzac  und  Stannern  die  bekanntesten  Bei 
spiele  sind,  geben  ein  Product,  das  von  dengenigen  aller  dei 
eben  besprochenen  magnesiahaltigen  Meteoriten  gänzlich  ver 
schieden  ist,  nämlich  eine  glasige  Masse,  manchmal  gebänder 
durch  beginnende  Entglasung,  aber  ganz  ohne  Krystalle  701 
Peridot  oder  Enstatit. 

Bei  diesen  Versuchen  ist  auch  die  Gegenwart  eines  Kor 
pers  constatirt  worden,  welcher  bisher  in  den  magnesiabal 
tigen  Meteoriten  nicht  wahrgenommen  worden  war,  des  Titaos 
nämlich,  erkennbar  durch  seine  charakteristische  Farbe  ttD<i 
durch  seine  Unveräuderlichkeit  bei  Berührung  mit  Säurec 
(carbo  -  azoture),  welches  so  in  den  geschmolzenen  Meteoriten 
von  Montrejeau  und  Aumale  gefunden  worden  ist.  *) 

Was  den  von  den  zahlreichen  steinigen  Meteoriten,  deren 
Schmelzung  ich  bewerkstelligt  habe,  erhaltenen  Regulns  vo 
Metallkörnern  betrifft,  so  enthält  dieser  nicht  nur  das  metallisch 
Eisen,  welches  sich  ursprünglich  darin  vorfand,  sondern  auch 
durch  Reduction  ans  den  Silicaten  ausgeschiedenes  Eisen. 
Dieses  Metall  hatte  nothwendiger  Weise  Kohle  aus  dem  Tiegel, 
vielleicht  auch  Silicium  aus  den  Silicaten  aufgenommen. 

Es  verdient  erwähnt  zu  werden,  dass  darin  zuweilen  nach 


*)  Dasselbe  Metall,  welches  von  Herrn  RAaMBLssKRc  in  den  Piroxen 
Meteoriten  von  Juvenas  erwühnt  ist,  hat  sich   auch   bei   den   dnrcli  die 
Sehmsliang  dieser   Meteoriten   erhaltenen   Eieenkfigelchen  sehr  deatlicb 
gsseigt, 


423 

der  Politur  und  der  BiawirkoDg  •  vod  Säoreo'  eiu  stark  glin« 
zeoder  Körper  unterschieden  worden  ist,  welcher  aof  dem 
mattea  Grande  sich  lebhaft  abhebt  und  ein  dendritisches  Oe- 
fige  leigt,  das  ganz  an  die  sogenannte  gestrickte  Stractor  des 
gediegenen  Wismoths  erinnert.  (Beispiel:  Eisen  des  polysi- 
deren  Meteoriten  der  Sierra  de  Cbaco.) 

Nacbahmang  de*r  Meteoriten  des  gewohnliehen 
TypDS  darch  Rednction  von  Silicaten.  Die  Schmel- 
raog  der  Meteoriten  des  gewöhnlichen  Typas  giebt,  wie  wir 
eko  gesehen  haben,  swei  Haupt-Mineralien,  den  Peridot  und 
den  Eostatit.  Znnächst  oaassten  deshalb  diejenigen  Gesteine 
unserer  Erde,  far  welche  die  Anwesenheit  dieser  Mineralien 
ehankteristisch  ist,  sa  den  Versuchen  dienen. 

Sie  sind  in  irdenen  Tiegeln  ohne  Redoctionsmittel  ge* 
schmollen  worden. 

Dorch  einfache  Schmelzung  im  irdenen  Tiegel  verwandelt 
sieh  der  Peridot  in  eine  grüne,  durchscheinende  Masse,  welche 
^oD  Peridotkryslallen  bedeckt  und  im  Inneren  gans  und  gar 
krrsullmisch  ist,  wie  sich  aus  ihrem  Verhalten  zum  polari- 
sirteo  Lichte  ergiebt.  Ihr  Gefnge  ist  zuweilen  blättrig,  wie 
dasjenige  des  in  Schlacken  vorkommenden  Peridots.*)  Der 
geschmolzene  Peridot  unterscheidet  sich  demnach  hinsichtlich 
seines  Gefuges  wesentlich  von  dem  körnigen  und  wenig  Zn- 
sammeohalt  besitzenden,  welchen  die  basaltischen  Gesteine  ge- 
iföhDÜcb  einschliessen.**) 

Der  Lherzolith ,  ein  Gemenge  von  Peridot,  Enstatit  und 
^jroxeD,  ist  noch  leichter  schmelzbar  als  der  Peridot  und  giebt 
eioe  Masse,  welche  dem  natürlichen  Gestein  zum  Verwechseln 
ahalich  sieht,  mit  dem  Unterschiede  jedoch,  dass  man  an  der 


*)  Der  Peridot,  mit  welchem  die  meisten  der  hier  angeführten  Ver- 
'Bebe  angettellt  worden  sind,  kommt  ans  dem  Basalt  der  Qegend  von 
Lwgeac  (Haote-Loire),  wo  er  reichlich  vorhanden  ist.  Ein  Peridot  die- 
Ks  ittadpniiktei  ist  durch  BeaTtiiEit  analysirt  worden,  welcher  darin  16  pCt. 
HMenoxydnl  gefnnden  bat.   (Ann.  d.  mine«,  \^*  a^rie,  t.  XX,  p.  269.) 

**)  Der  Baaalt  scheint,  wenigstens  in  der  Regel,  nicht  eine  hin- 
i^eichend  hohe  Temperatur  besessen  su  haben ,  um  die  eingeschlossenen 
grcMen  Stücke  Peridot  zu  schmelzen.  Vielleicht  hat  er  indessen  doch 
tiDen  Tbeil  desselben  auflosen  und  so  die  Bildung  der  scharfen  aber 
Ueinea  ErjBtalle  yeranlaesen  können ,  welche  coweilen  in  ihm  zerstreut 
Bch  Torfiaden. 


424 

Oberflaobe  and  im  Inneren  Enstatit •  Nadeln  bemerkt,  welche 
man  vor  der  Schmelcang  nicht  unterscheiden  konnte  (Lherzo- 
lith  von  Vicdesaos  nnd  Prades  in  den  Pjrrenaen). 

Darck  Hinsnfogang  einer  gewissen  Menge  Kieselsäure 
kann  man  das  Antheilsverhältniss  des  Bisilicats  oder  Enstatits 
beliebig  vermehren  nnd  die  Mischangen  ersengen,  welche  den 
Uebergang  vom  Peridot  20m  Lhersolith  bilden.  Dasselbe  Bisi- 
Heat  bildet  sich  auch  längs  den  Wänden  des  Tiegels ,  indem 
diesen  Kieselsänre  entnommen  wird. 

Ich  will  hier  bemerken,  dass  ans  dem  Peridot  durch  Hin- 
sufagong  von  15  pCu  Kieselsänre,  der  cur  Umwandlung  in 
Enstatit  erforderlichen  Menge,  nnd  demnächstige  Schmelznng 
mitten  in  der  Kohle  eine  Masse  erhalten  worden  ist,  welche 
an  der  Oberfläche  über  nnd  aber  von  flachen  rectangnlareo 
Oktaedern  von  der  dem  Peridot  angehorigen  Form  bedeckt  ist, 
während  das  Innere  ans  einer  faserigen,  durch  Säoren  unan- 
greifbaren Masse  mit  den  Charakteren  des  Ensiatits  besteht. 
Eine  gleiche  Erscheinung  tritt  bei  der  Schmelzung  gewisser 
Meteoriten  ein. 

Die  Mineralien,  welche  zuerst,  wie  wir  eben  sahen,  einer 
einfachen  Schmelcnng  unterzogen  wurden ,  sind  demnächst 
demselben  Verfahren  unter  Einwirkung  von  Reductionsmitteln 
unterworfen  worden.  Hierzu  ist  zunächst  ein  mit  gepulverter  Kohle 
gefutterter  Tiegel  gewählt  worden.  Man  gelangt  hierbei  zu  dem- 
selben Resultate  wie  vorher,  mit  dem  Unterschiede,  dass  das 
in  dem  Silicat  enthalten  gewesene  Eisen  sich  zu  Metali  reda- 
drt.  Es  scheidet  sich  in  einem  Regulns  und  in  Körnern  ans 
oder  bleibt  in  mikroskopischen,  durch  den  Magnetstab  ans- 
ziefabaren  Körnchen  in  dem  nicht  zersetzten  Silicat  vertbeilt 
Qleichzeitig  tragt  die  diesem  Eisen  entsprechende  Menge  Kie- 
selsäure dazu  bei,  das  Verbältniss  des  Bisilicats  zu  ver- 
grossem. 

Nicht  alles  Eisen  jedoch  wird  in  den  metallischen  Zustand 
nbergefnhrt;  ein  Theil  bleibt  in  Verbindung  mit  dem  Silicat, 
und  es  verdient  besonders  hervorgehoben  zu  werden,  dass  die 
grüne  Färbung,  welche  für  den  Peridot  oder  Olivin  so  cha- 
rakteristisch ist,  einer  allgemeinen  grauen  Farbe  Platz  macht, 
welche  deijenigen  der  Meteoriten  des  gewohnlichen  Typus  ent- 
spricht. 


425 

Dieses  Prodact  der  Reduelion  and  Sduneknog  peiidotir 
scher  Oesteine  gleicht  demnach  aehr  demjenigen  der  ebenso 
behandelten  Meteoriten.  Die  Analogie  beatebt  in  auffailender 
Weise  fir  den  steinigen  Bestandtbeil ;  sie  besteht  aber  anch  fir 
deo  metaliischen.  In  der  That  enthält  das  metallische  Eisen, 
veJches  durch  die  Rednction  des  Peridots  von  Langeac  er- 
zeagl  ist,  0,6  pCt.  oder  O9OO6  Nickel.  Dasjenige,  welches 
der  Lheraolith  von  Lherz  geliefert  hat,  enthalt  ebenfalls  Nickel 
nad  ausserdem  Phosphoreisen» 

Ich  habe  neuerdings  noch  schärfere  und  charakteristischere 
Resaltate  bei  der  Behandlung  von  grosseren  Mengen  von  Pe- 
ridot  and  Lherzolith  bis  sa  12  Kilogrammes  erhalten. 

Solche  Mengen  haben  verhaltnissnsässig  grosse  Stacke 
Eisen  ergeben,  welche  man  dem  WiDMAHfiTiiTTEii'sohen  Versach 
QDterwerfen  kooate.  £s  wurde  dabei  eine  vollkommeia  scharfe 
Scheidung  und  dos  Sichtbarwerden  einer  regelmassigen  Zeich- 
DQng  erlangt,  welche  von  der  unangreifbaren  Substans  darge- 
stellt wird. 

Man  konnte  ausserdem  eine  bei  den  kleineren  Körnchen 
unbemerkt  gebliebene  Thatsai^he  beobachten,  deren  Wichtigkeit 
Keinem  en^^eo  wird,  der  Gelegenheit  gehabt  hat,  die  äussere 
Oberfläche  meteorischer  Eisonmassen  zu  untersuchen.  leh 
meine  jene  eckigen  Formen,  wie  sie  anter  anderen  die 
Meteoreisen  yon  Charcas*)  und  von  San  Francisco  del  Mes- 
qoiuü**),  and  weiter  jene  räthselhaftea  Höhlungen,  welche 
Qflter  anderen  die  erste  jener  Meteormassen  und  noch  deut- 
licher die  von  Juncal  seigt*^*)  Einzelne,  jener  Eisenstucke 
Qon  feigen  jene  eckigen  Formen,  und  ihre  kunstliche  Ober- 
fläche tragt  überdies  hier  und.  da  Eindrucke ,  Erscheinungen, 
welche  den  eben  erwähnten  ganz  analog  sind.  Die  Bindrucke 
und  offenbar  b^  der  Abkählung  entstanden,  durch  eine  Art 
Ton  Abformung  der  steinigen  BubstanJE  in  dem  Eisen ,  welche 
^^igigi  wo  nidüt  fest  geworden  war,  als  das  Eisen  noch  seinen 
Zostand  der  Flüssigkeit  besass. 

Diesem  Resultat  gegenüber  mochte  man  auf  die  Hypothese 
zorückkommen,  welche  beEoglich  der  breecienformigen  Structur 


*)  Gomptes  rendns,  t.  LXIV,  s^ance  da  35  marB  1867. 
••)  IbU.  t.  lÄVl  p.  B73,  1868. 
•^  Ibid.  t.  LXVI  p.  701,  1868. 


426 

des  Biseni  Tim  ToaU  und  der  so  eckigen  Ponn«n  d«r  M< 
teoriten  von  GbarcaB  and  San  Francisco  del  Mesqnital  ausgi 
sprochen  worden  ist*),  nach  velcher  die  MeteoreiseDinatse 
in  Mitten  von  Silicatmassen  entstanden  wären,  swischeti  wei 
eben  sie  iu  flüssigem  Zustande  sicli  geformt,  und  von  welche 
sie  später  sieb  abgelöst  hatten. 

Die  Metenriten  sind  vorliin  in  den  allgemeinen  Züge 
ihrer  ZuBammeusetiung  künstlich  erzeugt  worden;  wir  werde 
sehen,  das*  es  sogar  gelangen  ist,  manche  innere  Eigentbün 
lichkeiten  ihrer  Struotur  nacheubitden. 

Wenn  man  ein  dünnea  Blättchen  Peridot  oder  Lbersolil 
nach  der  Scfameltang  anter  dem  Mikroskop  betrachtet,  bo  fin 
det  man,  wie  bei  den  meisten  Meteoriten  des  gewöbnticbe 
lypne,  jene  bekannten  Reiheo  paralleler  gerader  Linien,  sho 
lieh  dem  Zab&meisBctfaieb  und  auffallend  durch  ihre  Regel 
mäsaigkeit,  mitten  awiechen  Riteangen  von  unregelmäasigc 
Gestalt.  Diese  Linien  sind  die  Folge  des  Vorhau  den  sei  na  vo 
Spaltunge ebenen.  Ueberdies  erinnern  feine  Enstntitnadeln,  pi 
raUet  und  in  ziemlich  gleichen  Abstanden,  auch  wohl  in  Bön 
dein  auftretend,  an  EigeothÜmlichkeiteu  durTextor,  welche  bi 
der  mikroskopischen  Untersuchung  vieler  Metaorilen  beobachtt 
werden,**) 

Die  kagelige  Structur  ist  bei  den  Meteoriten  des  gewöfan 
liehen  T7puB  so  bädflg,  daaa  sie  für  diese  ganze  Gruppe  de 


427 

Stnekea  hat  ergeben,  dass  sie  mehr  Kieselianre  enthalten,  als 
dem  Bisilicat  entspricht. 

Endlich  lassen  sich  die  ReibuQgsflächen  mit  einem  Ueber- 
iDg  von  graphitiscbera  Ansehen,  welche  manche  Meteoriten  im 
Innern  zeigen  (u.  a.  derjenige  von  Alexnndria  vom  2.  Februar 
1860),  sehr  gut  bei  geschmolzenen  Silicaten  nachahmen,  welche 
reducirtes  Eisen  in  sehr  feinen  K6r»chen  enthalten,  wenn  man 
iwei  Stacke  davon  an  einander  reibt. 

Bei  einer  anderen  Reihe  von  Versuchen  ist  als  Reduc- 
tionsmittel  nicht  Kohle,  sondern  Wasserstoff  angewendet  wor- 
den, und  die  Resultate  waren  übereinstimmend;  so  geben  Lher- 
lolifh  und  Pyroxen  unter  der  Einwirkung  eines  Wasserstoif- 
Btromes  das  Eisen,  welches  in  ihnen  als  Oxydulsilicat  ent- 
halten ist,  in  metallischem  Zustande  ab.  Die  Reduction  kann 
bei  einer  Temperatur  stattfinden,  welche  die  Rothgluth  nicht 
nbersteigt.  Unter  denselben  Bedingungen  werden  die  Phos- 
phate, sowohl  für  sich  als  bei  Anwesenheit  von  Silicaten  zu 
Phosphorverbindnngen  redncirt,  so  dass  das  Endproduct  der  Ein- 
wirkung des  Wasserstoffs  eine  grosse  chemische  Aehnlichkeit 
mit  den  Meteoriten  zeigt. 

Nachahmung  der  Meteoriten  des  gewohnlichen 
Typus  durch  theilweise  Oxydation  der  Silicium- 
verbindungen.  Eine  der  obigen  entgegengesetzte  Methode  hat 
ebenfalls  die  Nachbildung  der  Meteoriten  erlaubt.  Sie  besteht 
darin,  die  in  den  Meteoriten  des  gewöhnlichen  Typus  vorherr- 
schenden Körper,  mit  Ausnahme  des  Sauerstoffs,  also  das  Eisen, 
das  Silicinm  und  das  Magnesium,  in  einer  unvollkommen  oxy- 
direnden  Atmosphäre  zu  erhitzen  und  nicht  bloss  die  Oxydation, 
sondern  auch  die  Schmelzung,  d.  h.  die  Verschlackung  der- 
selben zu  bewirken. 

Wenn  man  Silicium-Eisen,  in  einem  mit  Magnesia  gefut- 
terten Tiegel  der  hohen  Temperatur  des  Gaslöthrohrs  aussetzt, 
so  erhält  man  eine  vollkommene  Nachbildung  der  Meteoriten  des 
gewöhnlichen  Typus  in  den  wesentlichsten  Merkmalen.  Das 
Eisen  scheidet  sich  theils  in  metallischem  Zustand,  theils  als 
Oxydulsilicat  aus,  und  es  bildet  sich  Peridot,  zum  Theil  in 
bystallisirtem  Zustande.  Dieser  Peridot  zeigt  verschiedene 
Piirbüngen,  unter  anderen  die  olivengrune,  welche  seine  ge* 
wohnliche  in  der  Natur  ist. 


428 

Du  eben  angegebene  Reenltat,  za  welchem  man  nnr  nacb 
xiemlicb  schwierigen  Versuchen  gelangt,  zeigt  naheliegende 
Analogieen  mit  denjenigen,  welche  gewisse  metallurgiscbe  Pro- 
cesse  ergeben. 

Eb  iet  bekannt,  dass  bei  der  Umwandlung  des  Roheisens 
in  Schmiedeeisen  durch  den  FrischprocesB  der  SanerstolT  der 
Luft  nicht  nur  den  KohleiiBtofT  verbrennt,  sondern  auch  das 
in  dem  Eisen  enthaltene  Silicium  und  einen  Theil  des  Eisens 
selbst.  Die  schwarze  Schlacke ,  deren  Bildung  mnn  hierbei 
beobachtet,  besteht,  wie  MiTBCiiRnLiOH  und  Haosuakr  festge- 
stellt haben,  aus  Eisen-Peridot  tou  gleicher  chemischer  Formel 
und  gleicher  K  ry  stall  form ,  wie  der  Magnesia -Peridot;  man 
hat  ihr  den  Namen  Fayalit  gegeben.  Anch  eisenreicher  Piroxen 
kann  eich  bilden,  wenn  Kieselsäure  in  Ueberschuss  vorhan- 
den ist. 

Wenn  man  bei  dem  Versuche,  anstatt  einfach  Silicinmeiseo 
in  die  Magnesia  zu  bringen,  nickelhaltiges  Eisen,  Phosphoreises 
und  Ein  fach  Schwefel  eisen  anwendet,  so  gelingt  es,  die  Meteo- 
riten in  ihren  wichtigsten  Eigenthüralithlceiten  noch  vollstän- 
diger nachzubilden.  Ebenso  wie  bei  den  Meteoriten  enthalt 
alsdann  der  metallische  Theil,  Regulus  und  Körner,  alles 
Nickel,  während  der  Peridot  keine  wahrnehmbare  Spur  des- 
selben mehr  enthält.  Ausserdem  sieht  man  in  dem  künst' 
lieben  Prodnct  die  bei  den  Meteoriten  erwähnten  Phoapho» 
Verbindungen  des  Eisens  und  Nickels  mit  Magnesium  erscbeineo. 

Künstliche     Nachbildung     der    kugtigen     odsi 


429 

Bei  der  üotersnchoDg  der  sich  von  demselben  ablösenden 
Snbstani  erkennt  man  mit  blossem  Auge  und  noch  besser  mit 
der  Lape,  dass  sie  ans  zahllosen  kleinen  Kugelchen  besteht, 
tbeüs  von  spharoidaler  Form,  theils  in  verschiedenen  anderen 
Gestalten,  stets  jedoch  gerundet.  ^  Diese  Kugelchen  haben  einen 
Darchmesser  von  weniger  als  j  Millimeter.  £s  sind  sogar 
viele  darunter,  deren  Durchmesser  höchstens  0,20  bis  0,10  mm. 
beträgt  Ändere  endlich  sind  noch  kleiner.  Auch  die  zartesten 
TheiJe  erscheinen  unter  dem  Mikroskop  zum  grossten  Theil, 
Vena  nicht  ganz  and  gar,  knglig. 

Wenn  man  nan  Peridot  nach  vorgängiger  Mengung  mit 
Kohle,  um  ihn  hinreichend  zu  zertheilen ,  der  Einschmelzung 
uüterwirft,  so  zertheilt  sich  bei  der  Abkühlung  die  Silicat- Masse 
in  kleine  Kngelchen,  die  einen  spharoidal,  die  anderen  in  ab- 
veichenden  Gestalten,  welche  mit  denjenigen  des  Meteoriten 
TOD  Omans  vollständig  übereinstimmen. 

Die  Aehnlichkeit  ist  noch  genauer,  als  der  erste  Anblick 
» zeigt;  denn  die  so  erhaltenen  Kugelchen  bestehen  nicht  aus- 
äcbliesslich  ans  Peridot,  sondern  sind  innig  gemengt  mit  fein 
zertheiltem  metallischen  Bisen,  welches  offenbar  aus  der  theil- 
veisen  Reduction  des  ursprunglichen  Silicats  entstanden  ist, 
das  bekanntlich  Magnesia  und  Eisenoxydul  als  Basen  enthält. 

Aoiserdem  entsteht,  wie  auch  bei  den  früheren  Versuchen 
angefahrt  ist,  in  Folge  dieser  theil  weisen  Reduction  des  Sin- 
golosilicats  {Peridot)  ein  Bisilicat  (Enstatit  oder  Pyroxen),  wie 
^  aach  der  Meteorit  enthält,  mit  welchem  wir  uns  beschäf- 
tigen. 

Endlich  verhalten  sich  diese  kunstlichen  Kugelchen  bei 
<^er  Untersuchung  sehr  dünner  Plättchen  im  polarisirten  Lichte 
genaa  eo  wie  die  Kugelchen  der  Meteoriten  von  Omans. 

Man  sieht,  dass  sie  sich  überhaupt  von  letzteren  nur  durch 
<iinen  dorchschnittlich  grosseren  Durchmesser  unterscheiden. 

Es  genügt,. dem  Peridot  j  seines  Gewichtes  an  Kohle  zu- 
ziisetxen,  um  eine  ganz  scharfe  Granulation  zu  erlangen. 
Aoch  andere  Substanzen  als  Kohle  können ,  wenn  man  sie 
d^r  Silicatmasse  im  Augenblick  der  Erstarrung  zusetzt,  zu  dem- 
^«Jben  Resultat  fuhren. 

Es  ist  fibrigens  nicht  nothig,  dass  diese  Substanzen,  welche 
^>6  Vereioignog  der  Masse  zu  einem  Ganzen  verhindern,  fest 
^^^1  sie  können  auch  flüssig  oder  gasformig  sein ;  wie  ja  das 

'«•'-•  ^D.|wKGe..xxn,s.  28 


430 

Ofll  durch  Wasser  in  RDgelchen  tertheilt  wird, 
scfamolien«  Blei  und  das  Quecksilber  durch  9 
Rühren  in  der  Luft.  Dos  Wasser  bietet  hierf" 
tere  Bel&ge,  indem  es  sich  an  den  Waaserf&ll 
kleineu  medicinischea  Apparat,  dem  sog,  ' 
Staub  verwandelt. 

In  dem  Falle  des  Meteoriten  von  Ornai 
stand  der  2erthcitung  des  Eisens  mitten  in  di 
den  Teig  bilden,  an  das,  was  bei  einer  Ver' 
würde,  welche  in  einer  Wasserstoffatmosp' 
Bewegung  wäre,  dadurch  gleichxeitig  graii' 
reducirt  würde  und  so  eine  verwirrte  Ery- 

111.    Schlussfolgerungen  besnglicli 
der  kosmischen  Körper,  von  weh 
ten  herrühren. 

Die  beiden  erwähnten  Verfahren  zu 
leoriten  führen  dazu,  sieb  die  Bedingung« 
unter  welchen  diese  Körper  und  die  ^ 
sie  entstammen,  sich  bilden  konnten, 
treffen  die  chemische  Zu sammensetsui li- 
eben wir  ans  beschäftigen,  sowie  die  ' 
ihre  Bitdung  stattgefunden  bat 

Chemische     Zuaammenset? 
wei  se.     Wir    haben    gesehen,    dass 
Silicatgeeteinen  die  Cbariktere  der  > 
nersten  Eigeathümlichkeiten  der  Strii 
gebildet  werden  können.     Wir  folge 
dass,  wie  bei  den  meisten  unserer 
der  KobleoBtoff  das  Rednctinasmiti 
dies  der  Fall  wäre,  so  müsste  dae 
oder  Rabeisen  verwandelt  sein,  wa 


431 

Uebrigens  wäre  die  Redtiction,  wonn  sie  dtattgefanden 
bat,  aar  eine  iheilweise  gewesen.  Denn  dus  Bisen  ist  im  All- 
gemeinen  nur  zn  einem  Antbeile  reducirt,  tbeils  in  den  metalli- 
schcD  Zustand,  tbeils  2U  Scbwefel-  oder  Pbospborverbindungen; 
ein  anderer  Antheil  dieses  Metalls  findet  sieb  gewobnlich  als 
Oxjdul  in  der  Zusammensetcong  eines  Silicats  und  aucb  wobl 
io  Verbindung  mit  Cbrom  (chromsaores  Eisenoxydul). 

Der  scbone  Versucb,  durch  welcben  Gbahax  die  Gegen* 
wart  fon  Wasserstoff  in  dem  Meteoreisen  von  Lenarto  nacb- 
gpwiesen  hat,  bestätigt  diesen  Gedanken,  welcher  früher  als 
die  Entdeckung  des  ausgezeichneten  englischen  Chemikers  be- 
kannt gemacht  worden  ist.*) 

Diese  Folgerung  steht  auch  im  Einklang  mit  den  Resul- 
CMen  der  Spectral- Analyse,  durch  welche  die  Zusammensetzung 
der  Sterne  neuerlichst  in  so  unerwarteter  Weise  aufgebellt 
worden  ist.  Die  charakteristischen  Linien  des  Wasserstoffs 
sind  in  der  That  in  der  Atmosphäre  des  Hauptkorpers  unseres 
Systems,  der  Sonne,  sowie  in  einer  zahlreichen  Reihe  v6n 
Sternen  erkannt  worden. 

Trotz  dieses  Zusammentreffens  von  Thatsacben,  welche 
aof  eine  Redaction  von  Silicatgesteinen  hinweisen ,  kann  man 
doch  auf  den  Gedanken  einer  theilweisen  Oxydation,  ähnlich 
der,  welche  wir  künstlich  bewirkt  haben,  zurückkommen.  Neh- 
nieo  wir  an,  wie  man'  es  für  unsern  Erdkorper  gethan  bat, 
dass  das  Silicium  und  die  Metalle  der  Meteoriten  nicht  immer 
mit  SauerstofF  verbunden  gewesen  seien^  wie  sie  es  beute 
nieigtens  sind,  und  zwar  vielleicht  deshalb,  weil  die  anfäng- 
liebe Temperatur  dieser  Korper  hoch  genug  war,  um  sie  von 
dem  Zusammentreten  zu  Verbindungen  abzuhalten,  oder  auch 
weil  sie,  von  Anfang  an  entfernt,  einander  nicht  nahe  gekom- 
men waren. 

Wenn,  in  Folge  einer  Abkühlung  oder  einer  anderen  Ur- 
sache, wie  einer  Annäherung  der  Körper,  der  Sauerstoff  zu 
plötilicher  Wirkung  gelangt,  so  wird  er  sich  mit  den  leicfatest 
oxjdirbaren  Elementen  verbinden.  Das  Silicium  und  das 
Magnesium  werden  vor  dem  Eisen  und  dem  Nickel  verbrennen, 
Qod  wenn  das  verbrennende  Gas  nicht  in  hinreichender  Menge 


*)  Comptes  readas,  t.  LXII  t.  19.  Februar  1866. 

28* 


434 

n^iQen  sphärische  Form  ansanehmen,  was  man  ebenfalls  bi 
Uen  Meteoriten  nie  wahrnimmt. 

Ich  habe  versucht«  die  Art  der  Einsprengung  des  metiiDi 
sehen  Eisens  in  den  Silicaten,  wie  sie  die  gewöhnlichen  Mc 
teonten  zeigen,  dadurch  nachsubilden,  dass  ich  ein  innige 
Gemenge  von  reducirtem  Eisen  and  Lheneolith  ^ner  hohe 
Temperatur  aussetzte.  Nach  der  Schmelzung  des  Ganze 
sammelte  sich  das  Elisen  zu  noch  sehr  kleinen  Körnchen 
die  kuglige  Form  derselben  jedoch,  welche  besonders  iiaci 
erfolgtem  Schliff  des  Stückes  leicht  erkennbar  wurde,  ist  seh 
abweichend  von  derjenigen  der  hockrigen  Körner,  welche  ii 
den  Meteoriten  eingesprengt  auftreten. 

Jedenfalls  verdient  es  hervorgehoben  zu  werden,  dss< 
jene  ursprüngliche  Hitze  nicht  mehr  vorhanden  ist,  wenn  di< 
Massen  in  unsere  Atmosphäre  eindringen.  Der  kohleha]tig< 
Meteorit  von  Orgueil  besteht  aus  einer  steinigen  Masse,  welche 
bis  zu  ihren  innersten  Theilen  mit^  Wasser  und  fluchtigen  Sab- 
stanzen  verbunden  oder  innig  gemengt  ist.  Derselbe  ist  ver- 
möge dieser  so  leicht  veränderlichen  Zusammensetzung  ein 
wahres  Maximum  -  Thermometer,  welches  uns  anzeigt,  da«s 
diese  Korper  nur  kalt  sein  konnten,  als  sie  aus  dem  Welt- 
raum zu  uns  gelangten;  denn  in  unserer  Atmosphäre  scheiiieo 
sie  jene  flüchtigen  Bestand theiie  nicht  in  sich  aufgenommen  zu 
haben. 

IV.    Folgerungen  bezüglich   der   Bildung   des  Erd 

korpers. 

Die  Meteoriten  enthalten  keine  anderen  einfachen  Korper 
als  solche,  welche  sich  auf  unserem  Erdkorper  finden.  Zudem 
sind  di^enigen  drei  Körper,  welche  bei  den  Meteoriten  im 
Ganzen  vorherrschen,  das  Eisen,  das  Silicinm  und  der  Sauer 
Stoff,  dieselben,  welche  auf  unserem  Erdkörper  vorherrscbeod 
sind.  Ueberdies  finden  sich  in  denselben  ganz  gewöbolicbe 
Mineralspecies,  und  zwar  in  gleichem  Zusammenvorkommen. 

Eine  genaue  Feststellung  der  Analogieen  sowohl,  wie  nicht 
minder  der  Verschiedenheiten  wird  sich  indessen  am  besteo 
durch  eine  allgemeine  Vergleichung  der  Reihe  der  Meteoriten 
einerseits  mit  den  Gesteinen  unserer  Erde  andererseits  ergeben. 

Es  fällt  zunächst  io  die   Augen,    dass   die    Mehrzahl  der 


436 

die  Erdrinde  bildenden  Gesteine  wesentlich  von  den  Meteoriten 
verschieden  sind.  Der  aaffalligste  Unterschied  ist  der,  dass 
oMn  in  den  Meteoriten  nichts  gefunden  bat,  was  mit  dem  Ma- 
terial unserer  geschichteten  Gebirgsarten  übereinstimmte ;  keinen 
Kalkslein,  keine  sandigen  oder  Fossilien  enthaltenden  Ge- 
fti^ioe;  keine  aieo,  welche  auf  die  Thätigkeit  eines  Oceans 
oder  auf  das  Vorhandensein  des  Lebens  zurückführten. 

Selbst  wenn  man  die  Meteoriten  mit  den  nicht  geschich- 
teten Gebirgsarten  der  Erdrinde  vergleicht,  welche  die  allge- 
meine Unterlage  der  geschichteten  Gesteine  bilden,  stellt  sich 
eine  grosse  Verschiedenheit  heraus. 

Man  hat  in    der   That  in    den  Meteoriten  niemals  Granit, 
och  Gneiss,  noch  irgend  ein  anderes  Gestein  dieser  Familie  ge- 
faoden.    Nicht  einmal  die  die  granitischen  Gebirgsarten  snsam- 
oeosetienden  Mineralien  hat  man  beobachtet,  weder  Orthoklas, 
Doch  Glimmer,  noch  Quarz,  ebenso  wenig  Tnrmalin,  noch  die 
obrigeo  Silicate,  welche  diese  Gebirgsarten  zu  begleiten  pflegen. 
So  fehlen  also  unter  den  Meteoriten   diejenigen  Silicatge- 
«iteiDe,  welche  die  Rinde  unseres  Erdkorpers  bis  zu  bedeuten- 
der Dicke  zusammensetzen.     Nur  in  den  tiefen  Regionen    un- 
terhalb des  Granits,   welche   man    infragrani tische    zu    nennen 
pflegt,  darf  man   die  den   Meteoriten    entsprechenden  Gesteine 
ftacbeo;  das  hciest  unter  jenen  basischen  Silicatgesteinen,  welche 
uf  ihrer  ursprünglichen  Lagerstätte  mindestens  mehrere  Kilo* 
Dieter  unter  der  Erdoberfläche  liegen.      Vertreter    dieser    Ge- 
steine können  daher  nicht  anders  zu  uns  gelangen,   als  indem 
sie  durch  kräftige  Pressungen  und   Eruptionen  in   die   Spalten 
der  aberdeckenden  Gebirgs schichten  hinaufgedrängt  werden. 

Die  Abwesenheit  der  ganzen  Folge  von  Gesteinen,  welche 
Qoteren  Erdkorper  zu  einem  so  grossen  Theile  zusammensetzen, 
Qoter  den  Meteoriten  ist  jedenfalls  eine  überaus  merkwürdige 
Thatsacfae,  welches  immer  ihre  Ursache  sein  möge. 

Diese  Abwesenheit  kann  in  verschiedener  Weise  erklärt 
werden;  man  kann  annehmen,  dass  die  Meteoritenausbrücbe, 
weiche  zu  uns  gelangen,  entweder  nur  aus  dem  Innern  von 
naaetenkorpern  gleicher  Zusammensetzung  mit  unserer  Erde 
berribren,  oder  dass  auf  diesen  Planetenkorpern  überhaupt 
weder  quarzfnhreode  oder  saure  Silicatgesteine,  noch  geschich- 
^te  Gebirgsarten  vorkommen. 

lo  letzterem  Falle,  dem  wahrscheinlicheren,    würden    die- 


436 

a^lbeu  eine  weniger  vollständige  Folge  von  Wandlangen  ei 
fahren  haben,  aU  der  Planet,  welchen  wir  bewohnen,  und  di 
Erde  wurde  nur  der  Mitwirkung  des  Oceans  in  ihrer  erste 
Zeit  die  granitischen  Oebirgsbildungen  verdanken,  wie  sie  ifc 
spater  ihre  geschichteten  Oebirgsglieder  tu  verdanken  gehal 
bat. 

Wichtigkeit  des  Peridots  in  den  tiefen  Regio  aei 
Es  ist  besonders  ein  Mineral,  welches,  wie  wir  sehen,  sieh  mi 
auffallender  Beständigkeit  in  fast  allen  Meteoriten,  von  de 
Eisen meteoriten  bis  zu  den  eigentlichen  Steinen  findet,  de 
Peridot  nämlich.  In  letzteren  tritt  er  selten  aliein  auf  (Chas 
sigoy);  gewohnlich  ist  er  mit  saureren  Silicaten  gemischt,  za 
weilen  so,  dass  die  Theile  nicht  zu  unterscheiden  sind. 

Hier  ist  nun  eine  fundamentale  Thatsache  hervorzoheben 
die  nämlich,  dass  dieses  Silicat,  das  charakteristischste  de: 
Meteoriten,  in  den  geschichteten  Gebirgsarten,  wie  wir  gcsehei 
haben,  nicht  vorhanden  ist.*)  Ebenso  fehlt  es  in  den  grani 
tischen  Gesteinen.  **) 

Dagegen  ist  es  wohlbekannt,  wie  sehr  verbreitet  der  Pe- 
ridot in  den  Eruptivgesteinen  ist,  wie  in  dem  Basalt  nnii 
manchen  Laven,  deren  Sitz,  wie  eben  erwähnt  wurde,  unter- 
halb der  Granitregion  zu  liegen  scheint. 

Die  Basalte  aller  Gegenden  der  Erde  enthalten  Peridol 
nicht  allein  in  eingesprengten  Kornern,  sondern  auch  in  der 
Gestalt  von  Bruchstucken,  welche  häufig  eckig  geblieben  sind, 
und  die  man  als  von  einer  tiefer  liegenden  Masse  losgerissen 
ansehen  möchte. 

Man  kennt  jene  Peridot-Bomben,  welche  sich  in  Fülle  in 
verschiedenen  vulkanischen  Gebieten  Frankreichs  (Langeac, 
Haute -Loire,  Montferrier,  Herault***),  der  Rheinufer,  des 
Laacher  See'sf)  und  in  vielen  anderen  Gegenden  finden. 

Der  Peridot  ist  ferner  in  anderen  Pjroxen  -  Gesteinen  in 
• 

* )  Selbstverständlich  kommen  solche  geschichteten  Gesteine  nicht  in 
Betracht,  in  welche  es  dorch  eruptive  Gesteine  gelangt  ist,  wie  gewinc  | 
von  Besah  begleitete  tertiüro  Schichten.  j 

**)  Wir  lassen  hier  ebenso  gewisse  Varietäten  des  Peridots  bei 
Seite,  wie  den  Fayalit,  den  Qlinkit,  welche  auf  besonderen  Lagerstätten 
gefnnden  worden  sind. 

**»}  BdU.  Soc.  G^ol.  de  France,  3.  XXVL 
t)  Deauche  geol.  Qesellsch.  XIX.  465.  1867. 


437 

Menge  vorbauden,  wie  z.  B.  in  den  Doleriten  der  Gegend  von 
MoDtaniJ  ond  von  Montreal  in  Canada,  wo  er  nach  Mr. 
SnaBT  Hunt  fast  die  Hälfte  des  ganzen  Gewichtes  jener  Ge- 
steine bildet.*) 

Auch  sind  an  Peridot  reiche  Gesteine,  die  Kreide  darch- 
brecheod,  in  der  Gegend  von  Teschen  gefunden  und  von 
Herrn  Tschbrmak  beschrieben  wonlen^  welcher  kurzlich  eine 
Notix  aber  das  Vorkommen  des  Olivins  in  den  Gesteinen  ver- 
üffeaüicbt  hat.**) 

Audererseits  bildet  der  Peridot  die  Grundmasse  des  Lher- 
z^ilitbs,  welcher  an  mehreren  Punkten  in  den  Pyrenäen,  u.  a.  an 
dem  See  von  Lherz,  hervorgebrochen  ist.  Der  Lherzolith  findet 
sich  aoch  in  anderen  Gegenden  wieder.  Nach  der  Unter- 
snchong  desselben  durch  Herrn  Damodr***)  besteht  das  Ge- 
stein aus  Peridot,  zu  welchem  sich  Enstatit,  Pyrozen  und  zn- 
weileo  Spinell  (Picotit)  gesellen.  Dieses  Gestein,  welches  aus 
Tjrol  bereits  bekannt  war,  ist.  vor  einigen  Jahren  auchr  in  Neu- 
seeland durch  Herrn  v.  Hoohstbttbb,  eine  ganze  Gebirgskette 
bildend,  wiedergefunden  worden,  welcher  ihm  ^en  Namen 
Danit  gegeben  hatf);noch  später  durch  Herrn  F.  Sahdbbrqer 
io  Nassau  bei  Trigensteinff)  und  im  Pichtelgebirge. 

Herr  Kjbrülp  hat  erkannt,  dass  ein  sehr  verbreitetes  Ge- 
stein der  Gegend  von  Bergen  in  Norwegen, fff)  welches  Herr 
Kbuhau  früher  als  einen  metamorp bischen  Sandstein  ange- 
sehen hatte,  zum  Theil  aus  nickelhaltigem  Peridot  besteht,  mit 
welchem  Ghromeisenstein  und  Talk  verbunden  sind. 

Man  kann  auch  noch  daran  .erinnern,  dass  Herr  G.  RosR, 
nachdem  er  früher  den  Peridot  in  dem  Gestein  von  Elfdalen 
in  Schweden  entdeckt  hatte,  ihn  auch  in  dem  Diallaggestein 
von  Neurode  in  Schlesien  wiedergefunden  hat. 

Alle  diese  Thatsachen,  deren  Zahl  durch  die  Entdeckung 
bis  dahin  nicht  erkannter  Peridot-Gesteine  täglich  wächst ,  zu- 
saounengenommen   fuhren  zu  der  Erkenntniss , .  dass  der  Peri- 


*)  Geology  of  Canada.  S.  464. 

^)  Verhandl.  d.  Ak.  d.  Wissensch.  in  Wien  v.  11.  Jnli  1867. 
**•)  Bnll.  de  la  Sog.  G^i.  de  France,  i.  3.  t.  VII.  p.  83. 
t)  Zeitichr.  der  deatsch.  geol.  Gw.  Jahrg.  1864.  S.  341. 
tt)  LB0iiBAaD*8  Jahrb.  1865.  p.  449.  n.  1867.  p.  172.    Herr  Sand- 
iiicEi  nennt  es  Olivinfela. 

ttt)  LiüNB.  Jahrb.  1867.  p.  180.     Deatsche  geol.  Ges.  1867. 


4S8 

dot,  der  an  der  Oberfläche  der  Erde  so  »eltcn  ist*),  bei  einet 
gewisBcii  Tiefe  eine  vorlicrrscliende  Rolle  spielt.  Seine  Wirli- 
ttgkeit  erstreckt  sich  iiicbt  nur  auf  unseren  Brdkörper,  sondern 
ebenso  über  die  übrigen  in  dem  Weltraum  Terbreit«teii  Kör- 
per, deren  Natar  zu  bestimmen  die  Metenriten  uns  in  den 
Stand  setzen. 

Fügen  wir  noch  hinzu,  dass  die  vermittelst  des  Spectrnsbopt 
erfolgie  Erkennung  des  Magnesiums  nicht  nur  auf  der  Sonne, 
sondern  auf  einer  grossen  Anzahl  von  Sternen  mit  der  all- 
gemeinen Wichtigkeit  in  Verbindung  zu  bringen  ist,  welche 
wir  der  Magnesia  als  der  Basis  des  Peridots  beizulegen  vvr- 
anlasst  sind. 

Es  ist  richtig,  dass  man  sich  darüber  wundern  könnte, 
dass  der  Feridot  sich  auf  der  Oberfläche  der  £rde  nicht  in 
grösserer  Menge  findet. 

Indessen  wenn  er  nicht  häufiger  in  grösseren  Massen  aof- 
tritt,  so  Hegt  dies  daran ,  dass  aussergewöhnliche  Umstände 
dasu  gehören,  ihn  die  höherliegenden  Gesteine  darchbrecben 
zu  lassen,  ohne  sich  zu  verändern.  Er  ist  ja  in  der  That  dw 
basischste  Silicat,  welches  man  kennt,  und  bat  eine  gn»n 
Neigung,  Kieselsäure  aufzunehmen  und  sich  so  in  ein  saureres 


439 

Umwandlang  des  Serpeu  tins  inLherzoIitb  oder 
inPeridot.  Theoretische  Folgerungen  daraus.  Es 
giebt  noch  ein  anderes  Magnesia-Gestein,  welches  mit  dem  Peridot 
und  dem  Lberzolith  in  nahe  Beziehung  gebracht  werden  muss, 
BDgeachtet  gewisser  Unterschiede,  welche  es  von  denselben  zu 
entferoen  scheinen. 

Der  Serpentin  zeigt  in  der  Reihe  der  eruptiven  Ge- 
.«teiue  ausnahmsweise  Eigenschaften,  indem  er  zugleich  wasser- 
tiAltig,  unschmelzbar  und  ohne  deutliche  Krjstallisation  ist. 
Die  Geologen  nehmen  allgemein  an,  dass  der  Serpentin  durch 
Umbildung  eines  anderen  Gesteines  entstanden  und  zwar  von 
dem  Peridot  herzuleiten  ist,  wenigstens  in  gewissen  Fällen,  in 
velcbeo  er  die  charakteristische  Krjstallform  dieses  Korpers 
beibehalten  hat 

Bis  dabin,  wo  es  gelingen  möchte,  von  dem  Peridot  aus- 
gehend zu  dem  Serpentin  zu  gelangen,  habe  ich  den  umge- 
i^ehrten  Weg  zu  verfolgen  ,  nämlich  den  Serpentin  in  Peridot 
umzuwandeln  versucht. 

Die  Beziehung  der  chemischen  Zusammensetzung  beider 
Mineralien  deutete  das  einzuschlagende  Verfahren  an ;  der  Ser- 
pentin unterscheidet  sich  von  dem  Peridot  nur  dadurch,  dass 
er  Wasser  und  mehr  Kieselsäure  oder  weniger  Magnesia  ent- 
halt Der  Serpentin  musste  demnach  unter  Zusatz  von  Ma- 
gnesia geschmolzen  werden,  um  zu  der  Zusammensetzung  des 
Peridots  zu  gelangen. 

Indem  die  Serpentine  von  Snarum  in  Norwegen,  von 
Monte  Ferrato  in  Toscana,  von  Sainte  -  Sabine  in  den  Vogesen 
and  von  Gaito  im  Isdre- Departement  so  bebandelt  wurden, 
ergaben  sieb  nach  der  Schmelzung  verwirrt  krjstallinische 
Massen,  welche  an  vielen  Stellen  alle  Merkmale  des  Peridots 
zeigen.  Enstatit- Nadeln  sind  darin  in  Menge  enthalten  oder 
bedecken  die  Oberfläche.  Die  Gegenwart  diesesx  Silicats  er- 
^lärt  sieb  dadurch,  dass  die  zum  Versuch  angewendeten  Stucke 
etwas  mehr  fiaeselsäure  enthalten  mochten   als   der  Typus  der 

Formel  Mg*  Si^,  von  welchem  ausgegangen  wurde. 

Diese  Resultate  haben  mich  dazu  gefuhrt,  zu  untersuchen, 
welches  Resultat  die  einfache  Schmelzung  der  Serpentine  er- 
giebt  Der  mit  Proben  von  verschiedenen  Fundpunkten  (Sna- 
rum in  Norwegen,   Zoblitz  in  Sachsen,  Favero  in  Piemont) 


440 

im  irdenen  Schnielztiegel  ausgeführte  Versuch  hat  ebenfalli 
Gemenge  von  Peridot  und  Enstatit  ergeben,  in  welchen  jedocl 
das  erstere  Mineral  sich  in  geringerem  Maasse  seigt,  als  be 
den  unter  Gegenwart  von  Magnesia  erfolgten  Schmelsungeo. 

Der  Serpentin  von  Baldissero  in  Piemont,  bekannt  durcl 
Adern  von  Magnesia  und  Opa],  welche  in  ihm  ausgeschiedei 
sind,  hat  das  charakteristischste  Resultat  geliefert:  Bnstatit 
Nadeln,  welche  mit  auffallender  Regelmässigkeit  sich  in  pa- 
ralleler Anordnung  und  zu  Büscheln  gruppirt  mitten  im  kri- 
stallinischen Peridot  abheben ;  es  ist  dies  genau  dasselbe  Re- 
sultat, welches  der  Lherzolith  ergiebt. 

Es  ist  indessen  zu  bemerken,  dass  selbst  dann,  wenn  der 
Serpentin  ohne  irgend  welchen  Zusatz  im  Tiegel  geschmolzen 
wird,  er  den  Wanden  desselben  einen  Theil  ihrer  Substanz, 
und  zwar  besonders  Kieselsäure,  entnehmen  muss. 

Bei  diesen  Schmelzungen,  wie  bei  denjenigen  der  Meteo- 
riten, bringt  die  Neigung  des  Peridots  und  des  Enstatits  zur 
Krystallisation  dieselben  in  recht  deutlich  erkennbaren  Krj- 
stallen  zur  Erscheinung;  das  erhaltene  Product  hesteht  aber 
ausserdem  noch  aus  anderen  Thonerde-  oder  sonstigen  Silica- 
ten, welche  innig  gemischt  und  gleichsam  im  Innern  der  erste- 
ren  aufgelost  bleiben. 

Diese  verschiedenen  Resultate,  besonders  die  letzteren,  zei- 
gen, dass  der  Serpentin  häufig  eine  entschiedene  Neigung  be- 
sitzt, sich  in  Peridot  zu  verwandeln,  als  ob  er  erst  dadurch  io 
seineu  normalen  Zustand  zurückkehrte.  Dies  ist  ein  Grood 
mehr  dafür,  den  Serpentin,  wenigstens  bezuglich  einiger  seiner 
Vorkommnisse,  als  einen  Peridot  oder  Lherzolith  zu  betrachten, 
welcher  eine  gewisse  Menge  seiner  Magnesia  verloren  uad 
durch  einen  Vorgang,  welcher  an  denjenigen  der  Verwandlung 
des  Feldspaths  in  Kaolin  erinnert,  Wasser  in  sich  aufgenoro- 
men  hat«  i 

Die  unmittelbare  Beobachtung  der  Gesteine  bestätigt  diese 
Schlussfolgerung.  Einestheils  giebt  es  Lherzolithe,  welche 
gradatim  in  Serpentin  übergehen,  wie  dies  an  einigen  Locali- 
täten  in  den  Pyrenäen*),  zu  Brezouars  in  den  Vogesen**),  20 


*)  Von  CuARPBRniR ,    Essai  sor  la  constitation  geognostiqae  des  Pf 
ren^es,  p.  256. 

**)  FouBNBT,  Ball   SOG.  g^l.  de  France,  3  serie,  t.  IV,  p.  327. 


441 

Nearode  in  Schlesien  ond  in  gewissen,  unter  dem  Namen 
S^hillerfels  oder  Bastit  bekannten  Gesteinen  in  Transylva- 
Dien*),  in  Nassau**)  ond  anderwärts  sich  findet  Anderer- 
seits ^ebt  es  Serpentine,  welche  ebenso  klar  ihren  Zasammen- 
bang  mit  Peridotgesteinen  an  den  Tag  legen.  Man  kann  kein 
lehrreicheres  Beispiel  letzterer  Thatsacbe  sehen,  als  das  des 
oben  besprochenen  Serpentins  von  Baidissero.  Eine  der  Ya- 
rietätea  dieses  Serpentins,  in  der  Sammlung  des  Museums  und 
durch  Herrn  Cobdisb  gesammelt,  erinnert  in  ihren  äusseren 
Kennzeichen  durchaus  an  den  Lherzolith  der  Pyrenäen.  Ich 
habe  überdies  erkannt,  dass  sie,  wie  der  letztere,  von  Bnstatit- 
Krygialien  von  der  Varietät  des  Bronzites***),  von  smaragdgrn- 
oem,  chromhaltigen  Diopsid,  sowie  von  schwarzem  chromhalti- 
gen Spinell ,  zuweilen  in  regelmässigen  Oktaedern  (Varietät 
des  Picotit)  durchwachsen  ist.  Diese  drei  Mineralspecies  zeigen 
bei  diesem  wie  bei  jenem  Gestein  ganz  den  gleichen  Habitus, 
Dieser  Analogieen  ungeachtet  unterscheidet  sich  indessen  der 
Serpentin  von  Baidissero  von  dem  Lherzolith  durch  seine  ge- 
rioge  Härte  nnd  seinen  Wassergehalt;  er  bildet  gewissermaassen 
einen  Uebergangszustand  des  ersteren  Gesteins  in  das  letztere. 
Die  Mineralien ,  welche  der  Wasseraufnahroe  widerstanden 
bdben,  bleiben  gewissermaassen  die  Zeugen  des  ursprünglichen 
Zustandes,  so  dass  die  Beziehung  des  Kaolins  zum  Peldspath 
nicht  klarer  erwiesen  ist,  als  die  Umwandlung,  mit  welcher 
wir  oos  hier  beschäftigen. 

Uebrigens  wird  durch  nichts  bewiesen ,  dass  die  Wasser- 
aafnabme,  welche  bei  der  Umwandlung  der  Peridotgesteine  in 
Serpentin  stattgefunden  hat,  durch  den  Einfluss  der  Agentien 
der  Erdoberfläche  bewirkt  worden  wäre. 


*)  Tscitc  BVAK,   Sitsnugsber.  der  Wiener  Akad.,  loc.  du 
**}  Bei  dem  neaen  Lherzolith- Vorkommen,  welches  Herr  F.  SAHOBSBceR 
in  Nassau   aafgefnnden    hat,    erwähnt  dieser  aosgezeicbnete  Geologe  alle 
lebergange  dieses  Peridotgesteine  in  Serpentin.    tiKONHAiiD's  Jahrb.  1865, 
S  449. 

***)  Herr  Des  Cloiskaux,  welcher  die  Güte  gehabt  hat,  die  optische 
l*nterfochang  dieses  Enstatits  ausznffthren,  hat  bei  demselben  zwei  weit 
2u  einander  gehende  Axen  in  einer  dem  deutlichen  und  bronzirenden 
Biftiterbmch  parallelen  £bene  erkannt;  die  negatire  Mittellinie  senkrecht 
im  nadentlichen  Bl&tterbrnch.     2  H  (roth)  =  124*  46^ 


442 

Der  eruptive  Serpentin  der  AppennineD,  der  Alpen  nod  »a 
vieler  anderer  Gegeuden  kaun  ku§  den  Tiefen  hervorgetrifllMa 
worden  sein,  naclideiii  er  bereits  das  heule  In  ibm  enthaltene 
WaMer  ftufguniiminen  hatte. 

Die  Art  und  Weise,  wie  das  Glaa  sich  in  öberhiti- 
lein  Wasser  icrsctzl  und  in  ein  wasserhaltiges  Silicat  verwan- 
delt, wie  ich  es  bei  froheren  Versuchen  erkannt  habe*),  scheinl 
nicht  iihne  Analogie  su  sein  mit  dem  chemischen  Vorgang, 
welcher  den  Serpentin  auf  Kosten  vurher  bestandener  wasse^ 
freier  Silicate  erzeugen  küunle. 

Ich  behaupte  indessen  uicht,  dass  alie  Serpentin -Masses 
von  der  Umwandlung  der  Peridot- Gesteine  herrühren;  es  giebl 
deren  in  der  Thut,  welche  man  von  Piroxen-  und  anderen 
Gesteinen  hergeleitet  hat.  Es  wird  bei  dieser  Gelegenheit 
passend  darauf  Bufmerksam  gemacht,  dass  der  Versuch,  dutcb 
welchen  ich  weiter  oben  nschgewiesea  habe,  mit  wclcber  Leich- 
tigkeit der  Peridot  sich  in  weniger  basische  Silicate  umwan- 
delt, im  Allgemeinen  auch  die  zahlreicheu  Uebergange  d«l 
Serpentins  in  andere  Gesteine  erklärt,  lunächst  in  Buphotid, 
welcher  gewöhnlich  mit  ihm  zusammen  vorkommt,  sodaiiD  io 
Diorite  und  p^roxenische ,  prasophyriscbe  (iesteiue  a.  s.  f., 
welche  ihn  in  Toscana  **) ,  in  verschiedenen  Theileo  der  Al- 
pen und  in  vielen  auderen  Gegenden  begleiten. 

Die  Analogien,  welche  den  Serpentin  den  Peridutgesteinu 
nahe  bringen,  veranlassten  mich,  auch  dieses  Gestein  mit  Bs- 


443 

Zu  diesen  Aehnlichkeiten  in  der  ZusammenaeUnng  der 
Serpentine  und  der  Meteoriten  kommt  noch  die  Gegenwart  von 
Cbrum.  Einestbeils  findet  sieb  das  Chrom  bei  den  meisten 
Serpentinen  nicht  uar  als  Ursache  der  grünen  Farbang*),  son- 
dern auch  als  Chromeisenstein,  wie  man  iu  sehr  verschiedenen 
Gegenden  nachgewiesen  hat.**)  Andererseits  hat  die  von 
Laugi£B  schon  1806  ***)  gemachte  wichtige  Beobachtung,  daas 
das  Chrom  in  den  Meteoriten  nur  selten  fehlt,  sich  seitdem 
aar  bestätigt.  £s  giebt  in  der  That  wenig  steinige  Meteoriten, 
«eiche  nicht,  wenn  anch  nur  in  geringer  Menge,  Chromit  oder 
Cbromeiseostein  in  ihrer  Mischung  enthielten. 

Der  Serpentin  kann  demnach ,  abgesehen  von  seinem 
Wassergehalt,  den  Meteoriten  des  gewöhnlichen  Typus  fast 
mit  gleichem  Rechte  nahe  gestellt  werden,  wie  der  Peridot 
ood  der  Lherzolith.       \ 

Es  ist  noch  zu  erwähnen,  dass  die  kohligen  Meteoriten 
(Csp  der  guten  Hoffnung,  Kaba  und  Orgueil)  ein  wasserhalti- 
ges Magnesia-Silicat  enthalten,  welches  Herr  Wohlbb  dem  Ser- 
pentin nahe  gestellt  hat. 

Ich  will  noch  eine  Bemerkung  über  die  Bildung  des  Spi- 
nells beifagea,  welcher  zuweilen  im  Peridot  eingesprengt  vor- 
kommt, wie  man  dies  an  einigen  Localitaten  der  Haute-Loire, 
iu  dem  Lherzolith  der  Pyrenäen  und  in  dem  serpentinfuhreu- 
den  Lherzolith  von  Baidissero  bemerkt.  Da  der  Peridot  das 
basischste  Magnesia-Silicat  ist,  welches  die  Gebirgsarten  uns 
darbieten,  so  scheint  dieses  Vorkommen  von  Spinell  einfach 
erklärt  werden  zu  können.  Da  sich  Thonerde  in  einem  sehr 
basischen  Silicat  vertheilt  fand,   welchem  sie   die  Kieselsäure 


r>m  Stsohitbii  in  gewissen  Serpentinen  und  zugleich  im  Peridot  nach- 
K^wieaen  worden,  seitdem  in  Serpentinen  sehr  von  einander  entfernter 
Vorkommen,  in  Sachsen,  in  Schlesien,  in  Nordamerika,  in  Texas,  in 
PfosTlranien  sich  wieder  gefunden  hat;  nach  der  Analyse  von  Stbrrt 
HiiT  fehlt  dieses  Metall  auch  nicht  in  den  Serpentinen  von  Canada. 
(Geologj  of  Caoada,  p.  471.) 

*)  Seit  langer  Zeit  von  Valimtin  Boss  nnd  Klapsotu  angegeben. 

**)  Das  Departement  Dn  Var,  Sachsen,  das  Grossherzogthuni  Ba- 
ien, der  Bhein,  die  österreichischen  Alpen,  Mähren,  Schottland ,  Nor- 
wegen, Griechenland,  der  Ural,  sahireiche  Vorkommen  in  den  vereinigten 
Staaten,  in  Ganada  etc. 

***}  Annalea  dn  mnsenm,  t.  VII,  p.  3i)'2,  1806. 


444 

nicht  mehr  entziehen  konnte,  so  rauaste  sie  sich  mit  basische 
Körpern,  Uagneaia  und  Eisenoxydal,  verbinden. 

Ich  hübe  diese  Vermutbung  durch  einen  synthclischei 
Versuch  bestätigt.  Wenn  man  natürlichen  Peridot  bei  sehr 
hoher  Temperatur  mit  Thonerde  (lOpCt.)  echmiJzI,  so  bcmerkl 
man  nach  der  Scbmelzang  in  der  kryslallinischen  Pcridotmasie 
kleine  schwarze  Punkte,  welche  unschmelzbar  sind,  durch  Sin- 
reu  nicht  angegriffen  werden  und  zugleich  Thonerde,  Mogneiia 
und  Biseuoxydul  enthalten.  Einige  zeigen  die  Form  regotärer 
Oktaeder.  Diese  Krjstalle,  welche  alle  Kennzeichen  des  Pleo> 
nast-Spinells  an  sich  tragen,  geben  demnach  vollständigen  Anf- 
Bchtuss  über  die  Büdnng  dieses  Minerals  in  den  Peridoten  und 
Lherzolithen.       , 

Charaktere,  welche  die  Ferido  t -Gesteine  ans- 
zeichnen.  Wir  sehen  unter  den  charakteristischen  Eigen- 
schaften der  Peridol- Gesteine  drei,  welche  dieselben  von  allen 
übrigen  Silicalge steinen  scharf  unterscheiden,  und  welche  die 
Aufmerksamkeit  zu  fesseln  verdienen: 

1.  Der  Peridot  ist  der  basiscliste  Typus  unter  den  Sili- 
cate!), welchen  man  kennt;  sowohl  unter  den  Meteoriten,  all 
unter  den  eruptiven  Gebirgsarten.  In  dieser  Reibe,  deren 
erstes  Glied  er  bildet,  und  welche  mit  dem  Granit  schlieHSt, 
bildet  er  zugleich  die  am  einfachsten  zaaamm  enges  eiste  und 
die  am  besten  bestimmte  Art. 

2.  Hinsichtlich   der  Art   und  Weise  der  Krystallisatioa 


446 


Oranit 

2,64 

bis 

2,76 

Trachyt 

2,62 

1» 

/,oo 

Porpfajrit 

2,76 

Diabas 

2,66 

« 

2,88 

Basalt 

2,9 

u 

3,1 

Lhenolitb 

3,25 

« 

3,83 

Peridot 

3,33 

« 

3,35 

Diese  verschiedeneo  Gesteine  mnssten  sich  Yon  Anfang 
ao  io  einer  der  zunehmenden  Dichtigkeit  eutsprecbanden  Reihen- 
fiige  über  einander  lagern.  Die  grosse  Dichtigkeit  der  Peri- 
dot-Gesteine  erklart  die  normale  Lage  unter  der  Oranitdecke, 
j&  selbst  unter  den  basischen  Thonerdegesteinen ,  welche  sie 
in  der  Erdrinde  einan/iehmen  scheinen. 

Vergleich  der  Dichtigkeiten  der  Meteoriten 
3ad  derjenigen  der  wichtigsten  6,esteine  der  Erde, 
Weno  man  die  kohligen  Meteoriten  bei  Seite  lasst,  welche 
Qtao  aJs  ausserhalb  der  Reihe  stehend  ansehen  muss,  so  konnte 
man  sich  die  Meteoriten  in  concentrischen  sphärischen  Schich- 
^Qf  eine  ideale  Kugel  bildend,  vorstellen,  deren  Dichtigkeit 
vuQ  der  Oberfläche  nach  dem  Mittelpunkte  annähme.  Zu  äusserst 
befinden  sich  die  thonerdehaltigen  Steine,  dann  folgten  die 
P^ridotiscfaen  Steine,  diejenigen  des  gewöhnlichen  Typus,  dann 
die  Poljsideren ,  die  Syssidgren  und  schliesslich  die  Holosi- 
deren. 

Es  ist  darauf  aufmerksam  au  machen ,  dass  dieser  thoo- 
retisebe  Durchschnitt  einige  Analogie  besitzt  mit  einem  idealen 
Durcbacheitt  des  Erdballs,  wenn  man  die  sedimentären  Schieb- 
teofolgen  von  den  Granit- Oneiss- Niederlagen  abscheidet.  In 
<iiesem  Durchschnitt  wurden  die  Laven  den  Thonerde  -  Meteo- 
riten eotsprechen;  darunter  wurde  der  Peridot  dem  Meteoriten 
^00  ChassigDjT  entsprechen ;  der  Lheraolith  und  die  übrigen  zu 
ibm  gehorigea  Gesteine  nähern  sich  sehr  den  Meteoriten  des 
gewobnlichen  Typus. 

Allerdings  gehen  die  Analogieen,  welche  man  direct  zu 
beobachten  vermag,  nicht  weiter;  weiter  reicht  aber  auch  die 
Kenntoiss  nicht,  welche  wir  von  den  tiefsten  Regionen  unse- 
rer Erde  besitzen.  Es  widerstrebt  nkht  dem  Gedanken ,  an- 
»nebmeo,  daas  die  tiefsten  Theile  der  Erde  Aehnlichkeit  be- 
i\UeQ  mit  denjenigen  des  idealen  Körpers,  welchen  wir  soeben 

Z«iU.  i  D.  gfl  Ges.  XXII.  2 .  29 


446 


durch  die  Uebereinanderlagerong  der  verschiedenen  Typen  d 
Meteoriten  construirt  haben.  Nichts  beweist,  mit  einem  Won 
dass  nicht  einer  dieser  beiden  Korper  den  andern  ergänzt. 

Man  wird  diesen  vielleicht  kähnen  Y^gletch  besser  dur 
die  folgende  Tabelle  verstehen,  deren  erste^CoIonne  die  wie 
tigsten  Typen  der  Meteoriten  und  deren  Dichtigkeiten  zei^ 
während  die  zweite  die  wichtigsten  Oebirgsarten  der  En 
enthält. 


I. 


Dichtig- 

II. 

Dicht)! 

keiten. 

• 

keito 

• 

Geschichtete  Gesteine     2.f 

Granit  nnd  Oneiss 

2.1 

Pyroxen-Laven 

'       2S 

3,0 

• 

1 

Peridot 

3.:\ 

8,5 

^ 

Lheraolith 

3,fi 

Th  onerde-Me  teori  ten 
Peridotische  Meteoriten     8,5 

MetBorüen  des  gewohn- 
lichen Typus  8,ö< — 3,8 

Polysideren  (Sierra  de 

Chaco)  6,5—7,0 

Syssideren  ?  (Pali^b)     7,1  —7,8 

Holobideren  (Cbarcas)  7,0— 8^0«. 


Unterschiede',  dar ch  W'Olche  die  Peridotgestein 
der  Erde  von  den  Meteoriten  getrennt  werden.  ^ 
geht  schliesslich  aus  allen  diesen -Thatsacheu  hervor,  dass  d' 
Tiefen  der  Erde  Massen  enthalten,  welche  grosse  Aehnlichke 
mit  den  Meteoriten  besitaen. 

Neben  den  Aehnlichkeiten  indessen,  welche  die  Peridetmass^ 
unserer  Erde  mit  den  Meteoriten  in  UebereinstraMnung  setzei 
sind  auch  Unterschiede  vorhanden ,  welche  nicht  mioder  d< 
Beachtung  werth  sind.  | 

Diese  Unterschiede  beziehen  sich  wesentlich  auf  die  Ox) 
dationsstufe  des  Eisens.  Die  Meteoriten,  wie  die  Gebirgsarle 
der  Erde,  enthalten  Eisenoxydul  verbunden  mit  Kieselsäa^ 
(Silicat)  und  mit  Ohronoxyd  (Ghromeisen stein).  Dem  gfg^ 
über  fehlt  der-  in  unseren  basischen  Silicatgesteinen  so  häcilg 
Magneteisensteia  im  Allgemeinen  in  den  Meteoriten.     Er  will 


447 

in  defiseibefi  gewisaermaassen  dorch  gediegene«  £Uen  vertre- 
teo,  welches  seinerseits  ia  uoseren  Gebirgsarten  fehlt.*) 

Es  giebt  noch  einen  zweiten,  Unterschied  ähnlicher  Art, 
»ie  der  vorige:  die  Phosphorverbindong  des  Eisens  und  des 
Nickels,  zaerst  von  Bebzbliüs  erkannt,  findet  sich  fast 
immer  bei  dem  Meteoreiaen.  Ebenso  wie  das  gediegene 
EUen  fehlen  sie  dagegen  gänzlich  in  unseren  Gesteinen,  wo 
>w.  dorch  Phosphate  vertreten  sind,  welche  besonders  in  den 
basischen  Silicat-Gesteinen  häufig  sind,**) 

Oboe  weiter  bei  einigen  anderen  Gegensätzen  ähnlicher 
Art  la  verweilen,  erkennen  wir  als.  wesentlichen  Unterschied 
zwischen  diesen  Meteoriten  .und  den  entsprechenden  Gebirgs- 
arten der  Erde  den,  dass  die  ersteren  gewisse  Korper  im  re- 
(iQcirten  Zustande  enthalten,  welche  in  den  anderen  im  oxy- 
(lirien  Zustande  enthalten  sind.  Alles  deutet  darauf  hin,  dass 
(iie  Massen,  zwischen  welchen-  eine  so  grosse  Aehnlichkeit  der 
Zusammensetzung  besteht,  identisch  gewesen  sein  wurden,  un- 
geachtet ihrer  ungeheuren  Entfernung  von  eiuapder^  wenn  sie 
nicht  verschiedene  Einwirkungen  erlitten  hätten. 

Wenn  das  in  den  Meteoriten  ganz  gewöhnliche  metallische 
Eisea  in  den  Gesteinen  der  Erde  fehlt,  so  kann  dies  dadurch 
veranlasst  sein,  dass  auf  unserer  Erde,  wo  die  Atmosphäre 
baaerstoff  im  Ueberschuss  enthält,  die  Oxydation  eine  voll- 
^^aodige  gewesen  ist,  d.  h.  keine  Korper  im  metallischen  Zu- 
.«tande  übrig  gelassen  bat.  Alles  spricht  dafür,  dasß  dieser 
loterscbied  nicht  vorhanden  sein  wurde  |  wenn  beide  Körper 
»ich  nicht  verschiedenen  Mengen  von  Sauerstoff  gegenüber  be- 
funden hätten.  Denn  es  genügt,  wie  die  angeführten  Versuche 
'eweisen,  eine  theilweise  Reduction  der  Peridot- Gesteine  der 
Erde,  um  sie  den  meteoritischen  Gesteinen  ähnlich,  wenn  nicht 
(ienselben  ganz  gleich  zu  machen. 

Peridot  als  all  geroeine  Schlacke.    Die  Auffassung, 


*)  £i  ut  wahr ,  dass  m^  in  den  kohligeo  Meteoriten,  wie  in  dem- 
jenigen Ton  Orgueil,  Eisenoxydul  gefunden  hat.  Diese  bilden  «her  eine 
i^iteae  und  bescmdere  Kategorie. 

**)  Der  Stein  von  Juvenas,  in  welchem  Herr  BxiiMKL^iBKHG  das  Eisen 
'^  ZofUnde  der  phosphoraanren  Verbindnng  angegeben  hat,  bestätigt 
^MT  diese  Begcl;  denn  er  enthält  metaUisohes  Eisen  nur  in  sehr  geringer 
QuQtität.  Es  konnte  sich  deshalb  nur  schwer  die  Pbospborverbinduug 
^tati  Meulls  bUden. 

29* 


448 

EQ  welcher  wir  eo  eben  geführt  worden  sind,  um  den  Ursprnnf 
der  planetarischen  Körper  lu  erklären,  von  welctien  die  Me- 
teoriten abBtammen,  erläutert  auch  die  Bildungswnise  jener 
mächtigen  Masse  von  Silicaten,  welche  die  äussere  Rinde  d« 
Erdkörpers  zasammensettt. 

Schon  im  Anfange  dieses  Jahrtmnderts  hat  Davt,  nach- 
dem er  die  Resultate  seiner  bewundernswürdigen  Entdeckung 
der  Zusammensetzung  der  Alkalien  and  der  Erden  bekannt  ge- 
macht hatte,  voran Hgeeetzt,  dass  die  Metalle  dieser  Osyde  im 
Innern  der  Erde  in  freiem  Zustande  vorhanden  sein  könnten 
und  sah  er  in  ihrer  Oxydation  durch  den  Zutritt  von  Wasser 
nnd  Lnf^  die  Ursache  der  Hitze  und  der  Eruptionen  der 
Vulkane. 

Später  ist  diese  Theorie  erweitert  worden,  indem  man  si« 
auf  den  Ursprung  der  Erdrinde  selbst  ausdehnte,  welche  die 
mit  der  grössten  Begierde  die  Verbindung  mit  SanerstoET  ein- 
gehenden Metalle,  Kali,  Natron,  Calcium,  Magnesium,  Alumi- 
nium gerade  im  Zustand  von  Silicaten  enthält,  und  indem  man 
selbst  die  Gewässer  der  Meere  als  das  Resultat  der  Ox;f- 
dation  des  Wusserstoffs  bei  dieser  allgemeinen  Oxydation  oder 
Verbrennung  ansah.  Sir  Hbart  de  la  BtcHB,  dessen  Geist 
alle  grossen  Fragen  der  Geologie  xn  umfassen  wusste,  war 
einer  der  ersten,  welche  diesen  Gedanken  aussprachen*),  den 
die  wichtigen  Beobachtungen  über  die  Hütten -Schlacken  von 
HAUSUAidi ,     MiTBCKEBLiCH     und   Bebtuier    SO    gut    vorbereitet 


449 

scfairfer  begrenzt  wird,  welche  ich  bei  der  Syntheae  der  Me- 
teoriten erhalten  habe. 

Nach  obigen  Erörterungen  wird  die  Annahme  naturlich 
erscbeinen,  i&ss  die  Peridotgesteine,  deren  Wichtigkeit  für  die 
ZasamnieDsetzang  der  tiefen  Regionen  unseres  Erdkorpers  wir 
erkannt  haben,  den  gleichen  Ursprung  haben,  wie  dieselben 
Silicate,  welche  BesCandtbeile  der  Meteoriten  bilden. 

Diese  Pendotgesteine  wurden  auch  auf  unserem  Planeten 
tifts  directeste  Product  einer  Verschlackung  sein,  welche  sich 
zu  einer  äusserst  fern  liegenden  Zeit  vollsogen  hat 

Es  ist  wesentlich,  sich  über  das  Wort  Verschlackung  richtig 
20  Terstehen. 

Wenn  man  ein  Bad  geschmolaenen  unreinen  Ousseisens 
jei  Berührung  mit  der  Luft  in  Fiuss  erhält,  so  oxjdirt  sich 
dai  fiiseo  sowie  gewisse  mit  ihm  verbundene  Korper,  worunter 
Siüciom  der  wichtigste  ist«  Diese  Oxydation  erxeugt  ein  Eisen- 
Silicat,  welches  die  obere  Decke  des  Metallbades  bildet.  Es 
ist  eine  echte  flüssige  Schlacke.  Durch  Abkühlung  wird  sie 
teigig,  demnächst  fest  werden  und  alsdann. eine  dichte,  steinige, 
^rrstaDioische  Struciur  annehmen,  eine  solche  mit  einem  Wort, 
Vielehe  ganz  verschieden  ist  von  jenen  aufgeblähten,  schwam- 
ii^igen  Körpern,  welche  man  vulkanische  Schlacken  genannt 
^&t.  Bioe  jener  metallurgischen  Verschlackung  ähnliche  also 
i»i  es,  welche  wir  meinen,  wenn  wir  von  einer  Verschlackung 
des  Erdkorpers  reden.  Diese  Erklärung  erstreckt  sich  selbstver- 
ständlich nicht  auf  die  Bildungsweise  der  Feldspath-Oesteine,  wie 
z«  B.  des  Granits,  welche,  wie  wir  oben  sahen,  die  Magnesia- 
Gesteioe  überlagern.  Erstere  unterscheiden  sich  von  den  Pe- 
ridotgesteinen  durch  drei  wesentliche  Charaktere  und  haben 
^ich  nicht  nur  mit  einer  bedeutend  grösseren  Menge  Kiesel- 
Ȋnre  und  anderer  Basen,  sondern  auch  sicherlich  unter  ver- 
tchiedeoen  Verhältnissen  gebildet. 

Viele  Geologen  nehmen  in  der  That  an,  dass  diese  Feld- 
»pathgesteine  sich  nicht  einfach  auf  trockenem  Wege  gebildet 
üaben,  was  wir  als  die  wahrscheinliche  Enistehongs weise  der 
ief  liegenden  peridotischen  Geateine  nachgewiesen  haben,  son- 
dern dass  sie  uuter  Mitwirkung  besonderer  Agentien,  wie  u.  a. 
^es  Wassers,  entstanden  sind.  Wie  dem  auch  sei,  so  könnte 
tn&n  in  denselben,  namentlich  in  den  Trachyten,  jedenfaUs  das 
tutgegengesetste  Endglied  der  Reihe  der   bei    der   allgemeinen 


45« 

Verachlackong  gebildeten  Silicatgesteine  erbticken.  Der  Gegen 
satz  dieser  beiden  verschiedensten  und  am  beuten  cfaarakteri 
sirten  Typen  liegt  nicht  allein  in  der  mineralogischen  Zusani 
mensetzang  und  den  Verhältnissen  der  KrystalHsalion^  soadem 
auch  in  der  Dichtigkeit  der  Massen  und  ihrer  Lage  in  notb 
wendiger  Weise  sehr  verschiedenen  Tiefen. 

Wenn  wir  sagen,  dass  die  Gesteine  der  Erde  kein  gedie 
genes  Eisen  enthalten,  so  kann  dabei  offenbar  nur  von  denje 
nigen  Massen  die-  Rede  sein,  welche  duroh  Eruptionen  unsere 
Forschung  zugänglich  geworden  sind,  Massen,  welche  gegen 
über  der  grossen  Dimension  nnser'es  Planeten  gewi9sermaa«9et) 
nur  einen  Mantel  desselben  bilden.  Nichts  beweist,  dass  un- 
terhalb jener  thonerdehaltigen  Massen,  welche  beispielsweisr 
in  Island  Laven  von  so  grosser  Aehnlichkeit  mit  cLen  Meteori- 
ten des  Typus  von  Juvenas  geliefert  haben,  dass  unterhalb  od- 
serer  Peridotgesteine,  welchen  der  Meteorit  von  Chassigny  sr 
nahe  steht,  sich  nicht  Iherzolitbiscbe  Massen  finden  sollten,  in 
welchen  gediegenes  Eisen  sich  zu  zeigen  begänne,  solch« 
Massen  also,  welche  mit  den  Meteoriten  des  gewöhnlichen 
Typus  übereinkommen  würden;  darunter  alsdann  eiaenreiohere 
Typen,  wie  die  Meteoriten  uns  deren  eine  Reibe  mit  wachsen 
der  Dichtigkeit  zeigen,  von  denjenigen  an,  bei  welchen  da.<i 
Bisen  etwa  die  Hälfte  des  Gewichts  des  Gesteins  beträgt,  bis 
zum  gediegenen  Eisen. 

Einige  Thatsachen  möchten  diese  Anschauungsweise  an 
terstützen.  So  bat  sich  das  Platin,  welches  durch  seine  grosse 
Dichtigkeit  wahrscheinlich  von  Anfang  an  in  die  tiefsten  Re 
giouen  versetzt  worden  ist,  nach  Herrn  Enou«hardt  mit  ge 
diegenem  Eisen  zusamhien  gefunden.  Jedenfalls  ist  dies  Me- 
tall mit  Eisen  in  einer  10  pOt.  übersteigenden  Afenge  ^es 
letzteren  iegirt^  was  genügt,  am  es  stark  magnetisch  zu  machen. 
Man  kann  hinzufügen,  dass,  wenn  im  Ural  das  Platin  niemals 
auf  seiner  Ursprünge-Lagerstätte  gefunden  worden  ist,  es  sich 
doeh  häufig  iti  Cbromeisenstein  eingewachsen  und  selbst  noch 
mit  Brucbstuckien  von  Serpentin  verwachsen  gefunden  hat.*) 

Durch  letzteres  Zusammenvorkommen  scheint  dieses  Metall 
uns  einen  neuen  Beweis  dafür  zu  liefero^  dass  in  bedeuteoder 


*)  Ü.  RosB,  Reise    tiach   dem  Ural,  Bd.  IL,    8.  390.     Li  Put. 
Coffiptes  rcndus  de  TAcad^mie  deaseiencet,  1846. 


4fil 

Tiefe  Magoesia-Gesteine  von  der  Familie  des  Peridots  vorhan- 
den sind. 

Allgemeine  Bemerkung.  Das  Privilegium  der  All- 
gegenwart  des  Peridots  sowohl  in  den  Gesteinen  der 
riefe^  als  in  den  Meteoriten  erklärt  sich  nach  den  obigen  Ver- 
buchen dadurch,  dass  er  gewisserroaassen  die  allgemeine 
Schlacke  isU 

Man  könnte  aus  dem  Vorhergehenden  schHessen,  dass  der 
Sauerstoff,  welcher  für  die  organische  Natur  so  wesentlich  ist, 
auch  bei  der  Bildung  der  Planetenkörper  eine  wichtige  Rolle 
g^^pielt  hat.  Fugen  wir  noch  hinzu,  dass  ohne  ihn  kein  Ocean 
gedacht  werden  kann ,  keine  jener  grossen  Wirkungen  an  der 
Oberfiücbe  und  in  der  Tiefe,  deren  Ursache  das  Wasser  ist. 

So  gelangen  wir  dazu,  die  Grundlagen  der  Geschichte  un- 
seres Erdballs  zu  berühren  und  die  bereits  durch  die  Aehn- 
iicbkeit  der  Zusammensetzung  enthüllten  Bande  der  Verwandt- 
9chaft  unter  den  Theilen  des  Weltalls,  deren  Natur  zu  kennen 
Qug  vergönnt  ist,  noch  enger  zu  knüpfen. 


452 


B.  Briefliche  MUthellong. 


Herr  Ottmer  an  Herrn  Eck. 

Braumchweig,  den  ffi.  April    1870. 

Nachdem  die  £rdarbeit«D  an  der  Bahn  Braonschweig- 
Uelmstedt  in  der  näheren  Umgebung  uDserer  Stadt  incwiscben 
Boweit  vorgeBchritten  sind,  dase  wesentlich  Nenes  nicht  metir 
so  erwarten  ist,  eriaobe  ich  mir  Ihnen  eine  kane  MittbeiluDg 
über  einen  durch  jene  Arbeilen  eDtstandenen  Anfschlasepunici 
zn  machen. 

In  dem  Ihnen  aus  einem  Briefe  des  Herrn  BkaüHS  (dies? 
Zeitschr.  XXI.,  S.  700)  bekannten  Einschnitte  unterhalb  der 
Mückenburg  gelangt  man,  von  Brannscbweig  koininend,  ebel 
man  die  Thone  mit  Am.  Parkintoni  erreicht,  zu  einer  Reibf! 
von  Tbonen  von  wesentlich  anderer  Beschaffenheit  als  Jen«' 
Dieselben,  auf  einer  Strecke  von  40  Rutben  aufgeHchlossea, 
fallen  nach  West  unter  diluvialen  Tbonen  and  Sanden  ein, 
sind  oben  hellgrau  und  führen  hier  häufig  Kalkconcretiooea. 
die  eine,  wenn  auch  nur  geringe,  schalige  Absonderung  zeigea, 
wie  meist  von  einer  anstehend  bisher  nnbekannten  Serpola-Art 
durchzogen  werden.  Nach  nnten  werden  die  Thone  dunkler, 
bleiben  aber,  wenn  auch  die  Concretionen  verscbwindeo,  kalk- 
haltig ,  wodurch  eine  gewisse  Magerkeit  bedingt  wird ,  welche 
sie  auch  petrograp bisch  leicht  von  den  nnn  folgenden  fetleOt 
dunkelblauen  Tbonen  mit  Am.  Parkiiuoni,  an  die  sie  sich  aa- 
lehnen,  unterscheiden  lasst. 

ie  von   anderen  Localitäten  schon  bekannten ,   in  dieseo 
D     beobachteten    und    sieher   bestimmbaren    Petrefacteo . 

lil«  ROricu«  ScHL. 

ttulina  Martiniana  d'Orb.    in  einer  feinrippigen  Varietät' 


463 

Peeten  eroisiteata  Robk. 
0$trea  Qmloni  d'Orb. 
Aviada  macroptera  RoBM. 
Area  cf.  «ecura  Lsnc.  sp.,  tonst  bekannt  aas: 
Speetontbon  —  Moorbätte) 
Ob.  Hils  —  Achim, 
9        „      —  Tbeerlocber  bei  Kl.  Schoppenstedt. 
xVuntto  Mariae  d^Orb. 
PoHopaea  neocomtenHs  Lbtm.  sp. 

ÄQ8  diesen  Petrefacten  ergiebt  sich,  dass  die  Thone  dem 
oberen  Hils  angehören ,  indem  das  gänsliche  Fehlen  typischer 
■nd  sonst  häufiger  Leitmnscheln  des  Speetonclaj  (ich  erinnere 
an  Bdemnitns  Brunsvicengis,  Serpula  PhüUp'Bi  etc.)  maassgeben- 
der  sein  durfte,  als  dass  von  obigen  Petrefacten  die  Hälfte 
sich  noch  im  Speetontbon  findet,  und  stelle  ich  die  Schichten 
unter  diejenigen  mit  Orioceras  Emmerici  (s.  v.  Strombbck,  diese 
Zeitschr.  XIII.,  S.  22). 

Ueber  die  genauere  Begrenzung  nach  unten  Hess  sich  lei- 
der nichts  feststellen,  ebenso  wie  es  späteren  Nachforschungen 
Torbehalteu  bleiben  muss,  aufzuhellen,  ob  die  Schichten  mit 
«i^rGaultmulde  des  nicht  sehr  entfernten  Mastbruches  in  nähe- 
«r  Verbindung  stehen. 

Aach  über  einen  anderen  Punkt  im  Gebiete  der  hiesigen 
Kreide  kann  ich  nicht  umhin  Ihnen  eine  kurze  Notiz  zu  ge- 
^^0)  das  Weitere  mir  vorbehaltend.  Die  Localität  ist  dicht 
bei  Brannschweigy  zwischen  dem  August-  und  Steinthore,  am 
recbten  Ufer  des  Umfluthgraben  auf  einem  Grundstücke  des 
Herrn  Dr.  med.  L.  Schmidt,  welchem  ich  auch  die  erste  Kunde 
^')n  dem  Auftreten  fester  Schichten  daselbst  verdanke.  Es 
siod  dieses  hellgraue,  äusserst  kalkreiche  Thone,  die  sehr 
sparsam  organische  Reste  einschliessen.  Von  diesen  ist  mir 
bis  jetzt  bekannt  geworden : 

Peeten  lams  Nils.,  Petr.   Suecana  p.   24,  t.  9.,  f.  17.     Gbi- 

HiTZ,  Charact.  p.   83,  t.  21,  f.  9. 
InoceromM  lobatus  MoiiBT.    Goldf.  II.,  p.  113,  t.  110,  f.  3. 

^wie  eine  Nummulina  sp.  und  die  Reste   einer  Alge   (?),  von 
^f  aber  noch  keine  deutliche  Exemplare  vorliegen.     Von  Ce- 


4M 

phalopoden,   itiehennndcre  Belemiiiten    gelang  ee  njcbt  S 
aufzufinden. 

So  mni-lits  Rieh  bj«  lieutc  nur  »ti^fii  langen,  da»s  Ji<< 
liclieti  TliniK'  der  oliprcn  Krcidi*  zuzukhIiIfii  sind,  wülire 
vorläufig  daliiri  gcatelll  blt-il>eii  niusp,  wekhcin  genttuiTt- 
veau  dieselben  angehiirfn 


4ft5 


C.  VerhandiDDgen  der  GeselLschaft. 


I.     Pnjiokoll  der  Februar- Silznng. 

Verhandelt  Berlin,  den  2.  Febraar  1870. 

Vorsitzender:  Herr  G.  Rose. 

Das  Protokoll  der  Januar-Sitzung  wurde  verlesen  und  ge- 
nehmigt. 

AU  Mitglieder  traten  der  Gesellschaft  bei: 
Herr  Heim  aus  Ztirich,  zur  Zeit  in  Berlin, 

vorgeschlagen   von    den   Herren  Roth,  Kunth   und 

Bauer, 
Herr  Bergrath  Dr.  Stäche  in  Wien, 
Herr  Dr.  E.  v.  Mojsisovics  in  Wien, 
Herr  Dr.   Fr.  Kreütz  in  Wien, 

sämmtlich  vorgeschlagen  von  den  Herren  v.  Hauer, 

U.  Sciilonbacu  und  Neumatr. 

Herr  LosSEi^  legte  ein  neues  Vorkommen  des  bisher  nur 
ou  Schlaggen wald  in  Böhmen  bekannten Karp  ho lith  vor.  Das- 
ilht  stammt  aus  der  Umgegend  von  Wippra  im  südöstlichen 
arz  (Mansfelder  Gebirgskreis),  und  hatte  es  bereits  F.  A.  RoB- 
BB*)  von  daselbst  als  in  Quarz  eingewachsen  namhaft  ge- 
acht,  ohne  dass  Weiteres  darüber  bekannt  geworden  wäre. 
uf  den  ersten  Anblick  scheint  das  Wippraer  Mineral  von  dem 
chlaggenwalder  gänzlich  verschieden,  es  erinnert  an  Strahl- 
«ioasbest  oder  Chrysotil  oder  auch  an  die  faserigen  Miuera- 
en  der  Cyanit- Andalusitgruppe,  wie  Bucholzit,  Sillimanit 
•  s.  w.  Von  Farbe  ist  es  keineswegs  strohgelb,  vielmehr 
ibhaft  gelbgrun  bis  grüngelb.  Gleich  dem  Schlaggenwalder 
liaeral   ist  es  stänglich  -  faserig ,    aber  es  zeigt  nie  die  radial- 


*)  Synopaia  der  Mineralogie  ond  Oeogoosie,  8.  IHo. 


466 

Btrafalige  Oruppiraog  zu  eckig- körnigen  Stäckea,  wie  jenes,  i«1 
vielmehr  parallelfaserig  dem  Quarz  eingewachsen ,  wie  der 
Strahlstein  in  den  sogenannten  Karzenaugen.  Meist  zeigen  die 
faserigen  Aggregate  einen  welligen  oder  geknickten  Verlanfi 
Das  Mineral- Aggregat  besitzt  ausgezeichneten  Seidenglanz,  der 
in  den  einzelnen  breiteren  Stängeln  sich  dem  Glasglanze  nä- 
hert; Harte  =  5.  Strich  gelblichweiss.  Vor  dem  Lölhrohr  in 
der  Platin pincette  schmilzt  es  unschwer  zum  briinnlichen  Email, 
das  sich  mit  einem  eisRNgraueii  Manganoxydhäutcheii  beschlägl, 
mit  Flüssen  erregt  es  intensive  Manganreaction.  Im  Kölbchen 
giebt  es  Wasser.  In  dem  unter  der  Direction  des  Herrn  Pro- 
fessor FiHKBBER  stehenden  Laboratorium  der  Königl.  Bergaka- 
demie wurde  das  Mineral  von  Herrn  BOI-OWIDS  untersucht.  Es 
verliert  bei  etwa  400"  0,96  pCt.,  bei  500"  1,19  pCt.  Wasser, 
von  welchem  es  in  feuchter  Luft  0,54  pCt.  wieder  aufnimmt. 
Bei  Rotbglübbitze  entweichen  10,17  pCt.  Wasser,  und  das  ge- 
glühte Mineral  nimmt  in  feuchfer  Luft  kein  Wasser  wieder 
■nf.  Es  ist  demnach  das  Wasser  nicht  als  Erystallisation«' 
wasser,  sondern  als  Constitutionswasser  zu  betrachten.  Der 
Qehalt  an  Eisenoxydul  wurde  bestimmt  durch  Titriren  mit 
übermangansaurem  Kali  in  der  Lösung  des  Minernls  in  Fluor- 
wasser stciffsä  uro  (vorher  durch  einige  Tropfen  übermangansau- 
res Kali  gefärbt)  und  verdünnter  Schwefelsäure.  Da  die  iu- 
nige  Verwachsung  des  Minerals  mit  Quarz  trotz  der  sorgfäl- 
tigsten Scheidung  eine  Beimengung  von  etwas  Quarz  erwarte 


4&7 

wiegend  als  Oxydul.  Die  darcb  die  Analyse  des  KarpholHhs 
TOD  Biesenrode  bei  Wippra  (lebhaft  gelbgrfine  Varietät)  ge* 
foodene  Zusammensetzung  ist: 


Qua«      1,17 

Sauerstoff: 

, 

SiO'    38,02 

mit    20,28 

20,28 

4 

Sp.  Gew.  2,9 

AlO»    29,40 
FeO'     2,89 

13,75) 
0,87/ 

14,62 

3 

Fe  0      4,07 

0,91   , 

m 

MnO     11,78 

2,66 

■ 

MgO      1,80 
K'O      0,45 

0,72 
0,08 

13,413 

< 

3 

• 

Xa'O     0,01 

0,003 

H'O    10,17 

d,04  ' 

■ 

/ 

99.76 

*  I 

Danaeh  ist  der  KarphoHth  ein  Drittelsiiicat,  das  sar  Hälfte 

II 
Dach  der  Formel    RSiO',   zur  anderen  Hälfte   aus  R'  8i  0^ 

II  VI 

iusammengesetzt  .ist,   in    welcher    3B    IR   rertritt.      In    der 

ersteren    Hälfte    ist  R    wesentlich   Alnminium^    in    der    letae- 

II         I 
teren  R  =:=  R'    wesentlich  Mangan  und  Wasserstoff.     Die  be- 

^'jndere  Formel  lässt  sich  also  geben : 


Karpholith  =  [H«  (K*  Na«),  Mn  (Fe,  Mg)]»  Si 

AI  (Fe)  Si 


Ö 


I  0 


Auch  die  mineralogischen  Bigenschaften  stellen  den  Kar- 
pbi^Iitb  der  Cyanit-Audalusit-Oruppe  zunächst,  besonders  deren 
faserigen  Species  oder  Varietäten.  —  Der  EarphöKth  von 
Wippra  ist  in  Quarzknauern  eingewachsen,  welche  Schnure  und 
Adern  in  halbkrystallinischen,  cfaloritischen  und  eisenerzreichen, 
grooen  oder  vlolettrothen  Schiefern  zusammensetzen.  Diese 
Schiefer  lassen  sich  in  einer  ein  paar  Hundert  Schritte  brei- 
ten Zone  auf  mehrere  Meilen  Erstreckung  von  -Questenberg 
bis  Vatterode  bei  Leimbach  verfolgen.  Sie  sind  ein  Theil  des 
melamorphischen  Schichtensystems  an  dem  Sudostrande  des 
Harzes  im  oberen  Niveau  der  hercynischen  Schiefer  mit  der 
Kalkfauna  von  Harzgerode. 

Herr  Roth  legte  zur  Ansicht  vor  und  besprach  die  „Dn- 
tersachunged  aber  die  mikroskopische  Zusammen- 
setzung und  Struetur  der  Basaltgesteine  von  Dr.  F. 


468 

ZuKBL,  Bonn  1870."  Weno  die  Erkenn toisB,  dass  die  dichtei 
plutoniscben  Gesi«ine  nur  durcb  die  Cumbination  der  cliemischei 
und  mikroskopischeu  Aoalyae  eine  richtige  Deutung  erfahret 
können,  noch  eines  Beweises  bedurft  hätte,  so  würde  ein  Bolcfaet 
durch  die  vorliegenden  Untersuchungen  geliefert  sein.  Nach 
den  305  untersuchten  Dünnschliffen  von  Basalten  gruppin  ZiRKSL 
dieselben  in  3  Abtheilungen;  Peldspatb-,  Leucit-  uod  NepfaeÜa- 
Basalte.  Die  erste  verbreiietste  Gruppe  entspricht  dichten  Dale- 
riteu  undPyrozenandesiten,  wenn  man  unter  ers leren  labrador- 
führende Äugilgesteiue,  unter  IctElereti  Augitgesteine  Terstebl, 
deren  trikliner  b'eldspath  kieselsäurereicher  ist  als  Labrador. 
Auch  das  Mikroskop  kann  die  Entscheidung,  ob  der  Feldspalli 
Andesin,  Oligoklas  oder  vielleicht  gar  Albit  sei,  nicht  liefern. 
Bbenao  wenig  lassen  sich  bis  jetzt  über  die  Häufigkeit  des  in 
einzelnen  Fällen  sicher  beobachteten  Sanidiues  bestimmte  Ad- 
g»b«n  machen.  Neplielio  ist  nicht  selten  vorhanden,  Leaei^ 
Hanyn  und  Mellilitb  fehlen  dagegen  fast  gani  in  den  uuier- 
Buchten  Dünnschliffen.  Die  Gesteine  der  zweiton  AbtheÜmiij, 
Leucit  uud  Nepheün-Basalt,  stehen  einander  viel  näher  a]B  i«t 
Peldspatbbasalt,  wenngleich  in  ihnen  bisweilen  Feldspalb, 
sieber  trikliner,  monokliner  fraglich  vorkommt.  Während  ne- 
pbeliufreie  Leucilbasalte  bis  Jetzt  nicht  gefunden  wurdea,  tritt 
in  den  Nephelinbasslten  nur  bisweilen  Leucit  auf.  Mellilitb 
und  die  Mineralien  der  Sodalithgruppe  kommeii  in  beiden 
Gruppen  vor.    Die  wenigen  vorhandenen  Analysen  von  mikn»- 


4m 

herrorgehoben  werden,  dads  MelHHth  ausser  an  dMi  bekannten 
Fundpanklen,  in  Lencitbasalt  des  Difelin-SteiQS  bei  Wehr,  des 
Pöhlberges,  der  Qeisinger  Koppe,  in  Nepbelinbasah  des  War- 
teberges, Bifel,  der  Hannebacber  Ley,  des  Scbeibenbet^es  be- 
obachtet wurde.  Schrieb  man  froher  das  bei  Behandlong  der 
Basalte  mit  Satire  eintretende  Qelatiniren  eftncig  dem  Nephelin 
IQ)  80  geht  ans  ZminsL's  Untersaebnngen  hem>r,  wie  die  han- 
tige GJasmasse  daran  wesentlichen  Anlhc^l  bat,  so  dass  ne- 
pheliofreie,  an  GJasmasse  rdche  DoleHte  schon  in  der  Kalte 
mit  Saure  gelatiniren.  Anf  das  Gelatinrren  läset  sieb  also 
keine  Scheidotig  swischen  Doleritbasalien  (Feldepathbasalten) 
und  Basalt  (Leveit^  and  Nephelinbasalt)  begründen. 

ZmnL  hebt  hervor,  wie  verbreitet  Doleritbasalt  Ist  in 
Schottland,  den  Uebriden,  Faroerrt,  Island,  in  der  valkatiisoheo 
Region  Centralfrankreichs,  dass  ferner  in  allen  dieseki  Gegen- 
den nie  ein  Kornchen  Leucit  gefuntien  ist.  Der  Hinweis  mag 
gestattet  sein;  die  Portsetcnng  dieser  Linie  aber  Agde,  Strom- 
Mi,  Aetna,  Aden  nach  St.  Paul,  fährt  in  Gebiete,  deren 
jöogste  Eniptiv*Gesteihe  eämmtlich  Dolerite,  resp.  Pyroxen- 
Aodesite  sind« 

Nach  gotigst  von  Herrn  G.  RosB  mitgeCheilten  SehliiFen 
l^ehören  der  Basalt  des  Bremberges  bei  Janer  nnd  'der  von 
Schönberg,  Sachsen,  tu  den  Doleriten. 

Herr  Haucbboobnb  gab  der  Gesellschaft  Kenntniss  vod 
dem  naebfolgenden  Berieht  des  Herrn  Msim  in  Uetersen  aber 
das  anstehende  Gebirge  bei  Stade  und  Lieth  in 
Holstein,  anter  Voriage  der  betreffenden  Belegsticke. 

Stade  liegt  aaf  der  Grenze  Von  Marsch  und  Geest.  Die 
Geest  tritt  ans  der  Marschebene  mit  ziemlich  bedeetenden  HSgeln, 
weiche  nur  aufwärts  eine  sosammenhangende  Uferwand  gegen 
die  Ebene  bilden,  abwärts  dagegen  kuppenformig  gestaltet  und 
TOD  wagerechten  AUavionen  umzingelt  sind, 

Aasgezeiohnet  anter  diesen  Hügeln  ist  im  Sudwesten  der 
Stadt  ein  von  Osten  nach  Westen  streichender  Kamm,  genannt 
<^ie  Horst,  vorspringend  gegen  das  Thal  der  Schwinge  wie  ein 
l^leioes  Vorgebirge,  nördlich  flankirt  durch  das  Schwingethal 
f^elbst,  södlich  durch  ein  Neben thal,  jenseit  dessen  höhere  Di- 
Itivi&Ihägel  beginnen,  aber  bald  durch  schroffe  und  eigenthüm- 
iiche  Haldenfornen  am  Garten  des  Medicinalratbs  SaMdbr, 
Schämen  genannt,  abgelost  werden. 


460 

In  dem  nordlichen  Abfall  der  Horst  bat  eine  Ziegele 
ein  rothes  Thonleger  aafgeachloBaen,  wahrend  der  eodlich* 
AbMl  von  Stinkstein  verschiedenen  Ansehens  in  Haldei 
und  frischen  Anbrochen  gebildet  wird,  der  auch  noch  in  eioei 
breiten  Feldleiste  das  südlich  vorliegende  Thal  durehsetst  qo( 
in  unverkennbarem  Zusammenhange  mit  den  Haldenformeo  be 
Sandsb^s  Oarten  steht^  wo  Bauchsteiae  verschiedener  Art  uid- 
hergestreut  liegen  und  grane  Qjpsmassen  in  unbetrachtlicbei 
Tieüß  angebohrt  und  mehr  als  100  Fuss  mächtig  sondirt  sind 

Obgleich  unverkennbar  ein  gesohichtetes  Gebirge  vorli^ 
so  ist  doch  das  Streichen  nur  unsicher  und  das  Fallen  nirgends 
beobachtbar,  es  ist  selbst  nicht  einmal  wahrsunehmen,  welche 
von  dengenannteB  Schichten  im  Hangenden,  welche  im  Lie- 
genden sieb  b^nde,  und  nur  die  Analogie  lasst  hier  mit  einiger 
Sicherheit,  schliessen. 

Da  die  petrographische  Aehnlichkeit  sowohl  der  schiefrigen 
Stinksteine  -  mit  ihren  Kaikspathadem  und  der  wechseliagera- 
d^  Asche,  als  auch  der  Ranchsteine,  Trummergesteine  ond 
schlack  eilähnlichen  Dolomitbild  nngen  mit  den  gleichen  Gesteinen 
der  Zechsteinformation  am  Rande  des  Hartes  und  ThnriBger 
Waldes  in  hohem  Grade  auffallend  ist,  —  da  ferner  der  ange- 
bohrte Gyps,  obgleich  sehr  weich  und  nicht. aahjdritisch,  doch 
in  keinem  Charakter  der  Parallele  mit  den  Zechsteingypsen 
widerspricht,  und  da  ein  Kraus  von  Erdfällen  unverkennbar 
einen  äusserep  Gürtel  um  die  Kalksteine  bildet,  so  darf  nisn 
bei  der  vollkommenen  Identität  aller  grossea  Charaktere,  ond 
da  keine  andere  Gebirgsformation  etwas  Aehnliches  seigt,  nicht 
daran  zweifeln,  dass  die  Zechsteinformation  normal  und  voDig 
übereisstimmend  mit  den  klassischen  Vorbildern  Thüringens 
bei  Stade  entwickelt  sei,  und  wird  man  deshalb  den  rothen 
Thon  für  das  Hsngende  halten  und  das  Streichen  beider  Ge- 
birge in  der  Richtung  von  Sudosten  nach  Nordwesten  ohne 
speziellere  Bestimmung  der  Stunde  annehmen  müssen. 

Das  ist  die  Richtung  des  Elblanfes,  das  ist  gleich  ober- 
halb Stade  die  Richtung  des  scharfen  Abfalles  der  Geest,  das 
ist  im  Wesentlichen  die  Richtung  einer  Verbindungslinie  doKl) 
die  Erdfälle,  das  ist  die .  Richtung  des  Stinkstoinlsgers  sas  der 
Horst  über  die  Leiste  des  südlichen  Nebentbslei^ 
nach  Sandhr^s  Anlagen,  das  endlich  ist  die  Richtung  zwischen 
den  beiden  Entblossungen  des  rothen  Thones  in   der  Ziegelei 


461 

dea  Dorfes  Campe  nod  der  Ziegelei  jenseit  der  Schwinge, 
wftbreod  die  Mächtigkeit,  in  welcher  das  rotbe  Gebirge  zu  Tage 
ausstreicht,  sonst  nnter  Dilaviam  verhallt,  nur  durch  die  Ziegel- 
^obe  aaf  der  Horst  constatirt  wird,  von  welcher  man  eine 
Normale  aof  die  Verbindnngslinie  der  beiden  anderen  Ziegeleien 
als  die  Breite  des  Aasstreichens  bezeichnen  masste. 

Es  ist  jedoch  bei  dem  Maasse  der  Willkür  in  der  Den* 
Uing,  welches  die  nur  karg  sich  darbietenden  Erscheinungen, 
nfaoe  eine  einzige  sicher  ruhende,  nach  Streichen  und  Fallen 
erkennbare  Schicht,  dem  Beobachter  gestatten,  keineswegs  aus- 
geschlossen, dass  nicht  etwa  die  Streichnngslinie  von  der  Horst 
nach  Campe,  also  fast  genau  von  Osten  nach  Westen  gehen 
konnte,  allein  unter  Berücksichtigung  der  durch  das  Blbthal 
aosgeprügten  Oberflächenverhältnisse  nnd  der  damit  coincidi* 
reoden  deutlichen  Leiste  des  Stinksteinschiefers  dnrch  das 
södiiche  Nebenthal  bei  der  Horst  mochte  ich  jetzt  der  oben 
zuerst  constmirten  Streichnngslinie  den  entschiedensten  Voraag 
geben. 

Es  käme  nun  darauf  an,  das  Alter  des  rothen  Thoues 
Daher  zu  präcisiren. 

Derselbe  ist  6 — 8  Fnss  tief  von  Tage  herein  nbermengt 
mit  Feuersteinen,  Graniten  und  anderem  Dilovialgoroll,  ist  also 
tief  hinab  erweicht  gewesen.  Von  da  an  beginnt,  etwa  10  Fuss 
märhtig,  brauchbarer  Ziegelthon,  immer  die  Mächtigkeit  nicht 
nach  Schichten,  sondern  nach  Parallelen  zur  Brdoberfläche  ge- 
rechnet. Weiter  unten  übermengt  sich  der  Thon  mit  Gesteins- 
brocken, in  denen  man,  da  sie  scharfkantig  sind,  seine  eigene 
frühere  Construction,  die  wirklichen  Felscharaktere  des  Ge- 
birges erkennen  kann. 

Diese  Stacke  sind  meistentbeils  ein  sehr  feinkörniger 
Sandstein,  etwas  brauner  von  Farbe  als  der  völlig  ziegelrothe, 
zaweilen  grunstreifige  Thon  selbst  und  reich  an  seinen  silber- 
weissen  Glimmerblättchen,  welche  die  Schichtung  deutlich  er- 
i^ennen  lassen. 

Der  ganze  Habitus  dieses  Gesteins  erinnert  sehr  an  die 
QDteren  Schichten  der  lusel  Helgoland,  welche  man,  abweichend 
von  den  oberen,  mit  Buntem  Sandstein  parallelisirt  hat. 

In  der  Gegend  der  Ziegelei  von  Campe  enthält  der  rothe 
Thon  auch  Bmckstocke  eines   bunten    Mergels   und  zahlreiche 

^<^*U.  d.  D  gMl.  Ges.   XXII.  2.  30 


462 

Gypskoanern,  so  dass,'  wenn  etwa  ein  sehr  steiles  Anfrichtei 
der  Schiebten  vorausgesetzt  werden  kann,  bei  Annahme  del 
zuerst  entwickelten  Streichungslinie  die  Schichten  des  rotbei 
Thones  auf  der  Camper  Ziegelei  den  oberen  Schichten  toi 
Helgoland  entsprechen  wurden,  bei  denen  man  noch  zweifei 
haft  ist,  ob  sie  dem  Bunten  Sandstein  oder  dem  Keaper  ange 
hören.  Zweifel  über  die  Stellung  des  rothen  Gebirges  bleiber 
jedoch  bei  der  geringen  Tragweite  der  über  dasselbe  beobach 
teten  Thatsachen  nicht  abzuweisen.    — 

Die  Gegend  von  Lieth  an  der  Altoua- Kieler  Eiseiibaho 
zwischen  den  Stationen  Tornesch  und  Elmshorn  ist  seit  Jän^ 
gcrer  Zeit  schon  als  Beobachtungspunkt  für  ähnliche  Erschein 
nungen  bekannt.  Geognostisch  wichtig  gilt  sie  seit  1846^ 
während  Stade.  1853  zuerst  geognostisch  bedeutsam  bezeichnet 
wurde,  da  man  eine  absolute  Identität  der  Erscheinongen  mit 
Lieth  positiv  behauptete. 

Diese  absolute  Identität  ist  neuerdings  durch  eine  in  Ge- 
meinschaft mit  den  Herren  Berg-Hauptmann  Ottiliab  and  Ober- 
bergratb  Sibhbns  vorgenommene  Untersuchung  anerkannt 
worden.  Dieselbe  ist  so  sicher  festgestellt,  wie  nur  irgend  eine 
Thatsache  in  der  Geognosie  sein  kann,  und  die  Lage  auf  bei- 
den Seite  der  Elbe  einander  gegenüber  lässt  kaum  noch  einen 
Zweifel  aufkommen,  dass  man  es  hier  nicht  mit  den  Flügeln  einer 
zusammenhängenden  Mulde  zu  thun  hat.  Es  wird  der  Vorwurf 
fernerer  Untersuchungen  sein  müssen,  festzustellen,  wie  weit 
etwa  Helgoland  oder  gar  auch  SchobüU  bei  Husum  als  Bestand- 
theile  derselben  Mulde  anzusehen  sind,  in  deren  Innerem  die 
4  Kreidepunkte  Hemmoor,  Lägerdorf,  Hemmingstedt  und  Wit- 
tekliff (Helgoländer  Düneuinsel)  liegen  würden. 

Der  Thon,  welcher  auch  zu  Lieth  in  zweien  Ziegeleien 
aufgeschlossen  ist,  trägt  alle  dieselben  Charaktere,  das  Ein- 
dringen der  Diluvialgeschiebe,  das  Eintreten  der  Bruchstoeke 
des  ursprünglichen  Gesteins  in  gewisser  Tiefe,  das  Vorhanden- 
sein  des  Gypses,  der  hier  mehr  strahlig  und  faserig  erscheint. 
Alles  zusammen  genommen  lässt  Handstücke  von  beiden  Fund- 
orten nicht  unterscheiden. 

Der  Stinkstein  mit  Asche  und  Rauhkalken  ist  in  viel  hö- 
herem Grade  aufgeschlossen,  und  kaum  dürfte  eine  Form  dieses 
proteusartigen  Gesteines  an  den  Harzrändern  erscheinen,  welche 


463 

hier  anvertreteo  wäre.  Die  HandstScke  sind  von  Harzer 
Scäeken  and  noch  bestimmter  von  Stader  Stacken  absolut  nicht 
20  oDterscheiden. 

Als  Seltenheit  ist  aaf  Kluften  des  Stinksteins  violblauer 
FlQBSspatb,  in  Hoblungen  des  Raohsteins  Kupferkies  und 
$trahliger  Malachit  beobachtet.  Die  Gypse  von  grauer  Farbe 
sind  zwar  hier  nicht  gefunden,  allein  es  hat  hier  auch  noch 
keine  Tiefbohrung  stattgehabt.  Dagegen  sind  Erdfalle  in  li- 
oe&rer  Aasbreitung  vorhanden,  wenn  auch  flach,  wie  es  die 
sehr  flache  Sandebene  von  Lieth,  in  der  sonst  weit  und  breit 
dergleichen  Verdefangen  nicht  vorkommen,  mit  sich  bringt. 

Aach  an  dieser  Stelle  ist  ein  Streichen  mit  Sicherheft  nicht 
festzustellen;  wenn  man  aber  die  gleichartigen  Punkte  des 
Aatgehenden  mit  einander  verbindet,  so  ergiebt  sich  ein  fast 
geoaa  von  Süden  nach  Norden  gehendes  Streichen.  Indessen 
dorfteo  hierober  noch  bedenkliche  Zweifel  zulässig  sein,  da  in 
äem  ostlich  von  der  beobachteten  Lagerstatte  befindlichen 
Torfmoor  am  Boden  der  Torfgruben  sowohl  der  rothe  Thon, 
als  der  Stinkstein  schiefer  beobachtet  sind,  für  deren  Einschal- 
taog  eine  neue  Falte  angenommen  werden  mosste. 

Sind  die  aufgestellten  Streichungslinien  richtig  und  ist, 
was  wohl  kaum  bezweifelt  werden  kann,  der  rothe  Thon  das 
Hangeode,  so  fallt  die  constrnirte  Mulde  mit  der  Hauptein- 
äeokong  des  Elbthales  zusammen. 

Aas  früherer  und  auch  jetzt  von  mir  allein  wiederholter 
Beobacbtong  muss  ich  hier  hinzufugen,  dass  etwa  1000  Schritt 
TOD  dem  Ausgehenden  des  Stinksteirischiefers  gegen  Südosten 
—  also  im  vorausgesetzten  Liegenden  —  im  Qraben  der  Eisen- 
baho  eine  starke  Schwefelquelle  fliesst,  welche  aus  feinkorni- 
gem Sande  des  Diluviams  hervortretend  und  seit  Anlage  der 
Eisenbahn  1844  unverändert  schwefelhaltig,  ohne  Analogie  in 
anseren  sonstigen  Dikivialgebilden,  eb^falls  den  Gyps  im  Lie- 
geoden zu  verkündigen  scheint. 

Bemerkenswerth  durfte  es  sein,  dass  südwestlich  von  Stade 
das  Diluvium  theiiweise  rotb  gefärbt  ist  und  kleine  und  grosse 
Rollstacke  des  zerstörten  rothen  Gesteins  im  groben  Sande 
2aiilreicb  enthält,  während  ebenfalls  südwestlich  von  Lieth  der 
Lehm  des  Diluviums  von  Theilen  jenes  Gesteins  roth  gefärbt 
Würde. 

30» 


464 

Da  nach  anderen  Richtungen  bin  die  gleiche  Beobacbtong 
bisher  fehlt,  so  ist  zu  vermutben,  dass  die  Dilurialheweguog 
hier  südwestlich  gerichtet  wnr,  uud  dass  man  das  Ansiehende 
von  eeltenen  und  auffallend  localen  Beimengangeo  des  gemeinen 
nordischen  Diluviums  in  nächster  Nähe  immer  nordöstlich  wird 
snchen  müssen,  was  für  die  weitere  Erforschung  dieser  Gegea- 
den  von  Wichtigkeit  werden  kann. 

Ferner  scheint  mir  für  Ermunterung  zu  künftigen  praktischen 
Folgen  dieser  Beobachtungen  nicht  unwichtig  zu  sein,  dass  so- 
wohl der  mürbe  Sandstein  und  sein  sehr  magerer  Thon ,  als 
auch  der  brüchige  und  wunderbar  leicht  zersetzte  Stinkstein 
mit  Asche  gegeu  Diluvialfluthen  nur  sehr  geringen  Widerstand 
leisten  kannten,  mau  also,  wenn  sie  deunoch  an  der  Überdache 
erscheinen,  erwarten  darf,  dass  weit  umher  auch  anderes 
Gestein  der  festen  Erdkruste  nicht  sehr  tief  mit  Diluvium 
wird  verschüttet  sein  können;  denn  weder  konnte  die  Vorzeit 
einen  Berg  mit  solcher  Spitze  haben,  noch  konnte  bei  einem 
gewaltsamen  Rasiren  der  Oberfläche  durch  Eis  oder  andere 
mechanische  Kraft  dieses  Gebirge  einen  solchen  Widerstand 
leisten,  wie  die  sonst  allein  der  norddeutschen  Ebene  erhaltenen 
nackten  Gypsatöcke. 

Vielleicht  hat  einen  gewissen  Schutz  der  sähe  schwane 
Tertiärtbon  gewährt,  welcher  iu  Stade  Östlich  bei  Medicinalrath 
Sandbr  und  in  Lieth  ebenfalls  Östlich  von  der  Lagerstätte  be- 
kannt geworden.     In  Stade  enthalt  derselbe    Cementatein- 


465 

Mitteln  nicht  schleifen  konnten.  Es  wurde  von  dem  Grafen 
ScHO.NBOBN  nach  Prag  geschickt  und  hier  von  dem  Professor 
^'UAFARiK  als  Diamant  erkannt  und  bestimmt.  Es  ist  57  Milli- 
gramme  schwer,  hat  die  Form  eines  Hexaeders  mit  abgerun- 
deien  Eanteu,  ist  wcissgelb,  stark  glänzend,  ritzt  Saphir,  hat 
ai»o  die  Härte  de-s  Diamanten  und  so  auch  sein  specifisches 
Gewicht,  welches  bei  dem  Korne  3,53  gefunden  wnrde,  so  dass 
also  kein  Zweifel  ober  die  Aechtheit  dieses  Diamanten  statt- 
finden kann.  Er  ist  von  dem  Grafen  SohOnborm  dem  bohmi- 
scheo  National -Museum  geschenkt' worden. 

Schliesslich  theilte  Herr  Lindig  mit,  dass  am  Schlnss  des 
Monat  Januar  a.  c.  die  Tiefe  des  Bohrlochs  zu  Sperenberg 
~  2636  Foss  betrug.  Das  Steinsalz ,  in  welchem  bis  dahin 
TOD  283  Fuss  ab  ununterbrochen  gebohrt  worden  ist,  hat  so* 
mit  bereits  eine  Mächtigkeit  von  2353  Fuss  erreicht.  Die  Tem- 
peratur vor  Ort  ist  bei  2630  Fuss  Tiefe  =  31,5**  R.  —  In 
Hc^aester  Zeit  ist  ein  zweites  Bohrloch  in  Angriff  genommen, 
Qoi  die  Lagemngsverhältnisse  des  Salzlagers  näher  festzustellen. 

Hierauf  wurde  die  Sitzung  geschlossen. 

V.  w.  o. 

G.  Ross.    Betrich.    Eck. 


2.     Protokoll  der  März  -  Sitzung. 

Verhandelt  Berlin,  den  2.  März  1870. 

Vorsitzender:   Herr  G.  Rose. 

Das  Protokoll    der  Februar- Sitzung    wurde   verlesen    und 
genehmigt. 

Der  Gesellschaft  ist  als  Mitglied  beigetreten: 
Herr  Charles  Jewstt,  Stud.  phil. ,  aus  Bangor,    Staat 
Maine,  N.  Am.,  z.  Z.  in  Göttingen, 

vorgeschlagen    von    den    Herren    Beyrich,    Losseh 
und  ScHiLUfiG. 

Herr  Groth    sprach   über  eine   beim  Bessemerprocess  auf 
der  Härder  Hotte  gefallene  krjstallisirte  Schlacke,  deren  Form 


466 

BwiBchen    deijenig«ii   des  Babingtonits   und  des  Paisbergiu- 
der  Uitte  steht. 

Herr   Roth    bericbtete  über  den  Inhalt  einer  Arbeit  « 
Herrn  Mobsta   über  das  Vorkommen  der  Chlor-,    Brom-  n 
JodTerbindangen    des  Silbers  in    der  Natur   und  sprach  fcrc 
über    die   Gleichzeitigkeit    der    Volkane    von   Latium    nod  d 
Menschen    nach   dem  Beriebt  des  Herrn  db  RoBSi  im  InstiM 
di    corrispondenca   archeologica  vom    14.  December   186 
den  Aufsätzen  des  Herrn  PoKZi.    (Vergl.  diese  Zeitachr.  XXli 
252.) 
Herr  Hacchecobhk  legte  2  anegeteichnet  erhaltene  Exei 
are   des  Limuliu   Decheni  2inck.   aus   dem  B raunkohl eoisn 
iia   von  Subortau    bei  Zeitz  vor,   welche  Herr  FabriLdirecli 
UVI0W8KI  der  Mineralien -Sammlaug    des    Köuigl.    Handel« 
inieteriums   zum  Geschenk  gemacht    hatte.     Weitere  Hitlbei- 
Qgen    über  die   geoguos tischen   Verhältnisse  der  LagersiälU 
hielt  sich  der  Redner  vor. 

Herr  Orth  legte  einige  Kalksteingescbiebe  aus  dem  Dilu- 
iim  der  Umgegend  von  Berlin  und  von  ijchebitz,  2  Meilen 
irdwestlich  von  Breslau,  vor,  welch«  auf  einer  Seite  gerad- 
lige  parallele  Schrammen  zeigen. 

Hierauf  warde  die  Sitzung  geschlossen. 
v,  w,  o. 

G.  RosK.    BsYRicH.   Eck. 


3.     Protokoll  der  .April -Silzung. 

Verband«)!  Berlia.  den  6.  April   lt>70. 

Vorsitzender:  Herr  G.  Rosb. 

Der  Vorsitzende  widmete  dem  am  4ten  April  verstorbe- 
in Milgliede  der  Gesellschaft,  Geheimen  Rath  .Maskus  einep 
achruf.  Die  Gesellschaft  ehrte  das  Andenken  des  Verstor- 
men  durch  Erbeben  von  den  Plätzen. 

Das  Protokoll  der  März-Sitinng  wnrde  verlesen  und  gc- 
ihmigt. 

Der  Vorsitzende  machte  Mittheilnng  von  einer  an  die  Ge- 
llschaft   eingegangenen   Einladung  zur  Betheiligung  an  den 


467 

im  Aagaet  d.  J.  in  Antwerpen  »tattfindenden  Congress  zar  Be- 
förderang  der  geographischen,  kosmographischen  und  commer- 
cialen  Wissenschaften;  ferner  von  'einer  durch  die  Herren 
F.  PioTET,  A.  Favre,  E.  Favre  und  E.  Sarasin  unterzeichne- 
teo  Aufforderung  zur  Theilnahme  an  einem  Congress  der  AI* 
poogeologen,  welcher  am  31.  August,  1.  und  2.  September  d.  J. 
in  Genf  stattfinden  soll. 

Herr  Heim  gab  Erläuterungen  zu  den  in  der  vorigen 
Sitsong  von  ihm  der  Gesellschaft  nbergebenen  Panoramen  vom 
Pizzo  centrale  St.  Ootthard ,  von  der  grossen  Mythe  und  vom 
Ruchen-Glärnisch. 

Herr  Rammblsberg  sprach  über  die  chemische  Zusammen- 
setzDDg  eines  bei  Bohrversuchen  unweit  Lüneburg  in  Knollen 
im  Gypsmergel  aufgefundenen  Minerals.  Dasselbe  ist  weiss, 
b.it  das  specifische  Gewicht  2  und  besteht  nach  einer  von 
Herrn  Nollber  ausgeführten  Analyse  aus  25,3  Magnesia,  30 
Pbosphorsäore ,   12,7    Borsäure   und  32  Wasser,   entsprechend 

der  Formel  R*0*l   "^  7  aq.     Ausserdem  ist  eine  Spur 

Flaor  vorhanden.  Dem  neuen  Mineral  wurde  der  Name  Lüne- 
bargit  beigelegt.  Mit  demselben  ist  Magnesit  in  kleinen  Par- 
tien vorgekommen. 

Derselbe  legte  ferner  eine  kupferhaltige  und  daher  grün 
gefärbte  Varietät  des  Phosphorits  aus  Estremadura  vor,  welche 
stark  phosphorescirend  sein  soll. 

Herr  C.  A.  LoaSBiv  erläuterte  die  geogn ostischen  Verhält- 
nisse des  hercjnischen  Schiefergebirges  in  der  Umgegend  von 
Wippra  (Mansfelder  Oebirgs kreis).  Es  gehört  diese  Gegend 
<ier  Zone  metamorphischer  Sedimente  am  Südostrande  des 
Harzes  an,  die  sich  von  Herrmannsacker  bei  Stolberg  bis  gegen 
Leimbach  und  Hettstädt- erstreckt.  Und  zwar  lassen  sich  die 
im  Mittel  in  h.  3.  streichenden  Schichten,  die,  gegen  Sudost  ein- 
fallend, im  Hangenden  der  versteinerungsführenden  Schichten  von 
Harzgerode-Mägdesprung  auftreten,  hinreichend  genau  bestimmen 
als  das  metamorphische  Aequival'ent  der  hängenderen  kalkführen- 
<len  Schiefer  des  horcynischen  Schiefersystems  [Liegende  (Wieder) 
Schiefer,  Stufen  d,  e,/.].  Ueber  der  Kalk  und  Granwacken  fSh- 
renden  Zone  (d)  folgen  schmale  Quarzitlager  (e),  darüber  end» 
lieb  eine  Zone  Grüner  Schiefer  (/)  ins.  Xhon schiefer,  dieselben 
Schichten,  welche  auf  Section  Stolberg  meistens  und  auf  See- 


468 

tion  HasBelfelde  ganz  als  normsle  Sedimente  aosgebildet  Bind. 
Wie  anderwärts  im  Harz  stellt  auch  hier  die  krj'ilallinieclw 
Auebildung  der  Sedimente  in  geradem  Verhältnisse  zu  den 
physikniiachen  Störungen  des  Gebirges:  zn  der  steilen  und 
überstürzten  Aufrichtung  der  Schichten,  zu  der  Slanchnng  Bie* 
gung  und  Fälteluug  dereplben  im  Grossen ,  wie  im  Kleinen. 
Der  mineralogiBt^h-cheniiflchc  Cliarnkler  de.r  Metamnrphose  ist 
ähnlicb  der  Metamorphose  rri  Südrande  des  rheinischen  Schie- 
Tergcbirges  im  Taunus:  Albit,  Chlnrit,  Quarz,  Epidnt,  Eisen- 
oxyd, Karpholith  und  Sericit  oder  Glimmer  Bind  als  krjstal- 
linische  Bildungen  des  mel.imorphischen  Processes  zu  nennen. 
Während  dieselben  im  Taunue  —  wo  der  Karpholith  noch 
nicht  aufgeTunden  ist —  vorzugsweise  den  Gesleinskörper  selbst 
imprägnirea,  sind  sie  in  der  Wippraer  Gegend  des  Harses 
meistens  in  derben,  zum  Theil  grobkörnigen  Aus  anbei  düngen 
(Schnüren,  Knauern,  Adern)  zwisi'ben  den  einzelnen  Schiefer- 
blättern und  quer  durch  dieselben  ausgebildet.  Auch  die  Quar- 
ztt-  und  Grauwackenlager  sind  nicht  frei  von  solchen  Aa>- 
scheidangen.  Diese  Ausbildungsweise  ermöglicht  es,  die  Ent- 
wicklung der  Metamorphose  bis  zu  einem  gewissen  Grade  m 
verfolgeu.  Die  Vertheilung  der  einzelnen  Mineralien  int  Klei- 
nen lehrt,  dass  der  Sericit  und  Glimmer  (und  zum  Theil  der 
Chlorit),  welche  nicht  im  Innern  der  Ausscheidungen,  sondern 
nur  denselben  Üusserlich  anhaftend,  sowie  in  ganzen  Schichlea 
gefunden  wurden,  wesentlich  die  veränderte  Thonschieferfluer 
selbst  darstellen,  Albit,  Chlorit    und  Quarz    hingegen    meisteD) 


469 

Zone  (iio  Hangenden  der  erstgenannten  und  ioi  Liegenden  der 
2o:.e  dff  Granen  Schiefer),  welche  wohl  Quarz,  Chlorit  und 
K^ipholitb  io  zahlreichen  Ausscheidungen  enthält,  Albit  dagegen 
our  in  der  Nähe  von  17  ganz  sporadischen  Diabaslagern.  Kar- 
>bolith  und  Albit  wurden  niemals  in  einer  Ausscheidung  ge- 
ueiosam  aagctroffcn.  Es  ist  durchaus  zu  beachten,  dass  der 
\"'\U  das  charakteristischste  Mineral  für  die  Dia- 
/ascontactg  esteine  in  der  Gegend  des  Südost  harz  auch 
u  weiterer  Verbreitung  den  Diabnsmassen  verbunden 
^ilieint.  Erwägt  man,  dass  in  derselben  Gegend  von  Wippra 
Alliit,  ganz  im  Gegensatze  zu  den  anderweitigen  Diabasvor- 
kommen  dea  Harz,  neben  Hornblendeasbest  und  auch  ander- 
wärts gefundenen  Mineralien,  Kalkspath,  Chlorit,  Eisenglanz  und 
^uarz,  häufig  auf  den  Kluften  des  meist  sehr  chloritreichen, 
biierig-kornigen  Diabas  selbst  vorkommt,  ferner  dass  die  Cou- 
uctgesteiue  der  WipprHcr  Diabase  sehr  hochkrystHllinisch  ent- 
Ntiekelt  sind,  dass  hingegen  andere  Gegenden  des  Harz,  wie 
die  von  Haaselfeide  und  Allrode,  trotz  der  weit  zahlreicheren 
Diitbaslager  und  Contactbäuder  gleichwohl  ganz  frei  sind  von 
jeuen  Albit-,  Epidot-  u.  a.  Ausscheidungen  der  unabhängigen, 
aasser  Contact  mit  Eruptivgestein  erfolgten  Metamorphose,  so 
k'iiomt  man  zum  Schluss,  dass  die  Schichten  von  Wippra  im 
Zusammenhange  mit  der  physikalischen  Störung  chemisch-mi- 
(itrralogische  Veränderungen  erlitten  haben,  die  in  der  Urage- 
lufig  der  Diabase  und  Granen  Schiefer,  wenigstens  der  Albit- 
Q3d  Epidot-Substanz  nach ,  auf  die  zugleich  erfolgte  Verände- 
rung dieser  eingelagerten  Eruptivgesteine  und  tuifartigen  Sedi- 
mente zurückzuführen  sein  dürften. 

Herr  Weiss  zeigte  ein  Exemplar  der  Myoplioria  cardis- 
soidet  aus  den  Schichten  mit  Ammonites  nodosus  der  Umgegend 
VüQ  Saarlouis  vor,  welches  beweist,  dass  diese  Muschel  nicht, 
^ie  man  bisher  geglaubt  hat,  auf  den  unteren  Muschelkalk  be- 
scbränkt  sei. 

Herr  Bbtrich  besprach  eine  der  Gesellschaft  zugegangene 
Abhandlung  des  Herrn  Leihbach  über  die  permische  Formation 
^ei  Frankenberg  in  Kurhessen. 

Herr  Heim  theilte  den  Inhalt  einer  von  ihm  verfassten 
Arbeit  aber  die  Gletscher  mit. 

Herr   Kuhth  legte  einen    Gypsabguss   und  Photographien 


470 

des    in  der  Mars -Sitzung  vorgezeigten  Ldtnulus  Deeheni  Zi>ck 
von  Schortau  vor. 

Endlich  theilte  Herr  Häühbcornb  mit,  dRSS  der  Druck  de; 
von  Herrn  v.  Dbghbn  im  Auftrage  der  Gesellschaft  angefer 
tigten  geognostischen  Karte  von  Deutschland  nunmehr  beende 
sei  und  die  Aasgabe  derselben  in  nächster  Zeit  erfolgen 
werde. 

Hierauf  wurde  die  Sitzung  geschlossen. 

V.  w.  o. 

6.  Rose.    Betbich.    Eck. 


Druck  Ton  J.  F.  Starck«  in  B«rl<n. 


Zeitschrift 

der 

Deutschen  geologischen  Gesellschaft. 

3.  Heft  (Mai,  Juni  und  Juli)  1870. 


A»    Aafs&tze. 

I.    Die  TertiärfematiM  i«  Klettguk 

Von  Herrn   Franz  Josbpb  Würtbnberger  in  Deltighofen. 

Hienn  Tafel  XU. 

HideitaBg. 

Der  Klettgau  liegt  am  Nordrande  des  schweiserischen  Mo- 
I&aselaades.  Die  tertiären  Niederschläge  sind  hier  zum  Theii 
eigenthamlich  lokal  ausgeprägt  und  gewinnen  als  Grenzschich- 
ten, Strand-  und  Deltabildungen  ein  erhöhtes  Interesse.  Die 
gftoze  Tertiärformation  besteht  im  Klettgan  aus  zum  Theil 
sehr  mächtigen  Sand-,  Mergel-  und  Geröllablagerungen,  welche 
tbeilweise  durch  kohlensauren  Kalk  zu  mehr  oder  weniger 
festen  Gesteinen  verkittet  sind.  Die  Geschiebe  der  Conglo- 
merate  stammen  nicht  aus  unserer  Gegend;  sie  geben  jedoch 
ziemlieh  sichere  Auskunft  über  ihre  Heimath  und  die  Richtung 
<ler  sie  transportirenden  Strömung.  Im  Allgemeinen  erschei- 
nen die  Schichten  sehr  arm  an  organischen  Ueberresten,  was 
in  der  Tbat  aber  doch  nicht  der  Fall  ist  und  daher  rührt,  dass 
die  Petrefacten  meistens  in  sehr  vereinzelten  Nestern  ange- 
häuft vorkommen,  wodurch  ihr  Auffinden,  das  gewöhnlich  vom 
Zufalle  abhängig  ist,  sehr  erschwert  wird.  Darum  gelang  es 
mir  nur  dnrch  muhevolle  und  Jahre  lang  fortgesetzte,  mit  vie- 
len Schirfversuchen  unterstützte  Beobachtungen  in  fast  allen 
Stufen  ergiebige  Fundstellen  zu  entdecken,  die  nun  endlich  ein 
far  die  Natur  und  Altersbestimmung  der  Niederschläge  genü- 

ZtiU.  4.D.gML6es.XXIL  3.  31 


472 

gendes  Material  darbieten,  welches  ans  einer  ziemlich  reicb< 
interessanten  Flora  and  einer  qiebt  minder  wichtigen  Faac 
besteht. 

In  drei  nach  Alter  und  Lagerung  ganz  verschiedenen  H< 
rizonten  fand  ich  in  der  Kaltwangenkette  typisch  anageprägi 
tertiäre  Herbarien.  Das  reichste,  welches  mir  bis  hente  7 
bestimmbare,  meist  subtropische  Pflanzen  und  einige  Thierspt 
cies  geliefert  hat,  liegt  in  den  unteren  Süsswasserbildangen  b( 
Baltersweil.  Das  andere  befindet  sich  in  einem  wohl  30( 
hoher  liegenden  tertiären  Schichtencomplex,  in  den  brackische 
Schichten  über  der  Aafi|£ni|igelflfilie  bei  Dettighofen  and  hi 
als  Ausbeute  45  Arten  Landpflanzen  und  daneben  noch  3: 
Species  Land-,  Süsswasser-  und  Meeres  -  Conchjlien ,  suwi 
einige  Insecten-,  Fisch-  and  8&agetfaierreste  ergeben.  Da 
dritte  endlich  liegt  wieder  in  einem  noch  etwa  200'  hoherei 
geognoetischen  Niveau,  in  der  Juranagelfluhestufe  bei  Bob) 
wo  ich  aber  bis  jetzt  nur  12  bestimmbare  Pflanzenarteo  ge 
winnen  konnte.  Die  anderen  Fundstellen,  die  nur  Thierredt< 
liefeften,  liegen  in  den  verschiedenen  marinen  Faciesbiidou^ 
gen  bei  Dettighofen,  Buhl,  Berchenhof,  Buchberg  am  Rheiii 
etc.  Die  Specieazahl  ist  aber  ut>«rall  eine  ziemlich  besohrinkte; 
denn  Berchenhof  mit  27  Artej»  ist  nach  am  reichsten» 

Bei  Ausführung  der  vorliegenden  Arbeit  haben  mir  die 
Herren  O.  Hber  und  K.  Matsu  in  Ziirioh  and  Botuieter  in 
Basel  durch  freundliche  Mittheilungen  und  durch  das  Bestimi 
men  eines  Theils  meiner  Petrefacten  wesentliche  Dienste  ge-l 
leistet,  wofür  ich  diesen  Herren  hier  meinen  Dank  a43isprecbe. 

Die  folgende  Abhandlung  zerfallt  in  vier  Abtheiluogen. 
Der  ersle  Theil  enthält  eine  Anzahl  der  interessanteren  Pro- 
file unseres  Tßriiär^e^irgps.  Der  zweite  giebt  die  Groppiruag 
der  Schichten«  Der  dritte  Theil  enthält  die  Alter&bestimmuogj 
der  Stufen  oder  die  Parallelisirung  unserer  TerliärformatioD 
mit  den  Ablagerungen  anderer  Länder,  und  im  vi^ie«  Tbeile 
finden  sich  als  Anhaz^  einige  speziellere  Notizen  über  die 
Klettgauer  Tertiärflora. 

Für  die  im  Verlaufe  dieser  Abhandlung  folgenden  Dar* 
stellangen  des  Charakters  unserer  Klettgauer  Tertärflora,  »o- 
wie  für  ihre  Altersbestimmong  wurde  im  Wesentlichen  das  so 
Grunde  gelogt,  waa  Professor  O.  Hsbr  in  seinem  reichhaltigem 
Prachtwerke   ,^ie  tertiäre  Flora   der  Schweiz*^   über  die  Ver- 


473 

irandtajcbafitoverbältois^e  der  einzelnen  fos^äj^n  Arten  ipit  jetct 
lebenden  Pflanzen ,  sowie  ober  ihre  Yerbreitui^g  im  Tertiar- 
iande  angiebt. 

L    Profile  ier  Uettgaver  TertfirfenBatlaii. 

No.  I.    Babl  —  Kaltwangen. 
Tafel  XII.,  Fig.  1. 

Das  Dorfchen  Bohl  lie^t  1528 '  u.  M.  auf  einer  felsigen 
Terrasse  des  oberen  Weissen  Jara,  am  östlichen  Fusse  des 
tertiären  Ealtwangengebirses,  welches  in  der  Nähe  bis  zu* 
Höheosahl  2245'  ansteigt. 

a.  Die  Jarakalke  sind  im  Dorfe  und  dessen  Umgebung 
&Q  vielen  Stellen  anfgescblpssen  und  geboren  nach  den  darin 
Torkommenden  Leitfossilien  zu  den  Nappberg-Schichten  (Oppbl's 
^De  ^des  Ämmoniiea  steraspis). 

b.  Daraaf  folgen  gelbe,  feste  Thone  mit  eingesaeten  Bohn- 
erzen  and  Feuerstein kuollen.  Unten  trifft  man  hautig  auf 
reiche  cooglomeratische  Erzlager,  die  bis  noch  vor  Kurzem 
Gegenstand  eines  lebhaften  Bergbaues  waren.  Die  Mächtig- 
keit i^  sehr  wechselnd,  von  Wenigem  bis  gegen  100 ^ 

c.  Unmittelbar  darauf  liegen  gelbliehgraue,  mittelfeine, 
lockere  Saudmassen  mit  eingelagerten  harten  Knauern.  Auf- 
geschlossen in  deffi  Kellern  des  Mittelhofes  und  etwas  höher  in 
einer  Saodgroöe  an  der  Strasse. 

d.  Im  Aufwärtssteigen  trifft  man  in  der  Umgebung  von 
Oberbof,  abgesehen  von  dem  zuweilen  auftauchenden  Gletscher- 
^^etritas,  meititens  auf  geröllfreie,  braune  oder  graue  Boden- 
arten, unter  welchen  buntfarbige  Mergel,  wechselnd  mit  hell- 
grauem, losen  8ande,  versteckt  liegen.  In  der  Folge  treten 
diese  Schiebten  an  der  nach  Bergsoheuen  fuhrenden  Strasse 
wiederholt  deutlich  zu  Tage  und  setzen  bis  etwa  zur  halben 
Hohe  des  Berges  fort ,  wo  dann  am  Fusse  einer  Bergterrasse 
dorcb  das  Auftreten  der  folgenden  Bildung  ein  plötzlicher 
Wechsel  eintritt.  Die  Mächtigkeit  von  c  und  d  zusammen  be- 
trägt etwa  800', 

e.  Ein  Conglomerat,  zusammengesetzt  aus  gerundeten  Ge- 
schieben von  Gneisp,  Granit,  Porphyr,  Quarzit,  Muschelk